Dienstag, 8. Oktober 2024

Bekommt Deutschland ein Torwartproblem?

 Wenn nicht jetzt, dann gleich?

Die Verletzung von Marc-André ter Stegen zeigt uns gerade, dass die Torhüterposition überraschend dünn besetzt ist. Also, das muss dazu gesagt werden, für deutsche Verhältnisse... Denn zum ersten Mal seit Ewigkeiten sitzt kein Weltklassemann auf der Bank oder steht im Tor.

Klingt übertrieben? Aber guckt euch mal die Liste der Torhüter an. Dann nehmt die "Eintagsfliegen", die bei den Testspielen der C-Mannschaft gegen Dänemark ran durften... dann bleiben wir bei:

Sepp Meier: Welt- und Europameister. 3-maliger Champions League Sieger. Der Beste seines Faches.

Toni Schumacher: Stand in 2 WM-Finalen, Europameister, Deutscher Meister mit dem 1.FC Köln. Laut Kicker Rangliste 9-mal Weltklasse und 6-mal innerhalb von 7 Jahren "Torwart des Jahres". Oh und Zweitbester Spieler der WM 1986 als Torwart.

Bodo Illgner: Weltmeister, zweiter bei der EM, zweifacher Champions League Sieger mit Real Madrid.

Andreas Köpke: Europameister. Aber die eine Ausnahme, weil er die Angewohnheit hatte, sich für richtig schlechte Vereine zu entscheiden, weshalb er alleine 7-mal abgestiegen ist. Am besten lässt sich seine Karriere mit dem gescheiterten Doppelwechsel zum VfB Stuttgart und Barcelona zusammenfassen. Aber...

Oliver Kahn saß 1996 schon auf der Bank. Er hätte 1998 schon im Kasten stehen müssen, weil er spätestens da der bessere Torhüter war. Er legte eine legendäre Karriere hin und wurde, was vor 2006 eigentlich unvorstellbar war, nach der Karriere sogar sympathisch. 

Jens Lehmann war so gut, dass er einen Oliver Kahn verdrängte... weil er in der gesamten Champions League Saison kein einziges Gegentor kassierte. Wenn Arsenal ein Gegentor schlucken musste, stand immer Ersatzmann Manuel Almunia im Tor. Er war Teil der "Invincibles", verlor also mit Arsenal in der gesamten Premiere League kein einziges Spiel. Oh und Lehmann gewann den UEFA Cup mit Schalke und wurde Meister in 3 Ländern. Nach der Karriere ging er den gegensätzlichen Weg zu seinem jahrelangen Konkurrenten Kahn und entpuppte sich als Arschloch.

Danach kam schon Manuel Neuer, der das Torhüterspiel auf ein völlig neues Level gehoben hat. Bis zu seinem Skiunfall war der man ein Jahrzehnt lang sehr konstant Weltklasse.

Auf ihn folgte nach Jahren auf der Bank, ter Stegen, der in vielen anderen Ländern schon 100 Länderspiele auf dem Buckel hätte, aber nie an Neuer vorbeikam.

Wenn man sich also, wie 1998, gegen einen Weltklasse-Torhüter entscheiden wollte, konnte man den auf die Bank setzen. Aber keinen einzigen zur Verfügung haben... das gab es seit den 70ern nicht mehr. 

Jetzt steht, bei allem Respekt, Oliver Baumann im Tor. Ein guter Torhüter. Gehobener Bundesligadurchschnitt. Der ist aber auch schon 34 und wird niemals mehr als gehobener Bundesligadurchschnitt sein. Bernd Leno hat abgesagt, weil er zu alt für die Bank ist und er, sachlich gesehen, eh für kein Turnier infrage kommt. Janis Blaswich wurde als Nummer 3 nominiert, obwohl er in Salzburg stark in der Kritik steht... und sein ehemaliger Verein aus Leipzig ungeschlagen ist, seitdem er durch Péter Gulácsi ersetzt wurde. Ein Paradebeispiel für den Einfluss eines guten Torhüters auf den Erfolg einer Mannschaft. 

Als "junger Hoffnungsträger": Alexander Nübel. Der ist auch schon 28. Er hat bisher eine starke Saison beim VfB Stuttgart im Lebenslauf stehen. Ersteht aber jetzt schon bei 11 Gegentreffern in 6 Spielen. Und er muss sich anscheinend erstmal hinter Baumann anstellen, was Julian Nagelsmanns erster Fehler sein dürfte.

Vielleicht entwickelt sich Nübel noch zur Weltklasse. Aber mit 28 ist er es noch nicht. Internationale Klasse würde ich ihm geben, aber zu den Besten fehlt ihm noch ein Stückchen. Und der ist jetzt der designierte Thronfolger, falls ter Stegen nach der WM in den Ruhestand geht... Bei allem Respekt: Er ist der schlechteste Herausforderer, den Deutschland seit 1996 hatte.

Hier kommt aber das eigentliche Problem: Es kommt so richtig auch keiner nach. Die Lage ist so schlimm, dass Werder Bremen sich einreden wollte, dass Michael Zetterer nominiert werden könnte. Ein Torhüter, der sich erst mit 28 Jahren in der Bundesliga durchsetzen konnte. Kevin Trapp ist auch schon verdammt alt und hat sich auf höchstem Niveau, also bei Paris St. Germain, nicht durchsetzen können. Robin Zentner ist ein Torhüter für den Abstiegskampf. Kevin Müller hat seine erste Bundesligasaison gespielt... mit 33 Jahren. Moritz Nicolas hat letzte Saison die Chance, einen ebenfalls nicht überragenden Jonas Omlin zu verdrängen, nicht wirklich genutzt. Nicolas ist 26. 

Noah Atubolu zeigt sich immer wieder verdammt inkonstant. Für den SC Freiburg kann der, wenn er will, 15 Jahre im Tor stehen, aber ich sehe da keinen angehenden Weltklassetorhüter. Der ist aber, im Gegensatz zum Rest, wenigstens noch jung. Er ist aber auch der einzige deutsche U25 Keeper. Der muss also, Stand jetzt, 2026 oder 2028 übernehmen. Also das ist dann alternativlos. Das ist der Pfad, auf dem sich die Torhüternation bewegt.

Wirklich aufgefallen ist mir das vor ein paar Wochen, als Kaua Santos für Kevin Trapp übernehmen musste. Ich dachte mir da: wirklich? Die müssen ihren Ersatztorwart aus Brasilien importieren? Haben die extra einen Scout nach Flamengo geschickt, um nach Torwarttalenten zu suchen, anstatt sich im Ruhrpott umzugucken? Findet man keinen halbwegs brauchbaren Torhüter in der Region? Anscheinend nicht. Das kann kein gutes Zeichen für die Jugendarbeit sein.

An der Stelle muss ich zugeben, dass die Eintracht letzten Sommer Diant Ramaj für 5 Millionen an Ajax Amsterdam abgegeben hat, damit der da irgendwann Stammtorwart werden kann. Aktuell vertraut man da aber eher dem 40-jährigen Remko Pasveer. Ramaj war zum Ende der letzten Saison verletzt, dass er jetzt aber nicht an einem alten Sack vorbeikommt, ist kein gutes Zeichen. Aber mit einem Marktwert von 18 Millionen ist er, laut Transfermarkt, der zweit-wertvollste deutsche Torwart... nach dem verletzten ter Stegen.

Das einzige, worauf man sich immer verlassen konnte, waren Weltklasse Torhüter. Selbst wenn einer verletzt ausfallen sollte, stand sofort der Nächste bereit. Wenn die Karriere eines Rene Adlers durch zu viele Verletzungen ausgebremst wurde, kam sofort ein Neuer nach. Selbst ein für die Nationalmannschaft völlig irrelevanter 4. Torwart wie Bernd Leno wäre in England als Nummer 1 im Gespräch gewesen. 

Jetzt läuft alles auf das Duell Atubolu gegen Ramaj aus. Es gibt kaum noch hoffnungsvolle Talente. Während Neuer, Adler, ter Stegen und Leno mit Anfang 20 den Durchbruch in der Bundesliga geschafft haben, sind die Ersatztorhüter mittlerweile 28. Die Hälfte der Bundesliga-Torhüter kann gar nicht für Deutschland auflaufen (oder, im Fall von Neuer, will nicht mehr). Ein 34-Jähriger gibt sein Debüt mit dem Adler auf der Brust...

Da sieht man mal, wie krass es gerade im deutschen Tor bergab geht.

Donnerstag, 3. Oktober 2024

Wie konnte das denn passieren?

 In der Champions League ist gerade etwas passiert, was selbst der Bundesliga peinlich wäre. Und das soll schon was heißen. Schließlich ist das DIE Liga, von der sich mehr und mehr Traditionsvereine distanzieren, indem sie einfach absteigen. Trotzdem...

Borussia Dortmund führt nach 2 Spieltagen die Tabelle an. Im Jahr 2024! Wo ist eigentlich Heidenheim, wenn man es braucht?
Natürlich ist die Tabelle noch völlig verschoben. Auch wenn Dortmund tatsächlich 2 Teams aus Lostopf 2 und 3 besiegt hat. Das überrascht doch irgendwie. Man hat aber auch definitiv das schwächste Team aus Topf 2 gezogen. Und der Leistungsabfall zwischen Topf 2 und 3 ist einfach krass.

Und es ist ja sogar dem Kicker aufgefallen, dass Teams das Ergebnis bewusst nach oben schrauben. #PassivesAbseitsleserwissenesfrüher... Wir hatten jetzt schon mehr Siege mit 3 Toren Unterschied, als in der gesamten Gruppenphase im alten Modus. Und die eine oder andere Mannschaft hat eindeutig verstanden, dass das Torverhältnis entscheidend sein dürfte. Nur Pep Guardiola ist das egal. Dem reichte ein 4:0 und er wechselte Erling Haaland aus... Aber das ist schon eine absurde Konstellation: Es wird jetzt hinterfragt, ob es richtig war, seinen besten Stürmer auszuwechseln, weil er "nur" 4:0 gewonnen hat. Direkt nachdem ihm von Lothar Matthäus mitgeteilt wurde, dass er doch mehr rotieren kann. Und es gibt ein gar nicht so theoretisches Szenario, in dem ihm diese Entscheidung weh tun könnte...

Viel wichtiger ist natürlich, dass Manuel Neuer die wichtigste Lektion aus der Pandemie vergessen hat: Man geht Abends einfach nicht sinnlos spazieren. Man könnte da auf Nazis treffen unnötige Gegentore kassieren. Aber gerade der überraschende Sieg von Aston Villa beweist, wie viel großartiger der neue Modus ist. Auch wenn die Ansetzung belegt, wie viel Losglück Dortmund wirklich hatte. Denn Villa kommt aus dem 4. Lostopf, ist aber trotzdem stärker als alles, was Dortmund so vorgesetzt bekam.

Im "Alten Modus" könnte Neuer jetzt beruhigt schlafen: Solange wir im Rückspiel 2:0 gewinnen, landen wir vor den Engländern. Das ist also alles nicht so dramatisch. Das wird schon werden.
Jetzt haben sie ein Spiel gegen ein Team aus Lostopf 4 verloren, was man sich definitiv nicht erlauben kann, wenn man in die Top 4 kommen will. Das ist eine ganz einfache Rechnung. Sie haben als nächstes Barcelona und Paris St. Germain vor der Brust und können sich da nicht mal ein Unentschieden leisten. Und selbst das könnte am Ende nicht reichen...

Damit könnte zum ersten Mal seit Jahren im Oktober was Relevantes passiert sein. Neuer könnte sich tatsächlich einen Patzer geleistet haben, der nicht mehr reparierbar ist. Auf einmal lohnt es sich damit auch, wieder hinzuschauen.

Das ist echt das erste Mal in bestimmt 10 Jahren, dass ich die "Gruppenphase" wirklich ins Auge fassen werden. Ich habe das gerade mal nachgeschlagen: in meinem letzten und beinahe einzigen "Champions League" Beitrag im Oktober ging es um Fußball als Superspreader und die Belastung während Corona. Aber halt nicht um das, was auf dem Platz geschah. Dass ich mich mit einzelnen "Patzern" beschäftigt habe, war halt überflüssig, weil diese Patzer am Ende völlig belanglos waren.

Für uns als Zuschauer ist das, wie ich immer wieder erwähnen werde, etwas Großartiges.

Montag, 30. September 2024

Worst of es "Ist das schon Kreisklasse" Wochenendes

 Also gar nicht spielerisch. Spielerisch war das alles schon in Ordnung. Also außer der SC Freiburg. Die weisen auch unter Julian Schuster mit, dass sie eine richtig gute Mannschaft sind... aber sie liefern aber auch hin und wieder eine richtige Grottenleistung ab. Ein mal im Quartal verlieren sie 3:0 gegen eine Mannschaft, die sie eigentlich schlagen sollten. 

Das ist auch kein Vorwurf. Es zeigt halt auch nur, dass die wirklich ihr Optimum abrufen müssen, um in der Bundesliga zu bestehen. Es ist eher faszinierend, wie oft Freiburg zumindest verdammt nah an dieses Optimum herankommt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Vor allem, weil sie das ja über Jahre und mittlerweile 2 unterschiedliche Trainer so konstant abrufen.

Bei St. Pauli dachte sich Alexander Blessin anscheinend, dass das ja alles zu einfach ist. Deswegen zwang er der nicht von ihm trainierten Aufstiegsmannschaft ein neues System auf. Was an sich gar nicht sooo schlimm ist, schließlich muss man ja sein Aufstiegssystem auf die neuen Gegebenheiten anpassen. Aber ich sage das mal so: Sich ein System auszusuchen, in dem es prinzipiell keinen Platz für deine besten Spieler gibt, ist vielleicht... also kennt ihr diese "Kann man Spiel X nur mit der schwächsten Waffe durchspielen" Challenges? Blessin dachte sich: Ich übernehme nicht nur einen der schwächsten Kader, sondern nutze dann auch meine besten Optionen nicht.

Immerhin... hat er nur 3 Spieltage gebraucht, um seinen Fehler einzugestehen. Aber seit dem Elias Saad und Olapado Afolayan in die Startelf zurückgekehrt sind, sehen die Kiezkicker auch wie eine Bundesligamannschaft aus... und sie holten 4 Bonuspunkte. Denn weder mit einem Unentschieden gegen RB Leipzig, noch mit einem Sieg in Freiburg war wirklich zu rechnen.

Zum Glück ist es ja "nur die Bundesliga", da kann man es sich leisten, ein paar Spiele lang auf seine Besten zu verzichten. Schließlich gibt es ja auch noch Kiel und Bochum, die schon so aussehen, als würden sie nur gegeneinander punkten können. Da muss St. Pauli nur noch 2 Spiele gewinnen, um das Saisonziel "den Hamburger SV in der Relegation schlagen" sicher zu erreichen.

Und natürlich hat Bochum gegen Borussia Dortmund überraschend gut gespielt. Sie hätten ja sogar 3:0 führen MÜSSEN. Aber hier ist das Grundproblem: In diesen wenigen Spielen, in denen man zumindest halbwegs auf Augenhöhe ist, muss man zwingend punkten, wenn es was mit dem Klassenerhalt werden soll.

Aber kommen wir zum großen Aufregen des Wochenendes: Der Kreisklasse-Klassiker: Maximilan Arnold tritt seinen Gegenspieler im Mittelfeld... und fällt sicherheitshalber schreiend um und hält sich den Knöchel. Kann ja nicht schaden. Vielleicht denkt der Schiri ja, dass ich gefoult worden bin. Oh, tatsächlich... es gibt sogar Gelb-Rot...

Nebenbei... hatte auch Arnold schon Gelb. Also um zu verdeutlichen, wie krass diese Fehlentscheidung ist: Es hätte theoretisch einen Platzverweis für die andere Mannschaft geben können. Das ist schon brutal. Und es wird wieder mal der Spieler, der auf den Beinen bleibt, bestraft, während der Spieler, der sich am Boden wälzt, belohnt wird. Das ist wieder eine wunderbare Lektion für alle C-Jugendspieler dieser Welt: Theatralisch fallen und laut schreien hilft. Ohne jetzt Arnold zu sehr dafür angreifen zu sollen, denn Beleidigungen hat er dafür nicht verdient. Und den Fehler macht ja nicht er, sondern der Schiedsrichter. Trotzdem muss man erwähnen, dass dies ein richtiger Kack-Move vom Schiedsrichter war.

Es ist nebenbei der 1000ste Beweis, dass Challenges viele VAR Probleme lösen wurde. Denn natürlich hätte Stuttgart, wenn man ihnen die Option gibt, genau diese Szene überprüfen lassen. Stattdessen wird der spätere Platzverweis gegen Mohammed Amoura zurückgenommen. Das zwar zurecht, dass aber nur die eine Fehlentscheidung zurückgenommen werden kann, obwohl beide zum selben Ergebnis führen, ist einfach unfair. Damit erreichen wir an der Stelle weniger Gerechtigkeit, obwohl der VAR doch zu mehr Gerechtigkeit führen sollte.

Und all das nur, weil die alten weißen Männer zu dumm sind, die Lektion der anderen Sportarten zu lernen und ein Challenge System einzuführen. Wie kann man so ignorant sein? Aber wir müssen ja irgendwie darauf hoffen, dass ein wichtiges WM-Spiel durch so einen Scheiß beeinflusst wird, denn sonst interessieren sich die Regelhüter ja nicht so wirklich für den Fußball. Was einfach nur Schade ist.

Freitag, 27. September 2024

Was man sich nach einem Urlaub immer fragt:

Wer hat in der Woche eigentlich das Dümmste gesagt. Das ist immer ein guter Einstieg, wenn man ein Weilchen raus war.

Nach 2 Wochen mit einem quasi kaputten Laptop habe ich meinen Arbeitsplatz echt vermisst. Hier kann ich problemlos nachprüfen, ob Diego Maradona eigentlich im Stadio Bernabeau getroffen hat. Hat er. Es ist nebenbei lustig, wie diese Random Fun Facts von Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs dann von allen anderen übernommen wird... ohne dass Zeigler dafür als Originalquelle angegeben wird. Seitdem Arnd am Sonntagabend erwähnt hat, dass Maradona und Undav als einzige Spieler in Meppen und Madrid getroffen haben, ging das mehrmals durch meine Timeline... Aber Quellenangabe ist ja für Noobs...

Aber zu den dümmsten Aussagen. Der erste Kandidat war Claus-Dieter Wollitz: Der beschwerte sich über den Zustand der Trainingsplätze, auf denen er arbeiten muss. Kann man machen, wenn man damit seinen eigenen Verein kritisiert. Aber wenn man sich bei der Stadt Cottbus beschwert, dass der Ausweichsplatz in der Parzellanstraße nicht den Ansprüchen genügt. Ähm... Es ist nicht die Aufgabe der Stadt, ein professionelles Trainingsumfeld bereitzustellen. Es ist deren Aufgabe Plätze für den Breitensport bereitzustellen.
Das ist aber nicht mal das wirklich lächerliche. Der Grund, warum der Trainingsplatz in so einem bescheidenen Zustand vorgefunden wurde, war das Monats-Hochwasser. Die hatten einfach mit extremen Regenfällen zu kämpfen, die dazu führten, dass der Platzwart den Rasen nicht betreten konnte oder sollte. Cottbus trainierte trotzdem. Frei nach dem Motto "Nach uns die Sintflut"... Dass die Stadt Cottbus aber andere akute Probleme hatte und deswegen seine Energie nicht in seinen Verein stecken kann, hat Wollitz nicht auf dem Schirm.
Also falls ihr dachtet, dass nur die Champions League Vereine völlig abgehoben sind: Wollitz kann das auch als Drittliga-Aufsteiger.

Platz 2 geht an Sepp Meier, der sich direkt nach dem Ausfall von Marc-André ter Stegen ein Comeback von Manuel Neuer ausspricht. Was eine echte Option wäre, wenn Neuer von Julian Nagelsmann ausgebootet worden wäre. Wenn er sich nach dem Turnier auf ter Stegen als neue Nummer 1 festgelegt hätte... aber Neuer ist zurückgetreten. Von sich aus. Der hat seinen Platz freiwillig geräumt.
Und er hat halt (zumindest theoretisch, denn ob die wirklich so stattfindet, wie geplant, muss man noch sehen) eine Klub-WM vor der Brust. Was aber auch das einzige relevante Turnier ist, dass ter Stegen eventuell verpassen könnte...
Natürlich hat Neuer die Tür für ein Comeback nicht gänzlich geschlossen. "Man sollte so etwas nie ausschließen" ist sein Zitat zu dem Thema. Aber der wird nicht für die Qualifikationsspiele und die Nations League zurückkommen. Bedeutet ganz praktisch: Wenn sich ter Stegen im Januar 2026 schwer verletzt hätte, würde Neuer über ein Comeback nachdenken. Für den, aus seiner Sicht, belanglosen Scheiß wird er sich das nicht antun und geht lieber Skifahren.

Aber selbst das ist noch nicht das Dümmste

Dieser Preis geht an den Überexperten Lothar Matthäus. Dessen Reaktion auf die ebenfalls schwere Verletzung von Rodri war ein: Dann rotiert doch einfach. Ottmar Hitzfeld hat das "bereits Ende der 90er als Bayern-Trainer praktiziert."

Lasst uns mal im Detail auseinandernehmen, warum diese Aussage so unfassbar dämlich ist. Als allererstes muss man da mal eines festhalten: Eine Rotation zur Belastungssteuerung ersetzt keinen Urlaub. Man kann dadurch vielleicht kurzfristige Verletzungen vermeiden, aber die langfristigen Abnutzungserscheinungen werden dadurch nur bedingt vermindert. Auch als Profi braucht man mal so 2-3 Wochen Urlaub, in denen man komplett runterfahren kann. Und dann müsste man eine ordentliche Vorbereitung mit vernünftigem Aufbautraining einschieben. All dies ist mittlerweile praktisch nicht mehr möglich. Also ein Mal alle drei Jahre kann man grob damit rechnen... Das ist einfach nicht gesund.

Das bringt mich direkt zur nächsten Frage: Wann soll Pep Guardiola seinen wichtigsten Spieler raus rotieren? Gegen Chelsea, einem der reichsten Klubs der Welt? Gegen West Ham, die auch 140 Millionen in Ablöse ausgegeben haben? Gegen Brentford, die stark in die Saison gestartet sind? Gegen Inter Mailand, den italienischen Meister? Oder gegen Arsenal London, einem aufstrebenden, direkten Konkurrenten? Einzig gegen den Aufsteiger aus Ispwich Town wäre eine Rotation wirklich möglich gewesen.
Nebenbei... hat Rodri viel ausgesetzt. Bei 2en war er offiziell noch verletzt, gegen West Ham saß er komplett auf der Bank. Und gegen Brentford wurde er zur Pause eingewechselt. Er stand wirklich nur gegen Inter Mailand über die komplette Spielzeit auf dem Platz. Trotzdem hatte sein Körper sofort einen Totalausfall, von dem er sich jetzt 10 Monate lang erholen muss... Also nur um zu verdeutlichen, dass eine Rotation keinen Urlaub ersetzen kann...

Nebenbei hat Guardiola ja auch schon bekannt gegeben, dass er auf den nicht mehr League Cup scheißen wird und da konsequent seine B-Elf aufstellen wird. Der rotiert also schon, wenn er denn kann. Und wisst ihr, was das erste Ergebnis dieser Einstellung "pro Rotation, gegen diesen Pokal" ist? Der Wettbewerb in Deutschland nicht mehr ausgestrahlt wird. DAZN hat die Rechte abgegeben, niemand wollte sie übernehmen. Das ist doch genau das, was alle gewollt haben...

Damit kommt auch ein weiterer, verdammt wichtiger Punkt: Rotieren in der Premiere League ist etwas ganz anderes, als Rotieren in der Bundesliga. In der einen Liga werden die Bayern mit im Durchschnitt 8 Punkten Vorsprung Meister. In der anderen kann man mit 92 Punkten nur Vizemeister werden

2 der 4 Meisterschaften vom angesprochenen Ottmar Hitzfeld wurden mit mehr als 10 Punkten Vorsprung gewonnen. Die anderen waren überraschend knapp. Aber gerade die 2001 Saison beweist, wie viel anders die Bundesliga ist: Bayern wurde mit 7 Niederlagen Meister. Wisst ihr, wie oft sich der Meister in der Premiere League 7 Niederlagen erlaubt hat? NOCH NIE! Und das, obwohl da 20 Mannschaften mitspielen. Zwischenzeitlich waren es sogar mal 22 Teams. Man kann sich in dieser Liga einfach keinerlei Punktverluste erlauben. Wenn man davon ausgehen kann, dass die Konkurrenz schon in Unterhachingen patzen wird, kann man das alles wesentlich entspannter angehen.

Die 5 Niederlagen aus der 1999/2000er-Saison... hätten in der Premiere League letztes Jahr für Platz 4 gereicht. Bayern holte "damals" im Schnitt 2,14 Punkte. Liverpool holte letzte Saison 2,15. Glaubt Lothar Matthäus wirklich, dass Hitzfeld rotiert hätte, wenn die Qualifikation für die Champions League in Gefahr geraten wäre? Oder wenn er damit regelmäßig den Titel verspielen würde? Natürlich nicht. Und ein unglückliches Unentschieden mit dem 2. Anzug gegen Brentford kann dir in England halt die Meisterschaft kosten.

Das ist aber noch nicht alles. Auf die Rotation zu setzen, macht auch einfach mal die Liga kaputt. Ganz praktisches Beispiel: Im Wesentlichen sagt Matthäus, dass die Bayern Marcel Sabitzer behalten sollte, auch wenn sie den eigentlich nur als Rotationsspieler brauchen. Denn als Stammspieler hat er sich ja nicht durchgesetzt. Sabitzer war, auch wenn er für die Bayern keine direkte Bedrohung darstellt, ein verdammt wichtiger Spieler der Dortmunder bei ihrem Husarenritt ins Champions League Finale. Sein Notenschnitt in diesem Wettbewerb lag bei 2,75.

Am Extremsten ist es ja gerade bei Chelsea London, die laut Memes als einzige auf den neuen Rahmenterminkalender vorbereitet sind. Was auch nur bedeutet: Chelsea wurde für ihre "Kaderplanung" entweder ausgelacht oder kritisiert. Und vor allem sitzen jetzt bei Chelsea einige Kandidaten auf der Tribüne, die anderen Vereinen durchaus helfen könnten. Ich verweise ganz direkt auf Ben Chillwell, der für die Liga und Champions League nicht wirklich eingeplant ist, aber überraschend doch im Pokal randurfte... Wenn jetzt alle Champions League Teilnehmer auf 40+X Kader setzen, bedeutet das ganz praktisch, dass der Rest der Liga schwächer wird und die Schere noch weiter auseinander geht.

Die Bayern holen sich ja mittlerweile verdammt viele Ergänzungsspieler aus dem Ausland. Joao Palhinha, Sacha Boey, Eric Dier, Mathys Tel, Ryan Gravenberch, Noussair Mazraoui, Matthijs de Ligt, Sadio Mané und Bryan Zaragoza sein da mal demonstrativ genannt. Gefühlt die Hälfte dieser Spieler sind auch schon wieder weg. Man hat aber allein in den letzten 2 Jahren Alexander Nübel, Sabitzer, Paul Wanner, Armindo Sieb, Frans Krätzig und Jopsip Stanisic an die Bundesliga abgegeben. Wenn auch oft nur auf Leihbasis, Die Stanisic Leihe könnte ihnen die Meisterschaft gekostet haben. Ich habe mich ja mental schon darauf vorbereitet, dass der sich jetzt mit der Rolle als Ergänzungsspieler zufriedengibt und deswegen irgendwann Rekordmeister wird. Weil er als einziger 15 Jahre infolge diesen Titel geholt hat...
Aber wenn man sich anschaut, wie der Wanner gerade in Heidenheim abliefert, dann ist das definitiv etwas Gutes für die gesamte Liga. Wenn die Bayern für die Klub-WM ihren Kader aufblähen müssen, behalten die den, damit er 10 Bundesligaspiele gegen Bochum, Mainz und eben Heidenheim machen kann...

Dazu kommt, als letzte Ebene, dass die Spieler ja nur bedingt Bock auf die Rotation haben. Also klar, aus Loddas Perspektive war das kein Problem, weil er im Champions League Finale seinen Platz in der Startelf sicher hatte. Fun Fact: Der für ihn eingewechselte Rotationsspieler Thorsten Fink begeht den entscheidenden Fehler vor dem 1:1...

Aber ein Sabitzer hatte eben wenig Bock darauf, nur der "Notnagel" für die "unwichtigen Spiele" zu sein. Deswegen ist der nach 1 1/2 Jahren weitergezogen.
Als historisches Beispiel sei hier Ciriaco Sforza erwähnt, der es auch bei seinem 2. Versuch beim Rekordmeister "nur" zum Rotationsspieler unter genau eben Hitzfeld geschafft hat. Der beim schon verlinkten Champions League Finale nicht mal im Kader stand, obwohl er fit war. Nach 2 Jahren ging es zurück nach Kaiserslautern.

Einen Lothar mag das überraschen, dass Profis in den wirklich wichtigen Spielen auf dem Platz stehen wollen. Dass bis auf wenige Ausnahmen, alle irgendwie unzufrieden sind, wenn sie im Finale nur auf der Bank sitzen. Alexander Zickler ist der einzige Name, der mir aus dem Stehgreif einfällt und der diese Rolle perfekt angenommen hat. Alle anderen suchen sich dann nach 2 Jahren einen Verein, der sie in einem möglichen Finale aufstellen würde. Matthäus selbst war ja so überragend, dass ihm das nie passiert ist. Aber ohne den ultimativen Ehrgeiz, dass man im Finale auch spielen will, wird man einfach nicht gut genug, um auf dem Bayern Radar aufzutauchen. 

Seinen Kader an der Rotation auszurichten sorgt also für:
Bedingt zufriedene Spieler, die relativ schnell weiterziehen.
Aufgeblähte Kosten, weil die ja alle trotzdem Millionen verdienen müssen und Millionen an Ablöse kosten.
Eine direkte Schwächung der Konkurrenz.

Gleichzeitig löst sie das Problem mit dem Urlaub, der dringend benötigt wird, nicht. Aber hey, Lodda hat für Gesprächsstoff gesorgt. Genau so wie Meier und Wollitz. Und nur darum geht es am Ende doch.

Montag, 23. September 2024

Worst of des "Glückwunsch, Amiri" Wochenendes

 Nadiem Amiri hat es tatsächlich geschafft. Er ist der erste Spieler, der indirekt wegen der eigentlich gar nicht neuen "nennt sie nicht Meckerregel" vom Platz geflogen ist. Herzlichen Glückwunsch.

Also Amiri sah, laut Kicker-Ticker, in der 33. Minute Gelb, obwohl das Foul vom Kollegen kam. Er hat sich halt über den Pfiff beschwert. 2 Minuten später sah er die 2. Gelbe für einen klassischen "Trikotzupfer" im Mittelfeld. Nichts wirklich schlimmes, aber ein taktisches Foul.

Es ist echt super gut, dass der Schiedsrichter da dann nicht "Gnade vor Recht" walten ließ, weil es die erste Verwarnung ja "nur" fürs Meckern und nicht für ein Foulspiel gab. Dass er die Regel einfach konsequent durchgezogen hat. Und das Amiri als erster Spieler echte Konsequenzen für seine sinnlose Beschwerde bekommen hat: Wenn er das lässt und sich einfach auf seinen Job konzentriert, darf er länger mitspielen.

Nebenbei fiel mir das schon letzte Woche auf, aber der Post wurde durch technische Probleme aufgehalten: Anscheinend tut sich nach der Länderspielpause doch wieder was bei der neuen Regel. Also es war zum Beispiel angenehm, dass wirklich nur Maximilian Arnold nach einem wie immer fragwürdigen Handlefmeter gegen den Vfl Wolfsburg zum Schiedsrichter ging und der nicht von 8 Mann belagert wurde. Um nur eines der positiven Beispiele zu nennen, die mir in der letzten Woche aufgefallen sind. Wenn jetzt auch noch ein Bayern Spieler fürs Meckern verwarnt wird... Aber ich behalte das für euch im Auge.

Wo wir schon bei Wolfsburg sind: Deren Fans (alle 3) werden ja wohl in der 85. Minute abgeschaltet haben, weil eh fest stand, wie es ausgeht: Bayer Leverkusen trifft immer noch in der Schlussphase zum Sieg. Das ist ungefähr so verlässlich, wie ein Totalausfall der Dortmunder in Stuttgart. Oder der faktische Stillstand der Gladbacher unter Seoane. Die Gladbacher Offiziellen sehen schon, was Xabi Alonso in Leverkusen aus der Mannschaft geholt hat, die ih, Seoane hinterlassen hat? Nur so als Inspiration...

Das einzige, was wirklich "neu" ist, ist die Spielfreude der Bayern unter Vincent Kompany. Da merkt man mal, was für ein brillianter Trainer Thomas Tuchel ist: Unter Kompany schießen die einfach so 20 Tore in einer Woche. Unter Tuchel haben die so gut wie nie mehr als 3 pro Spiel geschossen, weil sie immer auf Ergebnis halten gespielt haben. Eine derart überlegene Mannschaft derartige Ketten anzulegen ist schon eine überragende Leistung. Es braucht viel Überzeugungsarbeit, dass die einfach das Offensivspiel einstellen. Ok, es wäre hilfreicher gewesen, wenn es auch einen funktionierenden Defensivplan gegeben und man das Ergebnis wirklich gehalten hätte. Aber der Ansatz ist schon beeindruckend.

Ok, es gibt auch eine geringe Chance, dass Kompany einfach gut ist. Aber bis jetzt können wir die frühen Erfolge einfach als "Dead Coach Bounce" abtun: Im wesentlichen sind die Bayern froh, dass sie ihren "Spielplan" nicht mehr am Gegner ausrichten müssen, sondern dass sie einfach zocken dürfen. Und das leben die halt gerade zum Leidwesen der Konkurrenz aus.

Um es mit dem Scheiß-Fussball Comic zu halten: Jetzt gegen Leverkusen wird er das erste Mal auf ein Team treffen, dass sich nicht einfach einigelt und dann ergibt. Wie die Bayern dieses Spiel angehen, ist wesentlich relevanter, als die 20 Tore in der letzten Woche.

Nebenbei hat Rene Maric damit jetzt seinen eigenen Charakter in dieser Comicserie. Nicht schlecht für jemanden, der als Taktikblogger angefangen und vom Kicker ausgelacht wurde. Das beweist mir auch wieder, dass die Leute, die sich wirklich mit dem Spiel beschäftigen und Ahnung vom Fußball haben, nicht für den Kicker arbeiten...

Donnerstag, 12. September 2024

Ich hoffe, ihr habt die letzte Pause genossen

An der Stelle muss man wieder erwähnen, wie wichtig die Länderspiel-Pausen mittlerweile sind. Denn die entschleunigen den Fußball halt doch ein wenig. Selbst wenn man an für die Spiele nominiert wird, hat man "nur" 2 Spiele in den 13 Tagen zwischen dem "regulären Betrieb". 

Dazu muss man auch festhalten, dass die Spiele, trotz des plötzlich ansehnlichen Niveau, welches Deutschland zum ersten Mal seit Jahren in der Nations League auf den Platz gebracht haben, nicht annähernd die Intensität eines Ligaspiels haben. Also man nehme den Extremvergleich zwischen Kasachstan - Norwegen und Manchester City - Chelsea London. Um nur mal zu erwähnen, dass das selbst für einen teilnehmenden Erling Haaland eher wie Urlaub ist.

Hier kommt aber das entscheidende: Solche "2 Spiele in 13 Tagen" Phasen werden eine echte Seltenheit sein. Die Bayern haben bis 21.12. 20 Pflichtspiele im Kalender stehen. Wie alle anderen Teilnehmer an der Champions League auch, da die alle im Pokal weiter sind. Die spielen also im Schnitt alle 4,85 Tage für ihren Verein. Dazu kommen noch 4 Länderspiele, die den Schnitt auf alle 4 Tage runterdrücken. 

Wobei man hier auch festhalten muss: Wenn die Länderspiel-Pause komplett abgeschafft werden würden, würden die gierigen Vereinsmannschaften Wege finden, auch diese Pausen mit Pflichtspielen vollzupumpen. Ohne die Nationalmannschaften würden die halt die Champions League auf 10 Spieltage strecken. Oder die Liga auf 20 Mannschaften aufstocken. Die würden Möglichkeiten finden.

Lasst es mich mal so verdeutlichen: Die nächste Länderspiel-Pause im Oktober unterbricht eine Serie von 4 englischen Wochen infolge für die Spitzenteams. Da es im neuen Modus auch wirklich wichtig ist, wie die einzelnen Gruppenspiele ausgehen, muss man sich in dieser Phase plötzlich auch Mühe geben. 

Also um auch das nochmal zu verdeutlichen, und diesen Beitrag zu einer Vorschau auf den neuen Modus zu erweitern: Bisher war es vollkommen egal, ob man seine Gruppe mit 18 Punkten, oder mit 13 Punkten, gewann. Wichtig war nur, dass man seine Gruppe gegen teilweise extrem unausgeglichene Gegner als erster abschließt, dann landet man in Lostopf 1. Oder dass man zumindest 2. wird. Alles andere war vollkommen egal.

Und das führte dann plötzlich dazu, dass Arsenal London am letzten Spieltag 8 Änderungen an der Startelf vornahm. Wollt ihr noch ein Extrembeispiel: Nico Paz hat für Real Madrid 39 Champions League Minuten absolviert. Unter anderem gegen Union Berlin. Er kommt im selben Zeitraum auf 19 La Liga Minuten. Man konnte es sich halt eher leisten, so ein Talent mal in der Königsklasse reinzuwerfen. In der Liga wäre das viel zu riskant, da könnte man wichtige Punkte verlieren, wenn die einen Fehler machen. Letztes Beispiel: Eine unmotivierte B-Elf von Barcelona sorgte dafür, dass Royal Antwerp FC seinen ersten Champions League Sieg einfahren konnte. Das ist einerseits historisch, andererseits auch nur für die Statistik wichtig.

Jetzt wird die Frage, ob du als 8. oder 9. die Gruppenphase beendest, einen massiven Unterschied machen. Schließlich bekommt der Tabellenneunte ein zusätzliches Heimspiel, welches er vermarkten kann. Gegen den 24., das ist also ein Spiel, welches man sicher gewinnen sollte.

Ok, auch wenn es extrem lustig wäre, wenn jemand bewusst verliert, damit er aus dem zusätzlichen Heimspiel Gewinne generieren kann, werden doch alle versuchen diese zusätzlichen Spiele möglichst zu vermeiden. Und Spoiler: Der Sieger wird am Ende aus den ersten 8 der Tabelle kommen. Auch wegen der 2 zusätzlichen Spiele für den Rest.

Aber nicht nur die "Playoffs" werden gesetzt. Auch der weitere Turnierbaum wird sich aus der Abschlusstabelle erschließen. Man will also möglichst weit oben in der Tabelle stehen, damit man den anderen Favoriten möglichst aus dem Weg geht. Der Tabellenerste kann auf den -zweiten erst im Finale treffen. Wenn man also Manchester City oder Real Madrid möglichst lange aus dem Weg gehen will, sollte man unter den Top 4 landen. Wer unter den besten Vieren landet, hat nochmal einen deutlichen Vorteil gegenüber den anderen, die die Zwischenrunde ebenfalls auslassen: Sie bekommen den leichteren Weg ins Halbfinale.

Praktisches Beispiel: Beim Duelle Borussia Dortmund - Schachtar Donezk am letzten Spieltag wird die eine Mannschaft alles dafür geben, um unter den ersten 8 zu landen. Während die andere Mannschaft alles dafür geben wird, mindestens 24. zu werden. Wer jetzt wer ist, lasse ich euch entscheiden...

Nebenbei dürfte es bei nur 8 Spieltagen und relativ wenigen direkten Duellen eine extrem enge Tabelle geben. Mich würde es überraschen, wenn Platz 10 und Platz 7 vor dem letzten Spieltag mehr als 2 Punkte trennen. Am Ende dürfte auch oftmals das Torverhältnis entscheiden. Wodurch auf einmal jedes Spiel und jedes Tor eine viel höhere Bedeutung bekommen wird.

Es wurden nicht nur 2 zusätzliche Spiele für alle Mannschaften eingeführt. Es wurde dafür gesorgt, dass all diese Spiele ein viel höhere Intensität haben werden. Das ist wesentlich schlimmer, als die reine Addition.

Für uns als Zuschauer ist das großartig. Ich habe ja die Gruppenphase der Champions League in den letzten Jahren komplett ausgeblendet, denn ich mir war bewusst: Selbst wenn es in dem einen oder anderen Spiel eine kleine oder große Sensation gibt, ändert das am Endergebnis wenig bis nichts. Jetzt werden sich die Favoriten keinerlei Aussetzer erlauben dürfen. Und wenn sie sich doch einen leisten, könnten sie noch Wochen oder Monate später dafür bezahlen, weil sie entweder in die Bonusrunde müssen oder halt schon im Viertelfinale auf die Topfavoriten treffen.

Für die Spieler ist das natürlich eine Katastrophe, weil sie jetzt in jedem Champions League Spiel auf dem Platz stehen müssen und dort auch mit maximaler Anspannung antreten müssen. Aber um das Wohlbefinden der Spieler schert sich ja eh niemand mehr. Wenn sie Pech haben...

Also der letzte Spieltag dürfte das wildeste sein, was wir jemals erlebt haben. 18 Spiele mit identischer Anstoßzeit. Und die eine oder andere Mannschaft wird nach 60 Minuten feststellen, dass sie plötzlich doch 5:0 und nicht nur 3:0 gewinnen müssen, wenn sie unter die Top 8 wollen. Während der Gegner feststellt, dass er sich "nur" eine 0:4 Niederlage erlauben darf... oder plötzlich doch noch auf den "Ehrentreffer" gehen müssen.

So wird dann selbst ein Duell wie Bayern München gegen Slovan Bratislava, das im alten Modus vollkommen irrelevant gewesen wäre, erstaunlich brisant. Klar, Bratislava hat nur Außenseiterchancen auf den 24. Platz und wird wahrscheinlich schon ausgeschieden sein. Wobei es, wenn 6 Punkte für Platz 24 reichen könnten, extrem schwierig wird, bereits ausgeschieden zu sein. Bayern wird sicher unter den Top 10 landen. Aber für die könnte es am Ende echt um das Torverhältnis gehen, wenn sie Platz 9 aus dem Weg gehen wollen.

Meine Prognose: Young Boys Bern gegen Roter Stern Belgrad wird die einzige Ansetzung am letzten Spieltag sein, die vollkommen irrelevant ist, weil beider bereits ausgeschieden sein werden.

Und natürlich macht dieser Modus das Turnier nur oberflächlich spannender. Genaugenommen ist es jetzt schon ausgeschlossen, dass die 16 besten Mannschaften die Playoffs verpassen. Eine "Todesgruppe" in die der AC Mailand und Newcastle United ausscheiden, wurde praktisch abgeschafft. Alle 5 deutschen Teilnehmer dürften auf genügend Punkte kommen, dass sie garantiert in den Playoffs landen. Selbiges gilt für alle Engländer, Italiener und wahrscheinlich auch Spanier... wobei der FC Girona da für mich eine absolute Wildcard ist. Sie haben also 10 statt 6 Spieler fest eingeplant. Genau darum ging es am Ende.

Aber der Weg zu diesem absehbaren Ende wird um einiges unterhaltsamer sein, als wir das bisher kannten.

Mittwoch, 11. September 2024

Jetzt jammern alle über den Schiedsrichter!

So oft, wie der Gelbe Karten gezeigt hat. Und das für Kleinigkeiten... wie taktische Fouls. Und vor allem wegen Spielverzögerung (bei Florian Wirtz in der 87. Minute) und Meckern (David Raum in der 32. Minute). DAS GEHT JA GAR NICHT!

Das ist zumindest mein erster Eindruck, wenn ich durch meine Timeline gehe. Ich muss zugeben, dass ich das Spiel selbst nicht gesehen habe... und weil es das nicht bei den Öffentlich-Rechtlichen zu sehen gab, kann ich es jetzt auch nicht nachschauen. In die RTL-Zusammenfassung haben es die Verwarnungen, im Gegensatz zum nicht gegebenen Elfmeter, nicht geschafft. Und kicker.de sagt mir nur, dass der Schiedsrichter schlecht war...

Es kann also sein, dass ich überreagiere. Oder die Fans. Oder beide. Lasst uns alle überreagieren.
Also gerade, dass sich über Wirtz und Raum aufgeregt wird, ist wieder bezeichnend. Wenn ein deutscher Angriff durch eine Spielverzögerung unterbrochen wird, würden all die, die sich jetzt üebr die Verwarnung aufregen, direkt einen Platzverweis fordern. Dazu haben wir gerade bei der EM beschlossen, dass wir dieses ständige Reklamieren und Jammern beim Schiedsrichter nicht mehr sehen wollen. Wir konnten auch sehen, wie viel angenehmer das Erlebnis wird, wenn diese Aktionen sanktioniert und damit abgeschafft wird.

Dann wurde das aber in der Bundesliga nur einen Spieltag lang angewendet. Aber auch nur einen Spieltag lang. Das reicht ja auch. Ich habe hier ja nach dem 2. Spieltag aufgelistet, dass es mindestens 4 Gelbe Karten wegen Meckerns hätte geben müssen... die allesamt stecken geblieben sind. 

Anderthalb Wochen später ist der gemeine Deutsche schon wieder entsetzt, wenn die geltenden Regeln des internationalen Fußballs plötzlich angewendet werden. Wenn die Schiedsrichter tatsächlich die Eier in der Hose haben und für das nervige Reklamieren eine Verwarnung verteilen.

Wisst ihr, was eine vernünftige Reaktion auf diese Verwarnung wäre: Hey, auch wenn es einen meiner Spieler trifft, finde ich es gut, dass diese neue Regel auch angewendet wird! Immerhin lernt er diese Lektion in einem relativ unwichtigen Wettbewerb und nicht im EM Viertelfinale. Aber hoffentlich lernt er einfach was daraus und rennt nicht weiterhin wegen jeder Kleinigkeit zum Schiedsrichter.

Ich weise ja immer wieder darauf hin, wie wichtig es ist, dass "wir Fans" diese neue Regel auch dann unterstützen, wenn sie gegen unsere Jungs angewendet wird. Denn die Spieler werden uns bei jeder Gelegenheit einreden, dass diese neue Auslegung total bescheuert und unnötig ist. Denen dann eine "Nein, ist es nicht. Wir wollen das so!" zu entgegnen, ist elementar wichtig.

Es sieht aber direkt so aus, als hätten "wir" das bei der ersten und einfachsten Gelegenheit direkt verkackt. Anscheinend bin ich der einzige, der offiziell sagt: "Ist doch gut, dass der Raum dafür Gelb sieht". Alle anderen reagieren eher mit einem "Weil der zu laut geatmet hat, wird er direkt verwarnt"...

Schade. Also das belegt für mich auch nur, dass es in der Bundesliga weiterhin ignoriert werden wird und dann bei internationalen Einsätzen alle entsetzt gucken. Also die deutschen Fans werden sich dann nicht fragen, warum man dieses wesentlich angenehmere Spiel nicht jedes Wochenende sehen kann, sondern warum "unsere Helden" ständig verwarnt werden...

Aber vielleicht habe ich Glück und das Ganze ist nur eine Überreaktion. Ich werde es weiterhin beobachten.