Montag, 20. November 2023

Karim Adeyemi ist schon ein bisschen dumm.

 Weil er ein bisschen zu ehrlich ist. Das lernt er bestimmt noch.

Also für die Nachvollziehbarkeit: Karim Adeyemi ist ja gerade in einem offensichtlichen Formtief. Dieses Formtief hat ihm zumindest kurzfristig den Platz in der Nationalmannschaft gekostet. Der Junge ist halt "nur" ein Ergänzungsspieler, da kann man sich keine Leistungsdellen erlauben. Er ist aber auch noch verdammt jung, weshalb er theoretisch noch für die U21 auflaufen kann.

Er hat sich aber dafür entschieden, lieber in seinem Verein und unter seinem eigentlichen Cheftrainer an seiner Form zu arbeiten. Und er hat den Fehler gemacht, dies auch öffentlich so zuzugeben. Wie naiv. Dafür wird er jetzt von allen Seiten kritisiert. Also hauptsächlich vom DFB Präsidenten Bernd Neuendof und von den Kommentarspalten im Internet.

Wenn ich die nebenbei gerade so überfliege, ärgert es mich plötzlich doch, dass Deutschland verloren hat. Wie viele dort jetzt ihrem stumpfen Rassismus freien Lauf lassen, weil ein Deutsch-Türke als Kapitän gegen die Türkei verloren hat. Und weil sowieso viel zu wenige "richtige Deutsche" in der Nationalmannschaft spielen. Während die Nationalmannschaft nebenbei "Deutscher" ist, als damals beim WM Titel, das Sturmduo Miroslav Klose und Lukas Podolski in Polen geboren wurde... und legendäre Weise ihre Absprachen im Sturm auf Polnisch gemacht haben. Aber für die Rassisten gehört Polen wahrscheinlich eigentlich zu Deutschland, aber in diesem Land geborene Türken halt nicht... weil die dumm sind. Einschub Ende.

Aber um das mal festzuhalten: Adeyemi ist einer dieser Spieler, die in ihrer Karriere schon mal ein K.O. Spiel in der Champions League entschieden haben. Und er war bereits Stammspieler in der Bundesliga. Deswegen ist der Vergleich mit Youssoufa Moukoko auch unangebracht. Denn für einen Ergänzungsspieler sind die 180 Minuten gegen, bei allem Respekt, unterklassige Gegner wichtiger, als für einen gestandenen Bundesligaprofi. 

Nebenbei muss man an der Stelle auch einfach mal bedenken, wie absurd teilweise die anderen Absagen sind. Fangen wir mal mit dem Offensichtlichen an: Manuel Neuer hat sich auch dafür entschieden, dass es besser ist, dahoam an der Verfassung und der Form zu arbeiten... obwohl er mit ziemlicher Sicherheit all die Übungen, die er da jetzt macht, auch im Nationalmannschaftstrikot absolvieren könnte. Also ein einfaches "Ich fahre da hin, um Präsenz zu zeigen und die taktischen Übungen mitzumachen, setze die Spiele aber aus und trainiere viel individuell" wäre da doch ein Lösungsansatz gewesen. Gerade wenn man bedenkt, dass Neuer verdammt lange nicht mehr da war und dass es einige neue Gesichter gibt. Oder im Fall von Matts Hummels und Thomas Müller alte Gesichter in neuer Rolle. Aber Neuer darf halt lieber zu Hause bleiben.

Sein direkter Konkurrent Marc-André ter Stegen reißt wegen nicht näher definierter Rückenproblemen ab. Nichts Genaues weiß man nicht. Aber die Probleme sind definitiv so schlimm, dass er zwingend abreisen musste. Trotzdem wird er am Wochenende für Barca auflaufen können, ohne dass jemand von einer Wunderheilung sprechen wird.
Da muss die Frage, ob sich Adeyemi nicht eine Verletzung aus dem Arsch ziehen konnte. So ein "Ich bin beim Joggen mit einem Elch zusammengestoßen." Da wäre ihm doch bestimmt was eingefallen... und dann hätte keiner was gesagt.

Wirklich absurd wird es aber, wenn man sich die "spontanen Vaterschaften" anguckt. Also sowohl Robin Gosens als auch Malick Thiaw guckten sich nach der Nominierung in ihrer Wohnung um und stellten dann fest: Oh, da sitzt ja eine hochschwangere Frau. Scheiße, verdammt, und die gehört zu mir. Und die liegt jetzt 7 Tage lang in den Wehen. Da muss ich mich jetzt wohl drum kümmern. Da kann man halt nichts machen. War auch nicht vorherzusehen. 

Also zunächst mal das erste Level: So eine Geburt kommt in den meisten Fällen nicht so wirklich überraschend. Also klar, der Moment, in dem des dann wirklich losgeht, kann überraschend kommen. Und dann sollte Mann auch alles stehen und liegen lassen und seiner Frau beiseite stehen. Aber dass dieser Termin jetzt anstehen könnte, wissen die beiden doch schon seit ungefähr 9 Monaten. Ok, sagen wir 6. Wäre es da wirklich so schwer gewesen, kurz mit Julian Nagelsmann zu kommunizieren, dass man da gerade ein großes Ding im Ofen hat, was dringend seine Aufmerksamkeit braucht.

Vor allem bleibt dann auch festzuhalten: Wenn am Wochenende ein Ligaspiel angestanden hätte... gefolgt von einem Champions League Spiel am Dienstag. Dann hätten es beide geschafft, trotz der anstehenden Vaterschaft auf dem Feld zu stehen. Es gibt diese Geschichten, wo der werdende Vater von der Kabine in den Kreißsaal rennt, damit er die Geburt nicht verpasst. Das bekommen verdammte Kreisligakicker hin. Unter den Profis verlinke ich mal Karim Onisiwo als bekannteres Beispiel. Bei Thiaw sehe ich ja noch ein, dass es komplizierter ist, schließlich spielt er in Mailand und deswegen ist auch davon auszugehen, dass sein Kind da zur Welt kommt. Aber Gosens spielt in Berlin. Also in genau der Stadt, in der Deutschland gerade sein Auswärtsspiel absolviert hat. Wenn er wirklich gewollt hätte, würde er im Kader stehen und hätte sich auf Abruf abmelden lassen, um in den Kreißsaal zu fahren.

Beide nahmen die passende Gelegenheit an, um direkt beide Freundschaftsspiele abzusagen, anstatt sich wenigstens die Option offenzuhalten, dass man nach der Geburt nachreist und dann mitspielt. Aber sie haben sich ja direkt für die kompletten 13 Tage abgemeldet. Warum auch nicht, es ist ja nur die Nationalmannschaft. Auch wenn allen klar ist, dass sie im Verein maximal 6 Stunden ausgefallen wären.
Hätte Adeyemi nicht auch spontan feststellen können, dass er Vater wird? Ok, seine Freundin ist eine designierte Kandidatin beim Promi Big Brother, da ist das etwas schwieriger. Aber mit ein bisschen Kreativität wäre da was gegangen.

Aber um das mal festzuhalten: Alle anderen Spieler, die mehr oder weniger fadenscheinige Ausreden vorbringen, warum sie die beiden Länderspiele absagen müssen, werden dafür nicht kritisiert. Einzig Adeyemi muss sich diese Vorwürfe gefallen lassen. Das muss er nur, weil er offen und ehrlich mit der Situation umgeht.

Mittwoch, 15. November 2023

Der Materrazo-Hoeneß tausch ist eine der absurdesten Geschichten der neueren Bundesligageschichte.

 Und sie könnte sich diese Saison wiederholen.

Also der Reihe nach. Der ganze Gedankengang, den ich jetzt ausführe, begann vor einigen Monaten, als ich darauf hinwies, dass der VfB Stuttgart in einem ziemlich fiesen Paradoxon steckte: Einerseits mussten sie ihren ursprünglichen Erfolgstrainer Pellegrino Materazzo nach 1 1/2 Jahren im permanenten Abstiegskampf irgendwann entlassen. Andererseits stand in dem Moment der Entlassung fest, dass er spätestens im Sommer bei einem Konkurrenten anheuern und diesen verstärken wird. Denn selbst in Stuttgart hat ja niemand infrage gestellt, dass Materazzo ein guter Trainer ist. Aber es hat dort halt nicht mehr funktioniert.

Aber er wartete gar nicht auf den Sommer, sondern heuert ziemlich direkt beim direkten Konkurrenten in Hoffenheim an. Das praktische Worst-Case-Szenario, denn man machte sich die Mission Klassenerhalt selber schwerer. Hoffenheim holte unter Pellegrino 1,69 und sicherten sich überraschend souverän den Klassenerhalt. Dies konnten sie am letzten Spieltag mit einem Unentschieden gegen die Stuttgarter.

Diese gingen einen eigentlich unnötigen Umweg über Bruno Labbadia, der eigentlich im verdienten Abstieg münden müsste, aber nur in die Relegation führte. Dies lag vor allem daran, dass ausgerechnet der ehemalige Hoffenheimer Sebastian Hoeneß am Ende übernehmen durfte. Bei Hoeneß war damals noch nicht ganz raus, ob er ein guter Trainer ist, weil er seine wirklichen Erfolge in der 3. Liga gefeiert hat. Und er wäre nicht der erste Trainer, der nur in den unteren Ligen gut aussieht. Jetzt kann man sich aber darauf einigen, dass er zumindest phänomenal viel Potenzial hat. Und wenn ich das von einem Hoeneß sage...

Beide Vereine mussten ihren an sich guten Trainer entlassen, weil es bei ihnen einfach nicht mehr gepasst hat. Das Schwierige an der Bundesliga ist ja, dass einem dies passieren kann, obwohl man an sich kompetente Leute angestellt hat. Manchmal nutzt ein Trainer sich einfach ab. Dann muss man reagieren, darf dabei aber nicht den Kopf verlieren. Hoffenheim hat dies direkt geschafft, Stuttgart am Ende auch.

Und jetzt... sind sie in ganz anderen Sphären unterwegs. Als sie liegen nach 11 Spieltagen auf Kurs Europacup. Letztes Jahr brauchte Stuttgart 28 Spieltage, um die 24 Punkte zu sammeln, die sie bereits jetzt auf dem Konto haben. Es würde mich schon wundern, wenn nicht mindestens einer der beiden nächstes Jahr durch Europa touren darf, schließlich trennen Freiburg auf Platz 8 und Stuttgart auf Platz 4 jetzt schon 10 Punkte. Auch wenn es dank der Aussetzer der Bayern und von RB Leipzig dieses Jahr eher ungewiss ist, dass die beiden Pokalfinalisten aus den Top 4 kommen, deswegen könnte Platz 7 nicht reichen. 

Es ist schon eine absurde Geschichte, dass beide Mannschaften von so einem Trainertausch profitieren. Und dass so ein Trainertausch überhaupt zustande kommt. Aber jetzt kommt meine dreiste Prognose: Das SOLLTE sich wiederholen, wenn sich 2 derzeitige Krisenvereine clever verhalten.

Wir reden offensichtlich von Union Berlin und dem 1. FC Köln, die mit Urs Fischer und Steffen Baumgart 2 der faszinierenderen Rohdiamanten auf der Trainerbank zu sitzen haben. Beide haben ihren Trainern auch durchaus viel zu verdanken. Union so viel, dass eine Entlassung eigentlich unvorstellbar ist. So viel dazu, ich habe den Post gestern um 3 geschrieben und wollte ihn um 13:12 veröffentlichen. Manchmal unternimmt die Realität alles, damit Passives Abseits Leser es eben nicht früher wissen.
Aber bei beiden läuft es halt richtig beschissen. Da passt gerade gar nichts zusammen. Unter normalen Umständen wären beide schon entlassen worden. Einer ist jetzt doch plötzlich weg.

Es kann auch einfach sein, dass Fischer mit dem neuen, relativ exquisiten Starensemble ein wenig überfordert ist. Er hat halt noch nie einen Spieler von der Marke Bonucci trainiert. Baumgarts intensive Art kann sich nach den Jahren einfach abgenutzt haben. Das wäre jeweils kein Vorwurf an die Trainer, das kann einem passieren.

Sein wir mal ganz ehrlich: Falls Union Berlin in der Winterpause (hier steht dann auf einmal ein noch) einen neuen Trainer sucht und falls Steffen Baumgart dann verfügbar ist, wird er der erste Name sein, der da fällt. Er passt mit seiner Mentalität und seiner Köpenicker Vergangenheit einfach zu gut zu diesem Verein, um nicht sofort gehandelt zu werden. 

Und falls sie in Köln im Winter nach einem neuen Trainer suchen, werden auch einige darauf hinweisen, dass der Fischer alles kann, was man gerade braucht. Wirklich absurd wäre es, wenn jeder abgebende Verein den Trainer unter der Bedingung abgibt, dass man den anderen haben kann. Oder wenn Union jetzt über drei Ecken in Köln anruft und fragt, ob Baumgart vielleicht verfügbar wäre, wenn sie dafür den Fischer haben können. Ob die Trainer dann zusagen oder erst mal Abstand gewinnen wollen, ist natürlich die nächste Frage.

Das ist natürlich nach wie vor ein extrem unwahrscheinliches Szenario. Schließlich könnten zumindest Baumgart noch den Umschwung schaffen. Vor allen Dingen müssten die beiden Trainersuchen ja so synchron passieren, dass nicht einer der beiden Parteien bereits Peter Neururer geholt hat. Und sich dann denkt: Verdammt, hätten wir doch noch 2 Wochen gewartet... Wobei ich es den Kölnern auch zutrauen würde, dass sie komplett in den Panikmodus zurückfallen, Baumgart direkt nach der Länderspielpause entlassen, weil das ja der beste Zeitpunkt ist und sich dann Labbadia holen... nur um in 3 Monaten zu merken, dass das ganz schön dumm war. Stuttgart ist schließlich auch rückfällig geworden, da kann Köln das auch.

Aber dass es für beide Mannschaften die beste Lösung wäre, ist zumindest mal eine Überlegung wert. Also war es anscheinend für mich, denn mir hat sich dieser Gedanke aufgedrängt.

Montag, 13. November 2023

Worst of des "Bereitet euch auf die Apokalypse vor" Wochenendes

 Bald ist es vorbei. Dann werden schwarze Löcher entstehen, die unser Universum auflösen. Genießt die Zeit, die ihr noch habt und nutzt sie, so gut wie ihr könnt... denn ungefähr so müssen sich die Dinosaurier gefühlt haben, falls sie sehen konnten, wie der sie zerstörende Komet auf die Erde zufliegt. Hoffentlich ist es für uns schmerzloser, wenn sich dieses Universum in ein absolutes, es zerstörendes Paradoxon begibt.

Datum und Uhrzeit stehen nebenbei auch schon fest: 18.05.2024 um 17:34. Vielleicht schaffen wir es bis 17:36, aber das ist halt für gewöhnlich der Zeitpunkt, an dem die Bundesligasaison vorbei ist. Und spätestens seit diesem Wochenende wissen wir, dass es da nur 2 mögliche Ausgänge geben kann:
1.) Bayern München wird Meister. Das ist immer noch das Wahrscheinlichste.
2.) Bayer Leverkusen wird Meister.

Damit wird dann entweder der Vize-Kusen Fluch gebrochen, oder Harry Kane holt seinen ersten Titel. Und damit ist die Welt, wie wir sie kennen, dann vorbei.

Schuld sind natürlich RB Leipzig und Borussia Dortmund. Die hätten es am ehesten verhindern können, kriegen es aber einfach nicht auf die Reihe. Sie sind jetzt schon 8 beziehungsweise 10 Punkte hinter dem Tabellenführer. Und auch wenn das "nur" Bayer Leverkusen ist, so ist das doch eine gigantische Menge. Und dazwischen liegt ja auch noch der Rekordmeister. Also während man 10 Punkte auf Bayer vielleicht noch einholen kann, sind 8 Punkte auf Bayern einfach zu viel. 

An der Stelle muss ich auch zugeben, dass ich den Niclas Füllkrug Transfer falsch eingeschätzt hat: Die Borussia braucht den dringend. Ohne den wären sie richtig am Arsch. Das liegt aber auch nur daran, dass Dortmund sich derzeit so schwach präsentiert, dass selbst die Qualifikation für die Champions League in Gefahr geraten könnte. Das müssen sie zwangsweise verhindern. Der Transfer ist also nicht plötzlich gut, weil Füllkrug überraschend stark ist, sondern weil die Dortmunder schlechter sind, als erwartet.

Das liegt auch ganz deutlich an dem Loch, in dem Sebastien Haller. Der ist seit dem 4. Spieltag nur noch Ergänzungsstürmer und kommt auf einen 5,0er Notenschnitt.  Zuletzt rotierte er zwischen Tribüne und Kurzeinsätzen. Und das ist vielleicht auch etwas, was die Dortmunder eher im Blick hatten, als ich. Denn diese Formkrise dürfte wenig mit dem verschossenen Elfmeter am 34. Spieltag zu tun haben und verdammt viel mit der Chemotherapie, die er hinter sich hat. Dass er letzte Saison so schnell und so stark zurückkam, war ja eine absolute Überraschung. Dass er danach dann aber irgendwann in ein richtiges Loch fallen könnte, war auch erwartbar. Das wurde aber auch von allen (inklusive mir) ignoriert, weil man halt nicht so gerne über den Krebs redet. Von daher: Fuck Cancer und gebt dem Mann ein wenig Zeit.

Nebenbei hat Harry Kane jetzt schon mehr Tore erzielt, als der Torschützenkönig der letzten Saison. Also um auf der nächsten Ebene zu belegen, wie kurzsichtig der Füllkrug Transfer doch war. Ich bleibe dabei: Marvin Ducksch wäre die bessere Option gewesen, weil er der bessere der beiden Stürmer ist. Der hält jetzt Werder Bremen auf Kurs Klassenerhalt und erzielt unter deutlich schwierigeren Bedingungen mehr Ligatore als sein ehemaliger Sturmpartner. Jünger ist er auch. Und Nationalstürmer darf er sich ab sofort auch nennen. Oh und Fun Fact: Wenn Ducksch die 5 Elfmeter geschossen und jeweils getroffen hätte, wäre er der Torschützenkönig geworden. Man hätte das also ahnen können.

Und ja, ohne Elfmeter hätte Füllkrug die Saison mit 11 Toren beendet. Ich gönne ihm ja seinen Zahltag, aber das war jetzt nicht die großartigste und kreativste Leistung der Dortmunder Scoutingabteilung.

Zum Schluss möchte ich euch die Zusammenfassung des "Nachbarschaftsduells" Darmstadt - Mainz empfehlen. Also nicht, weil es großer Fußball war, sondern um wirklich mal den Kommentator zu loben. Mutmaßlich ist das ja nicht Teil des Plans, aber sonst redet man ja meistens nur über die, wenn sie was falsch machen oder wenn sie eine Frau sind.
Und es ist relativ einfach, ein spannendes Spiel oder ein dramatisches Derby zu kommentieren. Aber ein Spiel, in dem bis zur 88. Minute keinen einzigen Torschuss gibt und das auch emotional so gar nichts hergibt, unterhaltsam zu gestalten, ist eine beachtliche Leistung. Vor allem, weil er es ja auch schaffen muss, ohne den Spielern gegenüber respektlos zu sein. Und man kann ja auch nicht erst in der 88. Minute einsteigen, auch wenn vorher nichts passierte. Also erzählt man, der eigentliche Co-Trainer Geburtstag hat, weil es halt sonst nichts zu bereden gibt. Und die Tochter von Mainzer Trainer Jan Siewert hatte auch Geburtstag was für ein Fest... nur leider halt kein Fußballfest.

Montag, 6. November 2023

Worst of des "Dortmund macht Dortmund Dinge" Wochenendes

 Einer der Gründe, dass ich ja so pessimistisch bin, ist ja der Fakt, dass sich praktisch nichts verändert hat. Also ja, Borussia Dortmund startete sehr gut in die Saison. Sie gingen bisher aber allen Spitzenmannschaften aus dem Weg. Dann komm verwundbar wirkende Bayern in ihr Stadion und sie erstarren vor Angst, wie das Kaninchen vor der Schlange. Die Bayern fahren mit einem souveränen 4:0 Sieg nach Hause. Und plötzlich haben die Bayern 5 Punkte Vorsprung vor der eigentlichen Konkurrenz aus Dortmund... und 6 auf RB Leipzig. Einzig und allein Bayer Leverkusen kann noch für einen spannenden Meisterschaftskampf sorgen. Und wenn man 2 Punkte hinter Vize-Kusen liegt, hat man die Meisterschaft quasi eingetütet.

Nebenbei müssen wir mal festhalten, dass Stuttgart, Dortmund und Leipzig zusammen einen Sieg geholt haben, seit dem der Kicker darauf hingewiesen hat, wie gut die doch sind...

Und versteht mich nicht falsch: Bayer Leverkusen spielt großartig. Xabi Alonso scheint ein großartiger Trainer zu werden. Von Florian Wirtz bekomme ich gerade "Mario Götze im Jahr 2012" Flashbacks. Also dass ein immer noch so junger Spieler schon so konstant so verdammt gut ist, sieht man selten. Dass Wirtz noch in der Bundesliga, aber noch nicht für den Rekordmeister, spielt, ist ein wunderbares Geschenk für uns alle. Aber es ist halt Vize-Kusen. Irgendwann wird die Phase kommen, in der Victor Boniface in 8 Spielen nur einen Scorerpunkt sammelt. Und dann wird man zu viele Punkte liegen lassen, um mit diesen Bayern Schritt zu halten.

Denn da kommen wir zum eigentlichen: den Streit zwischen Thomas Tuchel und den Kritikern. Lothar Matthäus und Didi Hamann feuern ja gefühlt seit Amtsantritt gegen den neuen Bayern-Trainer... Also hier ist demonstrativ ein Beitrag aus dem Juli, in dem Hamann indirekt schon die Entlassung vor der Winterpause prophezeit. Aber Tuchel traut sich halt zurückzuschießen. Worauf hin die Mimose Hamann dann den fehlenden Anstand bemängelt. Weil jemand, der ständig kritisiert wird, obwohl er, abgesehen vom Pokal, großartige Leistungen abliefert.

Ja, ich habe es gesagt: Tuchels so oft hinterfragte Bilanz ist richtig gut. Er hat einen brutal überspielten Kader zur Meisterschaft geführt. Natürlich fällt es Experten wie Matthäus oder Hamann nicht auf, wie krass die Dauerbelastung der Bayern in den letzten 2 Jahren war, deswegen sehen sie das nicht als Leistung an. Er hat Leon Goretzka, der im Sommer von vielen Bayern Fans schon aussortiert und aus dem Nationalmannschaftskader geflogen war, wieder in die Spur bekommen. Was natürlich auch daran lag, dass Goretzka endlich seine langersehnte Pause bekommen hat, die er dringend nötig hatte. Ich habe einen 2,7er-Notenschnitt prognostiziert, er ist gerade bei 2,75.
Dazu hat Tuchel endlich Leroy Sané wachgeküsst. Der ist bei 8 Toren nach 10 Spieltagen. Er ist gerade der beste Mittelfeldspieler der Bayern. Aber Hamann sieht keine "Weiterentwicklung".
Und natürlich hat Tuchel sich gerade aus dem Pokal rotiert. Das war ungeschickt. Aber da wurde halt auch deutlich, wie dünn der Kader wirklich besetzt ist. Aber in der Summe steht das der beste Saisonstart seit der Saison 2015/16. Sie stellen die beste Abwehr und den besten Angriff der Liga. Dazu kommen 3 Siege nach 3 Spieltagen in der Champions League. Da sind die auf "An den letzten 2 Spieltagen kann eine B-Elf auflaufen" Kurs. Aber einem Hamann ist das nicht gut genug...

Und natürlich habe auch ich den Tuchel bereits kritisiert. Aber immer nur auf der "Er soll weniger jammern und mehr coachen" Schiene. Tuchel macht sich halt auch angreifbar, weil er immer wieder so dünnhäutig agiert. Dass er bei einer 4:0 Machtdemonstration seine 3. Gelbe Karte der Saison kassiert, hinterlässt keinen guten Eindruck. Der könnte der Bayern Akteur sein, der am häufigsten gesperrt fehlen wird. Aber das Geschehen auf dem Platz habe ich immer respektiert.

Nur um mal zu erwähnen, wie albern das alles ist: Dortmund wurde in dieser Saison für ihre "Weiterentwicklung" gelobt, weil sie auch "weniger sexy" gewinnen können. Das ist ein deutlicher Fortschritt zum "unsexy" der Vorsaison. Nach dem ersten Spitzenspiel wird dann aber deutlich, dass die einzige Entwicklung in die "Sie schießen jetzt nicht mal die überforderte Konkurrenz ab, das ist ihnen früher noch gelungen" Richtung geht. Ist das wirklich die Entwicklung, die man sich erträumt hat? 

Und klar, die Ansprüche an die Bayern sind andere. Aber Tuchel wird halt kritisiert, weil er diese Ansprüche in der Bundesliga im vollen Umfang erfüllt. Das ergibt einfach keinen Sinn. Aber hey, Tuchel sorgt immerhin für Schlagzeilen und gute Unterhaltung, darum geht es am Ende doch nur.

Donnerstag, 2. November 2023

Worst of einer extrem spannenden Zweiten Runde

 Vielleicht sogar der spannendsten 2. DFB-Pokal Runde aller Zeiten. Es war schon faszinierend, wie spannend und lange Zeit offen diese Runde war. Und abgesehen vom erwartbaren Ausscheiden der Bayern gab es viele Überraschungen wie das Weiterkommen des Hamburger SVs. Oh und Magdeburg musste trotz 5 erzielten Toren ins Elfmeterschießen, kam da aber weiter. Nur um zu verdeutlichen, wie absurd die Spielverläufe teilweise waren.

Fangen wir mal mit den Bayern an: Ich fand es ja niedlich, dass Thomas Müller sich um die Bayern Fans und ihre weite Anreise gemacht haben. Nun ja, Erfolgsfans, denen es egal ist, dass ihr Verein von absoluten Arschlöchern geführt werden, gibt es überall, damit lautet die Antwort: Die Saarländer Bayern-Fans mussten zur Anreise ungefähr ein halbes Fußballfeld überwinden.

Das eigentliche Highlight war ja der "Die zahlen jetzt die Zeche für den Sommer" Kommentar auf Kicker.de. Schon schlimm, dass Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić die Kaderplanung so extrem verkackt haben, kann die mal jemand entlassen? Oh, warte, die haben am Ende einen besseren Plan gehabt, als Hoeneß und Rummenigge. Nebenbei zahlt der FC Bayern nicht erst seit dieser Woche die Zeche. Sie zahlten sie schon, als sie über die Verpflichtung eines Frauenschlägers nachdenken mussten. Und als sie einen Antisemiten nicht suspendieren konnten, weil der Kader das einfach nicht hergibt. Aber das war ja nur die moralische Zeche, wen interessiert die schon? Bayern Fans und Kicker Kommentatoren offensichtlich nicht, die regen sich erst nach dem Ausscheiden im Pokal auf.

Wobei man an der Stelle mal Joshua Kimmich loben muss, der derzeit dafür sorgt, dass seine persönliche Zeit auf dem Platz mit Noussair Mazraoui auf ein Minimum beschränkt wird: am Wochenende ging er frühzeitig Duschen, mit einer Nicht-Leistung gegen Saarbrücken ersparte er sich weitere gemeinsame Pokalauftritte und am Samstag fehlt er dann gesperrt... beim Gipfeltreffen gegen Borussia Dortmund. SO sieht Rückgrat und Haltung aus.

Nebenbei fiel einem auf, wie extrem das Leistungsgefälle in der Bundesliga ist. Denn der 1. FC Köln und Mainz 05 bewiesen ja eindrucksvoll, dass sie derzeit nicht mal in Liga 2 zu den Spitzenteams gehören würden. Die Spitzengruppe dort dürfte gerade besser sein, als die Kellerkinder im Oberhaus. Da ist der Hamburger SV dabei! Auch wenn die natürlich solidarisch ausgeschieden sind. Aber die können sich jetzt einreden, dass sie zum ersten Mal seit 2015 zu den 15 besten Mannschaften in Deutschland gehören. SO schlimm ist die Lage. 

Wirklich faszinierend sind die Fortschritte in Kaiserslautern: Die haben jetzt 3 Spiele infolge jeweils 3 Tore erzielt. Das letzte haben sie dann auch tatsächlich gewonnen, nachdem es vorher eine Niederlage und ein Unentschieden gegeben hatte. Wenn sie jetzt nochmal einen entspannten und souveränen Sieg einfahren könnten...

Die größte Peinlichkeit der Woche gab es nebenbei in Wolfsburg. Nicht auf dem Platz, sondern auf den Rängen. Das hätte theoretisch das 2. beste Spiel der Pokalrunde werden sollen: 2 Mannschaften mit phänomenal viel Potenzial. Besser war in der Theorie nur Dortmund gegen Hoffenheim. Und dann kommen da 16.031 Zuschauer ins Stadion. Deswegen wirft man beiden Vereinen gerne vor, dass sie ja keine Fans haben. Obwohl man den Leipzigern ja zugutehalten muss, dass 200 Kilometer unter der Woche deutlich mehr sind, als das halbe Fußballfeld...

Aber um das mal festzuhalten: Ein designiertes Gegurke wie Freiburg - Paderborn lockte 31.500 Fans ins Stadion. Ein über 60 Minuten grausamer Zweitligakick wie Nürnberg - Hansa Rostock 28.489... Da sind Leute von Ribnitz ins Frankenland gereist, um ein Banner aufzuhängen. Ich weiß, wo Ribnitz liegt, das ist nicht nur verdammt weit, sondern verdammt schlecht angeschlossen. Und dann sehen die in der ersten Halbzeit keinen einzigen Torschuss...  Und in der 95. kassiert ihre Mannschaft den Ausgleich. Hinterher wurde nicht mal der Gästeblock angezündet, weswegen die eigentlich da waren... 

Bei Nürnberg - Rostock vermissten die Fans nebenbei plötzlich den VAR... denn in späteren Runden, wenn es den dann plötzlich gibt, hätte es für jede Mannschaft einen Handelfmeter gegeben. Und wenn der VAR einem geholfen hätte, ist man natürlich doch dafür. Da findet man auf FCBInside solche Kommentare. Nur um mal den Bogen zu den Prioritäten und Perspektiven der Bayern Fans zu schlagen...

Donnerstag, 26. Oktober 2023

Vollidioten des Monats: Ulli, Kalle und Hainer

 Beide sind ja gerade zurück. Und es wäre jetzt wirklich schön, wenn mich das erfreuen würde, weil die "nur" Bullshit labern... aber:

TRIGGERWARNUNG: Hier geht es gleich um Selbstmord. Und um ganz viele andere finstere Dinge. Wenn ihr damit ein Problem habt, kommt Montag wieder, da gibt's dann planmäßig harmlose Worst Ofs.

Aber fangen wir mal mit dem harmlosen Blödsinn an: Uli Hoeneß hat sich darüber beschwert, dass Julian Nagelsmann zu schnell entlassen worden ist. Das hätte er so natürlich nie gemacht! Das war unverantwortlich. Da muss man hinterher Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić entlassen, das ist die einzige logische Option.
Hier ist das Absurde an diesem "Statement": Der Manager Uli Hoeneß hätte Nagelsmann ebenfalls entlassen. Die historischen Daten belegen das. Schließlich waren die Bayern auf dem Weg zu einer titellosen Saison. Und es gibt nur einen einzigen Trainer, der eine Saison bei den Bayern ohne Titel beenden darf: Jupp Heynckes. Der schafft das 1992 und 2012. Und natürlich kam er von der 2012er-Saison mit einem Tripple zurück, weil Christian Nerlinger anstelle des Trainers entlassen wurde. Aber solange man nicht Hoeneß bester Freund ist, wird man bei den Bayern halt entlassen, wenn man keine Titel holt. Also hätte Hoeneß im Frühjahr genau dieselbe Entscheidung getroffen, die er jetzt kritisiert.

Aber das ist ja der harmlose Scheiß. Genau so, wie es genau genommen harmlos ist, dass sein Partner in Crime Karl-Heinz Rummenigge ein Geschenk von den auf die Menschenrechte scheißenden Scheichs angenommen hat. Wahrscheinlich hat er deswegen für die Verlegung der WM in den Winter verlegt. Was nebenbei nach wie vor das geringste Problem ist. Also es kann durchaus sein, dass die WM 2034 auch in den Winter verlegt werden muss, weil es bis dahin auch Spaniens Sommer zu warm ist, um ein Fußballturnier auszutragen. Aber dass dieses Geschenk aus dem Qatar kommt, ist halt ein Problem. Ich erwähne es hier nur nochmal, weil es ein Mosaikstein zur allgemeinen Moralvorstellung der Bayern ist. Aber betreiben ja auch munter Sportswashing mit Qatar Airways und bezahltem Trainingslager. 

Aber selbst ein an sich auf Moral scheißender Vorstand hat jetzt nochmal ein neues Niveau erreicht. Fangen wir da (nochmal TRIGGERWARNUNG) bei Jérôme Boateng an. Und um seine ehemalige Lebensgefährtin Kaisa Lehnhardt. Der Prozess wurde nach dem Selbstmord der Frau neu aufgewickelt, obwohl Boateng ursprünglich freigesprochen wurde. Das ist der Teil, den alle Sportmedien elegant umschiffen: Hier geht es nicht, wie ja so oft in solchen Fällen als erstes konstruiert wird, um eine Frau, die sich an den berühmten und reichen Mann hängt und diesen mit erfundenen Vorwürfen ausnehmen will. Hier geht es um eine Frau, die womöglich durch den ganzen Umgang mit dem Urteil und Hetzkampagnen gegen sie im Internet in den Selbstmord getrieben wurde. Deswegen wurde der Prozess neu aufgerollt und Boateng zu 1,2 Millionen Euro verurteilt. Und gegen dieses Urteil ist Boateng dann in Berufung gegangen. Diese führt dazu, dass der Prozess zum dritten Mal aufgerollt wird. Und von dieser Verpflichtung wurde nur Abstand genommen, weil die Bayern-Fans gegen Boateng protestierten. Sonst hätte Herbert Hainer, als Dritter im Bund, einen Weg gefunden, sich das schönzureden. Auch wenn die bittere Wahrheit lautet, dass der sportliche Erfolg einfach über allem steht.

Das beweist auch der Umgang mit Noussair Mazraoui. Der ist nämlich auch für den sportlichen Erfolg unabdingbar, da man sonst keine Rechtsverteidiger hat. Da ist es auch nicht so schlimm, dass er der Hamas den Sieg gewünscht hat... wartet was? Das, was der Marokkaner da geteilt hat, lässt sich nur ganz schlecht in ein "Mitgefühl für alle Opfer des Terrors" umdichten, wie Nura das halbherzig geschafft hat. Mainz 05 hat ja nebenbei gerade vorgemacht, wie man darauf reagieren könnte, wenn man eine konsequente Haltung an den Tag legt. Auch wenn es natürlich für die einfacher ist, einen Ergänzungsspieler auszusortieren.

Und um mal den Antisemitismus dahinter zu verdeutlichen: Wenn ein Bundesligaspieler der Wagner-Gruppe bei ihrem Einsatz in Odessa viel Erfolg wünschen würde, wäre der morgen entlassen. Also außer er spielt für die Bayern, da ist es anscheinend egal. Da aber in der Ukraine weiße Europäer sterben, ist es halt was anderes, als im Nahen Osten, wo Araber auf Juden schießen und dann zurückgeschossen wird.

Aber das ist natürlich auch eine konsequente Linie, die da immer weiter abwärts führt: Natürlich verpflichtet der Verein, der seinen Ehrenpräsidenten zum Lobbyisten-Treffen nach Katar schickt und da im Winter hinfliegt, auch den angeklagten Frauenschläger und behält den Hamas-Unterstützer in seinen Reihen. Denn der sportliche Erfolg steht halt buchstäblich über allem

Was ja auch nur bedingt ein Vorwurf ist, solange sich diese Steuerhinterzieher nicht bei jeder Gelegenheit als moralische Instanz aufführen. Nebenbei gab es ja mal eine Zeit, in der die Bayern anders gehandelt haben. Also als die Nazis zu denen gesagt haben, dass sie ihren jüdischen Präsidenten Kurt Landauer rauswerfen müssen, haben die so lange wie möglich gesagt, dass sie das nicht machen. Dieser jüdische Hintergrund wird ja immer dann betont, wenn es gerade zur Propaganda passt, aber wenn die damalige Haltung wirklich mal als Handlungsgrundlage nehmen muss, kann sich niemand mehr erinnern.

Wir müssen mal wieder festhalten, dass die Bayern alles dem Erfolg auf dem Platz unterordnen. Solange Titel errungen werden, ist es egal, wie oder mit wem. Aber dieses "Alles" wurde in den letzten Monaten nochmals auf ein neues Niveau gehoben.

Montag, 23. Oktober 2023

Worst of des "Wer meldet sich denn da alles im Abstiegskampf an" Wochenendes

 So langsam wird die Tabelle ja aussagekräftig. Also zumindest ist davon auszugehen, dass die Mannschaften, die jetzt da unten drin stehen, da auch ein Weilchen bleiben werden. Und dass der VfB Stuttgart und die TSG Hoffenheim dieses Jahr andere Pläne haben. Was nebenbei echt faszinierend ist, schließlich lösten die ihre Probleme, in dem sie ihre Trainer gegeneinander ausgetauscht haben. Wie oft passiert es, dass bei so einem notgedrungenen Tausch beide hinterher bessere Trainer haben?

Viel überraschender ist allerdings, dass Darmstadt, Heidenheim und Augsburg noch nicht bei der Kellerparty dabei sind. Also bei Darmstadt und vor allem Heidenheim hätte ich heftigere Wachstumsschmerzen erwartet. Heidenheim deutet die immer wieder an, weil sie gerne mal 2:0 Vorsprünge verspielen. Und Augsburg hat den Trainer schon gewechselt, was ein wenig wie Panik wirkt, wenn man noch nicht mal auf dem Relegationsrang steht... oder es ist konsequent, weil man nicht auf die Tabelle, sondern auf die Entwicklung auf dem Platz reagiert. Oder dem Mangel an Entwicklungen.

Dahinter wird es aber wirklich spannend. Borussia Mönchengladbach muss sich fragen, ob die Rückkehr vom designierten Stammtorhüter alle Probleme löst. Denn das ist ja die einzige Hoffnung auf eine schnelle Stabilisierung. Hier ist aber die unangenehme Wahrheit: Nicolas Mortiz hat einen besseren Notenschnitt als Jonas Omlin. Und das nicht nur auf die 2 Spiele, die der Schwede bisher absolvieren konnte, gesehen, sondern auf Omlins gesamte Rückrunde.
Was auch wieder nur beweist, wie seltsam die Bewertungen von Torhütern sind. Also ja, Moritz kann sich regelmäßig auszeichnen. Die 2,45 Paraden pro Spiel sind laut Ligainsider.de "gut genug" für Platz 6. Aber er vereitelt halt kaum Großchancen, da liegt er nur auf Platz 16.
Vor allem ist es aber eher bedingt eine Auszeichnung, dass der Moritz sich so oft "auszeichnen darf", dabei aber keine wirklich ausgezeichnete Arbeit macht. Viel wichtiger wäre es, dass man so viel Stabilität reinbekommt, dass der Torhüter nicht ständig eingreifen muss. Nun muss sich Moritz auch da nichts vorwerfen lassen. Die Frage ist dabei aber nicht, ob ein erfahrenerer Torhüter mehr Souveränität ausstrahlt und seiner Abwehr dabei mehr Sicherheit verleiht... sondern ob Omlin dieser Torhüter ist. 

Die wichtigste Frage ist aber, ob Urs Fischer eigentlich Abstiegskampf kann? Das ist auch eine völlig absurde Frage, schließlich ist das eine Mannschaft, die über die Mentalität kommt und die sich in jedes Spiel kämpfen kann. Oder kam sie jahrelang doch nur übers Selbstvertrauen, was dazu geführt hat, dass sie weit über ihrem eigentlichen Level gespielt haben? Wettbewerbs übergreifend sind die bei 7 Niederlagen infolge. Letztes Jahr haben sie in der Bundesliga insgesamt 8 Spiele verloren.
Das ist halt buchstäblich das erste Mal in der gemeinsamen Zeit, dass es nicht einfach weiter aufwärts geht.
Und hier kommt eine andere, absurde Wahrheit aus Berlin: Urs Fischer ist einer von 2 Aufstiegshelden, die noch da sind. Denn auf dem Platz spielt nur noch Christopher Trimmel eine Rolle. Alle anderen wurden mittlerweile verkauft, weil sie mit dem rapiden Wachstum des Vereins nicht Schritt halten konnten... Oder aber glaubten, dass es in Hoffenheim oder Gladbach schneller aufwärtsgehen würde. Ernsthaft, Grischa Prömels Wechsel nach Hoffenheim bleibt eines der größten Mysterien der jüngeren Fußballgeschichte.

Ich verdeutliche das mal am Sturmduo der Aufstiegssaison: Sebastian Andersen und Sebastian Polter sind beides Vorzeigebeispiele für die hier sogenannten Marius Ebbers Angreifer. Beider erzielten mehr Tore in der 2. als in der Bundesliga. Andersen kam auf 33 Bundesligaeinsätze für Union, bevor er gegen Taiwo Awonyi und Max Kruse ausgetauscht wurde. Polter ergriff nach 13 Spielen die Flucht. Beide versuchten in Köln und Bochum das Stigma des "Nur gut genug, für die 2. Liga" Stürmers loszuwerden. Polter kam in einer Saison in Bochum sogar richtig dicht dran. Dummerweise wollte er danach unbedingt zu Schalke, damit er zeitnah wieder Zweitligatore erzielen kann.
Fakt ist aber auch: Beide wurden in Berlin ohne jegliche Sentimentalität ausgetauscht, sobald es im Verein leichte Zweifel an ihrer Qualität bestand.
Was einem zu der im Juli noch völlig undenkbaren Frage bringt: Wird man mit dem Trainer genau so umgehen? Sucht man sich einen neuen, wenn der Schweizer als Trainer nicht gut genug ist, um Stars wie Bonucci, Gosens oder Volland die nötigen Anweisungen zu vermitteln?
Und klar, bei Max Kruse hat das geklappt. Aber Kruse war auch in einer Sondersituation, weil das für ihn seine letzte Chance war, die Karriere zu retten. Und ganz sachlich sind die Zugänge dieses Sommers auch auf einem anderen Level.
Wie viele Niederlagen darf sich ein Trainer in einem Verein, der bisher keinerlei Sentimentalität gezeigt hat, erlauben? Muss er zeitnah die Kurve kriegen, oder wird darüber frühestens in der Winterpause nachgedacht?
Und wenn ihr jetzt mit "Der hat die historisch beste Saison der Vereinsgeschichte gespielt" kommt... das hat Jens Keller auch gemacht, bevor er im Jahr darauf entlassen wurde. Und seit dem kam man nicht annähernd in die Position, dass man darüber nachdenken musste, weil man seine Saisonziele erfüllt oder übertroffen hat. Das wird halt der erste Rückschritt seit dem Jahr 2018.
Damit will ich jetzt nicht sagen, dass der Trainer entlassen wird, oder dass man sich auf einen einvernehmlichen Rücktritt einigt. Ich sage nur, dass mich beides nicht überraschen wird, obwohl es für Union dann schwierig wird, einen besseren Trainer zu finden.

Beeindruckend war es auch, wie Werder Bremen sich im Abstiegskampf anmeldete. Also nicht Freitag auf dem Platz, sondern am Samstag in der Sportschau: der starke Michael Zetterer schwadroniert hinterher, "dass wirklich nur ein bisschen was gefehlt" hat, um einen Punkt mitzunehmen. Auch Ole Werner will auf dieser Leistung aufbauen.
Hier ist das Problem mit dieser Einschätzung: Das "bisschen", von dem Zetterer da geredet hat, war eine zeigenswerte Torchance. Die gab es laut Sportschau nicht. Dafür gab es eine Zusammenfassung, in der Werder locker 3 Tore hätte kassieren können, die Borussia aber lieber beweisen wollte, dass sie auch "wenig sexy" gewinnen kann. Bremen berauscht sich also daran, dass sich Dortmund nicht in einen Rausch gespielt hat. Gleichzeitig hat man aber in den 90 Minuten im Wesentlichen nur darauf gewartet, dass man irgendwann in Rückstand gerät, nur um dann keinerlei Reaktion zu zeigen. 

Also wenn man das mal mit der Vorstellung der Mainzer gegen München vergleicht: Die haben sich nur einige klare Torchancen erspielt, sondern auch ein Tor erzielt. Aber im Gegensatz zu Werners Selbstgefälligkeit ärgert sich Bo Svensson über diesen Ausgang. Nun hat sich Mainz bisher ebenfalls wie ein Absteiger präsentiert, aber man hat bei Svensson das Gefühl, dass er daran etwas ändern will... während Werner nur darauf hofft, dass Mainz ihre Probleme nicht löst und Bochum weiterhin Bochum-Dinge macht.

Denn dort wurde dieses Wochenende festgestellt, dass Manuel Riemann nicht jeden Elfmeter halten kann... und dass man echte Probleme bekommt, wenn man nur eine Sache hat, die man wirklich gut kann. 

Immerhin haben sich die Kölner auch endlich in der Saison angemeldet. Köln hat ja theoretisch dasselbe Problem wie Union: Sie stecken nach bisher ausschließlich erfolgreichen Jahren mit ihrem Trainer Steffen Baumgart plötzlich in der Scheiße. Der Unterschied ist aber, dass man nach den Abgängen von Skhiri, Hector und Duda deutlich an Qualität verloren hat, während Union sachlich gesehen besser geworden ist. Vor allem tut es den Kölnern wirklich weh, dass man für 2 dieser Leistungsträger keinen Cent Ablöse bekommen hat. Dass Köln unten reinrutschen könnte, sollte also nicht sonderlich überraschen. Jetzt hat Baumgart den wichtigen ersten Sieg geholt, bevor ihm die wirklich unangenehmen Fragen gestellt werden.
Und ja, Köln wird lange unten drin hängen, aber die spannende Frage bleibt, ob man dabei die Ruhe bewahrt. Denn eines steht sowohl bei Fischer, als auch bei Baumgart fest: Beides sind richtig gute Trainer, die in ihren Vereinen bewiesen haben, dass sie langfristig helfen können. Bei beiden ist eine Entlassung also im besten Fall eine kurzfristige Problemlösung, die aber langfristig mehr kaputt macht, als sie repariert.