Dienstag, 7. Mai 2024

Was soll man zu dem Saisonfinale noch neues schreiben?

 Es sollte auf jeden Fall als das schlechteste aller Zeiten in die Annalen eingehen. Und dieses Wochenende machte das mehr als deutlich, weil man ja vorher immer noch auf die 2. Liga schielen konnte.

Da gab es am Freitagabend extrem relevante Spiele im Aufstiegsrennen. St.Pauli hätte ausgerechnet beim großen Lokalrivalen den Aufstieg klarmachen können. Doch dieser HSV darf sich jetzt "Stadtmeister" schimpfen, herzlichen Glückwunsch. Aufsteigen wird doch eher St.Pauli.
Der Sieg der Nicht-Aufstiegsexperten setzte aber plötzlich Fortuna Düsseldorf unter Druck, die aber ihre eigene Pflichtaufgabe relativ souverän löste. Trotzdem war da einiges drin...

Und danach gab es dann Hoffenheim - Leipzig... eines dieser Spiele, für das sich der neutrale Fan nur interessiert, wenn einer der beiden absteigen könnte. Also in der Hoffnung, dass einer absteigt, schaltet der Traditionsfan da vielleicht ein. Hoffenheim sicherte sich den "Das reicht eventuell für Europa" Platz mit einem Unentschieden.

Am Samstag verspielte Hansa dann innerhalb weniger Minuten eine elementar wichtige Führung im Abstiegskampf. Ein Sieg hätte einem sogar die Möglichkeit auf den direkten Klassenerhalt bewahrt. Fürth verschießt in der Schlussphase einen Elfmeter, der den Braunschweigern einen Punkt im Abstiegskampf bewährt. Und der 1. FC Kaiserslautern untermauerte mit einem überraschend deutlichen Sieg gegen Magdeburg, dass sie wenig Interesse daran haben, wieder als Pokalsieger abzusteigen. 3 Spiele mit massiven Auswirkungen im Kampf um den Klassenerhalt.
Und danach gab es dann 4 Bundesligaspiele, in denen es im Wesentlichen um die Frage ging, ob Augsburg nochmal Druck auf Platz 7 ausübt. Man entschied sich mit einem 1:5 gegen Dortmunds B-Elf beeindruckend dagegen. Dass die so leblosen Überreste aus Augsburg, die zuletzt Bochum und Mainz 3 Punkte geschenkt haben, noch eine Chance auf eine Teilnahme am Europacup haben, ist so absurd. Dass sie sich so leblos zeigen, beweist auch nur, wie egal es den Spielern ist. Im Wesentlichen ging es am Samstagnachmittag nur darum, dass sich niemand verletzt...

Die ersten 5 Spiele waren also vollkommen irrelevant. Abgerundet wurde der Samstag dann durch das statistisch wichtige Spiel zwischen Köln und Freiburg... in denen die Kölner dann eindrucksvoll nachwiesen, dass ihnen einfach die nötige Qualität in der Offensive fehlt und sie quasi als Absteiger feststehen. Dass diese Mannschaft die letzten beiden Spiele gewinnen, kann sachlich gesehen ausgeschlossen werden.

Immerhin gaben sich Union Berlin und Bochum richtig viel Mühe. Das Spiel alleine entschädigte irgendwie für all das belanglose gekicke vorher. Beide Mannschaften warfen zumindest in der 2. Halbzeit alles rein, was sie auf Lager hatten, zeigten aber auch, warum sie da unten drin stecken. Aber so sollte eigentlich jedes Spiel in dieser Saisonphase sein. Oder zumindest so 4 oder 5 von 9.

Frankfurt verteidigt derweil mit 1 Sieg aus 7 Spielen Platz 6. Bayer Leverkusen lässt einen Florian Wirtz in der Liga mittlerweile ganz zu Hause, es reicht aber trotzdem locker. Wer die Frankfurter in den letzten 7 Wochen gesehen hat, kann niemanden erklären, warum die an der Europa League teilnehmen dürfen, das wird sich aber nicht verhindern lassen.

Zum Abschluss wehrte sich Heidenheim tatsächlich vorbildlich, obwohl sie schon sicher gerettet sind. Das hält den Kampf um den Relegationsrang spannend. Aber es bleibt dabei: Realistisch gesehen spielen Bochum, Mainz und Union aus, wer in der Relegation gegen Düsseldorf die Klasse hält. Und alle anderen Spiele sind komplett irrelevant. Das sind dann im Schnitt 6 von 9 Spiele. Da kann man halt echt nichts rausholen...

Freitag, 3. Mai 2024

Die Europacup Saison wird immer seltsamer

 Und das, obwohl Bayer Leverkusen sein Spiel völlig ohne Drama gewonnen hat. 

Aber nach dem Mittwoch muss man sich irgendwie mit einer absurden Frage beschäftigen: War Niclas Füllkrug besser als Kylian Mbappé? Kicker.de ist davon so was von erschlagen, dass sie bis jetzt (Stand Freitag 15:27) noch keine Noten vergeben und niemanden zum Spieler des Spieles ernannt haben... weil sie das halt auch nicht mit gutem Gewissen so drucken können.

Aber ganz ehrlich: Wie Füllkrug den Pass von Nico Schlotterbeck mit rechts verarbeitet und dann mit links direkt abschließt... das war schon große Klasse. Und wie der direkt danach Marcel Sabitzer das 2:0 technisch hochwertig auflegt. 2 Aktionen, die ich Füllkrug vielleicht gegen den Hamburger SV in einem Aufstiegsendspiel zugetraut hätte, wo man einfach etwas mehr Platz hat. Aber in einem Champions League Halbfinale? No way.

Jetzt muss ich mich ernsthaft mit der Frage beschäftigen, ob Füllkrug in seinem 31. Lebensjahr nochmal einen deutlichen Entwicklungsschritt nach vorne gemacht hat. Denn er halt ja auch schon im Viertelfinale gegen Atlético Madrid getroffen. Dass vorher die ersten anfingen, die Minuten zwischen den Toren zu zählen, ist das doch fast egal. 

Und das ist halt wichtiger, als man denkt. Vor diesen beiden Champions League Spielen hätte ich mir wenig Sorgen gemacht, wenn ein Füllkrug als Mittelstürmer Nummer 1 in das EM-Turnier startet. Der hat ja schließlich in den K.O. Phasen noch nie getroffen. Das ist doch nicht der Stürmer, der dann in den wirklich wichtigen Spielen den Unterschied ausmacht. 

Deswegen habe ich emotional auf Füllkrug gehofft, schließlich will ich ja nicht, dass Deutschland Europameister wird. Und sachlich für Kai Havertz argumentiert, weil der schon nachgewiesen hat, dass er ein Champions-League-Finale mit einem Tor entscheiden kann. Seitdem ist Havertz 2 Mal untergetaucht und Füllkrug hat 2 Mal den Unterschied ausgemacht...

Wobei Fußball auch so eine faszinierende Sportart ist. Denn erstens ist es nicht zu erklären, wie Paris in diesem Spiel ohne eigenen Treffer bliebt. Auch wenn Mbappé weitestgehend blass blieb, hatte man genügend Großchancen für einen eigenen Treffer. Die Expected Goals lagen jeweils bei 1,7. Mit leichten Vorteilen für Dortmund.

Vor allem hätte Füllkrug eigentlich 2 Tore schießen müssen. Also die Vorlagen von Jadon Sancho muss Füllkrug eigentlich verwerten. Also wenn er als Stürmer so gut sein soll, wie ich das gerade beschrieben habe. Und wie er es in der ersten Halbzeit zumindest angedeutet hat. Der war wesentlich einfacher, als das erzielte Tor, Füllkrug will aber seinen Schienbeinschoner aus Werder Zeit ein Denkmal setzen, anstatt den Vollspann zu nutzen...

Und das ist am Ende auch irgendwie ein Problem. Also wenn man, was sachlich gesehen das wahrscheinlichste ist, in Paris verliert, ist am Ende Füllkrug Schuld am Ausscheiden. Und dann wird der 2. Fehlschluss richtig weh tun. Bei einem 2-Tore-Vorsprung würde ich ja an ein Weiterkommen glauben... ein Treffer wird am Ende nicht reichen. Aber die Fans werden sich nur an das Traumtor erinnern und nicht an die vergebenen Chancen...

Nebenbei können sich die Dortmunder jetzt einreden, dass sie ja "aus eigener Kraft" die Champions League Teilnahme gesichert haben. Schließlich war es ihr Sieg, der den 5. Startplatz ermöglichte. Das können die Ultras dann als scheinheilige Ausrede nehmen, wenn sie nächstes Jahr nicht gegen die Aufblähung des Formates protestieren, obwohl sie eigentlich nur nachweisen, dass sie nur gegen die Kommerzialisierung der Anderen sind. Wenn man selber von so einem Scheiß profitiert, hat man da plötzlich keine Probleme mit.

Und ja, wenn die konsequent wären, würden sie bei jedem Heimspiel in der nächsten Saison die Tennisbälle mitbringen. Das werden sie aber nicht tun.

Dienstag, 30. April 2024

Uli Hoeneß, der Ewige König der Vollidioten.

Er war ein brillanter Manager. Das muss immer festgehalten werden. Aber mittlerweile ist das auch nur noch ein seniler alter Mann, der seine Macht nicht loslassen kann... und deswegen die Arbeit seiner eigentlichen Nachfolger sabotiert. Ich bin natürlich voll dafür, dass er seine "Meinung wieder deutlicher machen" will, schließlich dürfte das den Bayern eher Schaden als helfen.

Lasst uns mal wieder eines festhalten: Dem angeblichen "Vater des Vereins" geht es nicht um Geborgenheit, sondern nur und ausschließlich um Titel. Wenn diese Titel nicht geholt werden, ist Papa persönlich beleidigt und verliert jeden Bezug zur Realität. Der einzige Trainer, der eine titellose Saison überlebt, ist Jupp Heynckes... Und bei der Beurteilung der Arbeit lässt er jegliche Sachlichkeit vermissen.

Wir müssen hier nochmal eines festhalten: Thomas Tuchel hat in der Bundesliga mehr Punkte geholt, als in der letzten Saison zum selben Zeitpunkt. Und natürlich ist die Mannschaft etwas eingebrochen, als die Meisterschaft aus dem Blickfeld entschwand, aber nach 11 Meisterschaften infolge könnte ein Vater für so etwas doch etwas Verständnis entwickeln.
Vor allem war Tuchels Punkteausbeute, als die Trennung angekündigt wurde, besser als die eines gewissen Pep Guardiola. Nur leider spielt Bayer Leverkusen aber eine überragende Saison. Die sind so gut, dass selbst die Bestleistungen der Bayern nicht ausgereicht haben, um sich souverän Platz 1 zu sichern.
Aber in Hoeneß beschränkte Wahrnehmung passt es einfach nicht, dass andere auch mal überragende Arbeit leisten. Ihm fehlt es einfach an menschlicher Größe, um so etwas zuzugeben. Also muss der Trainer Schuld sein. Juan Bernat war anscheinend nicht erreichbar.

Dann führt dieser Trainer, mit dem Hoeneß schon abgeschlossen hat, die Bayern aber ins Halbfinale der Champions League. Plötzlich wird die Frage gestellt, ob Tuchel nicht doch bleiben soll. Hoeneß stellt ganz elegant sicher, dass dies ausgeschlossen ist. Denn ein "in seiner Trainerehre" gekränkter Tuchel wird auf keinen Fall bleiben.

Und die Kritik von Hoeneß ist halt so was von realitätsfern. Sie beweist nur, dass das eigentliche Problem mittlerweile Hoeneß heißt. Tuchel macht die jungen Spieler nicht besser? What the fuck?

Aleksandar Pavlovic hat sich in den Dunstkreis des EM Kaders gespielt. Des deutschen EM Kaders. Mag sein, dass das ein Anfall von Panik war, weil Julian Nagelsmann verhindern wollte, dass der Deutsch-Serbe sich für das Land seines Vaters entscheidet. Aber dass Pavlovic da jetzt schon auf dem Radar gelandet ist, liegt auch an Tuchel.
Mathys Tel hat sich zu einem Joker entwickelt, den man auf jedem Niveau reinwerfen kann. Also auch bei den anstehenden Champions League Spielen gegen Real Madrid. Die ersten Tore in diesem Wettbewerb erzielte er unter Tuchel.
Beide Spieler sind nebenbei zarte 19 Jahre. Ist Pavlovic gerade in seinem ersten kleineren Tief? Sicher. Fehlt Tel noch einiges, um eine Option über 90 Minuten zu sein? Bestimmt. Aber beide sind für ihr Alter in einer wunderbaren Position. Ich sage jetzt mal etwas ganz Dreistes: Ich bezweifle, dass ein 19-jähriger Florian Wirtz beim Rekordmeister eine wichtigere Rolle übernommen hätte. Gut, der kam da gerade von einem Kreuzbandriss zurück, da ist es leicht, so was zu behaupten.
Nebenbei hat Tuchel auch einen Thomas Müller weiterentwickelt. Also genau genommen hat Jamaal Musiala den entscheidenden Schritt gemacht, weshalb niemand mehr fragt, warum Müller in wichtigen Spielen nicht in der Startelf steht. Ist das sonst jemanden aufgefallen? Das war gegen Arsenal gar kein Thema mehr, vor 12 Monaten war es noch ein riesiger Punkt. Aber Müller nimmt auch zum ersten Mal in seiner Karriere die Rolle als Mentor und Ergänzungsspieler an, obwohl er vorher noch nie bewiesen hat, dass er einer Mannschaft von der Bank aus weiterhelfen kann.
Dazu kommt nebenbei das Bundesligadebüt von Lovro Zvonarek. Wenn die Bayern mit 5 Punkten Vorsprung an der Spitze thronen würden, wären alle zu 100 % mit der Entwicklung dieser Spieler zufrieden.

Dann, um endgültig die eigene Verwirrung nachzuweisen, lobt Hoeneß den Charakter von Xabi Alonso, weil der sich auf seine Aufgabe in Leverkusen fokussiert und sich nicht von den Bayern kaufen lässt. Während die Bayern letztens Julian Nagelsmann gekauft haben. Und mit einem ebenfalls mit gültigem Vertrag ausgestatteten Ralf Rangnick verhandeln. Wenn man den Xabi Alonsos Ansatz an diejenigen anwendet, haben die sich selbst disqualifiziert. Und die Bayern haben überhaupt nur angefragt, um eine Absage zu bekommen und den  Charakter zu testen.

Dass ein Harry Kane nebenbei sanften Druck auf seinen Ex-Verein ausgeübt hat, damit er zu den Bayern kommen kann... wie das 80 % aller Spieler im Kader des Rekordmeisters gemacht haben... ist auch was anderes.
Oder nehmen wir Max Eberl, der so ein wenig die Lust auf RB Leipzig zu verlieren schien, als die Bayern auf der Suche nach einem Sportvorstand waren...
Es ist einfach nur verwirrend, dass Hoeneß hier Charakterzüge lobt, die ihm anscheinend sonst total egal waren.

Aber hey, vielleicht beweist Rangnick ja auch Charakter und sagt offen, dass er wegen Hoeneß absagt. Wäre spannend, wie Hoeneß reagiert. Andererseits ist es Rangnicks letzte Chance, einmal deutscher Meister zu werden.

Man muss nebenbei auch mal festhalten, wie abgefuckt die Trainersuche bei den Bayern ist. Die wurden gerade 11 Mal in Serie Meister. Die Mannschaft ist immer noch so gut aufgestellt, dass sie nächste Saison der haushohe Favorit ist. Man hat gerade eine der (wieder) aufstrebenden englischen Spitzenteams geschlagen. Man hat nachgewiesen, dass man durchaus noch ins Halbfinale der Champions League kommen kann. Auch wenn ich persönlich nicht damit gerechnet habe.

Theoretisch ist das ein absoluter Traumjob. Im schlechtesten Verlauf poliert man seinen Lebenslauf mit 2-3 nationalen Titeln auf und zieht dann weiter. Im Idealfall hat man die Meisterschaft schon im März eingetütet und kann sich voll und ganz auf das europäische Geschäft konzentrieren.
Das könnte nebenbei ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil sein. Also Bayern, Real und Paris haben ihre nationalen Ziele schon abgeschrieben und konnten sich schon im Viertelfinale voll auf Arsenal und Man City konzentrieren, die dagegen zwischendurch entscheidende Ligaspiele auf dem Reiseplan hatten.

Es sollte eigentlich wenig begehrtere Jobs geben. Da sollte es eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit sein, dass der "dritte Kandidat" überhaupt angefragt werden muss. Die Bayern haben jetzt schon Absagen von Alonso, Nagelsmann und Unai Emery. All die beschäftigen sich lieber mit anderen, spannenderen Projekten. Rangnick wäre die Absage Nummer 4. Was kommt als Nächstes? Eine Absage von Lothar Matthäus?

Vielleicht sind die Zeiten, in denen man unter Uli Hoeneß arbeiten wollte, einfach vorbei. Nur so als Idee.

Montag, 29. April 2024

Worst of der belanglosesten Spitzenspiele ever.

 Eigentlich war es ein Traumszenario für die DFL: am 31. Spieltag sind die Top 6 der Bundesliga unter sich. Sie spielen in direkten Duellen aus, wer am Ende wo ins Ziel kommt. Das ist eine garantiert einzigartige Konstellation. Andere führen extra "Meisterrunden" ein, um solche Spieltage zu bekommen, an denen zwangsweise alle einschalten. Und in der Bundesliga...

Also ja, ich war echt fasziniert, wie sehr die Stuttgarter von dem absehbaren späten Ausgleich von Bayer emotional getroffen war. Sind die heimlich doch abgestiegen? Aber die sind halt noch jung und naiv...
Beim Rest... gingen die Emotionen nur hoch, wenn jemand auf dem Boden lag. OH MEIN GOTT!!! Hoffentlich hat sich Harry Kane nicht verletzt! Wie konnte der Trainer den nur aufstellen? Und dann die PSG Fans so: Bitte nicht Hummels!!! Den brauchen wir!

Nur um so ein paar Beispiele zu bringen: Im theoretisch besten und wichtigsten 31. Spieltag aller Zeiten standen Marcel Sabitzer, Jamaal Musiala und Florian Wirtz nicht auf dem Rasen. Denn was unter der Woche passieren wird, ist halt wesentlich wichtiger. Diese 4 Spiele waren definitiv völlig belanglos. Egal, wie man es dreht und wendet. Aber hey, dafür kann ich jetzt langsam anfangen, die Dortmunder Ultras zu fragen, welche Proteste gegen die Aufblähung der Champions League die so geplant haben. Da wird bestimmt richtig viel kommen...

Und nur um mal zu beweisen, wie belanglos Platz 7 wirklich ist: Der SC Freiburg verteidigte diesen Platz, in dem man souverän sein Heimspiel beim theoretisch noch im Abstiegskampf steckenden VfL Wolfsburg verlor. Augsburg nutzte diese Gelegenheit, um auch einen kompletten Aussetzer auf den Heimspiel-Rasen zu bringen. Und Hoffenheim dachte sich in der ersten Halbzeit, dass es nur fair ist, wenn sie auch dem VfL Bochum 3 Punkte schenken. Als Ausgleich für die Nicht-Leistung gegen die Mainzer. Das ist im Sinne der Wettbewerbsverzerrung sehr löblich.
Nebenbei verlor Hoffenheim auch gegen Union Berlin. Dazu holten Wolfsburg und Köln jeweils ein Unentschieden. Damit haben die in der Rückrunde gegen die letzten 7 der Liga nur ein einziges Spiel gewonnen... Letzte Woche gegen Gladbach. Und gegen Darmstadt spielen sie noch. 1 Sieg aus 7 Spielen gegen die Kellerkinder... nur um nochmal festzuhalten, dass dieses Jahr verdammt viele Mannschaften die Bilanz eines Abstiegskandidaten aufweisen, obwohl sie nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

Darmstadt hat sich derweil endgültig verabschiedet. Ich erwähne das nur, um festzuhalten, wie wichtig die angeblichen "Big Points" der letzten Woche waren: Sie hielten die Mannschaft am Ende für weitere 90 Minuten theoretisch am Leben.
Genauso wie Robin Zentner jetzt den 1. FC Köln am Leben hielt. Also nur um festzuhalten, warum ich diesem Torwart nicht traue: Er sah jetzt zum 2. Mal infolge bei der Strafraumbeherrschung schlecht auf. Der Konter gegen die Mainzer dürfte lauten: Schlagt einfach blind hohe Bälle auf den Elfmeterpunkt, Zentner wird die schon verwerten...

Donnerstag, 25. April 2024

Um nochmal bei den Negativserien nachzuharken

 Also als kurze Erinnerung: Am Samstag hab ich hier ausgeführt, wie viele Bundesligisten gerade bei höchstens einem Sieg in den letzten 5 Spielen sind. Wie viele Mannschaften die Rückrunde ziemlich verkacken.

Dann habe ich die These aufgestellt, dass das auch daran liegt, dass viele Mannschaften die Saison schon abgehakt hatten. Sie gingen davon aus, dass sie nicht in den Abstiegskampf rutschen werden, aber nach oben geht auch nichts mehr... also rutschen die doch in den Abstiegskampf.

Und dann habe ich kurz ausgeführt, dass das ja immer wieder passiert. Das zum Beispiel Werder Bremen zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre eine grausame Rückrunde angeboten wird.

Dabei fiel mir dann ein Gedanke auf: Es gibt eine einzige Mannschaft, der das nie passiert. Oder zumindest so gut wie nie. Die eigentlich auch immer frühzeitig ihr eigentliches Saisonziel "Nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben" frühzeitig erfüllen. Die dann aber trotzdem...

Also 2023 beenden sie die Saison mit 4 Siegen und 2 Unentschieden aus den letzten 10 Spielen.
2022 sind es ebenfalls 4 Siege, aber nur ein Unentschieden.
2021 sind es "nur" 3 Siege und 2 Unentschieden.
2020 sind es wieder 4 Siege und 3 Unentschieden...
Man erkennt da ein gewisses Muster.
2019 war der eine "schwächere Endspurt", in dem man "nur" 2 Siege und 3 Unentschieden holte.
Diese Mannschaft beendete die Saison immer zwischen Platz 5 und 13. Platz 13 war offensichtlich die Saison, in der man den Endspurt "verkackt" hat.

Die Rede ist offensichtlich vom SC Freiburg unter Christian Streich. Wer hätte es gedacht: Natürlich liefert der beste aktive Trainer diese konstante Bilanz hin. Aber es ist schon bemerkenswert, dass die Freiburger nicht nur immer wieder gut in die Saison starten, sondern hinten raus nie wirklich die Spannung verlieren. Dass die, auch wenn es nur noch um Platz 8 geht, trotzdem nicht den Betrieb einstellen. 

Das liegt auch ganz offensichtlich daran, dass Streich seine Spieler über die Saison hinweg weiterentwickelt. In der aktuellen Saison ist es Merlin Röhl, der über das Jahr hinweg vor unseren Augen zum Stammspieler reifte. Und Noah Atubolu wird mit immer souveräner. Und man könnte da jedes Jahr durchgehen. Man muss ja nur die Abgänge wie Kevin Schade,  Mark Flekken, Luca Waldschmidt und Nico Schlotterbeck durchgehen. Oder an Vinzenco Grifo denken, der bisher nur unter Christian Streich und in dessen System ein guter Bundesligaspieler war... und entsprechend schnell zum SC zurückkehrte.

Es ist auch einfach ein echt unfairer Wettbewerbsvorteil, dass der SC Freiburg jahrelang auf diesen überragenden Trainer bauen durfte. Denn normalerweise, wie man ja ganz praktisch in Mainz sehen konnte, gehen diese Trainer dann doch zeitnah nach Dortmund. In Freiburg konnte man sich 15 Jahre lang darauf verlassen, dass die Mannschaft übers Jahr hinweg einfach besser wird. Und dass man nicht noch spontan in den Abstiegskampf rutscht, weil man die Saison zu früh abschließt.

Über Christian Streich gibt es endlos viele Lobeshymnen, aber den "Seine Mannschaften brechen nebenbei nie ein" Aspekt wurde dabei nie angesprochen.

Und nebenbei bekommen andere Trainer da viel zu oft einen "Freifahrtschein". Also nehmen wir mal unser Lieblingsbeispiel: Werder Bremen. Die verlieben sich ja immer wieder nach einem guten halben Jahr in ihren Trainer, weil sie krampfhaft auf der Suche nach Stabilität und den nächsten Thomas Schaaf sind. Deswegen durfte Florian Kohfeld im Amt bleiben, als er die Mannschaft souverän in die Relegation geführt hat. Letzte Saison musste sich Ole Werner keine kritischen Fragen gefallen lassen, als er die Saison mit einem Sieg aus 11 Spielen "ausklingen" ließ. Als Aufsteiger kann das ja mal passieren. Jetzt ist Werder schon wieder bei nur einem Sieg aus 9 Spielen. Aber solange sie nicht direkt in den Abstiegskampf rutschen, wird sich Werner keine Gedanken um seinen Job machen müssen.

Obwohl er jetzt in der 2. Saison infolge nachweist, dass er eine Mannschaft während der Saison nicht wirklich besser macht. Denn wenn ihm das gelingen würde, kämen ja solche Serien nicht zustande. Dabei wäre es gerade für eine Mannschaft wie Werder Bremen essenziell, einen Trainer zu finden, der genau das kann. Denn man gehört ja zu diesen designierten "Grauen Mäusen", die nicht auf dem Transfermarkt fett einkaufen können, sondern müssen zwangsweise auf die Entwicklung in ihrem eigenen Kader setzen. Sowohl um garantiert eine sorgenfreie Saison zu spielen (und eventuell mal nach oben zu schielen), als auch um das nötige Kleingeld auf dem Transfermarkt zu generieren.

Trotzdem wird Werder die Stabilität mehr schätzen, als die Chance auf eine Weiterentwicklung. Sie werden so lange mit Platz 13 zufrieden sein, bis sie irgendwann reagieren müssen, weil doch der Abstieg droht.

Und versteht mich nicht falsch: Ich fordere jetzt keine Entlassung von Werner. Aber man sollte sich nach der Saison damit auseinandersetzen. Die letzten beiden Saisons analysieren, die Gemeinsamkeiten in der schwachen Rückrunde erkennen und dann darüber nachdenken, ob man sich dann neu orientiert. Oder ob man Werner noch eine Saison gibt, in dem er diese offensichtlichen Probleme löst.

Aber nach der Saison die Trainer auszutauschen, wird ja kaum gemacht. Also klar, die Bayern versuchen das gerade. Und sie haben das mit Pep Guardiola 2 Mal gemacht: Als sie ihn geholt haben und als er ging. Und dann gab es die eine Saison, in der Wolfsburg, Frankfurt und Gladbach die Trainer im Kreis getauscht haben. Aber normalerweise wechselt man die Trainer, wenn während der Saison was schiefläuft... und nicht wenn man nach der Saison feststellt, dass es keine Weiterentwicklung gibt. Also wie das die Amerikaner machen, bei denen die Trainer am sogenannten "Black Monday" entlassen werden: dem ersten Montag nach der regulären Saison. Aber die haben halt auch keinen Abstiegskampf, da ist so was einfacher.

Die andere Seite des Problems ist natürlich, dass Ole Werner kein schlechter Bundesligatrainer ist. Er dürfte schon den Durchschnitt darstellen. Er macht ja wenig wirklich verkehrt, er macht dich nur nicht besser. Und wenn sich der neue Kandidat dann als "schlechter Bundesligatrainer" entpuppt, hat man das Problem. Da hält man doch lieber so lange wie möglich an dem Durchschnitt fest.

Was aber auch nur bedeutet: Werder wird so lange im derzeitigen "Graue Maus" Status bleiben, bis sie irgendwann in den Abstiegskampf rutschen. Wirkliches Bestreben, da progressiv herauszukommen, ist wieder mal nicht in Sicht. 

Werder Bremen ist da natürlich kein Einzelbeispiel. Borussia Mönchengladbach ist mit Gerado Seoane in derselben Position. Und beides sind allgemein Mannschaft, die schon noch die wirtschaftliche Potenz (und eine entsprechend große Fanszene) haben, um souverän in der Bundesliga mitzuspielen, denen aber die Investitionsmöglichkeiten fehlen, um wirklich und konstant oben anzugreifen. Und beide sind, ganz sachlich gesehen, auf der Suche nach ihrem Christian Streich. Der letzte "Streich-Kandidat" der beiden dürfte Lucien Favre von 2010 bis 2014 gewesen sein. Aber Favres überraschender Rücktritt im Jahr 2015 belegt ja auch nur, wie schwer es ist, so einen Trainer zu halten. Seitdem wird auf der Trainerbank munter rotiert, aber keiner konnte konstanten Erfolg verbuchen.

Aber, so fair muss man sein, mit Adi Hütter, Daniel Farke und eben Seoane holte man zuletzt 3 Mal infolge einen neuen Trainer zum Trainingsauftakt. Die sind also gewillt, nach einer durchschnittlichen Saison nach Verbesserungsmöglichkeiten auf der Trainerbank zu suchen. Jetzt kann Werder darauf zeigen und behaupten "Seht ihr, das bringt doch auch nichts", während Gladbach sagen kann "Wir haben uns wenigstens bemüht"... alles nur ne Frage der Perspektive.

Montag, 22. April 2024

Worst of der statistischen Anomalie

Hier wurde ja am Samstag spontan ausgeführt, dass gerade 10 von 18 Bundesligisten bei einem Sieg in 5 Spielen stehen. Oder bei einer noch viel schlechteren Bilanz. Die meisten stehen bei einer noch viel schlechteren Bilanz. Nun muss so ein Bundesliga-Spieltag ja Bewegungen in diese Serien bringen, weil auch jemand gewinnen muss, wenn alle gefühlt nur verlieren.

Und tatsächlich... konnten Hoffenheim und Wolfsburg ihre jüngste Bilanz auf "Ist doch gar nicht so schlimm, immerhin gab es 2 Siege" korrigieren. In den anderen Spielen hat aber immer genau die Mannschaft gewonnen, die danach trotzdem nur bei einem Sieg in viel zu wenigen Spielen sind. Also nehmen wird Darmstadt: 1 Sieg in 22 Spielen ist besser als 22 Spiele ohne Sieg... aber halt nicht wirklich relevant besser.

Ich fand da auch den Thumbnail von der Sportschau genial: Big Points im Abstiegskampf! Wirklich? Herzlichen Glückwunsch, Darmstadt! Ihr könntet jetzt doch noch Vorletzter werden. Wir gratulieren zu diesem Durchbruch.
Gerade im Kölner Fanblock brach ja in diesen 90 Minuten die Erkenntnis durch, dass man die Klasse nicht halten kann, wenn man nicht mal gegen die gewinnt. Da ist es nur schwer vorstellbar, dass sie noch 5 Punkte aus 4 Spielen holen. Nicht unmöglich, aber extrem unwahrscheinlich.

Es wurde ja auch deutlich, dass die stand jetzt 4 schlechtesten Mannschaften am Samstagnachmittag aufeinandertrafen. Und dass Wolfsburg derzeit zu genau diesen Mannschaften gehört. Wolfsburg hätte ja nie einen Treffer erzielt, wenn nicht 4 Bochumer tatkräftig mitgeholfen hätten. Also Bernado, Eren Masovic, Patrick Osterhage, nochmal Masovic und Felix Passlack hatten ja die Möglichkeit das Tor durch konsequenteres oder rustikales Eingreifen zu verhindern. Masovic erster Beitrag, in dem er den Ball sortiert raus spielen will, anstatt einfach und klar zu klären, ist dabei das geringste Problem. Der Rest war aber schon sehr erbärmlich "verteidigt". Darmstadt ging nach einem einfachen Eckball in Führung. Das 2. Tor war ein Abstauber, nachdem Schwäbe denn Ball nur nach vorne klären kann. Vorher wurde das gesamte Spielfeld mit einem langen Ball überbrückt.
Keine dieser Mannschaften war wirklich in der Lage, sich konsequente Chancen herauszuspielen. Trotzdem waren das die Topspiele der Samstags-Sportschau. Das gibt es nur in der besten Liga der Welt.

Da bleibt als letzter großer Unterhaltungsfaktor die absurde Mission von Bayer Leverkusen. Die versuchen den Ausgleich jedes Spiel noch eine Minute später zu erzielen. Mittlerweile sind sie in der 97. Minute angekommen. Viel Spielraum haben sie da nicht mehr.
Aber das wirklich Absurde daran ist ja, dass die wirklich nur noch für die Statistik an der Serie festhalten. Die hätten sich sowohl gegen West Ham, wo Matej Kovar eine Verwarnung wegen Zeitspiels bekam, als auch gegen Dortmund eine Niederlage leisten können. Das wäre in der großen Erfolgsbilanz jeweils untergegangen. Trotzdem, oder gerade deswegen, schlugen sie 2-mal spät zurück.

Mittlerweile dürfte es bei den Wettbüros eine bessere Quote geben, wenn man bei Rückstand in der 85. Minute darauf setzt, dass Leverkusen nicht trifft.

Samstag, 20. April 2024

Es ist super faszinierend,

 Wie viele Mannschaften gerade die Rückrunde verkacken.

Also ich schreibe das "jetzt schon" und nicht erst am Montag, weil die Anti-Serien am Wochenende durchbrochen werden müssen. Angefangen bei der Eintracht, die das ja schon hinbekommen hat. Denn als ich auf den Kicker-Ticker guckte und Frankfurt schon wieder hinten lag, fragte ich mich, wie es eigentlich sein kann, dass die ihren an sich souveränen Vorsprung verspielt haben könnten.

Und dann fiel mir halt auf, dass Frankfurt auch schon 4 Spiele auf einen Sieg wartete. Und klar, in der 2. Halbzeit rafften sie sich auf und schlugen Augsburg doch noch. Aber selbst 1 Sieg aus 5 Spielen ist für einen Europacup Kandidaten verdammt wenig.

Aber die sind da ja nicht alleine: Heidenheim hat nur eines seiner letzten 7 Spiele gewonnen. Ausgerechnet gegen die Bayern.
Köln hat nur eines der letzten 9 Spiele gewonnen. Aber sie zeigten ihre beste Leistung seit langem gegen die Bayern.
Darmstadt wartet seit dem 7. Spieltag auf einen Dreier... das sind 22 Spiele.
Wolfsburg hat nur eines von 14 Spielen gewonnen.
Bochum ist bei einem Sieg aus 11 Spielen. Und die gewannen auch gegen die Bayern.
Hoffenheim ist bei einem Sieg und 4 Niederlagen in den letzten 5 Spielen.
Gladbach ist bei einem Sieg in 6 Spielen und einer Bonusniederlage gegen den Drittligisten aus Saarbrücken.
Union Berlin ist bei einem Sieg in 7 Spielen.
Werder Bremen ist bei einem Sieg in 10 Spielen. Und bei 2 Punkte aus 8 Spielen.
Selbst die großen Bayern haben, auch wenn ihre Serie kleiner ist, nur eines der letzten 3 Bundesligaspiele gewonnen. Was für sie unterirdisch ist. Aber die werden nur zum Spaß erwähnt.

Wie kann es bitte sein, dass 9 Bundesligisten die Bilanz eines Absteigers vorweisen? Also alle 9 auf gleichzeitig. Und Frankfurt wäre als 10. Mannschaft dazugekommen, wenn sie nicht gerade die Kurve bekommen hätten.
Wie kann die halbe Liga in der Rückrunde so einbrechen? Müssen die nicht rein statistisch mehr Spiele gewinnen, weil sie ja irgendwie gegeneinander spielen? 

Meine offensichtliche These ist ja, dass all diese Mannschaften unter einem gewissen Spannungsverlust leiden. Die waren halt vor dem Auftakt ihrer Negativserie an einem Punkt angelangt, an dem es für sie eigentlich um nichts mehr geht. Also nehmen wir mal die Frankfurter: Die lagen nach Sieg im 6-Punkte-Duell am 25. Spieltag 7 Punkte vor Hoffenheim. Sie lagen aber auch 6 Punkte hinter RB Leipzig. Da sollte in beide Richtungen eigentlich wenig gehen. Und dann geht man dann nicht mehr an die absolute Leistungsgrenze. Zumindest so lange nicht, bis Augsburg sie in der Blitztabelle überholt hatte. Da dachte man sich dann doch: "Oh shit, wir müssen mal wieder!" Und immerhin konnten sie dann auch reagieren.

Oder Wolfsburg. Die haben ja, abgesehen von den Darmstädtern, die bescheidenste Bilanz. Und den Darmstädtern mangelt es halt grundlegend an der nötigen Qualität für diese Liga. Aber Wolfsburg war nach ihrem Sieg am 15. Spieltag gegen genau die Darmstädter Tabellenneunter. 5 Punkte hinter dem offiziell letzten Europacup-Platz. 9 Punkte vor der Relegation. Das ist dann auch der Punkt, an dem du als Spieler unterbewusst feststellst, dass du für die ersten 6 nicht gut genug bist. Und dass Platz 8 reichen könnte, war da ja noch nicht abzusehen. Gleichzeitig sollte man zu viel Qualität für den Abstiegskampf haben. Also macht man unterbewusst einen Schritt weniger. Und dann stellt man fest, dass man sich das nicht leisten kann.

Diese These würde dadurch unterstützt werden, dass sowohl Heidenheim als auch Bochum und, wenn man den Fokus etwas weiter stellt, Werder Bremen gegen die Bayern gewonnen haben. Da hatte man halt die besondere Gelegenheit, den verwundbar wirkenden Rekordmeister zu schlagen. Natürlich war man da dann top motiviert. Aber gegen Augsburg? Oder in Hoffenheim? Da fällt es einem dann plötzlich schwer an die Schmerzgrenze oder darüber hinauszugehen.

Nebenbei ist es ja auch nichts so Ungewöhnliches, dass Mannschaften dann zum Ende der Saison, wenn es um nichts mehr geht, den Faden verlieren. Werder Bremen beendete die an sich ordentliche letzte Saison mit 2 Punkten aus den letzten 8 Spielen. 2020/21 stieg eben dieses an sich schon gerettete Werder mit 10 sieglosen Spielen in Serie ab. Vor dem 25. Spieltag hatte man 12 Punkte Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz, aber dann stellte man komplett den Dienst ein. Schalke holte in der Rückrunde 2020 9 Punkte und rutschte in der Gesamtabrechnung auf Platz 13 ab. 2017/18 quälte sich der VfL Wolfsburg mit 14 Rückrunden-Punkten in die Relegation, obwohl man eigentlich eine solide Hinrunde abgeliefert hat.

Für die legendärste Rückrunde aller Zeiten wurde hier extra eine Hall of Shame eingeführt. Ungewöhnlich ist es nur, dass so verdammt viele Mannschaften gleichzeitig einen derartigen Negativlauf haben.

Das sind ja alles Mannschaften, die eine gewisse Qualität nachgewiesen haben. Also zumindest für die Bundesliga sollte es doch reichen. Trotzdem gibt es immer wieder Mannschaften, die aus an sich souveräner Position völlig den Faden verlieren und in den Abstiegskampf rutschen. Oder in den Abstiegskampf rutschen sollten, es aber nur wegen der überragenden Inkompetenz der Konkurrenz vermeiden können. 

Wirklich spannend ist jetzt ja, was dieses Wochenende in Wolfsburg passiert. Denn die Mannschaft hat die Qualität, um Bochum zu schlagen und sich damit der größten Sorgen zu entledigen. Die müssen halt nur realisieren, dass es auf ein Mal wieder verdammt eng geworden ist und sie den Alltag wieder ernst nehmen müssen. Den berühmten Schalter umlegen. Aber Wolfsburg ist auch in genau der Position, in der die Angst um sich greift und man in eine Negativspirale geraten kann, aus der man nicht mehr rauskommt, obwohl die Qualität eigentlich vorhanden sein sollte. 

Aber dass sie sich in diese Situation manövrieren könnten, konnte selbst vor 4 Wochen noch niemand ahnen. Also "damals" dachte man zumindest noch, dass ein rechtzeitiger Trainerwechsel das Problem beheben müsste. Jetzt hat man den Trainer schon gewechselt und steckt plötzlich trotzdem viel zu tief in der Scheiße.