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Dienstag, 28. März 2023

Ein Mal tief Luft holen!

 Und dann geht es nochmal richtig ab.

Das ist zumindest meine Herangehensweise. Ich kann mich noch dunkel an dieses "Früher" erinnern, als mich diese Länderspielpausen interessiert haben. Das war aber auch noch zu der "guten, alten Zeit", als man sich dann an 2 Tagen hingesetzt hat und hinterher alles wusste. Jetzt... wird einem das ganze so scheibchenweise geliefert, dass man dem ganzen einfach nicht mehr folgen kann oder will. Ernsthaft, diese "Week of Football" war die dümmste Entscheidung der UEFA...

Das wird ja nur noch schlimmer, weil es halt auch nur ein wirklich relevantes Spiel gab: Frankreich schlägt die Niederlande mit 4:0. So heftig, dass die Holländer selbst nach dem Heimspiel gegen Gibraltar ein negatives Torverhältnis haben. Aber das ist ja auch komplett egal.

Schließlich ist es bei 24 EM Teilnehmern und 55 Verbänden praktisch unmöglich, dass sich eine der "großen Nationen" nicht für das Turnier qualifiziert. Um das mal zu verdeutlichen: Bei 16 Teilnehmern müssten die Niederlande jetzt alles versuchen, um nicht in die Playoffs als Tabellenzweiter einzuziehen, weil man dort halt auch auf gute Gegner treffen kann. Deswegen würde man das Ergebnis gegen Gibraltar in die Höhe treiben, um eventuell bei Punktgleichheit vor den Franzosen zu landen. Oder irgendwie der beste Gruppenzweite zu werden. Jetzt spielt man das halt gelangweilt runter und die kleinen Nationen reden sich hinterher ein, dass sie keine Laufkundschaft mehr sind.

Und auch das, was da jetzt auf dem Platz passiert, ist vollkommen egal. Also klar, eine grundlegende Spielphilosophie einzuführen und die Trainingseinheiten nutzen, um diese Ideen zu vermitteln, kann einem am Ende einen Vorsprung geben. Aber ist der wirklich relevant?

Nehmen wir mal kurz die wichtigsten Fragen der Deutschen Nationalmannschaft in Hinsicht auf die Heim-EM auseinander. Der Fakt, dass man als Gastgeber gesetzt ist, macht die Spiele natürlich noch irrelevanter. Aber die wichtigsten Fragen sind doch:
1.) Wer verteidigt neben Antonio Rüdiger? Der ist definitiv der beste Innenverteidiger, den wir gerade haben. Er und Überraschungsgast Malick Thiaw sind die einzigen deutschstämmigen Innenverteidiger, die im Viertelfinale der Champions League antreten dürfen. Rüdiger ist der einzige, der jedes Jahr auf 8 Spiele auf allerhöchstem Niveau kommt. Er hat sich, wenn auch nicht sofort, bei Chelsea durchgesetzt und dort sogar die Königsklasse gewonnen. Jetzt ist er bei den Königlichen. Jeder, der den nicht in der ersten Elf hat, trollt... oder will halt nicht, dass Deutschland gewinnt. Beides ist Hansi Flick zuzutrauen.

Aber der Posten daneben? Macht Thilo Kehrer noch den entscheidenden Sprung nach vorne, obwohl er gerade im Abstiegskampf in der Premiere League steckt? Ist Thiaw eine echte Alternative, oder spielt der bei AC Milan gerade nur, weil andere verletzt sind? Macht Niko Schlotterbeck noch den einen Schritt, der ihn zur potenziellen Weltklasse fehlt? Was wird eigentlich aus Niklas Süle?
All diese Fragen werden doch nicht in den 9 Tagen mit dem Adler auf der Brust entschieden, sondern in den Wochen dazwischen. Wenn Schlotterbeck nächstes Jahr eine starke Champions League hinlegt und seine Mannschaft ins Viertelfinale führt, dann spielt er auch bei der EM. Das ist mein persönlicher Tipp, da der Mann seit der verkackten WM eine faszinierende Entwicklung nimmt.

2.) Im Mittelfeld bleibt die Frage, wie man aus den herausragenden Spielern die richtige Kombination zusammenwürfelt. Aber auch hier ist doch am Ende wichtiger, wer 2024 eine starke Bewerbungssaison abliefert. Wenn Kai Havertz seine Mannschaft mit 5 Toren in der K.O. Phase ins Finale führt, dann kann sich Thomas Müller in der Bundesliga strecken, wie er will, dann sollte Havertz halt spielen. Wie verläuft eigentlich die durch den Kreuzbandriss aufgehaltene Entwicklung von Florian Wirtz? Muss man plötzlich Julian Brandt einbauen, weil sich auch der nochmal richtig weiterentwickelt hat? Im "Defensiven" Teil können wir dasselbe Spiel mit Kimmich, Goretzka, Gündoğan und Can spielen. Und all das muss man ganz sachlich um den Fixpunkt Jamal Musiala basteln, der halt einfach zu gut ist.

Und 3.) im Angriff bleibt die Frage, ob Niclas Füllkrug wirklich eine Bedrohung darstellt. Das muss er am Ende im Sommer beantworten: Traut er sich den Sprung zu einem größeren, in der Champions League antretenden Klub überhaupt zu? Und wenn ja, kann er sich bei den Bayern gegen Eric Maxim Coupo-Moting durchsetzen? Um das offensichtlichste Beispiel zu nennen. Wenn er das schafft, dann ist ihm auch bei der EM etwas zuzutrauen. Wenn er mit 10 Saisontoren bei Werder in die EM geht, mache ich mir da relativ wenige Sorgen.

Die Antworten auf diese Fragen zu suchen, wird die nächsten 12 Monate durchaus noch interessanter machen. Denn berichten werden da alle drüber. Aber am Ende wird niemand sagen: Oh, aber der Füllkrug hat doch gegen Peru 2 Tore erzielt... damals im März 2023. Der MUSS doch bei der EM in die Startelf!!!

Nebenbei merkt man ja auch, dass die Spieler die Gelegenheit nutzen, um nochmal Luft zu holen. Das Tempo bei diesen Test- und Qualifikationsspielen war selten auf wirklich hohem Niveau. Und mittlerweile muss man ja von einer Absagenflut sprechen: Alle nutzen die Gelegenheit, um die kleinen, übers Jahr angesammelten, Wehwehchen auszukurieren. Musiala musste halt gegen Bayer Leverkusen eingewechselt werden, deswegen muss er jetzt gegen Belgien geschont werden. Gündoğan hat genau jetzt persönliche Dinge zu klären. 

Das lustigste ist dabei die "Keine Rücksicht aufs Bundesliga-Topspiel" Schlagzeile. Aber Schlotterbeck wird bis dahin wieder fit sein. Musiala auch. Havertz hat "Grippeähnliche Symptome"... Er erholt sich in London. Die Stadt ist ja als Kurort bekannt.

All die Spieler werden am Wochenende wieder einsatzbereit sein. Noch viel wichtiger: Alle hätten am Samstag gespielt, wenn das Topspiel dann angesetzt wäre oder Premiere League anstehen würde. Und das soll auch gar kein Vorwurf sein, im Gegenteil: Es ist auch vollkommen vernünftig. Mir persönlich ist es logischerweise wesentlich lieber, wenn diese Spieler jetzt durchatmen, damit sie dann, wenn ich auch hingucke, großartige Leistungen bringen können. Und der Rahmenterminkalender ist mittlerweile so voll, dass man die wenigen Gelegenheiten zum Auskurieren kleinerer Probleme nutzen muss.

Freitag, 1. September 2017

Irgendwas ist dieses Mal anders...

Und damit meine ich nicht nur, dass mir mein Clark Kent Job die Zeit raubt um mich mit jeder Storyline des Fußball-Wochenendes auseinanderzusetzen... aber... ich versuche drauf zurück zu kommen... fangen wir direkt damit an:

Irgendwas... fehlt... oder ist mein Gehör mittlerweile so schlecht, dass ich das Konstante Jammern der Verantwortlichen einfach ignoriere?

Klar, die Bayern heulen ein wenig rum, dass James, also der Schlüsselspieler Kolumbiens extra anreisen muss, weil er vielleicht zum 2. Spiel wieder fit ist... Ich finde es ja faszinierend, dass ein derart überragend geführter Verein wie die Bayern sich teilweise so wenig mit Fußball beschäftigt...
Natürlich nominieren die Kolumbianer James... es stehen die wichtigsten Spiele der letzten 3 Jahre für deren Nationalmannschaft an... und ein Kolumbien mit James fährt zur WM, ein Kolumbien ohne spielt beim Tabellenletzten 0:0...  Und als nächstes steht halt ein Spiel gegen Brasilien an... Natürlich setzt man alle Hoffnungen darauf, dass sein einer Superstar da auflaufen kann...
Man hätte meinen können, die Bayern hätten was aus ihrer Erfahrung mit dem Arjen Robben als einzig verbliebener Superstar der mittlerweile zum Entwicklungsland degradierten Niederländer gelernt...
Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen: Wenn Robert Lewandowski gerade wieder fit werden würde, würden die Polen auch darauf bestehen, dass er zur Nationalmannschaft fährt... Diese Nationen sind halt brutal abhängig von solchen Einzelspielern. Und können sich auch keinerlei Punktverluste leisten...
Wenn man damit ein Problem hat... dann muss man sich seine Stars halt aus richtigen Fußballnationen verpflichten, die es sich leisten können einen gerade wieder fitten Manuel Neuer zu Hause zu lassen... Andererseits lassen sich mit solchen Spielern so schlecht neue Märkte erschließen... ein Teufelskreis...
Und ja, das sage ich so, weil ich ein glasklarer Vertreter der "Die Vereinsmannschaften profitieren von der Beliebtheit der Nationalmannschaften, ohne letzteres wären all diese Umsätze nie erreichbar" These... Und die Bayern holen sich einen James ja auch, um sich neue Märkte zu erschließen. Um in Südamerika beliebter zu werden... das funktioniert halt auch nur, wenn diese Spieler dann zu wichtigen Spielen nach Südamerika reisen...

Aber abgesehen von den Bayern und James... ist es erstaunlich ruhig an der "Wir jammern jetzt über diese unpassende Pause"... es ist eher so, dass die Nationaltrainer jammern, dass sie jetzt mitten in die heißeste Transferphase ihre Vorbereitung auf wichtige Pflichtspiele abhalten müssen, während sich die Jungstars mit dem Kaufen neuer Paläste in fremden Städten beschäftigt... Fragt da mal in Frankreich nach...

Für mich gibt es theoretisch 3 mögliche Gründe für diese einziehende Gelassenheit. Gehen wir sie fix durch:

1. Andere Themen sind halt wesentlich relevanter und überdecken einfach alles. Schließlich muss sich derzeit jeder zu den Eskalierenden Transfersummen äußern... auch wenn es irgendwie Willkürlich erscheint, dass wir da jetzt eine Grenze erreicht haben sollen.
Zusätzlich muss halt jeder seinen Senf zum Video-Schiedsrichter von sich geben... Da stecke ich ja auch mitten drin... ich hätte auch erst ein ordentliches Worst Of schreiben können, dann über die Nationalmannschaftspause jammern und mich danach zum Video-Assistenten äußern können... Aber ich musste mich halt als erstes auf das große Thema stürzen, dass alle bearbeiten...
Und dann fällt einem auf, dass trotz 5 Talkshows zum Thema Fußball die abgearbeiteten Themen und die Aufmerksamkeitsspanne erstaunlich gering ist... Und ja, ich habe keine dieser Shows diese Saison bisher gesehen, sondern gehe einfach davon aus, dass in alllen ausführlich über den Videobeweis diskutiert worden ist...

2. Das Problem ist zumindest in Deutschland nicht mehr so relevant... auch dank Jogi Löw. So furchtbar ich diese "Week of Football" als Idee von Michel Platini ja finde, da man den Qualifikationsrunden jetzt kaum noch folgen kann... also früher hatte man Samstag Abend gefühlt alle europäischen Ergebnisse. Dann konnte man sich einen Überblick verschaffen, wer jetzt wo steht.... Jogi Löw ist an der Stelle einer der Vertreter, der auf die Verein zugegangen ist und tritt regelmäßig im Freitag-Dienstag Rhythmus an. Also wann immer es geht. Das bedeutet, die Spieler verbringen weniger Zeit bei den Nationalmannschaft (und ja, Löw könnte auf Samstag - Mittwoch bestehen und dafür mehr Trainieren lassen... oder Werbespots drehen) und sind früher wieder bei ihren Clubmannschaften. Und vielleicht haben diese Vereinsmannschaften einfach dieses Opfer anerkannt und beschweren sich deswegen weniger... aber sein wir ehrlich, der Ansatz ist eigentlich absurd... Als würde man jemals so weit auf einen Karl-Heinz Rummenigge zugehen können, dass der zufrieden ist...

3. Die Bundesliga ist einfach intelligenter geworden und stört sich deswegen nicht an dieser Pause... sie kommt ihnen eher gelegen...
Der Ausgangspunkt ist natürlich meine sehr selektive Wahrnehmung... aber am lautesten hat sich gefühlt immer Armin Veh beschwert. Weil ein Armin Veh halt auch einfach nicht weiß, was mit der Zeit anfangen soll... Was genau genommen... sagen wir es mal so: Armin Veh ist halt der schlechteste Meistertrainer aller Zeit...
Ein Julian Nagelsmann wird jetzt nicht unbedingt an Spielzügen arbeiten... aber er wird die Zeit trotzdem effektiv nutzen. Auch wenn es bei den Nicht-Nationalspielern im Training nur um den Formerhalt gehen kann (und ums Ausheilen der kleineren Verletzungen... auch mal nett).
Aber in meiner Vorstellung wird ein Nagelsmann jetzt mit seinen Videoassistenten stundenlang zusammensitzen. Er wird die (bei ihm immerhin schon) 5 Pflichtspiele nochmal bis aufs letzte Detail sezieren. Und sich damit beschäftigen, was er jetzt verändern muss, damit das Spiel seiner aktuellen Mannschaft besser läuft.
Und ja, grundlegende Scoutingsessions wird ein Nagelsmann immer machen. Aber auch dessen Tag hat nur 24 Stunden. Und er muss sich ja auch auf den nächsten Gegner vorbereiten... und das eigentliche Training gestalten... den aktuellen Matchplan für seine Mannschaft entwickeln... halt alles Dinge, die man als Armin Veh halt nicht macht...
Wenn seine Spieler dann nach 14 Tagen zurück kommen, wird ein Nagelsmann einen Plan haben, was er ihnen in den nächsten 4 Wochen beibringen will... und dann kommt die nächste Länderspielpause und er kann wieder zur Klausurtagung ansetzen und sich fragen, was er davon umgesetzt hat...
Das klingt jetzt alles wie eine Nagelsmann-Vergötterung und etwas unpraktisch, weil es denen ja (zumindest national... aber genau die Liverpool Spiele wird er sich gerade in der Endlosschleife reinziehen...) ziemlich gut geht... Deswegen hört man davon wenig...
Aber wenn sich die Aussagen der Fehlstarter mit 0 Punkten so anguckt... dann sagen sie genau das: Jetzt müssen wir die Länderspiel Pause nutzen um den Start zu analysieren und dann die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Der Posten eines Bundesligatrainers dürfte mittlerweile so komplex sein, dass es beinah unmöglich ist alles immer erledigt zu haben. Und deswegen wird sich die junge, jetzt gerade übernehmende Generation von "Laptoptrainern" nicht über Pausen im engen Rahmenterminkalender beschweren... sondern sie werden sich insgeheim darüber freuen, dass sie die ganzen Dinge, die sie im Tagesgeschäft vor sich herschieben müssen, mal angehen können...

Die traditionelle Septrmber-Länderspielpause kommt dafür halt ziemlich gelegen. Man hat die ersten echten Wettbewerbsproben in der Scoutingabteilung liegen, mit denen man halt intensiver arbeiten kann als mit den Testspiel-Daten. Und man hat halt die nächste Sonderaufgabe, die letzten Neuzugänge in seine Spielphilosophie einzubauen. Auch wenn ein Spieler normaler Weise nicht gegen den Willen des Trainers verpflichtet wird... wird dennoch kein Trainer die komplette Palette aller potenziellen Neuzugänge kennen... das wäre ja auch eine reine Verschwendung geistiger Kapazitäten... Aber sobald er weiß, wer von denen wirklich da ist, wird er sich an die Arbeit machen die in sein Konstrukt zu integrieren...

Der Gedankengang, dass sich die neue Trainergeneration nicht mehr über Länderspiel-Pausen aufregt, weil sie einen umfangreicheren und komplexeren Job ausüben, der zu besserem Fußball führt, hat etwas faszinierendes... Aber jetzt, wo ich das gesagt habe, wird Nagelsmann im Oktober jammern, dass seine Spieler schon wieder weg sind... aber hey, dann werde ich behaupten, dass der da nur eine Nebelkerze zündet, damit niemand merkt, wie viel (und vor allem woran) er gerade arbeitet, damit er seinen Vorsprung behält... jetzt fange ich schon an, mir Dinge präventiv schönzureden...