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Mittwoch, 11. September 2024

Jetzt jammern alle über den Schiedsrichter!

So oft, wie der Gelbe Karten gezeigt hat. Und das für Kleinigkeiten... wie taktische Fouls. Und vor allem wegen Spielverzögerung (bei Florian Wirtz in der 87. Minute) und Meckern (David Raum in der 32. Minute). DAS GEHT JA GAR NICHT!

Das ist zumindest mein erster Eindruck, wenn ich durch meine Timeline gehe. Ich muss zugeben, dass ich das Spiel selbst nicht gesehen habe... und weil es das nicht bei den Öffentlich-Rechtlichen zu sehen gab, kann ich es jetzt auch nicht nachschauen. In die RTL-Zusammenfassung haben es die Verwarnungen, im Gegensatz zum nicht gegebenen Elfmeter, nicht geschafft. Und kicker.de sagt mir nur, dass der Schiedsrichter schlecht war...

Es kann also sein, dass ich überreagiere. Oder die Fans. Oder beide. Lasst uns alle überreagieren.
Also gerade, dass sich über Wirtz und Raum aufgeregt wird, ist wieder bezeichnend. Wenn ein deutscher Angriff durch eine Spielverzögerung unterbrochen wird, würden all die, die sich jetzt üebr die Verwarnung aufregen, direkt einen Platzverweis fordern. Dazu haben wir gerade bei der EM beschlossen, dass wir dieses ständige Reklamieren und Jammern beim Schiedsrichter nicht mehr sehen wollen. Wir konnten auch sehen, wie viel angenehmer das Erlebnis wird, wenn diese Aktionen sanktioniert und damit abgeschafft wird.

Dann wurde das aber in der Bundesliga nur einen Spieltag lang angewendet. Aber auch nur einen Spieltag lang. Das reicht ja auch. Ich habe hier ja nach dem 2. Spieltag aufgelistet, dass es mindestens 4 Gelbe Karten wegen Meckerns hätte geben müssen... die allesamt stecken geblieben sind. 

Anderthalb Wochen später ist der gemeine Deutsche schon wieder entsetzt, wenn die geltenden Regeln des internationalen Fußballs plötzlich angewendet werden. Wenn die Schiedsrichter tatsächlich die Eier in der Hose haben und für das nervige Reklamieren eine Verwarnung verteilen.

Wisst ihr, was eine vernünftige Reaktion auf diese Verwarnung wäre: Hey, auch wenn es einen meiner Spieler trifft, finde ich es gut, dass diese neue Regel auch angewendet wird! Immerhin lernt er diese Lektion in einem relativ unwichtigen Wettbewerb und nicht im EM Viertelfinale. Aber hoffentlich lernt er einfach was daraus und rennt nicht weiterhin wegen jeder Kleinigkeit zum Schiedsrichter.

Ich weise ja immer wieder darauf hin, wie wichtig es ist, dass "wir Fans" diese neue Regel auch dann unterstützen, wenn sie gegen unsere Jungs angewendet wird. Denn die Spieler werden uns bei jeder Gelegenheit einreden, dass diese neue Auslegung total bescheuert und unnötig ist. Denen dann eine "Nein, ist es nicht. Wir wollen das so!" zu entgegnen, ist elementar wichtig.

Es sieht aber direkt so aus, als hätten "wir" das bei der ersten und einfachsten Gelegenheit direkt verkackt. Anscheinend bin ich der einzige, der offiziell sagt: "Ist doch gut, dass der Raum dafür Gelb sieht". Alle anderen reagieren eher mit einem "Weil der zu laut geatmet hat, wird er direkt verwarnt"...

Schade. Also das belegt für mich auch nur, dass es in der Bundesliga weiterhin ignoriert werden wird und dann bei internationalen Einsätzen alle entsetzt gucken. Also die deutschen Fans werden sich dann nicht fragen, warum man dieses wesentlich angenehmere Spiel nicht jedes Wochenende sehen kann, sondern warum "unsere Helden" ständig verwarnt werden...

Aber vielleicht habe ich Glück und das Ganze ist nur eine Überreaktion. Ich werde es weiterhin beobachten.

Donnerstag, 18. Juni 2015

Wie man aus seiner eigenen Schwäche eine Stärke macht

Oder: Warum ihr niemals mit Jose Mourinho streiten solltet... ihr werdet verlieren... ich versuche es trotzdem (der spricht ja schließlich kein Deutsch, da muss ich mir keine Sorgen machen...)

Jose Mourinho hatte dieses Jahr eine echt schwierige Aufgabe: Er musste die nationale Meisterschaft als Triumphzug verkaufen. Und er hat es geschafft. Der Mann, der selbst mit dem FC Porto und dem damals schön überalterten Inter Mailand den Champions League Titel geholt hat... und für dem es abgesehen von diesem Titel nur einen relevanten Maßstab gibt (Stehe ich vor Pep Guardiola?), musste uns erklären, wie wichtig und schwierig es doch war, die Premiere League zu gewinnen...

Und warum? Weil man dort nicht mal so eben Gegner mit 6:0 aus dem Stadion schießt. Deswegen ist die Premiere League besser, ausgeglichener und schwieriger zu gewinnen als die anderen Ligen...

Aber wenn man mal ganz kurz ganz ehrlich ist: Welche Mannschaften legen denn solche Ergebnisse auf? Barcelona, Real Madrid, Bayern München und Juventus Turin... oder anders ausgedrückt: Die 4 stärksten Mannschaften Europas... und genau das war Chelsea halt nicht.

Und ja, Chelsea würde auch in Spanien oder Deutschland kaum 6:0 gewinnen. Zum einen, weil sie (dieses Jahr) einfach nicht so gut waren... zum anderen, weil sie von Jose Mourinho trainiert werden... und der verteidigt im eigenen Stadion lieber ein 1:0 aus dem Hinspiel als angreifen zu lassen... dass man mit der Einstellung niemals 6:0 gewinnt, erscheint erstaunlich logisch... Und ja, man könnte so weit gehen, dass Mourinhos Einstellung und Taktik im Rückspiel gegen Paris St. Germain dem Verein das Weiterkommen gekostet hat... und dass Mourinho das weiß und genau deswegen uns allen (und sich selbst) einreden will, dass auch die Nationale Meisterschaft eine geniale (Trainer)-Leistung war.

Zu behaupten, dass die Premiere League im Ist Zustand die stärkste der Welt ist... ist nun mal Schwachsinn... Gerade in der Breite... Spanien hat derzeit 3 Mannschaften, die realistisch gesehen ums Halbfinale der Champions League mitspielen... England hat vielleicht eine. Und ja, es ist davon auszugehen, dass Manchester United irgendwann wieder auf die Beine kommt. Aber der Rest? Manchester City fehlt nach wie vor der Plan um um die ganz großen Titel mitzuspielen, Arsenal London ist dafür einfach nicht (mehr) gut genug.

Aber das lustige daran: Diese 4 Mannschaften stehen national trotzdem deutlich über dem Rest. Auch wenn sie international nichts reißen konnten... Und zwar extrem deutlich. Im Wesentlichen ist die Englische Meisterschaft ein 3 Mann Rennen zwischen den Klubs aus Manchester und Chelsea. Und dahinter wird Arsenal Vierter. Oder wenn sie eine gute (oder eine der anderen Vereine eine schlechte) Saison gespielt haben, werden sie Dritter. Mehr ist nicht drin. Es gab die eine Ausnahme, als Manchester United das erste Mal seit 30 Jahren einen überforderten Trainer hatte und der FC Liverpool Luiz Suarez...

Und ja, in England ist es eine Sensation, wenn sich die Tottenham Hotspurs ausnahmsweise mal für die Champions League qualifizieren...
In Deutschland dagegen... dürften sich nächstes Jahr Bayern (ok, die sind sicher...), Dortmund, Wolfsburg Schalke, Leverkusen und Mönchengladbach um die Champions League Plätze streiten... Dass sind 6 Kandidaten für 4 Plätze... da kann man jetzt schon von ausgehen, dass 2 Mannschaften ihr Ziel nicht erreichen werden... Und ja, jenseits der Bayern kann niemand wirklich voraussagen, wie die Mannschaften dahinter ins Ziel kommen. Während wir in England mit 90%iger Wahrscheinlichkeit Chelsea, United, City und Arsenal auf den ersten 4 Plätzen sehen werden. Das soll dann gut und spannend sein?

Und ja, irgendwie hat Mourinho sogar recht: Den Titel am Ende zu holen, ist verdammt schwierig, da jeder Ausrutscher (fragt mal bei Steven Gerrard nach) den Titel kosten könnte... aber das bedeutet nicht, dass es schwieriger ist, die kleinen Mannschaften zu schlagen... und ob man die (als Chelsea) 1:0 oder 5:0 schlägt, liegt nur an einem selbst. Und in Spanien ist es halt nicht anders: Wer sich da eine kleine Schwächephase erlaubt, ist raus aus dem Meisterschaftsrennen. 

Und wenn uns der Fall Robbie Keane eins gelehrt hat... dann dass mittelmäßige Spieler nicht besser werden, in dem man absurde Ablösen für sie zahlt. Aber auch das werden die englischen Klubs diesen Sommer wieder reihenweise machen... Und deswegen werden sie sich alle einreden, dass sie die besseren, weil teureren Stars haben, die dann aus der Premiere League eine bessere Liga machen...

Samstag, 18. Mai 2013

Vielleicht bin ich ja auch nur überkritisch

Wenn ich feststelle, dass es nur noch für 7 von 18 Mannschaften im Bundesliga-Finale wirklich um etwas geht.

Zumindest schoss mir dieser Gedanke durch den Kopf, als ich die Kicker-Seite mit den Internationalen Tabellen aufschlug... Denn nicht nur in Deutschland ist an diesem Wochenende Saisonfinale.

In England geht es nur noch um die spannende Frage, wer von dem Trio Chelsea, Arsenal und Tottenham in die Europa League muss. Die andern beiden dürfen in der Champions League starten. Meisterschaft? Abstiegskampf? Alles schon entschieden. Das sind also 3 (allesamt lustiger Weise aus London kommende) Mannschaften von 20.

In Spanien gibt es ein Kopf an Kopf Rennen zwischen Real Sociedad und Valencia um den 4. Champions League Vertreter. Der Verlierer muss, so wie die allgemeine Verhältnisse in Spanien derzeit sind, wahrscheinlich Konkurs anmelden. Real Saragossa und Deportivo La Couruna würfeln derweil den letzten Absteiger untereinander aus. Macht immerhin 4 von 20 Mannschaften, für die es noch wirklich um was geht.

In Italien heißen die Fernduelle AC Mailand - AC Florenz um die Champions League und Udinese Calcio - Lazio Rom um die Europa League. Also auch 4 von 20...

Portugal hat es da echt noch am besten erwischt. Wenn die Liga etwas ausgeglichener wäre, könnte sich Benfica Lissabon sogar noch Hoffnung auf den Meistertitel machen. Dazu gibt es ein Rennen um die Europa League und unglaubliche 6 Mannschaften stecken noch im Abstiegskampf. Und hier kommt das beste: keine dieser Mannschaften treffen in einem direkten Duell aufeinander. Für 10 von 16 Mannschaften geht es also noch um viel. Wenn man sich an diesem Wochenende eine Konferenz anguckt, dann die am Sonntag um 19:30... Dummer Weise sind das natürlich auch alles Mannschaften, die kein Schwein kennt.

In Frankreich heißt die spannende Frage "Champions League? Uefa Cup? oder doch nur UI Cup?" für Lyon, Lille und Nizza. Dazu streiten sich Evian und Nancy um den letzten Abstiegsplatz. 5 von 20...

In der Ukraine kann Melatist Charkiw noch durch Dynamo Kiew von Platz 2 verstoßen werden. Dort ist das auch eine echt wichtige Frage, wer Vize-Meister wird.

In der Türkei gibt es dasselbe Duell zwischen Fernerbarca und Besiktas... Dazu kann Istanbul BB noch 2 Mannschaften im Abstiegskampf hinter sich lassen.

In Österreich... ok ernsthaft, wen interessiert wirklich die Österreichische Bundesliga?

Lange Rede, kurzer Sinn: Es sieht dieses Jahr in Sachen Saisonfinish echt finster aus. Es gibt wirklich nur ein Land auf dieser ominösen Kicker-Seite, in dem der Meister noch nicht fest steht. Und es wird an diesem Wochenende echt viel Leerlauf, Abschiedsvorstellungen und die Duelle B- gegen Jugendmannschaft geben. Und am Ende geht es in der Bundesliga von den Spitzenligen noch um das meiste. Was auch daran liegen könnte, dass sie eine 18er Liga ist.
Und selbst für die Fans, für die es um nichts geht... die warten einfach auf den großen Feiertag am nächsten Samstag. Der Rest von Europa... hat nicht mal die Ausweichmöglichkeit.

Mittwoch, 2. November 2011

Was die Wechsel von Mesut Özil und Sami Khedira für die Bundesliga bedeuten

Die einzelnen nationalen Ligen übergreifend zu vergleichen ist immer ein schwieriges unterfangen. Ist die Spanische Liga die beste der Welt, nur weil sie Barca und Real Madrid haben? Oder sollte sie kurz vor Griechenland stehen, weil der Rest der Liga ungefähr genau so pleite und chancenlos ist?
Aber dass das allgemeine Standing der Bundesliga gestiegen ist, lässt sich kaum noch leugnen. Obwohl der Deutsche Meister froh sein kann, wenn er am Ende in der Europa League überwintert... und wenn man ehrlich ist, liefern die Champions League Teilnehmer derzeit eher Argumente GEGEN einen 4. Startplatz für die Bundesliga... der wäre dieses Jahr nebenbei an Hannover 96 gegangen...

Und 2 Wechsel haben dieses Ansehen wesentlich mitgeprägt: Mesut Özil und Sami Khedira wechselten nach der starken WM 2010 zu Real Madrid. Und als gefühlt erster Spieler seit Günther Netzer wechselten sie zu einem Spitzenverein, ohne vorher bei den Bayern gespielt zu haben...

Jahrelang war der Weg des Bundesligaprofis klar vorgezeichnet. Wir nehmen als perfektes Fallbeispiel einfach mal Michael Ballack. Der begann seine Bundesligakarriere in Kaiserslautern, wechselte zu Bayer Leverkusen und obwohl er mit Leverkusen im Champions League Finale stand, ging er danach den Weg über Bayern München, bevor er den Sprung zu einem großen Verein ins Ausland wagte. So lief im wesentlichen beinah jede Karriere ab. Entweder Kleiner Verein -> Größerer Verein -> Bayern München oder Kleinerer Verein -> zu früh zu den Bayern -> Wechsel zu Hannover 96...

Die einzigen Ausnahmen zu dieser Regel sind ein Tscheche und ein Weißrusse. Thomas Rosicky und Aliaksandr Hleb wechselten von Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart zu Arsenal London... Arsene Wenger ist wiederum die Ausnahme der Regel, weil er regelmäßig Verstärkungen bei kleineren Vereinen findet und diese dann später als bessere Spieler weiterverkauft.

2010 kamen dann die Wechsel von Özil und Khedira und beide konnten sich im ersten Jahr sogar bei Real durchsetzen. Und das könnte die Scoutingpolitik internationaler Vereine grundlegend verändert haben... schließlich mussten sie vorher nur die Bayern scouten. Es war der einzige ernst zu nehmende Gegner und der einzige Verein mit potentziellen Verstärkungen.

Nuri Sahin wäre als stärkster Bundesligaspieler in den letzten 10 Jahren als fast schon logische Konsequenz bei den Bayern gelandet... 2011 wechselt er stattdessen zu Real. Als Arsene Wenger den Druck der Straße nachgibt und einen gestandenen Verteidiger verpflichten will... wird er bei Per Mertesacker in Bremen fündig. Scouts aus ganz Europa besuchen gefühlt zum ersten Mal seit 77 Mönchengladbach, weil da dieser Marco Reuss spielt. Und wärend man vor Jahren noch dachte: Ein Mario Götze wird garantiert ein Mal im Bayern-Trikot auflaufen, kann man sich derzeit genau so gut fragen: "Warum sollte er nicht direkt zu Manchester United gehen?"