Donnerstag, 4. Mai 2023

Wie unfähig ist eigentlich die DFL?

 Die hatten eine einzige Aufgabe. Und jetzt flucht der 1. FC Köln auf Bayer Leverkusen und einen Regionalpolitiker, weil die ihren Scheiß nicht auf der Reihe haben. Als könnte Leverkusen was dafür. Und ja, man sollte viel mehr die DFL hinterfragen, als Leverkusen kritisieren. Und als Köln... ich sage mal so: In anderen europäischen Ligen gibt es da mehr Solidarität, wenn es um das Verlegen von Ansetzungen vor wichtigen Europacup Spielen gibt. Für Barca wurde das zum Beispiel regelmäßig gemacht.

Also um das mal kurz aufzuschlüsseln: Die konkrete Anstoßzeit wurden am 23.3.2023 angesetzt. Da wusste man bereits, dass

1. ) Die Woche davor der DFB-Pokal ansteht, aber sowohl die Kölner als auch die Werkself haben sich mit identischen Ergebnissen in der ersten Runde aus diesem Wettbewerb verabschiedet. Sie waren also in der englischen Woche vorher nicht im Einsatz, man konnte die Partie also ganz entspannt überall hinlegen.

2. ) Wussten alle, dass sich die Kölner bereits nach der Gruppenphase aus der Conference League verabschiedet haben. Die haben also wirklich nur noch die Liga und man muss da auf nichts Rücksicht nehmen.

3. ) Es stand die Ansetzung von Leverkusen gegen Union Saint-Gilloise bereits fest. Also es stand auf jeden Fall fest, dass eine deutsche Mannschaft nur noch eine Runde von einem Halbfinale Anfang Mai entfernt waren. Dass es da terminliche Probleme geben wird, hätte man ahnen können.

4. ) Wer ein grundlegendes Verständnis von Geografie und Fußball-Geschichte hat, der weiß, dass Köln gegen Leverkusen ein sogenanntes Derby ist. Ein Spiel, welches man durch Flutlichtatmosphäre weiter aufwerten kann. Und vor allem können die Fans beider Vereine nach dem Feierabend problemlos aus Köln anreisen, was bei einem Spiel wie Werder Bremen gegen Bayern München nicht möglich wäre. 

Sprich: Wenn man seinen Job ordentlich macht, setzt man dieses Spiel direkt am Freitagabend an, dann erspart man sich die ganze Diskussion. Aber das Mindeste, was man hätte machen müssen, ist ja: Dieses Spiel auf den Samstag zu legen. So wie man das bei den Bayern selbstverständlich gemacht hat. Es würde doch niemand auf die Idee kommen, die Bayern vor einem Champions League Spieltag am Sonntag antreten zu lassen... Aber wenn da kein N am Ende ist, macht man das einfach?

Nebenbei könnte man auch mal infrage stellen, ob es vernünftig ist, einen der 3-4 Hauptprotagonisten im Abstiegskampf schon am Freitag antreten zu lassen. Und auch das war ja absehbar. Also, dass Schalke da mitmischen wird. Für die direkte Konkurrenz wird es Auswirkungen haben, wie diese Partie ausgeht. Deswegen wäre es auch fairer, wenn die möglichst am Samstag spielen. Zumindest, wenn das einfach machbar wäre.

Vielleicht übersehe ich da ja irgendwas. Aber falls das so ist (da sind wir wieder bei der Kicker.de Kritik), teilen mir die Medien die Gründe, warum man das Spiel nicht gleich am Freitag ansetzen könnte, nicht mit. Als kritisches Medium sollte man sich viel mehr damit beschäftigen, wie die DFL das so verkacken konnte.

Dienstag, 2. Mai 2023

Passives Abseits Leser wissen es früher: Challenges! Bitte Jetzt!

 Ernsthaft? Hat es eigentlich irgendjemanden überrascht, dass der VfL Bochum gegen Borussia Dortmund gepunktet hat? Selbst dem Kicker ist aufgefallen, dass der Tabellenführer dieses Jahr, um nur etwas zu übertreiben, so gut wie nie gewinnt. Zumindest, wenn es sich nicht um den FC Bayern handelt. Oder Union Berlin. Es ist wieder mal der Nachweis, dass es nur eine Variante gibt, wie der Rekordmeister den Titel nicht schon wieder holt: Wenn sie am 34. Spieltag patzen.

Lustigerweise führt der Kicker auch aus, dass Borussia auch ihre Tabellenführung in der Saison 2019/20 sofort wieder verspielte. Aber selbst die kriegen ja nicht raus, wann Dortmund das letzte Mal eine Tabellenführung verteidigt hat. Wobei das gar nicht sooo schwierig ist, es war am 2. Spieltag der bereits angesprochenen Saison

Das eigentlich Traurige ist ja, dass die Borussen jetzt die Schuld bei dem Schiedsrichter suchen können, weil sie ja 3 Mal krass benachteiligt wurden. Ok, alle sachlichen Kritiker sprechen nur von einem Vorfall, aber wer will schon sachlich auf die Dinge gucken.

Aber das ist der größte Teil des Problems: Dortmund Vorstandsabteilung sehen sich hinterher als großes Opfer, weil sie Fehlentscheidungen sehen, wo gar keine waren. Und dann fragt Sebastian Kehl sich, was hier wohl los wäre, wenn das dem FC Bayern passiert wäre... Worauf der Kommentator eiskalt mit "Vielleicht hätte er ein Tor mehr geschossen." antwortet. Vielleicht? Eher wahrscheinlich.

Denn man muss auch einfach mal festhalten: bei einem Abstiegskandidaten musst du auch trotz einer krassen Fehlentscheidung gegen dich gewinnen, wenn du Meister werden willst. Und das eigentliche Problem war halt, dass von den Dortmundern in Halbzeit 2 viel zu wenig kam. Manuel Riemann musste in Halbzeit 2 halt nur 2 Bälle abwehren. Das ist viel zu wenig. Es ist ja nicht so, dass man an einem herausragenden Torhüter gescheitert ist, sondern man hat es nicht geschafft einen im besten Falle durchschnittlichen Torwart wirklich zu fordern. Man hat sich gegen die schlechteste Abwehr der Liga viel zu wenige Großchancen erspielt. Und das ist das eigentliche Problem. Damit müsste man sich viel mehr beschäftigen.

Aber dass die Dortmunder auf 3 krasse Fehlentscheidungen gesehen haben wollen... macht das Spiel zu einem Lehrbuchbeispiel für die Challenges. Gebt einfach jeder Mannschaft 2 Mal pro Spiel die Gelegenheit, eine Fehlentscheidung zu überprüfen. Wenn sie beide Male recht behalten hat, bekommen sie noch eine dritte Chance. Dafür wird der Kölner Keller abgeschafft, denn der Schiedsrichter geht dann ja eh auf Wunsch in die Review Area. Das würde ALLE VAR Probleme lösen.

Und man könnte anhand des Lehrbuchbeispiels Dortmund auch erklären, wie eklatant es sich auswirken kann, wenn man wegen angeblicher Ungerechtigkeiten seine Challenges wegwirft. Also Dortmund hätte ja anscheinend den Zweikampf vor dem 1:0 zwischen Hofmann und Can überprüfen lassen. Anstatt dies mit 180er-Puls und wahrscheinlich feuchter Aussprache zu machen, könnte Erdin Terzic das dann aber in aller Ruhe vermitteln: Hey, wir haben das so gesehen, gucke dir das mal an. Was alleine schon für einen wesentlich respektvolleren Umgang miteinander führen könnte, eigentlich sogar müsste.

Dann guckt sich Stegemann das Bild nochmal an und wir gehen mal von der Sportschau Analyse "Den muss man nicht pfeifen" aus. Damit zählt das Tor dann trotzdem und Dortmund hat nur noch eine Challenge. Diese verwenden sie dann natürlich für den Elfmeter, der ja auch als krasse Fehlentscheidung eingeschätzt wurde. Also von allen Beteiligten inklusive des Schiedsrichters. Nun verschießt Dortmund diesen Elfmeter aber, um das Gedankenexperiment fortzuführen. Und weil Elfmeter abwehren das einzige ist, was Riemann wirklich beherrscht. Vor allem müssen wir halt mit einem 1:1 in das letzte Handspiel gehen. Da kann der BvB dann keine Challenge mehr fordern, weil sie das ja beim ersten Versuch verspielt haben. Die Dortmunder würden dann lernen, dass man seine Möglichkeiten nicht leichtsinnig wegwerfen sollten und würden das nächste Mal vielleicht sachlicher auf die entsprechenden Szenen gucken.

Wenn man dann noch hinzufügt, dass jedes "Der Spieler rennt mit Schaum vorm Mund zum Schiri" von dem mit einem "Willst du das überprüfen lassen? Bist du sicher? Nein? Gut, dann geht es weiter" deeskaliert werden würde. Das ganze Spiel wäre so viel angenehmer. Ich verweise da gerne auf das olympische Beachvolleyball Turnier, wo es mir extrem aufgefallen ist, dass die Spieler*innen ganz ruhig und sachlich zu den Schiedsrichter*innen gegangen sind und ihnen erklärt haben, was sie überprüft haben wollen. Ganz ohne jegliche Aggressionen oder Beleidigungen... Und die nötige Disziplin im Umgang mit den Schiedsrichtern müssten die Trainer ihren Spielern einprügeln, sobald die ein Mal mit leichtfertigen Forderungen diese Möglichkeit verspielt haben.

Dass man darüber diskutieren sollte, ist jetzt ja selbst dem Kicker aufgefallen. Nach 5 Jahren. Großartig. Das ist ja für mich immer das enttäuschende an unseren angeblichen Fachmagazinen: Die sollten eigentlich die Vorreiter bei solchen Diskussionen sein. Dasselbe betrifft ja auch das Handspiel, wo ich seit Jahren darauf warte, dass mal jemand erwähnt, dass einen Elfmeter dafür zu vergeben einfach hart ist und man eine angemessene Strafe finden muss. Und ja, erst wenn der Schritt angegangen wird, werden wir eine Lösung für die Handspielproblematik finden. Aber das eigentliche Problem wird ja von niemanden benannt, deswegen kann man da auch nicht an Lösungen arbeiten.

Auch bei neuen Ansätzen zum VAR müsste da eigentlich viel früher viel mehr kommen als ein "Die Regelhüter der Fifa wollen das eh nicht, deswegen müssen wir uns keine Gedanken machen." Amerikanische Medien können das nebenbei, auch wenn da nicht immer alles so ernst gemeint ist. Aber demonstrativ diskutiert TheRinger.com hier darüber, ob die NFL ihre Draftregeln ändern sollte. Also nur als aktuelles Beispiel.

Wann hat der Kicker das letzte Mal irgendeine derartige Diskussion losgetreten? Oder federführend geführt? Das muss Jahre her sein. Die verwalten halt auch nur den Status Quo und feiern sich dann ein Mal im Jahr, weil sie das eine Mal beim beinah Konkurs von Borussia Dortmund wirklich investigativen Journalismus betrieben haben. Und das wollen die Besten sein, die wir haben.

Der "So funktionieren Challenges bei anderen Sportarten, das sind die Auswirkungen und so könnte man das im Fußball implementieren" Artikel hätte man vor 3 Jahren schreiben müssen. Und dann verweist man immer wieder darauf, wenn es mal wieder Probleme gibt und erwähnt, dass ein Challenge System diese Situation einwandfrei gelöst hätte. Denn es ist ja seit 3 Jahren offensichtlich, dass das mit dem VAR so nicht funktionieren wird. Stattdessen wartet man darauf, dass so ein VAR-Fehler eventuell die Meisterschaft entscheidet und macht dann wenigstens mal eine Umfrage zu dem Thema. Man rennt halt nur hinterher, anstatt vorzudenken.

Montag, 24. April 2023

Es ist schon absurd

 Wie katastrophal sich die Bayern präsentieren. Also auf allen Ebenen. Mittlerweile lässt sich ja selbst Yann Sommer von der allgemeinen Verunsicherung anstecken und winkt einen "Den hätte Neuer während der WM auch kassiert" Ball durch. Plötzlich diskutieren die tatsächlich über einen Wechsel zu Sven Ullreich, als wenn Sommer das Problem wäre.

Das Problem ist doch eher, dass niemand Sommer geschützt hat, als völlig unmotiviert auf den eingeprügelt wurde.

Thomas Tuchel als angebliches Trainer Upgrade wirkt nach 3 1/2 Wochen völlig ratlos. Und vor allem wirkt er so, als bräuchte er dringend ein Sabbatjahr: 3 Jahre ausgebrannt

Und am schlimmsten ist ja der Vorstand. Also allein schon deren Körpersprache. Da sitzen Herthas Vorstandsvorsitzender souveräner auf der Bank, und für den geht es wirklich um alles. Wenn man sich Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić so anguckt, könnte man denken, dass die Bayern in einer wirklich bedrohlichen Lage sind. Dass der Verein pleite geht, wenn sie nicht Meister werden. Dass Kahn dann von einer "Katastrophe" spricht, falls man nicht Meister wird, hilft auch nicht wirklich.

Vielleicht sollte man Kahn mal über den Sudan mit einem Fallschirm abspringen lassen, dann merkt wer, was wirkliche Katastrophen sind. Oder im Jemen. Oder in der Ukraine. Oder, oder, oder. Es gibt genügend wirkliche Katastrophen.

Und auch sportlich... das muss man nochmal so festhalten: 99 % aller Vereine der Welt würden liebend gerne mit den Bayern tauschen. Auch in dieser Saison. Sie haben immer noch die Qualifikation für die Champions League sicher, sitzen also weiterhin an den großen Fleischtöpfen. Sie sind in den letzten 20 Jahren nur 2 Mal nicht mindestens 2. geworden. In diesen 20 Jahren war man ebenfalls immer mindestens im Achtelfinale der Champions League. In 9 der letzten 10 Jahre stand man dort im Viertelfinale

Dazu steht man, im Gegensatz zur direkten Konkurrenz um den Champions League, finanziell auf gesunden Beinen. Einzig Manchester City und Real Madrid können eine ähnliche Bilanz vorweisen. Da erdreistet man sich von einer Katastrophe zu sprechen, weil man vielleicht ein Jahr lang seinen Briefkopf nicht ändern muss? Da wäre zum ersten Mal seit 2011 der Fall. Welch ein Elend.

Die einzige wirkliche Katastrophe ist ja der Fakt, dass Olli und Hasan diese Situation, mit ihrer absolut unmotivierten Trainerentlassung diese Situation selber herbeigeführt haben. Ihre eigene Panik hat die Problematik zumindest verstärkt. Und man schafft es halt auch nicht, das Erreichen des Viertelfinales als Erfolg zu verkaufen. Dabei ist es genau das. Das ist aber auch das Grundproblem der Bayern. Sie können sich öffentlich schlecht damit zufriedengeben, was sie diese Saison international erreicht haben. Theoretisch sollte jede Saison, in der man unter den besten 8 Europas war und sich wieder souverän für die Champions League qualifiziert, als solide bezeichnen. Und wenn man das ändern will, dann muss man halt seine Vereinspolitik ändern und mehr ins Risiko gehen.

Als die Bayern das letzte Mal vor dieser "Wahl" standen, haben sie ja genau das gemacht und damals gigantische 40 Millionen für Javi Martinez ausgegeben. Mittlerweile würde so ein Spieler halt 80 Millionen kosten und für den ordentlichen Angreifer, den man auch noch braucht, gibt man 100 Millionen aus.

Und ja, die Bayern müssen diese Spieler kaufen, denn ihre eigene Aus- und Weiterbildung läuft seit Jahren bescheiden. Man kann nicht darauf setzen, dass man selber einen Jan Fiete Arp zur Weltklasse entwickelt... um die drastischste Enttäuschung zu nennen. Da dies aber weder Flick, noch Nagelsmann oder Kovac hinbekommen haben, kann man dies nur bedingt Salihamidžić vorwerfen. Also da muss man halt mal die grundlegenden Probleme hinterfragen.

Nebenbei wird ja dem Manager mittlerweile auch gerne vorgeworfen, dass er schon 500 Millionen in den Kader investiert hat, man dies aber nicht sieht. Besser geworden ist der halt nicht. Und da sind wir wieder bei dem Anspruchsdenken. Denn das Problem ist halt: Er hat auch 300 Millionen an Transfererlösen erzielt. Und wenn man derzeit am Ende 200 Millionen Euro in Ablöse investiert, ist das halt mehr eine Instandhaltung... Also um das mal zu verdeutlichen: Manchester City hat im selben Zeitraum 1 Milliarde Euro in Ablösen gesteckt und etwas unter 500 Millionen Verlust gemacht. Real Madrid ist trotz einiger brillanter ablösefreier Transfers bei 640 Millionen Euro an Ablösen. Barcelona ist zwar angeblich pleite, steckte aber trotzdem auch über 1 Milliarde Euro in seinen Kader. Chelseas aktuelle Transferbilanz für diese Saison liegt bei -543 Millionen.

Das sind die Vereine, mit denen sich die Bayern sportlich messen wollen. Wenn sie das wirklich vorhaben, müssen sie auch entsprechend investieren. Oder sie sehen ein, dass dies wahnsinnig ist, dann müssen sie halt auch zugeben, dass das regelmäßige Erreichen des Viertelfinales ein echter und respektabler Erfolg ist. Das können sie aber anscheinend nicht. 

Nebenbei muss man da dann nochmal auf die Fans und ihre "Ziele dürfen verfehlt werden" Plakates ansprechen. Die schreiben danach nämlich irgendwas von Werten, was ich bei den Bayern immer wieder lustig finde. Schließlich sind Titel das einzige, was es von Wert bei diesem Verein gibt. 

Also klar, Uli Hoeneß und Karlheinz Rummenigge haben sich immer so aufgeführt, als hätte der Verein irgendwelche anderen Maßstäbe. Aber am Ende ging es immer nur darum, Titel für die Bayern zu holen. Wenn man dafür nebenbei die Seele an den Katar verkaufen muss und dadurch dabei mithilft, die WM in den Winter zu verlegen... dann ist das halt so. Und wenn man dann einen da schon leicht senilen Franz Beckenbauer vor Ort nach Sklaven suchen lassen muss. Ich finde es immer niedlich, wenn diese Erfolgsfans irgendwas von Werten schwadronieren.

Freitag, 21. April 2023

Wir und die müssen uns fragen, wo wir hin wollen.

 Also "Die" sind "Die Bayern". Und "uns" ist der Rest der Liga.

Ich bin gestern über einen wirklich interessanten Artikel in der 11 Freunde getroffen, die mir zugelaufen ist. Da gingen die ganz offen mit einem für den deutschen Fußball beschissenen Jahr 2022 um. Und darum, dass die DFL gerade im schlimmsten Moment führungslos ist, weil die Hopfen ja entlassen wurde.

Und es ging auch darum, dass die DFL gerade ihre Medienrechte verkaufen will, um mehrere Milliarden zu generieren. Jetzt ein Mal einen großen Batzen Geld haben und dann entscheiden, wie man den dann clever investiert.

Und dann stand in einem Magazin für Traidionsfans auf ein Mal was vom "Trickle Down Effect". Also dass man das einfach nach sportlichen Leistungen verteilen könnte und es dann für alle gut ist, wenn die Bayern noch reicher werden. Die sind da natürlich dafür. Aber das ist genau die Idee, mit der Liz Truss gerade gescheitert ist. Also auf der ganz großen Bühne. 

Um das ehrlich anzumerken: Es wird nur in dem Artikel diskutiert, es ist nicht so, dass sich die 11 Freunde Redaktion für diese Idee ausspricht. Es ist nur eine der Möglichkeiten, wie das Geld verteilt werden könnte. In Spanien muss man sich gerade für dieses Geld bewerben und ein nachhaltiges Projekt damit umsetzen. Und ja, die Spanier sind uns da gerade etwas voraus.

Nebenbei ging es auch beim Watzke und Zinglers Interviews: Man wollte als Vertreter der "Guten" die Fans darauf vorbereiten, dass solche Investoren notwendig sein werden.

Und dann kam einer der sinnvolleren Sätze: Im Ausland denkt sich niemand: Mainz gegen Bochum? Wie spannend! Und beide sind schuldenfrei! Die Fans in Amerika und Asien wollen Stars sehen, wie die verpflichtet werden, ist denen egal. Und denen ist im Endeffekt auch egal, ob der Verein pleite geht, dann kommt halt der nächste und verpflichtet die entsprechenden Stars. Die haben auch keinerlei moralische Bedenken, wo das Geld herkommt.

Das ist jetzt halt die grundlegende Debatte, die mal offen und ehrlich geführt werden muss: Wollen wir eine nachhaltig wirtschaftende Liga mit tollen Vereinen? Dann können wir uns von einem Erfolg in der Champions League verabschieden. Und auch von einem spannenden Meisterrennen, denn der Vorsprung der Bayern ist einfach zu groß. Denn ohne externe Investoren werden die Bayern auch die nächsten 10 Titel holen. Dann wird diese Saison, in der es wenigstens bis Ende April spannend war, die Ausnahme darstellen. Das muss all denjenigen, die sich dagegen wehren, bewusst sein. Weshalb es natürlich wieder faszinierend ist, dass die Dortmund Fans bei dem Protest in der ersten Reihe stehen. Die wollen anscheinend gar keinen Meistertitel... Interessant.

Aber gerade die Dortmunder schaffen es doch nicht wirklich einen Einzug ins Achtelfinale der Champions League und ein offenes Meisterschaftsrennen als "Erfolg" zu verkaufen. Obwohl das halt realistisch gesehen und ohne Losglück das Maximum ist, was sie in den nächsten 20 Jahren erreichen werden. Und klar, ganz selten werden sie das glückliche Los ziehen und einen machbaren Gegner bekommen. Aber es wird die Ausnahme darstellen. Was auch nur bedeutet: All die Rohdiamanten ziehen weiterhin frühzeitig weiter. 

Man muss dann auch darüber reden, ob man den Fokus nicht viel mehr auf die Europa League legen muss. Denn anscheinend können da deutsche Mannschaften noch ihre Erfolge feiern. Vielleicht sollte man den Fokus wirklich auf diesen Wettbewerb legen. Und ja, mir selber fällt genau jetzt auf, dass auch da 2 italienische Mannschaften im Halbfinale stehen... was ist denn da los.

Und ich habe wirklich wenig dagegen, wenn Fußballdeutschland zu dem Schluss kommt, dass die unser Weg sein soll. Aber dann muss man ihn halt auch mit Konsequenz gehen. Das führt aber auch zu der Frage: Gibt es dieses Fußballdeutschland überhaupt? 

Also klar, die Traditionalisten in der Kurve sind extrem laut. Sie haben aber auch die entsprechende Plattform. Und sie machen halt auch gut gehend Stimmung. Aber sind sie wirklich die Mehrheit? Ist deren Meinung wichtiger, als der gemeine Fan, der sich denkt: Einen Haaland noch in der Bundesliga zu haben, wäre schon geil, dafür brauchen wir aber mehr Geld?

Und dazu kommen ja auch noch die Bayern-Fans, für die eine Saison mit nur einem Titel eine Katastrophe ist. Das ist ganz sachlich gesehen der Verein mit den meisten Anhängern in Deutschland. Überraschung. Nebenbei sind die auch der mitgliederstärkste Sportverein der Welt. Und die werden definitiv wollen, dass mehr investiert wird. Also möglichst von ihrem eigenen Verein, aber die würden mit einem "trickle up effect" auch leben können. Solange sie sich nicht ständig mit einem Ausscheiden im Achtelfinale arrangieren müssen, ist denen alles recht.

Und dazu kommen natürlich mittlerweile auch die industriellen Interessen. Also es gibt einfach eine ganze Menge Leute, die mit diesem Spiel ihr Geld verdienen wollen und die wollen ihre Renditen natürlich steigern. Dabei rede ich nur bedingt von Windhorst und weiteren externen Investoren, die nach 5-10 Jahren weiterziehen. Ich rede von Fernsehstationen, die irgendwann darauf reagieren werden, dass die Meisterschaft im September entschieden ist und weniger Geld ausgeben wollen. Von den "Vereinen" selber, die ja mittlerweile auch alles GmbHs oder Kommanditgesellschaften auf Aktien sind, also irgendwo auch gewinnorientiert arbeiten muss. Von der Frage, ob es sich überhaupt lohnt, das Stadion auszubauen, wenn die Liga international den Anschluss verliert. Das sind halt auch Entscheidungen, die in 50 Jahren noch Auswirkungen haben werden. Die Ultras behaupten natürlich, dass sie auch dann noch kommen werden. Aber ich glaube, sie unterschätzen, was passiert, wenn nur noch sie kommen, weil der Rest das Interesse verloren hat.

Es ist praktisch unmöglich, mit dieser Gemengelage einen Konsens zu finden. Es ist sogar praktisch unmöglich, mit dieser Gemengelage eine Diskussion zu führen, weil man erstmal klären müsste, wer alles mitreden muss und wessen Stimme man wie viel Gewicht geben muss.

Donnerstag, 20. April 2023

Manchmal braucht es nur 16 Sekunden

 Um den Unterschied zwischen einem Erling Haaland und einem Eric-Maxim Choupo-Moting. Deutlich zu machen. Also letzterer kommt halt im Strafraum nach Kingsley Comans Einzelleistung nicht an den Ball und stochert in rein, erster macht postwendend das 0:1. Und ja, Haaland ist so ein Arschloch, er macht sogar dann eiskalt das 0:1, wenn die Bayern gerade nachweisen, dass sie keine Bedrohung darstellen, weil sie eh keine 3 Tore erzielen werden, egal was passiert.

Das wirkte in der ersten Halbzeit noch anders, als er ein Elfmetergeschenk dankend ablehnte. Ganz im Gegensatz zu Joshua Kimmich, der denselben Elfmeter dann eiskalt verwandelte. Und ja, dass diese lächerlichen Handelfmeter gegeben werden, ist ein riesiges Problem. Ich bleibe bei: Regelwerk anpassen, indirekte Freistöße geben. Vielleicht sollten wir darauf hoffen, dass ein Champions League Finale durch so einen Gurkenelfmeter entschieden wird, denn dann führt vielleicht auch die Fifa und die Uefa diese Debatte. Und hier muss man ja eher die Uefa Richtlinie als Schuldigen suchen, denn in der Bundesliga wäre dieser Elfmeter nicht gegeben worden. Ok, vielleicht nicht gegeben worden. Ist es jetzt ein gutes Zeichen, dass die Elfmeterentscheidungen in der Bundesliga einem Münzwurf gleichkommen? Immerhin ist die Uefa konsequent...

Der absolute Held des Abends ist nebenbei Ederson. Der war der einzige, der wirklich Angst vor den Bayern hatte. Warum dies so war, kann niemand nachvollziehen, er hat deren Angriffsbemühungen ja aus der ersten Reihe gesehen. Trotzdem eine Gelbe Karte für Zeitspiel. Mit einer komfortablen 3-Tore-Führung im Rücken! In der 44. Minute!!! Das ist doch komplett albern! Aber das reichte ihm noch nicht mal, er war so aufgeregt, dass er in der Schlussphase "Krämpfe" hatte. Als Torhüter.

Dass die Uefa mittlerweile frühzeitig Verwarnungen für Zeitspiel verteilt, finde ich nebenbei großartig. Also auch Dortmund hat in seinem Rückspiel bereits frühzeitig eine Gelbe Karte gesehen. Und nur, wenn man das frühzeitig sanktioniert, kann es auch eine wirkliche Strafe darstellen, weil in Dortmunds Fall Niklas Süle halt hinterher vorsichtiger in die Zweikämpfe gehen muss. Bitte mehr davon.

Was dann aber auch passieren muss: Die "geschundene" Zeit muss schon in der ersten Halbzeit nachgespielt werden. Also um das mal kurz nachzuvollziehen: In der ersten Halbzeit gab es einen VAR-Eingriff um die unberechtigte Rote Karte für Dayot Upamecano, eine länger andauernde Unterbrechung, um den lächerlichen Elfmeter zu geben und das erwähnte Zeitspiel. Es gab trotzdem "nur" 2 Minuten Zeitspiel, anstelle von 4. Damit wurde Ederson zwar formell verwarnt, aber die Zeit wurde trotzdem nicht nachgeholt, er war also erfolgreich.

Nebenbei ist es hervorragend von Thomas Tuchel, dass er bereits so früh in seiner Amtszeit vorneweg marschiert und seinen Spielern zeigt, wie man die Contenance bewahrt. Exzellente Arbeit an der Seitenlinie. Und hey, jetzt kann er für Anfang September einen spontanen Skiurlaub planen.

Jetzt müssen wir schon wieder über die Analyse des Kickers reden. Denn die sind immerhin konsequent. Also im Nachhinein kritisch und ohne jegliche Selbstreflexion. "Blanker Unsinn!" Wir müssen hier halt noch mal festhalten, wie groß dieses ehemalige Fachmagazin die Ankunft von Sadio Mané im Sommer gefeiert hat. Ein Superstar für die Liga! Da kommt jemand von der Premiere League nach Deutschland! Gegen den Trend! Das ist Afrikas Fußballer des Jahres! Das wird großartig. Wenn Sané der Spieler gewesen wäre, den der Kicker angepriesen hat, wäre man jetzt nicht in dieser Position. Man kritisiert jetzt genau den Salihamidžić, den man im Sommer noch gefeiert hat. Dass man sich von dem an sich ja auch gut aussehenden Transfersommer selber hat blenden lassen, blendet man komplett aus.

Dazu kommt dann, dass Leon Goretzka indirekt als "nicht gut genug" kritisiert wird. Also man brauch halt einen richtig guten defensiven Mittelfeldspieler, Goretzka (und irgendwie auch Kimmich) sind das nicht. Und ja, viele Probleme würden sich auch beheben lassen, wenn Kimmich gewillt wäre, den defensiveren Part disziplinierter zu spielen, aber das wird ja in der Liga einfach nicht gefordert. Nebenbei lässt man die Müller Position elegant aus, während Stürmer und Flügelspieler angezählt werden.

Das ist auch alles gut und schön. Was ich aber von einem Fachmagazin erwarte, ist nach wie vor, dass sie mir so was vorher erklären. Also darauf hinweisen, dass Goretzka und Kimmich in der Liga defensiv zu wenig gefordert werden und die jetzt nachweisen müssen, dass sie den Druck richtig guter Mannschaften abfangen können.

Also dass sie uns dabei helfen, zu besseren Zuschauern zu werden und das Spiel besser verstehen. Denn bei kritischen Prognosen geht es ja nicht darum, Recht zu behalten, sondern den Fans zu erklären, worauf sie achten müssen. Wenn vorher erklärt wird, dass Goretzka als Schlüssel seine Rolle anders als gewohnt interpretieren muss, damit die Bayern Erfolg haben können, kann ich darauf achten, ob der dies macht und ob ihm das gelingt. Und dann kann ich eher beurteilen, ob ein offenbar unsichtbarer Goretzka doch ein gutes Spiel gemacht hat. 

Und hey, vielleicht macht der Kicker das ja alles in der Druckausgabe, die ich nicht mehr kaufe. Aber andererseits habe ich das Ding 20 Jahre lang gekauft und gelesen, dort war so was, gerade wenn es um die Bayern oder Deutschland geht, selten zu lesen. 

Das wirklich faszinierende ist ja: Der Kicker wird daraus nichts lernen. Also auch nächstes Jahr im April werden sie uns wieder erzählen, wie die Bayern die übermächtige Konkurrenz aus Europa schlagen kann und dass sie auf Augenhöhe sind. Sie werden sich und uns einreden, dass die wirklich den Titel holen können, nur um dann wieder geschockt aufzuwachen. Aber sich einzugestehen, dass den Bayern einfach ein Schritt zur absoluten internationalen Klasse fehlt, bedeutet ja auch, sich die eigene Irrelevanz einzugestehen. 

Und man muss auch einfach mal festhalten: Solange sich am europäischen Fußball-Finanzmarkt nichts änder, oder die Bayern ihre Prinzipien über Bord werden und 120 Millionen in einen Stürmer und 80 Millionen in einen defensiven Mittelfeldspieler investieren, wird das Erreichen des Halbfinales eine überragende Leistung sein. Und den Titel zu holen, wäre eine Sensation. Das ist halt so, wenn man gegen Ölimperien kämpft. Das können die Bayern selber natürlich nicht sagen, aber als Kicker könnte man da mal aufklären.

 Ansonsten... sind die 90er zurück! Jean-Luc Picard läuft in dem, was man heutzutage so Fernsehen nennt (und Staffel 3 ist richtig gut, nur so am Rande.) Es gibt einen Supermario Bros Movie im Kino... und das Mailänder Stadtderby im Champions League Halbfinale. Das sind so 3 Dinge, die ich vor 12 Monaten nicht erwartet hätte. (Die ersten beiden Staffeln von Picard sind wirklich schlecht, nur so am Rande.) Was ist denn da los?

Wenn man dann noch bedenkt, dass 3 Mannschaften das Viertelfinale erreicht haben. Kann es sein, dass Italien zurück ist?

Dienstag, 18. April 2023

Worst of der "Neuer hätte den gehalten" Wochen

 Ok, es ist ja wirklich viel passiert. Also ganz nebenbei ist meine "Dortmund verspielt die Meisterschaft unerwartet gegen Stuttgart" Prognose wirklich wahr geworden. Und machen wir uns nichts vor: Wenn Dortmund Meister werden will, müssen sie ab sofort alles gewinnen. Aber wahrscheinlich reicht nicht mal das. Dieser absolut unnötige Punktverlust wird ihnen am Ende richtig weh tun.

Dann hat sich Markus Babbel still und heimlich als Experte komplett rausgeschossen, weil er doch tatsächlich innerhalb von 3 Sätzen eine 180 Grad Wende macht. Also um euch das kurz darzulegen: Babbel sagt, angesprochen auf Sadio Mané, klar und deutlich, dass die Bayern sich selbst zerstören. Dann wird er damit konfrontiert, dass er sich selber mal mit Carsten Jancker "fetzte"... woran er sich nicht mehr erinnern kann. Aber wenn man das im Training macht "ist eigentlich ein gutes Zeichen - dann lebt die Mannschaft ja." Ähm... genau. Im Training darf man das, in der Kabine nach dem Spiel nicht. Oder Babbel als deutscher Experte durfte das, aber die heutige Generation darf das nicht mehr...

Aber machen wir uns nichts vor: Die größte Debatte entfacht sich gerade um die "Fehlenden Zentimeter" von Yann Sommer. Wir durften in den letzten Tagen so oft ein "Manuel Neuer hätte den gehalten" hören, aber niemand hat den Arsch in der Hose allen zu erzählen, wie sinnlos diese These ist. Wirklich niemand? Natürlich nicht, ich bin ja noch da.

Hier muss man erstmal eines ganz klar sagen: Ein Manuel Neuer in Topform hält den Fernschuss von Rodri und den Freistoß von Kramaric. Da gehe ich absolut mit. Neuer war schließlich mal der beste Torwart der Welt. Ein Mann, der den Unterschied nicht nur ausmachen kann, sondern auch wird. Der Mann war halt so gut, dass man überrascht war, dass er den unhaltbaren Schuss nicht abgewehrt hat.

Aber jetzt sein wir mal ganz kurz ganz ehrlich: Wann haben wir diesen Neuer das letzte Mal gesehen? Also wann haben die Bayern das letzte Mal ein wichtiges Spiel gewonnen, weil sie den deutlich besseren Torwart hatten? Die Antwort lautet: am 23.08.2020. Also quasi zum Auftakt der Pandemie. Damals ist man dank der überragenden Leistung von Neuer Champions League Sieger geworden. Wenn beide Torhüter vor dem Spiel die Trikots tauschen, gewinnt Paris St. Germain diese Trophäe. 

Im Viertelfinalrückspiel gegen Paris im Jahr danach war er überragend... aber im Hinspiel hat er die Kicker-Note 5,0 bekommen. Sprich: Wenn er im Hinspiel halbwegs ordentlich hält, kommen die Bayern da weiter. 

Aber seit dem? Beim Ausscheiden gegen Villareal kam er auf eine Durchschnittsnote von 3,5. Das ist gerade so bestanden und weit weg von seinem ehemaligen Niveau. In dem Jahr hat er immerhin gegen Lissabon eine 1,5 bekommen. Dieses Jahr hat er verletzungsbedingt nur 3 Spiele absolviert und fiel schon in der Rückrunde der Gruppenphase aus. Und ja, dass Neuer mittlerweile irgendwie ständig verletzt ist, ist auch ein Problem.

Neuer hat dieses überragende Niveau seit dem Champions League Sieg ein einziges Mal erreicht. Und das nur, nachdem er das Hinspiel verkackt hat. Und jetzt kann ich ja mal, weil ich so gerne über ein Ausscheiden in der Vorrunde schreibe, die letzten Eindrücke von Neuer in Erinnerung rufen. In seinem letzten Spiel hat er sich ein Eigentor reingegurkt. Es gibt keinen besseren Ausdruck.  Und das, nachdem er einen eigentlich einfachen Kopfball nach vorne abklatschen ließ. Das sind 2 Gegentore, die Yann Sommer verhindert hätte.

Beim Duell gegen Spanien bekam er die Kicker-Note 4, was weit weg von gut ist... Sowohl gegen die Spanier, als auch gegen Japan, fängt er sich ein Gegentor in die Kurze Ecke. Und während man beim Tor der Spanier nicht von einem Torwartfehler sprechen kann, so gehen die anderen beiden Tore auch auf seine Kappe. Oder um es anders auszurücken: Manuel Neuer hätte den gehalten. Also die Manuel Neuer Version von 2014 oder 2020. 

Und jetzt stellen sich all die Experten hin und tun so, als würde es diesen Manuel Neuer noch gegen. Als hätten wir den in den letzten 3 Jahren regelmäßig zu sehen bekommen. Sie vergleichen Yann Sommer mit einem Ideal, an das selbst Neuer seit Jahren kaum noch rankommt. Und sie merken selber nicht, wie albern das ist. 

Meine ganz ehrliche Feststellung war ja, dass sich der Sommer-Transfer im Winter gerechnet hat, weil er im Hinspiel gegen Paris den einen oder anderen Ball gehalten hat, denn Sven Ulreich nicht abgewehrt hätte. Das war ja irgendwo die entscheidende Frage. Denn Meister sollten sie auch mit Sepp Meier im Tor werden. Und natürlich kommt Sommer jetzt auf dem allerhöchstem Niveau an seine Grenzen. Er ist im Viertelfinale kein herausragender Spieler mehr. Er kann da nur noch mitlaufen. Aber ganz ehrlich: 80 % des Bayern Kaders haben doch dieses Problem. Deswegen kamen die Bayern ja am Ende nur zu ein paar Distanzschüssen.

Joshua Kimmich und Mathijs de Light sind die einzigen Feldspieler, denen ich zutrauen würde, auf diesem Niveau herausragende Leistungen zu bringen. Selbst Jamal Musiala zeigt gerade, dass ihm da noch ein bisschen was fehlt. Dayot Upamecano muss in der nächsten Saison nachweisen, dass er da hinkommt, ansonsten müssen die Bayern halt nach einem Upgrade suchen. Thomas Müller ist seit Jahren nicht mehr auf diesem absolut elitären Level. Serge Gnabry und Leroy Sané werden diesen Schritt wahrscheinlich nicht mehr gehen. Genauso wie Leon Goretzka. Kingsley Coman hat ja 2020 nachgewiesen, dass er ein Finale erreichen kann, aber seit damals kommt halt von ihm auch relativ wenig.

Abgesehen von Upamecano, der halt den großen und offensichtlichen Patzer hatte, ging die Kritik an all diesen Spielern vorbei.

Wenn man sich jetzt mit dem Bayern Kader auseinandersetzt, sollte man eher mit diesen Spielern anfangen. Den Leuten, die seit Jahren da sind und in den entscheidenden Momenten immer wieder abtauchen.

Und versteht mich nicht falsch: Das sind alles richtig gute Spieler. Man kann, wenn man sie mit richtig starken Mitspielern umgibt, mit ihnen auf den Champions League Titel gewinnen. Aber nur mit ihnen, nicht ihretwegen. Oder anders ausgedrückt: Bei Man City oder Real Madrid würden die alle höchstens auf der Bank sitzen. Und genau deswegen gehen jetzt alle davon aus, dass die Bayern im Rückspiel wohl chancenlos sind.

Damit sollte man sich viel intensiver beschäftigen, als mit der Frage, ob einem Sommer ein paar Zentimeter fehlen. Aber dann müsste man ja hauptsächlich deutsche Nationalspieler kritisieren, das kann ja nicht gewollt sein. Dann schieben wir es lieber auf den Schweizer.

Mittwoch, 12. April 2023

Passives Abseits Leser wissen es früher: Die Analyse ist ja ganz nett.

 Man könnte fast behaupten: Kaum macht das ehemalige ganz ordentliche Fachmagazin mal seinen Job, da werden die ganz schön zynisch. Ganz so, als hätte man das ja immer wissen können. War ja abzusehen.

Die Journalisten, die uns die ganze Woche einreden wollten, dass diese Mannschaft Manchester City besiegen kann, stellt jetzt fest, dass es nicht für das Halbfinale reicht. Gutes und kritisches Arbeiten würde einem diese Möglichkeiten vorher aufzeigen. Also nicht hauptsächlich, aber zumindest so nebenbei.

Nehmen wir mal ein praktisches Beispiel: Thomas Tuchel hat ganz nebenbei erklärt, dass Thomas Müller nicht mehr das Tempo hat, um auf diesem ganz hohen Niveau mitzuhalten. Schockierend. Also abgesehen davon, dass ich das seit Jahren behaupte, ist das echt schockierend. Ein wirklich gutes Fachmagazin hätte uns vorher schon erklärt, dass es schwer für Müller wird, auf diesem Niveau mitzuhalten. Und zumindest eine "Sollte Musiala oder Müller starten" Debatte lostreten. Aber etwas Kritisches zu Müller zu schreiben, ist ja nach wie vor verboten. Außer wenn es eh schon zu spät ist, wie nach der WM.

Nebenbei hat man den jetzt kritisierten Hasan Salihamidžić im Sommer noch für den Sadio Mané Transfer gefeiert. Und ganz ehrlich: Dafür, dass der sich vor der wichtigsten Saisonphase verletzt, kann Hasan einfach nichts. Ok, wenig, vielleicht hätte man es verhindern können, wenn man ihn nicht kreuz und quer über den Planeten fliegen lässt. Aber wir werden nie erfahren, ob und wie sich die unnötigen Flugmeilen auf die Karrieren auswirken, denn dann müssten die Vereine ja auch ihre eigene Vorgehensweise überdenken. 

Man könnt auch mal in einem Nebensatz fallen lassen, dass Eric Maxim Choupo-Moting's Verletzung nicht die Ausrede sein kann... denn der ist halt auf diesem Niveau auch nur eine gute Ergänzung und kein Stammspieler. Also um es konkret zu machen: Man City hat nicht nur (aber vor allem) Erling Haaland, sondern auch einen Julian Alvarez in der Hinterhand. Das sind 2 Stürmer, die jeweils besser sind. Bayerns großer Hoffnungsträger würde dort noch nicht mal auf der Bank sitzen.

Auch die Frage, ob Dayot Upamecano endgültig den Schritt vom "jungen Jérôme Boateng" zum "erfahrenen Jérôme Boateng" genommen hat, hätte man mal in den Raum werfen können. Also ganz ehrlich: Ich bekomme bei dem immer wieder heftige Boateng Vibes. Also an sich macht der einen echt soliden Job, aber man hat immer noch diese Befürchtung, dass dieser eine unmotivierten Aussetzer hat. Ein Gegentor einleitet oder einen Platzverweis einsammelt. Boateng hat auch Jahre gebraucht, um diesen Ruf loszuwerden. Upamecano hat gerade nachgewiesen, dass er noch ein bisschen braucht. Nicht, dass sich Upamecano Boateng als Vorbild nehmen sollte, dafür ist dessen Privatleben zu abgefuckt...

Und ich sehe ja auch ein, dass man seinen Fokus nicht auf diese Probleme legen muss, aber man kann sie doch zumindest nebenbei mal erwähnen. Vielleicht muss man sich dafür ja doch die Druckausgabe kaufen. Aber ich bezweifele ist, weil der Kicker sowohl bei den Bayern als auch bei der deutschen Nationalmannschaft seit Jahrzehnten jegliche kritische Vorberichterstattung vermissen lässt.

Sich dann danach zu so einem zynischen Kommentar hinreißen zu lassen, ist ganz schön erbärmlich.

Und natürlich ist die Selbstzufriedenheit der Bayern extrem seltsam. Gerade Joshua Kimmich macht ja eine 180 Grad Wende. Es ist auch irgendwie ein bezeichnendes Selbsturteil, wenn man es genau nimmt: Anscheinend ist man nicht wirklich geschockt, weil man am Ende chancenlos war. Man ist ganz froh, dass man zumindest 60 Minuten lang mithalten konnte.

Mehr war es aber sachlich gesehen auch nicht. Also man hatte vor dem 2:0 schon Glück, dass City die erste Einladung von Upamecano ausgeschlagen hat. Und klar, es gab die eine Szene, in der Ruben Dias den Schuss von Musiala blocken musste. Der wäre wahrscheinlich reingegangen. Aber das war auch der einzige, klare Abschluss im Strafraum... und er wurde halt abgeblockt. Der Rest waren Fernschüsse und Halbchancen.

Und klar, City geht auch mit einem Distanzschuss in Führung. Wenn das ein Deutscher so gemacht hätte, wäre es das Tor des Monats. Aber die Übersicht, mit der Haaland das 2:0 vorbereitet... die Konsequenz, mit der das Dritte heraus gespielt wird. Genau das fehlte den Bayern.

Noch viel problematischer war ja, wie krass man nach dem 2:0 auseinander gebrochen ist. Die haben sich praktisch ergeben und konnten froh sein, dass es nur 3:0 ausging. Obwohl man eigentlich nur ein einziges Tor brauchte, um sich eine halbwegs ordentliche Ausgangsposition zu erarbeiten, kassierte man sofort das vernichtende 3. Kaum ein Aufbäumen und definitiv kein Mia san Mia. Das kennt man doch eigentlich nur aus der anderen Perspektive.

Hier ist noch eine absurde Statistik, die Thomas Tuchel wirklich Sorgen bereiten sollte: Die Bayern haben in den letzten 6 Jahren 5 Champions League Spiele verloren. Das ist eine unfassbar starke Bilanz. Deswegen hat man ja auch den einen Titel. Diese 5 Niederlagen kamen unter... Tuchel, Nagelsmann, Flick, Kovac und Heynckes. Korrekt: Das sind 5 unterschiedliche Trainer. Anders ausgedrückt: Nach der ersten Champions League Niederlage ist man zeitnah weg. Es ist schon absurd, wie oft die Bayern ihren Trainer gewechselt haben, obwohl sie doch so verdammt erfolgreich sind.

Nachtrag: Da ist nebenbei auch echt faszinierend, dass der Kicker jetzt ständig von einer "verunsicherten Mannschaft" spricht. Vielleicht sollten die mal ihre Datenbank aufmachen: Diese ach so verunsicherte Mannschaft hat vorher in 5 Monaten 2 Spiele verloren. Das sind 2 von 26. In dieser Zeit hat man Inter Mailand, Barcelona und Paris St. Germain geschlagen. Jetzt hat Tuchel in 10 Tagen schon genau so viele Niederlagen.