Donnerstag, 21. März 2024

Schwarz war leider ausverkauft.

 Es ist faszinierend, wie leicht man in diesem Land einen Shitstorm auslösen kann. Und dann regen sich alle darüber auf, dass man ja gar nichts mehr sagen darf, obwohl anscheinend jeder Dahergelaufene laut sagen darf, dass er das neue Trikot Scheiße findet. Schon schön.

Lasst mich mal eines ganz offensichtlich festhalten: Niemand wird schwul, weil er in diesem Trikot spielt. Gut, haben wir geklärt. Es wird auch niemand schwul, wenn er eine Mannschaft in diesem Trikot anfeuert. Aber dieses Design ist, was dann meine einzige Kritik am DFB ist, kein "Symbol für Vielfalt". Denn nur weil ich ein pinkes T-Shirt mit der Aufschrift "Schwarz war leider ausverkauft" trage, solidarisiere ich mich nicht mit der LGBTQ+ Community. Ich trage dann einfach nur ein pinkes T-Shirt mit einem dummen Spruch drauf.

Das "Pink Triangle" ist zum Symbol der Schwulenszene geworden, weil die Szene das für sich eingenommen hat, nachdem, wer auch sonst, die Nazis damit die Schwulen in den KZs gekennzeichnet hat. Da sind wir wieder beim "Man kommt in 3 Klicks zu Adolf Hitler" Spiel. Wer glaubt, dass alles, was Pink ist, sich mit der LBGTQ+ Szene solidarisiert, glaubt auch, dass alles, was Braun designt ist, automatisch Rechtsextrem sein muss, weil die Nazis damals Braun getragen haben. Und ich habe mir das Trikot nochmal genau angeguckt, aber keine pinken Dreiecke gefunden.

Die eigentliche Wahrheit hat Oliver Bierhoff ausgesprochen: Man hat sich für dieses Design entschieden, weil man möglichst viele Trikots verkaufen will. Deswegen wurde auch der Beste nominiert, damit man sich jetzt das Trikot mit der 23 und dem besten Namen beflocken lassen kann. Der hat seinen Platz im endgültigen Kader sicher. Das scheint auch ganz gut zu funktionieren, denn die angeblich große Masse, die sich so laut darüber aufregt, ist am Ende doch nur eine Minderheit.

Dieses Trikot ist im Kern einfach nur eines: ziemlich cool gemacht. Also bisher mussten wir ja immer neidisch auf die Nigerianer gucken, wenn es um geil designte Trikots, die zum Verkaufsschlager wurden, ging. Persönlich würde ich ja behaupten, dass man zum ersten Mal nicht wie ein kompletter Idiot aussehen, wenn man ein Deutschland Trikot trägt. Das ist aber mein persönliches Problem mit allen Ausdrucksformen des Nationalstolzes.
Das mit den mutigeren und kreativen Designs scheint nebenbei ein neuer Trend zu sein, schließlich ist das neue englische Trikot lila. Belgien hat bei Tim und Struppi geklaut. All das bricht auch mit angeblichen Traditionen, löst aber anscheinend keinen Shitstorm aus

Nebenbei, das geht dabei auch ein wenig unter, reden wir hier von dem "Auswärtstrikot", welches wir bei einer Heim-EM, falls alles nach Plan läuft, nie sehen werden. Also vielleicht gegen die Schweiz... Aber die spielen in Rot, da kann man beim Weiß bleiben. Dann noch in einem eventuellen Viertelfinale. Und wenn die das erreichen, betäuben wir unsere Farbrezeptoren mit Alkohol und kommen gar nicht mehr dazu, über die Trikotfarbe nachzudenken.

Und für die Traditionalisten unter uns, die unbedingt ein klassisches Deutschland Trikot in Weiß mit Schwarz-Rot-Goldenen Farbelementen brauchen: kauft doch einfach das Heimtrikot. Denn obwohl die Hauptattraktion und der eigentliche Verkaufsschlager ja genau in deren Schema passt, behaupten die trotzdem, dass der DFB nur noch und ausschließlich Politik für eine modebewusste Minderheit macht und sie komplett vergessen hat...

Und nur um das mal festzuhalten: Bei den Auswärtstrikots hatte man schon immer etwas mehr Freiheit bei der Gestaltung. Das war ursprünglich Grün. Danach dann hauptsächlich Rot. Wenn man jetzt zu den Grünen Trikots zurückkehren würde, würde man doch all die Idioten, die sich jetzt aufregen, hinter diesem Trikot dann eine linksgrünversiffte Symbolpolitik vermuten würden. 

Aber guckt euch doch einfach mal das verdammt hässliche, giftgrüne Design von der WM 1990 an... Und dann vermeidet es auf jeden Fall, nach rechts zu blicken, denn dann könnte man auf die Idee kommen, dass das neue Auswärtstrikot eine Hommage an das Bodo Illgner Trikot von 1990 ist... nur um zu beweisen, dass man in derartigen Trikots durchaus Weltmeister werden kann.

Faszinierender Weise wird die "Shitstorm Fraktion" jetzt die Verkaufszahlen antreiben. Denn es gibt ja keine schlechte Presse. Und natürlich wird diese Fraktion dann laut "Fake News" brüllen. Denn hierbei muss ja etwas extrem wichtiges bedacht werden: Die vergleichen die jetzigen Verkaufszahlen nicht mit den 1,5 Millionen verkauften Heimtrikots vor der WM 2014. Die vergleichen das mit den anderen Auswärtstrikots. Und jetzt überlegt selber mal, wie viele Menschen in den hässlichen grünen Dingern ihr wirklich gesehen habt. Genau.

Und ja, der eine oder die andere wird sich denken: jetzt erst recht! Ich hole mir extra das Auswärtstrikot, um den Idioten den Fick Finger zu zeigen. Meinen letzten Fußball-Fanartikel habe ich aus genau diesem Grund gekauft. Alles, was die wirklich erreicht haben, ist ja mehr Aufmerksamkeit. Also abgesehen davon, dass sie nachgewiesen haben, wie rückständig dieses Land immer noch ist, weil man ihnen erklären muss, dass Pink wenig mit der LBGTQ+ Community zu tun hat. Scrollt jetzt nach oben und lest den Artikel in einer Endlosschleife... Denn es ist faszinierend, wie...

Dienstag, 19. März 2024

Eigentlich ist es doch nur schön.

 Zu schön, um wahr zu sein. Der SC Freiburg und Christian Streich halt.

Streich beendet jetzt im Sommer seine Karriere selbstbestimmt. Der hat ja mittlerweile auch alles erlebt, was man in dem Verein erleben kann. Und wenn man seine Arbeit als Jugendtrainer hinzuzieht, hat er auch genügend Titel gewonnen. Der SC Freiburg hat genügend Zeit, um mit Julian Schuster einen Nachfolger zu finden. Und das allerwichtigste: Beide gehen in Frieden und Eintracht auseinander. Und Streich hinterlässt ein bestelltes Feld mit einem mehr als bundesligatauglichen Kader.

Man beendet die Ära mit einer guten, aber nicht überragenden, Saison, was auch für den Nachfolger gut ist, da er sich nicht auch noch an kurzfristig überhöhten Erwartungen messen lassen muss. Sondern nur den besten Trainer aller Zeiten ersetzen, was natürlich schwer genug wird.

Aber das ist alles so was von keine Selbstverständlichkeit. Selbst für Streich persönlich nicht, schließlich wäre der fast mal gewechselt. Zu Schalke 04. Das wären spannende 9 Monate geworden. 

Man muss das nur mal mit der persönlichen "Konkurrenz" von Streich vergleichen. Fangen wir beim Offensichtlichsten an: Volker Finkes Abgang wurde im Dezember 2006 bekannt gegeben... Als der SC Freiburg auf Platz 13 stand. Das klingt wie eine Überreaktion, bis einem bewusst wird, dass es Platz 13 in der 2. Liga war. Die standen kurz davor, in den Abstiegskampf im Unterhaus zu geraten. Und der Wiederaufstieg gelang erst in der 4. Zweitligasaison. Anders ausgedrückt: Das Ende der Ära Finke fällt in die schlechteste Phase, die der SC Freiburg in diesem Jahrtausend erlebt hat... Es war das erste und bisher einzige Mal, dass der SC Freiburg den Wiederaufstieg verpasste. Natürlich versuchten die Fans den Vorstand umzustimmen, aber sachlich gesehen musste Finke einfach entlassen werden, damit es beim SC Freiburg wieder aufwärts gehen kann.

Otto Rehagel, der den Bundesligarekord mit Werder Bremen aufgestellt hat, ging ebenfalls selbstbestimmt... direkt zum größten Widersacher nach München. Er ging auch, weil Werder ihm nicht die personellen Wünsche erfüllen konnte. In seinem letzten Spiel für Werder verspielte er ausgerechnet im Olympiastadion die Meisterschaft... nur um dann herauszufinden, dass König Otto so gar nicht nach München passt. Ein harmonisches Ende sieht definitiv anders aus.

Aber immerhin ging er, als Werder noch wettbewerbsfähig war. Thomas Schaaf verpasste irgendwann als Trainer den Anschluss an die neueren Entwicklungen und Werder darauf hin auch den Anschluss an die Spitze. Schaaf war es, der die Entwicklung zum Abstiegskandidaten einleitete, andere vollendeten diesen Weg dann nur. In seiner letzten Rückrunde holte man nur 2 Siege. Schaaf trat vor dem 34. Spieltag zurück. 83 Tage, bevor er Rehagels Rekord eingestellt hätte. 

Werder hielt zu lange an der einstigen Ikone fest und konnte sich davon nie erholen. Trister kann eine derartige Traumehe eigentlich nicht enden... Es sei denn, man holt, nachdem man wieder viel zu lange mit der Entlassung von Kohfeldt gewartet hat, Schaaf als Feuerwehrmann für den letzten Spieltag zurück, um mit einem 2:4 den Abstieg zu besiegeln. Natürlich entscheidet sich Werder für die 2. Option.

Bleibt natürlich noch Frank Schmidt in Heidenheim. Aber was dort passiert, widerspricht eh jeder Logik. Was da abgeht, würde bei Anstoss 3 als unrealistisch eingestuft werden.
Aber wo wir schon bei aktuellen Namen sind: auch Steffen Baumgart und Urs Fischer wurden am Ende eiskalt entlassen, als sie ihren Mannschaften keine Impulse mehr geben konnten. Bo Svensson wurde ebenfalls unter Tränen entlassen... musste aber entlassen werden, damit man überhaupt eine Chance hat.

Streich klebt jetzt nicht an seinem Stuhl. Er jagt keine eigentlich irrelevanten Rekorde. Die 1000 Tage, die ihm auf Finke fehlen, sind halt auch ein Brett. Er geht, bevor die Geschichte eine tragische Wendung nehmen kann. Er konnte den Betriebsunfall Abstieg so schnell reparieren, dass sich niemand mehr daran erinnern kann, dass Freiburg überhaupt mal abgestiegen ist. Stattdessen erreichte er zuletzt 2 Mal in Folge den Europacup. Und man wird sich völlig zurecht ausschließlich an die guten Zeiten erinnern... weil das ganze halt auch in einer guten Zeit endet.

Das ist ein wunderschönes, aber auch völlig absurdes Ende.

Montag, 18. März 2024

Da guckt man mal eine Woche lang nicht hin

 Also ganz ehrlich: Ich habe den 25. Spieltag ja komplett ausgesetzt. Ich habe so gar nichts davon gesehen, denn als ich gerade die Zeit gehabt hätte, um den Spieltag in der Mediathek nachzuholen, habe ich doch lieber die Welt in Baldurs Gate 3 in die Verdammnis geführt. Fühlte sich irgendwie wichtiger an.

Und dann gucke ich am Samstagabend Sportschau... und heute nach dem Aufstehen fix den Rest. Und dann fällt mir auf: Ich habe wirklich nichts verpasst. 

Vorne manifestieren sich die Fronten mit jedem Spieltag mehr. Die Bayern sind wieder in der Spur. Das ist für Arsenal schlecht, aber für die Liga bei 10 Punkten Rückstand vollkommen egal. Stuttgart marschiert überraschend souverän durch die Liga. Aber gerade das 0:3 der Hoffenheimer zeigt mein persönliches Problem mit der Liga: An sich war das, was Stuttgart da angeboten hat, richtig geiler Fußball. Tolle Kombinationen, hohes Tempo und eine fahrlässige Chancenverwertung: Was will man mehr? Trotzdem saß ich irgendwie da und dachte: Ist nett anzuschauen, aber irgendwie belanglos. Wie ein Ubisoft-Spiel. Und am Ende ist die Diskrepanz zwischen den ersten 5 und dem Rest der Liga so groß, dass es keine Überraschung ist, dass Hoffenheim im eigenen Stadion chancenlos ist.

Natürlich muss der VfB noch zu den ganz schwierigen Aufgaben: Dortmund, Bayern und Bayer stehen noch im Kalender. Der April könnte spannend werden... das ist aber noch ein Weilchen hin.

RB und Dortmund marschieren derweil weitestgehend im Gleichmarsch. Gerade die letzten beiden RB Auswärtsspiele liefen irgendwie identisch ab: Die haben sich den Spaß eine Stunde lang entspannt angeguckt und dann kurz das Tempo angezogen... Und dann zwischen der 62. und der 72 Minute jeweils 3 Tore geschossen, um für klare Verhältnisse zu sorgen. 

Die Borussia steht nebenbei vor einem großartigen April. Also der beginnt am 30.3. bei den Bayern. Dann stehen Stuttgart, Gladbach, Bayer und RB auf dem Menü... und 2-mal Atlético Madrid. Wenn deine schlechteste Partie ein absoluter Bundesliga-Klassiker ist, hast du viele großartige Spiele vor der Brust. Und genau da wird sich auch dann entscheiden, ob wir bis zum Sommer wenigstens ein spannendes Rennen um Platz 4 bekommen. Andererseits werden wir dann auch erfahren, ob Platz 5 für Dortmund reicht.

Im Keller hat der VfL Bochum hat nach 4 Niederlagen in Folge jetzt 2 Punkte weniger Vorsprung auf den Relegationsrang als vorher. Die drohen echt in die "Wir gewinnen nach dem Sieg gegen die Bayern gar nichts mehr" Falle zu tappen. Und dann könnte es auch echt nochmal eng werden. Andererseits spielen sie als Nächstes gegen Darmstadt und Köln. Ob es also "ernst" wird, erfahren wir direkt nach der Länderspielpause. Und ganz realistisch gesehen hat "die Konkurrenz" jetzt 2 Spiele weniger Zeit um sie noch abzufangen. 

Diese Konkurrenz aus Mainz und Köln haben die Plätze getauscht. Was meiner Meinung nach bis zum 34. Spieltag immer wieder mal passieren wird. Beide sind halt gleich schwach. Am Ende wird entscheidend sein, wer gegen die Mannschaften, die den Spielbetrieb quasi schon eingestellt haben, mehr Punkte holt. Das halte ich persönlich für noch wichtiger, als das direkte Duell. Um mal ganz weit vorauszuschauen: Am letzten Spieltag spielen die einen in Wolfsburg und die anderen in Heidenheim. Die Wolfsburger werden da schon ihre Spinde ausgeräumt haben und warten nur noch darauf, dass sie so schnell wie möglich in den Urlaub fliegen dürfen. Die Heidenheimer könnten als richtiger Dorfklub die Saison nicht ganz nüchtern ausklingen lassen. Und in denselben Rechtecken werden die Mainzer und Kölner um ihr Leben kämpfen. Das wird ganz groteskes Kino.

Wolfsburg hat ja tatsächlich so viel Angst vor einer Aufholjagd der Mainzer, dass sie es jetzt doch mal mit einem richtigen Trainer versuchen werden... Und nicht mit dem zweitschlechtesten Meistertrainer seit Armin Veh. Eigentlich wollte man die Saison noch irgendwie gemeinsam zu Ende bringen, aber es wäre ihnen wahrscheinlich doch peinlich, wenn sie die Klasse dann mit 19 sieglosen Spielen infolge halten. Ich hätte das natürlich gefeiert, aber die Wolfsburger verzichten auf diese historische Chance.

Nebenbei muss man hier nochmal festhalten, dass die in der Rückrunde immer noch sieglos sind... und trotzdem nicht die schlechteste Rückrundenmannschaft stellen. Nicht nur das, sie haben auch nur 2 beziehungsweise 3 Punkte weniger geholt, als Köln und Mainz. Es ist völlig absurd, wie schlecht man derzeit abschneiden kann, ohne in den direkten Abstiegskampf zu rutschen. Mich würde es nebenbei nicht mal überraschen, wenn die 25 Punkte in der Theorie am Ende reichen könnten. Das "in der Theorie" ist dabei kompliziert, weil Mainz und Köln ihre Spiele gegen Wolfsburg und Bochum verlieren müssen, damit sie nicht auf mehr als 25 Punkte kommen. Aber ich bin absolut davon überzeugt, dass 28 Punkte für den direkten Klassenerhalt reichen werden. Das sind Leistungen, die selbst dem HSV peinlich wären.

Persönlich stelle ich halt gerade fest, dass es mir noch nie so egal war, wie der Bundesligaspieltag abläuft. Deswegen kann ich auch ganz schlecht etwas Neues schreiben, weil es ja einfach ganz sachlich gesehen nichts Neues gibt. Und klar, so eine Phase ist im März nicht soo ungewöhnlich, weil sich die Tabelle da endgültig sortiert. Am Ende bringen sich bis Mitte April alle nur in Position für ihren Endspurt. Aber sonst stecken halt 4 Mannschaften realistisch im Abstiegskampf, nicht nur 2. Dadurch kommt dann doch jede Menge Würze in die eher trostlose Suppe.

Dazu kommen wir natürlich von diesem extremen emotionalen Hoch des nicht hochklassigen, aber unfassbar spannenden Meisterschaftskampfes. Also letztes Jahr um diese Zeit hat man jeden Sonntag gespannt auf die Tabelle geguckt, weil es ständig passieren konnte, dass der Tabellenführer wechselt. Jetzt könnte Leverkusen 3 Spiele infolge verlieren und würde trotzdem garantiert weiter oben stehen. Das nimmt halt auch unfassbar viel Spannung raus, auch wenn es eigentlich unfassbar geil ist, was Leverkusen da anbietet.

Dazu kommt, dass letztes Jahr mit Hertha, Schalke und Stuttgart 3 Traditionsvereine den Abstiegskampf dominierten. Das sind halt auch Vereine, die selbst dann eine Menge Emotionen auslösen, wenn man kein Fan von ihnen ist. Wenn jetzt am Ende Mainz und Darmstadt absteigen sollten, wird das einfach nicht denselben Effekt haben.

Freitag, 15. März 2024

Diese Saison bleibt eine völlig absurde.

 Das kann einem eigentlich keiner erzählen. 

Der 1. FC Saarbrücken hat mehr Spiele gegen Bundesligisten gewonnen (im Pokal gegen Gladbach, Frankfurt und Bayern) als Mainz und Darmstadt (jeweils 2 Siege in 25 Spielen). Und genauso viele wie der 1. FC Köln. Der Drittligist würde wahrscheinlich die Klasse halten, weil die anderen so absurd schwach sind.

Bayer Leverkusen dominiert die Liga nach Belieben und ist der letzte Bundesligist im Pokal... aber lag gegen Qarabag nach 70 Minuten in Hin- und Rückspiel mit 0:4 zurück. Dank insgesamt 3 Treffern in den beiden Nachspielzeiten erreichte man trotzdem ohne Verlängerung das Viertelfinale. Qarabag ist für 70 Minuten lang das Kryptonit. Xabi Alonso rotiert nebenbei trotz 10 Punkten Vorsprung lieber in einem K.O. Spiel, als in der Liga...

Die Bayern spielen abgesehen von den einem Rotations-Aussetzer im Pokal gegen Saarbrücken eine gute Saison. Sie haben 5 Punkte mehr, als zum selben Zeitpunkt der Vorsaison. In den letzten 5 Jahren hatte man nach 25 Spielen nur ein Mal mehr Punkte als die derzeitigen 57. Die Bayern sind voll im Soll. Dazu spielen sie im Viertelfinale gegen Arsenal London, die sie quasi immer geschlagen haben. Trotzdem steht schon fest, dass Thomas Tuchel zum Saisonende gehen muss, weil die Saison einfach zu beschissen läuft. Aber es hat sich in München auch niemand getraut den Tuchel zu verteidigen, weil man dafür ja Bayer den nötigen Respekt zollen müsste. Und das man nicht auf Platz 1 liegen kann gar nicht an der Stärke der Konkurrenz liegen...

Julian Nagelsmann beendet das große Experimentieren mit 6 Neunationalspielern... und der 1. FC Heidenheim hat genau so viele Spieler im Kader, wie Borussia Dortmund

Der Abstand zwischen dem Tabellensiebten und dem 15 war noch nie so gering... weshalb uns jetzt alle einreden wollen, dass es ein extrem spannendes Rennen um die Conference League, für die sich niemand interessiert, geben wird. Aber der Abstand zwischen den relevanten Plätzen ist so groß, wie lange nicht mehr.

Dieses Wochenende gibt es mit Union - Werder, Wolfsburg - Augsburg und realistisch gesehen auch Darmstadt - Bayern die nächsten 3 völlig bedeutungslosen Partien, die nur für die Statistik gespielt werden. Oder für die Fernsehgelder, eines von beidem. Damit sind wir dann schon bei 6 derartigen Spielen angekommen.

Persönlich weiß ich echt nicht mehr, wie wir in diese Realität abgestürzt sind... und ob das die beste oder schlimmste Bundesligasaison aller Zeiten ist. Drücken wir es diplomatisch aus: Als einzigartig wird sie auf jeden Fall in Erinnerung bleiben.

Freitag, 8. März 2024

Und Putin so: NEIN! MEIN TIPPSCHEIN!!!

 Und damit ergibt diese gesamte Saison auf einmal Sinn. 

Also kurz für den Kontext: Während ich beim dritten Bier auf Antje Schomaker wartend auf den Kicker Ticker dachte ich mir: Wer hat denn einen Euro auf "Bayer verliert sein erstes Saisonspiel in Qarabag" gesetzt und kassiert jetzt ab... Und dann dachte ich: wer könnte denn so was "organisieren"?

Klar, die den europäischen Fußball infiltrierenden, bevorzugt über Gazprom agierenden russischen Spione haben ein bisschen verwirrt geguckt, als sie die Aufgabe bekamen, Spiele zu manipulieren, damit Bayer Leverkusen erst in Qarabag verliert. Andererseits ist das eine relativ gute Mannschaft, für die sich trotzdem niemand interessiert, es wird also niemanden auffallen, wenn die plötzlich nicht verlieren. Bis zu einer dieser kalten Nächte in Osteuropa, wo Deutsche ja gerne mal sinnlos verlieren. Das kriegen wir hin. Da ist nur das Unentschieden in München eine wirkliche Aufgabe für die. Den Rest bekommt man relativ unauffällig hin.

Dann glühen auf einmal die Drähte nach Moskau, weil Bayer einfach in Aserbaidschan gewinnt. Die beruhigen ihren Führer dann mit einem "mach dir keine Sorgen, die spielen dieses Jahr nochmal gegeneinander, wir treiben nur die Auszahlung hoch". Weil die Agenten Humor haben, haben sie nebenbei auch den SC Freiburg nochmal gegen West Ham United antreten lassen. Das ist so absurd, dass niemand eine Manipulation vermuten wird. Und dann verliert Bayer ein relativ unbedeutendes Spiel, dass sie eine Woche später noch korrigieren können. Das ist doch perfekt. 

Natürlich reden mittlerweile alle über diese gigantische Serie und die fantastische Saison, die Bayer spielt... aber das hat ja keinen Einfluss auf die im Sommer abgeschlossene Wette. Und nebenbei wird Bayer halt auch Meister, was eigentlich nicht die Absicht dieser Manipulation war, aber manchmal haben deine Aktionen halt unvorhergesehene Konsequenzen. Shit happens.

Einen Antje Auftritt, 2 Bier und 2 späte Bayer-Tore später mache ich wieder den Ticker auf und denke nur: Oh shit! Da wird sich wohl eine gesamte Berufsgruppe von Fenstern fernhalten. 

Bayers neue Fähigkeit ständig zurückzukommen und spät Spiele zu entscheiden hat halt einen Punkt erreicht, an dem man auf derart absurde Theorien zurückgreifen muss, um Erklärungsansätze zu finden. Das ist, und darum soll es hier eigentlich gehen, das größte Kompliment, welches man einer Mannschaft machen kann: Die sind so gut, das ist sachlich einfach nicht mehr nachvollziehbar.

Dienstag, 5. März 2024

Wie schlecht ist eigentlich gerade Kimmich?

 Und warum fällt das anscheinend gar keinem auf?

Also ja, man sollte nicht unbedingt mit dem Ergebnis durch die Tür fallen... aber Joshua Kimmich spielt die schlechteste Saison seiner Karriere. Und die allgemeine Tendenz zeigt deutlich nach unten.

Der Kicker Notenschnitt ist mittlerweile bei 3,42. Und zuletzt bekam er in 4 von 8 Bundesligaspielen die Note 5. Die Tendenz zeigt deutlichst nach unten.

Nur um das mal zu verdeutlichen: Leon Goretzka war letzte Saison bei 3,52 und wurde dafür heftigst kritisiert. Er wurde zum Verkaufskandidaten und flog zwischenzeitlich aus der Nationalmannschaft.

Marcel Sabitzer kam auf absurde 4,23 und wurde logischerweise mittlerweile abgegeben. Das sind dann Spieler, die man eher in Dortmund braucht.

Phillipe Coutinho kam auch "nur" auf 3,56 und wurde logischerweise auch nicht fest verpflichtet. Xabi Alonsos letzte Saison war ebenfalls notentechnisch eher grausam. Aber das war es dann auch schon mit Stammspielern beim Rekordmeister, die in einer zentralen Rolle auf einen ähnlich schlechten Notenschnitt kamen.

Nebenbei ist Kimmich auch bei einem Tor und 4 Vorlagen. Wenn man bedenkt, dass der regelmäßig die Standards schießen durfte, ist das extrem wenig. Alexsandar Pavlovic ist als junges Talent mit "nur" 9 benoteten Spielen schon bei 2 Treffern. Thomas Müller kommt in seinem Vorruhestand wenigstens auf 7 Vorlagen. 

Kimmich letztes wirklich gutes Spiel (also eine Kicker-Note 2,0 oder besser) kommt vom 5. Spieltag gegen Bochum. Sein letztes Vorzeigbares vom 12. Spieltag in Köln. Seit dem (oder genauer gesagt seit 8 Einsätzen) hatte er keine 2 mehr vor dem Komma. Der Notenschnitt ist bei einer 4 angelangt.
Was halt total faszinierend ist, weil ja nicht Kimmich für diese Leistungsdelle kritisiert wird, sondern Thomas Tuchel. Der hat Kimmich ja anscheinend demontiert, weil er... nun ja... trotz wochenlanger dürftiger Leistung weiterhin auf ihn gesetzt und ihn ins Zentrum gestellt hat. Ihn nicht nach einer Verletzung sofort wieder in die Startelf berufen hat. Solche absurden Sachen halt.

Mein neustes Highlight und damit der Trigger für diesen Artikel ist ja Stefan Effenbergs Feststellung, dass Kimmich "ist ein klarer Zentrumsspieler und eben keiner für rechts hinten" ist. Und dass man Stars nicht sagen darf, dass sie bescheidene Leistungen anbieten.

Aber da muss man mal eindeutig festhalten: Kimmich ist als Rechtsverteidiger in die Liga gekommen. Er hat auf dieser Position ein Champions League Finale gewonnen. Unter Hansi Flick war es anscheinend möglich, dass man ihn in den wirklich wichtigen Momenten auf diese Position schob. Wenn er das jetzt nicht mehr bringt, liegt das vielleicht auch an ihm... und nicht am Trainer. Der Trainer macht doch an der Stelle alles richtig, wenn er den im Moment besseren Pavlovic ins Zentrum stellt und nicht den unmotivierten und vielleicht auch übersättigten Altstar.

Nebenbei soll Kimmich ja im Sommer auch Rechtsverteidiger spielen. Das wird bestimmt großartig. Das führt aber auch zu der eigentlichen Debatte: Sollte Kimmich in seiner derzeitigen Verfassung überhaupt zur Nationalmannschaft eingeladen werden? Hat er überhaupt eine Zukunft beim Rekordmeister? Warum stell Tuchel den überhaupt auf? Ist Kimmich schon schlecht genug, um ihn nach Dortmund zu schicken?

Wenn ich aber Sport1 oder Kicker.de durchscrolle, finde ich verdammt wenig Kritik an dem, was Kimmich diese Saison so anbietet. Stattdessen kommt eher ein Effenberg vorbei und spring ihm mit einem "Man kann ja nicht erwarten, dass er das macht, was er jahrelang gekonnt hat" zur Seite.

Das Grundproblem der Bayern ist aber, dass Kimmich seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird... Dass er sich dann mit dem Co-Trainer anlegt, anstatt auf dem Platz vorneweg zu marschieren. Er hatte genügend Gelegenheiten, die Entscheidung seines Trainers, ihn im Spitzenspiel auf die Bank zu setzen, als Fehler zu offenbaren. Aber es kommt absolut nichts von ihm. Weder in Bochum, noch in Rom oder jetzt gegen Freiburg. Wie viele durchschnittliche bis schlechte Spiele soll Kimmich noch möglichst zentral abliefern, bis den Leuten auffällt, dass er eine absolut unwürdige und grausame Saison spielt?

Nebenbei sind Kimmichs Probleme ja positionsunabhängig: Er denkt zu offensiv. Er zeigt zu wenige taktische Disziplin. Deswegen suchen sie bei den Bayern seit dem Abgang von Xabi Alonso nach einem ordentlichen 6er. Die Bayern können sich aussuchen, ob sie die defensiven Defizite auf der 6 oder als Rechtsverteidiger ausgleichen. Aber auch mit Kimmich im Zentrum suchen sie seit Jahren nach wirklicher Stabilität. Denn das ist ja kein neues Phänomen. Und im Trikot der Nationalmannschaft sind diese Schwächen dann nicht mehr zu überdecken, weshalb die Turnierbilanz grausam ist, seitdem Kimmich in führender Rolle mitwirkt.

Vielleicht sollte man, anstatt ständig Tuchel zu kritisieren, mal festhalten, dass ein Kimmich in zentraler Rolle nicht den höchsten Ansprüchen genügt. Irgendwer muss ihm jetzt eigentlich klarmachen, dass er wieder zum Rechtsverteidiger umschulen muss, wenn er beim Rekordmeister bleiben will... und dass er seine persönlichen Führungsansprüche zurückstellen muss, da er sie einfach nicht mit Leistung hinterlegt. Genau die Rolle übernimmt Tuchel jetzt, seit der angekündigt hat, dass er halt keine Rücksicht mehr nehmen wird.

Und die erste Reaktion von Kimmich lässt nicht darauf deuten, dass er diese Herausforderung annimmt. Hoffentlich fällt das einem Max Eberl auf und der stellt dann sicher, dass sich der nächste Trainer nicht mehr mit diesem Problem beschäftigen muss. Das wäre zumindest aus Bayern-Sicht die beste Lösung.

Montag, 4. März 2024

Worst of des "Das ist nicht im Sinne des Spieles" Wochenendes

 Da zeigt ja jemand so richtige Größe und gibt hinterher zu, dass das einfach eine Aktion war, die auf einem Bundesligaplatz nichts verloren hat... und dass sich sein eigener Spieler da wie ein Kreisklassespieler verhalten hat. Großartig...

Oh warte, Timo Schultz fängt natürlich mit einem "Zu meiner Zeit hätte man sich die Hand gegeben"... Weil Rudelbildungen ja ein neues Phänomen sind. Vor allem hätte zu Schultz aktiver Zeit Granit Xhaka in einem günstigen Moment zurückgetreten, ohne dass er vom Videobeweis überführt worden wäre. Der junge Xhaka hätte da eine Gelegenheit gefunden und die Gelbe Karte in Kauf genommen. Das war so viel besser.

Nebenbei erwähnt Schultz ja das eigentliche Problem: "In einer Situation, die nicht wirklich sehr dynamisch ist." Das beschreibt er wunderbar. In genau so einer Situation latscht Jan Thielmann seinem Gegenspieler völlig unmotiviert auf eine sehr empfindliche Körperstelle. Er trifft diesen mythischen Körperteil: die Achillessehne. Wenn die reißt, stehen 6 Monate Pause an. Der Ball spielt bei dieser Attacke eine völlig untergeordnete Rolle, denn er ist erschreckend weit weg. Und das ganze passiert nebenbei tief in der gegnerischen Hälfte. Was der Thielmann da macht, ist unfassbar dumm und unfassbar gefährlich. Damit ist es dann auch in logischer Konsequenz Rot.

Die dreisteste Lüge vom Schultz ist ja nebenbei das "unabhängig davon, ob es einen meiner Spieler trifft." Kurzer Faktencheck: Wenn Xhaka Thielmann vor der Kölner Bank so getreten hätte, wäre Schultz aufgesprungen und hätte selber auf die Achillesferse gezeigt. Er hätte richtig viel Rabatz veranstaltet, damit es entweder direkt eine Strafe gibt oder der VAR einspringt. Und irgendwie auch zurecht, denn da geht es dann ja auch darum, seinen eigenen Spieler zu schützen.

Jetzt schützt er aber seinen eigenen Spieler bedingungslos, auch wenn alle anderen ganz sachlich sagen "Klare Rote Karte." Und tut dann aber so, als würde es ihm nicht nur um seinen eigenen Spieler gehen. Wahre Größe wäre hier ein "Das war keine Absicht, aber unfassbar ungeschickt, also muss es da halt Rot geben. Zum Glück hat die Achillessehne von Xhaka gehalten." Aber so was sucht man bei Bundesligatrainern ja vergebens.

Ansonstne hatten wir einen Spieltag, der die allgemeine Lage nur noch verschlimmert hat. Der gesamte Spieltag bestand ja daraus, dass Mannschaften aus einer höheren Tabellenregion bei einer Mannschaft, die 10 bis 20 Punkte weniger auf dem Konto hat, zu Gast war. Die einzige Ausnahme war Hoffenheim - Bremen. Was dann auch bei der letzten Gelegenheit zum einzigen Heimsieg des Spieltages führte... verglichen mit rekordverdächtigen 6 Auswärtssiegen.

Nun konnte man ganz deutlich sehen, wie krass die Bundesliga in 3 Kategorien gespalten ist. Denn so sehr die zum Beispiel Borussia Dortmund darum bemüht hat, Union Berlin die Führung zu schenken... am Ende war die individuelle Klasse zu hoch und man musste trotz der dürftigen ersten Halbzeit gewinnen.

Selbst Augsburg durfte ein absurdes Schützenfest feiern. Wobei hinterher auch mehr darüber geredet wurde, wie schlecht Darmstadt ist, da sie es geschafft haben, 6 Tore gegen die graue Maus zu kassieren. Sachlich müssen wir damit auch Darmstadt zu den Mannschaften zählen, die nur noch für die Statistik spielen. Damit macht das ab sofort die halbe Liga...

RB Leipzig schonte seinen besten Angreifer vor der Pause und lag nach einem unnötigen Torwartfehler zurück... schaltete aber kurz einen Gang höher und brauchte 5 Minuten, um einen 3-Tore-Vorsprung herauszuschießen.

Heidenheims Müller hat günstige Gelegenheit genutzt und sich in den Jahresrückblick geschossen. Da es um nichts mehr geht, ist das sehr clever von ihm. Man darf gespannt sein, ob die Heidenheimer sich jedes Wochenende ein Slapstick Gegentor gönnen, damit sie wenigstens im Gespräch bleiben...

Und da sie Bayern schon wieder unmotiviert Punkte liegen ließen, spielt auch Bayer nur noch die Uhr runter. Also bei aller Vorsicht: 10 Punkte können doch selbst die nicht mehr verspielen. Damit haben wir nächstes Wochenende Augsburg gegen Heidenheim, Bochum gegen Freiburg und Leverkusen gegen Wolfsburg als die ersten 3 belanglosen Spiele der Saison, deren Ausgang keinerlei Einfluss auf den weiteren Saisonverlauf nehmen wird. Es ist viel zu früh für solche Spiele.

Aber immerhin haben wir das Fernduell von Dortmund und Leipzig als einzigen Grund, jedes Wochenende einzuschalten...