Montag, 21. Oktober 2024

Wie geht es denn dem Lazarett so?

 Digitale Helfer gezückt, ich bin halt so ein Typ: Wenn ich behaupte, dass all die verletzten Nationalspieler am Wochenende wieder fit sein werden, muss ich das ja auch nachgucken, wie diese Prognose so ausging.

Wir fangen mal direkt mir Florian Wirtz an, der ja auch angeschlagen ausgefallen ist... und am Samstag tatsächlich nur als Joker gebracht wurde, um den Punktverlust gegen Frankfurt abzuwenden. Den erwähne ich vor allem, weil wieder deutlich wurde, wie absurd gut der Mann ist. Der hebt seine Mannschaft auf ein völlig neues Level. Und ja, er war wieder einsatzbereit, er wurde nur geschont.

Sein Partner in National Crime Jamal Musiala saß tatsächlich nur auf der Tribüne. Der wird also erst in der Champions League wieder fit sein.

Der dritte Offensivspieler im Bund, Kai Havertz, konnte, wie Robin Koch, 90 Minuten lang auf dem Platz stehen. 

Bei RB wurde Benjamin Henrichs nur eingewechselt, war aber Verfügbar. David Raum ist dagegen weiterhin verletzt. Damit standen 2 der 6 kurzfristigen Ausfälle am Wochenende nicht auf dem Platz. Das ist eine bessere Trefferquote als bei Didi Hamann, so werde ich nie zum Experten.

Nebenbei ist auffällig, dass die deutschen Champions League Teilnehmer von den Verletzungen am schlimmsten "gebeutelt" wurden, während die Spieler bei Arsenal und der Eintracht in der Startformation standen. Auch wenn es Arsenal nicht gehlofen hat und die wichtige Punkte im Titelrennen liegengelassen haben. Dabei ist doch noch gar nicht Dezember...

Da bleibt aber die Frage, ob die wirklich noch angeschlagen und verletzt waren, oder ob sie für die wichtigeren Aufgaben unter der Woche geschont wurden. Was sich Bayern und RB halt eher leisten kann, als Arsenal. Klar, ich rede mir meine eigene Statistik schön, aber genau das macht man als Experte halt... Hier stößt man aber auch auf das Problem, dass niemand wissen kann, wie schlimm diese "Rückenprobleme" halt sind. Vielleicht hat Jamal auch einfach unter der Woche beim Umzug geholfen und sein Ausfall hat gar nichts mit dem Sport zu tun...

 

Und sonst so? Da ist die wichtigste Frage: Ab wann muss Christian Streich sich für seine Arbeit kritisch hinterfragen lassen? So, wie die Mannschaft unter Julian Schuster spielt, muss die Frage erlaubt sein, was ein besserer Trainer aus dieser Mannschaft in den letzten Jahren herausgeholt hätte? Ernsthaft... ich war ein wenig überrascht, dass Streich das bei seiner Sportschau-Cameo nicht selber angebracht hat. Ich hätte dem Mann genügend Ironie zugetraut, dass er seine "Analyse" zum aktuellen Saisonstart der Freiburger mt einem "Da sieht man mal, was ein guter Trainer aus der Truppe rausholen kann" beginnt...

In Gladbach hatte Tim Kleindienst das dümmste "Revenge Game" gegen seinen Ex-Verein der Saison. Starke Leistung... Schöner Doppelpack! Das bedeutet aber auch nur, dass Seoane weiterhin sein Trainer bleibt und nicht durch Schmidt ersetzt werden kann. Das wird ihm langfristig nicht helfen.
Kleindiest nach Gladbach könnte nebenbei die neuste Version des Oliver Baumann nach Hoffenheim Wechsels werden: Dieses "Ich gehe zum dem Verein, weil ich da mehr Potenzial sehe"... nur damit der alte Verein an dir vorbeizieht. Und dass ich mir dieser Gedanke durch den Kopf schießt, soll nur als Beleg genutzt werden, wie absurd gut die Arbeit von Frank Schmidt ist.

In München hat Harry Kane erst den Gomez der Woche produziert, um dann einen Hattrick nachzulegen. Das er beides in einem Spiel kann, zeigt auch nur, wie gut der Mann wirklich ist. Nur Schade, dass es dafür keine echten Titel gibt...

Er hatte aber auch Hilfe von Alexander Nübel. Klingt böse, da der Treffer zum 0:1 kein wirklicher Torwartfehler war. Das war halt nur einer dieser "Als designierter Bayern- und damit designierter National-Torwart solltest du solche Bälle halten" Momente. Oder: Ein junger Manuel Neuer hätte den gehabt, der Alte eher nicht.

In Bochum gab es die erste Trainerentlassung der Saison. Sieht fast so aus, als würden die diese Saison mehr als einen Dead Coach Bounce brauchen, um eine Chance auf den Klassenerhalt zu haben. 

Und natürlich wurde wieder über den VAR diskutiert. Was auch sonst. Das lustigste ist ja Knut Kirchers Erklärung, warum bei der "Rettungsaktion" von Jonathan Tah in letzter Minute nicht eingegriffen wurde: Die Situation war so offensichtlich, dass es gar keine Fehlentscheidung gewesen sein kann, weil der Schiedsrichter ja freie Sicht hatte... Gut, die hat er bei den meisten Handspielen auch, aber Details. 

Also ja, Kircher hat im Kern recht: Es kann nicht sein, dass Felix Brych bei so einer einfachen und übersichtlichen Szene die Hilfe des VARs braucht. Er muss das in "seinem Ermessenspielraum" beurteilen können. Es ist aber ein Problem, wenn alle außer Brych, Kircher und Xabi Alonso zu einer anderen Auslegung der Regel kommen und Elfmeter geben würden.
Es ist auch doppelt lustig, weil Leverkusen selbst vorher einen fragwürdigeren Elfmeter bekommen hat. Also in der 5. Minute hat ein geringerer Pfiff trotz VAR Eingriff zum Elfmeter gereicht. In der 91. reicht mehr Kontakt, obwohl Tah nicht mal die Aussicht auf den Ball hat, nicht aus. Das ist doch logisch, oder?

Freitag, 18. Oktober 2024

Die größte Überraschung der Woche:

 Der Mann, der das Geld einer Kommanditengesellschaft auf Aktien angenommen hat, nimmt auch das Geld von Red Bull an! Was für ein Skandal!!!

Dabei war das doch der letzte Romantiker!!1ELF!! Wie kann der nur?

Den wollen wir nicht mehr vor der Süd sehen! Sagt Kevin Großkreutz... Was absurd ist, denn Jürgen Klopp hatte eh nie vor, sich nocchmal da hinzustellen. Da müsste er ja zunächst an die Seitenlinie zurückkehren, und da hat er keine Energie mehr für. 

Also vielleicht irgendwann als Nationaltrainer... aber dann wird er sich nach einem relativ belanglosem Nations League Spiel auch nicht vor der Tribüne feiern lassen. Nach einem Sieg in einem WM Halbfinale würden sie ihn alle auf Händen durch die Süd tragen, aber das wird ja nicht mehr auf dem Kalender stehen.

Nebenbei hat Klopp schon bei seinem Abschied angekündigt, dass er sich genau so einen Job vorstellen könnte. Es ist also nichts verlogen daran, dass er das jetzt macht, denn er hatte keine Kraft mehr für die tägliche Arbeit auf dem Platz. Strukturelle Arbeit in einem Büro ist etwas ganz anderes...

Das Grundproblem Nummer Eins ist ja, dass die Dortmunder glauben, dass sie die Guten sind. Bin ich froh... 

Wenn das überhaupt noch ein Verein wäre... aber die Komanditengesellschaft auf Aktien, die die Turbo-Kommerzialisierung zur Jahrtausendwende aktiv vorangetrieben hat. Konzerne wie die Borussia haben den Sport erst so groß gemacht, dass er für Red Bull interessant wurde. Die habem fianziell alles gemacht, um mit den Bayern mitzuhalten. Die jetzt das Geld eines Rüstungskonzerns annehmen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Es ist nebenbei echt niedlich, wie die Dortmunder Fans dagegen ein Mal protestiert haben... Die haben es (wenn auch nicht alleine, sondern mit den anderen Ultras) geschafft, die Montagsspiele abzuschaffen. Sie haben den Einstieg eines Investors verhindert. Aber wenn Dortmund einen moralisch fragwürdigen Sponsor ankündigt, kommt da ein Mal was und dann 6 Monate relativ wenig. Außer die Erkenntnis, dass man ja noch andere fragwürdige Sponsoren hat... Am Ende ist Profisport auch einfach nicht mehr ohne dreckiges Geld möglich...

Ich werfe jetzt mal eine dreiste These in den Raum: Das Geld bei RB ist das sauberste, das es im Profisport gibt. Verglichen mit:

Rheinmetall, einem Konzern, der Tötungsmaschinen herstellt. Anders kann man das ja nicht ausdrücken.
Gazprom, Putins Handlanger, die Jahrelang auf der Schalker Brust präsentiert wurden. Und ja, es ist albern, wenn die Schalker sich jetzt über den "Kriegstreiber-Deal" lustig machen, wenn sie Jahrelang kein Problem mit russischen Sportswashing hatten.
Qatar Airways: wo wir schon beim Sportswashing waren: auch die Bayern nehmen das Geld arabischer Ölscheiche. Und Rolexuhren für eine WM auf der individuellen Ebene.
BitPanda, einer Kryptowährung. Die Bayern schließen nach dem Beginn des Mega Prozesses gegen FTX einen Werbedeal mit einer derartigen Firma ab... lange nachdem man wissen könnte, dass das im wesentlichen ein Scam ist.
Wettanbietern. Obwohl, die gibt es in Leipzig seit dieser Saison auch. Nur dass die RB Fans dagegen protestieren. Also als Einzige.
Um da nochmal zu verdeutlichen, wie absurd die Fans sein können: Wenn Bekannte von ihnen in die Spielsucht abdriften und dank Online Wetten in der Schuldenfalle landen, ist das kein Problem. Aber wenn Red Bull den Sport als Marketingtool verwendet, muss das zwingend verachtet werden. DAS geht gar nicht... auch wenn es genau genommen niemanden weh tut.

Und nicht, dass Red Bull jetzt ein wirklich sauberes Unternehmen ist. Allein schon, dass die darauf bestehen, dass ihr Gesöff ausschließlich in Alluminiumdosen verkauft werden darf. Ein Dietrich Mateschitz vertrat viele fragwürdige Positionen. Fehlt eingentlich nur ein "Wir können uns nicht gegen Rassismus engagieren, Rassisten kaufen auch Energydrinks..." Ähm... ich meine natürlich, dass das ein rein amerikanisches Problem ist. Aber man muss halt nicht "gut" sein, um im direkten Vergleich zu all den anderen Geldgebern "gut zu wirken".

Aber die Traditionalisten werden jetzt ja behaupten, dass das andere nur Sponsoren sind, während RB den ganzen Verein übernommen hat. Stimmt. Bedeutet aber auch nur, dass all eure GmbHs und ähnliches mal eine Seele hatten, die sie verkauft haben. Am Ende des Tages ist Rasenball Leipzug nur ehrlicher, als der Rest.

Aber kommen wir zurück zum "angeblich letzten Romantiker" Jürgen Klopp. Den hat es nämlich nie gegeben. Klopp ist ein genialer Trainer und ein großartiger Menschenfänger. Aber er war auch immer Opportunist. Wenn er wirklich Romantiker gewesen wäre, hätte er nie bei einer Kommanditengesellschaft auf Aktien unterschrieben. Als extremer Romantiker wäre er in Mainz geblieben, einem der letzten e.V.s in der Liga. Er hätte gegen das Establishment gekämpft, dafür aber nie Titel geholt. Man nehme einfach mal den Werdegang eines Christian Streich. Also um zu beweisen, dass man so eine Karriere hinlegen und trotzdem zur Legende werden kann. Frank Schmidt ist in Heidenheim das nächste aktuelle Beispiele. Beide Trainer hätten ihre persönliche Karriere vorantreiben können, indem sie den Verein wechseln. Streich war mal kurz davor nach Schalke zu gehen

Klopp ging nebenbei formell gesehen als Zweitligatrainer nach Dortmund. Der verpasste Wiederaufstieg gab ihm die Gelegenheit, die Mainzer im Guten zu verlassen. Er hatte da auch alles erreicht, von daher war das legitim. Dortmund war zu dieser Zeit keine Spitzenmannschaft, aber sie hatten wesentlich mehr Potenzial als die Mainzer. Dinge, die ein Signal Iduna Park so mit sich bringt. Für Klopp war das weniger Romantik, sondern der logische nächste Karriereschritt. Das war natürlich eine perfekte Symbiose, weil er Dortmund zurück zur europäischen Spitze führte, während Dortmund ihn als Weltklassetrainer legitimierte. Aber die brauchten sich ganz sachlich gesehen auch Gegenseitig. 

Man muss nebenbei auch festhalten, dass der Aufschwung vom Abstiegskandidaten zum Meister in 3 Jahren vollzogen wurde. Es gab zumindest in Deutschland verdamm schnell nur noch die Bayern, zu denen er gehen konnte, um sich zu verbessern. 2013 stand er bereits im Champions League Finale.

Das einzige, was minimal romantisch war, ist der Fakt, dass Klopp nicht bei der erstbesten Gelegenheit zur direkten Konkurenz gegangen ist. Hier sind die Aussagen von Klopp nebenbei nicht ganz eindeutig. Er hätte wohl mehrere Male zu den Bayern gehen können, aber erst, nachdem er in Liverpool unterschrieben hatte. Vorher soll es keinen Kontakt gegeben haben.

Apropos Liverpool: Er ging dann zu einem der Big 4 aus der Premiere League. Der durchkommerzialisiertesten Fußballliga der Welt. Wo man ohne große (und häufig moralisch fragwürdige) Investoren nie was erreichen wird. Im Fall von Liverpool ist das die Fenway Sports Group. Sind das die Besten? Wahrscheinlich. Aber Romantiker sind das keinesfalls, sondern Investoren, die mit dem Sport Geld mithilfe des Sports vermehren wollen.

Und natürlich suchte Klopp sich den perfekten Verein aus, bei dem er sein Image weiter vermarkten und in relativer Ruhe langfristig arbeiten konnte. Der Mann ist ja nicht dumm, sondern weiß genau, was er macht. Er ging aber auch zu einem Verein, der ihn die realistische Chance gab, um den ihn fehlenden Champions League Titel dauerhaft mitzuspielen. Das war aber auch eine sehr gut durchkalkulierte Entscheidung.

Nebenbei "drohen" die Ultras ja immer mit "englischen Verhältnissen". Also dass die Fanszene hier so ausgenommen wird, wie in England und dass die Ultras aus dem Stadion vertrieben werden. Genau dafür hielt Klopp auch sein Gesicht hin. Die Premiere League wurde ja überhaupt nur gegründet, um die Gewinne zu maximieren... und das ist ihnen sehr sehr gut gelungen. Aber man muss schon verdammt viel ignorieren, um da so etwas wie "Romantik" zu finden. Aber als Menschenfänger war Klopp so gut, dass er seinen Anhängern genau das verkaufen kann.

Der lustigste neue Vorwurf ist ja, dass Klopp sich jetzt als "geldgeil" outet... Weil er einen Vertrag über 11 Millionen im Jahr abschließt. Der hat vorher 18 Millionen pro Jahr verdient. Nicht nur das, er hat auch, während er ständig über die steigende Belastung gejammert hat, Zeit gefunden um Werbespots zu drehen. Er hat sein Gesicht ja gefühlt überall hingehalten. Habe ich schon erwähnt, dass er 18 Millionen im Jahr verdient hat? Über mehrere Saisons. Trotzdem suchte er noch nach weiteren Einnahmemöglichkeiten.

Unter anderem bei der Deutschen Vermögensberatung AG. Einer moralisch eher fragwürdigen Beraterfirma, der Klopp mit seiner Ausstrahlung mehr Legitimtät verschafft hat. Der arme Mann hatte es aber auch wirklich nötig.

Dass Geld, was er dort angenommen hat, ist wesentlich schlimmer, als das Geld von RB jetzt. Und auch wenn er es mit der Vereinsauswahl relativ gut verstecken konnte, beweisen solche Werbedeals, dass Klopp am Ende immer ein Kapitalist und kein Romantiker war. Wir haben das nur ignoriert. Aber so ist das halt im modernen Sport: man muss verdammt viel ignorieren, um sich seine Helden aufzubauen...

Dienstag, 15. Oktober 2024

Der Fußball zeigt sich von seiner perversesten Seite

 Und das, obwohl gerade Länderspielpause ist. Oder gerade deswegen, schließlich hat man jetzt mal die Zeit um die Teilzeitnationalspieler zu Autogrammstunden zu schicken... im normalen Spielrhytmus wäre dafür gar kein Platz.

Dass sich Kevin Behrens dann als homophob outet... ist ungünstig. Dass das ja nur ein spontaner Ausfall war, macht es eher schlimmer als besser. Dass dann Leute behaupten, es sei ja kein Hass, sondern nur seine Meinung, zeigt, wie tief das Problem wirklich sitzt. Da muss man plötzlich erklären, was an dem Ausdruck "schwule Scheiße" denn Hass sein soll. Alles. 

Also er hat ja nicht irgendwie diplomatisch artikuliert, dass es sich nicht mit seinem Glauben vereinigen lässt. Was immernoch homophob ist, aber die christliche Kirche darf das ja. Aber dann würde ich mich jetzt nicht darüber aufregen. Aber dass er einfach so einen hasserfüllten Begriff raushaut, ist ein richtiges Problem. 

Das war aber bei weitem nicht DAS SCHLIMMSTE.

Das schlimmste war der Fakt, das Spiel England gegen Griechenland ausgetragen wurde. 2 Tage nachdem George Baldock plötzlich verstorben ist. Eine Trauerminute muss reichen, aber das Spiel zu verlegen ist keine Option. Also weil es auch einfach keine Möglichkeit mehr gibt, Spiele zu verlegen. Da kann man auf persönliche Tragödien keine Rücksicht mehr nehmen. The show must go on.

Also falls es noch irgendeinen Beweis gebraucht hat, dass der Rahmenterminkalender überfüllt ist... dann ist es dieses Spiel.

Oder... der Fakt, dass Julian Nagelsmann doch wieder experimentieren muss, was er ja eigentlich nicht wollte. Denn direkt nach der EM haben wir doch sehr schnell wieder den "Da kuriere ich mich lieber aus" Modus erreicht: Alle leicht angeschlagenen Spieler nutzen die Gelegenheit, um eine kurze Pause einzulegen. Das kann man ihnen ja auch nicht vorwerfen. Benjamin Henrichs (der wenigstens angereist ist, um zu gucken, ob was geht), David Raum (Sprunggelenk), Jamal Musiala (Hüftgelenk), Kai Havertz (Knie) und Robin Koch (Hüfte) sagten kurzfristig ab. Alle mit Pseudoverletzungen. Fehlte eigentlich nur, dass einer "Grippeähnliche Sympthome" angegeben hat. Ich wage mal einen Blick in die Glaskugel und behaupte, dass die am Wochenende alle wieder einsatzbereit sein werden.

Das sollten all die Idioten, die sich über die Länderspielpausen aufregen, auch endlich mal verstehen: Das ist die einzige Möglichkeit die kleineren Leiden, die sich in dem Allgemeinen Wahnsinn so ansammeln, auszusitzen. Denn zu den Nations League Spielen fahren ja wirklich nur noch die Spieler, die zu 100% fit sind. Wenn ein Musiala diese Pause jetzt nicht bekommen, sondern die sonst normalen 3 Spiele in den 9 Tagen durchgezogen hätte, würden sich seine Leiden langfristig eher verschlimmern. Die Bayern werden also von dieser Pause still und heimlich profitieren. Das wird aber niemand zugeben.

Und dann kommt ein Aleksander Ceferin um die Ecke und behauptet: "Es motzen nur die, die Millionen verdienen." Die kleinen Vereine, die "kaum 11 gute Spieler" haben, haben irgendwie keine Probleme mit der Überlastung. Wie weit weg von der Realität kann man eigentlich sein?

Also... nehmen wir mal Rodri. Der kam in der letzen Saison auf 58 Einsätze. Wenn man in der Champions League weit kommt und Europameister wird, ist das eine völlig normale Anzahl an Spielen. Tatsächlich waren es, aufgrund des "frühzeitigen" ausscheidens in der Champions League, sogar relativ wenige Einsätze. Im Jahr davor kam er auf 70 Einsätze. Die Nations League knallt halt doch rein. Jetzt nehmen wir mal als Vergleich einen Spieler von so einem kleinen Pissverein: nehmen wir Ermedin Demirovic vom FC Augsburg. Der ist das perfekte Beispiel, weil er letzte Saison unumstrittener Stammspieler war und gleichzeitig für die Nationalmannschaft auflief. Der kommt in der Saison 2024/24 auf 36 Spiele. Im Jahr davor waren es 45. Rodri hat also innerhalb von 2 Jahren... boah, da brauche ich nen Taschenrechner... 47 Spiele mehr absolviert. Eine gesamte zusätzliche Saison im direkten Vergleich zu dem "armen" Spieler. Natürlich beschwert sich ein Dermirovic da nicht. 

Der hat auch deswegen kein Problem mit der aufgeblähten Klub WM, weil er an dem Turnier gar nicht teilnehmen wird. Spieler von Rodris Kaliber müssen da hin, das sind wieder 6 zusätzliche Spiele. Ernsthaft: So ignorant kann man doch gar nicht sein. In welcher Realität lebt dieser Ceferin? Es hat mich keine 5 Minuten gekostet, den Unterschied zwischen Demirovic und Rodri auszurechnen und er behauptet, dass beide die gleiche Belastung haben?

Diese Aussage alleine sollte eigentlich dazu führen, dass alle Spieler der Rücktritt von ihm fordern. Und streiken, bis er eingesehen hat, dass das richtig Müll war, die er da von sich gegeben hat. Er ist entweder zu dumm um einen großen Verband zu führen... oder, was wahrscheinlicher ist, zu hinterhältig und ihm ist das Wohl der Spieler komplett egal.

Aber hey, wir regen uns ja lieber über Jürgen Klopp auf... ist auch viel vernünftiger. Mach ich als nächstes also auch.

Dienstag, 8. Oktober 2024

Bekommt Deutschland ein Torwartproblem?

 Wenn nicht jetzt, dann gleich?

Die Verletzung von Marc-André ter Stegen zeigt uns gerade, dass die Torhüterposition überraschend dünn besetzt ist. Also, das muss dazu gesagt werden, für deutsche Verhältnisse... Denn zum ersten Mal seit Ewigkeiten sitzt kein Weltklassemann auf der Bank oder steht im Tor.

Klingt übertrieben? Aber guckt euch mal die Liste der Torhüter an. Dann nehmt die "Eintagsfliegen", die bei den Testspielen der C-Mannschaft gegen Dänemark ran durften... dann bleiben wir bei:

Sepp Meier: Welt- und Europameister. 3-maliger Champions League Sieger. Der Beste seines Faches.

Toni Schumacher: Stand in 2 WM-Finalen, Europameister, Deutscher Meister mit dem 1.FC Köln. Laut Kicker Rangliste 9-mal Weltklasse und 6-mal innerhalb von 7 Jahren "Torwart des Jahres". Oh und Zweitbester Spieler der WM 1986 als Torwart.

Bodo Illgner: Weltmeister, zweiter bei der EM, zweifacher Champions League Sieger mit Real Madrid.

Andreas Köpke: Europameister. Aber die eine Ausnahme, weil er die Angewohnheit hatte, sich für richtig schlechte Vereine zu entscheiden, weshalb er alleine 7-mal abgestiegen ist. Am besten lässt sich seine Karriere mit dem gescheiterten Doppelwechsel zum VfB Stuttgart und Barcelona zusammenfassen. Aber...

Oliver Kahn saß 1996 schon auf der Bank. Er hätte 1998 schon im Kasten stehen müssen, weil er spätestens da der bessere Torhüter war. Er legte eine legendäre Karriere hin und wurde, was vor 2006 eigentlich unvorstellbar war, nach der Karriere sogar sympathisch. 

Jens Lehmann war so gut, dass er einen Oliver Kahn verdrängte... weil er in der gesamten Champions League Saison kein einziges Gegentor kassierte. Wenn Arsenal ein Gegentor schlucken musste, stand immer Ersatzmann Manuel Almunia im Tor. Er war Teil der "Invincibles", verlor also mit Arsenal in der gesamten Premiere League kein einziges Spiel. Oh und Lehmann gewann den UEFA Cup mit Schalke und wurde Meister in 3 Ländern. Nach der Karriere ging er den gegensätzlichen Weg zu seinem jahrelangen Konkurrenten Kahn und entpuppte sich als Arschloch.

Danach kam schon Manuel Neuer, der das Torhüterspiel auf ein völlig neues Level gehoben hat. Bis zu seinem Skiunfall war der man ein Jahrzehnt lang sehr konstant Weltklasse.

Auf ihn folgte nach Jahren auf der Bank, ter Stegen, der in vielen anderen Ländern schon 100 Länderspiele auf dem Buckel hätte, aber nie an Neuer vorbeikam.

Wenn man sich also, wie 1998, gegen einen Weltklasse-Torhüter entscheiden wollte, konnte man den auf die Bank setzen. Aber keinen einzigen zur Verfügung haben... das gab es seit den 70ern nicht mehr. 

Jetzt steht, bei allem Respekt, Oliver Baumann im Tor. Ein guter Torhüter. Gehobener Bundesligadurchschnitt. Der ist aber auch schon 34 und wird niemals mehr als gehobener Bundesligadurchschnitt sein. Bernd Leno hat abgesagt, weil er zu alt für die Bank ist und er, sachlich gesehen, eh für kein Turnier infrage kommt. Janis Blaswich wurde als Nummer 3 nominiert, obwohl er in Salzburg stark in der Kritik steht... und sein ehemaliger Verein aus Leipzig ungeschlagen ist, seitdem er durch Péter Gulácsi ersetzt wurde. Ein Paradebeispiel für den Einfluss eines guten Torhüters auf den Erfolg einer Mannschaft. 

Als "junger Hoffnungsträger": Alexander Nübel. Der ist auch schon 28. Er hat bisher eine starke Saison beim VfB Stuttgart im Lebenslauf stehen. Ersteht aber jetzt schon bei 11 Gegentreffern in 6 Spielen. Und er muss sich anscheinend erstmal hinter Baumann anstellen, was Julian Nagelsmanns erster Fehler sein dürfte.

Vielleicht entwickelt sich Nübel noch zur Weltklasse. Aber mit 28 ist er es noch nicht. Internationale Klasse würde ich ihm geben, aber zu den Besten fehlt ihm noch ein Stückchen. Und der ist jetzt der designierte Thronfolger, falls ter Stegen nach der WM in den Ruhestand geht... Bei allem Respekt: Er ist der schlechteste Herausforderer, den Deutschland seit 1996 hatte.

Hier kommt aber das eigentliche Problem: Es kommt so richtig auch keiner nach. Die Lage ist so schlimm, dass Werder Bremen sich einreden wollte, dass Michael Zetterer nominiert werden könnte. Ein Torhüter, der sich erst mit 28 Jahren in der Bundesliga durchsetzen konnte. Kevin Trapp ist auch schon verdammt alt und hat sich auf höchstem Niveau, also bei Paris St. Germain, nicht durchsetzen können. Robin Zentner ist ein Torhüter für den Abstiegskampf. Kevin Müller hat seine erste Bundesligasaison gespielt... mit 33 Jahren. Moritz Nicolas hat letzte Saison die Chance, einen ebenfalls nicht überragenden Jonas Omlin zu verdrängen, nicht wirklich genutzt. Nicolas ist 26. 

Noah Atubolu zeigt sich immer wieder verdammt inkonstant. Für den SC Freiburg kann der, wenn er will, 15 Jahre im Tor stehen, aber ich sehe da keinen angehenden Weltklassetorhüter. Der ist aber, im Gegensatz zum Rest, wenigstens noch jung. Er ist aber auch der einzige deutsche U25 Keeper. Der muss also, Stand jetzt, 2026 oder 2028 übernehmen. Also das ist dann alternativlos. Das ist der Pfad, auf dem sich die Torhüternation bewegt.

Wirklich aufgefallen ist mir das vor ein paar Wochen, als Kaua Santos für Kevin Trapp übernehmen musste. Ich dachte mir da: wirklich? Die müssen ihren Ersatztorwart aus Brasilien importieren? Haben die extra einen Scout nach Flamengo geschickt, um nach Torwarttalenten zu suchen, anstatt sich im Ruhrpott umzugucken? Findet man keinen halbwegs brauchbaren Torhüter in der Region? Anscheinend nicht. Das kann kein gutes Zeichen für die Jugendarbeit sein.

An der Stelle muss ich zugeben, dass die Eintracht letzten Sommer Diant Ramaj für 5 Millionen an Ajax Amsterdam abgegeben hat, damit der da irgendwann Stammtorwart werden kann. Aktuell vertraut man da aber eher dem 40-jährigen Remko Pasveer. Ramaj war zum Ende der letzten Saison verletzt, dass er jetzt aber nicht an einem alten Sack vorbeikommt, ist kein gutes Zeichen. Aber mit einem Marktwert von 18 Millionen ist er, laut Transfermarkt, der zweit-wertvollste deutsche Torwart... nach dem verletzten ter Stegen.

Das einzige, worauf man sich immer verlassen konnte, waren Weltklasse Torhüter. Selbst wenn einer verletzt ausfallen sollte, stand sofort der Nächste bereit. Wenn die Karriere eines Rene Adlers durch zu viele Verletzungen ausgebremst wurde, kam sofort ein Neuer nach. Selbst ein für die Nationalmannschaft völlig irrelevanter 4. Torwart wie Bernd Leno wäre in England als Nummer 1 im Gespräch gewesen. 

Jetzt läuft alles auf das Duell Atubolu gegen Ramaj aus. Es gibt kaum noch hoffnungsvolle Talente. Während Neuer, Adler, ter Stegen und Leno mit Anfang 20 den Durchbruch in der Bundesliga geschafft haben, sind die Ersatztorhüter mittlerweile 28. Die Hälfte der Bundesliga-Torhüter kann gar nicht für Deutschland auflaufen (oder, im Fall von Neuer, will nicht mehr). Ein 34-Jähriger gibt sein Debüt mit dem Adler auf der Brust...

Da sieht man mal, wie krass es gerade im deutschen Tor bergab geht.

Donnerstag, 3. Oktober 2024

Wie konnte das denn passieren?

 In der Champions League ist gerade etwas passiert, was selbst der Bundesliga peinlich wäre. Und das soll schon was heißen. Schließlich ist das DIE Liga, von der sich mehr und mehr Traditionsvereine distanzieren, indem sie einfach absteigen. Trotzdem...

Borussia Dortmund führt nach 2 Spieltagen die Tabelle an. Im Jahr 2024! Wo ist eigentlich Heidenheim, wenn man es braucht?
Natürlich ist die Tabelle noch völlig verschoben. Auch wenn Dortmund tatsächlich 2 Teams aus Lostopf 2 und 3 besiegt hat. Das überrascht doch irgendwie. Man hat aber auch definitiv das schwächste Team aus Topf 2 gezogen. Und der Leistungsabfall zwischen Topf 2 und 3 ist einfach krass.

Und es ist ja sogar dem Kicker aufgefallen, dass Teams das Ergebnis bewusst nach oben schrauben. #PassivesAbseitsleserwissenesfrüher... Wir hatten jetzt schon mehr Siege mit 3 Toren Unterschied, als in der gesamten Gruppenphase im alten Modus. Und die eine oder andere Mannschaft hat eindeutig verstanden, dass das Torverhältnis entscheidend sein dürfte. Nur Pep Guardiola ist das egal. Dem reichte ein 4:0 und er wechselte Erling Haaland aus... Aber das ist schon eine absurde Konstellation: Es wird jetzt hinterfragt, ob es richtig war, seinen besten Stürmer auszuwechseln, weil er "nur" 4:0 gewonnen hat. Direkt nachdem ihm von Lothar Matthäus mitgeteilt wurde, dass er doch mehr rotieren kann. Und es gibt ein gar nicht so theoretisches Szenario, in dem ihm diese Entscheidung weh tun könnte...

Viel wichtiger ist natürlich, dass Manuel Neuer die wichtigste Lektion aus der Pandemie vergessen hat: Man geht Abends einfach nicht sinnlos spazieren. Man könnte da auf Nazis treffen unnötige Gegentore kassieren. Aber gerade der überraschende Sieg von Aston Villa beweist, wie viel großartiger der neue Modus ist. Auch wenn die Ansetzung belegt, wie viel Losglück Dortmund wirklich hatte. Denn Villa kommt aus dem 4. Lostopf, ist aber trotzdem stärker als alles, was Dortmund so vorgesetzt bekam.

Im "Alten Modus" könnte Neuer jetzt beruhigt schlafen: Solange wir im Rückspiel 2:0 gewinnen, landen wir vor den Engländern. Das ist also alles nicht so dramatisch. Das wird schon werden.
Jetzt haben sie ein Spiel gegen ein Team aus Lostopf 4 verloren, was man sich definitiv nicht erlauben kann, wenn man in die Top 4 kommen will. Das ist eine ganz einfache Rechnung. Sie haben als nächstes Barcelona und Paris St. Germain vor der Brust und können sich da nicht mal ein Unentschieden leisten. Und selbst das könnte am Ende nicht reichen...

Damit könnte zum ersten Mal seit Jahren im Oktober was Relevantes passiert sein. Neuer könnte sich tatsächlich einen Patzer geleistet haben, der nicht mehr reparierbar ist. Auf einmal lohnt es sich damit auch, wieder hinzuschauen.

Das ist echt das erste Mal in bestimmt 10 Jahren, dass ich die "Gruppenphase" wirklich ins Auge fassen werden. Ich habe das gerade mal nachgeschlagen: in meinem letzten und beinahe einzigen "Champions League" Beitrag im Oktober ging es um Fußball als Superspreader und die Belastung während Corona. Aber halt nicht um das, was auf dem Platz geschah. Dass ich mich mit einzelnen "Patzern" beschäftigt habe, war halt überflüssig, weil diese Patzer am Ende völlig belanglos waren.

Für uns als Zuschauer ist das, wie ich immer wieder erwähnen werde, etwas Großartiges.

Montag, 30. September 2024

Worst of es "Ist das schon Kreisklasse" Wochenendes

 Also gar nicht spielerisch. Spielerisch war das alles schon in Ordnung. Also außer der SC Freiburg. Die weisen auch unter Julian Schuster mit, dass sie eine richtig gute Mannschaft sind... aber sie liefern aber auch hin und wieder eine richtige Grottenleistung ab. Ein mal im Quartal verlieren sie 3:0 gegen eine Mannschaft, die sie eigentlich schlagen sollten. 

Das ist auch kein Vorwurf. Es zeigt halt auch nur, dass die wirklich ihr Optimum abrufen müssen, um in der Bundesliga zu bestehen. Es ist eher faszinierend, wie oft Freiburg zumindest verdammt nah an dieses Optimum herankommt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Vor allem, weil sie das ja über Jahre und mittlerweile 2 unterschiedliche Trainer so konstant abrufen.

Bei St. Pauli dachte sich Alexander Blessin anscheinend, dass das ja alles zu einfach ist. Deswegen zwang er der nicht von ihm trainierten Aufstiegsmannschaft ein neues System auf. Was an sich gar nicht sooo schlimm ist, schließlich muss man ja sein Aufstiegssystem auf die neuen Gegebenheiten anpassen. Aber ich sage das mal so: Sich ein System auszusuchen, in dem es prinzipiell keinen Platz für deine besten Spieler gibt, ist vielleicht... also kennt ihr diese "Kann man Spiel X nur mit der schwächsten Waffe durchspielen" Challenges? Blessin dachte sich: Ich übernehme nicht nur einen der schwächsten Kader, sondern nutze dann auch meine besten Optionen nicht.

Immerhin... hat er nur 3 Spieltage gebraucht, um seinen Fehler einzugestehen. Aber seit dem Elias Saad und Olapado Afolayan in die Startelf zurückgekehrt sind, sehen die Kiezkicker auch wie eine Bundesligamannschaft aus... und sie holten 4 Bonuspunkte. Denn weder mit einem Unentschieden gegen RB Leipzig, noch mit einem Sieg in Freiburg war wirklich zu rechnen.

Zum Glück ist es ja "nur die Bundesliga", da kann man es sich leisten, ein paar Spiele lang auf seine Besten zu verzichten. Schließlich gibt es ja auch noch Kiel und Bochum, die schon so aussehen, als würden sie nur gegeneinander punkten können. Da muss St. Pauli nur noch 2 Spiele gewinnen, um das Saisonziel "den Hamburger SV in der Relegation schlagen" sicher zu erreichen.

Und natürlich hat Bochum gegen Borussia Dortmund überraschend gut gespielt. Sie hätten ja sogar 3:0 führen MÜSSEN. Aber hier ist das Grundproblem: In diesen wenigen Spielen, in denen man zumindest halbwegs auf Augenhöhe ist, muss man zwingend punkten, wenn es was mit dem Klassenerhalt werden soll.

Aber kommen wir zum großen Aufregen des Wochenendes: Der Kreisklasse-Klassiker: Maximilan Arnold tritt seinen Gegenspieler im Mittelfeld... und fällt sicherheitshalber schreiend um und hält sich den Knöchel. Kann ja nicht schaden. Vielleicht denkt der Schiri ja, dass ich gefoult worden bin. Oh, tatsächlich... es gibt sogar Gelb-Rot...

Nebenbei... hatte auch Arnold schon Gelb. Also um zu verdeutlichen, wie krass diese Fehlentscheidung ist: Es hätte theoretisch einen Platzverweis für die andere Mannschaft geben können. Das ist schon brutal. Und es wird wieder mal der Spieler, der auf den Beinen bleibt, bestraft, während der Spieler, der sich am Boden wälzt, belohnt wird. Das ist wieder eine wunderbare Lektion für alle C-Jugendspieler dieser Welt: Theatralisch fallen und laut schreien hilft. Ohne jetzt Arnold zu sehr dafür angreifen zu sollen, denn Beleidigungen hat er dafür nicht verdient. Und den Fehler macht ja nicht er, sondern der Schiedsrichter. Trotzdem muss man erwähnen, dass dies ein richtiger Kack-Move vom Schiedsrichter war.

Es ist nebenbei der 1000ste Beweis, dass Challenges viele VAR Probleme lösen wurde. Denn natürlich hätte Stuttgart, wenn man ihnen die Option gibt, genau diese Szene überprüfen lassen. Stattdessen wird der spätere Platzverweis gegen Mohammed Amoura zurückgenommen. Das zwar zurecht, dass aber nur die eine Fehlentscheidung zurückgenommen werden kann, obwohl beide zum selben Ergebnis führen, ist einfach unfair. Damit erreichen wir an der Stelle weniger Gerechtigkeit, obwohl der VAR doch zu mehr Gerechtigkeit führen sollte.

Und all das nur, weil die alten weißen Männer zu dumm sind, die Lektion der anderen Sportarten zu lernen und ein Challenge System einzuführen. Wie kann man so ignorant sein? Aber wir müssen ja irgendwie darauf hoffen, dass ein wichtiges WM-Spiel durch so einen Scheiß beeinflusst wird, denn sonst interessieren sich die Regelhüter ja nicht so wirklich für den Fußball. Was einfach nur Schade ist.

Freitag, 27. September 2024

Was man sich nach einem Urlaub immer fragt:

Wer hat in der Woche eigentlich das Dümmste gesagt. Das ist immer ein guter Einstieg, wenn man ein Weilchen raus war.

Nach 2 Wochen mit einem quasi kaputten Laptop habe ich meinen Arbeitsplatz echt vermisst. Hier kann ich problemlos nachprüfen, ob Diego Maradona eigentlich im Stadio Bernabeau getroffen hat. Hat er. Es ist nebenbei lustig, wie diese Random Fun Facts von Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs dann von allen anderen übernommen wird... ohne dass Zeigler dafür als Originalquelle angegeben wird. Seitdem Arnd am Sonntagabend erwähnt hat, dass Maradona und Undav als einzige Spieler in Meppen und Madrid getroffen haben, ging das mehrmals durch meine Timeline... Aber Quellenangabe ist ja für Noobs...

Aber zu den dümmsten Aussagen. Der erste Kandidat war Claus-Dieter Wollitz: Der beschwerte sich über den Zustand der Trainingsplätze, auf denen er arbeiten muss. Kann man machen, wenn man damit seinen eigenen Verein kritisiert. Aber wenn man sich bei der Stadt Cottbus beschwert, dass der Ausweichsplatz in der Parzellanstraße nicht den Ansprüchen genügt. Ähm... Es ist nicht die Aufgabe der Stadt, ein professionelles Trainingsumfeld bereitzustellen. Es ist deren Aufgabe Plätze für den Breitensport bereitzustellen.
Das ist aber nicht mal das wirklich lächerliche. Der Grund, warum der Trainingsplatz in so einem bescheidenen Zustand vorgefunden wurde, war das Monats-Hochwasser. Die hatten einfach mit extremen Regenfällen zu kämpfen, die dazu führten, dass der Platzwart den Rasen nicht betreten konnte oder sollte. Cottbus trainierte trotzdem. Frei nach dem Motto "Nach uns die Sintflut"... Dass die Stadt Cottbus aber andere akute Probleme hatte und deswegen seine Energie nicht in seinen Verein stecken kann, hat Wollitz nicht auf dem Schirm.
Also falls ihr dachtet, dass nur die Champions League Vereine völlig abgehoben sind: Wollitz kann das auch als Drittliga-Aufsteiger.

Platz 2 geht an Sepp Meier, der sich direkt nach dem Ausfall von Marc-André ter Stegen ein Comeback von Manuel Neuer ausspricht. Was eine echte Option wäre, wenn Neuer von Julian Nagelsmann ausgebootet worden wäre. Wenn er sich nach dem Turnier auf ter Stegen als neue Nummer 1 festgelegt hätte... aber Neuer ist zurückgetreten. Von sich aus. Der hat seinen Platz freiwillig geräumt.
Und er hat halt (zumindest theoretisch, denn ob die wirklich so stattfindet, wie geplant, muss man noch sehen) eine Klub-WM vor der Brust. Was aber auch das einzige relevante Turnier ist, dass ter Stegen eventuell verpassen könnte...
Natürlich hat Neuer die Tür für ein Comeback nicht gänzlich geschlossen. "Man sollte so etwas nie ausschließen" ist sein Zitat zu dem Thema. Aber der wird nicht für die Qualifikationsspiele und die Nations League zurückkommen. Bedeutet ganz praktisch: Wenn sich ter Stegen im Januar 2026 schwer verletzt hätte, würde Neuer über ein Comeback nachdenken. Für den, aus seiner Sicht, belanglosen Scheiß wird er sich das nicht antun und geht lieber Skifahren.

Aber selbst das ist noch nicht das Dümmste

Dieser Preis geht an den Überexperten Lothar Matthäus. Dessen Reaktion auf die ebenfalls schwere Verletzung von Rodri war ein: Dann rotiert doch einfach. Ottmar Hitzfeld hat das "bereits Ende der 90er als Bayern-Trainer praktiziert."

Lasst uns mal im Detail auseinandernehmen, warum diese Aussage so unfassbar dämlich ist. Als allererstes muss man da mal eines festhalten: Eine Rotation zur Belastungssteuerung ersetzt keinen Urlaub. Man kann dadurch vielleicht kurzfristige Verletzungen vermeiden, aber die langfristigen Abnutzungserscheinungen werden dadurch nur bedingt vermindert. Auch als Profi braucht man mal so 2-3 Wochen Urlaub, in denen man komplett runterfahren kann. Und dann müsste man eine ordentliche Vorbereitung mit vernünftigem Aufbautraining einschieben. All dies ist mittlerweile praktisch nicht mehr möglich. Also ein Mal alle drei Jahre kann man grob damit rechnen... Das ist einfach nicht gesund.

Das bringt mich direkt zur nächsten Frage: Wann soll Pep Guardiola seinen wichtigsten Spieler raus rotieren? Gegen Chelsea, einem der reichsten Klubs der Welt? Gegen West Ham, die auch 140 Millionen in Ablöse ausgegeben haben? Gegen Brentford, die stark in die Saison gestartet sind? Gegen Inter Mailand, den italienischen Meister? Oder gegen Arsenal London, einem aufstrebenden, direkten Konkurrenten? Einzig gegen den Aufsteiger aus Ispwich Town wäre eine Rotation wirklich möglich gewesen.
Nebenbei... hat Rodri viel ausgesetzt. Bei 2en war er offiziell noch verletzt, gegen West Ham saß er komplett auf der Bank. Und gegen Brentford wurde er zur Pause eingewechselt. Er stand wirklich nur gegen Inter Mailand über die komplette Spielzeit auf dem Platz. Trotzdem hatte sein Körper sofort einen Totalausfall, von dem er sich jetzt 10 Monate lang erholen muss... Also nur um zu verdeutlichen, dass eine Rotation keinen Urlaub ersetzen kann...

Nebenbei hat Guardiola ja auch schon bekannt gegeben, dass er auf den nicht mehr League Cup scheißen wird und da konsequent seine B-Elf aufstellen wird. Der rotiert also schon, wenn er denn kann. Und wisst ihr, was das erste Ergebnis dieser Einstellung "pro Rotation, gegen diesen Pokal" ist? Der Wettbewerb in Deutschland nicht mehr ausgestrahlt wird. DAZN hat die Rechte abgegeben, niemand wollte sie übernehmen. Das ist doch genau das, was alle gewollt haben...

Damit kommt auch ein weiterer, verdammt wichtiger Punkt: Rotieren in der Premiere League ist etwas ganz anderes, als Rotieren in der Bundesliga. In der einen Liga werden die Bayern mit im Durchschnitt 8 Punkten Vorsprung Meister. In der anderen kann man mit 92 Punkten nur Vizemeister werden

2 der 4 Meisterschaften vom angesprochenen Ottmar Hitzfeld wurden mit mehr als 10 Punkten Vorsprung gewonnen. Die anderen waren überraschend knapp. Aber gerade die 2001 Saison beweist, wie viel anders die Bundesliga ist: Bayern wurde mit 7 Niederlagen Meister. Wisst ihr, wie oft sich der Meister in der Premiere League 7 Niederlagen erlaubt hat? NOCH NIE! Und das, obwohl da 20 Mannschaften mitspielen. Zwischenzeitlich waren es sogar mal 22 Teams. Man kann sich in dieser Liga einfach keinerlei Punktverluste erlauben. Wenn man davon ausgehen kann, dass die Konkurrenz schon in Unterhachingen patzen wird, kann man das alles wesentlich entspannter angehen.

Die 5 Niederlagen aus der 1999/2000er-Saison... hätten in der Premiere League letztes Jahr für Platz 4 gereicht. Bayern holte "damals" im Schnitt 2,14 Punkte. Liverpool holte letzte Saison 2,15. Glaubt Lothar Matthäus wirklich, dass Hitzfeld rotiert hätte, wenn die Qualifikation für die Champions League in Gefahr geraten wäre? Oder wenn er damit regelmäßig den Titel verspielen würde? Natürlich nicht. Und ein unglückliches Unentschieden mit dem 2. Anzug gegen Brentford kann dir in England halt die Meisterschaft kosten.

Das ist aber noch nicht alles. Auf die Rotation zu setzen, macht auch einfach mal die Liga kaputt. Ganz praktisches Beispiel: Im Wesentlichen sagt Matthäus, dass die Bayern Marcel Sabitzer behalten sollte, auch wenn sie den eigentlich nur als Rotationsspieler brauchen. Denn als Stammspieler hat er sich ja nicht durchgesetzt. Sabitzer war, auch wenn er für die Bayern keine direkte Bedrohung darstellt, ein verdammt wichtiger Spieler der Dortmunder bei ihrem Husarenritt ins Champions League Finale. Sein Notenschnitt in diesem Wettbewerb lag bei 2,75.

Am Extremsten ist es ja gerade bei Chelsea London, die laut Memes als einzige auf den neuen Rahmenterminkalender vorbereitet sind. Was auch nur bedeutet: Chelsea wurde für ihre "Kaderplanung" entweder ausgelacht oder kritisiert. Und vor allem sitzen jetzt bei Chelsea einige Kandidaten auf der Tribüne, die anderen Vereinen durchaus helfen könnten. Ich verweise ganz direkt auf Ben Chillwell, der für die Liga und Champions League nicht wirklich eingeplant ist, aber überraschend doch im Pokal randurfte... Wenn jetzt alle Champions League Teilnehmer auf 40+X Kader setzen, bedeutet das ganz praktisch, dass der Rest der Liga schwächer wird und die Schere noch weiter auseinander geht.

Die Bayern holen sich ja mittlerweile verdammt viele Ergänzungsspieler aus dem Ausland. Joao Palhinha, Sacha Boey, Eric Dier, Mathys Tel, Ryan Gravenberch, Noussair Mazraoui, Matthijs de Ligt, Sadio Mané und Bryan Zaragoza sein da mal demonstrativ genannt. Gefühlt die Hälfte dieser Spieler sind auch schon wieder weg. Man hat aber allein in den letzten 2 Jahren Alexander Nübel, Sabitzer, Paul Wanner, Armindo Sieb, Frans Krätzig und Jopsip Stanisic an die Bundesliga abgegeben. Wenn auch oft nur auf Leihbasis, Die Stanisic Leihe könnte ihnen die Meisterschaft gekostet haben. Ich habe mich ja mental schon darauf vorbereitet, dass der sich jetzt mit der Rolle als Ergänzungsspieler zufriedengibt und deswegen irgendwann Rekordmeister wird. Weil er als einziger 15 Jahre infolge diesen Titel geholt hat...
Aber wenn man sich anschaut, wie der Wanner gerade in Heidenheim abliefert, dann ist das definitiv etwas Gutes für die gesamte Liga. Wenn die Bayern für die Klub-WM ihren Kader aufblähen müssen, behalten die den, damit er 10 Bundesligaspiele gegen Bochum, Mainz und eben Heidenheim machen kann...

Dazu kommt, als letzte Ebene, dass die Spieler ja nur bedingt Bock auf die Rotation haben. Also klar, aus Loddas Perspektive war das kein Problem, weil er im Champions League Finale seinen Platz in der Startelf sicher hatte. Fun Fact: Der für ihn eingewechselte Rotationsspieler Thorsten Fink begeht den entscheidenden Fehler vor dem 1:1...

Aber ein Sabitzer hatte eben wenig Bock darauf, nur der "Notnagel" für die "unwichtigen Spiele" zu sein. Deswegen ist der nach 1 1/2 Jahren weitergezogen.
Als historisches Beispiel sei hier Ciriaco Sforza erwähnt, der es auch bei seinem 2. Versuch beim Rekordmeister "nur" zum Rotationsspieler unter genau eben Hitzfeld geschafft hat. Der beim schon verlinkten Champions League Finale nicht mal im Kader stand, obwohl er fit war. Nach 2 Jahren ging es zurück nach Kaiserslautern.

Einen Lothar mag das überraschen, dass Profis in den wirklich wichtigen Spielen auf dem Platz stehen wollen. Dass bis auf wenige Ausnahmen, alle irgendwie unzufrieden sind, wenn sie im Finale nur auf der Bank sitzen. Alexander Zickler ist der einzige Name, der mir aus dem Stehgreif einfällt und der diese Rolle perfekt angenommen hat. Alle anderen suchen sich dann nach 2 Jahren einen Verein, der sie in einem möglichen Finale aufstellen würde. Matthäus selbst war ja so überragend, dass ihm das nie passiert ist. Aber ohne den ultimativen Ehrgeiz, dass man im Finale auch spielen will, wird man einfach nicht gut genug, um auf dem Bayern Radar aufzutauchen. 

Seinen Kader an der Rotation auszurichten sorgt also für:
Bedingt zufriedene Spieler, die relativ schnell weiterziehen.
Aufgeblähte Kosten, weil die ja alle trotzdem Millionen verdienen müssen und Millionen an Ablöse kosten.
Eine direkte Schwächung der Konkurrenz.

Gleichzeitig löst sie das Problem mit dem Urlaub, der dringend benötigt wird, nicht. Aber hey, Lodda hat für Gesprächsstoff gesorgt. Genau so wie Meier und Wollitz. Und nur darum geht es am Ende doch.