Mittwoch, 16. Juni 2021

Worst of des "Ein letzter Rekord für Jogi Löw"

Als man dachte: Der hat doch schon alles erreicht. WM Vorrundenaus. Nations League Abstieg. Längste Serie ohne Pflichtspielsieg. Was kann der noch leisten, was kein Nationaltrainer je zuvor erreicht hat?

Die Antwort: Ein EM Auftaktspiel verlieren. Ja, selbst die Gurkentruppe von Erich Ribbeck hat damals gegen Rumänien ein Unentschieden geholt. Damit hat Jogi jetzt praktisch alle Negativrekorde auf- oder eingestellt. Jetzt wissen wir auch, warum er die EM unbedingt noch durchziehen wollte.

Und wenn ihr jetzt mit "Ja, aber der kann doch nichts dafür, dass es gegen die Franzosen ging!" ankommt: Doch, kann er. Wenn er die letzten 5 Jahre nicht so vollkommen verkackt hätte, dass Deutschland nicht mehr unter den Top 6 Europas steht, hätte er gegen die Türkei oder Wales spielen dürfen. Dass "wir" in dieser "Todesgruppe" spielen hat ausschließlich der Bundestrainer zu verantworten. Aber hey, er hat ja die Heilande (Highländer? Oder kann es nur einen geben?) gefunden. Das bringt mich zu einer völlig absurden Statistik:

Toni Kroos und Thomas Müller sind die einzigen deutschen Feldspieler mit mehr als 10 EM-Spielen und keinem Treffer in ihrem Lebenslauf. Also vor dem Anpfiff hat sich Mats Hummels zu diesen beiden aufgeschlossen, aber der dachte sich dann auch: Ist doch irgendwie peinlich 10 Turnierspiele ohne Tor zu absolvieren, ich ändere das mal... (Nebenbei dürfte Dietmar Hamann der einzige Spieler auf der Welt sein, der 6 EM Spiele absolvierte, ohne eines zu gewinnen... Nur so am Rande...)

Ich erwähne das ja auch nur, weil immer noch alle glauben, dass Müller wirklich einen Unterschied machen wird. Und hey, vielleicht trifft er gegen biedere Ungarn oder einen zu alten Pepe sogar. Das ändert nichts daran, dass wir gegen die Spitzenmannschaften genau das erwarten können, was er heute gezeigt hat.

Also er hat bestimmt voll viel geredet, wir haben das nur nicht gehört. Er war aber auch in 90 Minuten an keiner gefährlichen Szene beteiligt. Trotzdem behaupten alle ZDF Experten, dass er ein gutes Spiel gemacht hat... weil... ähm... er nach dem 0:1 nicht den Kopf hat hängen lassen! Ohne ihn hätten wir 0:3 verloren!! Aber andererseits hat es auch noch nie eine Auftaktniederlage gegeben, die so gut war...

Und das, obwohl man einfach nur Schwein hatte, dass Mats Hummels nicht auch noch einen Elfmeter verursachte. Also mal ganz sachlich gesehen: Hummels setzt von hinten zu einem Hochrisiko Tackling an und trifft definitiv erst die Beine von Kylian Mbappé. Wenn ein deutscher Stürmer so abgeräumt wird, sieht Bela Rethy da einen ganz klaren Elfmeter. Und fragt sich, warum der VAR nicht eingreift.

Aber das ist ja auch derselbe Rethy, der ein "freundschaftliches Anknabbern" gesehen hat, als Antonio Rüdiger Paul Pogba gebissen hat. Eine Aktion, für die Luiz Suarez 8 Spiele gesperrt wurde. Auch wenn er nicht "so doll" gebissen hat... sorry, das ist Rot. Also wenn man als Kommentator neutral bleiben würde, wäre es da. Aber Rethy packte Rüdiger und Pogba ja am Ende zusammen in "die Beißer Fraktion"... 

Dazu kommen nebenbei fachliche Fehler wie die Behauptung, dass Matthias Ginter bei der WM 2014 als einziger Feldspieler ohne Einsatz war... während Kevin Großkreutz und Erik Durm ebenfalls nicht auf dem Platz standen.

Und ja, wenn Müller der Fixpunkt der Offensive ist, bin ich so entspannt, dass ich solche Fakten während des Spieles nachschlage.

Immerhin hat Bela dieses Mal die französischen dunkelhäutige Stars nicht mit Klischees beleidigt. Das ist ein Fortschritt zum letzten Frankreich Spiel, welches er kommentieren durfte. Eigentlich gibt es da nur eine Frage: Kriegt Bela Rethy eigentlich Prämien für jedes Magenta Abo, welches spontan noch während der EM verkauft wird? Ist der heimlich ein V-Mann von der Telekom?

Halten wir mal fest: Ein neutraler Kommentator sieht eine Tätlichkeit von Rüdiger und einen von Hummels verursachten Elfmeter. Also er stellt jeweils zumindest die Möglichkeit in den Raum, dass diese Strafen angemessen wären.

Also selbst Per Mertesacker und Christoph Kramer sahen das so. Und waren froh, dass Pogba da nicht mehr draus gemacht hat, denn dann hätte der VAR eingegriffen. Den eigentlich logischen Schritt, dass es nicht sein kann, dass man bei solchen Aussetzern vom Gegner zusammenbrechen muss, damit der VAR eingreift, gehen sie nicht. Wenn man sich nicht mehr fallen lassen müsste, um einen Elfmeter zu bekommen, weil der VAR auch eingreift, wenn man dies nicht tut, würde der Sport wirklich mal besser werden... aber die beiden lesen halt diesen Blog nicht...

Nebenbei war die Selbstbeweihräucherung der Experten nach dem Spiel auch wieder... sehr konstruktiv. Also anscheinend bin ich der einzige, der nach dem Vorrundenaus 2018 nicht abgeschaltet hat und sich daran erinnert, wie Frankreich Weltmeister geworden ist: Mit absolutem Assi-Fußball. Also im Finale hatte Kroatien 66 % Ballbesitz. Im Halbfinale kamen die Belgier auf stolze 64 %. Selbst Peru kam auf 54 %!!! Frankreich hat sich die Offensive der Deutschen um Müller angeguckt und kam zu den Schluss: Denen können wir den Ball überlassen, da passiert nichts. Jetzt sind unsere Experten (und Toni Kroos) aber stolz darauf, dass "wir" Frankreich tief in die eigene Hälfte gedrängt haben... auch wenn es nur eine wirkliche Torchance von Serge Gnabry gab. Wenn "wir" genau das Spiel gespielt haben, das Frankreich sehen wollte.

Gegen Frankreich auf den Ballbesitz zu verweisen ist ungefähr so sinnvoll, wie es gegen eine von José Mourinho trainierte Mannschaft zu machen: Es bringt einem nichts. Vor allem hat Frankreich ja bis zum Tor durchaus nach vorne gespielt. Das Ding fiel ja nicht aus dem nichts, sondern als das Ergebnis konsequent vorgetragener französischer Angriffe. Erst danach sagten die sich: Wir kontern jetzt nur noch... und waren auch dabei (Der Elfmeter, der Pfostenschuss von Rabiot, 2 Abseitstore) wesentlich dichter am 2:0 als Deutschland am Ausgleich. Aber der Ballbesitz. Man wie toll.

Aber das einzige wirkliche Highlight in der 2. Halbzeit war "Gosens trifft Pavard am Kopf". Und "Hummels rettet in höchster Not". Das behaupte nicht ich, sondern das ZDF... mehr "Highlights" gab es nach der 54. Minute nicht. Obwohl man ja im Training so viel Zeit in Standardsituationen gesteckt hat, von denen es auch genug gab, die aber allesamt harmlos verpufften... ABER DER BALLBESITZ!!!

Hugo Lloris: Damit es hier nicht heißt, ich hacke nur auf den Deutschen rum: Warum wird das bereits in der ersten Halbzeit aufgezogene Zeitspiel nicht frühzeitig mit einer Verwarnung geahndet? Muss man als Schiedsrichter wirklich bis zur 88. Minute warten, bis man solche Aktionen ahndet? Wollen wir wirklich sehen, wie ein Torwart den Ball in der Hand hält? Oder beim Abstoß liegen lässt? Und klar, das ist abgezockt. Aber gefühlt fiel die Hälfte des Ballbesitzes der Franzosen auf ihren Torwart. Das eine mal, als ich wirklich darauf geachtet habe, hielt er den Ball nach einer abgefangenen Flanke (Paraden musste er ja de facto keine zeigen) 14 Sekunden in der Hand, obwohl er 6 Sekunden hat um den Ball wieder ins Spiel zu bringen. Und Lloris wird das ja so lange durchziehen, bis ihn jemand dafür verwarnt und er eine Sperre riskiert. Und es dann in Halbfinale und Finale jeweils wieder auf die Spitze treiben... wendet doch einfach mal das fukking Regelwerk an um das Spiel schneller und damit ansehnlicher zu machen.

Dienstag, 15. Juni 2021

Heute in der beliebten Seire

 "Ich bin kein Rassist, ich nutze nur rassistische Beleidigungen": Marko Arnautovic. Inklusive des schönen Mottos: "Mein bester Freund kommt aus Dänemark"... 

Das Traurigste daran ist ja, dass Arnautovic sich selber für einen ganz tollen Hecht hält, aber gar nicht bemerkt, dass er sich auf dem geistigen Niveau eines Donald Tumps bewegt... Wobei, er hat ja wenigstens den Anstand sich danach halbherzig zu entschuldigen.

Oh und es ist natürlich wieder ein bedauerlicher Einzelfall, dass ein ansonsten sympathischer Österreicher ein Mal beim Torjubel über die Stränge schlägt, ist kein strukturelles Problem und hat auch nichts mit den rassistischen Beleidigungen in Richtung Nadiem Amiri oder den Entgleisungen von Jens Lehmann zu tun. Es gibt halt kein Problem mit Rassismus, wir sind hier in Sachsen... Ich meine beim offiziellen Kriegsersatz Fußball-Europameisterschaft...

Nebenbei bin ich nicht mal der Meinung, dass Arnautovic jetzt von der UEFA bestraft gehört... der sollte einfach von den Fans mit einem Pfeifkonzert (also das, was die Russen so gut können, wenn es gegen Rassismus geht) begrüßt werden. Dann tritt ihm ein Gegenspieler noch mal so leicht auf den Fuß und gut ist. Und so kann dann jeder seine Meinung dazu äußern, ohne dass Arnautovic gesperrt werden muss...

Ist doch auch schön... also, dass man jetzt ein Feindbild hat, welches man so richtig schön unsympathisch findet. Dumm für die Österreicher, weil der halt aus ihrem Team kommt. War aber abzusehen, schließlich lebt Arnautovic diese Rolle bewusst. Und wenn man seine Mannschaft um solche Charaktere aufbaut, muss man auch damit leben, dass der Rest der Welt darauf reagiert und dann gegen einen ist. 

Aber ich bin ja auch immer dagegen Rassisten wegzusperren. Die werden dadurch nicht zu besseren Menschen, sondern es wird alles nur noch viel schlimmer. Man muss diese Leute damit konfrontieren, dass man ihre Aussagen oder Meinungen Scheiße findet. 

Wenn ihr euch fragt, warum es schon wieder so gar nicht um Fußball geht... nun  ja...

Heute in der beliebten Serie: Wie schlimm ist es? So schlimm: Selbst deutschen Kommentatoren fällt auf, dass der neue Gruppenmodus Scheiße ist. Wenn selbst DENEN das auffällt, was soll ich dann noch sagen?

Montag, 14. Juni 2021

Das Wichtigste zuerst

 Martin Boesens, Spieler des Tages: Er und sein Team retteten Christian Eriksen das Leben, was die wichtigste Nachricht ist. Und nebenbei auch uns allen das Turnier.

Warum eigentlich nicht? Also es fiel am Samstag ja verdammt häufig der Satz, dass Fußball jetzt nicht so wichtig ist. Warum ehrt und würdigt man dann danach nicht mal die Menschen, die es mit ihrem entschlossenen Handeln geschafft haben, dass eine wirkliche Tragödie abgewendet wurde. Und die damit auch dafür gesorgt haben, dass wir uns jetzt "nur" darüber streiten, ob man das Spiel gleich zu Ende spielen musste, und nicht ob das gesamte Turnier abgebrochen werden müsste. Wer, wenn nicht Boesens, sollte von der UEFA zum "Man of the Match" gekürt werden?

Ein besonderes Lob geht dann auch an Simon Kjaer, der im Gegensatz zur UEFA entschlossen handelte und mit seinen Mitspielern die Person Eriksen vor neugierigen Blicken schützte. Warum die UEFA so lange auf Sendung blieb, muss auch hinterfragt werden.

Genau so, wie man halt nicht die Spieler entscheiden lassen kann, ob sie jetzt weiter spielen. Denn während sie sich geschlossen vor Eriksen stellten, war ja deutlich zu sehen, wie sehr sie das gerade mitnimmt. Und dass die UEFA keine vernünftige Alternative als Option angeboten hat, muss auch kritisiert werden. So "Ihr spielt das Spiel am Montag zu Ende oder entscheidet bis dahin, ob ihr euch aus dem Turnier zurückzieht, wir finden dann eine Lösung." Aber die Entscheidung darüber müsst ihr erst morgen fällen. Aber wenn man den Spielern nur die Wahl zwischen "Gleich, oder morgen Mittag" gibt...

Russland und seine Fans. Und ja, es soll auch in England vereinzelt gepfiffen worden sein. Aber "gellende Pfiffe" gab es halt nur in St.Petersburg. Die Idee der UEFA mit dem kontinentalen Turnier war ja auch, europäische Werte zu feiern. Jetzt wird plötzlich deutlich, dass selbst an sich nicht verhandelbare Werte wie Anti-Rassistische Aktionen nicht bei allen Gastgebern zum "Wertekatalog" gehören. Und es war ja auch kein Angriff auf die Russen, sondern es geht dabei grundlegend um Rassismus auf der ganzen Welt. Wer sich da persönlich angegriffen fühlt, ist halt selbst Schuld. Oder wirklich Teil des Problems. Also getroffene Idioten pfeifen...

Österreich - Nordmazedonien: Ich muss zugeben: Das war das erste EM Spiel, welches ich so richtig und aufmerksam verfolgt habe. Und dabei fiel mir dann sofort auf: Fußball muss halt gar nicht gut sein, um faszinierend zu sein. Und faszinierend war es auf jeden Fall. Die plötzliche Erkenntnis, dass eine Mannschaft bestehend aus durchschnittlichen Bundesligaspielern und David Alaba vielleicht einfach nicht wirklich gut ist... Ja, Passives Abseits Leser wissen es früher... Die Bundesliga ist einfach nicht mehr wirklich gut. Aufmerksame Leser (allen beiden...) dürfte es nicht überraschen, dass die Österreicher plötzlich Probleme bekommen.

Aber faszinierend war, wie dann Die Nordmazenodnier sich von der steigernden Unsicherheit der Österreicher inspirieren ließen... und plötzlich sichtbar dran glaubten, dass man hier mehr holen könnte als ein Unentschieden. Aber dann dachte sich Alaba "Fuck it, ich geh jetzt nach links und regel das"... Und 10 Minuten nachdem er endlich die Mitte verlassen hatte, wo er mehr Einfluss hat, weil er dann zentraler spielt, bereitete er mit einer großartigen Flanke den entscheidenden Treffer vor...

Und ja, die "Mitte Zentrum" Analyse kam von Prince... nur, weil jetzt im ZDF nicht mehr nur alte, weiße Männer das Spiel erklären, werden die Analysen nicht zwingend besser... Auch wenn es trotzdem angenehm ist, dass die verkrustete"Alte, Weiße Männer erklären mir Dinge, die ich schon weis" Struktur mal aufgebrochen wird.

Kroatien als bisher größte EM-Enttäuschung. Im Kicker steht tatsächlich indirekt der Satz, dass Kroatien wohl darauf spekuliert, als Gruppendritter weiterzukommen. Denn als erster trifft man auf Frankreich oder Portugal... Wobei der Kicker fairerweise nur durchrechnet, auf wen man trifft, wenn man 2. wird. Aber dass man als 2. der Gruppe D ebenfalls auf einen Gruppenzweiten im Achtelfinale trifft, ist ein weiteres Detail, welches belegt, wie beschissen es ist, dass die besten Gruppendritten weiterkommen. Also in der Gruppe D wird man auf jeden Fall bestraft, wenn man auf den Gruppensieg geht.

Und so dachte Kroatien sich dann: Naja, verteidigen wir lieber den knappen Rückstand, das hilft uns am ehesten. Ist ja auch vollkommen korrekt. Also jetzt kommen sie mit 4 Punkten aus den Spielen gegen Schottland und Tschechien garantiert weiter. Selbst ein Sieg gegen einen der beiden sollte reichen, solange man auch das 2. Spiel nur knapp verliert und dann selbst 2 Tore erzielt. Wenn man allerdings mit 0:3 verloren hätte, weil man sich beim Versuch den Ausgleich zu erzielen auskontern ließ...

Also praktisches Beispiel: Nordmazedonien wurde am Ende dafür bestraft, dass sie an erst an den Sieg geglaubt haben und danach dann doch noch versucht haben das Unentschieden zu erreichen... anstatt sich einfach ab der 60. hinten reinzustellen und nur noch das 1:1 zu verteidigen. Kroatien wird am Ende dafür belohnt werden, dass sie lieber das 0:1 verteidigten, anstatt ernsthafte und leidenschaftliche Angriffsversuche zu starten...

Das ist sowieso schon bei 4er Gruppen ein strukturelles Problem der Gruppenphase: Es ist sinnvoller gegen den Turnierfavoriten nur knapp zu verlieren, anstatt selber nach dem Rückstand auf das Unentschieden zu gehen und dem Gegner so Räume für mehr Tore zu geben. Aber dadurch, dass jetzt selbst 4 von 6 Gruppendritte weiterkommen, wird das ganze nochmal verschlimmert. Denn jetzt hat sich Kroatien nicht nur im eigenen 4er-Block einen Vorteil gegenüber den Tschechen und den Schotten verschafft... sondern auch noch im großen Rahmen gegenüber der Türkei oder den Russen. Denn wenn diese 3 Mannschaften jetzt am Ende mit 3 Punkten die Vorrunde beenden, kommt Kroatien souverän weiter... Damit ist es endgültig (und auch noch am 2. Spieltag) sinnvoller einen knappen Rückstand zu verteidigen, als auf den Ausgleich zu drängen... Was halt dazu führt, dass wir noch mehr spiele wie England - Kroatien sehen werden... Oder auch nicht, diese Partie haben ja nur 4 Millionen Deutsche verfolgt... Vielleicht ist dies ja wirklich das Turnier, bei dem die Leute abschalten, womit "mehr Spiele" eben nicht mehr automatisch auch "mehr Geld" bedeuten.

Donnerstag, 10. Juni 2021

Wie der gar nicht mehr so neue Modus die Vorrunde ruiniert.

 Irgendwie sitze ich seit Tagen da und frage mich, warum ich so gar keinen Bock darauf habe, eine Vorschau auf die EM Vorrunde zu verfassen. Dabei habe ich mir als Motivationshilfe das Kicker-Sonderheft geholt. Und die neue Socrates beschäftigt sich quasi ausschließlich mit der EM, bringt aber nicht ganz so offensichtliche Geschichten. Eigentlich macht eine derartige Sondervorschau, in der man nach kleinen und besonderen Fakten sucht, den meisten Spaß beim Schreiben...

Aber dieses Jahr habe ich einfach keinen Bock, obwohl ich schon Bock auf das Turnier habe. Was wahrscheinlich daran liegt, dass es das erste größere soziale Event seit November wird. Und es gibt ja auch zumindest eine richtige Hammer-Gruppe.

Dann fiel es mir auf: Selbst diese Hammer-Gruppe ist am Ende vollkommen egal. Also eigentlich sollte der EM Auftakt Frankreich - Deutschland das erste richtige Turnierhighlight werden. Dank der Portugiesen kann man sich eigentlich nicht mal ein Unentschieden leisten. Verlieren ist auf jeden Fall verboten. Und dazu gibt es 2 richtig gute Mannschaften.

Aber dann fällt dir auf, dass bei einer Niederlage nichts passiert... und selbst wenn Deutschland das erste Spiel knapp verliert UND dann gegen Portugal nur Unentschieden spielt, kommen sie immer noch sicher weiter... Denn dann gewinnen sie 3:0 gegen Ungarn und mit 4 Punkten und einem positiven Torverhältnis ist man garantiert unter den 3 besten Gruppendritten. Es gibt kein realistisches Szenario, dass das nicht reicht.

Das ist halt das Problem mit der Bezeichnung "Todesgruppe": Wenn keinem der Favoriten wirklich das Ausscheiden droht, ist die Gruppe halt nicht wirklich tödlich. 

Und wenn man Ungarn, bei allem Respekt, nicht schlägt, hat man mit der Titelvergabe eh nichts zu tun. Und ja, ich habe das 3:3 von Ungarn gegen Portugal im Hinterkopf. Da muss man aber bedenken, dass es alle 12 Jahre ein völlig abgefucktes Turnier gibt, bei der jemand völlig absurdes gewinnt.

Es ist nebenbei superfaszinierend, wie mir alle erzählen, dass Portugal ja jetzt noch viel stärker ist als vor 5 Jahren. Habt ihr diese EM wirklich schon erfolgreich verdrängt? Portugal hat damals statistisch gesehen (also nach 90 Minuten Spielzeit) ein einziges Spiel gewonnen. Das Halbfinale gegen Wales. Die Vorrundenspiele endeten allesamt Unentschieden und man kam trotzdem weiter (was meinen "4 Punkte reichen auf jeden Fall" Punkt belegen sollte). Die K.O. Spiele gingen fast ausschließlich in die Verlängerung und im Viertelfinale gegen Polen ging es sogar ins Elfmeterschießen.

Selbst wenn Portugal wirklich besser ist... das entscheidet nebenbei am Ende Cristiano Ronaldo, der zuletzt fast die Champions League verpasst hätte und den Juventus im entscheidenden Spiel auf der Bank ließ... Wenn Cristiano Ronaldo nur wie ein Normalsterblicher spielt, sind sie nicht besser als vor 5 Jahren...

Aber selbst, wenn sie besser sind... also das Team von damals würde wahrscheinlich dieses Jahr im Achtelfinale scheitern... Denn diese Mannschaft wird realistisch gesehen Gruppendritter und spielt dann gegen Belgien oder die Niederlande. 2 Mannschaften, die besser sein sollten, als die 2016er Edition Portugals (aka der 3. schlechteste Europameister aller Zeiten). Genauso wie Deutschland, Italien, England, Spanien und je nach Laune von Robert Lewandowski Polen

Nur weil die Portugiesen stärker sind als vor 5 Jahren, gehören sie nicht zu den Titelkandidaten. 

Aber zurück zur Gruppenphase: Dadurch, dass 4 Gruppendritte weiter kommen, ist halt endgültig jegliche Spannung raus. Selbst wenn man als Titelfavorit seinen Auftakt verkackt... und danach dann im 2. Spiel auch nicht wirklich in die Gänge kommt... kommen sie am Ende doch noch mit ziemlicher Sicherheit weiter. Weil jede Gruppe ein Ungarn, Nordmazedonien, Finnland, Tschechien oder die Slowakei hat. Um mal direkt 5 Mannschaften zu nennen, die ausscheiden werden. Dazu kommt Schottland und die Ukraine.

Bleibt also... die Gruppe A mit Italien, der Schweiz, der Türkei und Wales. Das ist tatsächlich die einzige Gruppe, bei der ich mich nicht vorher festlegen würde, wer weiter kommt. Also klar, Italien sollte Platz 1 sicher haben. Aber die anderen 3 Mannschaften könnten so dicht beieinander liegen, dass ich mich vorher nicht festlegen will, wer von denen 4. wird. Es gibt sogar ein Szenario, in dem Italien alles gewinnt und der Rest gegeneinander Unentschieden spielt... was dazu führt, dass jemand mit 2 Punkten ins Achtelfinale einzieht (was aber nichts mit dem Modus zu tun hat)... und dann den Schotten oder der Ukraine das Tor zum Achtelfinale geöffnet wird.

Und so richtig kann man ja nicht mal vernünftige Erkenntnisse für den weiteren Turnierverlauf erkennen. Denn oftmals steigern sich die Titelträger ja im Verlauf des Turniers. Und die Spannung ist halt komplett raus.

Nur um mal zu verdeutlichen, wie absurd dieser "Beste Gruppen Dritter" Scheiß ist: Albanien musste beim letzten Turnier 3 Tage auf die Ergebnisse der anderen Gruppen warten, bevor endgültig feststand, dass sie mit 3 Punkten, einem Tor und einem Torverhältnis von -2 tatsächlich ausgeschieden sind...

Gucken werde ich es wahrscheinlich trotzdem. Aber mehr, weil es ein guter Anlass ist um Freunde zu sehen, die ich seit November nicht mehr getroffen habe... Rein fußballerisch bleibt zu hoffen, dass der eine oder andere Titelfavorit die ersten 2 Spiele so verkackt, dass am letzten Spieltag wirkliche Spannung entsteht. Man muss also darauf hoffen, dass das Turnier Scheiße läuft...

Montag, 7. Juni 2021

Ist die UEFA in ihr Glück gestolpert?

 Ist eine europaweite EM plötzlich das sinnvollste? Die einzige Möglichkeit das halbwegs ordentlich durchzuziehen?

Eine Europaweite EM könnte plötzlich die einzige Variante sein, wie man allen (oder zumindest möglichst vielen) die Gelegenheit gibt zu partyzipieren. Und was wir alle gerade am dringendsten brauchen, ist eine ordentliche Party.

Und machen wir uns nichts vor: Die EM in der Pandemie ist ein Risiko. Also wenn Jogi Löw nicht schon wieder verkackt und die Deutsche Mannschaft das Halbfinale erreicht, werden die Bars und Kneipen voll sein. Und dann wird niemand die Abstandsregeln durchsetzen können, wenn ein Tor fällt. Aber dieses Risiko ist unabhängig vom Veranstaltungsort der EM.

Wenn man sich jetzt allerdings doch pandemiebedingt für einen Austragungsort entschieden hätte, wäre dies dann das Land, in das alle Fußballfans für 4 Wochen pilgern wollen. Und dabei halt immer auf andere Fangruppen aus anderen Ländern treffen.

Das hat ja damals die WM 2006 so faszinierend gemacht: Da waren dann die Niederländer noch und die Spanier schon da und beide haben auf den Straßen gefeiert. Was aber gerade halt ein absolutes Horrorszenario für die Drostens und Lauterbachs ist. Denn auch wenn es in einem kleineren Rahmen als gewöhnlich stattfinden würde, wäre es immer noch verdammt gefährlich.

Auf der anderen Seite haben wir aber herausgefunden, dass die Mannschaften reisen zu lassen kein Pandemietreiber ist. Also ja, der R-Wert unter Fußballern war verdammt hoch. Und es gibt auch jetzt schon den ersten Corona-Fall der EM mit Sergio Busquet. Aber die ständigen Kontrollen haben halt auch immer dafür gesorgt, dass die Fußballer eben nicht für exponentielles Wachstum gesorgt haben, 

Und dann ist es auf ein Mal sinnvoller die Fußballer reisen zu lassen, als die Fans. Einige wenige Fans ins Stadion zu lassen, aber halt dafür zu sorgen, dass die sich nur am Flughafen mit anderen treffen. Wenn überhaupt, man wird das ja eher über Tagesreisen organisieren.

Fürs Klima ist das natürlich eine Katastrophe. Aber wenn man mal darüber nachdenkt, wie viele Flugreisen die Champions League braucht, macht die EM jetzt auch den Braten nicht fett. Auf der anderen Seite würde das eine Gastgeberland 2 Monate nach dem Turnier wieder in einen Lockdown müssen. So müssen wir das entweder alle, oder gar keiner...

Die einzige offene Frage ist ja, warum man die EM nicht an die EU vergeben hat. Wenn man eine europäische Wertegemeinschaft feiern will, wäre es doch geschickt gewesen, genau die Länder zum Gastgeber machen, die diese Werte vertreten...

Donnerstag, 3. Juni 2021

Passives Abseits Hall of Shame: Alluhüte auf!

 Oder ist das gar keine Verschwörungstheorie, weil es am Ende doch zu offensichtlich ist? Weil es einfach keine andere logische Erklärung gibt?

Also es ist ja keine wirkliche Überraschung, dass Schalke 04 sich "mit Wetten auf die Zukunft" ein Millionengrab geschaufelt hat. Das klingt halt wie etwas, dass ein von Clemens Tönnies geführter Verein macht. 

Die wirkliche Überraschung ist doch, dass Christian Heidel für den Höhepunkt dieser Entwicklung verantwortlich ist. Der hat die meisten Verträge, die jetzt problematisch für Schalke sind, abgeschlossen. Der hat den Verein zugrunde gewirtschaftet...

Wie sein Autohaus, welches still und heimlich auch insolvent gegangen ist... hmm...

Aber wenn ihr diesen alten Artikel aus der FAZ lest, in der aufgeführt wird, dass Heidel Excel-Tabellen mit den Gehältern geführt hat und eben nicht nur die Millionenablöse gesehen hat, sondern auch die entstehenden Folgekosten mit eingerechnet hat... dann wundert es einen schon, wie dieser Mann all diese Vorsicht über Bord werfen konnte, als er auf Schalke anheuerte... 

Dass genau dieser Mann völlig absurde Punktprämien vergab, die jetzt auch noch in der 2. Liga gelten. Die gesparte Ablöse komplett einfach in Handgelder steckte... 

Wir reden hier von einem der besten Bundesliga-Manger aller Zeiten. Dem Uli Hoeneß von Mainz 05. Dem Beweis, dass man einen Verein auf einem gesunden Fundament nach oben führen kann, auch wenn es bei diesem "oben" dann in der Bundesliga natürlich seine Grenzen gibt. Wie konnte dieser Mann all das, was ihn ausmacht, so schnell vergessen und verraten?

Es sei denn... nun ja... das war alles sein Masterplan. Kurz bei Schalke ordentlich abkassieren, dann 6 Monate auf Mallorca entspannen und danach einfach die Rückkehr zu seinen Mainzern organisieren... und schon hat er sich eines lästigen Konkurrenten entledigt. Und jetzt kann er dann wieder seriös arbeiten. Gleichzeitig hat er dafür gesorgt, dass das Mindestziel Klassenerhalt in 2021 und 2022 einfacher zu erreichen ist, weil er dafür gesorgt hat, dass Schalke keine bundesligataugliche Mannschaft hat.

Und seine "Zerstörung von Schalke" war im Gegensatz zu den Rezo-Zerstörungen so effektiv, dass es unklar ist, ob sich der Verein davon jemals wieder erholen wird.

Also ich frage mich gerade wirklich, wie viele Dortmund-Fans im Fußball Manager von Fifa, Anstoss oder Sega Schalke ausgewählt haben und mal geguckt haben, ob sie den Verein in Grund und Boden wirtschaften können... und wie lange es dauert, bis sie entlassen werden. Dann spielen sie das Spiel mit anderen Vereinen weiter, nur um zu gucken, wie nachhaltig ihr Werk wirklich war... (Aus eigener Erfahrung als Bayern-Trainer kann ich euch sagen: Wichtig ist, dass man immer 11 Spieler aufstellt, auch wenn man nur 8 Vollpfosten verpflichten konnte, sonst wird man sehr schnell entlassen...)

Heidel hat genau das im echten Leben gemacht. Der hat Jon Bois und Kofis Fumble Dimension ins wirkliche Leben übertragen. Was für ein Teufelskerl.

Wenn es nicht Schalke wäre, könnte es einem fast Leid tun, dass sie den miesen Verschwörungen dieses Scharlatans auf den Leim gegangen sind. Aber es ist halt doch nur Schalke, die kriegen am Ende, was sie verdienen...

Aber was Heidel in Gelsenkirchen vollbracht hat, sollte als eine der größten Managerleistungen aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Und im Gegensatz zum Wirecard Chef muss Heidel danach nicht mal untertauchen, sondern kann lächelnd im Vorstand seines eigentlichen Vereins sitzen. Hoffentlich veröffentlicht Heidel irgendwann seine Memoiren, in denen er uns im Detail erklärt, wie er Schalkes Niedergang am Reißbrett plante...

Dienstag, 1. Juni 2021

Passives Abseits Leser wissen es Exklusiv Saison 2020/21

 Wo ich mich ja schon ausführlich selbst dafür gelobt habe, dass Florian Kohfeldt nicht die Lösung für die Probleme bei Werder Bremen ist und damit nachgewiesen ist, dass es sich lohnt, diesen Blog zu lesen, weil man einige Dinge einfach früher erfährt als bei anderen, können wir jetzt ja zu den kritischeren Themen kommen: Die Thesen, die sich nicht Bewahrheitet haben.

Auf der einen Seite behaupte ich ja immer, das wahre Experten nicht ständig darauf rumreiten müssen, dass sie richtig lagen... andererseits geben diese wahren Experten auch nie offen zu, wenn sie daneben gelegen haben. Nur um doppelt zu beweisen, dass ich mich gar nicht für einen Experten halte.

Jetzt heißt es also wieder: "Passives Abseits Leser wissen es exklusiv."

Das Erste, was mir dabei als Anschluss an den gestrigen Beitrag auffällt, ist: Julian Nagelsmann hat doch nicht den Punkterekord der Leipziger gebrochen, wie hier in einem Nebensatz behauptet wurde. Aber RB holte aus den letzten 3 Spielen nur einen Punkt und verlor das Pokalfinale. Wie bereits gestern erwähnt, sind halt wirklich ALLE Vereine eingebrochen, nachdem festgestanden hatte, dass ihr Trainer im Sommer zur Konkurrenz wechselt. Selbst Nagelsmann, der ja wirklich ein überragender Trainer ist, konnte dies nicht verhindern. Nun können die Hoffenheimer Fans behaupten, dass das ja abzusehen war, weil es ihnen im letzten halben Jahr genau so ging... aber dafür müsste es Hoffenheim Fans geben...

Wo wir schon beim Saisonabschluss von den Leipzigern sind: Deren Niederlage am letzten Spieltag führte eine weitere These sehr schnell ad absurdum: das "Ohne eigenes Zutun." Also ja, man musste am Ende wirklich Punkte sammeln, um seine Saisonziele zu erreichen. Damit hätte ich nicht gerechnet. Total faszinierend war ja, wie in der Sportschau Zusammenfassung die Leistung der Gladbacher gewürdigt wurde, die nicht einfach abschenkten... weil die Zuschauer schon wussten, dass Union Berlin sich in der allerletzten Minute in die Conference League geschossen hat. Ausgerechnet durch Max Kruse, der ja gar keinen Bock auf diesen Wettbewerb hat. Aber anstatt mit einem Unentschieden in diesen Wettbewerb zu stolpern, reichte nicht mal ein Sieg. Woher die Gladbacher wissen sollten, dass Union das Spiel gegen RB noch gewinnt, bleibt mir zumindest ein Rätsel...

Auch Werder Bremen konnte sich nicht ohne eigenen 3er retten. Was vor allem an Friedhelm Funkel lag, unter dem die Kölner 10 Punkte in 6 Spielen holten. Und am Ende selbst einen überzeugenden Sieg in der trotzdem unfairer Relegation geholt haben.

Also klar, ich bin immer noch der Meinung, dass Horst Heldt zu lange an Markus Gisdol festgehalten hat und das Holstein Kiel den Aufstieg einfach verdient hatte. Und das die Relegation abgeschafft gehört. Aber Köln hat sich am Ende wenigstens gewehrt, wovon ich nicht ausgegangen bin.

Ganz groß daneben lag ich auch bei der Einschätzung des FC Augsburgs. Also dass die Heiko Herrlich entlassen würden, bevor sie auf einen Abstiegsplatz abrutschen... hat mich schon überrascht. Dass selbst bei Stefan Reuter auf ein Mal die Entwicklung der Mannschaft und nicht nur das Ergebnis eine Rolle spielt, ist neu: Man wollte am Ende doch besseren Fußball sehen und war nicht mehr nur mit dem Halten der Klasse zufrieden.

Apropos Halten der Klasse: Das Mainz das am Ende so souverän schaffen würde, hätte ich trotz der Verpflichtung von Bo nicht gedacht. Aber der nur so "Türlich, Türlich!" Wenn Christian Heidel jetzt noch bemerkt, dass Eisfeld ablösefrei zu haben ist und er damit die legendärste Hip Hop WG aller Zeiten in die Bundesliga bringen kann... Oh und ja, das Eimbush Bassment schlägt die Blumentopf Großes Kino WG...