Montag, 13. März 2023

Worst of des "Wenn beide das Derby verlieren" Wochenendes

 Sein wir mal ganz kurz ehrlich: Borussia Dortmund musste dieses Spiel gewinnen, wenn sie Meister werden wollen. Ein Unentschieden bei einem Abstiegskandidaten ist einfach zu wenig. Und Schalke wusste vorher, dass die Konkurrenz (also natürlich abgesehen von Hoffenheim, aber die machen halt ihr eigenes Ding) gepunktet hat. Bochum sogar dreifach, weil Köln halt auch zu diesen inkonstanten Mittelfeldmannschaften, die plötzlich und unmotiviert ein Spiel verlieren, gehört. Damit ist auch für Schalke am Ende ein Punkt... nun ja... vielleicht nicht genug. Drücken wir es so aus.

Und klar, rein emotional nehmen die mehr als nur den einen Punkt mit. Und es kann auch durchaus sein, dass es genau der Punkt ist, der sie am Ende in die Relegation rettet. Es kann aber auch sein, dass die Schalker dieses Unentschieden am Ende zu heftig gefeiert haben.

Gerade wie sie als Tabellensiebzehnter diesen Derby-Nicht-Sieg gemeinsam mit den Fans zelebriert haben, beweist nebenbei auch nur, wie weit die Ansprüche mittlerweile gesunken sind. Früher hätten die Schalker Fans die Mannschaft nach so einem Spiel ausgepfiffen. Und bei der Tabellensituation allgemein eher ein "Wir wollen euch kämpfen sehen" skandiert. Das sind schließlich die Fans, die unruhig wurden, wenn man auf Platz 4 stand.
Diese angepasste Erwartungshaltung soll gar kein Vorwurf sein. Ich finde es aber einfach nur faszinierend, dass ein derart emotionales Umfeld wie in Gelsenkirchen diesen Umschwung hinbekommen hat. Jetzt wäre es natürlich spannend zu sehen, was dort passiert, wenn die mal im Mittelfeld landen. Und dass die Schalker Fans geschlossen hinter ihrer Mannschaft stehen, könnte am Ende den Unterschied ausmachen.

Bayern München schaltete nebenbei in den Über-Arroganz-Modus. Also die wollten Paris mal demonstrativ zeigen, dass es echt gar nicht so schwierig ist, 3 Tore gegen sie zu erzielen. Da muss man nur halbwegs engagiert und konsequent nach vorne spielen. Es wäre also so was von machbar gewesen, aber ihr wolltet ja nicht. Und nebenbei bewies man, dass man gegen seinen Angstgegner um Mergin Berisha, der jetzt 5 Treffer in 4 Spielen gegen die Bayern erzielt hat, einfach genügend Tore erzielen kann, dass einem die Gegentore egal sind. Manchmal geht es halt um wichtigere Dinge als das reine Ergebnis...

Wo ist eigentlich diese Woche Lutz Wagner? Findet der jetzt gerade kein Mikro, in das er sich erbrechen kann? Unter der Woche ging es doch auch. Da hat er eindeutig gesagt, dass das Eingreifen der VAR falsch war. Wenn es dann einen Elfmeter für die Hertha gibt, weil der VAR in der Superslowmo und mit Zeitlupe ein Handspiel erkennt... dann schweigt Wagner natürlich. Wie ich schon am Freitag gesagt habe: Es ist halt wesentlich leichter Stellung zu beziehen, wenn es nicht sein eigener Verantwortungsbereich ist. Und von DFB Seite gibt es ja wieder das totale Schweigen zu diesem fragwürdigem VAR Eingriff.

Nebenbei lässt sich da wieder eines festhalten: Das sind alles Dinge, die ein Challenge System verhindern würde. Denn dann wäre diese Szene einfach durchgelaufen und niemanden aufgefallen. All die anderen kritischen, aber korrigierten Momente (zum Beispiel der Elfmeter für Werder) wären dann auf Anfrage überprüft worden. Und wenn dann tatsächlich mal eine Fehlentscheidung nicht "gechallenged" wird, dann ist der Trainer der Depp, der sich nicht dazu durchringen konnte, die "rote Flagge" zu werfen. Aber wir verweigern ja die einfachen und praktikablen Lösungen, und kritisieren dann lieber die UEFA, wenn es da mal nicht läuft.

Für mich gibt es echt nur noch 2 Lösungen: VAR abgesehen von Abseitsentscheidungen (wo er nebenbei einwandfrei und schnell funktioniert) abschaffen oder eben Challenges einführen. Alles andere ist einfach sinnlos.

Uli Hoeneß, Vollidiot der Woche. Ja, Hoeneß hat sich mal wieder in ein Mikro erbrochen. Und er hat da mal wieder bewiesen, dass er es mit der Freiheit und der Demokratie nicht so genau nimmt. Denn die Pressefreiheit ist einer der Grundpfeiler unserer Demokratie. Jetzt ist er der Meinung, dass ARD und ZDF die Übertragungsrechte der Weltmeisterschaft entzogen werden, weil sie zu kritisch über die Zustände in Qatar berichtet haben. Das ist nebenbei derselbe Mensch, der einem Journalisten mit Hausverbot gedroht hat, weil er zu kritische Fragen gestellt hat, diese Haltung sollte uns also nicht überraschen. Wer nicht nach unserer Pfeife tanzt, wird halt schikaniert und ausgeladen.

Und natürlich war es anstrengend, dass die in den Öffentlich Rechtlichen auch immer wieder über Menschenrechte geredet haben. Aber genau das ist guter Journalismus halt auch: Anstrengend und unangenehm.
Nebenbei können wir jetzt ja festhalten, dass genau das eingetreten ist, was sich die Ölscheiche erhofft und ich befürchtet habe: Es guckt jetzt niemand mehr da hin. Die haben jetzt ihren Image-Gewinn eingestrichen und können jetzt wunderbar weiter auf die Menschenrechte scheißen. Wir sind dagegen weitergezogen und beschäftigen uns halbherzig mit dem nächsten Problem.

Freitag, 10. März 2023

Da war ja noch was: Dieser fragwürdige Elfmeter

 Und damit ein kleiner Exkurs in die Empörungskultur. In der Hauptrolle: Lutz Wagner als Vollidiot der Woche.

Also ihr werdet es ja alle mitbekommen haben: Dortmund ist unter anderem wegen eines fragwürdigen und wiederholten Elfmeters ausgeschieden. Gut, eigentlich sind sie ausgeschieden, weil sie sich gegen den Tabellenzehnten der Premiere League zu wenige Chancen erspielt haben. Aber das wird ja ignoriert, weil Chelsea theoretisch gut sein sollte. Nur um das mal festzuhalten: Diese Mannschaft liegt 29 Punkte hinter dem Tabellenführer Arsenal London. So viel Abstand liegt sonst nicht mal zwischen Dortmund und Bayern. Die sind nicht wirklich gut.

Fairerweise muss man auch anerkennen, dass Dortmund im Großen und Ganzen zugibt, dass sie nicht nur wegen der fragwürdigen Entscheidung ausgeschieden sind, sondern dass der Gegner insgesamt einfach besser war. 

Aber das ehemalige Fachmagazin der Kicker schwingt sich dann zum Verteidiger der Dortmunder Ehre auf und kommentiert ausführlich über diesen Vorfall. Also als das führende Magazin aus dem Land der betroffenen Mannschaft.

Nur so als Vergleich: Der an sich eher als sachlich einzustufende "The Guardian" gibt zu, dass der VAR bei der Rettung von Coach Potter geholfen hat. Aber einen Fehler wollen die nicht gesehen haben. ESPN als theoretisch neutrale Amerikaner zitieren Jude Bellingham, ringen sich aber auch nicht zu einer eindeutigen Bewertung der Szene durch. In dem Video lobt Frank Leboeuf Kai Havertz dafür, dass er nochmal antritt und sich nicht vor der Verantwortung drückt. Die französische L'Equipe erwähnt auch nur, dass der Elfmeter wiederholt wurde.

Aber ob es überhaupt korrekt war, den Elfer zu wiederholen, diskutieren nur wir Deutschen. Und das bringt uns dann zu Lutz Wagner, Regelexperte und Mitglied der Schiedsrichter-Kommission Amateure beim DFB. Damit ist er technisch gesehen nicht direkt für die Profis verantwortlich, aber nicht so weit weg. Er wird im Kicker Kommentar als "DFB-Regelexperte" vorgestellt. Und der sagt jetzt tatsächlich eindeutig, wie und warum der Eingriff des VARs falsch war

Das ist an sich sehr schön. Das Problem ist doch aber: Eine derartige, auch kritische, Einordnung von offizieller Seite müsste doch eigentlich jedes Wochenende kommen. Denn an jedem Montag fragt sich der gemeine Fußballfan, warum der VAR in der einen Situation eingegriffen hat, in der anderen aber stumm blieb. Vom DFB hört man aber meistens Rechtfertigungen. Wenn überhaupt.

Also stellt euch einfach mal vor, das Spitzenspiel am ersten April wird durch so einen wiederholten Elfmeter entschieden. Glaubt wirklich irgendjemand, dass sich jemand vom DFB dann hinstellen und den Fehler zugeben würde? Das macht man nur, wenn man selber unbeteiligt ist. Natürlich. Genau so führt man einen Diskurs und verbessert sich selbst. Herzlichen Glückwunsch.

Und klar, diese Szene beweist uns auch nur, dass der VAR auch woanders beschissen läuft. Dass all die Debatten gar nicht nur in der Bundesliga geführt werden. Aber als DFB sollte ich meinen gesamten Fokus darauf legen, dass es in der Bundesliga besser wird. Wenn man da dann vorzeigbare Ergebnisse hat, von denen wir immer noch weit entfernt sind, dann kann diese mit den anderen Teilen. Bis dahin sollte man vor seiner eigenen Tür kehren.

Nebenbei sollte dieser Vorfall ganz realistisch zu einer Regeländerung führen. Denn das, was Bellingham da sagt, stimmt ja vollkommen: In dem Moment, wo der Schütze den Anlauf verzögert, ist es quasi unmöglich, dass die anderen Spieler nicht in den Strafraum laufen.

Es ist sowieso schon fragwürdig, dass der Schütze das überhaupt darf. Aber wenn er auf derartige Sperenzchen setzt, sollte die anderen Spieler wenigstens nicht dafür bestraft werden. Ein einfacher "Wenn der Schütze seinen Anlauf verzögert, dürfen andere Spieler den Strafraum betreten" würde hier alle Probleme lösen. Nur so als Idee, die man eigentlich nach dieser Szene diskutieren könnte.

Donnerstag, 9. März 2023

Der Weltmeistertitel wird überschätzt

 Gnadenlos.

Aber erstmal.... Champions League. Denn... was soll ich sagen... selbst Thomas Müller hatte einen positiven Einfluss auf das Spiel, schließlich gewann er den wichtigen Zweikampf vor dem 1:0. Es ist ja nicht so, dass ich es ignoriere, wenn Müller was beiträgt, es passiert halt nur selten.

Oh und Yann Sommer gab uns seine beste Manuel Neuer Imitation. Also Neuer gegen Südkorea, was mir zum zweiten Mal in einer Woche die Gelegenheit gibt, ein deutsches Scheitern in der Gruppenphase zu verlinken... Aber ja, der Sommer-Transfer hat sich jetzt rentiert, denn in den wichtigen Situationen war er halt da.

Aber eigentlich muss es hier halt um Paris St. Germain gehen. Die machen nämlich das, was die immer machen: Sie scheitern im Achtelfinale. Das war der Ausgang in 5 der letzten 7 Saisons. Nur in den Jahren mit Thomas Tuchel kamen sie weiter. Das ist halt das Problem, wenn man Spielern wie Kylian Mbappé zu viel Macht gibt, damit sie doch bleiben. Und wenn man im Jahr 2023 auf Lionel Messi als Stammspieler setzt.

Denn auch Messi machte das, was er in den letzten Jahren immer machte: Er tauchte im Rückspiel komplett ab. 2019 stand Messi zuletzt im Halbfinale der Champions League. Das ist ein Niveau, welches er früher regelmäßig erreicht hat. Damals wurde er und sein Barca von Liverpool aus dem Stadion und Wettbewerb geschossen. Das waren nebenbei auch schon die Jahre, in denen Barca seine Auswärtsspiele regelmäßig mit 4:0 oder 3:0 verloren haben. Hier ist eine faszinierende Statistik: Seit dem letzten Titelgewinn im Jahr 2015, was auch schon 8 Jahre her ist, haben Messi's Team in der K.O. Phase 2 Auswärtsspiele gewonnen: 2016 bei Arsenal und 2019 bei Manchster United. Die Gesamtbilanz seit 2015 steht bei 2 Siegen, 3 Unentschieden gegen Lyon, Paris und Neapel (also nur bedingt die Creme de la Creme) und 6 Niederlagen. Die 6 Niederlagen kamen mit einem Torverhältnis von 0:18 Toren. Also wenn ihr kontrollieren wollt, ob ich was übersehen habe, hier ist der Link zu Fussballdaten.de. Das ist richtig schlecht. Gerade wenn man bedenkt, dass Messi in diesen Jahren 2-mal den "Ballon d'Or" gewonnen hat. Anscheinend ist es keine Bedingung, dass man in den wichtigen Auswärtsspielen abliefert, um diesen Titel zu gewinnen.

Dass Messi als Stammspieler nebenbei keine Rolle mehr spielt, habe ich bereits 2021 prognostiziert. Weil ich Messi halt sehr gerne spielen sehe, hätte ich gerne unrecht behalten. Aber man kann diesen Wettbewerb einfach nicht gewinnen, wenn jemand so wenig am Spiel teilnimmt, wie Messi das grundlegend seit 2016 macht. Er ist halt seit dem im Zlatan Ibrahimović Modus: Gegen schlechtere Gegner sieht das alles überragend aus, aber wenn es um die Wurst geht, kommt zu wenig.

Denn machen wir uns nichts vor: Die einzelnen Statistiken sehen immer noch richtig gut aus. 8 Scorerpunkte in 7 Spielen. De facto in 5, weil er ja im Achtelfinale nichts geliefert hat. 9 Tore in 2 Jahren Königsklasse für Paris. Und es spricht auch für Messi, dass er selbst im hohen Alter noch so trifft. Aber man kann es sich halt einfach nicht leisten, einen Spieler gegen den Ball so mit durchzuschleppen. Und das, obwohl es im Rückspiel besser war, als im Hinspiel.

Von daher ist es doch gar nicht so überraschend, dass Paris ausgeschieden ist... ich habe das halt nur alles ignoriert. Und jetzt spielen die Bayern als Nächstes gegen Sporting Lissabon und können sich hinterher einreden, dass sie doch zur absoluten Elite gehören.

Was mich nebenbei zu dem eigentlichen Titel bringt: Warum reagieren alle so über, nur weil Messi im Dezember den Weltmeistertitel geholt hat? Also klar, für ihn persönlich ist das geil. Für Argentinien ebenfalls. Gerade wenn man Messis Fehlschuss aus dem Finale 2014 in Betracht zieht: Eigentlich hätte er diesen Pokal schon 8 Jahre früher holen müssen. (Und ja, WM Spiele von 2014 werden nicht verlinkt...) Aber für die Bewertung der sportlichen Karriere dieses absoluten Überspielers sollte es doch egal sein. Denn da wird am Ende auch wieder nur eines deutlich: Die WM ist, was das fußballerische Niveau betrifft, höchstens ein zweitklassiges Turnier. Was auch in der Natur der Sache liegt, denn man kann halt die Schwachstellen in seinem Kader nicht mit Transfers beheben und hat nur ein sehr kurzes Zeitfenster, um alles einzustudieren.

Aber es wird halt auch endgültig deutlich, dass man mit einem alten Messi diesen Titel holen kann. Man kann halt auch mit 10 Mann recht souverän verteidigen. Das Narrativ war ja, dass Messi jetzt Cristiano Ronaldo überholt hat, weil er den einzigen Titel hat, der seinem direkten Konkurrenten fehlt. Und Ronaldo hat ja auch keine Chance mehr zu kontern. Dabei sollte es eigentlich viel relevanter sein, dass Ronaldo 3-mal in Folge die Königsklasse gewonnen hat. Mit 31-33 Jahren. Während Messi auf dem allerhöchstem Niveau mit Anfang 30 anfing abzufallen und in den entscheidenden Momenten immer wieder abtauchte. 

Ganz sachlich gesehen ist das alles egal. Denn die Frage, ob Messi oder Ronaldo der "GOAT" ist, liegt am Ende an den persönlichen Vorlieben des Betrachters. 

Das wirklich spannende ist ja, was diesen Sommer passiert, denn Messis Vertrag läuft ja aus. Will PSG überhaupt mit ihm verlängern, oder sehen sie ein, dass Mbappé und Neymar plus 8 einem die besseren Chancen gibt? Es ist Paris, wo Entscheidungen noch nie nach sportlicher Vernunft getroffen worden sind. Über eine Vertragsverlängerung wird jedenfalls schon seit Monaten geredet. Realistisch bedeutet das aber nur, dass man auch 2024 nicht um den Titel mitspielen wird. Andererseits steht die Rückkehr nach Barcelona auch immer wieder im Raum. Für die wäre es natürlich gerade ein Fortschritt, im Achtelfinale der Champions League auszuscheiden... aber bringt es sie wirklich wieder nach vorne? Aber auch Barca wird diese Entscheidung nicht aufgrund von sachlichen Fakten treffen. Das ist bei einer Überpersönlichkeit wie Messi halt auch schwierig, da will sich niemand eingestehen, dass seine ganz große Zeit einfach vorbei ist.

Und wahrscheinlich ist der Weltmeistertitel bei dieser Beurteilung eher schädlich, schließlich werden alle auf den Dezember 2021 verweisen und behaupten, dass der doch noch was im Tank hat. Dabei sollte man sich eigentlich auf Messi vs Ronaldo Teil 37 einstellen.

Montag, 6. März 2023

Eine existenzielle Bedrohung für diesen Blog!!!

 Wie soll man ein Worst of schreiben, wenn die Liga... nun ja... auf jeden Fall spannend, vielleicht sogar gut ist? Normalerweise ist das doch der Zeitpunkt, an dem die Bayern den Titel festmachen und sich mindestens eine Mannschaft praktisch aus dem Abstiegskampf verabschiedet. Aber selbst Schalke 04 hat beschlossen, dass die sich einfach mal wehren werden. Die sind ganz plötzlich von der Mannschaft mit der lächerlichen 0:0 Serie zur "In der Rückrunde noch ungeschlagenen Mannschaft" gemausert. Und klar, man stellt eine der schwächsten Offensiven der Liga. Aber man hat halt irgendwie nur ein einziges Gegentor kassiert. Nach einem Patzer des Torwarts.

Nebenbei hat diese Woche nachgewiesen, dass die zuletzt beschriebene Ralf Fährmann Rolle gar nicht so ungewöhnlich ist. Fabian Bredlow pendelte souverän zwischen "Hält seine Mannschaft mit Wahnsinnsparaden im Spiel" und "Winkt einen haltbaren Ball durch, und bringt seine Mannschaft dadurch ins Hintertreffen." Manuel Riemann ließ sich von Namensvetter Neuer inspirieren. Also leider vom Slapstick Neuer aus dem Costa Rica Spiel, aber ansonsten gibt es schlechtere Vorbilder. Aber genau der Riemann, der dem VfL Bochum dieses Wochenende die Punkte gekostet hat, hält ihm die sonst fest. Also zumindest gelegentlich. Vielleicht ist das, was Fährmann da anbietet, am Ende auch nur Bundesliga-Durchschnitt. Was ja für Schalke gar nicht sooo schlecht ist.

Bochum muss allgemein irgendwie befürchten, dass ihr Dead Coach Bounce halt vorbei ist. Also ja, die hatten unter Thomas Letsch erstmal eine richtig gute Phase. Ungefähr so gut, wie die Schalker sie jetzt gerade haben. Und die hohe Kunst des Abstiegskampfes besteht es ja, in diesen guten Phasen so viele Punkte zu holen, dass man sich den Rest irgendwie zusammen hamstern kann. Das könnte dieses Jahr aber plötzlich nicht funktionieren, weil die Konkurrenz halt... nun ja... sich wirklich bemüht. Ich will jetzt das Wort "gut" nicht in den Mund nehmen.

Vor allem ist das irgendwie auch mehr eine gefühlte Wirklichkeit, denn in der Summe haben, abgesehen vom Tabellenletzten, ja alle weniger Punkte als im Vorjahr zum selben Zeitpunkt. Der Zyniker in mir könnte einfach behaupten, dass es nur so spannend ist, weil alle noch schlechter sind. Aber dadurch, dass sich alle wehren, ist halt eine ganz andere Spannung drin.

Wobei dieses "Alle" natürlich relativiert werden muss... denn die TSG Hoffenheim bemüht sich ja irgendwie nur gegen die Dortmunder. Dass dieselbe Mannschaft, die letzte Woche beim Vizekandidaten so einen couragierten Auftritt hingelegt hat, diese Woche so uninspiriert und ungefährlich auftritt. Wobei auch das ja relativ normal ist, denn der Unterschied zwischen der Leistung der Stuttgarter gegen Schalke und der gegen die Bayern war ebenfalls gravierend. Wenn die immer so auftreten würden...

Aber die stehen ja alle da unten drin, weil sie genau das nicht hinbekommen. Hertha hat zuletzt in 3 von 4 Spielen 4:1 gespielt. Das klingt richtig gut, bis einem bewusst wird, dass nur eines davon ein Heimspiel war. Zu Hause sah es zuletzt aber richtig gut aus. Auswärts wäre man dagegen schon zufrieden, wenn man nicht mit 3 Toren Unterschied verliert. Da es als Nächstes gegen quasi gerettete Mainzer geht, wird sich daran auch so schnell nichts ändern. Aber die Woche darauf geht es dann nach Hoffenheim und DA muss dann was passieren.

Aber allein schon, dass ich als neutraler Zuschauer jetzt schon vorausschaue, wer wann im Abstiegskampf aufeinander trifft. Da ist eine ganz andere Spannung drin, als wir es gewohnt sind.

Nebenbei möchte ich an der Stelle mal 2 Mannschaften loben, die damit wahrscheinlich nichts zu tun haben: Wie hat es Augsburg eigentlich schon wieder geschafft, sie da rauszuhalten? Also gerade, weil der Auftritt gegen Bremen ja alles andere als souverän war (man kann auch Rafal Gikiewicz zu diesen Bundesligatorhütern einsortieren...). Trotzdem holt man irgendwie die 3 Punkte.

Und wo hat Köln so viele Punkte Abstand her? Also 3 davon kommen aus den Duellen gegen Bayern, RB Leipzig und Union Berlin. Falls ihr wirklich wissen wollt, gegen wen die Dortmunder ihre Serie verkacken. Und dann verliert man 0:3 gegen Stuttgart... Trotzdem ist doch genau das eingetreten, was ich in der Rückrundenvorschau vorhergesagt habe: Die werden sich ohne die Zusatzbelastung Europacup stabilisieren und sich im Mittelfeld einreihen.

Welches nebenbei, als heimliches Problem, wirklich von Platz 13 bis Platz 7 reicht. Dies werden nebenbei die Mannschaften sein, die am Ende den Abstiegskampf entscheiden. Also in den "Die eine Mannschaft kämpft um ihr Leben" vs "Für uns geht es am Ende um nichts" Duellen werden am Ende die Punkte geholt, die den Klassenerhalt sichern.

Mein Kandidat Nummer 1 für so eine sinnlose Niederlage bleibt Bayer Leverkusen. Ja, wenn deren rechte Seite ins Laufen kommt, sind die richtig gut. Eine der 4 besten Mannschaften der Liga. Dazu kommt Florian Wirtz wieder in Form. Aber das passiert in der Summe halt zu selten. Dazu könnten sie zu der Erkenntnis gelangen, dass die Europa League die einzige realistische Chance ist, den Wirtz zu halten. Also dass sie alles auf einen Sieg in diesem Wettbewerb auslegen und die Liga vernachlässigen. 

Im "Fast ganz oben" ist Eintracht Frankfurt die wichtigste Mannschaft. Also die werden ja wahrscheinlich aus der Champions League ausscheiden. Und ihnen fehlt derzeit definitiv die Konstanz über 90 Minuten. Aber vielleicht finden sie die ja, wenn es nur noch in einem Wettbewerb zur Sache geht. Wenn dies passiert, wird es noch ein richtiges Hauen und Stechen um den 4. Startplatz in der Königsklasse geben.

Und ganz nebenbei haben wir ja noch dieses spannende Meisterschaftsrennen. Nicht, weil die Borussia besser ist als in der letzten Saison, sie holen genau so viele Punkte wie quasi immer. Aber die Bayern haben halt 5 Punkte weniger auf dem Konto.
Natürlich hat der gemeine Fußballfan so gar kein Vertrauen in diese Mannschaft. Aber jetzt, wo Schalke nicht als Tabellenletzter ins große Derby geht, bin ich sogar leicht optimistisch, dass Dortmund auch dieses Heimspiel gewinnt. Eigentlich hatte ich ja die Niederlage beim Tabellenletzten fest eingeplant. Vor allem müssen wir mal festhalten, dass selbst RB Leipzig die eine Gelegenheit, sich bei der gesamten Fanwelt unbeliebt zu machen, ausgelassen haben. Das machen die doch sonst nicht.

Es ist halt echt ein Gefühl, dass ich seit Jahren nicht mehr hatte: Man guckt am Freitag gespannt auf den Spielplan und markiert sich die interessanten Spiele. Man plant seinen Freitag um eine "die Bayern spielen nicht mal" Ansetzung. Und selbst wenn es einem relativ egal sein kann, ob der Arschlochverein oder die Kommanditengesellschaft auf Aktien den Titel holt, so ist man doch gespannt, wie es ausgeht. Das hatten wir seit Jahren in der Form nicht mehr.

Dass es weiterhin hauptsächlich daran liegt, dass die Bayern nicht so gut und dominant sind, wie sonst, ist dabei fast egal. Es liegt einfach eine ganz andere Spannung in der Luft. Hoffen wir, dass die uns möglichst lange erhalten bleibt.

Mittwoch, 1. März 2023

Eine kurze Motivationsrede für den HSV

 Ha... "kurz"... als ob.

Wer diesen Blog regelmäßig verfolgt, wird es ja bereits wissen: Der HSV hat ein Alleinstellungsmerkmal in diesem Land. Und auch dieses Frühjahr erweckt der Verein den Anschein, als würde er dieses Merkmal gerne abgeben und doch einfach mal aufsteigen. Zumindest tut man so. Wie ernst man das wirklich meint, wird der April zeigen,

Nebenbei zeigt sich da nochmal die moralische Flexibilität, sobald es gegen ein Feindbild geht: Ich bin plötzlich für den 1. FC Heidenheim. Ich checke deren Ergebnisse aus und hoffe, dass die den HSV noch einholen, obwohl ich mir vollkommen bewusst bin, dass die für die Bundesliga... drücken wir es optimistisch aus... keine Bereicherung sein werden. Nächste Saison jammere ich dann die ganze Zeit, wie krass überfordert dieser Dorfverein ist. Schlimmer als Paderborn und Fürth.
Was die Arbeit des Vereins gar nicht schmälern soll. Gerade was der Trainer Frank Schmidt da abreißt, ist absolut faszinierend. Und man ist in 6 von 8 Zweitligajahren in der oberen Tabellenhälfte gelandet. Man wurde in aufeinander folgenden Jahren Fünfter und Dritter. Das ist eine Konstanz, die sonst nur Union Berlin an den Tag gelegt hat. Damit ist die realistische Frage nicht "Ob", sondern nur "Wann steigt der 1. FC Heidenheim auf?" Und dann doch bitte in einem Jahr, in dem sie es dem HSV versauen.

Nebenbei... gehört die 2007 gegründete Fußballabteilung zu diesen Vereinen, die noch nie abgestiegen sind. Ihr wisst schon: das angebliche ehemalige Alleinstellungsmerkmal des letzten Bundesligadinos. Nur um mal zu verdeutlichen, dass das gar nicht so besonders ist: Damit hatte man etwas mit RB Leipzig gemeinsam. Das kann ja keiner gewollt haben.

Random Fun Fact: Der "große FC Bayern ist 1954/55 aus der Oberliga abgestiegen. Selbst dieser arrogante Schnöselverein hat es frühzeitig geschafft, sich von RB zu distanzieren. Aber bei den Unabsteigbaren gibt es bestimmt auch in den Niederungen des Fußballs irgendwelche Dorfvereine, für die es noch nie bergab ging. 

Und ja, eventuell gibt es auch neu gegründete Vereine, die noch nie aufgestiegen sind. In Leipzig finde ich da gerade den FC Mohajer Leipzig, der 2020 als Integrationprojekt gestartet wurde und seinen Durchmarsch in die erste Kreisklasse noch aufgeschoben hat. Aber jeder Verein, der 10 Jahre überlebt, wird doch irgendwann zumindest ein Mal aufsteigen.

Wir haben in Deutschland über 24.000 registrierte Fußballvereine. Der einzige Verein von denen, der älter als 10 Jahre ist und niemals aufsteigen konnte, ist und bleibt der HSV. Selbst wenn wir grob festlegen, dass es mit all den Neugründungen 10 Vereine gibt, die noch nie aufgestiegen sind... dann sollte man die anderen Vereine im Sommer zu einem großen Turnier einladen und sich gegenseitig feiern. Und festhalten, dass man zur absoluten Ausnahme gehörte. Das können dann nur 0,04 % aller Vereine von sich behaupten.

Aber der nationale Vergleich ist ja nie der Anspruch des Hamburgers gewesen. Und weil HITC Sevens dieses Video weiterhin verweigert, stelle ich die Frage jetzt hier: Wie sieht es eigentlich im restlichen Europa aus?

Fangen wir mal in Italien an. Dort spielt einzig Inter Mailand ununterbrochen in der Serie A. Gut, das liegt auch daran, dass Juventus Turin zu einem Zwangsabstieg verurteilt worden ist. Aber Juve stieg trotz 9 Punkten Abzug sofort wieder auf. Die anderen Gründungsmitglieder der Serie A stiegen hinterher hin und wieder mal auf und ab. In ganz Italien kann also nur Inter den "Unaufsteigbar" Status bewahren.

In Spanien haben wir den FC Barcelona und Real Madrid. Der eine Verein war der absolute Stolz Kataloniens, der andere wurde von einem Diktator gestützt. Also zumindest in der "grauen Vorzeit" war dies so und bei den meisten ganz großen Vereinen waren das ja die Jahre, in denen man überhaupt aufsteigen konnte. Dass diese "Graue Vorzeit" in Spanien bis in die 70er Jahre reichte und Johann Cruyff sich wegen Franco weigerte zu den Königlichen zu wechseln, verschweigen wir Europäer lieber.
Atletico Madrid war eigentlich auf einem richtig guten Weg, bis sie in der Saison 99/00 plötzlich abstiegen. Dann überlegten sie sich ein Jahr lang, ob den Unaufsteigbar Status beibehalten wollten und realisierten, dass sie das mit Real vereint... und kehrten in die Primera Division zurück. Damit hat man einen Aufstieg in der Chronik stehen.

Arenas Club war als weiteres Gründungsmitglied auf einem richtig guten Weg. Also die stiegen von 1929 bis 1975 ausschließlich ab. Das ist doch genau der Weg, den der HSV einschlagen sollte. Dann verkackten sie es aber und stiegen von der "Regional Preferenta" in die "Tercera Division" auf. Also von der 5. in die 4. Liga. Mittlerweile gurkt man in der Dritten Liga rum und die Wikipedia Seite gibt es nur auf Spanisch. Wenn die nie aufgestiegen wären und weiterhin in Liga 5 spielen würden, gäbe es garantiert auch deutsche Wikipedia Artikel... weil ich ihn dann anlegen würde.

Dieser ganze Beitrag wäre so viel einfacher, wenn es einen "Unaufsteigbare Vereine" Artikel bei Wikipedia geben würde. Aber dieser Begriff kommt nur 5 Mal vor... unter anderem bei Union Berlin.

Egal, auf nach Frankreich. Der französische Fußball ist überraschend chaotisch. Oder halt wie die Bundesliga ohne Bayern. Also die eine Dekade lang dominierende Mannschaft kämpft als Nächstes um den Abstieg. Deswegen darf sich noch der AS Saint Etienne Rekordmeister nennen. Gemeinsam mit Paris Saint-Germain. Saint Etienne ist am ehesten mit dem 1. FC Nürnberg zu vergleichen, die es ebenfalls geschafft haben, als amtierender Rekordmeister abzusteigen. Paris Saint-Germain wurde erst 1970 gegründet und etablierte sich erst in den 80ern als Stammgast in der oberen Tabellenhälfte. Technisch gesehen ist man nie abgestiegen, weil man wegen Verletzungen der Auflagen in die Dritte Liga musste. Trotzdem hat man es 2-mal geschafft, in die erste Liga aufzusteigen. Das macht diesen Verein dann wiederum einzigartig, das kann sonst keiner von sich behaupten. Also außer Juve muss nochmal Zwangsabsteigen.

Kommen wir zum ältesten Verband der Welt: Der FA in England. Der englische Fußball ist halt kompliziert, weil er genau genommen schon immer von den Launen der Investoren abhängig war. So ist für überraschend viele Vereine alles von 4. bis 1. Liga drin. Also Leeds United spielte zum Anfang des Jahrtausends in der Champions League (gemeinsam, also eher gegen 1860 München) nur um 2006/07 in die dritte Liga abzusteigen. In der Saison 19/20 stieg man dann plötzlich wieder in die Premiere League auf. Chelsea war vor der Übernahme durch den ersten russischen Oligarchen eher eine durchschnittliche Premiere League Mannschaft. Immerhin spielte man seit 1985/85 konstant in der höchsten Spielklasse, man war aber halt vorher auch ein paar Jahre zweitklassig. Dank der riesigen Geldsummen sind die Bewegungen halt auch extremer. Und die haben halt auch einfach ein paar Jahre mehr an Geschichte auf dem Buckel.

Durch all diese Bewegungen gibt es aber praktisch überhaupt nur 2 Kandidaten, die man überhaupt in Betracht ziehen muss: Manchester United und der FC Liverpool. Wenn es in England 2 Vereine gab, die schon immer dabei waren, dann sind es diese beiden. Liverpool startete 1893 in der 2. Liga, stieg direkt auf und wieder ab... nur um im Jahr darauf an Manchester City zu scheitern, damit haben wir die auch gleich abgearbeitet. Und dann fällt einem auf, dass Liverpool von 1954 bis 1962 zweitklassig war. Damn. Auch United stieg in den Anfangsjahren mehrmals auf und ab und etablierte sich "erst" 1938 in der First Division. 1974/75 stieg man dann das letzte Mal auf. Ich hätte nicht gedacht, dass selbst diese beiden Vereine auf mehrere Aufstiege kommen, aber so sieht es halt aus.

Fun Fact, den ich nicht habe kommen sehen: Der FC Everton hat weniger Jahre in der Zweitklassigkeit verbracht, als Liverpool und United. Man stieg aber 1930/31 und 1953/54 auf. Insgesamt war man nur 4 Jahre nicht in der höchsten Liga unterwegs.

Bleiben halt die "relativ kleinen" Ligen mit Portugal und Holland. Da wird die Datenlage auch echt schwierig. Auf den ersten Blick hat Portugal mit Porto, Benfica und Sporting direkt 3 Vereine, die immer in der höchstmöglichen Spielklasse angetreten sind. Zumindest so weit ich das nachvollziehen kann. PSV Einhoven spielt erst seit 1926 durchgängig in der ersten Liga, Feyenoord Rotterdam stieg 1917 auf. Ajax schaffte dies 1911.

Bleibt wahrscheinlich Celitc Glasgow. Und Austria Wien, die nach 11 Siegen in 17 Spielen in die Erste Klasse eingeteilt wurden. Und das war's dann... es sei denn, wir gehen nach Luxemburg und Liechtenstein... vielleicht nächstes Jahr.

Oder nach Osteuropa, wo es halt doch sehr unübersichtlich wird, weil viele der Ligen halt erst 1990 gegründet worden sind. Obwohl man das anhand der ewigen Tabelle der Wysschaja Liga doch gut nachvollziehen kann: Dynamo Moskau und Dynamo Kiew sind die einzigen Vereine, die "stets in der höchsten Spielklasse" antraten. Moskau stieg 2015/16 ab und danach dann wieder auf, muss also gestrichen werden. Kiew ist damit Gründungsmitglied in der sowjetischen und der ukrainischen Liga. Und da sie noch nie abgestiegen sind, können sie auch nicht aufsteigen.

Das ist dann die Liste: 3 Vereine aus Portugal, 2 aus Spanien und je einer aus der Ukraine und Österreich. Und der HSV. Der hat jetzt noch das absolute Alleinstellungsmerkmal, dass er nicht mehr erstklassig spielt, aber aus Prinzip trotzdem nicht aufsteigt.

Man hat jetzt ja die freie Wahl: Sortiert man sich in die (sowohl national als auch international) riesige Anzahl von schlecht geführten Traditionsvereinen, die nie ihr volles Potenzial ausreizen, ein? Also will man wirklich mehr wie Schalke werden? Oder macht man einfach sein eigenes Ding und bewahrt sich seine Nische.

Montag, 27. Februar 2023

Worst of des "Das lief ja wie erwartet" Spitzenwochenendes

 Obwohl, es gab ja schon die eine Überraschung: Dass die Bayern nach 15 Minuten nicht zurücklagen. Schließlich hatte Union eine Halbchance und das reicht ja normalerweise für die. Nur halt nicht, wenn es gegen den Rekordmeister geht.

So präsentierte sich Union in der Allianz-Arena plötzlich doch wie ein ganz normaler Bundesligist: viel zu zaghaft und ohne die mangelnde Überzeugung, wirklich etwas zu holen. Das sage ich nicht, das sagt im Wesentlichen Rani Khedira.

So entwickelte sich am Ende ein ganz normales Spitzenspiel, welches die Bayern mit 3:0 gewinnen. Aus dem "Darauf fiebern wir das ganze Wochenende hin" Spiel wurde dann doch eher ein "Zur Halbzeit schalten alle neutralen Fans doch einfach ab"... weil es halt auch nichts Interessantes mehr zu sehen gab. Bayern war so überlegen, dass sogar Thomas Müller ein richtig gutes Spiel gemacht hat. Er wurde vom Kicker zum Spieler des Spieles. Es war sein erstes Spiel mit mehr als einem Scorerpunkt seit Ende September. Was diesen Sieg plötzlich zu einem Trojanischen Pferd macht. Denn jetzt werden ja alle behaupten, dass dieser Müller unbedingt auch gegen Paris St.Germain auflaufen muss. Was bei den Problemen, die sich dort gerade anhäufen, auch die einzige gute Nachricht für sie ist. Wahrscheinlich ist am Ende der nicht verteidigende Angreifer doch fit, aber der so wichtige Verteidiger fällt aus. Da wird selbst ein Müller sich strecken müssen, um für Paris den Unterschied auszumachen.

Die wirkliche Überraschung gab es dagegen in Hoffenheim. Also nicht, weil die TSG ihre beste Saisonleistung wie gefühlt immer gegen Dortmund abrief. Hier ist ein absurder Fun Fact: Der Dorfverein bleibt zum ersten Mal in seiner 124-jährigen Vereinsgeschichte ohne Treffer gegen die Borussia. Und klar, man ist mittlerweile auf einer 4 Spiele Niederlagenserie, aber die ebenfalls historisch ist. Bis vor 2 Jahren hat Hoffenheim halt wirklich regelmäßig gegen die Borussia gepunktet. Also mindestens ein Mal im Jahr. Und selbst in den Jahren, in denen man fast abgestiegen wäre. Was ja an den Dortmund Fans sowas von nagen muss. Einerseits hätte man sich im Jahr 2020 seines Feindbildes entledigen können. Andererseits hat man in schöner Regelmäßigkeit ausgerechnet gegen die seine Meisterschaft verspielt.
Nebenfunfact: Trotz der letzten beiden eher langweiligen 1:0 Siege fallen im Schnitt 2,9 Tore in diesem Duell. Vor dieser Saison waren es über 3. Und die Torbilanz ist ja mit 43:46 extrem eng, auch wenn sich das in den 13 Dortmund Siegen nur bedingt widerspiegelt. Also nur um zu verdeutlichen, dass Hoffenheims vielleicht beste Saisonleistung und der offene Schlagabtausch, den wir zu sehen bekamen, keine Überraschung ist. Nur dass Dortmund dieses Duell gewinnt UND damit die Tabellenführung übernimmt, war nicht zu erwarten.

Wenn Hoffenheim immer so auftreten würde, wären sie in ganz anderen Tabellenregionen unterwegs. Aber zum Glück für den Rest der Liga haben nur die Dortmund Fans ihre persönliche Vendetta mit diesem Verein, was die Spieler anscheinend zu Spitzenleistungen antreibt. Ab wann muss man dieses Duell eigentlich als ein Derby betrachten? Also abgesehen von einer 100-jährigen Geschichte hat es alles, was man braucht: emotionale Siege und Niederlagen für beide Beteiligten. Eine tiefe Ablehnung der beiden Fanlager. Enge und faszinierende Spiele. Und im Gegensatz zum Gipfeltreffen mit den Bayern steht der Ausgang vorher nicht fest.

Jetzt ist nebenbei die letzte offene Frage der Saison: Zieht die Borussia das bis Anfang April durch. Also Bayern gegen Dortmund ist buchstäblich für den 1. April terminiert. Also davon ausgehend, dass sie das auf den Samstagabend legen werden. Damit könnte das 5:0 Schützenfest der Bayern der größte Aprilscherz der Fußballgeschichte werden... Wahrscheinlich werden die Dortmunder aber vorher im Derby gegen Schalke Federn lassen.

Apropos Schalke. Die haben getroffen! 2 Mal! Und dann dachte sich Ralf Fährmann: Da kann ich ja auch mal wieder einen gucken lassen. Nur um den Sieg direkt danach festzuhalten. Dieses Spiel ist nebenbei die perfekte Zusammenfassung von Fährmanns Karriere. Und damit erklärt sich auch, warum er sich auf Schalke nie dauerhaft durchsetzen konnte: Er hatte immer wieder Phasen, in denen er zumindest einen ordentlichen Bundesligatorhüter mimt. Vielleicht sogar mehr. Ein 27-jähriger Fährmann war gar nicht so weit entfernt von der Nationalmannschaft. Also zumindest laut Jens Lehmann und Sport1.de. Nun ist Lehmann als Experte nicht ganz so gut gealtert: Fährmann konnte sich nie wirklich als unumstrittener Stammtorwart durchsetzen. 2016/17 war die einzige Saison, in der er alle Spiele für Schalke absolvieren konnte und durfte. Das liegt einerseits an einer erstaunlich langen Verletzungshistorie. Gerade für einen Torhüter sind 24 aufgeführte Verletzungen brutal. Aber er hatte, auch wenn er fit war, trotz an sich guter Leistungen immer wieder den einen oder anderen Patzer drin. Demonstrativ sei hier mal seine Zweitligakarriere aufgezählt, in der 2 ordentliche Spiele von 2 "Note 5" Auftritten umrahmt werden. Danach holte man dann in Panik einen Martin Fraisl. Immer, wenn er sich zu stabilisieren scheint und 2 ordentliche Einsätze nacheinander vorweist, packt er danach ein richtig finsteres Spiel aus.

Mich erinnert das alles ein wenig an Oliver Reck, der den Spitznamen Pannen-Olli hatte, aber zeitgleich Europameister wurde. Und im DFB Pokalfinale einen Elfmeter gehalten hat, wenn man diesem Fan glauben schenken will. Da er von Zeigler gezeigt wurde, glaube ich ihm das, Arnd kennt sich in der Werder-Geschichte aus. Oh und einen Europacup und 2 Meistertitel holte er auch. 

Der Unterschied ist halt: Reck produzierte diese Aussetzer in einem extrem stabilen Umfeld, geprägt von Otto Rehagel und Willi Lemke. Fährmann produziert sie auf Schalke, einem der größten Unruheherde des deutschen Fußballs. Was einem zu der Frage bringt, welche Entwicklung ein Fährmann genommen hätte, wenn er in einem stabileren Umfeld gespielt hätte.

Aber ja, im Wesentlichen wird Fährmann für den Rest des Jahres ungefähr so spielen, wie bisher in der Rückrunde: Meistens Durchschnitt, in einzelnen Momenten überragend, aber dann winkt er auch wieder einen durch. Die viel wichtigere Frage für die Schalker ist aber, wie sie die nötigen Tore erzielen wollen, damit sie die Klasse halten. Ob Schwolow oder Fährmann da gelegentlich einen durchwinkt, ist da vollkommen egal.

Freitag, 24. Februar 2023

Warte, was? Die Bundesliga... ist gut?

 Im internationalen Vergleich? Nicht nur das, sie sind besser als die Premiere League, die kein einziges ihrer Hinspiele gewonnen hat? Und das, obwohl sie 2 Spiele gegen genau diese Bundesliga bestreiten durften? Wer hätte das gedacht?

Das einzig erwartbare der letzten beiden Europacup Wochen war ja die "Dank brutaler Effizienz: Union Berlin schlägt Ajax" Schlagzeile. Das lief halt wie immer. Bayer Leverkusen scheint ja selber verwirrt zu sein, dass sie plötzlich doch Elfmeter schießen können. Das war schon echt fies.

Im Großen und Ganzen sind 7 Mannschaften noch in der europäischen Verlosung dabei. Und nur für Eintracht Frankfurt sieht es richtig schlecht aus. Was auch völlig absurd ist: Nachdem jahrelang darüber "internationale Härte" geschrieben wurde, fliegt Frankfurts Superstar Kolo Muani für ein "In der Bundesliga gibt es dafür Gelb" Foul vom Platz. Wobei es natürlich auch ein "als deutscher Journalist/Experte/Schiedsrichter argumentiere ich natürlich für den Spieler im deutschen Trikot" Fall sein kann. Also ich bin mir ziemlich sicher, dass alle italienischen Schiedsrichter da eine klare Rote Karte sehen. 

Meine ganz persönliche Empfehlung bei solchen Szenen ist ja: Fragt mal einen "Unbeteiligten". ESPN erlaubt sich da aber gar kein Urteil. So falsch wird der Schiedsrichter da also nicht gelegen haben.

Viel wichtiger ist doch aber, dass wir eigentlich davon ausgingen, dass auch RB Leipzig gegen Manchester City ungefähr so aussehen wird, wie Eintracht gegen Neapel: Der deutsche Teilnehmer gibt sich bemüht, ist aber am Ende ein wenig überfordert und muss sich bei seinem Torwart bedanken, dass sie nicht deutlicher verloren haben. Aber City hat ja nach der Pause das aktive Mitspielen eingestellt und Pep Guardiola hat einfach mal spontan beschlossen, dass er nicht coachen will.

Ich meine ernsthaft: Wie schafft man es bei dem Budget keine Alternativen auf der Bank zu haben, denen man in solchen Spielen vertraut? Der Kader soll über eine Milliarde Euro wert sein. Da muss man doch auf den Spielverlauf der 2. Halbzeit Einfluss nehmen können. Ich dachte, dessen größtes Problem bestände darin, genügend Spielzeit für all seine Stars zu finden. Aber anscheinend bereitet er sich schonmal auf die Zeit nach den Sanktionen vor, wenn er nur noch 11 Spieler zur Verfügung hat... ja, als ob.

Was mich ja zu der spannenden Frage bringt: Für wen sind die Moralisten unter den Traditionsfans bei so einer Ansetzung? Also diejenigen, die RB Scheiße finden. Aber Man City ist doch das absolute und personifizierte Böse: Sportswashing in seiner reinsten Form. Dazu kommt die Angewohnheit, auf die finanziellen Regeln zu scheißen. Und die kaufen die Bundesliga kaputt!!!

Gut, das ist dann der Punkt, an dem der Traditionsfan zugeben muss, dass er eigentlich gar keine Champions League mehr gucken kann, weil abgesehen von den Bayern und vielleicht der SSC Neapel alle anderen Bösewichte sind. Aber dann gehen ja genau diese Fans in riesigen Scharen zur Kommanditgesellschaft auf Aktien und lässt sich von denen "Wahre Liebe" verkaufen. Das schöne an der Moral ist ja, dass sie nur ein Feindbild braucht und der Rest ist egal.

Und das ist ja auch kein Vorwurf, ich bin da ja selber auch nicht besser. Ich dachte ja bei der Paris St.Germain gegen Bayern Ansetzung für den Deutschen Rekordmeister sein müsste. Also ich kann ja gar nicht wollen, dass dieser Verein mit dem dreckigen Geld aus Katar weiterkommt. Aber dann hat Rummenigge wieder irgendwas in irgendein Mikrofon erbrochen und ich dachte mir: Nee... Dem gönne ich das nicht.

Apropos Bayern: Am Ende läuft doch alles für die: Sie saßen an diesem Wochenende ganz entspannt bei Collien Fernandes auf der Couch und konnten sich angucken, wie Union DEN emotionalen Höhepunkt ihrer Vereinsgeschichte erlebt. Aber die haben schon letzte Woche beim Tabellenletzten nachgewiesen, dass es für sie nicht ganz so selbstverständlich ist, im 3-Tages-Rhythmus Topleistungen abzuliefern. Und am Wochenende müssen sie gegen die Bayern ihre beste Saisonleistung anbieten und selbst das könnte nicht reichen.

Man darf schon gespannt sein, mit welcher Aufstellung Union diese Aufgabe angeht, denn letzte Woche hat sich Urs Fischer ja für eine Rotation entschieden. Das kann er sich gegen die Bayern definitiv nicht erlauben. Aber hat er eine Chance, wenn seine Spieler nicht an ihr absolutes Leistungslimit gehen können? Wir werden es am Sonntag erfahren.

Und sein wir mal ganz ehrlich, um noch eine kleine Vorschau einzufügen: Bayern gegen Union ist die spannendste Ansetzung der letzten was...5 Jahre? Ja, es ist 5 Jahre her, dass es eine vergleichbare Konstellation gab. Und Borussia Dortmund... also... zumindest theoretisch, es ist Dortmund, die werden das verkacken... aber Dortmund könnte vorher an den Bayern vorbeiziehen. Eine derartige Konstellation hat es in den letzten 10 Jahren nicht gegeben.

Nachdem ich das so gehyped habe, muss ich aber festhalten: Das letzte Mal in einer ähnlichen Konstellation haben die Bayern den direkten Konkurrenten einfach 5:0 abgeschossen und die Tabellenführung übernommen. Und ja, das ist so lange her, dass Mats Hummels noch relevant war. Dennoch bleibt festzuhalten: Ein deutlicher Sieg ist immer noch der wahrscheinlichste Ausgang. Trotzdem ist die Spannung förmlich greifbar.