Er will als Blender in die Geschichte eingehen. Nicht nur als Blender, sondern als einer der Größten der Deutschen Fußballgeschichte.
Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr "Devils Advocat" spielt und jemanden verteidigt und der euch dann 2 Wochen später komplett widerlegt. Und das auch noch komplett unmotiviert. Und ihr fragt euch dann: Warum hab ich das gemacht? Nun ja, weil es immer noch ein interessanter Gedanke war.
Was mich zu der spannenden Frage bringt: Was soll ich noch schreiben, was andere nicht schon gesagt haben? Ok, lasst uns mal vorführen, wie weit Jürgen Klinsmann von unserer Realität ist. Dafür nutzt man am besten Zitate und setzt diese in Kontext.
Fangen wir mal mit dem wichtigsten an: "Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente."
Hier ist das faszinierende: Klinis Aktion ist das exakte Gegenteil von Einheit, Zusammenhalt und der Konzentration aufs Wesentliche. Klinsi hat mit seiner rein egoistischen Aktion gerade eine Situation erschaffen, die so viel Unruhe in den Verein bringt, dass ein Abstieg auf ein Mal wieder möglich erscheint... nachdem ich das vorher ausgeschlossen habe. Es ist zwar, auf Grund der durchaus vorhandenen Qualität auf dem Rasen, unwahrscheinlich. Aber Alexander Nouri ist halt kein Jogi Löw, auch wenn Klinsi den in seinen Facebook Stream als "gestandenen Bundesligatrainer" bezeichnet. Also der hat nicht mal eine Erfolgstation wie Löw damals in Stuttgart in seinem Lebenslauf stehen und ist als Ergebnis dieses Egotrips jetzt doch plötzlich Cheftrainer in der Bundesliga...
Das ist ja das wirklich faszinierende an der Situation: Die Hertha hat für Klinsmann echt alles getan und den alles machen lassen, was der will. Trotzdem redet er jetzt von mangelnden Vertrauen.
Also um das mal festzuhalten: Klinsmann halt Zsolt Petry abgesägt. Den langjährigen Torwarttrainer, der aus Rune Jarstein durch seine tägliche Trainingsarbeit einen brauchbaren Bundesligatorwart gemacht. Und Jarstein war damals schon um die 30. Es ist nicht so, dass er ein Talent, dessen Entwicklung nicht zu verhindern war, vorangebracht hat. Er hat einen gestandenen Mann weiterentwickelt. Also Petry war ja der Mann, der Jarstein damals, als er hinter Thomas Kraft auf der Bank saß, vom bleiben überzeugt hat. Da sind schon besondere Freundschaftsbänder entstanden...
Kaum war Petry weg, ging es mit Jarstein bergab.
Spannend ist die vor allem, weil Jarstein damals eine gewissen Jonathan Klinsmann deutlich kritisiert hat. Das ist halt Jürgens Sohn. Wer aus dem keinen Bundesligatorwart macht, muss unfähig sein und weg.
Also wurde als Übergangslösung sein alter Spezi Andreas Köpke geholt. Was Pascal Köpke dann auf ein Mal von der Tribüne Richtung Startelf katapultierte. Und ja, auch Pascal heißt so, weil er der Sohn seines berühmten Vaters ist. Ob der allerdings jemals Bundesliganiveau erreichen wird, steht immer noch in den Sternen.
Für einen Pascal Köpke musste ein gewissen Salomon Kalou aussortiert werden. Und ein Vedad Ibisevic in der Sturm-Hierarchie zurückfallen. Zugegeben: Beide sind inzwischen verdammt alt. Der Umbruch musste irgendwann kommen. Aber muss man solche verdienten Spieler wirklich so eiskalt und schnell absägen? Vor allem, wenn die Beförderungen verdammt nach Vetternwirtschaft riechen?
Ich habe ja vor Jahren den Witz gebracht, dass Pal Dardai den Cheftrainerposten in Berlin hauptsächlich übernommen hat, weil er seinen eigenen Sohn trainieren wollte. Und wenn er die Hertha dafür in die Dritte Liga führen muss, dann ist das halt so... Bei dem Gespann Klinsi-Köpke erscheint dieses absurde Worst Case Szenario auf ein Mal erstaunlich real... Und wenn meine Worst Case Szenarien "real" werden, muss einiges verdammt schief gelaufen sein.
Und hey, es kann ja immer noch sein, dass Klinsi recht behält und dass der aufstrebende Köpke im Jahr 2020 ein besserer Stürmer ist als ein alternder Kalou. Das steht ja genau genommen war nicht zur Debatte. Es geht nur darum zu verdeutlichen, dass Klinsi wirklich die Rückendeckung des gesamten Vereines hatte. Die haben den echt alles machen lassen.
Wenn man dann noch bedenkt, dass Klinsmann die neue Stelle "Performance Manager" für Arne Friedrich erschaffen durfte. Dabei weiß niemand so ganz genau, was diese Stelle bringen kann...Da ist es völlig absurd, dass jetzt von mangelnden Vertrauen geredet wird. Das ist entweder unfassbar dreist oder unfassbar ignorant. Denn die Hertha hat Klinsi halt praktisch jeden Wunsch erfüllt. Und beim ersten, der nicht direkt erfüllt worden ist, sagt er sofort "Ohne mich!"
Auch auf dem Transfermarkt wurden ja alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt. Klinsmann hat in seinen 11 Wochen mehr Millionen in Ablösesummen gesteckt, als alle anderen Hertha Trainer vor ihm in ihrer gesamten Amtszeit. Wenn Klinsi von einem Granit Xhaka geträumt hat, wurde auf ein Mal das Projekt Xhaka verpflichten in Angriff genommen. Obwohl der eigentlich in einer ganz anderen Liga spielt.
Das ist vor allem interessant, weil Klinsi ja Vergleiche zum englischen Modell zieht, in dem die Trainer so viel mehr Macht haben und machen können, was sie wollen. Ich sag das mal so: Frank Lampard wollte in diesem Winter unbedingt Verstärkungen verpflichten. Der Verein hat sich sogar durch mehrere Instanzen geklagt, damit er das überhaupt versuchen darf. Aber dann hat Roman Abramowitsch einfach mal "niet" gesagt und dann gab es im Winter keine Verstärkungen. So was kann im englischen Fußball halt von der Laune eines einzelnen Mannes abhängig gemacht werden. Klinsi durfte dagegen 50 Millionen Euro ausgeben.
Aber eigentlich stört mich an seiner "Ich war das nicht mehr gewohnt, ich kenne vor allem das englische Modell, wo ein Trainer eigentlich nur einen Vorgesetzten hat." Aussage viel mehr: Wann hat er sich bitte schön daran gewöhnt? Beim hospitieren in englischen Vereinen? Bei der Arbeit im amerikanischen Verband, die man schlecht mit der täglichen Arbeit bei einem Verein vergleichen kann?
Wenn er vor seiner Rückkehr in die Bundesliga jahrelang erfolgreich bei englischen Vereinen gearbeitet hätte. So wie ein David Wagner, der sich nebenbei nicht über die "deutschen Strukturen" aufregt, getan hat. Aber anscheinend hat er sich beim studieren der Zeitungen an dieses Modell gewöhnt.
Und nebenbei macht ein Jürgen Klopp beim FC Liverpool auch nicht alles alleine. Das wäre ja auch Wahnsinn so eine Millionenunternehmen alleine zu führen. Da gibt es Michael Edwards als Genie im Hintergrund. Also selbst ein Jürgen Klopp, der sich bester Trainer der Welt nennen darf, ohne dass es große Einsprüche gibt, arbeitet nicht so, wie Klinsi glaubt, dass englische Manager arbeiten.
Und im Gegensatz zu Klinsi hätte Klopp einen Arbeitsnachweis, der die absoluten Machtbefugnisse, die er in Berlin haben wollte wollte, auch rechtfertigen würden. Aber Klopp ist halt auch deswegen so gut, weil er sein eigenes Ego nicht über solche Arbeitsverhältnisse stellt.
Selbst ein Pep Guardiola arbeitet bei Manchester City mit oder unter Txiki Begiristain. Und klar, die beide haben ein extrem enges und vertrauensvolles Verhältnis, weil sie schon bei Barca sehr erfolgreich zusammen gearbeitet haben. Aber solche Verbindungen baut man sich halt nicht auf, wenn man freiwillig ins Exil nach Amerika geht... sondern nur, wenn man in Europa an seiner Karriere arbeitet.
Die besten Trainer sind also gar nicht die Alleinherrscher, die Klinsmann in ihnen gerne sieht. Auch in England nicht.
Ich frage mich ja jetzt, was in Klinsmanns eigenen Kopf vorgeht. Also ob er sich jetzt wirklich denkt "Ich habe alles richtig gemacht. Das war konsequent und notwendig, ich habe mir nichts vorzuwerfen." Ist ihm eigentlich bewusst, dass er mit dieser Aktion jegliche Brücken in Deutschland abgerissen hat.
Dass Klinsi geglaubt hat, er würde seinen beratenden Posten im Aufsichtsrat behalten könne, spricht nicht dafür, dass ihm klar ist, wie viel er da gerade vor allem für sich kaputt gemacht hat. Denn seriös geführte Klubs werden einen großen Bogen um ihn machen. Anders ausgedrückt: Wenn Klinsmann noch mal eine Job in Deutschland anstrebt, sollte er sich ausrechnen, wie lange es mindestens dauert, bis der KFC Uerdingen Champions League spielen kann.
Denn Klinsmann hat eindrucksvoll nachgewiesen, was er unter "Einheit" und "Zusammenhalt" versteht: Alle hinter mir, nur meine Position ist wichtig. Und gegen jeden, der nicht mitzieht, wird scharf geschossen. Vielleicht hat Klinsi ja gar nicht die Premiere League, sondern den aktuellen amerikanischen Präsidenten studiert. Sein Verhalten erinnert mich zumindest mehr an diesen als an große englische Teammanager.
Donnerstag, 13. Februar 2020
Montag, 10. Februar 2020
Das wäre genau die Gelegenheit für Thomas Müller gewesen.
Was schlecht für ihn ist, weil es eventuell nicht mehr all zu viele davon gibt.
Also das Lieblings-Narrativ aller Kommentatoren ist ja "Alle außer Jogi Löw wollen Thomas Müller zurück in der Nationalmannschaft sehen!" Und wenn ihr jetzt fragt: Wirklich alle? Sage ich: Selbst ich. Denn mir ist bewusst, dass Müller der sicherste Weg ist einen EM Titel zu verhindern.
Dieses Narrativ basiert natürlich wie immer auf den überragenden Statistiken, die Müller gerade auflegt. Und das stimmt sogar: 12 Vorlagen sehen wirklich gut aus. Dazu 3 Tore aus den ersten 3 Rückrundenspielen.
Das Problem daran ist halt: Müller holt seine Statistiken gegen Mannschaften, die gegen die Bayern vor Ehrfurcht zur Salzsäule erstarren. Borussia Dortmund zum Beispiel.
Dazu muss er den Ball am Ende auch nur auf Robert Lewandowski spielen um einen Assist zu bekommen. Und der macht auch aus dem nichts seine Tore. Vor allem muss er sich immer Vorwürfe gefallen lassen, wenn er gegen die ganz großen Klubs in der Luft hängt und keine Tore schießt.
Dass Spiel gegen RB Leipzig war zumindest in der 2. Halbzeit anders. Da traf man auf einen Gegner, der sich nicht nur wehren wollte, sondern dies auch konnte. Ein Spiel, in dem die Räume auf ein Mal eng wurden. Und wo ein junger Müller durchaus die raren Räume gefunden hätte.
2020... lautet die Einzelkritik: "Emsig, aber technisch unsauber und nicht effektiv." Und ich habe irgendwie das Gefühl, dass man genau so fast jedes relevante Spiel von Müller zusammenfassen kann.
Vor allem bestätigt das irgendwie meine eigene Wahrnehmung. Immer, wenn sich in der 2. Halbzeit über rechts eine Lücke auftat, brauchte Müller zu lange um seine Gräten zu sortieren und die Chance verpuffte. Und das ist ein schlechtes Zeichen für die Bayern.
Denn im lustigen Scheibenschießen, welches die Bayern Bundesliga Alltag nennen, hat sich Müller halt schon wieder den Rang des unverzichtbaren erspielt. Aber ich persönlich habe noch nichts gesehen, wo vor Chelsea London Angst haben wird. Und selbst wenn es für Chelsea noch reicht, danach wird die Luft nur noch dünner.
Und wenn Müller nach Jahren in genau diesen Spielen plötzlich doch wieder den Unterschied ausmacht... wäre das schon eine kleine Sensation. Denn seine Bilanz gegen Europas Elite ist seit Jahren bescheiden.
Dieses Dilemma lässt sich halt für Müller auch einfach nicht lösen. Da kann er gegen die Plebs aus der Liga noch so überragend spielen. Für die deutsche Nationalmannschaft bleibt er ein Spieler, der einem vielleicht dabei hilft das Viertelfinale zu erreichen. Und dieses "VIELLEICHT" muss man groß schreiben, denn bei seinen 2 EM Teilnahmen hat er noch kein einziges Tor erzielt. Nun kann es ja schlecht das Ziel sein irgendwie das Viertelfinale zu erreichen. Auch wenn Löw uns das gerne verkaufen würde. Und 2 Jahre später ist bei der WM er dann schon 32 Jahre alt.
Nun können die ersten natürlich mit einem "Ja, aber Timo Werner. Der hat sich doch für den Titel Gomez der Woche beworben! Stimmt. Aber Werner ist, so absurd das klingt, weil er gefühlt schon ewig dabei ist, erst 23. Und wie er selber sagte "Top-Stürmer wie Suarez und Lewandowski waren mit 23 auch noch nicht auf dem Niveau, das sie dann mit 28 erreichten." Im Gegensatz zu Müller, der seinen Höhepunkt höchstwahrscheinlich schon hinter sich hat, kann man bei Werner noch mehrere Entwicklungsstufen erwarten.
Da ist schon eher die Frage, warum Marco Reus so viel anders behandelt wird als Müller. Warum der für Jogi Löw immer noch zu den Jungen, die jetzt mal eine Chance verdient haben, gehört, ist einfach nur eines dieser unlösbaren Rätsel. Aber wenn euch erst jetzt auffällt, dass Löw immer wieder und kaum nachvollziehbar mit zweierlei Maß misst, dann frage ich euch, was ihr die letzten 12 Jahre eigentlich gemacht habt?
Und ja, ich schreibe diesen Beitrag ein Mal im Jahr, denn es gibt da eigentlich wenig neues: Müller profitiert seit einigen Jahren von der Stärke der Kollegen und der Schwäche der Konkurrenz, wenn letzteres aber nicht mehr gegeben ist, stößt er an seine Grenzen und hält die Mannschaft eher zurück anstatt sie voranzubringen. Um jetzt was neues zu erzählen:
Einen guten Grund Müller mitzunehmen, gibt es dann natürlich doch. Und das sind seine Aussagen nach dem Abpfiff.
Das war nebenbei die eigentliche Überraschung dieses Spitzenspiels: Die Bayern waren zu Hause mit einem Unentschieden zufrieden. Das gibt es in der Form nur äußerst selten. In der Bundesliga sollte so was eigentlich nie vorkommen. Aber dennoch haben wir es am Wochenende gesehen.
Der eigentliche Grund für den angeblichen "Bayern-Dusel" ist ja, dass die Bayern die einzige Mannschaft sind, die immer bis zum Schluss auf Sieg spielt. Die wirklich versuchen ein Tor zu erzielen anstatt nur zu verhindern eventuell einen Punkt zu verlieren. Da wird das Glück buchstäblich erzwungen. Und genau das fehlte am Sonntag.
Jetzt fehlte diese Gier in einem Bundesliga Heimspiel. Und zwar in dem wichtigsten Liga Heimspiel des Jahres. Der eine, der sich daran störte, war Thomas Müller.
Das ist ja dieses "Mia san Mia" oder die Siegermentalität, von der immer gesprochen wird. Der einzige, der diese vermisste, war Müller. Joshua Kimmich oder Manuel Neuer wirkten auf den ersten Blick zufrieden. Nun steht man irgendwie vor der Frage, ob so eine Einstellung in einem Viertelfinale der EM wichtiger ist als die Qualität. Und ob Neuer und Kimmich das nicht an allen anderen Wochenenden des Jahres doch auch vorleben.
Die nächste spannende Frage: Kann Müller diese Mentalität von der Bank aus in eine Mannschaft bringen? Denn auf dem Feld gibt es im Jahr 2020 definitiv bessere Optionen.
Also das Lieblings-Narrativ aller Kommentatoren ist ja "Alle außer Jogi Löw wollen Thomas Müller zurück in der Nationalmannschaft sehen!" Und wenn ihr jetzt fragt: Wirklich alle? Sage ich: Selbst ich. Denn mir ist bewusst, dass Müller der sicherste Weg ist einen EM Titel zu verhindern.
Dieses Narrativ basiert natürlich wie immer auf den überragenden Statistiken, die Müller gerade auflegt. Und das stimmt sogar: 12 Vorlagen sehen wirklich gut aus. Dazu 3 Tore aus den ersten 3 Rückrundenspielen.
Das Problem daran ist halt: Müller holt seine Statistiken gegen Mannschaften, die gegen die Bayern vor Ehrfurcht zur Salzsäule erstarren. Borussia Dortmund zum Beispiel.
Dazu muss er den Ball am Ende auch nur auf Robert Lewandowski spielen um einen Assist zu bekommen. Und der macht auch aus dem nichts seine Tore. Vor allem muss er sich immer Vorwürfe gefallen lassen, wenn er gegen die ganz großen Klubs in der Luft hängt und keine Tore schießt.
Dass Spiel gegen RB Leipzig war zumindest in der 2. Halbzeit anders. Da traf man auf einen Gegner, der sich nicht nur wehren wollte, sondern dies auch konnte. Ein Spiel, in dem die Räume auf ein Mal eng wurden. Und wo ein junger Müller durchaus die raren Räume gefunden hätte.
2020... lautet die Einzelkritik: "Emsig, aber technisch unsauber und nicht effektiv." Und ich habe irgendwie das Gefühl, dass man genau so fast jedes relevante Spiel von Müller zusammenfassen kann.
Vor allem bestätigt das irgendwie meine eigene Wahrnehmung. Immer, wenn sich in der 2. Halbzeit über rechts eine Lücke auftat, brauchte Müller zu lange um seine Gräten zu sortieren und die Chance verpuffte. Und das ist ein schlechtes Zeichen für die Bayern.
Denn im lustigen Scheibenschießen, welches die Bayern Bundesliga Alltag nennen, hat sich Müller halt schon wieder den Rang des unverzichtbaren erspielt. Aber ich persönlich habe noch nichts gesehen, wo vor Chelsea London Angst haben wird. Und selbst wenn es für Chelsea noch reicht, danach wird die Luft nur noch dünner.
Und wenn Müller nach Jahren in genau diesen Spielen plötzlich doch wieder den Unterschied ausmacht... wäre das schon eine kleine Sensation. Denn seine Bilanz gegen Europas Elite ist seit Jahren bescheiden.
Dieses Dilemma lässt sich halt für Müller auch einfach nicht lösen. Da kann er gegen die Plebs aus der Liga noch so überragend spielen. Für die deutsche Nationalmannschaft bleibt er ein Spieler, der einem vielleicht dabei hilft das Viertelfinale zu erreichen. Und dieses "VIELLEICHT" muss man groß schreiben, denn bei seinen 2 EM Teilnahmen hat er noch kein einziges Tor erzielt. Nun kann es ja schlecht das Ziel sein irgendwie das Viertelfinale zu erreichen. Auch wenn Löw uns das gerne verkaufen würde. Und 2 Jahre später ist bei der WM er dann schon 32 Jahre alt.
Nun können die ersten natürlich mit einem "Ja, aber Timo Werner. Der hat sich doch für den Titel Gomez der Woche beworben! Stimmt. Aber Werner ist, so absurd das klingt, weil er gefühlt schon ewig dabei ist, erst 23. Und wie er selber sagte "Top-Stürmer wie Suarez und Lewandowski waren mit 23 auch noch nicht auf dem Niveau, das sie dann mit 28 erreichten." Im Gegensatz zu Müller, der seinen Höhepunkt höchstwahrscheinlich schon hinter sich hat, kann man bei Werner noch mehrere Entwicklungsstufen erwarten.
Da ist schon eher die Frage, warum Marco Reus so viel anders behandelt wird als Müller. Warum der für Jogi Löw immer noch zu den Jungen, die jetzt mal eine Chance verdient haben, gehört, ist einfach nur eines dieser unlösbaren Rätsel. Aber wenn euch erst jetzt auffällt, dass Löw immer wieder und kaum nachvollziehbar mit zweierlei Maß misst, dann frage ich euch, was ihr die letzten 12 Jahre eigentlich gemacht habt?
Und ja, ich schreibe diesen Beitrag ein Mal im Jahr, denn es gibt da eigentlich wenig neues: Müller profitiert seit einigen Jahren von der Stärke der Kollegen und der Schwäche der Konkurrenz, wenn letzteres aber nicht mehr gegeben ist, stößt er an seine Grenzen und hält die Mannschaft eher zurück anstatt sie voranzubringen. Um jetzt was neues zu erzählen:
Einen guten Grund Müller mitzunehmen, gibt es dann natürlich doch. Und das sind seine Aussagen nach dem Abpfiff.
Das war nebenbei die eigentliche Überraschung dieses Spitzenspiels: Die Bayern waren zu Hause mit einem Unentschieden zufrieden. Das gibt es in der Form nur äußerst selten. In der Bundesliga sollte so was eigentlich nie vorkommen. Aber dennoch haben wir es am Wochenende gesehen.
Der eigentliche Grund für den angeblichen "Bayern-Dusel" ist ja, dass die Bayern die einzige Mannschaft sind, die immer bis zum Schluss auf Sieg spielt. Die wirklich versuchen ein Tor zu erzielen anstatt nur zu verhindern eventuell einen Punkt zu verlieren. Da wird das Glück buchstäblich erzwungen. Und genau das fehlte am Sonntag.
Jetzt fehlte diese Gier in einem Bundesliga Heimspiel. Und zwar in dem wichtigsten Liga Heimspiel des Jahres. Der eine, der sich daran störte, war Thomas Müller.
Das ist ja dieses "Mia san Mia" oder die Siegermentalität, von der immer gesprochen wird. Der einzige, der diese vermisste, war Müller. Joshua Kimmich oder Manuel Neuer wirkten auf den ersten Blick zufrieden. Nun steht man irgendwie vor der Frage, ob so eine Einstellung in einem Viertelfinale der EM wichtiger ist als die Qualität. Und ob Neuer und Kimmich das nicht an allen anderen Wochenenden des Jahres doch auch vorleben.
Die nächste spannende Frage: Kann Müller diese Mentalität von der Bank aus in eine Mannschaft bringen? Denn auf dem Feld gibt es im Jahr 2020 definitiv bessere Optionen.
Freitag, 7. Februar 2020
Wird dies das entscheidende Bundesligawochenende?
Und das, obwohl doch erst der 21. Spieltag ist... da ist es doch noch viel zu früh von Vorentscheidungen zu sprechen. Aber lasst uns mal kurz die Worst Case Szenarien für die Spannung durchgehen.
1.) Wenn Bayern München gegen RB Leipzig gewinnt: Dann wären es 4 Punkte Vorsprung auf den neuen Herausforderer. Und mindestens 3 auf Dortmund... Gibt es eigentlich irgendwas beruhigenderes als von einem Lucien Favre Team verfolgt zu werden? Gibt es irgendwelche realistischen Szenarien, wie Bayern 3 oder 4 Punkte Vorsprung verspielen? Die Meisterschaft könnte sich praktisch an diesem Wochenende entscheiden...
Wo wir schon bei Dortmund sind:
2.) Wenn deren gute Version aufkreuzt und Bayer abschießt: Auch noch auswärts... Dann ist der Vorsprung der Champions League Anwärter bei mindestens 5 Punkten. Leverkusen müsste darauf hoffen, dass Borussia Mönchengladbach extrem einbricht und damit direkt beim Derby anfängt. Oder anders ausgedrückt: Die hoffen darauf, dass Marco Rose auch nicht besser ist als Dieter Hecking. Kann passieren (wobei Hecking ja auch kein an sich schlechter ist), ich würde aber nicht darauf setzen.
Der Abstand von Platz 7 und Platz 8 und 9 ist auch schon wieder gewaltig. Was relevant ist, weil Platz 7 wahrscheinlich für die Teilnahme an der Europa League reicht. Auch wenn die teils absurden Ergebnisse zumindest dafür gesorgt haben, dass die Top 7 nicht ab dem Viertelfinale im Pokal unter sich ist. Theoretisch könnte es noch ein Pokalfinale Bremen - Union geben. Wahrscheinlicher ist Bayern gegen Irgendwen. Am wahrscheinlichsten ist Bayern gegen Schalke. Und dann reicht Platz 7 definitiv.
Wo wir schon bei Werder Bremen - Union Berlin waren: Dieses Spiel könnte den Abstiegskampf entscheiden. Also Werder kann jetzt nachweisen, dass die Pokal-Sensation keine Eintagsfliege war. Absurder Weise reden die bei Werder jetzt von einer "Konstanz", die sie dringend in ihr Spiel bringen müssen. Also ich sag das mal so: Die waren bisher sehr Konstant. Also konstant Scheiße. Das ist aber auch genau genommen vollkommen egal: Die brauchen keine Konstanz, die brauchen 4 oder 5 Spiele an ihrem Leistungsmaximum. Dann haben Düsseldorf und Paderborn keine Chance auf den Relegationsplatz, den Mainz belegen wird.
Wenn die Hanseaten jetzt allerdings feststellen, dass dieses Pokalspiel eine einmalige Sache und das einzige ordentliche Saisonspiel von Yuya Osako war... dann steht uns ein grausamer, aber spannender Abstiegskampf bevor, in dem Paderborn bis zum Ende irgendwie die Hoffnung auf Platz 16 hat...
Aber ein souveräner Sieg gegen Union könnte im Nachhinein der entscheidende Schritt aus der Krise sein.
Und dann muss man schon theoretische Szenarien entwickeln um ein spannendes Saisonfinale zu erreichen. Dass der Dead Coach Bounce bei Hansi Flick plötzlich nachlässt oder die Bayern nach einem enttäuschenden Ausscheiden gegen Chelsea komplett die Lust verlieren... anstatt dann darauf zu gehen, dass Robert Lewandowski die 40 Saisontore knackt. Und ja, falls die Bayern an Chelsea scheitern, wird genau dies passieren: Die Bayern werden in der Liga Lewandowski immer alles auflegen, damit der Gerd Müllers Rekord bricht.
Oder dass der VfL Wolfsburg einen richtigen Lauf startet und nochmal ins Geschehen um die Europa League eingreift. Das ist natürlich das erklärte Ziel... und sogar das wahrscheinlichste Szenario, auch wenn ich Oliver Glasner nicht so wirklich traue. Aber wenn ein Rennen um Platz 6 und 7 die große Geschichte des Saisonendes werden soll...
Und natürlich kann auch einer der Mannschaften aus Berlin oder Köln komplett einbrechen. Nur noch 3 Punkte holen und dadurch in den Abstiegskampf rutschen. Aber so absurd das klingt: Da Köln es vermieden hat Lukas Podolski zu holen und Jürgen Klinsmann bei der Hertha anscheinend gute Arbeit leistet, erscheinen die dafür allesamt zu stabil.
Bleibt also die Hoffnung, dass Bayern, Dortmund und Werder verlieren und uns damit zumindest theoretisch auf ein spannenderes Finish vorbereiten... Gute Voraussetzungen.
1.) Wenn Bayern München gegen RB Leipzig gewinnt: Dann wären es 4 Punkte Vorsprung auf den neuen Herausforderer. Und mindestens 3 auf Dortmund... Gibt es eigentlich irgendwas beruhigenderes als von einem Lucien Favre Team verfolgt zu werden? Gibt es irgendwelche realistischen Szenarien, wie Bayern 3 oder 4 Punkte Vorsprung verspielen? Die Meisterschaft könnte sich praktisch an diesem Wochenende entscheiden...
Wo wir schon bei Dortmund sind:
2.) Wenn deren gute Version aufkreuzt und Bayer abschießt: Auch noch auswärts... Dann ist der Vorsprung der Champions League Anwärter bei mindestens 5 Punkten. Leverkusen müsste darauf hoffen, dass Borussia Mönchengladbach extrem einbricht und damit direkt beim Derby anfängt. Oder anders ausgedrückt: Die hoffen darauf, dass Marco Rose auch nicht besser ist als Dieter Hecking. Kann passieren (wobei Hecking ja auch kein an sich schlechter ist), ich würde aber nicht darauf setzen.
Der Abstand von Platz 7 und Platz 8 und 9 ist auch schon wieder gewaltig. Was relevant ist, weil Platz 7 wahrscheinlich für die Teilnahme an der Europa League reicht. Auch wenn die teils absurden Ergebnisse zumindest dafür gesorgt haben, dass die Top 7 nicht ab dem Viertelfinale im Pokal unter sich ist. Theoretisch könnte es noch ein Pokalfinale Bremen - Union geben. Wahrscheinlicher ist Bayern gegen Irgendwen. Am wahrscheinlichsten ist Bayern gegen Schalke. Und dann reicht Platz 7 definitiv.
Wo wir schon bei Werder Bremen - Union Berlin waren: Dieses Spiel könnte den Abstiegskampf entscheiden. Also Werder kann jetzt nachweisen, dass die Pokal-Sensation keine Eintagsfliege war. Absurder Weise reden die bei Werder jetzt von einer "Konstanz", die sie dringend in ihr Spiel bringen müssen. Also ich sag das mal so: Die waren bisher sehr Konstant. Also konstant Scheiße. Das ist aber auch genau genommen vollkommen egal: Die brauchen keine Konstanz, die brauchen 4 oder 5 Spiele an ihrem Leistungsmaximum. Dann haben Düsseldorf und Paderborn keine Chance auf den Relegationsplatz, den Mainz belegen wird.
Wenn die Hanseaten jetzt allerdings feststellen, dass dieses Pokalspiel eine einmalige Sache und das einzige ordentliche Saisonspiel von Yuya Osako war... dann steht uns ein grausamer, aber spannender Abstiegskampf bevor, in dem Paderborn bis zum Ende irgendwie die Hoffnung auf Platz 16 hat...
Aber ein souveräner Sieg gegen Union könnte im Nachhinein der entscheidende Schritt aus der Krise sein.
Und dann muss man schon theoretische Szenarien entwickeln um ein spannendes Saisonfinale zu erreichen. Dass der Dead Coach Bounce bei Hansi Flick plötzlich nachlässt oder die Bayern nach einem enttäuschenden Ausscheiden gegen Chelsea komplett die Lust verlieren... anstatt dann darauf zu gehen, dass Robert Lewandowski die 40 Saisontore knackt. Und ja, falls die Bayern an Chelsea scheitern, wird genau dies passieren: Die Bayern werden in der Liga Lewandowski immer alles auflegen, damit der Gerd Müllers Rekord bricht.
Oder dass der VfL Wolfsburg einen richtigen Lauf startet und nochmal ins Geschehen um die Europa League eingreift. Das ist natürlich das erklärte Ziel... und sogar das wahrscheinlichste Szenario, auch wenn ich Oliver Glasner nicht so wirklich traue. Aber wenn ein Rennen um Platz 6 und 7 die große Geschichte des Saisonendes werden soll...
Und natürlich kann auch einer der Mannschaften aus Berlin oder Köln komplett einbrechen. Nur noch 3 Punkte holen und dadurch in den Abstiegskampf rutschen. Aber so absurd das klingt: Da Köln es vermieden hat Lukas Podolski zu holen und Jürgen Klinsmann bei der Hertha anscheinend gute Arbeit leistet, erscheinen die dafür allesamt zu stabil.
Bleibt also die Hoffnung, dass Bayern, Dortmund und Werder verlieren und uns damit zumindest theoretisch auf ein spannenderes Finish vorbereiten... Gute Voraussetzungen.
Donnerstag, 6. Februar 2020
Oh Schalke, wie könnt ihr nur?
Ernsthaft, es hätte so eine schöne Pokalwoche sein können. Mit überraschend vielen überraschenden und spannenden Ergebnissen. Aber dann kamen die Vorwürfe gegen die Schalker Fans. Vorwürfe, die man sonst nur aus Italien oder Spanien kennt. So was würde bei uns ja nie passieren. Doch, ist es anscheinend. Also wenn mit Benito Raman ein Schalker Spieler dem Berliner Jordan Toruanigha Mut zusprechen musste, wird irgendwas vorgefallen sein. Irgendwas unschönes und unangebrachtes.
Und gerade die Schalker Fans. Also die Fangruppe, die ihrem eigenen Präsidenten demonstrativ die Rote Karte gezeigt hat. Das wurde aber anscheinend auch schon wieder vergessen.
Jetzt kann Tönnies sich als Chefaufklärer in diesem Rassismus-Eklat aufspielen. Da ist er ja echt der geeignetste Kandidat für.
Dabei haben die Medien den Schalkern im Gemeinen schon einen riesigen Dienst erwiesen. Denn das Tönnies sich genau genommen in einem Sky-Interview schon wieder komplett daneben benommen hatte, wurde flächendeckend ignoriert. Einzig Manu Thiele nahm dies als Anlass um angemessen auszurasten. Digga...
Die Zusammenfassung: Tönnies sieht sich als Opfer der Kampagne und fühlt sich hauptsächlich missverstanden. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schwer die 3 Monate für ihn waren... Deswegen entschuldigt er sich ja auch ganz klassisch nur beim Verein und nicht bei den Menschen, die er grob und verallgemeinernd beleidigt hat. Die müssten sich ja eigentlich bei ihm entschuldigen... Weil er seine Aussagen von Damals immer noch nicht als Beleidigung ansieht und den Rassismus dahinter anscheinend immer noch nicht versteht.
Und dieser ignorante Großwildjäger will jetzt über Affenlaute aus seinem Fanblock urteilen? Die machen doch nur das, was er vorlebt. Auf welcher moralischen Basis will er sich dazu jetzt äußern?
Die Schalke Fans werden jetzt natürlich behaupten, dass das ja nur eine kleine Minderheit war. Und gegen die kann man ja nichts machen. Solche Minderheiten sind ja laut...
Also zunächst mal hätte man den Arsch in der Hose haben und einen "Dre Voigt" bauen können. Also die Leute, die das ausgelöst haben, darauf ansprechen und sie auffordern dies zu unterlassen. Dafür braucht man dann aber wirklich genau die Eier, von denen früher immer nach Spielende gesprochen worden ist.
Aber selbst wenn man sich das nicht traut. Dann holt die aufrechte Mehrheit halt die Anti Rassismus Parolen, die man für die erste Pokalrunde gelernt hat, wieder raus und ist einfach wesentlich lauter als die paar Vollidioten.
Wobei man hier natürlich auch einschieben muss, dass sich genau an der Stelle der eigentliche Fehler von Harm Osmers zeigt, der die Rassismus Vorwürfe "zur Kenntnis" genommen hat, ohne etwas zu unternehmen. Wenn Osmers das Spiel unterbrochen hätte, wäre das ganze Stadion von den Vorfällen in Kenntnis gesetzt worden und auch der Typ auf der Gegenüberliegenden Kurve hätte nicht mehr behaupten können, er hätte nichts davon mitbekommen. Was ich denjenigen sogar glauben würde, man wird nicht im gesamten Stadion die Affenlaute gehört haben. Und dann hätte sich auch das gesamte Stadion entsprechend positionieren können. Praktisch gesehen geht es ja bei der ersten Unterbrechung wegen rassistischer Vorfälle genau darum: Dass sich die Aufrechte Masse dann entsprechend äußern und gegen lenken kann.
Wie Osmers nicht die Kicker Note 6 bekommen konnte, wenn er das von der Fifa festgelegte "3 Step Procedure" ignoriert... da ist der Platzverweis für David Wagner echt das geringere Problem.
Aber es standen wie immer alle betreten daneben anstatt die Initiative zu ergreifen. Also sowohl die Fangruppen im direkten Umkreis als auch die Angestellten des DFBs. Alle hofften, dass die Geschichte schon unbemerkt vorbei ziehen wird. So wie auch alle gehofft haben, dass das Sky Interview von Tönnies nie wieder irgendwo angesprochen werden wird. Frei nach dem Motto: Das wird schon weg gehen, wenn wir es ignorieren.
Aber das zeigt halt auch nur wieder, wie ernst gemeint die "Nein zu Rassismus" Kampagnen wirklich sind: Beim ersten Härtetest, der einen selbst betrifft, versagt jede Partei komplett. Aber man kann gut darauf hinweisen, wenn andere da Fehler machen.
Das Schöne am Tagesgeschäft Fußball ist ja, dass die Schalker am Wochenende direkt die nächste Gelegenheit bekommen um das Bild wieder etwas gerade zu rücken, in dem man geschlossen Stellung bezieht. Und danach dann vielleicht wirklich den Arsch in der Hose hat und gleich reagiert, weil man sich daran erinnert, dass man eigentlich das ganze Stadion hinter sich hat.
Und in Babelsberg freuen sie sich gerade darüber, dass sie gar nicht die bigottesten sind... so gibt es am Ende doch noch Gewinner bei der ganzen Geschichte...
Und gerade die Schalker Fans. Also die Fangruppe, die ihrem eigenen Präsidenten demonstrativ die Rote Karte gezeigt hat. Das wurde aber anscheinend auch schon wieder vergessen.
Jetzt kann Tönnies sich als Chefaufklärer in diesem Rassismus-Eklat aufspielen. Da ist er ja echt der geeignetste Kandidat für.
Dabei haben die Medien den Schalkern im Gemeinen schon einen riesigen Dienst erwiesen. Denn das Tönnies sich genau genommen in einem Sky-Interview schon wieder komplett daneben benommen hatte, wurde flächendeckend ignoriert. Einzig Manu Thiele nahm dies als Anlass um angemessen auszurasten. Digga...
Die Zusammenfassung: Tönnies sieht sich als Opfer der Kampagne und fühlt sich hauptsächlich missverstanden. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schwer die 3 Monate für ihn waren... Deswegen entschuldigt er sich ja auch ganz klassisch nur beim Verein und nicht bei den Menschen, die er grob und verallgemeinernd beleidigt hat. Die müssten sich ja eigentlich bei ihm entschuldigen... Weil er seine Aussagen von Damals immer noch nicht als Beleidigung ansieht und den Rassismus dahinter anscheinend immer noch nicht versteht.
Und dieser ignorante Großwildjäger will jetzt über Affenlaute aus seinem Fanblock urteilen? Die machen doch nur das, was er vorlebt. Auf welcher moralischen Basis will er sich dazu jetzt äußern?
Die Schalke Fans werden jetzt natürlich behaupten, dass das ja nur eine kleine Minderheit war. Und gegen die kann man ja nichts machen. Solche Minderheiten sind ja laut...
Also zunächst mal hätte man den Arsch in der Hose haben und einen "Dre Voigt" bauen können. Also die Leute, die das ausgelöst haben, darauf ansprechen und sie auffordern dies zu unterlassen. Dafür braucht man dann aber wirklich genau die Eier, von denen früher immer nach Spielende gesprochen worden ist.
Aber selbst wenn man sich das nicht traut. Dann holt die aufrechte Mehrheit halt die Anti Rassismus Parolen, die man für die erste Pokalrunde gelernt hat, wieder raus und ist einfach wesentlich lauter als die paar Vollidioten.
Wobei man hier natürlich auch einschieben muss, dass sich genau an der Stelle der eigentliche Fehler von Harm Osmers zeigt, der die Rassismus Vorwürfe "zur Kenntnis" genommen hat, ohne etwas zu unternehmen. Wenn Osmers das Spiel unterbrochen hätte, wäre das ganze Stadion von den Vorfällen in Kenntnis gesetzt worden und auch der Typ auf der Gegenüberliegenden Kurve hätte nicht mehr behaupten können, er hätte nichts davon mitbekommen. Was ich denjenigen sogar glauben würde, man wird nicht im gesamten Stadion die Affenlaute gehört haben. Und dann hätte sich auch das gesamte Stadion entsprechend positionieren können. Praktisch gesehen geht es ja bei der ersten Unterbrechung wegen rassistischer Vorfälle genau darum: Dass sich die Aufrechte Masse dann entsprechend äußern und gegen lenken kann.
Wie Osmers nicht die Kicker Note 6 bekommen konnte, wenn er das von der Fifa festgelegte "3 Step Procedure" ignoriert... da ist der Platzverweis für David Wagner echt das geringere Problem.
Aber es standen wie immer alle betreten daneben anstatt die Initiative zu ergreifen. Also sowohl die Fangruppen im direkten Umkreis als auch die Angestellten des DFBs. Alle hofften, dass die Geschichte schon unbemerkt vorbei ziehen wird. So wie auch alle gehofft haben, dass das Sky Interview von Tönnies nie wieder irgendwo angesprochen werden wird. Frei nach dem Motto: Das wird schon weg gehen, wenn wir es ignorieren.
Aber das zeigt halt auch nur wieder, wie ernst gemeint die "Nein zu Rassismus" Kampagnen wirklich sind: Beim ersten Härtetest, der einen selbst betrifft, versagt jede Partei komplett. Aber man kann gut darauf hinweisen, wenn andere da Fehler machen.
Das Schöne am Tagesgeschäft Fußball ist ja, dass die Schalker am Wochenende direkt die nächste Gelegenheit bekommen um das Bild wieder etwas gerade zu rücken, in dem man geschlossen Stellung bezieht. Und danach dann vielleicht wirklich den Arsch in der Hose hat und gleich reagiert, weil man sich daran erinnert, dass man eigentlich das ganze Stadion hinter sich hat.
Und in Babelsberg freuen sie sich gerade darüber, dass sie gar nicht die bigottesten sind... so gibt es am Ende doch noch Gewinner bei der ganzen Geschichte...
Montag, 3. Februar 2020
Worst of des "Und täglich grüßt der Platzverweis" Wochenendes
Anscheinend ist dies jetzt echt das neuste Ritual in der Bundesliga. Und es funktioniert so verlässlich, dass es sogar die Diskussionen ums Handspiel übertönt:
Ein Spieler sieht für eine entweder übertriebene oder unfassbar dumme Aktion in Richtung Schiedsrichter Gelb Rot.
Die Schiedsrichter weisen darauf hin, dass dies jetzt die neue Regelung ist.
Der DFB weist auf die Vorbildfunktion für die Kinder und Amateure hin.
Die Journalisten bestärken DFB und Schiedsrichter in ihren Ansichten.
Die Fans bestärken die Journalisten mit Umfrage-Ergebnissen, dass sie das wirklich nicht mehr sehen wollen.
Alle verweisen gemeinschaftlich darauf, dass es dieses Problem ausschließlich in der Bundesliga gibt und dass man sich lediglich dem internationalen Standard anpasst.
Fehlt eigentlich nur nur noch der Hinweis, dass sich die Spieler auf internationalem Parkett ja auch benehmen können und eigentlich nur dem Bundesliga Schiedsrichter genau so viel Respekt entgegen bringen müssen, wie dem Champions League Schiedsrichter...
Und dann gibt es die kleine Minderheit, die lauthals schreit: "ABER EMOTIONEN MÜSSEN DOCH ERLAUBT SEIN!"
Also ja, in der großen Maschinerie der Fußballindustrie gibt es nur einen sehr kleinen Teil, der sich gegen einen Respektvollen Umgang mit Schiedsrichtern im Alltag wehrt: Die deutschen Profis und ihre Trainer.
Premiere League Spieler würden sich, zumindest wenn man dem Ruf glauben schenkt, ich sehe ja relativ wenig europäischen Fußball, totlachen, wenn sie die derzeitige Debatte verstehen würden... Ihr beschwert euch worüber? Dass Abfällige Gesten gegenüber dem das Spiel leitenden Personal mit Verwarnungen geahndet werden? Dass die Verwarnungen dann auch zu Platzverweisen führen? Solltet ihr euch nicht eigentlich auf euer eigenes Werk konzentrieren?
Nebenbei: Stellt euch mal vor, ihr würdet auf Entscheidungen von Abteilungsleitern so reagieren, wie Fußballprofis. Oder wenn die Polizei euch ermahnt. Oder die Security auf der Party am Samstag Abend. Ihr werdet dann entweder entlassen, oder euch wird weh getan. Aber irgendwie gehen Fußballprofis immer noch davon aus, dass sie das selbstverständlich dürfen.
In der Bundesliga wird von den Spielern und Trainer als notwendig angesehen. Das geht halt nicht ohne. Da alle anderen (außer vielleicht die Fanlager der gerade betroffenen Mannschaften) gerade einen knallharten "Wir wollen das jetzt durchziehen" Kurs fahren (oder halt "Wir wollen, dass das durchgezogen wird"), dürften wir dieses Schauspiel noch einige Wochen erleben.
Inklusive der Wehklagen der Betroffenen. Oder im Falle von Julian Nagelsmann sogar der Profiteure. Der ist halt intelligent genug um mitzukriegen, dass ihn diese Strafe auch noch mal betreffen wird. Und dann klinkt sich David Wagner in die Debatte ein, obwohl er gar nicht beteiligt ist...
Das wirklich spannende ist: Wie lange wird es dauern, bis ein Lernprozess einsetzt? Also in erster Instanz im Diskurs hinterher. Weg vom "Man muss doch noch mal Emotionen zeigen können" hin zum "Wir müssen endlich verstehen, dass niemand mehr Bock auf jammernde und meckernde Millionäre hat." Ein "Die Regeln sind jetzt so, wir müssen uns daran gewöhnen."
Man hat sich ja auch daran gewöhnt, dass es für die Grätschen von hinten direkt Rot gibt, was auch nicht immer so war. Und im Gegensatz zu dem Handspielen musste hier keine Regel ständig geändert werden, man muss nur die vorhandenen Regeln endlich mal anwenden...
Und das geforderte "Fingerspitzengefühl"... also das faszinierende ist ja, dass Fußball die einzige Sportart ist, wo die Verantwortlichen der Vereine glauben, dass es so etwas wie Fingerspitzengefühl gibt. Dass man als Schiedsrichter, natürlich nur zum Vorteil für den eigenen Verein, auch mal die Regeln aussetzen kann... Auch wenn das Spiel genau genommen darunter leidet.
Jedenfalls zeigt sich das Fingerspitzengefühl ja derzeit erstaunlich konstant. Es fliegt jede Woche der eine, der es übertreibt vom Platz. Oder zumindest alle 2 Wochen... Das ist ja jetzt das eigentlich wichtige: Die Konstanz. Das ganze Konstrukt fällt in dem Moment zusammen, in dem sich ein beliebiger Bayern oder Dortmund Star so daneben benimmt wie Alassane Plea und damit durch kommt, bricht das gesamt System zusammen.
Oder es wird uns in den Highlights einfach nicht gezeigt... Also es gibt Gladbach Fans in Kommentarspalten, die den Platzverweis von Plea sogar klar kommen, wenn Timo Werner auch für sein Meckern bestraft werden würde. Da ich dieses Spiel nicht live gesehen habe, kann ich das ganz schlecht beurteilen. Ich halte Fans da für die schlechteste Quelle. Fakt ist: Auch Werner hat für seine Reaktion auf einen "schlechten Pfiff" eine Verwarnung gesehen. Er ist danach aber nicht zum Schiedsrichter gegangen um sich über diese Verwarnung zu beschweren.
Jedenfalls wird in dem Moment, wo so ein Star damit durchkommt, dieses eh schon vorhandene Gefühl, dass gewisse Leute bei gewissen Vereinen mit einem gewissen Standing halt mehr dürfen, als der kleinen Pissvereine weiter bestärkt. Und dann, aber nur dann, bricht das ganze Konstrukt zusammen. Solange sage ich nur: Weiter so. Und das dürfte ja die Meinung der Mehrheit sein...
Das einzige, worauf man sich derzeit neben der neuen Diskussionskultur über die Diskussionskultur noch verlassen kann... ist Werder Bremen. Also der "Wir haben uns dazu im Wintertrainingslager committed, und ich werde nicht der erste sein, der gegen dieses Committment verstößt." Zitat könnte auch genau so von Florian Kohfeldt kommen. Der sagt dagegen nur noch verwirrende Sachen. So irgendwas von "Ich bin ja auch Werder Fan und wäre als Werder Fan auch genervt vom Trainer, aber ich bin ja auch Trainer und habe deswegen nicht die Nerven mich damit zu beschäftigen sondern muss immer noch den Nerv der Mannschaft treffen... was ich tue." Oder so. Also wenn das mit der Trainerkarriere nichts wird, kann er immer noch ins Verbraucherschutzministerium gehen. So nach dem Motto "Als Verbraucher wäre ich auch unzufrieden und ich bin ja auch irgendwie Verbraucher aber hauptsächlich ist es halt meine Aufgabe die Industrie vor den Verbrauchern zu schützen..."
Jedenfalls wird ja alles, auch wenn es absurd erscheint, immer schlimmer. Also zum einen hilft es einem jetzt nicht mal, wenn das Kacktor für einen erzielt wird. Das war zum Rückrundenauftakt noch anders. Deutlicher ausgedrückt: Das letzte eigene Tor war das 1:0 von Milot Rashica... der hat sein Pulver ausgerechnet gegen die Bayern verschossen, obwohl da schon absehbar war, dass man eh noch 6 Gegentore kassiert. Vor allen Dingen war das am 14.12.2019. Also praktisch in einem anderen Jahrzehnt. Ok, Werder Fans werden sich an der Stelle einreden, dass ein neues Jahrzehnt ja erst 2021 beginnt. Aber das ist wie mit den Kids damals, die am 1.1.2000 noch Jungfrauen waren und sich einreden wollten, dass sie noch ein Jahr lang die Chance haben in 2 Jahrtausenden gefickt zu haben. Und ja, ungefähr auf dem Niveau bewegt sich Werder gerade...
Um das andere Problem zu verdeutlichten. Werder musste Davie Selke in die Startformation stellen, bevor sie den offiziell vorstellen konnten. Und daneben Nick Woltemade als jüngsten Werder-Debütanten aller Zeiten. Und während Augsburg mit Alfred Finnbogason den Matchwinner einwechseln konnten, blieben die Hoffnungsträger der Bremer in Form von Yuya Osako und Johannes Eggestein 90 Minuten lang auf der Bank. Denn die sind halt derzeit Hoffnungsträger als Annegret Kramp-Karrenbauer.
Also ja, wir haben den Punkt erreicht, an dem Augsburg mehr Qualität hat als Werder Bremen. Also auch Florian Niederlechner dürfte besser sein als Davie Selke, der irgendwie immer noch ein großes Versprechen für die Zukunft ist, welches nie eingelöst worden ist. Und wo der auch schon 25 ist, muss man nicht zwingend davon ausgehen, dass es noch eingelöst werden wird.
Aber hey, die Gute Nachricht für Werder: Wenn sie in den nächsten 1 1/2 Jahren absteigen, müssen sie die 15 Millionen Kaufoption nicht ziehen.
Hier ist meine Prognose für die Selke-Werder-Ehe: Die wird, wie alles derzeit, nach HSV Vorbild verlaufen: Selke hat 1 1/2 eher frustrierende Jahre in Bremen. Dann kommt der übernächste Trainer, der endlich Selkes Potenzial wach küssen will und Selke schießt als Einwechselspieler Werder in der Relegation zum Klassenerhalt. Dann liegt man sich kurz in den Armen, bis einem bewusst wird, dass man jetzt 15 Millionen, die man eigentlich nicht hat, in einen Spieler, der eigentlich höchstens 4 wert ist, investieren muss.
Während die Hertha mit ihrem Investor auf die 15 Millionen eigentlich scheißen könnte, sie aber in ein hoffnungsvolles Talent steckt, welches dann als Dank für ein halbes Jahr nach Bremen verliehen wird.
Also gerade wenn man sich anschaut wie die Konkurrenz gerade an Werder Bremen vorbei zieht. Obwohl Werder vor ein Paar Jahren noch auf Augenhöhe mit Gladbach war, ziehen jetzt Mannschaften wie Augsburg oder Berlin (gleich 2 Mal) oder Frankfurt an ihnen vorbei. Und man kann sich kaum noch vorstellen, wie Werder die wirkliche Aufbruchstimmung, die für einen Umschwung von Nöten wäre, erzeugen soll.
Ich muss zugeben: Das hat bei einem Verein, der mir persönlich unsympathisch war, wesentlich mehr Spaß gemacht. Aber gleiches Recht für alle... Also muss ich mich auch über Werders Niedergang lustig machen...
Ein Spieler sieht für eine entweder übertriebene oder unfassbar dumme Aktion in Richtung Schiedsrichter Gelb Rot.
Die Schiedsrichter weisen darauf hin, dass dies jetzt die neue Regelung ist.
Der DFB weist auf die Vorbildfunktion für die Kinder und Amateure hin.
Die Journalisten bestärken DFB und Schiedsrichter in ihren Ansichten.
Die Fans bestärken die Journalisten mit Umfrage-Ergebnissen, dass sie das wirklich nicht mehr sehen wollen.
Alle verweisen gemeinschaftlich darauf, dass es dieses Problem ausschließlich in der Bundesliga gibt und dass man sich lediglich dem internationalen Standard anpasst.
Fehlt eigentlich nur nur noch der Hinweis, dass sich die Spieler auf internationalem Parkett ja auch benehmen können und eigentlich nur dem Bundesliga Schiedsrichter genau so viel Respekt entgegen bringen müssen, wie dem Champions League Schiedsrichter...
Und dann gibt es die kleine Minderheit, die lauthals schreit: "ABER EMOTIONEN MÜSSEN DOCH ERLAUBT SEIN!"
Also ja, in der großen Maschinerie der Fußballindustrie gibt es nur einen sehr kleinen Teil, der sich gegen einen Respektvollen Umgang mit Schiedsrichtern im Alltag wehrt: Die deutschen Profis und ihre Trainer.
Premiere League Spieler würden sich, zumindest wenn man dem Ruf glauben schenkt, ich sehe ja relativ wenig europäischen Fußball, totlachen, wenn sie die derzeitige Debatte verstehen würden... Ihr beschwert euch worüber? Dass Abfällige Gesten gegenüber dem das Spiel leitenden Personal mit Verwarnungen geahndet werden? Dass die Verwarnungen dann auch zu Platzverweisen führen? Solltet ihr euch nicht eigentlich auf euer eigenes Werk konzentrieren?
Nebenbei: Stellt euch mal vor, ihr würdet auf Entscheidungen von Abteilungsleitern so reagieren, wie Fußballprofis. Oder wenn die Polizei euch ermahnt. Oder die Security auf der Party am Samstag Abend. Ihr werdet dann entweder entlassen, oder euch wird weh getan. Aber irgendwie gehen Fußballprofis immer noch davon aus, dass sie das selbstverständlich dürfen.
In der Bundesliga wird von den Spielern und Trainer als notwendig angesehen. Das geht halt nicht ohne. Da alle anderen (außer vielleicht die Fanlager der gerade betroffenen Mannschaften) gerade einen knallharten "Wir wollen das jetzt durchziehen" Kurs fahren (oder halt "Wir wollen, dass das durchgezogen wird"), dürften wir dieses Schauspiel noch einige Wochen erleben.
Inklusive der Wehklagen der Betroffenen. Oder im Falle von Julian Nagelsmann sogar der Profiteure. Der ist halt intelligent genug um mitzukriegen, dass ihn diese Strafe auch noch mal betreffen wird. Und dann klinkt sich David Wagner in die Debatte ein, obwohl er gar nicht beteiligt ist...
Das wirklich spannende ist: Wie lange wird es dauern, bis ein Lernprozess einsetzt? Also in erster Instanz im Diskurs hinterher. Weg vom "Man muss doch noch mal Emotionen zeigen können" hin zum "Wir müssen endlich verstehen, dass niemand mehr Bock auf jammernde und meckernde Millionäre hat." Ein "Die Regeln sind jetzt so, wir müssen uns daran gewöhnen."
Man hat sich ja auch daran gewöhnt, dass es für die Grätschen von hinten direkt Rot gibt, was auch nicht immer so war. Und im Gegensatz zu dem Handspielen musste hier keine Regel ständig geändert werden, man muss nur die vorhandenen Regeln endlich mal anwenden...
Und das geforderte "Fingerspitzengefühl"... also das faszinierende ist ja, dass Fußball die einzige Sportart ist, wo die Verantwortlichen der Vereine glauben, dass es so etwas wie Fingerspitzengefühl gibt. Dass man als Schiedsrichter, natürlich nur zum Vorteil für den eigenen Verein, auch mal die Regeln aussetzen kann... Auch wenn das Spiel genau genommen darunter leidet.
Jedenfalls zeigt sich das Fingerspitzengefühl ja derzeit erstaunlich konstant. Es fliegt jede Woche der eine, der es übertreibt vom Platz. Oder zumindest alle 2 Wochen... Das ist ja jetzt das eigentlich wichtige: Die Konstanz. Das ganze Konstrukt fällt in dem Moment zusammen, in dem sich ein beliebiger Bayern oder Dortmund Star so daneben benimmt wie Alassane Plea und damit durch kommt, bricht das gesamt System zusammen.
Oder es wird uns in den Highlights einfach nicht gezeigt... Also es gibt Gladbach Fans in Kommentarspalten, die den Platzverweis von Plea sogar klar kommen, wenn Timo Werner auch für sein Meckern bestraft werden würde. Da ich dieses Spiel nicht live gesehen habe, kann ich das ganz schlecht beurteilen. Ich halte Fans da für die schlechteste Quelle. Fakt ist: Auch Werner hat für seine Reaktion auf einen "schlechten Pfiff" eine Verwarnung gesehen. Er ist danach aber nicht zum Schiedsrichter gegangen um sich über diese Verwarnung zu beschweren.
Jedenfalls wird in dem Moment, wo so ein Star damit durchkommt, dieses eh schon vorhandene Gefühl, dass gewisse Leute bei gewissen Vereinen mit einem gewissen Standing halt mehr dürfen, als der kleinen Pissvereine weiter bestärkt. Und dann, aber nur dann, bricht das ganze Konstrukt zusammen. Solange sage ich nur: Weiter so. Und das dürfte ja die Meinung der Mehrheit sein...
Das einzige, worauf man sich derzeit neben der neuen Diskussionskultur über die Diskussionskultur noch verlassen kann... ist Werder Bremen. Also der "Wir haben uns dazu im Wintertrainingslager committed, und ich werde nicht der erste sein, der gegen dieses Committment verstößt." Zitat könnte auch genau so von Florian Kohfeldt kommen. Der sagt dagegen nur noch verwirrende Sachen. So irgendwas von "Ich bin ja auch Werder Fan und wäre als Werder Fan auch genervt vom Trainer, aber ich bin ja auch Trainer und habe deswegen nicht die Nerven mich damit zu beschäftigen sondern muss immer noch den Nerv der Mannschaft treffen... was ich tue." Oder so. Also wenn das mit der Trainerkarriere nichts wird, kann er immer noch ins Verbraucherschutzministerium gehen. So nach dem Motto "Als Verbraucher wäre ich auch unzufrieden und ich bin ja auch irgendwie Verbraucher aber hauptsächlich ist es halt meine Aufgabe die Industrie vor den Verbrauchern zu schützen..."
Jedenfalls wird ja alles, auch wenn es absurd erscheint, immer schlimmer. Also zum einen hilft es einem jetzt nicht mal, wenn das Kacktor für einen erzielt wird. Das war zum Rückrundenauftakt noch anders. Deutlicher ausgedrückt: Das letzte eigene Tor war das 1:0 von Milot Rashica... der hat sein Pulver ausgerechnet gegen die Bayern verschossen, obwohl da schon absehbar war, dass man eh noch 6 Gegentore kassiert. Vor allen Dingen war das am 14.12.2019. Also praktisch in einem anderen Jahrzehnt. Ok, Werder Fans werden sich an der Stelle einreden, dass ein neues Jahrzehnt ja erst 2021 beginnt. Aber das ist wie mit den Kids damals, die am 1.1.2000 noch Jungfrauen waren und sich einreden wollten, dass sie noch ein Jahr lang die Chance haben in 2 Jahrtausenden gefickt zu haben. Und ja, ungefähr auf dem Niveau bewegt sich Werder gerade...
Um das andere Problem zu verdeutlichten. Werder musste Davie Selke in die Startformation stellen, bevor sie den offiziell vorstellen konnten. Und daneben Nick Woltemade als jüngsten Werder-Debütanten aller Zeiten. Und während Augsburg mit Alfred Finnbogason den Matchwinner einwechseln konnten, blieben die Hoffnungsträger der Bremer in Form von Yuya Osako und Johannes Eggestein 90 Minuten lang auf der Bank. Denn die sind halt derzeit Hoffnungsträger als Annegret Kramp-Karrenbauer.
Also ja, wir haben den Punkt erreicht, an dem Augsburg mehr Qualität hat als Werder Bremen. Also auch Florian Niederlechner dürfte besser sein als Davie Selke, der irgendwie immer noch ein großes Versprechen für die Zukunft ist, welches nie eingelöst worden ist. Und wo der auch schon 25 ist, muss man nicht zwingend davon ausgehen, dass es noch eingelöst werden wird.
Aber hey, die Gute Nachricht für Werder: Wenn sie in den nächsten 1 1/2 Jahren absteigen, müssen sie die 15 Millionen Kaufoption nicht ziehen.
Hier ist meine Prognose für die Selke-Werder-Ehe: Die wird, wie alles derzeit, nach HSV Vorbild verlaufen: Selke hat 1 1/2 eher frustrierende Jahre in Bremen. Dann kommt der übernächste Trainer, der endlich Selkes Potenzial wach küssen will und Selke schießt als Einwechselspieler Werder in der Relegation zum Klassenerhalt. Dann liegt man sich kurz in den Armen, bis einem bewusst wird, dass man jetzt 15 Millionen, die man eigentlich nicht hat, in einen Spieler, der eigentlich höchstens 4 wert ist, investieren muss.
Während die Hertha mit ihrem Investor auf die 15 Millionen eigentlich scheißen könnte, sie aber in ein hoffnungsvolles Talent steckt, welches dann als Dank für ein halbes Jahr nach Bremen verliehen wird.
Also gerade wenn man sich anschaut wie die Konkurrenz gerade an Werder Bremen vorbei zieht. Obwohl Werder vor ein Paar Jahren noch auf Augenhöhe mit Gladbach war, ziehen jetzt Mannschaften wie Augsburg oder Berlin (gleich 2 Mal) oder Frankfurt an ihnen vorbei. Und man kann sich kaum noch vorstellen, wie Werder die wirkliche Aufbruchstimmung, die für einen Umschwung von Nöten wäre, erzeugen soll.
Ich muss zugeben: Das hat bei einem Verein, der mir persönlich unsympathisch war, wesentlich mehr Spaß gemacht. Aber gleiches Recht für alle... Also muss ich mich auch über Werders Niedergang lustig machen...
Donnerstag, 30. Januar 2020
Jürgen Klinsmann - Genie oder Schaumschläger?
Jürgen Klinsmann dürfte eine der faszinierendsten Persönlichkeiten im deutschen Fußball sein. Und er ist jemand, der die Lager spaltet.
Die einen sehen in ihm einen Visionär, der seiner Zeit voraus ist, die anderen wollen Leuten solchen Visionen lieber zum Arzt schicken.
Was auf jeden Fall nicht in Frage gestellt werden kann: Der Mann setzt Dinge in Bewegung. Ob die Richtung jetzt die Richtige ist, kann man halt schwer abschätzen. Aber allein schon was sich bei der Hertha tut, seit dem dort Trainer ist, ist genau genommen Wahnsinn.
Also wenn man sich mal damit auseinander setzt, wer im Winter alles zur Hertha kommen sollte... da vielen auf ein Mal Namen wie Granit Xhaka oder Dani Olmo. Wenn jemand im Juni gesagt hätte, dass Hertha um solche Spieler mitbietet...
Und klar, bekommen hat man sie nicht, aber allein schon, dass man sich mit solchen Spielern beschäftigt, beweist doch ein neues Selbstvertrauen und eine andere Wahrnehmung. Dazu wurde für Krzysztof Piatek und Lucas Tousart 2 neue Transferrekorde aufgestellt. Da tut sich definitiv was in Berlin.
Auch die Selbstverständlichkeit mit der Klinsmann vom Internationalen Geschäft redet, ist faszinierend. Der will in 2 Jahren mit der Hertha in die Champions League. Das ist mal ambitioniert. Und natürlich liegt das alles nicht nur an Klinsmann, sondern auch am Investor Lars Windhorst. Aber Klinsmann füllt die Absichten vom Investor mit Leben.
Die Kritiker kommen natürlich mit einem "Das kann doch alles gar nicht funktionieren!" um die Ecke. Und einem "Der Klinsmann war doch schon immer ein Spinner und hat nie was geleistet.
Nun ja. Also es stimmt schon. "Zuerst haben alle gedacht dieser Klinsmann spinnt, gesagt hat wir wollen das Turnier gewinnen." Aber am Ende war man nur einen simplen Pirlo Pass von einem erneuten Elfmeterschießen, welches man als Deutschland eh immer gewinnt, vom Finaleinzug entfernt.
Klinsmann, dass kann niemand leugnen, hat den Deutschen Fußball aus seiner finstersten Epoche geführt. Er hat die Nation schneller als erwartet wach geküßt. Denn 2006 hatte man noch nicht all die überragend Talente zur Verfügung, die einen wirklich brillanten Trainer brauchen, damit verhindert werden kann, dass man mehrere Titel holt.
Und natürlich hat die Deutsche Mannschaft damals ziemlich grausamen Fußball gespielt. Aber die wären halt für Klinsmann auch durchs Fegefeuer gegangen. Und sie sind weit über ihr eigentliches Leistungsvermögen gegangen.
Klinsmann lebte genau diese Überzeugung vor, aus der dann eine Euphoriewelle wurde. Das Charisma dafür hat er auf jeden Fall.
Dazu kommt halt, dass einige Dinge, die Klinsmann damals eingeführt hat, mittlerweile Standard sind. Also Athletiktrainer. Oder der Fakt, dass der Torwarttrainer nicht gleichzeitig in einem Verein angestellt sein sollte. Klinsi wurde für die Trainingsmethoden seiner Athletik-Experten zunächst ausgelacht, heute machen das alle so. Ganz so wahnsinnig sind die Visionen alle gar nicht.
Wenn man dann noch seine Arbeit als amerikanischer Nationaltrainer hinzuzieht. Und ja, Klinsi setzte den Auftakt in die WM Qualifikation 2017 in den Sand. Aber dass sich die Amis nicht für das Turnier qualifiziert haben, lag nur sehr bedingt an ihm. Denn am Ende fehlte gegen Trinidad und Tobago definitiv die nötige Überzeugung.
Vor allem leitete er davor eine recht erfolgreiche Phase der US Soccer Boys. Er führte die Mannschaft 2 Mal in die K.O. Phase der WM, was halt auch keine Selbstverständlichkeit ist. Dazu kommt eine Halbfinal-Teilnahme als Gast bei der Copa Libertadores gewann er den Gold Cup. Natürlich war 2017 ein deutlicher Abwärtstrend zu erkennen, aber seine Amtszeit war halt schon grundlegend erfolgreich.
Das ganz große Aber ist dann natürlich die Vereinsarbeit: Seine eine Station als Bundesliga-Trainer beim FC Bayern endete enttäuschend. Und sehr, sehr schnell. Am besten lässt sich das Chaos Klinsi bei den Bayern nicht mit den legendären Buddah Statuen erklären, sondern mit der Personalie Landon Donovan. Der hatte bei den Bayern nichts verloren, Klinsi wollte ihn aber trotzdem unbedingt haben.
Aber hier ist das ganz große Problem: Wir haben nur die Amtszeit bei den Bayern um seine Arbeit zu bewerten. Und nur weil man dort nicht funktioniert hat, muss man nicht zwingend ein schlechter Trainer sein. Carlo Ancelotti und Niko Kovac sind zum Beispiel bestimmt auch keine schlechten Trainer, obwohl auch sie bei den Bayern letztendlich gescheitert sind. Nur weil man nicht gut genug für die Bayern ist, muss man nicht grundlegend schlecht sein. Ein Kovac ist immer noch einer der interessantesten jungen Trainer im Geschäft.
Da ist natürlich auch Klinsmann selber Schuld dran, denn ihn reizen halt nur gewisse, ausgewählte Projekte. Sein Ansprüche um sich überhaupt mit Anfragen zu beschäftigen sind verdammt hoch. Und seine Forderungen an die Vereine sind dann auch beachtlich. Da steht er sich auch ein Stück weit selbst im Weg.
Aber wenn man jetzt die neuen Möglichkeiten der Hertha unter Windhorts sieht, könnte Klinsmann genau der Mann sein, den die Hertha jetzt braucht. Als Emotionaler Entwicklungshelfer. Als Gesicht des neuen Aufbruchs. Und mit genügend Fachkompetenz im Trainerteam um seine taktischen Schwächen zu kaschieren. Denn die sind definitiv vorhanden.
Um mal einen ganz krassen Vergleich zu bringen: Vielleicht ist Klinsmann einfach die emotionale Version von Lucien Favre: Also ein Trainer, der deinen Verein aufs nächste Level hebt und zu einer Spitzenmannschaft formen kann, der aber als Trainer echter Spitzenmannschaften an seine Grenzen stößt.
Genau das macht die Konstellation in Berlin ja so spannend: Wenn Klinsmann hier genau so euphorisierend wirkt, wie damals im Sommer 2006, werden die extrem hohen Ziele vielleicht verfehlt werden, aber es wird eine deutliche Entwicklung wahrnehmbar sein. Dass man weg von dem "Graue Maus mit gelegentlichem Abstiegsängsten" Status kommt. Dass man wirklich mit einer gewissen Regelmäßigkeit ins Internationale Geschäft einzieht.
Oder aber Klinsmann ist wirklich nur wie eine Harte Droge, die am besten für kurze Rauschtrips und Festivals geeignet ist, aber bei ständiger Nutzung zu völlig abgewrackten Opfern führt.
Aber genau genommen sind das die einzigen beiden Varianten, dazwischen gibt es wenig Spielraum. Und es ist praktisch unmöglich vorherzusagen, wie die Entwicklung ausgehen wird.
Die einen sehen in ihm einen Visionär, der seiner Zeit voraus ist, die anderen wollen Leuten solchen Visionen lieber zum Arzt schicken.
Was auf jeden Fall nicht in Frage gestellt werden kann: Der Mann setzt Dinge in Bewegung. Ob die Richtung jetzt die Richtige ist, kann man halt schwer abschätzen. Aber allein schon was sich bei der Hertha tut, seit dem dort Trainer ist, ist genau genommen Wahnsinn.
Also wenn man sich mal damit auseinander setzt, wer im Winter alles zur Hertha kommen sollte... da vielen auf ein Mal Namen wie Granit Xhaka oder Dani Olmo. Wenn jemand im Juni gesagt hätte, dass Hertha um solche Spieler mitbietet...
Und klar, bekommen hat man sie nicht, aber allein schon, dass man sich mit solchen Spielern beschäftigt, beweist doch ein neues Selbstvertrauen und eine andere Wahrnehmung. Dazu wurde für Krzysztof Piatek und Lucas Tousart 2 neue Transferrekorde aufgestellt. Da tut sich definitiv was in Berlin.
Auch die Selbstverständlichkeit mit der Klinsmann vom Internationalen Geschäft redet, ist faszinierend. Der will in 2 Jahren mit der Hertha in die Champions League. Das ist mal ambitioniert. Und natürlich liegt das alles nicht nur an Klinsmann, sondern auch am Investor Lars Windhorst. Aber Klinsmann füllt die Absichten vom Investor mit Leben.
Die Kritiker kommen natürlich mit einem "Das kann doch alles gar nicht funktionieren!" um die Ecke. Und einem "Der Klinsmann war doch schon immer ein Spinner und hat nie was geleistet.
Nun ja. Also es stimmt schon. "Zuerst haben alle gedacht dieser Klinsmann spinnt, gesagt hat wir wollen das Turnier gewinnen." Aber am Ende war man nur einen simplen Pirlo Pass von einem erneuten Elfmeterschießen, welches man als Deutschland eh immer gewinnt, vom Finaleinzug entfernt.
Klinsmann, dass kann niemand leugnen, hat den Deutschen Fußball aus seiner finstersten Epoche geführt. Er hat die Nation schneller als erwartet wach geküßt. Denn 2006 hatte man noch nicht all die überragend Talente zur Verfügung, die einen wirklich brillanten Trainer brauchen, damit verhindert werden kann, dass man mehrere Titel holt.
Und natürlich hat die Deutsche Mannschaft damals ziemlich grausamen Fußball gespielt. Aber die wären halt für Klinsmann auch durchs Fegefeuer gegangen. Und sie sind weit über ihr eigentliches Leistungsvermögen gegangen.
Klinsmann lebte genau diese Überzeugung vor, aus der dann eine Euphoriewelle wurde. Das Charisma dafür hat er auf jeden Fall.
Dazu kommt halt, dass einige Dinge, die Klinsmann damals eingeführt hat, mittlerweile Standard sind. Also Athletiktrainer. Oder der Fakt, dass der Torwarttrainer nicht gleichzeitig in einem Verein angestellt sein sollte. Klinsi wurde für die Trainingsmethoden seiner Athletik-Experten zunächst ausgelacht, heute machen das alle so. Ganz so wahnsinnig sind die Visionen alle gar nicht.
Wenn man dann noch seine Arbeit als amerikanischer Nationaltrainer hinzuzieht. Und ja, Klinsi setzte den Auftakt in die WM Qualifikation 2017 in den Sand. Aber dass sich die Amis nicht für das Turnier qualifiziert haben, lag nur sehr bedingt an ihm. Denn am Ende fehlte gegen Trinidad und Tobago definitiv die nötige Überzeugung.
Vor allem leitete er davor eine recht erfolgreiche Phase der US Soccer Boys. Er führte die Mannschaft 2 Mal in die K.O. Phase der WM, was halt auch keine Selbstverständlichkeit ist. Dazu kommt eine Halbfinal-Teilnahme als Gast bei der Copa Libertadores gewann er den Gold Cup. Natürlich war 2017 ein deutlicher Abwärtstrend zu erkennen, aber seine Amtszeit war halt schon grundlegend erfolgreich.
Das ganz große Aber ist dann natürlich die Vereinsarbeit: Seine eine Station als Bundesliga-Trainer beim FC Bayern endete enttäuschend. Und sehr, sehr schnell. Am besten lässt sich das Chaos Klinsi bei den Bayern nicht mit den legendären Buddah Statuen erklären, sondern mit der Personalie Landon Donovan. Der hatte bei den Bayern nichts verloren, Klinsi wollte ihn aber trotzdem unbedingt haben.
Aber hier ist das ganz große Problem: Wir haben nur die Amtszeit bei den Bayern um seine Arbeit zu bewerten. Und nur weil man dort nicht funktioniert hat, muss man nicht zwingend ein schlechter Trainer sein. Carlo Ancelotti und Niko Kovac sind zum Beispiel bestimmt auch keine schlechten Trainer, obwohl auch sie bei den Bayern letztendlich gescheitert sind. Nur weil man nicht gut genug für die Bayern ist, muss man nicht grundlegend schlecht sein. Ein Kovac ist immer noch einer der interessantesten jungen Trainer im Geschäft.
Da ist natürlich auch Klinsmann selber Schuld dran, denn ihn reizen halt nur gewisse, ausgewählte Projekte. Sein Ansprüche um sich überhaupt mit Anfragen zu beschäftigen sind verdammt hoch. Und seine Forderungen an die Vereine sind dann auch beachtlich. Da steht er sich auch ein Stück weit selbst im Weg.
Aber wenn man jetzt die neuen Möglichkeiten der Hertha unter Windhorts sieht, könnte Klinsmann genau der Mann sein, den die Hertha jetzt braucht. Als Emotionaler Entwicklungshelfer. Als Gesicht des neuen Aufbruchs. Und mit genügend Fachkompetenz im Trainerteam um seine taktischen Schwächen zu kaschieren. Denn die sind definitiv vorhanden.
Um mal einen ganz krassen Vergleich zu bringen: Vielleicht ist Klinsmann einfach die emotionale Version von Lucien Favre: Also ein Trainer, der deinen Verein aufs nächste Level hebt und zu einer Spitzenmannschaft formen kann, der aber als Trainer echter Spitzenmannschaften an seine Grenzen stößt.
Genau das macht die Konstellation in Berlin ja so spannend: Wenn Klinsmann hier genau so euphorisierend wirkt, wie damals im Sommer 2006, werden die extrem hohen Ziele vielleicht verfehlt werden, aber es wird eine deutliche Entwicklung wahrnehmbar sein. Dass man weg von dem "Graue Maus mit gelegentlichem Abstiegsängsten" Status kommt. Dass man wirklich mit einer gewissen Regelmäßigkeit ins Internationale Geschäft einzieht.
Oder aber Klinsmann ist wirklich nur wie eine Harte Droge, die am besten für kurze Rauschtrips und Festivals geeignet ist, aber bei ständiger Nutzung zu völlig abgewrackten Opfern führt.
Aber genau genommen sind das die einzigen beiden Varianten, dazwischen gibt es wenig Spielraum. Und es ist praktisch unmöglich vorherzusagen, wie die Entwicklung ausgehen wird.
Dienstag, 28. Januar 2020
Der Rattenschwanz mit Kevin Vogts Gehirn
Oder: Warum mache ich mir so viele Gedanken über die Gesundheit anderer...
Und natürlich bin ich da auch nicht der einzige. Florian Kohfeldt gab bei der Pressekonferenz vorher bekannt, dass man höchste Vorsicht hat walten lassen hat, weil es halt "etwas ganz anderes ist als bei einer Muskelverletzung."Kevin Vogt hat alle Test erfolgreich absolviert und ist deswegen aufgelaufen.
Auch wenn meine Bildung zu dem Thema natürlich nur aus dem Internet kommt, ist sich das ziemlich einig: 8 bis 10 Tage reichen definitiv nicht aus. Die Rückkehr in den Sport sollte "im Rahmen eines interdisziplinär überwachten Prozesses mit schrittweiser Steigerung der körperlichen und geistigen Belastung" passieren. Denn die das Hirn schützende Flüssigkeit braucht Wochen um sich angemessen zu regenerieren. Empfohlen wird mit Nordic Walking einzusteigen. Ein Fußballspiel auf Bundesliganiveau dürfte das krasse Gegenteil von Nordic Walking sein.
Anders ausgedrückt: Wenn man einen Hirnexperten dazu fragt, ob Vogt nach der Nummer vom letzten Spieltag mit 2 heftigen Schlägen gegen den Kopf, wieder spielen kann, dürfte die Ferndiagnose mit einem "Nein" anfangen.
Aber das ganze ist halt ein Riesenproblem, welches mehr als eine Ebene hat. Denn es ist auf nicht so, dass ich unbedingt auf der Medizinischen Abteilung von Werder Bremen zumhacken will. Die haben ja so schon genug mit ihrem Lazarett zu tun.
Eine durchaus mögliche Variante ist ja auch, dass Kevin Vogt trotz der Warnungen der Ärzte gesagt hat: Ich bin ein richtiger Mann, ich kann spielen. Auch wenn die Ärzte mir davon abraten, die Tests sagen ja, dass es nicht so schlimm ist. Die Mannschaft braucht mich halt. Und wer lässt sich schon wegen einer Gehirnerschütterung wochenlang krank schreiben. Das geht schon.
Dieses "Ertrag es wie ein Mann, auch wenn es unvernünftig ist" prägt halt immer noch unsere Betrachtung von Profisportlern. Das belegt ja auch irgendwie die Berichtserstattung: Zumindest bin ich auf niemanden getroffen, der die Entscheidung zu spielen hinterfragt hat. Und wenn die Ärzte ihn gesund geschrieben haben... die werden schon wissen, was sie tun.
Wirklich? Also wir reden hier schon von Teamärzten. Das ist euch bewusst, oder? Und Profisport ist halt ein Millionengeschäft, da steht man schon gehörig unter Druck. In den meisten Fällen geht es nicht darum Spieler gesund zu pflegen, sondern sie wieder fit zu bekommen.
Nur so als krasses Beispiel: Pep Guardiola hat damals Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt vorgeworfen, dass es (Zitat des Arztes) nicht sein kann, "dass die Verletzungen bei uns sechs Wochen dauerten und in Spanien nur 14 Tage." Also ja, Guardiola ging die Genesung nicht schnell genug. Und es ging nie darum die Spieler wieder gesund werden zu lassen.
Aber das ganze wird ja auch teilweise von den Spielern forciert. Also gerade wäre es den Bayern eigentlich lieber, wenn ein Niklas Süle seinen Kreuzbandriss halbwegs ordentlich auskuriert und erst zur neuen Saison wieder einsteigen würde. Süle hat sich selber aber das ehrgeizige Ziel "Europameisterschaft" gesetzt und arbeitet hart daran, dass er dafür rechtzeitig wieder fit wird. Ob es vernünftiger wäre dem Knie mehr Ruhe zu gönnen, können wir alle nicht abschätzen.
Solche Geschichten sind ja nichts ungewöhnliches. Und wenn man als Fußballprofi in seinem Leben vielleicht 2 Europameisterschaften spielt, ist es auch nachvollziehbar. Dazu kann es einem ja passieren, dass man in der Nationalmannschaft von einem Inkompetenten Trainer betreut wird, was die eh schon raren Chancen so einen Titel zu holen weiter schmälert. Da muss man jede Gelegenheit mitnehmen.
Genau so wie es nachvollziehbar ist, wenn Verein, medizinische Abteilung und Spieler alles versuchen um bei den Saisonhöhepunkten wie einem Champions League Halbfinale auf dem Platz zu stehen. Aber zu glauben, dass da immer die medizinische Vernunft waltet, halte ich für naiv.
Und solange es nur um Knochen und Bänder geht, bekommt man ja auch entsprechendes Schmerzensgeld. Aber überlegt euch einfach mal, wie viele Profis am Ende ihrer Karriere feststellen: Für ein bisschen Golf spielen reicht es noch gerade so, aber richtiges Bewegen ist nicht mehr drin. Und dann muss man sich mit Ende 30 mit künstlichen Hüftgelenken auseinander setzen...
Leistungssport ist halt Raubbau am Körper. Immer gewesen. Dies ist allen bewusst. Auch den Ärzten, die diesen Raubbau medizinisch überwachen.
Und dann landet man noch bei dem ganz hässlichen Thema, über das im Fußball keiner reden will. Zusammengefasst in dem Fakt, dass die Spieler des SC Freiburgs auf der Gästeliste der berühmten Freiburger Universität standen. Also den Ärzten, die unsere Radprofis mehr als gut versorgt haben. Und die für Flächendeckendes Doping stehen.
Nun gilt natürlich die Unschuldsvermutung, die in Kombination mit dem Fakt, dass wir uns einfach nicht für Doping im Fußball interessieren, dazu führt, dass der Fußball sauber ist und ewig sauber bleibt.
Aber wenn man den Fokus mal etwas weiter stellt... und da reicht ja der "Dopingskandal" von Juventus Turin. Man muss ja nicht zwingend zum Staatsdoping der Russen oder damals in der DDR ausholen... Dann fällt einem vor allem eines auf: Die Mannschaftsärzte waren da immer involviert. Sie waren elementar wichtig um die nicht immer zwingend gesunden Hilfsmittel zu verabreichen und deren Einnahme zu kontrollieren. Damit auch ja nur die nicht nachweisbare Dosis genommen wurde. Und beim Doping wurden auch immer wieder Dinge forciert, die ziemlich ungesund waren.
Aber wir reden uns ja fleißig ein, dass unsere Ärzte moralisch integrer wäre als die der Russen oder damals in der Zone. Die sind von einem ideologischen System dazu getrieben worden, bei uns geht es ja nur ums Geld scheffeln... oder so.
Gut, dass es auch genügend Amerikanische Ärzte im Dopingsumpf gibt, könnte dieses Argument widerlegen. Aber wir Deutschen sind ja nicht so. Das sind immer die andern.
Es gibt halt so viele Teamärzte, die für an moralisch fragwürdigen Aktionen im Namen des Erfolges teilgenommen haben, dass mein Vertrauen in die nur bedingt vorhanden ist. Sportler wirklich gesund zu pflegen steht auf deren Prioritätenliste in den wenigsten Fällen ganz oben.
Nur um das nochmal zu verdeutlichen: Es gibt gute Gründe, warum die NFL als erste Sportliga bei Kopfverletzungen auf neutrale Neurologen setzt. Die haben eingesehen, dass das genau die Stelle ist, bei der man die Verantwortung für die Gesundheit der Spieler nicht den Teamärzten überlassen kann.
Der Umgang mit Kevin Vogt bringt mich irgendwie zu der Frage, ob sich die DFL nicht auch den einen oder anderen neutralen Neurologen leisten sollte. Denn Kopfverletzungen im Fußball sind definitiv auf dem Vormarsch. Und es ist allgemein nichts ungewöhnliches, wenn ein Spieler 8 Tage danach wieder Gesund geschrieben wird.
Nur um das mal festzuhalten: Als Mitch Langerak damals Robert Lewandowski "krankenhaus reif geprügelt hat", spielte der Bayern Angreifer ebenfalls 8 Tage später wieder... Weil halt ein Champions League Halbfinale auf dem Spielplan stand. Da steckt alles drin, was man braucht: ein Saisonhöhepunkt jagt den nächsten, Pep Guardiola als chronisch ungeduldiger Trainer, ein ehrgeiziger Angreifer, der immer spielen will und Müller-Wohlfahrt als Stimmer der Vernunft war da gerade seit ein paar Wochen zurückgetreten.
Glaubt da wirklich jemand, dass es medizinisch vernünftig war Lewandowski auflaufen zu lassen? Gemacht wurde es trotzdem...
Und natürlich bin ich da auch nicht der einzige. Florian Kohfeldt gab bei der Pressekonferenz vorher bekannt, dass man höchste Vorsicht hat walten lassen hat, weil es halt "etwas ganz anderes ist als bei einer Muskelverletzung."Kevin Vogt hat alle Test erfolgreich absolviert und ist deswegen aufgelaufen.
Auch wenn meine Bildung zu dem Thema natürlich nur aus dem Internet kommt, ist sich das ziemlich einig: 8 bis 10 Tage reichen definitiv nicht aus. Die Rückkehr in den Sport sollte "im Rahmen eines interdisziplinär überwachten Prozesses mit schrittweiser Steigerung der körperlichen und geistigen Belastung" passieren. Denn die das Hirn schützende Flüssigkeit braucht Wochen um sich angemessen zu regenerieren. Empfohlen wird mit Nordic Walking einzusteigen. Ein Fußballspiel auf Bundesliganiveau dürfte das krasse Gegenteil von Nordic Walking sein.
Anders ausgedrückt: Wenn man einen Hirnexperten dazu fragt, ob Vogt nach der Nummer vom letzten Spieltag mit 2 heftigen Schlägen gegen den Kopf, wieder spielen kann, dürfte die Ferndiagnose mit einem "Nein" anfangen.
Aber das ganze ist halt ein Riesenproblem, welches mehr als eine Ebene hat. Denn es ist auf nicht so, dass ich unbedingt auf der Medizinischen Abteilung von Werder Bremen zumhacken will. Die haben ja so schon genug mit ihrem Lazarett zu tun.
Eine durchaus mögliche Variante ist ja auch, dass Kevin Vogt trotz der Warnungen der Ärzte gesagt hat: Ich bin ein richtiger Mann, ich kann spielen. Auch wenn die Ärzte mir davon abraten, die Tests sagen ja, dass es nicht so schlimm ist. Die Mannschaft braucht mich halt. Und wer lässt sich schon wegen einer Gehirnerschütterung wochenlang krank schreiben. Das geht schon.
Dieses "Ertrag es wie ein Mann, auch wenn es unvernünftig ist" prägt halt immer noch unsere Betrachtung von Profisportlern. Das belegt ja auch irgendwie die Berichtserstattung: Zumindest bin ich auf niemanden getroffen, der die Entscheidung zu spielen hinterfragt hat. Und wenn die Ärzte ihn gesund geschrieben haben... die werden schon wissen, was sie tun.
Wirklich? Also wir reden hier schon von Teamärzten. Das ist euch bewusst, oder? Und Profisport ist halt ein Millionengeschäft, da steht man schon gehörig unter Druck. In den meisten Fällen geht es nicht darum Spieler gesund zu pflegen, sondern sie wieder fit zu bekommen.
Nur so als krasses Beispiel: Pep Guardiola hat damals Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt vorgeworfen, dass es (Zitat des Arztes) nicht sein kann, "dass die Verletzungen bei uns sechs Wochen dauerten und in Spanien nur 14 Tage." Also ja, Guardiola ging die Genesung nicht schnell genug. Und es ging nie darum die Spieler wieder gesund werden zu lassen.
Aber das ganze wird ja auch teilweise von den Spielern forciert. Also gerade wäre es den Bayern eigentlich lieber, wenn ein Niklas Süle seinen Kreuzbandriss halbwegs ordentlich auskuriert und erst zur neuen Saison wieder einsteigen würde. Süle hat sich selber aber das ehrgeizige Ziel "Europameisterschaft" gesetzt und arbeitet hart daran, dass er dafür rechtzeitig wieder fit wird. Ob es vernünftiger wäre dem Knie mehr Ruhe zu gönnen, können wir alle nicht abschätzen.
Solche Geschichten sind ja nichts ungewöhnliches. Und wenn man als Fußballprofi in seinem Leben vielleicht 2 Europameisterschaften spielt, ist es auch nachvollziehbar. Dazu kann es einem ja passieren, dass man in der Nationalmannschaft von einem Inkompetenten Trainer betreut wird, was die eh schon raren Chancen so einen Titel zu holen weiter schmälert. Da muss man jede Gelegenheit mitnehmen.
Genau so wie es nachvollziehbar ist, wenn Verein, medizinische Abteilung und Spieler alles versuchen um bei den Saisonhöhepunkten wie einem Champions League Halbfinale auf dem Platz zu stehen. Aber zu glauben, dass da immer die medizinische Vernunft waltet, halte ich für naiv.
Und solange es nur um Knochen und Bänder geht, bekommt man ja auch entsprechendes Schmerzensgeld. Aber überlegt euch einfach mal, wie viele Profis am Ende ihrer Karriere feststellen: Für ein bisschen Golf spielen reicht es noch gerade so, aber richtiges Bewegen ist nicht mehr drin. Und dann muss man sich mit Ende 30 mit künstlichen Hüftgelenken auseinander setzen...
Leistungssport ist halt Raubbau am Körper. Immer gewesen. Dies ist allen bewusst. Auch den Ärzten, die diesen Raubbau medizinisch überwachen.
Und dann landet man noch bei dem ganz hässlichen Thema, über das im Fußball keiner reden will. Zusammengefasst in dem Fakt, dass die Spieler des SC Freiburgs auf der Gästeliste der berühmten Freiburger Universität standen. Also den Ärzten, die unsere Radprofis mehr als gut versorgt haben. Und die für Flächendeckendes Doping stehen.
Nun gilt natürlich die Unschuldsvermutung, die in Kombination mit dem Fakt, dass wir uns einfach nicht für Doping im Fußball interessieren, dazu führt, dass der Fußball sauber ist und ewig sauber bleibt.
Aber wenn man den Fokus mal etwas weiter stellt... und da reicht ja der "Dopingskandal" von Juventus Turin. Man muss ja nicht zwingend zum Staatsdoping der Russen oder damals in der DDR ausholen... Dann fällt einem vor allem eines auf: Die Mannschaftsärzte waren da immer involviert. Sie waren elementar wichtig um die nicht immer zwingend gesunden Hilfsmittel zu verabreichen und deren Einnahme zu kontrollieren. Damit auch ja nur die nicht nachweisbare Dosis genommen wurde. Und beim Doping wurden auch immer wieder Dinge forciert, die ziemlich ungesund waren.
Aber wir reden uns ja fleißig ein, dass unsere Ärzte moralisch integrer wäre als die der Russen oder damals in der Zone. Die sind von einem ideologischen System dazu getrieben worden, bei uns geht es ja nur ums Geld scheffeln... oder so.
Gut, dass es auch genügend Amerikanische Ärzte im Dopingsumpf gibt, könnte dieses Argument widerlegen. Aber wir Deutschen sind ja nicht so. Das sind immer die andern.
Es gibt halt so viele Teamärzte, die für an moralisch fragwürdigen Aktionen im Namen des Erfolges teilgenommen haben, dass mein Vertrauen in die nur bedingt vorhanden ist. Sportler wirklich gesund zu pflegen steht auf deren Prioritätenliste in den wenigsten Fällen ganz oben.
Nur um das nochmal zu verdeutlichen: Es gibt gute Gründe, warum die NFL als erste Sportliga bei Kopfverletzungen auf neutrale Neurologen setzt. Die haben eingesehen, dass das genau die Stelle ist, bei der man die Verantwortung für die Gesundheit der Spieler nicht den Teamärzten überlassen kann.
Der Umgang mit Kevin Vogt bringt mich irgendwie zu der Frage, ob sich die DFL nicht auch den einen oder anderen neutralen Neurologen leisten sollte. Denn Kopfverletzungen im Fußball sind definitiv auf dem Vormarsch. Und es ist allgemein nichts ungewöhnliches, wenn ein Spieler 8 Tage danach wieder Gesund geschrieben wird.
Nur um das mal festzuhalten: Als Mitch Langerak damals Robert Lewandowski "krankenhaus reif geprügelt hat", spielte der Bayern Angreifer ebenfalls 8 Tage später wieder... Weil halt ein Champions League Halbfinale auf dem Spielplan stand. Da steckt alles drin, was man braucht: ein Saisonhöhepunkt jagt den nächsten, Pep Guardiola als chronisch ungeduldiger Trainer, ein ehrgeiziger Angreifer, der immer spielen will und Müller-Wohlfahrt als Stimmer der Vernunft war da gerade seit ein paar Wochen zurückgetreten.
Glaubt da wirklich jemand, dass es medizinisch vernünftig war Lewandowski auflaufen zu lassen? Gemacht wurde es trotzdem...
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