Montag, 10. April 2023

Worst of des "Das fühlt sich einfach anders an." Wochenendes

 Ist halt so. Also allein schon, dass jetzt alle über Joshua Kimmichs Jubelpose, die irgendwie niemand so richtig eingefangen hat. Man sieht ja nur, wie die Freiburger Spieler ihn nach dem Abpfiff bedrängen, weil er eine Geste in Richtung Fanblock macht. Also nicht mal eine obszöne Geste, sondern nur ein etwas provokanterer Jubel. Irgendwo sitzt Diego Simeone und zeigt all den Beteiligten seine Eier. 

Was soll daran, dass man auf einen´wichtigen und knappen Auswärtssieg emotional reagiert, unsportlich sein? Also abgesehen davon, dass die Bayern es halt nicht mehr gewohnt sind, dass sie im April wichtige und enge Spiele in der Bundesliga erleben. Aber das ist doch einfach nur schön. Wir jammern doch sonst immer, dass der Rekordmeister nur Dienst nach Vorschrift schiebt und seine Meisterschaften mit alkoholfreiem Weißbier feiert. Was wesentlich besser ist, als einen Energydrink in den Pokal zu kippen. Aber "besser" bedeutet hier nur bedingt "gut".

Und als Freiburg sollte man das mit einem breiten Grinsen hinnehmen, schließlich verdeutlicht es nur, wie sehr sie die Bayern in den letzten 180 Minuten genervt haben. Denn das ist ja auch das Grundproblem: Die Bayern wirken verwundbarer, als wir es alle gewohnt sind. Der Pfostenschuss von Ritsu Doan qualifiziert den für den Titel "Gomez der Woche". Normalerweise brauchen die Bayern solche Aussetzer des Gegners aber nicht, um einen Rückstand zu verhindern. Und Leroy Sané hat so viele Großchancen liegen lassen, dass ein normaler Bundesligist dafür definitiv bestraft worden wäre, aber es sind halt doch noch die Bayern. 

Auch wenn es am Ende kein souveräner Sieg war, so sind zählen am Ende doch die 3 wichtigen Punkte, so wie das bei allen anderen Bundesligisten auch ist. Für die Bayern ist das de facto ein Problem, aber für alle anderen ist es einfach nur geil. All das ist so aufregend, dass Steffen Baumgart kurz Pullern musste... oder heimlich in der Kabine die Sky-Konferenz anschauen wollte.

Das merkt man nebenbei auch an dem Dortmund Spiel. Denn weil es am Ende halt doch die Bundesliga ist, wirkte es wirklich so, als würden die Borussen die Meisterschaft an diesem Wochenende verspielen. Und machen wir uns nichts vor: Die Borussen müssen jedes Spiel gewinnen, um den Titel zu holen. Vielleicht reicht nicht mal das. Aber dadurch bekommt jedes Dortmund-Spiel emotional eine ganz andere Bedeutung. Ich kann mich echt nicht daran erinnern, im April bei der Sportschau so gespannt vor dem Fernseher zu sitzen, obwohl es mir sachlich gesehen total egal ist, ob die Kommanditgesellschaft auf Aktien oder der Verein mit Qatar Airways auf dem Ärmel am Ende die Schale in die Luft streckt. Das trifft alles einfach anders. Hoffentlich bleibt das bis zum Schluss so...

Denn der Abstiegskampf... schießt sich da ja plötzlich doch raus. Also erinnert ihr euch noch daran, wie sich alle gefreut haben, dass es da unten so eng zu geht? Nach 23 Spieltagen trennte die Hertha auf Platz 14 und Bochum auf Platz 18 ein einziger Punkt. Jetzt trennen die beiden trotz eines verlorenen 6-Punkte-Spiel der Bochumer immer noch 4 Punkte. Schalke kann eigentlich nur noch auf die Relegation hoffen. Wir müssen über das theoretische Konstrukt reden, ob Werder Bremen noch in den Abstiegskampf rutschen kann... auch wenn es eigentlich kein Szenario gibt, in dem Schalke und Hertha mehr als 30 Punkte holen. 

Das lustigste ist ja der Fakt, dass der ehemalige Trainer des VfB Stuttgarts jetzt die TSG Hoffenheim rettet, während sich der ehemalige Hoffenheim-Trainer als Stuttgart Retter versucht. Und wenn man sich dieses Wochenende mal angeguckt hat, auch erfolgreich sein wird.

Denn dieses Wochenende sah der Zusammenschnitt wieder wie der VfB aus: Eine viel zu talentierte Mannschaft, die nur aufgrund mangelnder Konstanz und Konsequenz überhaupt da unten rumgurkt. Allein schon Borna Sosas Außenriss-Flanke vor dem 2. Tor... Diese Qualität hat Bochum, Hertha und Schalke einfach nicht. 

Und klar, auch Bochums Anschlusstreffer war richtig stark heraus gespielt. Aber das war mehr ein "Warte, die können das?" Moment, während man bei Stuttgart häufig denkt "Warum sehen wir das so selten?" 

Am Ende ist es natürlich immer noch etwas zu früh, um sich als neutraler Zuschauer, der ich am Ende bin, in den Abstiegskampf hineinzusteigern. Denn irgendwer wird noch irgendwo unerklärliche Punkte holen, die alles auf den Kopf stellen. Stuttgart nächste Woche gegen Dortmund zum Beispiel...

Als letztes "Highlight" muss noch der VfL Wolfsburg gegen Borussia Mönchengladbach erwähnt werden. Oder: Das erste "Total egal" Spiel. Auf den Saisonausgang wird dieses Spiel keinen wirklichen Einfluss haben. Das sind jetzt die Spiele, in denen man herausfinden kann, wer einem in der nächsten Saison weiterhelfen kann. Also "man" heißt in diesem Falle auch "die DFL", die Timo Gerach zu seinem zweiten Bundesligaeinsatz als Schiedsrichter verhalf. Der erste war ein von der Ansetzung her relativ harmloses Bochum gegen Leverkusen. Als Nächstes dürfte er dann eine Werder Bremen Partie leiten. Und ja, normalerweise fällt einem so was gar nicht auf, aber weil dieses Spiel so egal war, wurde es in der Sportschau erwähnt, dass dies das 2. Bundesligaspiel des Schiedsrichters ist.

Persönlich finde ich solche Spiele und derartige Saisons aber trotzdem spannend. Denn auch wenn Daniel Farke um Geduld bittet: Er kann und muss jetzt nachweisen, dass er ein guter Trainer ist. Er kann etwas losgelöster von den einzelnen Ergebnissen arbeiten, aber er muss halt trotzdem einen Kader entwickeln, mit dem es nächstes Jahr besser wird. Und da man ja nicht unbedingt das Budget und die Strahlkraft für eindeutige externe Verbesserungen hat, müssen diese im eigenen Kader entwickelt werden. Das ist ein langer Paragraf, nur um zu sagen: Haltet Nathan Ngoumou im Blick. Oder Kilian Fischer und Jakub Kaminski. Diese Spieler werden jetzt Minuten sehen, die sie nicht unbedingt bekommen würden, wenn man noch etwas erreichen könnte. Und was die Trainer aus diesen Spielern macht, wird die nächsten Jahre in diesen Vereinen prägen.

Und ja, "prägen" ist nicht übertrieben, weil davon ganz stark abhängt, wie lange Kovac und Farke im Verein bleiben dürfen.

Noch ne zufällige Statistik für die Nerds: Am Samstag in der Sportschau spielten 6 ehemalige deutsche Meister gegeneinander... in der Zweiten Liga. In der Bundesliga gab es "nur" Bayern, Dortmund, Bremen, Frankfurt und Köln, die jeweils gegen eine Mannschaft spielten, die noch nie die Schale holten. Was schon beeindruckend ist, da es diese Schale ja nicht erst seit der Bundesliga gibt...

Donnerstag, 6. April 2023

Worst of des "Ach das war der Plan" Pokalviertelfinales.

 Jetzt ergibt das alles Sinn: Der VfB Stuttgart will sich einfach ins DFB-Pokal-Finale "Dead Coach Bouncen". In der ersten Runde war noch Pellegrino Matarazzo im Amt. Man gewann gerade so und in Unterzahl bei Dynamo Dresden. Damals, als Fabian Bredlow noch der Pokaltorwart war...

In der 2. Runde durfte Michael Wimmer dann einen souveränen 6:0 Sieg gegen überforderte Bielefelder. Wimmer könnte theoretisch der beste Trainer der Stuttgarter Saison werden. Er stabilisierte die Mannschaft und holte wichtige Siege in den 6 Punkte Spielen gegen Bochum, Hertha und Augsburg. Aber man muss auch zugeben, dass ein man ihn einen Pokalsieg einfach nicht zutrauen kann.

Also übernahm zur Winterpause Bruno Labbadia. Der holte insgesamt nur 2 Siege, aber im entscheidende Moment gegen Paderborn war auf ihn verlass. So stand man im Viertelfinale, in dem jetzt Sebastian Hoeneß sein Debüt gab... Und auch der wurde etwas übermotiviert mit einem Vertrag bis 2025 ausgerüstet, obwohl man doch eh nur bis kurz vorm Pokalhalbfinale mit ihm plant. Denn dann muss halt der nächste übernehmen und schon geht es nach Berlin.

Und hey, das könnte auch echt funktionieren... Also weil Dortmund sich ja gerade zum 2. Mal aufs Maul bekommen hat und die Bayern beschlossen haben, dass sie der Pokal nicht wirklich interessiert. Zumindest habe ich das den Aussagen von Joshua Kimmich entnommen. Aber es macht schon Hoffnung, dass die Bayern nur ein Mal in den Übermodus schalten und danach sofort wieder genügsam werden.

Nebenbei muss ich da mal eine ganz ehrliche Frage stellen: Weiß irgendjemand, was mit Jamal Musiala ist? Der saß jetzt gegen Freiburg das 2. Mal unter Thomas Tuchel nur auf der Bank. Kann ja sein, dass der nicht wirklich fit ist, aber kann es wirklich ein guter Plan sein, den für Thomas Müller auf die Bank zu setzen? Also will Tuchel das auch gegen Manchester City so durchziehen? Wir werden es rauskriegen. Aber seinen besten Offensivspieler in 2 von 3 entscheidenden Spielen auf die Bank zu setzen, wirkt ungewöhnlich.

Als Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić würde ich ja darüber nachdenken, ob ich den Trainer nicht doch entlasse, wenn er Musiala auch in der Champions League auf die Bank setzen will... Herman Gerland wird da bestimmt übernehmen.

Oh... der ist gar nicht wegen Julian Nagelsmann, sondern wegen Hasan gegangen. Shit. 

Nebenbei finde ich es ja allgemein interessant, wie gering die Lobby von Thomas Tuchel in diesem Land ist, obwohl das sachlich betrachtet ein brillanter Trainer ist. Dennoch wurde nur über seinen schwierigen Charakter und nicht über seine Champions League Finale geredet. Dabei hat er das Unmögliche geschafft: Die Pariser Söldnertruppe in genau dieses Spiel zu führen.

Aber Hans Joachim Watzke kam halt nicht mit ihm klar... und er hatte seine größten Erfolge im Ausland, deswegen ingorieren wir die einfach. Aber ganz sachlich gesehen haben die Bayern sich auf der Trainerposition verbessert, auch wenn das kaum möglich war. Trotzdem liest man irgendwie überall nur, dass das ja nicht funktionieren wird...

Montag, 3. April 2023

Worst of des "Das beruhigt einem ja doch" Wochenendes

 Kennt ihr das? Also ergibt die ganze Welt für euch auch manchmal so gar keinen Sinn? Guckt ihr euch die Nachrichten an und fragt euch, ob ihr vielleicht in einem Paralleluniversum gelandet seid? Dass ihr in einer Realität gelandet seid, die nicht für die Produktivität gedacht war?

Was ich dann immer mache? Ich warte auf das Spiel Bayern gegen Dortmund in der Allianz-Arena und frage mich, wie dumm sich die Borussia so anstellt. Wenn die Bayern dann zur Pause 3:0 führen und die Dortmunder realistisch gesehen keine Chance haben, dann bin ich noch in der richtigen Welt. Danke dafür.

Um das mal kurz festzuhalten: Das letzte Mal, als die Bayern ein Bundesliga-Heimspiel gegen Dortmund verloren haben, war 2014. Seit dem haben die Bayern alle Duelle mit einem Torverhältnis von 37:8 verloren. Im Schnitt also mit 4,11 zu 0,89 Toren. Und diese Serie begann mit einem knappen 2:1 Sieg für die Bayern, die Tendenz ist also eher noch schlimmer.

Aber hey, es ist ja auch wichtig, dass es stabile Faktoren in einer chaotischen Welt gibt. Und das wirklich schöne daran ist ja: Die Meisterschaft wurde trotzdem noch nicht endgültig entschieden. Es sind halt nur 2 1/2 Punkte Vorsprung. Den halben Punkt gönne ich den Bayern, weil das Torverhältnis so deutlich besser ist, dass sie bei Punktgleichheit trotzdem Meister werden.

Und ja, die Wahrscheinlichkeit, dass Bayern die Schale holte, liegt irgendwo bei 80 %. Das ist aber deutlich weniger als sonst.

Nebenbei fiel mir, als Thomas Müller zum 2:0 angeschossen wurde, eines auf: Der trägt dann wieder die Kapitänsbinde. Thomas Tuchel hat halt mal wieder den einfachsten Hebel bewegt und erstmal bedingungslos auf Müller gesetzt. Wie bedingungslos? Nun ja, Jamal Musiala musste auf die Bank. Müller dankte es dem Trainer mit Saisontoren 5 und 6. Warte, erst 5 und 6? Sollte Müller nicht weiter sein? Also gemessen an seinen unfassbar hohen Ansprüchen?

Viel wichtiger ist doch: Zuletzt hatte Julian Nagelsmann eben nicht mehr bedingungslos auf Müller gesetzt. Sein letzter Einsatz über 90 Minuten kommt vom 18. Spieltag. Gegen Augsburg, Köln, RB Leipzig und (fast am wichtigsten) in Paris St. Germain wurde er nur eingewechselt. Gegen Gladbach aus taktischen Gründen nach 11 Minuten rausgenommen... Und in diesen 3 Monaten hat Nagelsmann dann anscheinend so sehr die Kabine verloren, dass er direkt entlassen wurde. Also abgesehen von Joshua Kimmich, der deutlich zu Nagelsmann gehalten hat, jetzt aber eben nicht als Kapitän aufläuft.

Kommt euch das bekannt vor? Sollte. Denn sowohl Carlo Ancelotti, als auch Niko Kovac haben denselben Fehler begangen und dieselbe Kabine verloren. Es ist und bleibt eine einfache Rechnung: Wenn man nicht bedingungslos zu Müller steht, ist man zeitnah seinen Job los. Und Müller hat ja alle spüren lassen, wie unzufrieden er mit der Auswechslung gegen Gladbach war

Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell ein Trainer bei diesem Verein weg ist, sobald er Müller auch nur minimal infrage stellt. Was halt auch spannend wird, denn irgendwer muss ja den Wechsel von Müller als Fixpunt zu Musiala als Fixpunkt moderieren.Oder zu Sané und Gnabry. Die beiden werden ja regelmäßig kritisiert, weil sie... ähm... nur 15 Scorerpunkte gesammelt haben. Also genau so viele wie Thomas Müller. 

Natürlich bleibt das "Grundproblem" der Bayern, dass die so viel besser als die restliche Liga sind, dass niemand sachlich beurteilen kann, ob Müller wirklich noch gut ist, oder ob er einfach nur eine schwache Liga dominiert. Die Antwort wird es gegen Manchester City geben. Wie immer. In der Champions League ist Müller bisher bei 2 Scorerpunkten... gegen Viktoria Pilsen. Ich erwähne es ja nur.

Und sonst so? Nun ja, es ist dann doch eingetreten. Auch wenn ich es kaum noch für möglich gehalten haben, weil Pelegrino Matarazzo ja auch in Hoffenheim kurz vor der Entlassung stand. Aber plötzlich hat Hoffenheim 2 Spiele infolge gewonnen und steht 5 Punkte vor dem VfB Stuttgart. Die haben damit durch ihre Trainerentlassung einen direkten Konkurrenten gestärkt, was ihnen jetzt auf die Füße fällt. #PassivesAbseitsleserwissenesfrüher. Und Bruno Labbadia als offiziell dritter VfB Trainer dieser Saison löst dagegen so gar keine Probleme. Immerhin bemüht haben sie sich. Als BawfulBonusFeatuer schießt der als routinierter Stabilisator aus Berlin geholte Genki Haraguchi ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein ein Eigentor. Und es wird schon fleißig über Labbadias Nachfolger spekuliert. Die einzige wirklich gute Nachricht lautet: Markus Gisdol wird es wohl nicht. Also Gisdol wäre so ziemlich der einzige Name, der noch uninspirierter als Labbadia klingt. Und er dürfte auch einer der wenigen Bundesligatrainer sein, der noch schlechter als Labbadia ist. Wie drücke ich das diplomatisch aus: Wenn es so klingt, als wäre der Wechsel von Labbadia auf Gisdol ein HSV-Move, dann liegt das daran, dass der Hamburger SV genau das durchgespielt hat. Und wo ich schon dabei bin: Gisdol war der letzte Trainer des 1.FC Köln, bevor dort Steffen Baumgart übernommen hat. Er war quasi die letzte Option im "Wir probieren jedes Jahr einen neuen Trainer aus" Modus. Danach merkten dann selbst die Kölner, wie dumm das ist. Geht Florian Kohfeldt nicht ans Telefon?
Und ja, so absurd das klingt: Bei Kohfeldt könnte ich mir zumindest noch einreden, dass der aufgrund der gesammelten Erfahrungen ein besserer Trainer geworden ist und deswegen seinem nächsten Verein helfen kann. Bei Gisdol und Labbadia, bei denen alle Trainerstationen gleich verlaufen, halte ich das für ausgeschlossen.

Stuttgart hat sich jetzt innerhalb eines halben Jahres vom "Wir suchen Lösungen, die auch langfristig funktionieren können"- zum "Wir gehen schonmal davon aus, dass wir in 13 Monaten wieder einen Trainer suchen"-Verein gewandelt. Und ich mache den Stuttgartern ja auch gar keinen Vorwurf, dass sie nach 18 Monaten im Abstiegskampf ohne erkennbare Fortschritte mal den Trainer wechseln... aber dass sie dann keine konstruktive Lösung gefunden haben, ist schon traurig. Der Verein war mal weiter.

Bleibt natürlich noch: Und wöchentlich grüßt der VAR. Dieses Mal wieder negativ. Man kann sich ja auch nicht daran gewöhnen, dass der wirklich hilft. Also wir haben hier einen Moment, wo ein Steffen Baumgart nach dem Ansehen der Bilder zugibt, dass man da Elfmeter gegen ihn geben muss.... und der VAR guckt sich dieselben Bilder nicht durch die emotionale Vereinsbrille an und entscheidet anders. Und wie immer erwähne ich, dass sich diese Situation wunderbare hätte lösen können, in dem man Daniel Farke die Möglichkeit gibt, genau diese Überprüfung zu erzwingen. Aber wir wollen diese in quasi allen anderen Sportarten erprobte Lösung ja nicht nutzen, weil Fußballverbände halt dumm sind. Anders kann man es halt nicht ausdrücken. Man kann es nicht oft genug sagen: Alle Probleme mit dem VAR würden sich durch ein Challenge System lösen lassen.

Und zu guter Letzt: Ich hätte es lassen sollen. Also seit dem ich am 16. März ein Loblied auf die Entwicklungen bei Eintracht Frankfurt veröffentlicht habe, geht da so richtig gar nichts mehr. Und es sah vorher schon ergebnistechnisch nicht gut aus. Jetzt haben sie ihre 9 Punkte Vorsprung zu Jahresbeginn auf Bayer Leverkusen quasi komplett aufgebraucht. Und Bayer sieht gerade richtig gut aus. Ähm... sorry? Vielleicht sollte ich mal ein Loblied auf RB Leipzig schreiben, damit es bei denen auch abwärts geht? Oh, RB kann das alleine...

Mittwoch, 29. März 2023

Wie dämlich ist eigentlich der DFB?

 Ok, etwas haben diese Testspiele doch noch bewiesen: Der deutsche Fußball wird von inkompetenten Vollidioten geführt. Deswegen hat man sich ja auch für Rudi Völler entschieden. Aber Gute Besserung an der Stelle. Also an Rudi, beim DFB soll das bitte so bleiben.

Mir ist beim Feed durchscrollen gerade ein dummes Meme entgegengekommen. Das lautete ungefähr: Die Bayern würden Hansi Flick jetzt entlassen. Und meine erste Reaktion wäre: Die Bayern hätten Flick schon am 24.11. entlassen. Dem Tag nach der unglücklichen Niederlage gegen Japan

Lasst es mich anders ausdrücken: Hansi Flick hat die WM dermaßen verkackt, dass selbst Frank Baumann und Werder Bremen den entlassen hätten. Vielleicht sogar, Götterdämmerung incoming, der SC Freiburg. Denn ein Vorrundenaus kommt einem Abstieg gleich.

Und ja, ich weiß, Christian Streich ist schon mal abgestiegen, aber das ist Jahre her. Mittlerweile hat sich der Verein so weit weiterentwickelt, dass Streich wahrscheinlich selber gehen würde, bevor ein weiterer Abstieg eintritt.

Der DFB ist der einzige große Verein, bei dem man derartig verkacken und trotzdem weiterwursteln darf. Also ich hab das mal recherchiert. Hier sind die anderen Nationen, die trotz Vorrundenaus ihren Trainer behalten haben: Serbien, Kamerun, Kanada, Costa Rica, Saudi-Arabien, Wales und Dänemark. Was fällt da auf? Das sind fast alles "Wir sind froh, dass wir dabei sind" Länder. Also außer Dänemark, die nach der überraschend erfolgreichen EM vorher eine zu hohe Erwartungshaltung hatten. Aber Kasper Hjulmand war vorher halt für das erfolgreichste Turnier seit 30 Jahren verantwortlich.

Random Fun Fact: Dänemark hat gerade sein Quali-Spiel gegen Kasachstan verloren. Nur um festzuhalten, dass es auch da bescheiden läuft. Aber zum Glück muss man ja nur in einer Gruppe mit Slowenien, Nordirland, Finnland, Kasachstan und San Marino Zweiter werden...

Man kann das nebenbei wunderbar an den Belgiern nachvollziehen. Ohne dass Domenico Tedesco jetzt Begeisterungstürme auslöst, aber immerhin ist es ein neuer Name, der da die Verantwortung trägt und der jetzt einen guten Start hingelegt hat. Ein neues Gesicht, eine neue Ansprache, neue Aufnahmekriterien. Wenn man etwas dermaßen in den Sand setzt, dann ist das halt einfach notwendig und logisch.

Aber halt nicht beim DFB. Da wird die Lage kritisch analysiert und man macht dann weiter so. Also man versucht es weiter so. Und als Dank bekommt man einer der schlechtesten Halbzeiten aller Zeiten. Zumindest klingt so die Zusammenfassung der ersten 30 Minuten. 

Und das Faszinierende daran ist ja: Man hätte ja lernen können. Es ist ja nicht das erste Vorrundenaus. Genaugenommen könnte man sogar Berti Vogts als Lehrbeispiel nehmen. Also damals, 1998, als ein Ausscheiden im Viertelfinale noch als katastrophales Ergebnis eingestuft wurde. Auch damals entschied man sich in klassischer DFB-Manier fürs Weiterwursteln... nur musste man dieses Projekt nach eine "ernüchternd verlaufenden Lehrgang", in dem man gerade so Malta besiegen konnte, beenden. Klingt bekannt?
Vielleicht ist Didi Hamanns "Flick muss entlassen werden" Forderung doch gar nicht so absurd.

Natürlich könnte man auch das aktuellere Beispiel nehmen: Selbst Weltmeistertrainer Jogi Löw war nach dem Vorrundenaus so beschädigt, dass er die EM nicht retten konnte. Man hat in jüngster Verbandsgeschichte genau dieses Experiment schonmal ausprobiert, man erwartet jetzt aber einen anderen Ausgang... weil... ähm... Hansi Flick doch diese eine starke Saison betreut hat. Andere nennen so etwas wahnsinnig.

Man muss an der Stelle auch nochmal festhalten: Flicks gesamte Erfolge basieren auf einem Dead Coach Bounce... und dem Fakt, dass man gegenüber den französischen Gegnern einen extremen Wettbewerbsvorteil hatte, weil die eigene Liga fortgesetzt, die französische aber abgebrochen wurde.

Es gibt keinerlei Nachweise, dass Flick interne Probleme erkennen und lösen kann. Also zumindest nicht in vorderster Front. Aber jetzt gehen wir alle davon aus, dass er das schon hinbekommen wird... Vor einer HEIM-EM, die das größte Sportevent seit 18 Jahren werden soll... (Und so wie die Fifa gerade tickt und der DFB sich dort präsentiert, wird es das einzige Turnier auf deutschem Boden für mindestens 50 Jahre werden... just saying.)

Aber beim DFB wird halt eine Kultur gepflegt, bei der Leistung und Ergebnisse sekundär sind. Man braucht irgendwelche anderen Fähigkeiten. Also hauptsächlich eine Vergangenheit im Verband, der Rest ist egal. Und natürlich war das schon immer so, aber früher (also genau genommen in den 70ern und in den 90ern) war der Vorsprung vor den anderen Nationen so groß, dass man sich das leisten konnte. Diese Zeiten sind haöt vorbei.

Aber genau diese Anti-Kultur führt dann zu den bescheidenen Ergebnissen. Wir reden ja nicht von einem einzigen Turnier, wir reden von 3 Turnieren in Folge, die komplett verkackt wurden. Und wir reden hier von einer Nation, die sonst immer mindestens das Halbfinale erreicht hat. Also bei jedem 2. Turnier. Wenn man die WM 1994 in den Sand gesetzt hat, konnte man sich die Tickets fürs EM Finale 2 Jahre später schon mal reservieren und die Flüge nach London. Und wir wollen nochmal festhalten: "In den Sand gesetzt" bedeutete damals ein Aus im Viertelfinale. Von so einem beschissenen Turnierverlauf träumen die Gastronomen mittlerweile... denn das letzte K.O. Spiel wurde am 2.7.2016 gewonnen... nach Elfmeterschießen. Da war Putin noch ein lupenreiner Demokrat und Donald Trump noch nicht im Amt. 

Gerade da wird der Bayern-Vergleich halt wirklich interessant: Ja, Oliver Kahn hätte Hansi Flick trotz gemeinsamer, erfolgreicher Vergangenheit entlassen, wenn er beim DFB was zu sagen hätte, denn die aktuelle Leistung steht da halt über allem. Und wenn man keine Leistung bringt, wird man halt vom Hof gejagt und der Nächste übernimmt. Diese absolute "es gibt keine Ausreden" Mentalität hatte der deutsche Fußball früher auch, jetzt gibt es sie aber nur noch bei den Bayern. Deswegen galt man ja immer als "Turniermannschaft". Deswegen hat sich die grottenschlechte "Das werden wir unseren Kindern erklären müssen" Generation um die Jahrtausendwende trotzdem in ein WM-Finale gekämpft... oder gemogelt, je nach Betrachtungsweise.
Aber um das mal festzuhalten: Die Generation Hamann, Ramelow, Nowotny, Wörns war ganz sachlich erfolgreicher, als die Generation Kimmich, Goretzka Rüdiger, Gündoğan. Zumindest bisher, ein Turnier haben die ja noch.

Diese Haltung ist uns aber in den letzten Jahren abhandengekommen. Sie wurde durch eine arrogante Selbstgefälligkeit ersetzt. Und das wird ja von ganz oben vorgelebt: Es ist halt nicht so schlimm, komplett zu versagen. Man kann das ja in Ruhe erklären und dann findet man schon Gründe und es lag gar nicht an einem selbst. Es wird schon reichen, wenn man Oliver Bierhoff austauscht, diese ganze Wohlfühloase liegt nur an ihm.

Nebenbei muss man jetzt auch mal erwähnen, wie, genaugenommen, katastrophal und schizophren die kurzfristigen Entscheidungen waren, die Flick gerade getroffen hat. Und wie die auch nur beweisen, dass er doch eher wenig gelernt hat. Also Flick hat ja angekündigt, dass er keine Rücksicht auf das Spitzenspiel am Wochenende (oder auf die Ligen im Allgemeinen) nehmen wird. Trotzdem verzichtet er auf Rüdiger, Schlotterbeck, Musiala, Gündoğan, Havertz. Alles Spieler, die man hätte aufstellen können, wenn man wirklich gewollt hätte. Oder zumindest als Einwechselspieler wären auch Musiala und Havertz eine Option gewesen. Und gerade wenn man bedenkt, dass die DFB-Elf ganz dringend eine souveräne Defensivleistung gegen eine ordentliche Angriffsreihe gebraucht hätte, um die bösen Geister der WM zu vertreiben, ist es einfach nur fahrlässig, seine beiden besten Innenverteidiger nach Hause zu schicken. Aber wenn die Ergebnisse bei der WM egal sind, dann sind die Ergebnisse in Testspielen doch erst recht egal. 

Ganz ehrlich, als ich die Ansetzungen sah, dachte ich: Man gönnt sich das Spiel gegen Peru für die Experimente und richtet alles auf den Härtetest gegen den Weltranglistenvierten aus. Stattdessen kraulen sich Rüdiger und Schlotterbeck zu Hause die Eier. Nachdem Schlotterbeck nachgewiesen hat, dass er gegen schwache Südamerikaner gut aussieht... was aber niemand bezweifelt hat. Es wäre doch wesentlich sinnvoller gewesen, herauszufinden, wie der sich gegen Lukaku schlägt.

Natürlich habe ich erst gestern geschrieben, dass diese Spiele keine Auswirkung auf die EM haben werden. Das war aber mehr auf der individuellen Ebene gemeint. Da kann man ja auch die "Wachstumsschmerzen" bei Marius Wolf wunderbar anbringen: Der hat gezeigt, dass er in einem fremden Umfeld und gegen einen starken Gegner defensiv überfordert ist. Das ist eine wichtige Erkenntnis, an der er jetzt 1 1/2 Jahre arbeiten kann.

Und da ging ich nicht davon aus, dass man sich 30 Minuten lang komplett demontieren lässt. Dass man sich so komplett überforder präsentiert, sobald Belgien das Tempo anzieht. Aber stattdessen freuen sich alle, wie gut die Deutschen aussahen, als die Belgier den Fuß vom Gaspedal nahmen. Was geht hier eigentlich ab?

Wo ich gerade rausfinden wollte, warum Rüdiger nicht dabei war, ist mir folgendes aufgefallen: Die ersten beiden Google-Fragen zu ihm lauten "Warum hat Rüdiger einen deutschen Namen?" und "Wie heißt Rüdiger richtig?" Dazu fällt mir nur eines ein: Deutschland, du bist rassistisch! Einschub Ende.

Wenn man die Spiele jetzt im Nachhinein betrachtet, wurde diese Länderspielpause einfach verschwendet. Leichtfertig verschwendet. Obwohl die letzten Turniere nicht den Anlass geben, dass man sich das leisten kann. Und natürlich können wir nicht beurteilen, was die trainiert haben. Laut Hansi Flick, wie man sich im Gegenpressing verhalten soll, was dann aber gegen Belgien so gar nicht funktioniert hat. 

Allgemein verstärken die Reaktionen der Spieler nach dem Abpfiff, dass halt jegliches Leistungsverständnis in diesem Verband fehlt. Ja, war schon dumm, dass wir uns am Anfang so haben vorführen lassen, aber wenigstens haben wir eine Reaktion gezeigt, als Belgien in den Schongang schaltete...

Als letzter Gedanke wollte ich nochmal erwähnen: Man hätte, im Gegensatz zu sonst immer, sogar eine Alternative gehabt: Thomas Tuchel war vertragslos. Also normalerweise hat man ja das "Problem", dass die guten Trainer alle in einer festen Beziehung sind, wenn man nach dem überraschenden Ausscheiden einen neuen Verantwortlichen suchen muss. Und man hat beim DFB ja auch eine panische Angst davor, so was vor einem Turnier anzusprechen und zu klären. Jetzt hätte man die einzigartige Gelegenheit gehabt, einen Tuchel zu fragen, ob er sich die Heim-EM und die WM danach zutraut. Man hätte ihn für dieses Projekt begeistern können, eigentlich sogar müssen. Man hat es aber nicht mal versucht. Und ja, es wäre wirklich beängstigend, wenn ein Tuchel gesagt hätte: Ich mache das jetzt für 3 1/2 Jahre, danach kann dann der Nächste.

Es ist eigentlich faszinierend, dass die Deutschen überhaupt jemals was gerissen haben, wo ihre Führungsetage doch so was von inkompetent ist. Und obwohl da ständig vom "Umdenken" geredet wird, bleibt am Ende alles beim Alten.

Dienstag, 28. März 2023

Ein Mal tief Luft holen!

 Und dann geht es nochmal richtig ab.

Das ist zumindest meine Herangehensweise. Ich kann mich noch dunkel an dieses "Früher" erinnern, als mich diese Länderspielpausen interessiert haben. Das war aber auch noch zu der "guten, alten Zeit", als man sich dann an 2 Tagen hingesetzt hat und hinterher alles wusste. Jetzt... wird einem das ganze so scheibchenweise geliefert, dass man dem ganzen einfach nicht mehr folgen kann oder will. Ernsthaft, diese "Week of Football" war die dümmste Entscheidung der UEFA...

Das wird ja nur noch schlimmer, weil es halt auch nur ein wirklich relevantes Spiel gab: Frankreich schlägt die Niederlande mit 4:0. So heftig, dass die Holländer selbst nach dem Heimspiel gegen Gibraltar ein negatives Torverhältnis haben. Aber das ist ja auch komplett egal.

Schließlich ist es bei 24 EM Teilnehmern und 55 Verbänden praktisch unmöglich, dass sich eine der "großen Nationen" nicht für das Turnier qualifiziert. Um das mal zu verdeutlichen: Bei 16 Teilnehmern müssten die Niederlande jetzt alles versuchen, um nicht in die Playoffs als Tabellenzweiter einzuziehen, weil man dort halt auch auf gute Gegner treffen kann. Deswegen würde man das Ergebnis gegen Gibraltar in die Höhe treiben, um eventuell bei Punktgleichheit vor den Franzosen zu landen. Oder irgendwie der beste Gruppenzweite zu werden. Jetzt spielt man das halt gelangweilt runter und die kleinen Nationen reden sich hinterher ein, dass sie keine Laufkundschaft mehr sind.

Und auch das, was da jetzt auf dem Platz passiert, ist vollkommen egal. Also klar, eine grundlegende Spielphilosophie einzuführen und die Trainingseinheiten nutzen, um diese Ideen zu vermitteln, kann einem am Ende einen Vorsprung geben. Aber ist der wirklich relevant?

Nehmen wir mal kurz die wichtigsten Fragen der Deutschen Nationalmannschaft in Hinsicht auf die Heim-EM auseinander. Der Fakt, dass man als Gastgeber gesetzt ist, macht die Spiele natürlich noch irrelevanter. Aber die wichtigsten Fragen sind doch:
1.) Wer verteidigt neben Antonio Rüdiger? Der ist definitiv der beste Innenverteidiger, den wir gerade haben. Er und Überraschungsgast Malick Thiaw sind die einzigen deutschstämmigen Innenverteidiger, die im Viertelfinale der Champions League antreten dürfen. Rüdiger ist der einzige, der jedes Jahr auf 8 Spiele auf allerhöchstem Niveau kommt. Er hat sich, wenn auch nicht sofort, bei Chelsea durchgesetzt und dort sogar die Königsklasse gewonnen. Jetzt ist er bei den Königlichen. Jeder, der den nicht in der ersten Elf hat, trollt... oder will halt nicht, dass Deutschland gewinnt. Beides ist Hansi Flick zuzutrauen.

Aber der Posten daneben? Macht Thilo Kehrer noch den entscheidenden Sprung nach vorne, obwohl er gerade im Abstiegskampf in der Premiere League steckt? Ist Thiaw eine echte Alternative, oder spielt der bei AC Milan gerade nur, weil andere verletzt sind? Macht Niko Schlotterbeck noch den einen Schritt, der ihn zur potenziellen Weltklasse fehlt? Was wird eigentlich aus Niklas Süle?
All diese Fragen werden doch nicht in den 9 Tagen mit dem Adler auf der Brust entschieden, sondern in den Wochen dazwischen. Wenn Schlotterbeck nächstes Jahr eine starke Champions League hinlegt und seine Mannschaft ins Viertelfinale führt, dann spielt er auch bei der EM. Das ist mein persönlicher Tipp, da der Mann seit der verkackten WM eine faszinierende Entwicklung nimmt.

2.) Im Mittelfeld bleibt die Frage, wie man aus den herausragenden Spielern die richtige Kombination zusammenwürfelt. Aber auch hier ist doch am Ende wichtiger, wer 2024 eine starke Bewerbungssaison abliefert. Wenn Kai Havertz seine Mannschaft mit 5 Toren in der K.O. Phase ins Finale führt, dann kann sich Thomas Müller in der Bundesliga strecken, wie er will, dann sollte Havertz halt spielen. Wie verläuft eigentlich die durch den Kreuzbandriss aufgehaltene Entwicklung von Florian Wirtz? Muss man plötzlich Julian Brandt einbauen, weil sich auch der nochmal richtig weiterentwickelt hat? Im "Defensiven" Teil können wir dasselbe Spiel mit Kimmich, Goretzka, Gündoğan und Can spielen. Und all das muss man ganz sachlich um den Fixpunkt Jamal Musiala basteln, der halt einfach zu gut ist.

Und 3.) im Angriff bleibt die Frage, ob Niclas Füllkrug wirklich eine Bedrohung darstellt. Das muss er am Ende im Sommer beantworten: Traut er sich den Sprung zu einem größeren, in der Champions League antretenden Klub überhaupt zu? Und wenn ja, kann er sich bei den Bayern gegen Eric Maxim Coupo-Moting durchsetzen? Um das offensichtlichste Beispiel zu nennen. Wenn er das schafft, dann ist ihm auch bei der EM etwas zuzutrauen. Wenn er mit 10 Saisontoren bei Werder in die EM geht, mache ich mir da relativ wenige Sorgen.

Die Antworten auf diese Fragen zu suchen, wird die nächsten 12 Monate durchaus noch interessanter machen. Denn berichten werden da alle drüber. Aber am Ende wird niemand sagen: Oh, aber der Füllkrug hat doch gegen Peru 2 Tore erzielt... damals im März 2023. Der MUSS doch bei der EM in die Startelf!!!

Nebenbei merkt man ja auch, dass die Spieler die Gelegenheit nutzen, um nochmal Luft zu holen. Das Tempo bei diesen Test- und Qualifikationsspielen war selten auf wirklich hohem Niveau. Und mittlerweile muss man ja von einer Absagenflut sprechen: Alle nutzen die Gelegenheit, um die kleinen, übers Jahr angesammelten, Wehwehchen auszukurieren. Musiala musste halt gegen Bayer Leverkusen eingewechselt werden, deswegen muss er jetzt gegen Belgien geschont werden. Gündoğan hat genau jetzt persönliche Dinge zu klären. 

Das lustigste ist dabei die "Keine Rücksicht aufs Bundesliga-Topspiel" Schlagzeile. Aber Schlotterbeck wird bis dahin wieder fit sein. Musiala auch. Havertz hat "Grippeähnliche Symptome"... Er erholt sich in London. Die Stadt ist ja als Kurort bekannt.

All die Spieler werden am Wochenende wieder einsatzbereit sein. Noch viel wichtiger: Alle hätten am Samstag gespielt, wenn das Topspiel dann angesetzt wäre oder Premiere League anstehen würde. Und das soll auch gar kein Vorwurf sein, im Gegenteil: Es ist auch vollkommen vernünftig. Mir persönlich ist es logischerweise wesentlich lieber, wenn diese Spieler jetzt durchatmen, damit sie dann, wenn ich auch hingucke, großartige Leistungen bringen können. Und der Rahmenterminkalender ist mittlerweile so voll, dass man die wenigen Gelegenheiten zum Auskurieren kleinerer Probleme nutzen muss.

Freitag, 24. März 2023

Warte, die Bayern machen was?

 Endlich ein Grund zur Panik! Endlich ein Grund LOS PANIK!

Also wir müssen das mal ganz kurz festhalten: Die Bayern liegen lediglich in einem Wettbewerb nicht voll auf Kurs: der Bundesliga. Und selbst da ist die Lage alles andere als katastrophal. Klar, man könnte am Wochenende die Meisterschaft verspielen. Man kann aber auch noch das Tripple holen. Sagt Lothar Matthäus. Also der hat als Experte innerhalb weniger Tage beides gesagt. 

Auch wenn das völlig schizophren wirkt, so ist seine Haltung doch konstanter, als die von Bayern-Präsident Herbert Hainer. Denn der hat letzten Sonntag bekannt gegeben, dass die ganze Debatte über den Trainer Julian Nagelsmann nur von Außen aufkommt. Was er einfach verschweigt: Die Bayern waren in dem Moment schon mit der Trainerdebatte durch und haben mit seinem Nachfolger verhandelt.

Also anscheinend ist ja Thomas Tuchel daran "Schuld", dass das jetzt so rausgekommen ist, wie es rausgekommen ist. Was nebenbei wieder Tuchels Sonderstellung als bester deutscher Trainer und größtes Arschloch auf der Bank manifestiert. Denn bei allen anderen Trainern würde ein "Ich lasse wichtige Informationen zur Presse durchsickern, bevor ich überhaupt einen Vertrag unterschrieben habe" zum sofortigen Abbruch der Verhandlungen führen. Und jeder Trainer mit Anstand würde dem Manager sagen: "Klärt das erstmal mit eurem derzeitigen Angestellten, dann verhandeln wir weiter." Stattdessen hatte der ja die "beeilt euch, sonst gehe ich zu Tottenham" Haltung. Seit wann lässt man sich als FC Bayern von einem Trainer derart die Handlungsweise diktieren?

Nebenbei ist es echt paradox, dass Nagelsmann Toni Tapalovic entlassen hat, weil er glaubte, dass der ein Maulwurf ist und dann jetzt von einem anderen externen Maulwurf erfährt, dass er entlassen wird. Wobei man an der Stelle auch die Frage in den Raum werfen, inwieweit diese Entscheidung und die relativ schlechte Kommunikation von Nagelsmann ihn jetzt den Posten gekostet hat. Schließlich hat er die wichtigste Bezugsperson seines wichtigsten Kapitäns rausgeworfen, so was macht man nicht, ohne dass es weitere Schäden gibt.

Und wir müssen auch nochmal festhalten, wie krass das gerade ist. Oder wie kurz die Lunte mittlerweile ist. Also früher reagieren die Bayern während der Saison nur in wirklichen Ausnahmefällen. Diese sind aber ganz konkret definiert: wenn die Qualifikation für die Champions League irgendwie in Gefahr zu sein scheint. Dann zieht man den Stecker, das aber auch konsequent.

Der letzte Trainer, der während der Saison gehen musste, war ja Niko Kovac im November 2919. Da hatten die Bayern, unter anderem wegen einer faktischen Arbeitsverweigerung von Thomas Müller, aber der ist ja so sympathisch, mit 5:1 gegen Eintracht Frankfurt verloren. Nach diesem Spiel war man plötzlich nur noch Tabellenvierter. Punktgleich mit dem SC Freiburg. Und deswegen haben die Bayern dann sofort den Stecker gezogen und Hansi Flick übernehmen lassen... der dann nebenbei den Dead Coach Bounce bis zum Champions League Titel geritten ist.

Bei Carlo Ancelotti und Louis van Gaal gingen dagegen auch schon, als sie nur auf Platz 2 lagen. Jetzt entlässt man Nagelsmann, weil er 10 Punkte auf den Tabellenzweiten verspielt hat, was schlecht ist... aber er hat halt immer noch 7 Punkte Vorsprung auf Platz 5. Das Ticket für die Gruppenphase hat man doch praktisch schon gebucht. 

Nebenbei ist es immer wieder faszinierend, dass jetzt alle so tun, als würde es sonst bei den Bayern um "Menschlichkeit" gehen, die da jetzt fehlt. Dabei geht es bei den Bayern immer nur um absolute Leistung, der Rest ist egal. Ob man die Meisterschaft mit begeisterndem Offensivfußball, oder mit disziplinierter Verteidigung holt, war Hoeneß und Kahn immer egal. Wichtig ist, dass man die Meisterschaft holt. Das kann man ja auch ganz praktisch sehen: Die Bayern wurden seit 10 Jahren jedes Mal Meister. In diesen 10 Jahren haben sie trotzdem 3 Trainer während der Saison entlassen. "Menschlich" wäre es einzusehen, dass man nicht jedes Jahr Meister werden kann und den Trainer die Saison mit Würde zu Ende trainieren lässt, solange die Qualifikation für die ganz großen Fleischtöpfe nicht in Gefahr gerät.

Dagegen wird man ganz realistisch gesehen bei den Bayern entlassen, wenn man nach 10 Spieltagen nicht auf Platz 1 liegt... Das passiert halt nur so selten, dass die Bayern trotzdem einen auf glückliche Familie machen kann. Diese Familie hat halt nur den Anspruch, dass das Kind nur 1+ Noten nach Hause bringt, sonst gibt es Schläge. 

Nur mal so als Perspektive: Ich habe schon vor Ewigkeiten nach der van Gaal Entlassung geschrieben, wie unmenschlich das bei den Bayern eigentlich abläuft und wie brutal die am Ende vorgehen. Damals wurde ein junger Thomas Kraft der Öffentlichkeit von Papa Hoeneß zum Fraß vorgeworfen, weil van Gaal die Dreistigkeit hatte, Hans-Jörg Butt auf die Bank zu setzen. Ihr wisst schon: DIE BAYERNLEGENDE schlecht hin.

Und wo ich schon dabei bin: Papa Hoeneß hat auch Bayern-Legende und Erfolgstrainer Jupp Heynckes gehen lassen, weil er sich in Pep Guardiola verliebt hat.

Der einzige Grund, warum die Bayern ihre Arschloch-Seite nicht häufiger zeigen müssen, ist halt die Inkompetenz der Konkurrenz. Wenn die Meisterschaft häufiger in Gefahr geraten würde, wäre das auch ein richtiger Schleudersitz. Aber man geht ja zum ersten Mal seit der Saison 2011/12 nicht als Tabellenführer in diese späte Saisonphase...

Nebenbei bedeutet die Thomas Tuchel Verpflichtung auch nur, dass die Dortmunds einzige Chance ist. Also noch mehr als vorher zementiert diese Entscheidung, dass die Bayern nächstes Jahr wieder Meister werden. Denn ganz sachlich gesehen haben sie eine der wenigen deutschsprachigen Möglichkeiten genutzt, um sich auf der Trainerbank zu verbessern. Und wie immer greifen die dann halt auch sofort zu.

Bonuspunkte gehen nebenbei an Hoeneß, der mit all seinem Insiderwissen schon Anfang März wusste, dass wir in 8 Wochen nicht mehr über Nagelsmann diskutieren werden. Das könnte sogar hinkommen, weil die Art und Weise wie der entlassen wurde, uns noch eine Weile beschäftigen wird...

Montag, 20. März 2023

Worst of des "Zum Glück gibt es den VAR" Wochenendes

 Was würden wir nur ohne den machen? Der hätte uns ein spannendes Meisterschaftsrennen gekostet. Und Bayer Leverkusen die Chance vielleicht doch noch ins Rennen um die Europacup-Plätze einzugreifen. Denn natürlich verliert die Eintracht nach meinem Loblied auf die das nächste völlig unerklärliche Spiel gegen Union Berlin, die selber keine Ahnung haben, wie sie die 2 Tore erzielt haben. 

Aber ja, dass ein Schiedsrichter wie Tobias Stieler erleichtert zugibt, dass der VAR ihn gerettet hat und dann alle zustimmend nicken, war vor dem Wochenende nicht absehbar. Aber lasst uns mal ganz sachlich erklären, warum dies so passiert ist:

Stieler hat halt eine konsequente und unbequeme Entscheidung getroffen und einen Angreifer für eine potenzielle Schwalbe verwarnt. Das sollte viel öfter passieren. Er hat aber eben nicht darauf gewartet, dass der VAR ihm irgendwas funkt, sondern gleich selber entschieden... nur halt leider falsch. Aber da konnte ihn der VAR dann ja korrigieren. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Momenten hatte man eben nicht den Eindruck, dass der Schiedsrichter auf eine Hilfe vom VAR wartet. 

Und wenn genau da müsste man halt hinkommen: dass die Schiedsrichter wieder konsequente Entscheidungen treffen und wenn diese dann offensichtlich und eindeutig falsch ist, greift der VAR ein.
Nebenbei muss man auch eines festhalten: Ein Challenge System hätte hier auch einwandfrei funktioniert, denn natürlich hätte Xabi Alonso seine "Rote Flagge" in genau diesen Szenen geworfen und jeweils recht bekommen. Sowohl Alonso als auch Julian Nagelsmann sind ja auch die "neue Generation" an Trainern, die direkt mit der Videoanalyse an der Seitenlinie sitzen. Die hätten die Bilder also sofort gesehen und dann selber reagieren können. Warum sich die Fifa gegen diese Idee so sträubt, bleibt ein Rätsel. Und der DFB oder die DFL hat halt nicht die Eier, das einfach so durchzuziehen.

Wobei ja der DFB auch gerade gemerkt hat, dass er in der großen Fußballwelt irrelevant ist: Alle relevanten Ämter werden von anderen besetzt. In den entscheidenden Gremien sitzt man nicht drin. Aber das ist halt auch das logische Ergebnis einer jahrelangen Führungskrise: Wenn die meisten Präsidenten nur 3 oder 4 Jahre bleiben und dann wegen größeren oder kleineren Skandalen zurücktritt, ist es kein Wunder, dass man im internationalen Diskurs den Anschluss verliert. Und wenn ein Rainer Koch sich dann vor der Wahl aufführt wie ein bayrischer König... immerhin sind wir den losgeworden, es könnte also besser werden. Bernd Neuendorf wirkt halt auch "nur" bemüht, was schon mal ein Fortschritt ist, aber auch nur zeigt, wie schlecht das Führungsniveau dieses Verbandes in diesem Jahrtausend war.

Aber zurück zur Bundesliga: Schalke hat dieses Wochenende zum zweiten Mal in Folge verloren, obwohl sie nicht als Verlierer vom Platz gegangen sind. Denn RB ist mittlerweile auf dem Weg zum Traditionsverein, der immer mehr Gemeinsamkeiten mit den Knappen aufweist. Also zum einen teilen die sich jetzt die höchste deutsche Niederlage in der Champions League... weil beide ein Achtelfinal-Rückspiel mit 0:7 gegen Manchester City verloren haben. Und dann verlieren sie, wie sich das für eine traditionsbewusste Spitzenmannschaft gehört, gegen einen Abstiegskandidaten. Damit hat Bochum plötzlich 4 Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang.

Und Schalke ist seit 8 Bundesligaspielen ungeschlagen... steht aber trotzdem weiterhin auf einem Abstiegsplatz. Das ist absoluter Wahnsinn. Normalerweise sollten die 12 Punkte locker reichen, um die Konkurrenz zu distanzieren. Aber die punkten halt auch. Und Schalke kommt halt von ganz weit unten. 

Selbst Hoffenheim hat dieses Wochenende ein Lebenszeichen von sich gegeben. Damit war halt nicht mehr wirklich zu rechnen. Hoffenheim hat sich halt konzeptionell von "Jung und Wild" zu "Alt und Verbittert" weiterentwickelt. So läuft das halt, wenn alle guten Talente nach einer Saison wieder weg sind. Aber für 3 Punkte gegen die Hertha reicht es halt noch.

Weil die Hertha halt auch nur zu Hause gut ist. Also so halbwegs gut. 

Bleibt der VfB Stuttgart, der endgültig im Bruno Labbadia-Modus angekommen ist. Also ja, vielleicht rettet der die Stuttgarter noch. Vielleicht auch nicht. Was aber fest steht: Schön wird das ganze nicht. Dieses Wochenende gab es als ultimatives Offensivhighlight einen Borna Sosa, der ohne Einfluss des Gegenspielers gestolpert ist. Und das mit den Möglichkeiten, die der VfB eigentlich hat. Denn vor Bruno waren die ja für einen Abstiegskandidaten gerade spielerisch immer wieder richtig gut. Also ihnen fehlte die Konsequenz und die Konstanz, aber es waren immer wieder Phasen drin, auf die man als Union Berlin neidisch wäre. Zumindest, wenn man die Tabelle ausblendet. Jetzt ist das alles komplett weg... großartige Arbeit vom Trainer.

Ich hoffe ja, dass die Stuttgarter das blicken und den Trainer nach einem immer noch möglichen Klassenerhalt trotzdem im Sommer wechseln. Denn auch wenn das kurzfristig noch funktionieren kann, so kann diese Spielweise langfristig nicht die Lösung sein. Also es wäre zumindest schade, wenn Stuttgart sich darauf beschränkt und einfach nur hofft, irgendwie und relativ planlos zum Klassenerhalt zu stolpern. Denn das war ja schon eines der interessanteren Projekte im Fußball-Deutschland.