Dienstag, 30. April 2024

Uli Hoeneß, der Ewige König der Vollidioten.

Er war ein brillanter Manager. Das muss immer festgehalten werden. Aber mittlerweile ist das auch nur noch ein seniler alter Mann, der seine Macht nicht loslassen kann... und deswegen die Arbeit seiner eigentlichen Nachfolger sabotiert. Ich bin natürlich voll dafür, dass er seine "Meinung wieder deutlicher machen" will, schließlich dürfte das den Bayern eher Schaden als helfen.

Lasst uns mal wieder eines festhalten: Dem angeblichen "Vater des Vereins" geht es nicht um Geborgenheit, sondern nur und ausschließlich um Titel. Wenn diese Titel nicht geholt werden, ist Papa persönlich beleidigt und verliert jeden Bezug zur Realität. Der einzige Trainer, der eine titellose Saison überlebt, ist Jupp Heynckes... Und bei der Beurteilung der Arbeit lässt er jegliche Sachlichkeit vermissen.

Wir müssen hier nochmal eines festhalten: Thomas Tuchel hat in der Bundesliga mehr Punkte geholt, als in der letzten Saison zum selben Zeitpunkt. Und natürlich ist die Mannschaft etwas eingebrochen, als die Meisterschaft aus dem Blickfeld entschwand, aber nach 11 Meisterschaften infolge könnte ein Vater für so etwas doch etwas Verständnis entwickeln.
Vor allem war Tuchels Punkteausbeute, als die Trennung angekündigt wurde, besser als die eines gewissen Pep Guardiola. Nur leider spielt Bayer Leverkusen aber eine überragende Saison. Die sind so gut, dass selbst die Bestleistungen der Bayern nicht ausgereicht haben, um sich souverän Platz 1 zu sichern.
Aber in Hoeneß beschränkte Wahrnehmung passt es einfach nicht, dass andere auch mal überragende Arbeit leisten. Ihm fehlt es einfach an menschlicher Größe, um so etwas zuzugeben. Also muss der Trainer Schuld sein. Juan Bernat war anscheinend nicht erreichbar.

Dann führt dieser Trainer, mit dem Hoeneß schon abgeschlossen hat, die Bayern aber ins Halbfinale der Champions League. Plötzlich wird die Frage gestellt, ob Tuchel nicht doch bleiben soll. Hoeneß stellt ganz elegant sicher, dass dies ausgeschlossen ist. Denn ein "in seiner Trainerehre" gekränkter Tuchel wird auf keinen Fall bleiben.

Und die Kritik von Hoeneß ist halt so was von realitätsfern. Sie beweist nur, dass das eigentliche Problem mittlerweile Hoeneß heißt. Tuchel macht die jungen Spieler nicht besser? What the fuck?

Aleksandar Pavlovic hat sich in den Dunstkreis des EM Kaders gespielt. Des deutschen EM Kaders. Mag sein, dass das ein Anfall von Panik war, weil Julian Nagelsmann verhindern wollte, dass der Deutsch-Serbe sich für das Land seines Vaters entscheidet. Aber dass Pavlovic da jetzt schon auf dem Radar gelandet ist, liegt auch an Tuchel.
Mathys Tel hat sich zu einem Joker entwickelt, den man auf jedem Niveau reinwerfen kann. Also auch bei den anstehenden Champions League Spielen gegen Real Madrid. Die ersten Tore in diesem Wettbewerb erzielte er unter Tuchel.
Beide Spieler sind nebenbei zarte 19 Jahre. Ist Pavlovic gerade in seinem ersten kleineren Tief? Sicher. Fehlt Tel noch einiges, um eine Option über 90 Minuten zu sein? Bestimmt. Aber beide sind für ihr Alter in einer wunderbaren Position. Ich sage jetzt mal etwas ganz Dreistes: Ich bezweifle, dass ein 19-jähriger Florian Wirtz beim Rekordmeister eine wichtigere Rolle übernommen hätte. Gut, der kam da gerade von einem Kreuzbandriss zurück, da ist es leicht, so was zu behaupten.
Nebenbei hat Tuchel auch einen Thomas Müller weiterentwickelt. Also genau genommen hat Jamaal Musiala den entscheidenden Schritt gemacht, weshalb niemand mehr fragt, warum Müller in wichtigen Spielen nicht in der Startelf steht. Ist das sonst jemanden aufgefallen? Das war gegen Arsenal gar kein Thema mehr, vor 12 Monaten war es noch ein riesiger Punkt. Aber Müller nimmt auch zum ersten Mal in seiner Karriere die Rolle als Mentor und Ergänzungsspieler an, obwohl er vorher noch nie bewiesen hat, dass er einer Mannschaft von der Bank aus weiterhelfen kann.
Dazu kommt nebenbei das Bundesligadebüt von Lovro Zvonarek. Wenn die Bayern mit 5 Punkten Vorsprung an der Spitze thronen würden, wären alle zu 100 % mit der Entwicklung dieser Spieler zufrieden.

Dann, um endgültig die eigene Verwirrung nachzuweisen, lobt Hoeneß den Charakter von Xabi Alonso, weil der sich auf seine Aufgabe in Leverkusen fokussiert und sich nicht von den Bayern kaufen lässt. Während die Bayern letztens Julian Nagelsmann gekauft haben. Und mit einem ebenfalls mit gültigem Vertrag ausgestatteten Ralf Rangnick verhandeln. Wenn man den Xabi Alonsos Ansatz an diejenigen anwendet, haben die sich selbst disqualifiziert. Und die Bayern haben überhaupt nur angefragt, um eine Absage zu bekommen und den  Charakter zu testen.

Dass ein Harry Kane nebenbei sanften Druck auf seinen Ex-Verein ausgeübt hat, damit er zu den Bayern kommen kann... wie das 80 % aller Spieler im Kader des Rekordmeisters gemacht haben... ist auch was anderes.
Oder nehmen wir Max Eberl, der so ein wenig die Lust auf RB Leipzig zu verlieren schien, als die Bayern auf der Suche nach einem Sportvorstand waren...
Es ist einfach nur verwirrend, dass Hoeneß hier Charakterzüge lobt, die ihm anscheinend sonst total egal waren.

Aber hey, vielleicht beweist Rangnick ja auch Charakter und sagt offen, dass er wegen Hoeneß absagt. Wäre spannend, wie Hoeneß reagiert. Andererseits ist es Rangnicks letzte Chance, einmal deutscher Meister zu werden.

Man muss nebenbei auch mal festhalten, wie abgefuckt die Trainersuche bei den Bayern ist. Die wurden gerade 11 Mal in Serie Meister. Die Mannschaft ist immer noch so gut aufgestellt, dass sie nächste Saison der haushohe Favorit ist. Man hat gerade eine der (wieder) aufstrebenden englischen Spitzenteams geschlagen. Man hat nachgewiesen, dass man durchaus noch ins Halbfinale der Champions League kommen kann. Auch wenn ich persönlich nicht damit gerechnet habe.

Theoretisch ist das ein absoluter Traumjob. Im schlechtesten Verlauf poliert man seinen Lebenslauf mit 2-3 nationalen Titeln auf und zieht dann weiter. Im Idealfall hat man die Meisterschaft schon im März eingetütet und kann sich voll und ganz auf das europäische Geschäft konzentrieren.
Das könnte nebenbei ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil sein. Also Bayern, Real und Paris haben ihre nationalen Ziele schon abgeschrieben und konnten sich schon im Viertelfinale voll auf Arsenal und Man City konzentrieren, die dagegen zwischendurch entscheidende Ligaspiele auf dem Reiseplan hatten.

Es sollte eigentlich wenig begehrtere Jobs geben. Da sollte es eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit sein, dass der "dritte Kandidat" überhaupt angefragt werden muss. Die Bayern haben jetzt schon Absagen von Alonso, Nagelsmann und Unai Emery. All die beschäftigen sich lieber mit anderen, spannenderen Projekten. Rangnick wäre die Absage Nummer 4. Was kommt als Nächstes? Eine Absage von Lothar Matthäus?

Vielleicht sind die Zeiten, in denen man unter Uli Hoeneß arbeiten wollte, einfach vorbei. Nur so als Idee.

Montag, 29. April 2024

Worst of der belanglosesten Spitzenspiele ever.

 Eigentlich war es ein Traumszenario für die DFL: am 31. Spieltag sind die Top 6 der Bundesliga unter sich. Sie spielen in direkten Duellen aus, wer am Ende wo ins Ziel kommt. Das ist eine garantiert einzigartige Konstellation. Andere führen extra "Meisterrunden" ein, um solche Spieltage zu bekommen, an denen zwangsweise alle einschalten. Und in der Bundesliga...

Also ja, ich war echt fasziniert, wie sehr die Stuttgarter von dem absehbaren späten Ausgleich von Bayer emotional getroffen war. Sind die heimlich doch abgestiegen? Aber die sind halt noch jung und naiv...
Beim Rest... gingen die Emotionen nur hoch, wenn jemand auf dem Boden lag. OH MEIN GOTT!!! Hoffentlich hat sich Harry Kane nicht verletzt! Wie konnte der Trainer den nur aufstellen? Und dann die PSG Fans so: Bitte nicht Hummels!!! Den brauchen wir!

Nur um so ein paar Beispiele zu bringen: Im theoretisch besten und wichtigsten 31. Spieltag aller Zeiten standen Marcel Sabitzer, Jamaal Musiala und Florian Wirtz nicht auf dem Rasen. Denn was unter der Woche passieren wird, ist halt wesentlich wichtiger. Diese 4 Spiele waren definitiv völlig belanglos. Egal, wie man es dreht und wendet. Aber hey, dafür kann ich jetzt langsam anfangen, die Dortmunder Ultras zu fragen, welche Proteste gegen die Aufblähung der Champions League die so geplant haben. Da wird bestimmt richtig viel kommen...

Und nur um mal zu beweisen, wie belanglos Platz 7 wirklich ist: Der SC Freiburg verteidigte diesen Platz, in dem man souverän sein Heimspiel beim theoretisch noch im Abstiegskampf steckenden VfL Wolfsburg verlor. Augsburg nutzte diese Gelegenheit, um auch einen kompletten Aussetzer auf den Heimspiel-Rasen zu bringen. Und Hoffenheim dachte sich in der ersten Halbzeit, dass es nur fair ist, wenn sie auch dem VfL Bochum 3 Punkte schenken. Als Ausgleich für die Nicht-Leistung gegen die Mainzer. Das ist im Sinne der Wettbewerbsverzerrung sehr löblich.
Nebenbei verlor Hoffenheim auch gegen Union Berlin. Dazu holten Wolfsburg und Köln jeweils ein Unentschieden. Damit haben die in der Rückrunde gegen die letzten 7 der Liga nur ein einziges Spiel gewonnen... Letzte Woche gegen Gladbach. Und gegen Darmstadt spielen sie noch. 1 Sieg aus 7 Spielen gegen die Kellerkinder... nur um nochmal festzuhalten, dass dieses Jahr verdammt viele Mannschaften die Bilanz eines Abstiegskandidaten aufweisen, obwohl sie nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

Darmstadt hat sich derweil endgültig verabschiedet. Ich erwähne das nur, um festzuhalten, wie wichtig die angeblichen "Big Points" der letzten Woche waren: Sie hielten die Mannschaft am Ende für weitere 90 Minuten theoretisch am Leben.
Genauso wie Robin Zentner jetzt den 1. FC Köln am Leben hielt. Also nur um festzuhalten, warum ich diesem Torwart nicht traue: Er sah jetzt zum 2. Mal infolge bei der Strafraumbeherrschung schlecht auf. Der Konter gegen die Mainzer dürfte lauten: Schlagt einfach blind hohe Bälle auf den Elfmeterpunkt, Zentner wird die schon verwerten...

Donnerstag, 25. April 2024

Um nochmal bei den Negativserien nachzuharken

 Also als kurze Erinnerung: Am Samstag hab ich hier ausgeführt, wie viele Bundesligisten gerade bei höchstens einem Sieg in den letzten 5 Spielen sind. Wie viele Mannschaften die Rückrunde ziemlich verkacken.

Dann habe ich die These aufgestellt, dass das auch daran liegt, dass viele Mannschaften die Saison schon abgehakt hatten. Sie gingen davon aus, dass sie nicht in den Abstiegskampf rutschen werden, aber nach oben geht auch nichts mehr... also rutschen die doch in den Abstiegskampf.

Und dann habe ich kurz ausgeführt, dass das ja immer wieder passiert. Das zum Beispiel Werder Bremen zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre eine grausame Rückrunde angeboten wird.

Dabei fiel mir dann ein Gedanke auf: Es gibt eine einzige Mannschaft, der das nie passiert. Oder zumindest so gut wie nie. Die eigentlich auch immer frühzeitig ihr eigentliches Saisonziel "Nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben" frühzeitig erfüllen. Die dann aber trotzdem...

Also 2023 beenden sie die Saison mit 4 Siegen und 2 Unentschieden aus den letzten 10 Spielen.
2022 sind es ebenfalls 4 Siege, aber nur ein Unentschieden.
2021 sind es "nur" 3 Siege und 2 Unentschieden.
2020 sind es wieder 4 Siege und 3 Unentschieden...
Man erkennt da ein gewisses Muster.
2019 war der eine "schwächere Endspurt", in dem man "nur" 2 Siege und 3 Unentschieden holte.
Diese Mannschaft beendete die Saison immer zwischen Platz 5 und 13. Platz 13 war offensichtlich die Saison, in der man den Endspurt "verkackt" hat.

Die Rede ist offensichtlich vom SC Freiburg unter Christian Streich. Wer hätte es gedacht: Natürlich liefert der beste aktive Trainer diese konstante Bilanz hin. Aber es ist schon bemerkenswert, dass die Freiburger nicht nur immer wieder gut in die Saison starten, sondern hinten raus nie wirklich die Spannung verlieren. Dass die, auch wenn es nur noch um Platz 8 geht, trotzdem nicht den Betrieb einstellen. 

Das liegt auch ganz offensichtlich daran, dass Streich seine Spieler über die Saison hinweg weiterentwickelt. In der aktuellen Saison ist es Merlin Röhl, der über das Jahr hinweg vor unseren Augen zum Stammspieler reifte. Und Noah Atubolu wird mit immer souveräner. Und man könnte da jedes Jahr durchgehen. Man muss ja nur die Abgänge wie Kevin Schade,  Mark Flekken, Luca Waldschmidt und Nico Schlotterbeck durchgehen. Oder an Vinzenco Grifo denken, der bisher nur unter Christian Streich und in dessen System ein guter Bundesligaspieler war... und entsprechend schnell zum SC zurückkehrte.

Es ist auch einfach ein echt unfairer Wettbewerbsvorteil, dass der SC Freiburg jahrelang auf diesen überragenden Trainer bauen durfte. Denn normalerweise, wie man ja ganz praktisch in Mainz sehen konnte, gehen diese Trainer dann doch zeitnah nach Dortmund. In Freiburg konnte man sich 15 Jahre lang darauf verlassen, dass die Mannschaft übers Jahr hinweg einfach besser wird. Und dass man nicht noch spontan in den Abstiegskampf rutscht, weil man die Saison zu früh abschließt.

Über Christian Streich gibt es endlos viele Lobeshymnen, aber den "Seine Mannschaften brechen nebenbei nie ein" Aspekt wurde dabei nie angesprochen.

Und nebenbei bekommen andere Trainer da viel zu oft einen "Freifahrtschein". Also nehmen wir mal unser Lieblingsbeispiel: Werder Bremen. Die verlieben sich ja immer wieder nach einem guten halben Jahr in ihren Trainer, weil sie krampfhaft auf der Suche nach Stabilität und den nächsten Thomas Schaaf sind. Deswegen durfte Florian Kohfeld im Amt bleiben, als er die Mannschaft souverän in die Relegation geführt hat. Letzte Saison musste sich Ole Werner keine kritischen Fragen gefallen lassen, als er die Saison mit einem Sieg aus 11 Spielen "ausklingen" ließ. Als Aufsteiger kann das ja mal passieren. Jetzt ist Werder schon wieder bei nur einem Sieg aus 9 Spielen. Aber solange sie nicht direkt in den Abstiegskampf rutschen, wird sich Werner keine Gedanken um seinen Job machen müssen.

Obwohl er jetzt in der 2. Saison infolge nachweist, dass er eine Mannschaft während der Saison nicht wirklich besser macht. Denn wenn ihm das gelingen würde, kämen ja solche Serien nicht zustande. Dabei wäre es gerade für eine Mannschaft wie Werder Bremen essenziell, einen Trainer zu finden, der genau das kann. Denn man gehört ja zu diesen designierten "Grauen Mäusen", die nicht auf dem Transfermarkt fett einkaufen können, sondern müssen zwangsweise auf die Entwicklung in ihrem eigenen Kader setzen. Sowohl um garantiert eine sorgenfreie Saison zu spielen (und eventuell mal nach oben zu schielen), als auch um das nötige Kleingeld auf dem Transfermarkt zu generieren.

Trotzdem wird Werder die Stabilität mehr schätzen, als die Chance auf eine Weiterentwicklung. Sie werden so lange mit Platz 13 zufrieden sein, bis sie irgendwann reagieren müssen, weil doch der Abstieg droht.

Und versteht mich nicht falsch: Ich fordere jetzt keine Entlassung von Werner. Aber man sollte sich nach der Saison damit auseinandersetzen. Die letzten beiden Saisons analysieren, die Gemeinsamkeiten in der schwachen Rückrunde erkennen und dann darüber nachdenken, ob man sich dann neu orientiert. Oder ob man Werner noch eine Saison gibt, in dem er diese offensichtlichen Probleme löst.

Aber nach der Saison die Trainer auszutauschen, wird ja kaum gemacht. Also klar, die Bayern versuchen das gerade. Und sie haben das mit Pep Guardiola 2 Mal gemacht: Als sie ihn geholt haben und als er ging. Und dann gab es die eine Saison, in der Wolfsburg, Frankfurt und Gladbach die Trainer im Kreis getauscht haben. Aber normalerweise wechselt man die Trainer, wenn während der Saison was schiefläuft... und nicht wenn man nach der Saison feststellt, dass es keine Weiterentwicklung gibt. Also wie das die Amerikaner machen, bei denen die Trainer am sogenannten "Black Monday" entlassen werden: dem ersten Montag nach der regulären Saison. Aber die haben halt auch keinen Abstiegskampf, da ist so was einfacher.

Die andere Seite des Problems ist natürlich, dass Ole Werner kein schlechter Bundesligatrainer ist. Er dürfte schon den Durchschnitt darstellen. Er macht ja wenig wirklich verkehrt, er macht dich nur nicht besser. Und wenn sich der neue Kandidat dann als "schlechter Bundesligatrainer" entpuppt, hat man das Problem. Da hält man doch lieber so lange wie möglich an dem Durchschnitt fest.

Was aber auch nur bedeutet: Werder wird so lange im derzeitigen "Graue Maus" Status bleiben, bis sie irgendwann in den Abstiegskampf rutschen. Wirkliches Bestreben, da progressiv herauszukommen, ist wieder mal nicht in Sicht. 

Werder Bremen ist da natürlich kein Einzelbeispiel. Borussia Mönchengladbach ist mit Gerado Seoane in derselben Position. Und beides sind allgemein Mannschaft, die schon noch die wirtschaftliche Potenz (und eine entsprechend große Fanszene) haben, um souverän in der Bundesliga mitzuspielen, denen aber die Investitionsmöglichkeiten fehlen, um wirklich und konstant oben anzugreifen. Und beide sind, ganz sachlich gesehen, auf der Suche nach ihrem Christian Streich. Der letzte "Streich-Kandidat" der beiden dürfte Lucien Favre von 2010 bis 2014 gewesen sein. Aber Favres überraschender Rücktritt im Jahr 2015 belegt ja auch nur, wie schwer es ist, so einen Trainer zu halten. Seitdem wird auf der Trainerbank munter rotiert, aber keiner konnte konstanten Erfolg verbuchen.

Aber, so fair muss man sein, mit Adi Hütter, Daniel Farke und eben Seoane holte man zuletzt 3 Mal infolge einen neuen Trainer zum Trainingsauftakt. Die sind also gewillt, nach einer durchschnittlichen Saison nach Verbesserungsmöglichkeiten auf der Trainerbank zu suchen. Jetzt kann Werder darauf zeigen und behaupten "Seht ihr, das bringt doch auch nichts", während Gladbach sagen kann "Wir haben uns wenigstens bemüht"... alles nur ne Frage der Perspektive.

Montag, 22. April 2024

Worst of der statistischen Anomalie

Hier wurde ja am Samstag spontan ausgeführt, dass gerade 10 von 18 Bundesligisten bei einem Sieg in 5 Spielen stehen. Oder bei einer noch viel schlechteren Bilanz. Die meisten stehen bei einer noch viel schlechteren Bilanz. Nun muss so ein Bundesliga-Spieltag ja Bewegungen in diese Serien bringen, weil auch jemand gewinnen muss, wenn alle gefühlt nur verlieren.

Und tatsächlich... konnten Hoffenheim und Wolfsburg ihre jüngste Bilanz auf "Ist doch gar nicht so schlimm, immerhin gab es 2 Siege" korrigieren. In den anderen Spielen hat aber immer genau die Mannschaft gewonnen, die danach trotzdem nur bei einem Sieg in viel zu wenigen Spielen sind. Also nehmen wird Darmstadt: 1 Sieg in 22 Spielen ist besser als 22 Spiele ohne Sieg... aber halt nicht wirklich relevant besser.

Ich fand da auch den Thumbnail von der Sportschau genial: Big Points im Abstiegskampf! Wirklich? Herzlichen Glückwunsch, Darmstadt! Ihr könntet jetzt doch noch Vorletzter werden. Wir gratulieren zu diesem Durchbruch.
Gerade im Kölner Fanblock brach ja in diesen 90 Minuten die Erkenntnis durch, dass man die Klasse nicht halten kann, wenn man nicht mal gegen die gewinnt. Da ist es nur schwer vorstellbar, dass sie noch 5 Punkte aus 4 Spielen holen. Nicht unmöglich, aber extrem unwahrscheinlich.

Es wurde ja auch deutlich, dass die stand jetzt 4 schlechtesten Mannschaften am Samstagnachmittag aufeinandertrafen. Und dass Wolfsburg derzeit zu genau diesen Mannschaften gehört. Wolfsburg hätte ja nie einen Treffer erzielt, wenn nicht 4 Bochumer tatkräftig mitgeholfen hätten. Also Bernado, Eren Masovic, Patrick Osterhage, nochmal Masovic und Felix Passlack hatten ja die Möglichkeit das Tor durch konsequenteres oder rustikales Eingreifen zu verhindern. Masovic erster Beitrag, in dem er den Ball sortiert raus spielen will, anstatt einfach und klar zu klären, ist dabei das geringste Problem. Der Rest war aber schon sehr erbärmlich "verteidigt". Darmstadt ging nach einem einfachen Eckball in Führung. Das 2. Tor war ein Abstauber, nachdem Schwäbe denn Ball nur nach vorne klären kann. Vorher wurde das gesamte Spielfeld mit einem langen Ball überbrückt.
Keine dieser Mannschaften war wirklich in der Lage, sich konsequente Chancen herauszuspielen. Trotzdem waren das die Topspiele der Samstags-Sportschau. Das gibt es nur in der besten Liga der Welt.

Da bleibt als letzter großer Unterhaltungsfaktor die absurde Mission von Bayer Leverkusen. Die versuchen den Ausgleich jedes Spiel noch eine Minute später zu erzielen. Mittlerweile sind sie in der 97. Minute angekommen. Viel Spielraum haben sie da nicht mehr.
Aber das wirklich Absurde daran ist ja, dass die wirklich nur noch für die Statistik an der Serie festhalten. Die hätten sich sowohl gegen West Ham, wo Matej Kovar eine Verwarnung wegen Zeitspiels bekam, als auch gegen Dortmund eine Niederlage leisten können. Das wäre in der großen Erfolgsbilanz jeweils untergegangen. Trotzdem, oder gerade deswegen, schlugen sie 2-mal spät zurück.

Mittlerweile dürfte es bei den Wettbüros eine bessere Quote geben, wenn man bei Rückstand in der 85. Minute darauf setzt, dass Leverkusen nicht trifft.

Samstag, 20. April 2024

Es ist super faszinierend,

 Wie viele Mannschaften gerade die Rückrunde verkacken.

Also ich schreibe das "jetzt schon" und nicht erst am Montag, weil die Anti-Serien am Wochenende durchbrochen werden müssen. Angefangen bei der Eintracht, die das ja schon hinbekommen hat. Denn als ich auf den Kicker-Ticker guckte und Frankfurt schon wieder hinten lag, fragte ich mich, wie es eigentlich sein kann, dass die ihren an sich souveränen Vorsprung verspielt haben könnten.

Und dann fiel mir halt auf, dass Frankfurt auch schon 4 Spiele auf einen Sieg wartete. Und klar, in der 2. Halbzeit rafften sie sich auf und schlugen Augsburg doch noch. Aber selbst 1 Sieg aus 5 Spielen ist für einen Europacup Kandidaten verdammt wenig.

Aber die sind da ja nicht alleine: Heidenheim hat nur eines seiner letzten 7 Spiele gewonnen. Ausgerechnet gegen die Bayern.
Köln hat nur eines der letzten 9 Spiele gewonnen. Aber sie zeigten ihre beste Leistung seit langem gegen die Bayern.
Darmstadt wartet seit dem 7. Spieltag auf einen Dreier... das sind 22 Spiele.
Wolfsburg hat nur eines von 14 Spielen gewonnen.
Bochum ist bei einem Sieg aus 11 Spielen. Und die gewannen auch gegen die Bayern.
Hoffenheim ist bei einem Sieg und 4 Niederlagen in den letzten 5 Spielen.
Gladbach ist bei einem Sieg in 6 Spielen und einer Bonusniederlage gegen den Drittligisten aus Saarbrücken.
Union Berlin ist bei einem Sieg in 7 Spielen.
Werder Bremen ist bei einem Sieg in 10 Spielen. Und bei 2 Punkte aus 8 Spielen.
Selbst die großen Bayern haben, auch wenn ihre Serie kleiner ist, nur eines der letzten 3 Bundesligaspiele gewonnen. Was für sie unterirdisch ist. Aber die werden nur zum Spaß erwähnt.

Wie kann es bitte sein, dass 9 Bundesligisten die Bilanz eines Absteigers vorweisen? Also alle 9 auf gleichzeitig. Und Frankfurt wäre als 10. Mannschaft dazugekommen, wenn sie nicht gerade die Kurve bekommen hätten.
Wie kann die halbe Liga in der Rückrunde so einbrechen? Müssen die nicht rein statistisch mehr Spiele gewinnen, weil sie ja irgendwie gegeneinander spielen? 

Meine offensichtliche These ist ja, dass all diese Mannschaften unter einem gewissen Spannungsverlust leiden. Die waren halt vor dem Auftakt ihrer Negativserie an einem Punkt angelangt, an dem es für sie eigentlich um nichts mehr geht. Also nehmen wir mal die Frankfurter: Die lagen nach Sieg im 6-Punkte-Duell am 25. Spieltag 7 Punkte vor Hoffenheim. Sie lagen aber auch 6 Punkte hinter RB Leipzig. Da sollte in beide Richtungen eigentlich wenig gehen. Und dann geht man dann nicht mehr an die absolute Leistungsgrenze. Zumindest so lange nicht, bis Augsburg sie in der Blitztabelle überholt hatte. Da dachte man sich dann doch: "Oh shit, wir müssen mal wieder!" Und immerhin konnten sie dann auch reagieren.

Oder Wolfsburg. Die haben ja, abgesehen von den Darmstädtern, die bescheidenste Bilanz. Und den Darmstädtern mangelt es halt grundlegend an der nötigen Qualität für diese Liga. Aber Wolfsburg war nach ihrem Sieg am 15. Spieltag gegen genau die Darmstädter Tabellenneunter. 5 Punkte hinter dem offiziell letzten Europacup-Platz. 9 Punkte vor der Relegation. Das ist dann auch der Punkt, an dem du als Spieler unterbewusst feststellst, dass du für die ersten 6 nicht gut genug bist. Und dass Platz 8 reichen könnte, war da ja noch nicht abzusehen. Gleichzeitig sollte man zu viel Qualität für den Abstiegskampf haben. Also macht man unterbewusst einen Schritt weniger. Und dann stellt man fest, dass man sich das nicht leisten kann.

Diese These würde dadurch unterstützt werden, dass sowohl Heidenheim als auch Bochum und, wenn man den Fokus etwas weiter stellt, Werder Bremen gegen die Bayern gewonnen haben. Da hatte man halt die besondere Gelegenheit, den verwundbar wirkenden Rekordmeister zu schlagen. Natürlich war man da dann top motiviert. Aber gegen Augsburg? Oder in Hoffenheim? Da fällt es einem dann plötzlich schwer an die Schmerzgrenze oder darüber hinauszugehen.

Nebenbei ist es ja auch nichts so Ungewöhnliches, dass Mannschaften dann zum Ende der Saison, wenn es um nichts mehr geht, den Faden verlieren. Werder Bremen beendete die an sich ordentliche letzte Saison mit 2 Punkten aus den letzten 8 Spielen. 2020/21 stieg eben dieses an sich schon gerettete Werder mit 10 sieglosen Spielen in Serie ab. Vor dem 25. Spieltag hatte man 12 Punkte Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz, aber dann stellte man komplett den Dienst ein. Schalke holte in der Rückrunde 2020 9 Punkte und rutschte in der Gesamtabrechnung auf Platz 13 ab. 2017/18 quälte sich der VfL Wolfsburg mit 14 Rückrunden-Punkten in die Relegation, obwohl man eigentlich eine solide Hinrunde abgeliefert hat.

Für die legendärste Rückrunde aller Zeiten wurde hier extra eine Hall of Shame eingeführt. Ungewöhnlich ist es nur, dass so verdammt viele Mannschaften gleichzeitig einen derartigen Negativlauf haben.

Das sind ja alles Mannschaften, die eine gewisse Qualität nachgewiesen haben. Also zumindest für die Bundesliga sollte es doch reichen. Trotzdem gibt es immer wieder Mannschaften, die aus an sich souveräner Position völlig den Faden verlieren und in den Abstiegskampf rutschen. Oder in den Abstiegskampf rutschen sollten, es aber nur wegen der überragenden Inkompetenz der Konkurrenz vermeiden können. 

Wirklich spannend ist jetzt ja, was dieses Wochenende in Wolfsburg passiert. Denn die Mannschaft hat die Qualität, um Bochum zu schlagen und sich damit der größten Sorgen zu entledigen. Die müssen halt nur realisieren, dass es auf ein Mal wieder verdammt eng geworden ist und sie den Alltag wieder ernst nehmen müssen. Den berühmten Schalter umlegen. Aber Wolfsburg ist auch in genau der Position, in der die Angst um sich greift und man in eine Negativspirale geraten kann, aus der man nicht mehr rauskommt, obwohl die Qualität eigentlich vorhanden sein sollte. 

Aber dass sie sich in diese Situation manövrieren könnten, konnte selbst vor 4 Wochen noch niemand ahnen. Also "damals" dachte man zumindest noch, dass ein rechtzeitiger Trainerwechsel das Problem beheben müsste. Jetzt hat man den Trainer schon gewechselt und steckt plötzlich trotzdem viel zu tief in der Scheiße.

Freitag, 19. April 2024

What the fuck just happened?

 Das fragen sich nach dieser Woche nicht nur die Engländer.

Das wichtigste zuerst: Die Premiere League ist plötzlich nur noch in der Conference League vertreten. Ihr wisst schon, dieser Wettbewerb, der eingeführt worden ist, damit die "kleinen Ligen" auch mal ins Halbfinale oder Finale vordringen können...

Und zum ersten Mal seit dem Final Four Pandemie Jahr 2020 wird damit keine englische Mannschaft in dem Finale der Champions League stehen. Dafür stellt die Bundesliga zum ersten Mal seit 29 Jahren 3 Halbfinalisten...  Fun Fact: Es waren damals die 3 selben Teams...

Am wenigsten überraschte dabei ja der späte Ausgleich von Bayer Leverkusen. Wobei der ja auch nur für die historische Statistik relevant war. Und für den 5. Startplatz. Aber Leverkusen macht halt, was Leverkusen macht: Späte Tore erzielen.

Borussia Dortmund bewies, dass sie das größte Enigma dieses Landes sind. Die können ja. Die können halt nur nicht konstant. So gewinnt man gegen Bayern und Atlético Madrid, schaffen es aber auf der anderen Seite nicht Heidenheim zu besiegen... in 2 Versuchen. So steht man im Halbfinale der Champions League, aber in der Liga nur auf Platz 5.
Dass Niclas Füllkrug ausgerechnet in diesem Spiel seine ewige Torflaute beendet, konnte auch keiner ahnen. Ein Füllkrug, der wahrscheinlich nicht mal in der Startelf gestanden hätte, wenn sich Sébastien Haller nicht verletzt hätte. Dass Füllkrug ein Viertelfinale entscheiden könnte, hatte ich im Sommer definitiv nicht auf dem Zettel, als ich über den Wechsel im Sommer geschrieben habe. Wobei das Ende ja auch noch stehen dürfte, denn Dortmund ist jetzt der krasse Außenseiter unter den noch verbliebenen Mannschaften.
Aber es bleibt festzuhalten, dass sich dieser Wechsel für die Borussia vollkommen gelohnt hat, da man die Ablöse jetzt locker wieder drin hat.
Genauso wie der Wechsel von Marcel Sabitzer, der sich anscheinend plötzlich daran erinnert, dass er mal auf dem Weg zur internationalen Klasse war, bevor er unbedingt zu den Bayern wollte. Sabitzer, der bisher selten wirklich gut war (ein Mal die Note 2 gegen Bochum, ein Notenschnitt in der Liga von 3,4), liefert plötzlich 2 überragende Spiele in Folge. Für die beiden hat Dortmund im Sommer 31 Millionen Euro Ablöse bezahlt... Wie ich damals behauptete, sichern sie damit nur Platz 4 ab. Jetzt sorgen sie dafür, dass Platz 5 reichen dürfte.

Die Bayern fragen sich derweil ganz klassisch: "Ja, ist denn heut scho Weihnachten?" Arsenal verspielt ja eigentlich traditionell ihre Titelchancen um Weihnachten herum. Dieses Jahr kriegen sie dann in einer Woche im April ihre PS nicht auf den Rasen und plötzlich ist alles futsch.
Vor allem wird jetzt endgültig deutlich, dass die Bayern gar keine sooo schlechte Saison spielen. Sie konnten mit einem historisch guten Leverkusen nicht Schritt halten, was kein Drama ist. Sie fielen danach nach 10 Jahren am Limit zumindest in der Liga in ein Motivationsloch, was menschlich ist. Da stand der Abgang von Thomas Tuchel aber auch schon fest. Und jetzt stehen sie plötzlich im Halbfinale. Und das völlig zurecht, denn man war in der Summe ja besser als Arsenal.
Wenn die Bayern Bosse im Februar die Ruhe behalten hätten, müssten sie sich jetzt keinen neuen Trainer suchen.

Und anscheinend wissen die Kandidaten das ja auch. Also ein Julian Nagelsmann bleibt lieber deutscher Nationaltrainer, als dass er sich das nochmal antut. Der weiß aus eigener Erfahrung, dass man trotz an sich guter Leistungen entlassen werden kann. Und er kann jetzt im Fernsehen verfolgen, dass das mit der neuen Führung nur bedingt besser geworden ist. 

Das Problem existiert nebenbei nur, weil die Bayern nicht anerkennen und akzeptieren konnten, dass ausnahmsweise ein Mal ein Konkurrent besser ist, als man selber. Und zwar nicht, weil man selber schlecht ist, denn man war ja auf einem historischen Vizemeister-Kurs, sondern weil Bayer wirklich richtig gut ist. Da hätte man Tuchel mit einem "wir haben so viele Punkte geholt, dass wir eigentlich souverän Tabellenführer sein sollten... und wir können immer noch die Champions League gewinnen. Da gibt es keinen Grund, über den Trainer zu diskutieren." den Rücken stärken können. Aber irgendwie zuzugeben, dass andere mal besser sind, ist ja unter der Würde eines Uli Hoeneß.

Wobei ich an der Stelle nochmal festhalten muss, dass auch in der Bayern-Offiziellen nicht damit gerechnet haben, dass dieser Kader gut genug für das Champions League Halbfinale ist. Denn dann hätten sie Tuchel entlassen und jemanden geholt, der wie Hansi Flick mit einem Dead Coach Bounce das Finale erreicht.
Wahrscheinlich denkt Max Eberl sogar "Scheiße, jetzt muss ich den Kimmich behalten, ich wollte doch eigentlich im Sommer auf Stanisic setzen"... Und ja: Joshua Kimmich hat auch in diesem Spiel sein großes Paradoxon manifestiert: Er ist ein richtig guter Rechtsverteidiger. Auf der Rolle gut genug um Champions League Spiele zu entscheiden. Dies bedeutet aber nicht, dass man ihn im Sommer wieder ins Zentrum stellen sollte. Denn dort hat er noch nie nachgewiesen, dass es für die höchsten Aufgaben reicht. Die spannendste Frage bleibt, ob Kimmich selber das merkt.

Kommen wir jetzt aber zu der schlimmsten Konsequenz dieser Europacup Woche: Ab jetzt müsste Platz 5 eigentlich reichen. Also klar, die Rechnungen sind kompliziert und wenn alle 3 Mannschaften jetzt alle Spiele verlieren, während Aston Villa durchmarschiert, dann könnte sich die Premiere League eventuell noch den 2. Platz in der Tabelle sichern. Aber ich gehe mal davon aus, dass dies so krass nicht passieren wird, weil Bayer Leverkusen dafür ja Spiele verlieren müsste und das scheint ausgeschlossen.

Das bedeutet auch nur, dass das "Rennen" zwischen Leipzig und Dortmund damit jetzt auch egal ist. Damit gibt es am Wochenende das designierte Endspiel um die Europa League mit Frankfurt - Augsburg... Aber Dortmund gegen Leverkusen ist dafür dann auch egal. Genauso wie Hoffenheim - Gladbach, Heidenheim - Leipzig und Union - Bayern. 4 weitere belanglose Duelle. 22 fürs Jahr. Das macht doch Bock auf das Saisonfinale...

Dienstag, 16. April 2024

Passives Abseits Leser wissen es exklusiv: Für Mainz geht es nur noch um die Relegation.

Platz 15 hatte ich da schon abgeschrieben. Und nicht nur ich selbst, der Trainer Bo Henriksen hat die Relegation als "am wahrscheinlichsten" bezeichnet. "If it takes two more games, we take it."

Nun ist ja auch nicht so schlimm mal daneben zu liegen... solange die Logik hinter der Prognose vernünftig war. Daran kann man sich dann orientieren, um festzuhalten, was sich bei den Mainzern verändert hat.

Da war zunächst mal das grundlegende Qualitätsproblem: Diese Mannschaft hatte nach 21 Spieltagen 2 Trainer "verbrannt" und dabei nur ein Spiel gewonnen. Das kann dann nicht nur an den Trainern liegen, sondern muss auch etwas mit einem ziemlich schlecht zusammengestellten Kader zu tun haben. Dass der dritte Trainer dann auf einmal einen radikalen Umbruch bewirkt, hielt ich für ausgeschlossen. Eine Mannschaft, die nach 21 Spieltagen 12 Punkte gesammelt hat, holt doch nicht plötzlich 10 Punkte Rückstand auf Bochum auf. Vor allem, weil man ja auch davon ausgehen muss, dass Bochum noch den einen oder anderen Punkt holt.

Und der "neue Besen" musste direkt erstmal eine 1:8 Niederlage gegen die Bayern unter den Tisch kehren. Das war dann der Punkt, dann dem ich den Dead Coach Bounce als "verpufft" betrachtet habe. Aber hier ist das faszinierende: Henriksen hat, seit dem er im Amt ist, nur gegen die Bayern und Bayer verloren. Davor hat er den Auftaktsieg gegen Augsburger geholt... Aber das erste Spiel hat ja selbst Jan Siewert gewonnen. Das war der Moment, in dem man als Mainz darüber nachdenken konnte, ob man einfach jedes Wochenende den Trainer austauscht. Zwischendurch holte man einen Punkt gegen Borussia Mönchengladbach, die gerade spielen, wie so eine Mannschaft unter Gerado Seoane spielt... also im konsequenten Abwärtstrend ist. Der eine oder andere mag das vergessen haben, aber Seoane war letztes Jahr noch Bayer Trainer. Da konnte der den Negativtrend auch nicht stoppen. Dort sieht man jetzt, was ein guter Trainer bewerkstelligen kann, während man in Gladbach sieht, dass Seoane dies offensichtlich nicht ist. Gladbach hat nebenbei nur eines der letzten 7 Pflichtspiele gewonnen und unter anderem gegen den Drittligisten aus Saarbrücken verloren. 

Dann hat Mainz die elementar wichtigen Pflichtspiele gegen Bochum und Darmstadt gewonnen. Diese umringen dem überraschenden Unentschieden, welches Robin Zentner gegen RB Leipzig festgehalten hat. (Fun Fact: Mainz holte 4 Punkte gegen RB Leipzig... WTF!) Ich hab ja schon im Worst Of des entsprechenden Wochenendes festgehalten, wie absurd dieser festgehaltene Punkt war, denn bisher hat Zentner dem Verein, wie mit seinem Patzer gegen Bayer gezeigt, was man eigentlich von ihm erwartet. Oder beim Führungstreffer für Hoffenheim an diesem Wochenende, als er mit einem unmotivierten Ausflug ins Leere eine an sich gute Halbzeit kaputt machte.

Die 2. Halbzeit war dann aber für mich der wirkliche Wendepunkt. Der Moment, in dem ich an den Klassenerhalt der Mainzer zu glauben begann.
Dabei zeigte sich in diesem Spiel auch die Besonderheit dieser Saison: denn die Mainzer spielten ganz sachlich gegen eine Mannschaft, die die Saison eher aus trudeln lässt. Wie sie es schon gegen Gladbach taten. Auch Hoffenheim ist bei einem Sieg aus 5 Spielen. Oder 3 Siegen in 12 Rückrundenpartien. Hoffenheim war mal auf Europacup Kurs, aber da merkt man einfach den Spannungsabfall.

Und hier kommt das spannende: Mit Freiburg, Heidenheim und Wolfsburg stehen noch 3 weitere derartige Spiele auf dem Programm. Auch wenn Freiburg natürlich um die "Europa Conference League" spielt. Und ja, ich gehe nach wie vor davon aus, dass Wolfsburg zu gut ist, um von Bochum überholt zu werden. Auch wenn wir Samstag endgültig erfahren werden, wie dringend sie am Abstiegskampf teilnehmen wollen, schließlich geht es am Wochenende zu genau den Bochumern.

Ich habe ja auch schon zwischenzeitlich behauptet, dass diese Spiele den Abstiegskampf eher entscheiden werden, als das direkte Duell zwischen Mainz und Köln. Jetzt kann sich Mainz plötzlich übernächste Woche endgültig das "Problem Köln" vom Hals schaffen.

Hier kommt jetzt der entscheidende Fortschritt: Es sieht plötzlich so aus, als hätte Mainz auch die Qualität dafür. Also sowohl um die Punkte gegen die "Wir lassen die Saison austrudeln" Mannschaften zu holen, als auch um Köln zu schlagen.
Das kann man am besten an 3 Personen festmachen:
Nadiem Amiri könnte der wichtigste Wintertransfer der Saison gewesen sein. Das ist zwar ein Spieler, der bisher selten wirklich überragte, dessen schlechteste Leistung aber eine 4,5 gegen die Bayern war. Dazu kommt noch eine 4,0 gegen den VfB Stuttgart und RB Leipzig. Gegen Mannschaften mit dominantem Ballbesitz hat Amiri offensichtlich seine Probleme. Oder gegen die qualitativ Besten. Wenn es allerdings nicht gegen die Mannschaften auf Platz 2-4 geht, kommt er plötzlich auf einen Notenschnitt von 2,9.
Die allerwichtigste Personalie ist und bleibt allerdings Jonathan Burkardt. Der erinnert uns plötzlich daran, dass er mal Nationalstürmer werden sollte. Auch, weil wir da gar keinen haben. Aber auch, weil er halt viel zu gut für Mainz ist. Burkhart ist ja ganz sachlich gesehen nur noch in Mainz, weil er quasi die gesamte letzte Saison dank einer Knie-OP verpasst hat. Danach, das wird jetzt deutlich, brauchte er einfach noch eine ganze Weile, um wieder ins Laufen zu kommen. Ein halbes Jahr ist dafür bei einer derart schweren Verletzung nicht so ungewöhnlich. Vor allem, wenn ein stabiles und qualitativ hochwertiges Umfeld fehlt,
All seine 7 Scorerpunkte sammelte Burkhardt in der Rückrunde. Und wann immer der trifft, gibt es Punkte für die Mainzer. In der Hinrunde kam er nur auf 3 benotete Spiele. Dass Burkardt so zurückkommt, hätte man tatsächlich ahnen können. Bevor seine Verletzung in zurückwarf, stand er kurz vorm endgültigen Durchbruch.
Beim dritten Namen war das dagegen nicht so abzusehen. In der Sportschau hieß es plötzliche "Kaum vorstellbar, dass Mainz Gruda in dieser Form halten kann." Und ich so: Wer?
Also ja, Brajan Gruda ist ein Talent aus der Mainzer Schmiede. Der kam mit 15 in den Verein und spielt jetzt seine ersten wirklich starken Bundesligaspiele. Er traf zuletzt 2 Mal infolge. Aber er ist definitiv die größte Wildcard in diesem Kader: Wenn der jetzt während der Saison einen entscheidenden Leistungssprung nach vorne gemacht hat, kann Mainz die nächste Bundesligasaison planen. Also zumindest über die Relegation. Aber es kann bei einem derart jungen Spieler auch passieren, dass das jetzt sein letzter Scorerpunkt in dieser Saison war.

Aber wenn diese 3 Spieler das Niveau der letzten Wochen halten, hat Mainz plötzlich genügend Qualität für den Klassenerhalt, die ich so nicht gesehen habe. Vor allem hat man plötzlich wesentlich mehr Potenzial als die Kölner, die irgendwie darauf hoffen müssen, dass Davie Selke was auf die Reihe bekommt.

Was uns aber zu der spannenden Frage führt: Woran könnte es scheitern? Da bleibt zum einen der Fakt, dass man bisher nur zu Hause gewonnen hat. Auswärts ist man bei 7 Unentschieden und 7 Niederlagen. Der derzeitige Lauf mit 10 Punkten in 4 Spielen könnte also wirklich einer absurden Konstellation im Spielplan geschuldet sein. Dass man halt auch genau da gegen die gerade schwächsten Mannschaften antreten durfte, könnte das Bild extrem verzerren. Aber man hat ganz sachlich gesehen nur noch ein "einfaches" Heimspiel gegen Köln, welches man zwingend gewinnen muss. Dazu muss man 4 Punkte aus 3 Auswärtsspielen holen. 

Ansonsten muss ich ganz ehrlich zugeben, dass ich Robin Zentner nicht traue. Also klar, das ist der notenbeste Spieler der Mainzer. Und angeblich der achtbeste Torhüter der Liga. Minimal schlechte als Lukas Hradecky, aber besser als Alexander Nübel. Gerade bei Nübel ist das an sich absoluter Wahnsinn, denn der zeigt ja gerade den Stuttgartern, wie geil das ist, wenn man einen souveränen Torwart in seinen Reihen hat. Zentner ist natürlich ein Torhüter, der selten krass patzt. Aber er hält dir auch ganz selten mit überragenden Partien die Punkte fest. Also ein Mal alle 2 Jahre und das war diese Saison schon. Da die Ausgangslage so extrem beschissen war, könnten wütend anrennende Dortmunder im letzten Heimspiel der entscheidende Faktor sein. Dass Zentner da nochmal so einen Sahnetag wie gegen Leipzig erwischt, würde mich doch überraschen.

Am schwierigsten zu berechnen ist aber das Restprogramm des direkten Konkurrenten aus Bochum. Die spielen am Wochenende gegen Wolfsburger, die sie dann auch richtig in die Scheiße ziehen könnten. Danach geht es gegen Hoffenheim, Union Berlin, Bayer Leverkusen und Werder Bremen. Selbst bei Bayer Leverkusen, die direkt davor im Halbfinale der Europa League stehen sollten, kann keiner abschätzen, in welcher Verfassung diese dann auflaufen werden. Hoffenheim hat gerade eindrucksvoll nachgewiesen, dass sie mit der Saison schon abgeschlossen haben. Werder Bremen hofft auch intensiv darauf, dass sie nur noch Spalier stehen müssen. Selbst nach einer Niederlage gegen Wolfsburg, von der ich irgendwie ausgehe, ist es nicht ausgeschlossen, dass die plötzlich 4 Spiele infolge unbesiegt bleiben und 8 Punkte holen, weil die Gegner mit der Saison schon abgeschlossen haben. 

Und auch wenn Wolfsburg sich alle Mühe gibt: Ich gehe weiterhin davon aus, dass die Mannschaften von Platz 9 bis 14 zeitnah wirklich nichts mehr zu erreichen haben. Und es wäre bei weitem nicht das erste Mal, dass derartige Mannschaften dann indirekt den Abstiegskampf entscheiden.
Wobei "entscheiden" ja relativ ist, schließlich sollte es am Ende für Bochum oder Mainz über die Relegation reichen...
Oder anders ausgedrückt: Der Zyniker in mir muss auch nur festhalten, dass der derzeitige Lauf der Mainzer jegliche Luft aus dem Abstiegskampf genommen hat, weil ja eh nur 2 Mannschaften absteigen.