Montag, 14. Dezember 2020

Und jährlich grüßt die Gehirnerschütterung

Und man fragt sich: Ist das jetzt der Zeit für schlechten Humor? Oder doch eher für emotionale "Werde schnell wieder gesund" Tweets?

Dass erste Mal schmunzeln musste ich ja, als Erik Meijer in der Halbzeitanalyse sagte "Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals bewusstlos zu Boden gegangen sein"... das geht es ihm wie Mark Uth, erinnern kann der sich garantiert auch nicht... Dann dachte ich "Jetzt ist der Uth wieder bei Bewusstsein... Dass heißt, er muss das Elend sehen.."

Sind solche Gedanken nur erlaubt, weil Uth doch wieder zu Bewusstsein gekommen ist? Oder sind sie trotzdem unangebracht, weil die Langzeitfolgen und -gefahren unabhängig vom kurzzeitigen Bewusstsein passieren... aber sie werden halt nur kurzzeitig im Bewusstsein bleiben...

Hier ist das faszinierende: Dass sich das damals noch geplante Worst Of um Wirkungstreffer im Kopfbereich drehen würde, stand schon am Sonntag morgen fest. Mit Florian Kohfeldt als "Vollidiot der Woche"... denn der konnte zwar die Regel, die zum Elfmeter gegen ihn führte, anerkennen... aber verstehen wollte er sie nicht uns laberte etwas von "Aus fußballerischer Sicht würde ich ihn nicht geben"... Dabei galt Kohfeldt doch immer als einer der Intelligenten... Da müsste er doch wissen, wie wichtig so ein Gehirn ist... und wie gefährlich Kopfverletzungen sein können... Also zumindest ist es einer der Menschen, denen ich zutrauen würde, dass er sich da mal belesen hat.

Da landen wir wie das hier ein Mal jährlich der Fall ist, bei CTE. Also es ist echt irgendwie zynisch, dass der letzte Passives Abseits Beitrag zum Thema Gehirnerschütterungen um einen Werder Profi ging... also spätestens da hätte sich Kohfeldt als leitender Angestellter mit den Gefahren für Kevin Vogt beschäftigen müssen, interessierte sich aber nur dafür, dass er den Mann möglichst schnell wieder einsetzen kann, weil es ja um den Klassenerhalt geht... und dafür stirbt man doch gerne an potenziellen Langzeitfolgen einer Gehirnerschütterung. Als Leihspieler, der im Sommer dann doch zu seinem angestammten Verein zurück kehrt... lohnt sich das doch richtig.

Um den jährlichen Medizinkurz zu wiederholen: Chronisch-traumatische Enzephalopathie ist der Fachbegriff für Langzeitschäden im Gehirn, welche meistens durch Gehirnerschütterungen ausgelöst werden. Und Sportler gelten als allgemein stark gefährdet, wenn es um "Spontanes, tödliches Zusammenbrechen" als Spätfolge geht.

Nun kennt man das Problem hauptsächlich aus der NFL, weil das halt, im Gegensatz zum Fußball, keine Vollkontakt- sondern ein Kollisionssport ist. Und wenn man sich die Einzelfälle, die an den Spätfolgen leiden, so anguckt, sind das oft richtig hässliche und richtig entsetzliche Dramen.

Aber anscheinend warten wir im Fußball darauf, dass ein ehemaliger Profi richtig durchdreht und seine Frau und Kinder erschießt, bevor wir uns darüber Gedanken machen, ob man da nicht was gegen unternehmen könnte. Einfache Altersdemenz und Alkoholprobleme nach der Karriere wie bei Gerd Müller reicht da nicht aus. Und es wird auch niemand Müllers Gehirn untersuchen, um herauszukriegen, ober es vielleicht schon Ende der 70er CTE Fälle im Fußball gab... Und da sind wir dann auf ein Mal auf einer Linie mit Horst Seehofer: Bevor wir bei Studien unangenehme Erkenntnisse gewinnen können, geben wir diese Studien lieber nicht in Auftrag.

Das eigentlich Schockierende an der Situation am Sonntag war ja: Felix Uduokhai hat nichts falsch gemacht... und trotzdem 2 Gegenspieler am Kopf verletzt... Denn auch Nassim Boujellab hatte seinen Turban dank eines spontanen Rendezvous mit Uduokhai. Und als Sahne auf der Kirsche bekam Florian Niederlechner als Überreaktion von Dr. Manuel Gräfe einen Platzverweis, weil er Salif Sané mit der Hand unglücklich im Gesicht trifft...

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Der ungefährlichste Vorfall war der einzige, der zu einem Freistoß und einer persönlichen Strafe führte... Und die war dann auch noch plötzlich übertrieben.

Was kein Vorwurd an Gräfe sein soll, bei dem Spielverlauf da so zu reagieren ist mehr als nachvollziehbar. Dass man so was dann nicht mit dem VAR überprüfen kann ist albern. Aber so ist der VAR halt. Und das ist ja auch nebensächlich.

Wir stehen zum 2. Mal in diesem Jahr vor der Frage: Wann wollen wir eine seriöse Debatte über Gehirnerschütterungen und Kopfschutz mal in Angriff nehmen? Wollen wir wirklich darauf warten, dass ein Spieler wie Uth nach einem ganz normalen Zweikampf zum Pflegefall wird? Oder bis ein ehemaliger Profi mit Mitte 40 spontan umkippt und dann alle hinter entsetzt feststellen: "Das lag an all den Gehirnerschütterungen, die er sich in den Jahren auf dem Platz eingefangen hat"...

Oder man nutzt diesen Schockmoment um einen Diskussion über Helme loszutreten. Aber dann fällt mir auf, dass wir in einer Welt leben, wo viel zu viele Menschen gegen das Tragen von Stofffetzen im Gesicht sind, auch wenn das offensichtlich sinnvoll wäre.

Und wahrscheinlich ist die Starfriseur-Lobby da auch einfach zu mächtig. Denn die wären natürlich ihr wichtigstes Klientel los, wenn sie nur noch Kurzhaarfrisuren desingen könnten. Und die werden dann auch noch in den entscheidenden Momenten von Helmen verdeckt. Und alles, was etwas aufwendiger wäre, würde ja durch das Tragen des Helmes während des Spiels ruiniert werden. Also doch lieber Hirntote... Da kann man halt nichts machen, da muss man die Prioritäten richtig legen.

Montag, 7. Dezember 2020

Worst of des "Passives Abseits wissen es früher" Wochenendes

 Also ja, wenn ich vorher ankündige, dass Thomas Müller gegen extrem müde und überspielte Leipziger treffen wird, dann macht der das auch. Sogar doppelt. Und das passt mir sehr gut, denn das wird die "Müller muss zurück in die Nationalmannschaft" Geschichte nur noch weiter verstärken. Und bisher kann ich ja behaupten, dass meine Prognosen im Wesentlichen immer gestimmt haben...

Was den Bayern eigentlich zu denken geben sollte. RB war auch ohne Dani Olmo, Poulsen, Orban und Kampl in der Startformation auf Augenhöhe... Der Eindruck, dass der Abstand der Bayern ohne Joshua Kimmich zum Rest gar nicht so groß ist, verfestigt sich. Andererseits... ist man ja trotzdem Tabellenführer vor Bayer Leverkusen und Kimmich kommt wieder zurück, bevor es richtig spannend wird.

Die einzige Variante diese Saison wirklich spannend zu gestalten... wäre wohl eine Kimmich Verletzung im April und Mai gewesen. Aber hey, so wird wenigstens der Eindruck erweckt, dass die Meisterschaft nicht schon entschieden ist...

Nebenbei war das Spiel ja richtig gut. Also besser als ich erwartet hätte. Was aber auch nur daran lag, dass die Bayern schlechter waren, als ich erwartet habe. Also ja, ich ging davon aus, dass ausgeruhte Bayern das souverän mit 3:0 runter spielen. Aber vielleicht ist RB auch einfach weiter, als ich gedacht habe...

Kommen wir zum Unterhaltsamen Teil: Schalke 04. Ich muss ja zugeben... ich hätte sogar Mitleid, wenn es nicht Schalke wäre. Dass man Malick Thiaw immer wieder in Situationen bringt, in denen er gnadenlos überfordert ist... Immerhin schaffte man es dieses Mal ihm nicht bei Standartsituationen gegen den besten und wuchtigsten Angreifer des Gegners zu stellen, wie gegen Wolfsburg. Es gibt also doch Fortschritte in Gelsenkirchen.

Es ist natürlich ein wenig schade, dass ihre "Der hat in 14 Jahren noch nie ein Gegentor bekommen" Geheimwaffe Langer nicht funktioniert hat... aber immerhin haben sie alles versucht...

Dass Steven Skrzybski dann noch einen Elfmeter verschießt... Nicht, dass das beim Stand von 0:2 wirklich relevant war.

Es ist halt immer wieder faszinierend, wie systematisch sich Schalke in diese Situation manövriert hat. Also dass man im Sommer seinen Führungsspieler und Fixpunkt Daniel Caligiuri ablösefrei zu einem direkten Konkurrenten ziehen ließ... und sich dann die Dienste von Vedad Ibisevic sicherte, der schon wieder weg ist. Wenn man dann noch kurz durchrechnet, wie viel ein potenzieller Abstieg kosten dürfte... denkt man sich: Gut, dass sie bei Caligiuri gespart haben...

Man muss an der Stelle auch noch mal explizit erwähnen, dass Schalke praktisch pleite ist und auf jede Million achten muss, obwohl sie im letzten Jahrzehnt regelmäßig im internationalen Geschäft gespielt haben. Einen Verein so zu Grunde zu wirtschaften ist eine großartige Leistung...

Und die wirklich schlechte Nachricht für die Schalker lautet ja: In Köln werden auf dem Platz Fortschritte gemeldet. Die haben 2 Spiele in Folge nicht verloren... Jetzt müssen die ganzen Kölner überlegen, ob sie aus ihren Fanklubs austreten, weil das ja nicht mehr "Ihr EffCeh" sein kann.

Oh und Jan Thielmann war, als Wohlfühlgeschichte für die Kölner, bei seinem ersten Bundesligatreffer auf den Tag genau so alt wie Lukas Podolski. Das sind gute Nachrichten für Jogi Löw, der ihm jetzt einen Freifahrtschein für die nächsten 15 Jahre in der Nationalmannschaft ausstellen kann... aber es sind genau genommen schlechte Nachrichten für die Kölner, denn wenn die Parallelität der beiden Karrieren anhalten, erzielt Thielmann nächstes Jahr 5 Mal das Tor des Monats... als Zweitligaprofi... 

Davie Selke, Vollidiot der Woche: Vielleicht bin ich ja ein überaus selbstkritischer Mensch... aber wenn ich in der Kreisklasse ein Tor kassiert habe, bei dem der gegnerische Angreifer in Ruhe Abstoppen und sich nen Tee kochen kann, dann fragte ich mich "Wie konnten wir uns beim Verteidigen so DUMM anstellen?" 

Selke hat aber anscheinend "Die Erziehung gegnerischer Jungstars" in seiner Arbeitsbeschreibung und stürmte auf Silas Wamangituka zu. Damit dieser auch ganz bestimmt seine wohl berechtigte Gelbe Karte ab. Dass dies auch eine Verwarnung für ihn persönlich nach sich zog... Und das "Zeitspiel", worum es ja angeblich eigentlich ging, nur noch effizienter gestaltet wurde, weil Selke dieses riesige Theater aufzog... Wenn er statt noch mehr Zeit zu verschwenden gleich mit seiner "Jetzt erst recht!" Mentalität in den gegnerischen Strafraum gezogen wäre, hätte es vielleicht noch zum 2:1 gereicht.

Ich kann es ja nachvollziehen, wenn Profis auf ihre Gegner los stürmen, wenn die ihre Kollegen treten und potenziell verletzen. Aber sich wegen einer derartigen Kleinigkeit derart zu echauffieren. 

Nebenbei finde ich die Bezeichnung "Unsportliches Verhalten" als ehemaliger Kreisklasse Profi immer faszinierend. Da sitzen wir also mit unserem Bier und unserer Chipstüte vorm Bildschirm, sind so träge, dass wir kaum noch die Fernbedienung erreichen und regen uns darüber auf, dass ein austrainierter Vollprofi in grob fahrlässiger Gelassenheit ein Tor erzielt... Wie UNSPORTLICH ist der denn!!!

Oh und wo ich schon dabei bin: Wenn die Torhüter für jedes "Ich warte, bis der Stürmer kurz vor mir ist und nehme den Ball dann in die Hand" eine Verwarnung bekommen würden, kämen verdammt viele Ersatztorhüter ihre Einsatzgelegenheiten bekommen. Und auch das ist vollkommen unnötig, in gewisser Weise eine Demütigung des Gegners und reines Zeitspiel. Jetzt ist tatsächlich mal ein Torwart das Opfer seiner eigenen Handlungsweise geworden und alle so "DAS GEHT GAR NICHT!!!"

Nebenbei wollte ich auch noch mal erwähnen, dass jeder Bremer da auf dem Platz ein Multimillionär sein dürfte. Sich über derartige Kleinigkeiten so stark aufzuregen, während man mehr als anständig fürs Kicken bezahlt wird, ist doch ein wenig albern...

Andererseits... rege ich mich jetzt seit 6 Absätzen darüber auf, dass Selke sich aufgeregt hat. Reicht dann auch einfach.

Cem Özemir und die beliebte Serie: "Warum dürfen sich Menschen, die sich nicht oder kaum mit Fußball beschäftigen, im Kicker äußern?" Also zunächst mal ist es ja angenehm, dass ein Karl-Heinz Rummenigge mittlerweile tatsächlich so etwas wie Gegenwind bekommt. Dass er sich nicht mehr unwidersprochen als Moralapostel aufführen darf. Aber Rummenigge hat "das Interesse an einer attraktiven Bundesliga verloren"? Wirklich? Wann hat er das denn jemals gehabt?

Rummenigge war immer ein extrem egoistischer Lobbyist. Für den FC Bayern. Ausschließlich für den FC Bayern. Der hat nie im Interesse der Liga gehandelt, sondern immer nur darauf geachtet, dass die Bayern international nicht den Anschluss verlieren. Und dafür macht er echt alles. 

Das ist auch an sich kein Problem. Es ist ja sogar seine Aufgabe und die erfüllt er gut. Dass dies aber niemanden aufgefallen ist und sich Rummenigge deswegen als Sprecher für die Liga aufführen durfte...

Und wo wir schon bei Rummenigge sind: Der erzielte mal mit einer viel schlimmeren Aktion als der von Wamangituka das Tor des Monats. So als ultimativer Beweis, dass man so was auch entspannt und mit Humor nehmen kann...

Freitag, 4. Dezember 2020

Der ungleichste Bundesliga-Gipfel

 Also nicht nur, weil es wieder heißt: Rekordmeister gegen Dosenklub.

Beide Vereine sind halt gerade so weit weg voneinander entfernt. Also nicht zwingend auf dem Rasen, sondern im Fokus: Die Bayern sind schon sicher Gruppensieger und nutzen den Rest der Champions League nur noch für die Spielpraxis. Man hat dann den Punkt erreicht, dass Robert Lewandowski nicht mal im Kader steht. Was extrem clever ist. Ich bin ja nach wie vor der Meinung, dass die Bayern Lewandowski ab Montag in den Weihnachtsurlaub schicken sollte... Obwohl, was will der eigentlich in diesem Urlaub machen, wenn die Champions League anscheinend gerade der einzige Anlass ist, zu dem man europaweit reisen darf...

Also ernsthaft: Dürfte Lewandowksi derzeit überhaupt seine Familie und Verwandte in Polen besuchen oder müsste er dafür in Quarantäne? Und Skifahren ist ja auch keine Option... Vielleicht wäre es gar nicht so hilfreich den in den Urlaub zu schicken, denn am Ende sperrt man ihn auch nur zu Hause ein...

RB Leipzig muss dagegen in einer wesentlich komplizierteren Gruppe weiterhin um das Weiterkommen bannen. Und musste sowohl unter der Woche als auch nächsten Dienstag ans Limit gehen um sich ein Überwintern an den richtig fetten Fleischtöpfen zu sichern. Und natürlich erlebte man bei dem eigentlich einfachen Spiel ein aufregendes Wechselbad der Gefühle... und Hochspannung bis weit in die Nachspielzeit.

Da hatte Julian Nagelsmann bereits angekündigt, dass die Champions League höchste Priorität genießt. Und das Bayern Spiel halt so dazwischen geschoben werden muss. Mal schauen, wen man da aufstellen kann und wird.

Und das ist wirklich Schade, denn ein RB in Bestbesetzung könnte die Bayern ohne Joshua Kimmich vor richtige Probleme stellen. Aber es ist halt auch vernünftig, denn die Meisterschaft wird am Wochenende halt noch nicht entschieden. 

Dazu kommt erschwerend, dass RB seine Ziele in der Meisterschaft noch erreichen kann, selbst wenn die Schale schon vergeben ist. In der Champions League heißt es aber: Jetzt gewinnen oder absteigen.

Aber so sind halt die grausamen Realitäten in der gestauchten Covid Saison: Der Rahmenterminplan ist noch enger gestrickt als sonst. Deswegen kann Nagelsmann halt auch nicht sagen: Diese eine Woche mit 3 wichtigen Spielen powern wir jetzt durch, denn danach kommt ja... Eine englische Woche in der Bundesliga... und dann der DFB Pokal. RBs Adventszeit besteht halt aus 7 Spielen in 20 Tagen. Genau so wie die Bayern. Nur können die Bayern sich ihre Auszeiten freier einteilen.

Das ist halt das Problem des extrem späten Saisonstarts. Also wir sind halt erst bei Spieltag 10, obwohl wir eigentlich zu diesem Zeitpunkt bei Spieltag 14 angekommen sein sollten. Und es steht ja auch praktisch keine Winterpause an, in der man sich vernünftig neu aufstellen könnte.

Gleichzeitig sieht man, wie sich gerade bei den Spitzenteams die Verletzungen ansammeln. Es ist halt auch kein Wunder, das Erlin Haaland den Rest des Jahres mit einer Muskelverletzung ausfällt. Genau genommen war es nur eine Frage der Zeit, bis ihm so eine Verletzung bremsen würde. 

Es ist halt einfach nur Schade, dass es das eine Spitzenspiel in der Bundesliga trifft. Also das Spiel könnte derart entwertet werden, dass sogar Thomas Müller trifft. Denn der ist, was selbst der Kicker heute anmerkt, nach 6 Spielen noch ohne Tor. Was niemanden, der diesen Blog verfolgt, überraschen wird.

Mittwoch, 2. Dezember 2020

Unsere Faszination mit schlechten Bundestrainern ist schon... krankhaft, Teil 2

Kommen wir mal zu der wirklich spannenden Frage: Ist der DFB am Ende das Opfer in dieser Beziehung? 

Also klar, das Amt des Bundestrainer gilt als die höchste Ehre, die man als Trainer erreichen kann. Aber die meisten Kandidaten weichen, wenn sie gefragt werden, mit einem "Vielleicht später mal" aus. "Zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere ist das noch nicht Teil meiner Lebensplanung"... und die tägliche Arbeit auf dem Platz ist halt um einiges wichtiger als die höchste Würde.

Und so ist der DFB dann auch auf ein Mal abhängig von den wenigen Doofen, die das halt machen wollen. Weshalb man sich hoffnungslos in sie verliebt und sich extrem abhängig von ihnen macht. Und so bauen sie sich dann ein Machtzentrum auf, in dem sie Schalten und Walten können, wie sie wollen.

Dabei fällt einem halt auch auf, dass man einen neuen Nationaltrainer immer zu den ungünstigsten Zeiten sucht. Also genau dann, wenn die begehrten Legenden mit ziemlicher Sicherheit bei einem anderen Verein unter Vertrag stehen. Denn das ist ja auch eines dieser Grundprobleme: Gute Trainer sind selten Arbeitslos. Und wenn sie es sind, übernehmen sie meistens im Sommer irgendwo einen großen Verein. Und wenn dann nach dem Turnier ein neuer Trainer gesucht werden soll, stecken die alle mitten in der Saisonvorbereitung.

Genau das passierte ja "damals", als eine richtige Task Force gegründet werden musste. Was nebenbei buchstäblich das erste Mal überhaupt war, dass der DFB nach externen Kandidaten suchte. Das war im Jahr 2000. Leute wie Weisweiler oder Lattek wurden also anscheinend noch nicht mal gefragt.

Das Problem war halt, dass der auserkorene Kandidat Christoph Daum noch einen gültigen Vertrag bei Bayer Leverkusen hatte.Und alle anderen Alternativen wie Ottmar Hitzfeld auch. Deswegen musste ja Rudi Völler als Interimslösung einspringen. 

Und auch Jürgen Klinsmann war damals halt nicht der Wunschkandidat. Der hat halt beim Beamtenmikado verloren und als einziger gezuckt. Und gerade wie Klinsmann dann mit einem riesigen Katalog an Forderungen und Bedingungen kam... der DFB musste ihm halt praktisch alles erfüllen, weil sie als mächtigster Einzelsportverband der Welt in Sachen Trainern halt doch echt wenig zu melden haben: Sie müssen nehmen, wen sie kriegen können, und demjenigen alles erfüllen.

Das ist nebenbei auch ein strukturelles Problem. Das praktisch sinnvollste für Löw und dem DFB wäre es ja, bereits jetzt zu sagen: Die EM wird unser letztes Hurra. Danach geht es mit einem neuen Trainer weiter. Aber in Deutschland ist es halt unvorstellbar als "Lame Duck" in ein Turnier zu gehen... Deswegen musste Löws Vertrag ja auch vor der WM 2018 um 4 Jahre verlängert werden.

Hier ist halt auch die spannende Frage: Warum eigentlich? Also bei der Nationalmannschaft sollte man ja eh in 2 Jahres Zyklen denken. Und dieser Zyklus wird durch das Turnier abgeschlossen. Danach sollte eh alles zumindest relativ neu gemischt werden. Die alten Leistungsträger treten im Zweifelsfall zurück, die neue Generation an U21 Spielern rückt nach.

Vor allem, weil wir ja von einem Turnier sprechen, in dem es am Ende eh "nur um die Ehre" geht. Und um zukünftige Verträge, weil man als Europameister halt auf allen Ebenen mehr verdient, wenn man solche Beliebtheits-Booster in der Hinterhand hat. Die Motivation bei einem Turnier gut abzuschneiden sollte also vollkommen unabhängig davon funktionieren, ob der Trainer 3 Monate später noch derselbe ist.

Oh und ein Guter Trainer hätte seinen Kader auch als "Lame Duck" im Griff.

Als Trainer, gerade wenn man Löw heißt, nominiert man ja eh die Spieler, zu denen er ein enges Vertrauensverhältnis aufgebaut hat. Glaubt irgendjemand, dass sich etwas an Einstellung und Einfluss verändern würde, wenn vorher bekannt wäre, das Löw hinterher aufhören will oder muss? Oder würde sich nicht eher eine "Jetzt zeigen wir es nochmal allen" Mentalität entwickeln? Versuchen könnte man es mal. Und dann könnte der DFB halt jetzt schon auf die Suche nach einem Nachfolger machen. Dann findet man vielleicht auch die Trainer, die gewillt sind im Sommer ihre Lebensplanung zu ändern. Man könnte beim wichtigsten Posten ein Mal vorausschauend agieren, anstatt wie immer plötzlich von einem schlecht laufenden Turnier überrascht zu werden.

Oder man entscheidet sich einfach mal grundlegend neu und wechselt seine Trainer halt nicht nach den Turnieren, sondern auch mal zwischendurch. Das ist ja auch ein in Deutschland unvorstellbares Konzept. Dabei soll man natürlich nicht auf das einzelne Spiel reagieren, auch wenn es sich um historische Pleiten handelt. Aber wenn die Entwicklung über Jahre konstant negativ war, warum wartet man dann immer wieder das Turnier ab? Also das war schon 62 unter Herberger so. Am Ende stellt man immer wieder nach dem Turnier fest: Wir haben zu lange am Trainer festgehalten.

Nebenbei gibt es gerade noch eine andere Sondersituation. Also mich hat am meisten verwundert, dass in der Tagesschau von mangelnden Alternativen gesprochen wurde. Es gibt halt keinen, der das besser kann.

Wirklich? Also... hat beim DFB mal jemand mit Ralf Rangnick geredet? Der ist doch in genau dem Status seiner Karriere angekommen, dass er sich nicht mehr unbedingt mit der täglichen Arbeit beschäftigen, sondern als Teammanager in größeren Rahmen denken will. Er hat durchaus Interesse an Positionen jenseits der klassischen Trainerarbeit bekundet. Dazu er ist immer noch Visionär genug, dass er beim DFB durchaus etwas bewegen könnte. Und im Gegensatz zu all den anderen Visionären wie Klinsmann hat er mehrmals bewiesen, dass er einer der intelligentesten Köpfe in Fußball-Deutschland ist. Und Interesse hätte er auch...

Den Mann jetzt nicht zu kontaktieren ist genau genommen grob fahrlässig. Oder halt extrem Loyal Löw gegenüber. Wo man halt wieder die Frage stellen muss: Warum eigentlich? Warum macht man sich so extrem abhängig von einem Mann, der historisch gesehen wenig außergewöhnliches erreicht hat? Und ja, an der Stelle muss man nochmal festhalten, dass abgesehen von Erich Ribbeck alle verantwortlichen der Deutschen Nationalmannschaft entweder als Spieler oder als Trainer (oder in beiden Funktionen) einen großen Titel geholt haben. Und nur 3 Trainer (Ribbeck, Völler und Klinsmann) gingen ohne einen Titel.

Mein Best Case Szenario ist ja, dass wir dann nach der EM einen neuen Bundestrainer suchen, Rangnick dann aber schon irgendwo anders als Head of Technical Director angestellt ist und deswegen "gerade nicht zur Verfügung" steht... aber 2023 hätte er dann vielleicht Zeit.

Aber das ist halt das absolut faszinierende am DFB: Die haben eine unfassbar gute Turnierbilanz, obwohl sie nie von wirklich guten Trainern betraut wurden. Also jetzt vergleichbar mit Marcelo Lippi oder Antonio Conte in Italien.

Das war ja, wo ich jetzt schon das internationale Fass aufmache, auch einer der Schlüsselelemente für die spanische Dominanz nach 2008: Da wurde zum ersten mal nicht irgendein abgenutzter spanischer Trainer aus dem Wald geholt, sonder Vincente del Bosque, der vorher schon Champions League Sieger wurde. Und ja, die wurden auch in dem letzten Turnier vor del Bosque unter Luis Aragones Europameister, weil das halt auch eine richtig überragende Generation war. Aber als diese Spieler auch noch von einem nachweislich brauchbaren Manager verwaltet wurden, gewannen sie abgesehen von strategischen Niederlagen beim Confed Cup echt alles.

Wenn man in Deutschland echt mal einen brauchbaren Bundestrainer verpflichten würde, wären ähnliche Erfolge möglich. Aber am Ende wird nach dem Rücktritt von Jogi Löw, der halt irgendwann kommen wird, Stefan Kuntz übernehmen... obwohl der auf Vereinsebene eher negativen Einfluss hatte... aber er ist halt Europameister und irgendwie in die Rolle des U21 Trainers gerutscht, also ist er qualifiziert... 

Aber auch Kuntz wird dann einen Kader verwalten, der gut genug ist um ein WM Halbfinale zu erreichen... selbst wenn die Mannschaft sich selber coachen müsste. Deswegen wird Kuntz dann ohne eigenes Zutun wie ein Fähiger Mann aussehen und Ewigkeiten im Amt bleiben. 

Dienstag, 1. Dezember 2020

Unsere Faszination mit schlechten Bundestrainern ist schon... krankhaft Teil 1

Ernsthaft, wir sollten da mal zum Psychologen. So richtig gesund kann das nämlich nicht sein. Also einerseits wählen wir immer wieder völlig random Trainer aus, die genau genommen keinerlei angemessene Vorqualifikation mitbringen. Und andererseits halten wir dann auch noch Ewigkeiten an denen fest.

Das ist ja auch kein neuer Trend. Das begann genau genommen schon bei Sepp Herberger. Der wurde ja erste Bundestrainer des DFBs, weil er... heimlich Widerstandskämpfer gegen die Nazis im Dritten Reich war? Ja! Genau!

Ok, man genau hin gucken um diesen Widerstand zu finden, aber angeblich hat er als Reichstrainer dafür gesorgt, dass die besten Fußballer nicht an der Front verheizt wurden. Unter anderem Fritz Walter. Er hat also die fittesten und besten Soldaten... Und er hat auch bestimmt selber gar keine Kontakte zu den Nazis gehabt. Also abgesehen davon, dass er im Mai 33 in die NSDAP eingetreten ist, aber das war halt damals die einzige Variante zu verhindern, dass ein Walter später an die Front geschickt werden würde. Und das ist irgendwie auch mein voller Ernst. Also wenn er nicht in die Partei eingetreten wäre, hätten die Nazis ihn sofort entlassen und durch ein Parteimitglied ersetzt. So läuft das halt in einer Diktatur.

Aber hier soll es ja um den Trainer gehen. Und der hat vor seiner Zeit als Reichstrainer... immerhin mal beim SV Nowawes und Tennis Borussia Berlin gearbeitet. Insgesamt 4 Jahre. Und er wurde Berliner Stadtmeister. Danach war er dann bis zu seinem Karriereende 1964 Nationaltrainer. Er übernahm nie wieder eine Vereinsmannschaft.

Natürlich hat er auf der Habenseite den Weltmeistertitel 1954. Aber war Herberger wirklich ein "guter Trainer"? Oder einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Und vor allem: War er 1962 immer noch der Richtige Mann, oder hielt man einfach nur an ihm fest, weil man sich daran gewöhnt hatte, dass er halt Nationaltrainer war. Wikipedia dazu: "Langsam sollte sich der Vorteil seines jahrelangen Schaltens und Waltens nach eigenem Gutdünken in den Autoritätsstrukturen, unter denen er seit Kaisers Zeiten schon gelebt und gesiegt hatte, in der letzten Phase der Nachkriegszeit in das Gegenteil verändern." Das und seine beleidigte Reaktion nach der WM erinnert mich irgendwie schon stark an einen Jogi Löw.

Aber nach dem Rücktritt des alten Heerführers konnte man diesen doch wohl begehrten Job an einen der besten und erfolgreichsten Trainer im Land vermitteln.

Oder man nimmt einfach seinen Assistenten Helmut Schön. Dessen letzte reguläre Vereinsstation war beim Zweitligisten SV Wiesbaden. Dann arbeitete er seit 1952 für das Saarland (also gegen Deutschland) und dann in verschiedenen Funktionen beim DFB... Er wurde halt auch nur Nationaltrainer, weil er schon immer da war... Aber das funktionierte halt auch. Also man wurde Europameister 72 und Weltmeister 74. 

Allerdings muss man an der Stelle halt auch sofort sagen, dass das wirklich eine Jahrhundertgeneration war, die damals auflief. Also das war genau die Phase, in der die Bayern 3 mal in Folge die Champions League gewannen. Diese Mannschaft wurde noch durch die überragende Fohlengeneration um Netzer, Heynckes und Vogts ergänzt. Aber Weltmeister wurde man nur, weil Franz Beckenbauer die Feinjustierung vornahm. Aber sobald Beckenbauer nicht mehr dabei war, war es auch mit der Herrlichkeit vorbei. Oh und irgendwie schaffte Schön es, einen Gerd Müller frühzeitig zu vergraulen... Auch hier muss irgendwie die Frage erlaubt sein: Ist man wegen oder trotz des Trainers Weltmeister geworden?

Irgendwelche Erfolge jenseits der individuell wohl besten Auswahl aller Zeiten hat er jedenfalls nicht vorzuweisen. Auch nicht auf Vereinsebene.

Also übernahm Franz Beckenbauer mit der Vorqualifikation, dass er de facto ja schon 1974 Teammanager war. Nur um das mal praktisch zu belegen: Der Anspruch des DFBs war mittlerweile so weit gesunken, dass der Trainer nicht mal einen ordentlichen Schein brauchte, um dieses Team zu verwalten. Und natürlich gewann selbst Beckenbauer am Ende einen Titel... aber das ist bis dahin halt auch jeden gelungen. Als Vereinstrainer hat er dann aber gar nichts auf der Habenseite vorzuweisen. Also eine Saison bei Olympique Marseille und dann hat er mal als Interimstrainer den FC Bayern übernommen.

Es folgte das, was eigentliche immer folgte: Sein Co-Trainer Berti Vogts. Und das ist dann endlich die Stelle, wo ich nicht mehr googlen muss, sondern mich erinnern kann. Also Vogts verwaltete ja die "Wiedervereinigung". Er hatte also den Weltmeisterkader, der durch hervorragend ausgebildete Ossis wie Matthias Sammer ergänzt wurde. Also die "Wir werden auf Jahre unschlagbar sein" Aussage vom Philosophen Franz mag arrogant gewirkt haben, aber das war einfach mal die Ausgangslage für die 90er Jahre... und dann kam Berti Vogts...

Dass der mit dieser Auswahl lediglich einen Europameistertitel holte... ist eigentlich ein Armutszeugnis. Und dass er nach dem äußerst enttäuschenden Viertelfinalaus 1994 gegen Bulgarien weiterwurschteln durfte... passiert einem so auch nur in Deutschland. So sind wir halt.

Faszinierender Weise hat man bei Vogts dann ernsthaft mal die Gegenprobe gemacht: Lag es an ihm, oder ist es einfach nur verdammt schwierig Nationaltrainer zu sein? Er beantwortete diese Frage, in dem er bei Bayer Leverkusen scheiterte. Und das war zu der Zeit, als Bayer Leverkusen bei der europäischen Spitze angeklopft hat. Also in dem Jahr nach Vogts wurden die in jedem Wettbewerb Zweiter. Mit Vogts war man davon relativ weit entfernt.

Und auch bei seinen anderen Stationen als Nationaltrainer in Schottland und Nigeria bewegte er wenig bis nichts. Wie bei all seinen Vorgängern sieht der Arbeitsnachweis echt grausam aus. Also er sieht noch grausamer aus, weil er es halt wirklich versucht hat noch was zu reißen.

Danach sagte der DFB dann: Das reicht jetzt, wir versuchen es mal mit einem richtigen Trainer. Einen, der in der täglichen Arbeit nachgewiesen hat, dass er es drauf hat. Der Internationale Titel geholt hat. Und landete bei Erich Ribbeck. Der natürlich von Uli Stielike betreut werden musste, weil man a) immer mindestens einen Welt- oder Europameister auf der Bank haben muss und Ribbeck b) halt auch schon Rentner war. 

Und ja, Ribbeck hat einen UEFA Cup in seiner Vita stehen. Der war bestimmt auch mal ein richtig guter Trainer. Aber das war halt in den 80ern. De facto wurde er direkt aus Mallorca geholt, wo er seinen Vorruhestand verbrachte. Entsprechend desaströs verlief seine Amtszeit. Also er scheiterte als erste Trainer in der Gruppenphase... und angeblich soll es vor dem Turnier einen Putschversuch gegeben haben, bei dem Lothar Matthäus als geistiger Nachfolger von Franz Beckenbauer installiert worden wäre...

Hier ist das faszinierende: Trotz des schlechtesten Turniers seit 1938 wurde Ribbeck nicht sofort entlassen. Er musste schon selber zurücktreten... denn Trainer nach einem absurden Vorrundenaus rauszuschmeißen ist einfach nicht unser Stil... Nebenbei ist Ribbeck bis heute der einzige Deutsche Nationaltrainer, der nicht Weltmeister als Spieler oder Trainer geworden ist.

Was folgte war... eine an sich richtig gute Idee: Christoph Daum. Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Fußballs wollte man sich einen richtigen Spitzentrainer auf dem Höhepunkt seines Schaffens sichern. Was aber nicht so einfach war, denn Daum wollte vorher noch die 2001er Saison spielen. Und dann stolperte er über eine Haarprobe. Es soll halt einfach nicht sein.

Also... hieß der nächste Nationaltrainer Rudi Völler. Mit der Vorqualifikation: Der war halt Weltmeister. Und er führte Deutschland zur absurdesten Vizeweltmeisterschaft aller Zeiten... wo man das schwächste Gegnerfeld aller Zeiten zugelost bekam und erst im Finale auf Brasilien traf... und trotzdem all seine Spiele gerade so mit 1:0 gewann. Aber mit Michael Ballack im Finale wäre das alles ganz anders gelaufen.

Bei der Europameisterschaft folgte ein weiteres Vorrundenaus... und dann traf uns 2 Jahre vor der WM im eigenen Land die Erkenntnis, dass es so nicht weiter gehen kann. Also ersetzte man den einen ehemaligen Weltmeister ohne jegliche Trainererfahrung durch den nächsten mit Jürgen Klinsmann. Genau dem Jürgen Klinsmann, der eindrucksvoll nachgewiesen hat, dass er nur ein Schaumschläger ist. Weil es aber eine Weltmeisterschaft war, erreichte man halt trotzdem das Halbfinale. Wie immer halt. Und  das man Klinsmann nen Halbes Jahr vor der WM vom Hof jagen wollte... hatten alle vergessen.

Da Klinsi aber wusste, dass er das nicht konservieren kann... übergab er den Posten an seinen Co-Trainer. Wie das hier halt so üblich ist. Und dieser Co-Trainer war Jogi Löw. Dessen Trainerkarriere begann beim VfB Stuttgart, wo er als junges Trainertalent das magische Dreicek "Elber-Balakov-Bobic" zu offensiven Heldentaten coachte. Und zu einem Pokalsieg. Da fällt mir dann direkt auf, dass ich mal Löw Fan war... Selbst wenn alle Jügendsünden gut erklärt im Duden stünden, wären manche von ihnen auch nicht besser zu begründen.
Aber 2004 war dessen Trainerkarriere eindeutig auf dem Absteigenden Ast. Vorher verschlug es ihn nach Österreich... Niemand hatte den in Deutschland noch auf dem Schirm. Entsprechend überrascht guckten alle, als Klinsmann ihn als Co-Trainer präsentierte. Und ja, Löw ist buchstäblich hoch gestolpert. Und hält sich irgendwie seit 14 Jahren beim DFB.

Es ist völlig absurd, wie erfolgreich die Nationalmannschaft immer war, wenn man bedenkt, wie bescheiden die Vereinsbilanz ihrer Trainer aussieht: 1 UEFA Cup Sieg, ein DFB Pokal Titel, eine Meisterschaft in Österreich, eine Berliner Stadtmeisterschaft... Das dürfte die gesamte Trophäen-Sammlung vor Amtsantritt gewesen sein. Dazu kommt noch ein Uefa Cup Titel, den Franz als Interimstrainer holte.

Was halt einfach unfassbar ist. Also wenn man bedenkt, wie viele legendäre Trainer die Bundesliga hervorgebracht hat. Udo Lattek, Hennes Weisweiler, Otto Rehagel, Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes, Thomas Schaaf, Felix Magath, Jürgen Klopp, Thomas Tuchel... also wie viele dieser Trainer haben alleine mehr Titel gewonnen als all die Bundestrainer zusammen?

Man will sich gar nicht vorstellen, wie dominant diese Auswahl sein könnte, wenn sie mal von einem richtig kompetenten Trainer angeführt wird... Trotzdem war keine von ihnen jemals ernsthaft als Nationaltrainer im Gespräch. Warum das so ist... ist eine spannende Frage... Für Teil 2.

Montag, 30. November 2020

So viel zur Solidarität

Also wenn man sich in letzter Zeit mal nen bisschen umgeschaut hat, gab es ja für Schalke hauptsächlich Mitleid. Also abgesehen von den rassistischen Aussagen von Steffen Freund, dass man mit Spielern "mit diesen Wurzeln" auf Schalke einfach keinen Erfolg haben kann...

Oh boy... also erst Mal würde ich ja alle "Künstler", die auf Schalke Erfolg hatten, aufzählen, aber da fallen mir irgendwie nur Lincoln und Raul ein. Aber ja, es ist durchaus vorgekommen, dass Spieler, die nicht unbedingt die reinsten Malocher waren, auf Schalke erfolgreich waren...

Abgesehen davon wissen wir doch alle jetzt schon, dass am Ende in der Relegation Harrit und Bentaleb die Schalker zum Klassenerhalt schießen werden... Das ganze steht dermaßen von fest, die Wetten darauf werden nicht mal mehr angenommen...

Dann muss man als nächstes sofort erwähnen, dass Zinedine Zidane dieselben Wurzeln hat. Und es gibt so unfassbar viele Geschichten, wie Profis aus problematischen Vierteln und trotz einer harten Kindheit zu tollen Fußballern und großen Persönlichkeiten werden. Und gleichzeitig gibt es die auch in Deutschland Spieler wie Kevin Großkreutz oder Lukas Podolksi, die am Ende an ihrer Einstellung scheitern.

Und natürlich hat Freund in der Sache Recht, dass Künstler auf Schalke gerade so gar nicht funktionieren. Das sieht man ja an den 2 brillanten Aktionen von Mark Uth in dieser Saison. Aber auch der Deutsche Angreifer mit dem großartigen Gefühl im linken Fuß kommt auf Schalke gar nicht zurecht. Nur um mal zu verdeutlichen, dass das halt kein Problem der "Herkunft" ist, sondern eines der "Mannschaft".

Nebenbei wolle ich an der Stelle nochmal kurz einschieben, dass ich mir einen unangemessenen Vergleich überlegt hatte. Also ich wollte so was sagen wie "Profimannschaften mit Tasmania Berlin zu vergleichen ist wie... sich mit Anne Frank oder Sophie Scholl zu vergleichen, weil man nicht an Covid glaubt..." Aber dann viel mir auf, dass ich selbst Vergleiche mit Nazi-Vergleichen für so was von unangebracht halte... Ich erwähne das auch nur im Nachhinein um auszudrücken, wie angeekelt ich von diesen Entwicklungen bin. Zurück zum Fußball...

Mittlerweile ist die Lage auf Schalke ja so schlimm, dass selbst die Dortmunder sagen: Das gönnen wir ihnen nicht. Also zumindest in der Liga sollten die schon bleiben. Und pleite gehen auf keinen Fall...

Also zumindest die Fans sehen das wohl so. Das Mitgefühl der Mannschaft hielt sich in Grenzen. Die verweigerte lieber das Verteidigen einfachster Standardsituationen und nominierte Erling Haarland für den Titel "Gomez der Woche", anstatt einfach mal gegen die Kölner zu gewinnen... oder wenigstens Unentschieden zu spielen. In der Sportschau wurde direkt erwähnt, dass Horst Heldt UND Michael Zorc beide noch auf dem Platz standen, als Köln das letzte Mal in Dortmund gewann... 

Und natürlich bin ich daran Schuld. Ich fing viel zu früh an auf den ultimativen Elendsgipfel am 17. Spieltag hinzufiebern. Aber ein bisschen mehr Solidarität mit den Schalkern hätte man schon zeigen können. Jetzt stehen die ganz allen als "größte Deppen der Nation" da...

Nebenbei treten die Bayern direkt den Beweis an, dass es auch reicht, wenn Joshua Kimmich ausfällt. Und natürlich zeigt sich gleichzeitig, dass Kimmich DER Schlüsselspieler der Mannschaft ist, weil ihnen echt jegliche Souveränität abhanden gekommen ist, seit dem der Mann ausfällt. 

Aber mit ein wenig Mithilfe des VARs (also ehrlich, entweder der Schiedsrichter pfeift das gleich, oder er sagt "Neuer lässt sich derart theatralisch fallen, da kann ich auch laufen lassen") gewinnt man am Ende halt trotzdem. Selbst wenn sie verloren hätten... lässt die Konkurrenz ja weiter munter Punkte liegen. Keiner von denen macht den Eindruck, dass sie im März und April, wenn die Bayern all ihre Verletzten zurück bekommen, so viel Konstanz reinbringen werden, dass sie einen Ansturm der Bayern auf die Tabellenspitze standhalten könnten. Falls sie es vorher überhaupt auf Platz 1 geschafft haben.

Dies scheint ja die ultimative "Die ganz großen Schwächeln im Herbst" Saison zu werden. Also in Spanien liegt Barca auf Platz 7 und Real auf Platz 4. Selbst Juventus liegt 6 Punkte hinter dem Tabellenführer. Und Manchester City sogar nur auf Rang 10. Das dürfte sich alles bis zum Sommer noch halbwegs einrenken.
Am Ende liegen wirklich nur die Bayern tatsächlich im Soll. Was man jetzt als gute Nachricht für die Bayern auslegen kann... Oder es wird einem bewusst, dass der Vorsprung der Bayern gegenüber den Konkurrenz halt echt noch größer ist als in bei den Serienverdächtigen in den anderen Ligen. Denn selbst der gestauchte und überladene Covid-Kalender kann die nicht wirklich aufhalten.

Das ist halt faszinierend ernüchternd. Also ja, dass die Bayern genau jetzt schwächeln und mit Verletzungen beschäftigt sein würden, war genau so zu erwarten. Aber die anderen Mannschaften müssten halt genau jetzt diese Schwächephase ausnutzen und sich nen paar Punkte Vorsprung erarbeiten. Aber genau das passiert nicht, weil Dortmund halt bei den seit 17 Spielen sieglosen Kölnern verliert... Beste Liga der Welt...

Enden wir den Beitrag mit einer wirklich guten Nachricht: JOGI LÖW BLEIBT BUNDESTRAINER! Damit beschäftigen wir uns morgen...

Dienstag, 24. November 2020

Passives Abseits Hall of Shame: Können diese Tasmania Berlin Vergleiche einfach mal aufhören?

 Bitte! Danke!

Also gerade werden ja beliebte Bilderserien mit dem Titel "Schalke nähert sich Tasmania Berlin" online gestellt. Bestimmt nicht nur bei Kicker.de, aber halt auch da

Lasst es uns einfach sagen, wie es ist: Schalke ist gerade die schlechteste Bundesligamannschaft aller Zeiten. 24 Spiele sieglose Spiele in Serie sind unerreicht. Ob man jetzt Tasmania noch einholt, ist dabei vollkommen irrelevant. 

Und dass es gerade 2 Mannschaften gibt, die praktisch gesehen eine gesamte Halbserie nicht gewonnen haben, belegt, dass der Tabellenkeller noch nie so absurd schwach war wie jetzt gerade. Wann spielen die eigentlich gegeneinander? Am letzten Spieltag der Hinrunde? Als hätten die gewusst, was kommt... Dieses Spiel sollte die DFL auf jeden Fall auf Samstag 18:30 legen. Ein derart schlechtes Spiel dürfte es noch nie gegeben haben...

Obwohl, jetzt wo ich das gesagt habe, gewinnen wahrscheinlich beide am Wochenende und ruinieren diese Geschichte...

Jedenfalls zurück zur Perspektive Tasmania Berlin: Also ja, diese Mannschaft beendete die Saison mit uneinholbaren 8 Punkten aus 34 Spielen. Auf die 3 Punkte Regelung umgerechnet wären es auch nur 10 Punkte gewesen. Aber hier ist ein Detail, welches an der Stelle gerne vergessen wird: Der einzige Grund, warum Tasmania überhaupt Bundesliga spielte, war der Zwangsabstieg der Hertha in der Vorsaison. Und die Sonderrolle Berlins in der Deutschen Geschichte als geteilte Stadt. Also im Wesentlichen wollte der Springer Verlag unbedingt, dass es in Berlin trotz der finanziellen Unregelmäßigkeiten bei der Hertha Bundesligafußball gibt. Also wurde das Teilnehmerfeld auf 18 Mannschaften erweitert um weitere Problemen und Klagen aus dem Weg zu gehen.

Also um das mal festzuhalten: Die Tasmania spielte 1965 in der Stadtliga Berlin... und wurde dort auch nur Dritter. Tennis Borussia Berlin scheiterte als Meister deutlich an der Aufstiegsrunde. Und der Spandauer SC verzichtete lieber, anstatt das seinen Spielern anzutun. Also musste Tasmania aufsteigen...

Eine Mannschaft, die aus Halbprofis bestand, welche direkt aus dem Urlaub kamen. Denn die finale Entscheidung fiel erst Anfang August... Man hatte also 4 Wochen Zeit um ohne finanziellen Spielraum aus Halbprofis Bundesligaspieler zu formen. Und auch keinerlei Möglichkeiten diese Mannschaft zu verstärken. Deswegen sehen die Startaufstellung vom letzten Berlin Liga und ersten Bundesliga Spiel so ähnlich aus: 8 Spieler standen in beiden Fällen auf dem Platz...

Das ist eine völlig absurde Situation, die es so in Deutschland nie gegeben hat und im Profisport wohl auch nie wieder geben wird. Also als praktisches Beispiel: Das wäre, als hätte man auf den Abstieg des Hamburger SVs spontan den Altonaer FC 93 für die Bundesliga nominiert... 4 Wochen vor Bundesligastart. Weil der FC St.Pauli als 2. Beste Hamburger Mannschaft sagt: "Wir spielen lieber Derby als Bundesliga..."

Natürlich war diese Mannschaft gnadenlos überfordert. Und natürlich stellte sie Rekorde auf, die praktisch uneinholbar waren. So ist das halt, wenn man spontan einen Regionalligisten in der Bundesliga mitwurschteln lässt.

Also selbst die Überraschungsaufsteiger der letzten Jahre wie Fürth, Paderborn und jetzt Bielefeld, die ja praktisch auch von den anderen Vereinen weit entfernt waren oder sind, hatten wesentlich bessere Voraussetzungen als die Berliner damals. Deswegen sollte man auch die Berliner nie als Referenzwert nehmen, wenn man historisch schlechte Leistungen einordnen will.

Das muss man vor allen Dingen bedenken, wenn man die derzeitigen Negativserien der Schalker und Kölner betrachtet. Gerade bei den Schalkern. Denn Schalke erlebt gerade die längste Serie ohne Sieg aller seriös geführten Bundesligisten. Es gab historisch nichts vergleichbares.

Ich würde sogar behaupten, dass es im Profisport allgemein wenig vergleichbares gab. Gerade wenn man bedenkt, dass Schalke vor 3 1/2 Jahren Vizemeister wurde und an den Champions League Töpfen naschte. Also gerade die Schalker sollten in der Lage sein einen Kader zusammenzustellen, der zumindest hin und wieder ein Bundesligaspiel gewinnt...

Nun ist es an der Stelle schwierig, diese Serie in historischen Kontext zu setzen, weil... nun ja... es halt Unentschieden gibt. Also diese schöne Bilderserie zeigt euch die längsten Niederlagenserien der Geschichte des Profisports... und es kommt Andrea Pirlo vor. Ja, der Andrea Pirlo, der damals den diesen simplen und doch genialen Pass auf Grosso spielte... nur um den Schalker Spielern Mut zu machen, dass sie trotz der derzeitigen Misere noch was reißen können... und weil es immer Spaß macht das 0:1 von damals zu verlinken...

Wo war ich? Ach ja: Brescia Calcio: Also ja, die verloren mehr Spiele am Stück als Schalke, holten aber taktisch geschickt ihre 2 Siege am 15. und 19. Spieltag. Man musste also nicht so lange auf einen Sieg warten, wie die Schalker.

Bleibt der AFC Sunderland mit 20 Premiere League Niederlagen in Folge... die sich allerdings über 2 1/2 Jahre hinzogen... weil... nun ja... man meistens absteigt, wenn man 20 Spiele in Folge nicht gewinnt. Aber auch die gewannen am 18. Spieltag gegen Liverpool, beendeten die Saison als "nur" mit 20 Spielen ohne Sieg... und gewannen am 3. Spieltag der 2.Liga Saison. Schalke hat also auch diese Mannschaft schon eingeholt.

Bleibt also der Blick in andere Sportarten und auf die Philadelpia 76ers und Cleveland Cavaliers. Die einzigen NBA Mannschaften mit längeren Niederlagenserien. Hierbei muss man allerdings sofort anmerken, dass die NBA einen dafür belohnt, wenn man richtig schlecht ist. Also man bekommt dann die Chance sich den Moukoko der jeweiligen Talentgeneration zu sichern. Gerade die 76ers haben damals bewusst versucht richtig schlecht zu sein. Das war ihr Plan für mehrere Jahre. Schalkes wollte eigentlich zeitnah zurück ins Internationale Geschäft...

Bleiben... die Tampa Bay Buccaneers aus der NFL... die 26 Spiele in Folge verloren haben. Wobei man an der Stelle erwähnen muss, dass die Buccaneers eine neu gegründete Franchise waren und kein etablierter Traditionsverein... aber beinah 2 Jahre ohne jeglichen Sieg zu bleiben ist trotzdem beeindruckend.

Aber das ist so das allgemeine Kompetenzniveau, mit dem sich Schalke gerade eigentlich vergleichen muss: Mannschaften, die absichtlich schlecht zusammengestellt wurden, weil dies der beste Plan für die Zukunft im Amerikanischen Sport ist. Und das wirklich beängstigende: Schalke hat noch die Möglichkeiten diese Mannschaften einzuholen.

Was mich ja zu der spannenden Frage bringt, was jetzt genau die "unterschiedliche Auffassung" war, die eine weitere Zusammenarbeit von Jochen Schneider und Michael Reschke unmöglich machte. Also ich bin mir ziemlich sicher, dass einer der beiden mit einer "Wir sollten alles unternehmen, um die Buccaneers Serie noch zu knacken, wo wir doch schon so kurz davor sind" Haltung in die letzten Gespräche gegangen ist. Und der andere wollte dies auf keinen Fall... Jetzt fragt mich aber nicht, auf welcher Seite des Anspruches Sportvorstand Schneider stand...