Montag, 8. April 2024

Worst of des "Nun also auch Heidenheim" Wochenendes

 Oder: Wie man bei einem Charaktertest versagt.

Halten wir mal eines fest: Wenn Bayern einen 2-Tore-Vorsprung bei einem Aufsteiger verspielt und das Spiel trotzdem noch verliert, hat das wenig mit Thomas Tuchel und seinem feststehenden Abgang zu tun. Das ist eine reine Kopfsache der Spieler. Denn die individuelle Qualität ist ja durchaus vorhanden, um, bei allem Respekt, Heidenheim zu schlagen. Um sich nach dem Anschlusstreffer zu straffen, das 3:1 zu erzielen und das Ding souverän nach Hause zu fahren. Ganz früher hätten sich die Bayern von dem Anschlusstreffer so provoziert gefühlt, dass sie denen aus Prinzip 6 Tore eingeschenkt hätten.

Aber dass man sich relativ widerstandslos 2 weitere Tore einschenken lässt... war eigentlich unvorstellbar. Und ich bleibe dabei: Wenn es nur 3 Punkte auf Leverkusen wären, wäre ihnen das auch nicht passiert. 

Jetzt passiert ihnen das direkt nach einer provokanten Brandrede über die mangelnde Einstellung von Führungsspieler Joshua Kimmich. Das ist ja genau die Reaktion, die er sich erwünscht hätte. Also wenn es ihm darum ging, nachzuweisen, dass er keinen wirklichen Führungsanspruch hat. Ich habe ja bereits vor einem Monat angemerkt, dass Kimmich jetzt als Rechtsverteidiger liefern muss. Dass er nachweisen muss, wenigstens für die Rolle als Rollenspieler gut genug zu sein. Sonst wird er im nächsten Sommer durch irgendjemand anderes ersetzt wird. Mittlerweile würde es mich eher überraschen, wenn Kimmich im Sommer bleiben darf. Schließlich kommt Josip Stanisic zurück und alles, was Kimmich auf dem Platz gerade anbietet, hat der doch auch im Angebot. Nur macht der halt neben den Platz nicht das Maul auf, was ihn zum passenderen Spieler für die Bayern machen dürfte.

Das würde nebenbei genau meinen Komiknerv treffen: Stanisic übernimmt zumindest als Teilzeitkraft den Posten als Rechtsverteidiger, spielt da so 20 Bundesligaspiele im Jahr und wird irgendwann alleiniger Rekordmeister... Er dürfte ja diesen Sommer seine 4. Meisterschaft infolge holen. Und danach stehen dann 10 weitere Meisterschaften mit dem FC Bayern an... Dann wird immer erwähnt werden, wie er in dieser einen absurden Saison bei der Konkurrenz gespielt hat. Und dass er für die Champions League nicht gut genug ist und deswegen immer im Viertelfinale Schluss ist, fällt keinem auf, weil die Erinnerung an die eine titellose Saison zu präsent ist. Dass er bei keiner der 14 Meisterschaften ein wirklicher Leistungsträger, sondern immer nur Mitläufer, war, fällt halt keinem auf.

Die wirklich wichtige Frage ist: Fällt das Kimmich selber jetzt auf? Denn, und auch das muss festgehalten werden, es ist ja keine Schande bei den Bayern nur ein Rollenspieler zu sein. Er muss diese Rolle nur auch annehmen. Die ersten ernstzunehmenden Tests nach den einfachen Siegen gegen Mainz und Darmstadt gingen definitiv in die Hose.

Und mittlerweile ist es ja allen bewusst, dass die Bayern neue Führungsspieler brauchen. Das bedeutet aber auch, dass die alten Führungsspieler den Platz räumen müssen. Aber hey, für Dortmund wird es reichen...
Es ist auch wirklich krass, wie extrem der Leistungsabfall nach der niederschmetternden Niederlage gegen Leverkusen war. Also abgesehen von dem mittlerweile überraschenden Sieg gegen RB Leipzig dank des späten Treffers von Harry Kane, hat man wirklich nur gegen Mainz und Darmstadt gewonnen. Also Mannschaften, die nur bedingt bundesligatauglich sind. Und man muss an der Stelle nochmal zwingend feststellen: bis zu diesem Duell mit Bayer, in dem einfach deutlich wurde, dass die Werkself dieses Jahr deutlich besser ist, haben die Bayern eine gute Saison gespielt. Und die hatten ja die Option, die Saison einfach vernünftig und konzentriert zu Ende zu spielen. Aber anscheinend hatten die da so gar keinen Bock drauf. Und das sagt mehr über den Charakter dieser Mannschaft als über ihren Trainer aus.

Aber gut, Platz 2 ist halt nicht der Anspruch der Bayern, da überlässt man den lieber dem VfB Stuttgart.

Die Stuttgarter haben ihren Gratissieg gegen Borussia Dortmund eingefahren. Das klingt jetzt übertrieben... aber beinah jede Mannschaft, die die Bayern schlägt, rutscht doch hinterher in eine Krise. Die einzige Mannschaft, die auch nachlegen konnte, war doch Werder Bremen. (Und ja, selbst Bayer rutschte in eine Ergebniskrise, die haben danach gegen Heidenheim und Mainz "nur" 2:1 gewonnen. Schämt euch!)
Selbst wenn es nicht Dortmund gewesen wären, die ja traditionell nicht nachlegen, wäre es eigentlich erwartbar gewesen, dass Stuttgart dieses Spiel gewinnt. Und wenn Dortmund jetzt die Bochumer Serie nachspielt, ist Platz 4 auch entschieden.

Bochum hat sich aber formell wirklich im Abstiegskampf angemeldet, weil sie gegen die Mannschaft, die im gesamten Spiel weniger Tore erzielt, als Bayer in der Schlussphase, 2 späte Tore kassiert hat. Selbst ein Gegentor hätte quasi zum Klassenerhalt gereicht. Stattdessen herrscht jetzt plötzlich doch Panik. Jetzt wird ernsthaft darüber diskutiert, ob man den Trainer entlassen muss... zum schlecht möglichsten Zeitpunkt. Denn die designierten Dead Coach Bounce Spiele gegen Mainz, Darmstadt und Köln hat man ja gerade hinter sich. Jetzt geht es gegen Heidenhei... nevermind, die sichern sich nächste Woche den Klassenerhalt. Unabhängig davon, ob da Peter Neururer auf der Bank sitzt, oder ob der als Feuerwehrmann in München übernehmen muss... 

Es wäre nebenbei absurd lustig, wenn Bochum absteigt, WEIL sie die Bayern geschlagen haben. Also weil die Fans das Spiel unterbrochen hatten, denn weil Julian Bernat nicht verfügbar war, mussten ja die Tennisbälle als Schuldige für Uli Hoeneß herhalten. Aber ernsthaft: Wenn Bochum gegen die Bayern verliert, wird Letsch vor den Spielen gegen Darmstadt und Köln entlassen. Und dann holt man da mit dem neuen Besen die 4 Punkte, die man gebraucht hätte.

Aber hey, das Spiel gegen Heidenheim ist auf einmal verdammt wichtig. Das ist gut. Denn gerade bei Köln gegen Bochum wurde einem wieder bewusst, wie finster die aktuelle Saison ist. Eigentlich sollten wir die Gefühlsexplosion der Schlussphase derzeit jedes Wochenende bekommen. Momenten, in denen man selbst als neutraler Zuschauer nur mit "WOW!" reagieren kann. Aber davon gab es an diesem Wochenende nur 2. Die Schlussphase in Köln und der wunderschöne Treffer von Guirassy gegen Dortmund.

Drumherum hatten wir mir Frankfurt - Werder, Mönchengladbach - Wolfsburg, Hoffenheim - Augsburg, Bayern - Heidenheim und Union - Leverkusen 5 völlig belanglose Spiele. Wir sind, für diejenigen, die mitzählen, bei 15 dieser Ansetzungen.

Montag, 1. April 2024

Worst of des "Auch du. Dortmund?" Wochenendes.

Wie schlimm ist die Lage? Selbst Borussia Dortmund gewinnt mittlerweile in München. Zum ersten Mal seit 2014 gewinnt die Borussia ein Bundesligaspiel in der Allianz-Arena. Wenn man den Supercup ignoriert (und ich tendiere dazu, sinnlose Spiele zu ignorieren) 15 Pflichtspiele infolge gegen den Rekordmeister nicht gewonnen. Wenn man den Supercupsieg von 2019 hinzuzieht, muss man halt auch die anderen Supercup Niederlagen betrachten... und dann waren es auch 11 sieglose Partien und 10 Niederlagen. Das ist also der größte Herausforderer für den Rekordmeister. Wer solche Konkurrenten hat...

Oder anders ausgedrückt: Seit 2019 haben mit Holstein Kiel und dem 1. FC Saarbrücken ein Zweit- und ein Drittligist genau so oft gegen die Bayern gewonnen, wie die Dortmunder. Aber jetzt, wo es egal ist, ist es ihnen endlich gelungen.

Und wie egal was war, bewiesen die Bayern hinterher: Thomas Tuchel gratuliert zum Titel, ohne dass er sofort entlassen wird. Joshua Kimmich spricht von einem "Freundschaftsspiel". Man habe "quasi das Gefühl gehabt, es geht um nichts"... Ähm... kurzer Realitätscheck: Es geht um nichts. Und es wird auch um nichts mehr gehen. Also außer im Duell gegen die Kölner am 29. Spieltag. In den restlichen Bundesligaspielen treten die Bayern bei Mannschaften an, für die es um wenig bis nichts geht, während die Bayern auf Platz 2 fixiert sind.

Und mit Leverkusen - Hoffenheim, Frankfurt - Union, Mönchengladbach - Freiburg, Bremen - Wolfsburg und Stuttgart - Heidenheim gab es 5 Partien, in denen es in der Summe nur um die theoretische Chance zur Teilnahme der relativ belanglosen Conference League ging. Also um nix. Das war jetzt schon der halbe Spieltag. Insgesamt sind wir bei 11 derartigen Spielen. Auch wenn ich das bereits eingerechnete Bochum Spiel gegen Freiburg vielleicht nochmal revidieren muss, die betteln förmlich darum, doch noch in den Abstiegskampf zu rutschen. Aber damit sind wir immer noch bei bereits 10 belanglosen Spielen nach 27 Spieltagen...

Gerade das Duell Stuttgart - Heidenheim verdeutlicht, wie schlimm die Lage ist. Das war an sich ein großartiges Spiel. Heidenheim holte einen 2-Tore-Rückstand auf, nur um dann die eigene Führung in letzter Minute und Unterzahl wieder abzugeben. Das ist eigentlich das Material für einen Bundesligaklassiker, der auf Jahrzehnte in jede Saisonrückschau gehört. Der bei HisTORie immer wieder ausgepackt wird, wenn die beiden aufeinander treffen. Aber meine Reaktion war ein leichtes Lächeln und ein Schulterzucken.
Wie heftig wären die Reaktionen auf dieses Spiel ausgefallen, wenn beide Mannschaften fürs Erreichen ihrer Ziele dringend einen Sieg gebraucht hätten? Wie viele Spieler beider Mannschaften wären weinend zusammengebrochen, wie es Manuel Riemann dieses Wochenende getan hat, weil sein Patzer den Sieg kostete? So gab es nur ein "hat leider nicht geklappt". Aber realistisch hat man eine weitere Woche rumgebracht und hat immer noch 7 Punkte Vorsprung auf Platz 5.

Wobei, ganz egal war der Klassiker ja doch nicht. Schließlich ist das Rennen um Platz 4 der einzige wirklich spannende Kampf diesseits von Platz 16. Der ehemalige Mainzer Marco Rose dachte sich, dass er seinen ehemaligen Kollegen etwas Gutes tun kann... ein Punkt reicht denen ja, um Boden auf Dortmund gutzumachen. Darauf war ja eigentlich verlass. Aber denkste, die Dortmunder gewinnen einfach.

Dass RB Leipzig nicht gewinnen konnte, lag aber ausschließlich an Robin Zentner. Dieser hat ein überragendes Spiel abgeliefert. Der Torhüter mit der schlechtesten "Paradenquote"  unter den Stammspielern. Mats Hummels liefert gefühlt mehr Paraden als Zentner. Zum ersten Mal seit dem 19. Spieltag der Saison 2021/22 wird der eine 1, in sein Notenheft bekommen. Zumindest gehe ich davon aus, die Kicker-Noten sind noch nicht raus. Das waren 61 Spiele infolge ohne herausragende Leistung. Er dürfte damit der 6. Mainzer in der Elf des Tages werden. Also nur um zu verdeutlichen, dass es absolut nicht abzusehen war, dass Zentner 9 Paraden in einem Spiel abliefert.

Fußball ist halt manchmal einfach absurd. Denn ab und zu wächst dann ein im besten Falle durchschnittlicher Bundesligatorhüter über sich hinaus. Noch absurder wird es, wenn den Leipzigern am Ende 2 Punkte zu Platz 4 fehlen und sie in die Europa League müssen, weil Zentner ausgerechnet gegen sie einen unerwarteten und extrem glücklichen Punkt festhielt. Aber ja, Dortmund hat sich im letzten spannenden Renner in der oberen Tabellenhälfte einen überraschenden und nicht erwartbaren Vorteil erspielt.

Im Abstiegskampf es, mal wieder, den absoluten Stillstand: Die 4 letzten der Tabelle spielten jeweils unentschieden. Das ist einerseits schlecht für Bochum, weil sie zu Hause gegen den Tabellenletzten nicht gewinnen konnten. Andererseits bringt es sie dem eigentlichen Ziel näher, da man immer noch 6 Punkte Vorsprung und 90 Minuten weniger auf der Uhr hat. Das eigentliche Ziel lautet natürlich: Die Klasse mit 12 sieglosen Spielen infolge zuhalten.

Nebenbei haben die letzten 4 in der Tabelle seit dem überraschenden Sieg der Bochumer gegen die Bayern ein einziges Spiel gewonnen. Und das in einem direkten Duell. Das bedeutet in der Summe 1 Sieg in 18 Spielen. Also nur um zu verdeutlichen, wie weit weg von "wirklich konkurrenzfähig" die 4 tatsächlich sind.

Oder um es anders zu verdeutlichen: Bayer Leverkusen hat jetzt 23 Tore in den letzten 10 Minuten erzielt. Das sind mehr Tore, als Köln oder die Mainzer über die gesamte Spielzeit geschossen haben. Nur um festzuhalten, wie gierig und gut diese Werkself ist. Oder wie schlecht die Mainzer und Kölner sind. Aber einer von denen wird am Ende über die Relegation die Klasse halten.

Letzter Nachtrag zum Wochenende: der VfL Wolfsburg hat ja gerade die Kovac-Brüder entlassen. Und was haben sie daraus gelernt? Anscheinend nichts, denn jetzt haben sie stattdessen Ralph Hasenhüttl und seinen Sohn auf der Bank, weil das mit dem Nepotismus so gut geklappt hat. Patricks Qualifikation? Frei nach Fettes Brot: "Ähm... Papa's Sohn."
Also ganz ehrlich: Der Junge kann mit seinen 26 Jahren de facto nur auf eine gescheiterte Karriere als Fußballprofi zurückschauen. Er war zuletzt Ergänzungsspieler bei Hallescher FC. Als Leipziger kann ich dazu nur sagen: Das einzige, was schlimmer ist, als in Halle zu spielen, ist ja in Halle auf der Bank zu sitzen. Und klar, er musste seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen beenden... aber diese Karriere hat ihn am Ende in die Hölle geführt.
Jetzt ist er also 26 und hat nichts Vernünftiges gelernt... außer wie man auf der Bank sitzt. Er hat angeblich noch "die Spielerdenke". Das ist laut seinem eigenen Vater, die einzige Qualifikation. Trotzdem konnte er anscheinend den Marcel Schäfer davon überzeugen, dass er den unbedingt braucht.

Und hey, vielleicht erweist sich Patrick als der nächste Thomas Tuchel oder der nächste Jürgen Klopp. Trotzdem beginnt diese Karriere mit ganz klarer Vetternwirtschaft. Wobei das Blutband hier ja noch viel dicker ist. Wenn es nur der Vetter wäre, würde es niemanden auffallen. Ich bin skeptisch, dass das eine gesunde Grundlage ist, um ein Millionenunternehmen zu führen...

Mittwoch, 27. März 2024

Was für eine Revolutionäre Idee!

 Dass das echt so ungefähr 7 Jahre und 3 Bundestrainer gebraucht hat, um darauf zu kommen... Das hätte man früher mal ausprobieren können.

Hey! Lasst einfach mal die besten Deutschen Spieler aufstellen und dann gucken, was passiert. Lasst das einfach 2 Mal infolge machen, damit die sich einspielen können. Und hinterher alle so "WIR HOLEN DEN TITEL!!!" Wahnsinn.

Das völlig absurde an den ganzen Experimenten ist ja: Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz haben vor dieser Länderspielpause ganze 20 Minuten zusammengespielt. In der 2. Halbzeit gegen die Ukraine wurden alle 3 nacheinander eingewechselt. Das Ergebnis: Havertz erzielte ein Tor und holte einen Elfmeter raus... ohne dass die 3 wirklich harmonierten. Trotzdem wurde aus einem 1:3 noch ein 3:3 gemacht. Die logische Konsequenz: Das machen wir nie wieder, da das Erfolg verspricht. Da stellen wir doch lieber einen Havertz als Linksverteidiger auf.
Also dass Havertz bis vor kurzen mehr Zeit als Linksverteidiger, als gemeinsam mit Musiala und Havertz, verbracht hat,ist völlig absurd.

Als Bonusstatistik: Kroos, Gündoğan und die 3 Riesentalente standen noch nie gemeinsam auf dem Rasen, weil Kroos sich ja eine Pause gegönnt hat. Aber auch nur mit Gündoğan gab es diese Konstellation noch nie, da er das Spiel gegen die Ukraine ausgesetzt hat, weil er zu erfolgreich mit der Vereinsmannschaft war. 

Und wenn man es sich ganz sachlich anguckt, dann sind Wirtz, Musiala, Havertz, Kroos und Gündoğan stand jetzt die individuell besten Offensivspieler des Landes. Und das waren sie auch schon im Sommer 2023. Man kann sich jetzt nur darüber streiten, wer von denen der beste ist. Dafür steht aber fest, dass Havertz der Schlechteste ist. Aber "der Schlechteste" bedeutet hier auch nur: Er hat ein Champions-League-Finale mit einem Siegtor entschieden und ist Stammspieler beim aktuellen Tabellenführer in der Premiere League. Nur um nochmal festzuhalten, dass das vorhandene Potenzial in der Offensive immer noch verdammt hoch ist. Man hat sich aber konsequent geweigert, die Qualität auf den Platz zu bringen. Also die Trainer haben sich konsequent geweigert, das einfach mal zu versuchen.

Natürlich kann Gündoğan nicht auf seiner Idealpositionen spielen, denn eine Doppel-6 mit Kroos wäre schon dicht dran an Harakiri. Und bei Barca ist er ja ins Zentrale Mittelfeld zurückgerückt, dafür hat er aber auch bei Man City nachgewiesen, dass er in offensiverer Rolle funktioniert. Deswegen muss, als nächste logische Konsequenz, ein Havertz in die Spitze rücken, was auch nicht ideal ist. Aber das ist immer noch besser, als einen von denen als Linksverteidiger aufzustellen... oder auf die Bank zu setzen. Denn abgesehen von Wirtz, der seine erste "internationale Saison" spielt, haben diese Spieler alle nachgewiesen, dass sie auf gehobenem Niveau entscheidend agieren können.

Und so sinnvoll es ist, einen wuchtigeren Niclas Füllkrug in der Hinterhand zu haben: Der ist eben individuell nicht auf demselben Niveau, deswegen sollte man ihn auch in der Hinterhand halten.

Die gute Nachricht für alle Franzosen und Engländer: Weil diese Idee jetzt so euphorisierend erfolgreich war, schaffen wir sie direkt wieder ab. Also nicht in der Offensive, aber im Tor. Dort soll nämlich trotz alledem Manuel Neuer im Tor stehen, obwohl ganz sachlich gesehen Marc-André ter Stegen der bessere Keeper ist. Versteht mich nicht falsch, Neuer ist immer noch gut. Aber die Zeiten, in denen er die Unhaltbaren konstant rausfischt, sind irgendwie vorbei. Und dann werden wir alle entsetzt gucken, wenn er den unhaltbaren im entscheidenden Moment nicht pariert. Oder vielleicht auch bei einem eventuell haltbaren unglücklich aussieht. Dabei hätte man doch aus dem letzten Heimturnier was lernen können...

Apropos, da fällt mir dann auf: Die spielen einfach nur das Sommermärchen von 2006 nach. Also falls ihr euch an den Film dazu erinnert: Der beginnt ja quasi ein halbes Jahr vor dem Turnier mit einer enttäuschten Mannschaft nach einem Freundschaftsspiel. Und ganz Deutschland war im "Wir scheiden eh nach der Vorrunde aus" Modus. Oder um einen der größten deutschen Lyriker zu zitieren: "Zuerst haben alle gedacht, dieser Klinsmann spinnt, als er sagte, wir wollen das Turnier gewinnen." Dann reichten aber einige wenige gute Spiele, um eine absurde Euphorie im ganzen Land auszulösen. So wie wir jetzt auch wieder im "Da kann doch was gehen" Modus sind... Was will ich damit sagen? Bestellt schonmal die Trikots des italienischen Linksverteidigers, die könnten im Sommer plötzlich ausverkauft sein...

Montag, 25. März 2024

Das traurigste ist ja, dass sich der Hass jetzt so offenbart.

 Das alles ohne irgendwelche Hemmungen. Und immer auf Kosten von Minderheiten oder fremden Menschen. Wir sind halt als Nation anscheinend doch homophobe und fremdenfeindliche Arschlöcher. Wer hätte das gedacht?

Wobei man hier natürlich sachlich einschieben muss, dass der sehr laute Teil der Gesellschaft sich jetzt öffentlich demaskiert und als homophobes und ausländerfeindliche Arschlöcher outen. So funktioniert das Internet halt: Es ist ein Katalysator für Hass und alles Schlechte in der Welt. 

Meine beiden "Lieblingsmemes" sind ja folgende: Die Aufstellung der 90er-Mannschaft mit dem Spruch: Das war noch eine richtige deutsche Mannschaft mit deutschen Trikots. Und erfolgreich... obwohl Bodo Illgner ein Trikot getragen hat, welches überraschend dicht am aktuellen Design ist. Andere haben dasselbe Bild, mit Zoom auf den Torhüter, genutzt, um darauf hinzuweisen, dass man "in solchen Trikot" durchaus Weltmeister werden kann.

Das 2. besteht aus dem guten Arier mit griesgrämigen Blick und dem Spruch "Von der 50er bis in die 90er". Daneben dann der Schönling, der sich im pinken Trikot die Haare macht, mit einem "... und heute."

Das zeigt auch einfach nur, wie dumm diese Menschen sind. Und das ist keine Übertreibung. Nehmen wir mal die 72er-Nationalmannschaft, die in diesem Bild zu den "guten Ariern" gezählt wird. Und das ist keine willkürliche Auswahl, weil sie von einigen als "die beste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten" betitelt wird. Noch besser, als die 74er-Weltmeisterelf. Was nebenbei beweist, dass es definitiv die erfolgreichste Generation war. 

Aber die 72er-Elf soll noch besser gewesen sein, weil sie den wesentlich schöneren Fußball gespielt haben. Denn die 74er haben sich durchs Turnier gequält. Sie haben gegen die DDR verloren und unterwegs den Trainer entmachtet. Und sie haben gegen bessere Holländer gewonnen. Mit anderen Worten: Sie waren so richtig Deutsch. Aber die 72er-Mannschaft war auf einem anderen Level. Die verzauberten die Fans und den Gegner.

Angeführt wurde sie von Franz Beckenbauer. Den nannte man nicht "den Kaiser", weil er so rustikal zu Werke ging, sondern weil er mit einer einzigartigen Eleganz und Gelassenheit die Außenrisspässe zelebrierte.

Man hatte Günter Netzer im Mittelfeld. Ein Rebell. Eine Stilikone. Der Mann hat nebenbei "Lover's Lane" als Nachtklub betrieben und dicke Schlitten gefahren.

Man hatte den fukking Afro von Paul Breitner. Das waren alles Schönspieler und Stilikonen. Hätte es damals schon sozialen Netzwerke gegeben, wären sie nach jedem Spiel "Schwuchteln" beschimpft worden. Bei einem Sieg durch die gegnerischen Fans... und bei einer Niederlage halt von den eigenen.

Nehmen wir als Nächstes die wehende blonde Mähne, mit der Jürgen Klinsmann die Niederländer durcheinanderwirbelte. "Damals" war genau dieser Haarschnitt halt der neuste Scheiß, deswegen haben die Fußballer sie getragen. Oder es war der heiße Scheiß, weil die Fußballer so aufliefen. Aber auch Klinsmann trug eben nicht den militärisch korrekten 3 mm Schnitt. Und auch der wird sich bewusst dafür entschieden haben, die Haare genau so zu tragen und er wird sie entsprechend gepflegt haben. Nur haben wir uns halt als Gesellschaft weiterentwickelt. Damit sind die rebellischen Haare von damals nichts Besonderes mehr. Das verdeutlicht sich ja nirgends so gut, wie an dem Pilzkopf, den Netzer damals getragen hat. Als Anlehnung an die Beatles, falls das nicht offensichtlich ist. Dass das "damals" als "obszön" gilt, kann man anscheinend niemanden mehr erklären, denn selbst die Leute, die dabei waren, haben es mittlerweile vergessen. Mich würde es ja wirklich freuen, wenn zum Beispiel ein Uli Hoeneß da mal auf den Tisch hauen würde und für alle deutlich feststellt, dass auch die angeblich guten Generationen teilweise aus Rebellen und Stilikonen bestand.

Das ist nebenbei das wirklich faszinierende: Es wird entweder darüber gejammert, dass es keine echten Charaktere mehr gibt und alles so weichgespült wirkt. Die Aussagen werden vom Berater diktiert, alle spielen denselben Stiefel und keiner traut sich mehr was. 5 Minuten später regen sich wahrscheinlich dieselben Menschen darüber auf, dass Fußballer mit bunten Haarschnitten und Tätowierungen ihren Charakter zum Ausdruck bringen. Und wir lachen über das Kurzzeitgedächtnis von Goldfischen...

Die aktuelle Generation an Fußballnationalspielern hat ein einziges Problem: Sie haben 3 Turniere infolge kein einziges K.O. Spiel gewonnen. Eine derart desaströse Bilanz hat es noch nie gegeben. Also um das mal festzuhalten: Die warten seit dem 2.7.2016 auf einen Sieg in der K.O. Phase. Selbst "damals" brauchte man das Elfmeterschießen, statistisch gesehen war das ein Unentschieden... Und ja, ich ignoriere den Confed Cup, weil selbst die Fifa eingesehen hat, dass dieses Turnier belanglos ist.

Die nächste Chance zum Ausmerzen diese Scharte, gibt es planmäßig am 29.06.. Wenn die Humor haben, werden sie "nur" Dritter in der Gruppe und spielen dann am 2.7. gegen den Sieger der Gruppe E. Dann wären es auf den Tag genau 8 Jahre. 2922 Tage. Das hat es in der Nachkriegszeit noch nie gegeben. Also seit wir den Fußball als Kriegsersatzdroge gefunden haben.

Nur deswegen wird die deutsche Mannschaft jetzt für jeden Scheiß angefeindet. Wenn die erfolgreich spielen würden, wäre allen alles egal. Jetzt wird ihnen vorgeworfen, dass sie sich aufs Spielen konzentrieren sollten, anstatt ständig politische Nebenkriegsschauplätze aufzumachen... so als hätten die Spieler dieses Trikot designt. Die Idioten sind es, die hier den Nebenkriegsschauplatz aufmacht, weil ihr politische Bedeutung sucht, wo es keine gibt. Und weil sie sich durch pinke Trikots in eurer Männlichkeit bedroht fühlen.

Der letzte faszinierende Nachtrag für mich ist ja, dass bei diesem ganze "erfolgreiche Ariermannschaften" Gelaber die 2014er-Generation komplett außen vor gelassen werden muss. Und das, obwohl sie eine der erfolgreichsten Generationen aller Zeiten war. Die haben 5 Turniere infolge mindestens im Halbfinale gestanden. Von der Heim-WM 2006 bis zum Titel 2014. Diese Bilanz kann sich mit den 70er Jahren vergleichen. Und die Mannschaft stand für ein neues, modernes Deutschland. Und sie beweist halt nebenbei, dass die ganzen "Migranten" eben nicht das Problem sind. Man kann mit Podolski, Klose, Boateng, Khedira, Gomez, Mustafi und Özil erfolgreichen Fußball spielen.

Die sind nicht das Problem, Oliver Bierhoff war es eher. Und der Fakt, dass die Nationalmannschaft allgemein schlecht gemanagt wird... und das, wohl sie doch ausschließlich von alten, richtig deutschen Männern gemanagt wird. 

Random Fun Fact: Die 2014er-Weltmeister hatten mehr Spieler, die nicht in Deutschland geboren wurden (Klose und Podolski halt), als die aktuelle Generation... Denn selbst Jamal Musiala, der zur Hälfte Engländer ist, wurde in Stuttgart geboren. Und falls das nächste Mal jemand mit einem "Danke Merkel" um die Ecke kommt, weist bitte darauf hin, dass die Eltern der aktuellen (und auch der U-19 Europameister Mannschaft) Generation lange vor Merkel eingewandert ist. Und dass all diese Spieler auf deutschen Boden geboren wurden.

Dass die deutsche Nationalmannschaft nicht mehr so arisch aussieht, wie in den 90ern und vorher, liegt halt an der fortschreitenden Globalisierung. "Wir" haben halt von den zahllosen Gastarbeitern, die wir ins Land geholt haben, profitiert. Ein nicht unwesentlicher Teil unseres Reichtums basiert auf diesen billigeren Arbeitskräften. Teilweise bis heute, denn guckt mal auf die Spargelfelder oder in die private Altenpflege. Ein Sohn italienischer Gastarbeiter hat uns das schon 1992 vorgerechnet... Aber "wir" dachten anscheinend wirklich, dass "die" dann nach getaner Arbeit wieder nach Hause gehen, und nicht, dass die hier Familien gründen. Was erlauben die sich? Das war so nicht abgemacht! Aber genau deswegen ist "unsere Nationalmannschaft" jetzt so "bunt". Das ist einfach nur eine logische Konsequenz aus der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten 50 Jahre.

Donnerstag, 21. März 2024

Schwarz war leider ausverkauft.

 Es ist faszinierend, wie leicht man in diesem Land einen Shitstorm auslösen kann. Und dann regen sich alle darüber auf, dass man ja gar nichts mehr sagen darf, obwohl anscheinend jeder Dahergelaufene laut sagen darf, dass er das neue Trikot Scheiße findet. Schon schön.

Lasst mich mal eines ganz offensichtlich festhalten: Niemand wird schwul, weil er in diesem Trikot spielt. Gut, haben wir geklärt. Es wird auch niemand schwul, wenn er eine Mannschaft in diesem Trikot anfeuert. Aber dieses Design ist, was dann meine einzige Kritik am DFB ist, kein "Symbol für Vielfalt". Denn nur weil ich ein pinkes T-Shirt mit der Aufschrift "Schwarz war leider ausverkauft" trage, solidarisiere ich mich nicht mit der LGBTQ+ Community. Ich trage dann einfach nur ein pinkes T-Shirt mit einem dummen Spruch drauf.

Das "Pink Triangle" ist zum Symbol der Schwulenszene geworden, weil die Szene das für sich eingenommen hat, nachdem, wer auch sonst, die Nazis damit die Schwulen in den KZs gekennzeichnet hat. Da sind wir wieder beim "Man kommt in 3 Klicks zu Adolf Hitler" Spiel. Wer glaubt, dass alles, was Pink ist, sich mit der LBGTQ+ Szene solidarisiert, glaubt auch, dass alles, was Braun designt ist, automatisch Rechtsextrem sein muss, weil die Nazis damals Braun getragen haben. Und ich habe mir das Trikot nochmal genau angeguckt, aber keine pinken Dreiecke gefunden.

Die eigentliche Wahrheit hat Oliver Bierhoff ausgesprochen: Man hat sich für dieses Design entschieden, weil man möglichst viele Trikots verkaufen will. Deswegen wurde auch der Beste nominiert, damit man sich jetzt das Trikot mit der 23 und dem besten Namen beflocken lassen kann. Der hat seinen Platz im endgültigen Kader sicher. Das scheint auch ganz gut zu funktionieren, denn die angeblich große Masse, die sich so laut darüber aufregt, ist am Ende doch nur eine Minderheit.

Dieses Trikot ist im Kern einfach nur eines: ziemlich cool gemacht. Also bisher mussten wir ja immer neidisch auf die Nigerianer gucken, wenn es um geil designte Trikots, die zum Verkaufsschlager wurden, ging. Persönlich würde ich ja behaupten, dass man zum ersten Mal nicht wie ein kompletter Idiot aussehen, wenn man ein Deutschland Trikot trägt. Das ist aber mein persönliches Problem mit allen Ausdrucksformen des Nationalstolzes.
Das mit den mutigeren und kreativen Designs scheint nebenbei ein neuer Trend zu sein, schließlich ist das neue englische Trikot lila. Belgien hat bei Tim und Struppi geklaut. All das bricht auch mit angeblichen Traditionen, löst aber anscheinend keinen Shitstorm aus

Nebenbei, das geht dabei auch ein wenig unter, reden wir hier von dem "Auswärtstrikot", welches wir bei einer Heim-EM, falls alles nach Plan läuft, nie sehen werden. Also vielleicht gegen die Schweiz... Aber die spielen in Rot, da kann man beim Weiß bleiben. Dann noch in einem eventuellen Viertelfinale. Und wenn die das erreichen, betäuben wir unsere Farbrezeptoren mit Alkohol und kommen gar nicht mehr dazu, über die Trikotfarbe nachzudenken.

Und für die Traditionalisten unter uns, die unbedingt ein klassisches Deutschland Trikot in Weiß mit Schwarz-Rot-Goldenen Farbelementen brauchen: kauft doch einfach das Heimtrikot. Denn obwohl die Hauptattraktion und der eigentliche Verkaufsschlager ja genau in deren Schema passt, behaupten die trotzdem, dass der DFB nur noch und ausschließlich Politik für eine modebewusste Minderheit macht und sie komplett vergessen hat...

Und nur um das mal festzuhalten: Bei den Auswärtstrikots hatte man schon immer etwas mehr Freiheit bei der Gestaltung. Das war ursprünglich Grün. Danach dann hauptsächlich Rot. Wenn man jetzt zu den Grünen Trikots zurückkehren würde, würde man doch all die Idioten, die sich jetzt aufregen, hinter diesem Trikot dann eine linksgrünversiffte Symbolpolitik vermuten würden. 

Aber guckt euch doch einfach mal das verdammt hässliche, giftgrüne Design von der WM 1990 an... Und dann vermeidet es auf jeden Fall, nach rechts zu blicken, denn dann könnte man auf die Idee kommen, dass das neue Auswärtstrikot eine Hommage an das Bodo Illgner Trikot von 1990 ist... nur um zu beweisen, dass man in derartigen Trikots durchaus Weltmeister werden kann.

Faszinierender Weise wird die "Shitstorm Fraktion" jetzt die Verkaufszahlen antreiben. Denn es gibt ja keine schlechte Presse. Und natürlich wird diese Fraktion dann laut "Fake News" brüllen. Denn hierbei muss ja etwas extrem wichtiges bedacht werden: Die vergleichen die jetzigen Verkaufszahlen nicht mit den 1,5 Millionen verkauften Heimtrikots vor der WM 2014. Die vergleichen das mit den anderen Auswärtstrikots. Und jetzt überlegt selber mal, wie viele Menschen in den hässlichen grünen Dingern ihr wirklich gesehen habt. Genau.

Und ja, der eine oder die andere wird sich denken: jetzt erst recht! Ich hole mir extra das Auswärtstrikot, um den Idioten den Fick Finger zu zeigen. Meinen letzten Fußball-Fanartikel habe ich aus genau diesem Grund gekauft. Alles, was die wirklich erreicht haben, ist ja mehr Aufmerksamkeit. Also abgesehen davon, dass sie nachgewiesen haben, wie rückständig dieses Land immer noch ist, weil man ihnen erklären muss, dass Pink wenig mit der LBGTQ+ Community zu tun hat. Scrollt jetzt nach oben und lest den Artikel in einer Endlosschleife... Denn es ist faszinierend, wie...

Dienstag, 19. März 2024

Eigentlich ist es doch nur schön.

 Zu schön, um wahr zu sein. Der SC Freiburg und Christian Streich halt.

Streich beendet jetzt im Sommer seine Karriere selbstbestimmt. Der hat ja mittlerweile auch alles erlebt, was man in dem Verein erleben kann. Und wenn man seine Arbeit als Jugendtrainer hinzuzieht, hat er auch genügend Titel gewonnen. Der SC Freiburg hat genügend Zeit, um mit Julian Schuster einen Nachfolger zu finden. Und das allerwichtigste: Beide gehen in Frieden und Eintracht auseinander. Und Streich hinterlässt ein bestelltes Feld mit einem mehr als bundesligatauglichen Kader.

Man beendet die Ära mit einer guten, aber nicht überragenden, Saison, was auch für den Nachfolger gut ist, da er sich nicht auch noch an kurzfristig überhöhten Erwartungen messen lassen muss. Sondern nur den besten Trainer aller Zeiten ersetzen, was natürlich schwer genug wird.

Aber das ist alles so was von keine Selbstverständlichkeit. Selbst für Streich persönlich nicht, schließlich wäre der fast mal gewechselt. Zu Schalke 04. Das wären spannende 9 Monate geworden. 

Man muss das nur mal mit der persönlichen "Konkurrenz" von Streich vergleichen. Fangen wir beim Offensichtlichsten an: Volker Finkes Abgang wurde im Dezember 2006 bekannt gegeben... Als der SC Freiburg auf Platz 13 stand. Das klingt wie eine Überreaktion, bis einem bewusst wird, dass es Platz 13 in der 2. Liga war. Die standen kurz davor, in den Abstiegskampf im Unterhaus zu geraten. Und der Wiederaufstieg gelang erst in der 4. Zweitligasaison. Anders ausgedrückt: Das Ende der Ära Finke fällt in die schlechteste Phase, die der SC Freiburg in diesem Jahrtausend erlebt hat... Es war das erste und bisher einzige Mal, dass der SC Freiburg den Wiederaufstieg verpasste. Natürlich versuchten die Fans den Vorstand umzustimmen, aber sachlich gesehen musste Finke einfach entlassen werden, damit es beim SC Freiburg wieder aufwärts gehen kann.

Otto Rehagel, der den Bundesligarekord mit Werder Bremen aufgestellt hat, ging ebenfalls selbstbestimmt... direkt zum größten Widersacher nach München. Er ging auch, weil Werder ihm nicht die personellen Wünsche erfüllen konnte. In seinem letzten Spiel für Werder verspielte er ausgerechnet im Olympiastadion die Meisterschaft... nur um dann herauszufinden, dass König Otto so gar nicht nach München passt. Ein harmonisches Ende sieht definitiv anders aus.

Aber immerhin ging er, als Werder noch wettbewerbsfähig war. Thomas Schaaf verpasste irgendwann als Trainer den Anschluss an die neueren Entwicklungen und Werder darauf hin auch den Anschluss an die Spitze. Schaaf war es, der die Entwicklung zum Abstiegskandidaten einleitete, andere vollendeten diesen Weg dann nur. In seiner letzten Rückrunde holte man nur 2 Siege. Schaaf trat vor dem 34. Spieltag zurück. 83 Tage, bevor er Rehagels Rekord eingestellt hätte. 

Werder hielt zu lange an der einstigen Ikone fest und konnte sich davon nie erholen. Trister kann eine derartige Traumehe eigentlich nicht enden... Es sei denn, man holt, nachdem man wieder viel zu lange mit der Entlassung von Kohfeldt gewartet hat, Schaaf als Feuerwehrmann für den letzten Spieltag zurück, um mit einem 2:4 den Abstieg zu besiegeln. Natürlich entscheidet sich Werder für die 2. Option.

Bleibt natürlich noch Frank Schmidt in Heidenheim. Aber was dort passiert, widerspricht eh jeder Logik. Was da abgeht, würde bei Anstoss 3 als unrealistisch eingestuft werden.
Aber wo wir schon bei aktuellen Namen sind: auch Steffen Baumgart und Urs Fischer wurden am Ende eiskalt entlassen, als sie ihren Mannschaften keine Impulse mehr geben konnten. Bo Svensson wurde ebenfalls unter Tränen entlassen... musste aber entlassen werden, damit man überhaupt eine Chance hat.

Streich klebt jetzt nicht an seinem Stuhl. Er jagt keine eigentlich irrelevanten Rekorde. Die 1000 Tage, die ihm auf Finke fehlen, sind halt auch ein Brett. Er geht, bevor die Geschichte eine tragische Wendung nehmen kann. Er konnte den Betriebsunfall Abstieg so schnell reparieren, dass sich niemand mehr daran erinnern kann, dass Freiburg überhaupt mal abgestiegen ist. Stattdessen erreichte er zuletzt 2 Mal in Folge den Europacup. Und man wird sich völlig zurecht ausschließlich an die guten Zeiten erinnern... weil das ganze halt auch in einer guten Zeit endet.

Das ist ein wunderschönes, aber auch völlig absurdes Ende.

Montag, 18. März 2024

Da guckt man mal eine Woche lang nicht hin

 Also ganz ehrlich: Ich habe den 25. Spieltag ja komplett ausgesetzt. Ich habe so gar nichts davon gesehen, denn als ich gerade die Zeit gehabt hätte, um den Spieltag in der Mediathek nachzuholen, habe ich doch lieber die Welt in Baldurs Gate 3 in die Verdammnis geführt. Fühlte sich irgendwie wichtiger an.

Und dann gucke ich am Samstagabend Sportschau... und heute nach dem Aufstehen fix den Rest. Und dann fällt mir auf: Ich habe wirklich nichts verpasst. 

Vorne manifestieren sich die Fronten mit jedem Spieltag mehr. Die Bayern sind wieder in der Spur. Das ist für Arsenal schlecht, aber für die Liga bei 10 Punkten Rückstand vollkommen egal. Stuttgart marschiert überraschend souverän durch die Liga. Aber gerade das 0:3 der Hoffenheimer zeigt mein persönliches Problem mit der Liga: An sich war das, was Stuttgart da angeboten hat, richtig geiler Fußball. Tolle Kombinationen, hohes Tempo und eine fahrlässige Chancenverwertung: Was will man mehr? Trotzdem saß ich irgendwie da und dachte: Ist nett anzuschauen, aber irgendwie belanglos. Wie ein Ubisoft-Spiel. Und am Ende ist die Diskrepanz zwischen den ersten 5 und dem Rest der Liga so groß, dass es keine Überraschung ist, dass Hoffenheim im eigenen Stadion chancenlos ist.

Natürlich muss der VfB noch zu den ganz schwierigen Aufgaben: Dortmund, Bayern und Bayer stehen noch im Kalender. Der April könnte spannend werden... das ist aber noch ein Weilchen hin.

RB und Dortmund marschieren derweil weitestgehend im Gleichmarsch. Gerade die letzten beiden RB Auswärtsspiele liefen irgendwie identisch ab: Die haben sich den Spaß eine Stunde lang entspannt angeguckt und dann kurz das Tempo angezogen... Und dann zwischen der 62. und der 72 Minute jeweils 3 Tore geschossen, um für klare Verhältnisse zu sorgen. 

Die Borussia steht nebenbei vor einem großartigen April. Also der beginnt am 30.3. bei den Bayern. Dann stehen Stuttgart, Gladbach, Bayer und RB auf dem Menü... und 2-mal Atlético Madrid. Wenn deine schlechteste Partie ein absoluter Bundesliga-Klassiker ist, hast du viele großartige Spiele vor der Brust. Und genau da wird sich auch dann entscheiden, ob wir bis zum Sommer wenigstens ein spannendes Rennen um Platz 4 bekommen. Andererseits werden wir dann auch erfahren, ob Platz 5 für Dortmund reicht.

Im Keller hat der VfL Bochum hat nach 4 Niederlagen in Folge jetzt 2 Punkte weniger Vorsprung auf den Relegationsrang als vorher. Die drohen echt in die "Wir gewinnen nach dem Sieg gegen die Bayern gar nichts mehr" Falle zu tappen. Und dann könnte es auch echt nochmal eng werden. Andererseits spielen sie als Nächstes gegen Darmstadt und Köln. Ob es also "ernst" wird, erfahren wir direkt nach der Länderspielpause. Und ganz realistisch gesehen hat "die Konkurrenz" jetzt 2 Spiele weniger Zeit um sie noch abzufangen. 

Diese Konkurrenz aus Mainz und Köln haben die Plätze getauscht. Was meiner Meinung nach bis zum 34. Spieltag immer wieder mal passieren wird. Beide sind halt gleich schwach. Am Ende wird entscheidend sein, wer gegen die Mannschaften, die den Spielbetrieb quasi schon eingestellt haben, mehr Punkte holt. Das halte ich persönlich für noch wichtiger, als das direkte Duell. Um mal ganz weit vorauszuschauen: Am letzten Spieltag spielen die einen in Wolfsburg und die anderen in Heidenheim. Die Wolfsburger werden da schon ihre Spinde ausgeräumt haben und warten nur noch darauf, dass sie so schnell wie möglich in den Urlaub fliegen dürfen. Die Heidenheimer könnten als richtiger Dorfklub die Saison nicht ganz nüchtern ausklingen lassen. Und in denselben Rechtecken werden die Mainzer und Kölner um ihr Leben kämpfen. Das wird ganz groteskes Kino.

Wolfsburg hat ja tatsächlich so viel Angst vor einer Aufholjagd der Mainzer, dass sie es jetzt doch mal mit einem richtigen Trainer versuchen werden... Und nicht mit dem zweitschlechtesten Meistertrainer seit Armin Veh. Eigentlich wollte man die Saison noch irgendwie gemeinsam zu Ende bringen, aber es wäre ihnen wahrscheinlich doch peinlich, wenn sie die Klasse dann mit 19 sieglosen Spielen infolge halten. Ich hätte das natürlich gefeiert, aber die Wolfsburger verzichten auf diese historische Chance.

Nebenbei muss man hier nochmal festhalten, dass die in der Rückrunde immer noch sieglos sind... und trotzdem nicht die schlechteste Rückrundenmannschaft stellen. Nicht nur das, sie haben auch nur 2 beziehungsweise 3 Punkte weniger geholt, als Köln und Mainz. Es ist völlig absurd, wie schlecht man derzeit abschneiden kann, ohne in den direkten Abstiegskampf zu rutschen. Mich würde es nebenbei nicht mal überraschen, wenn die 25 Punkte in der Theorie am Ende reichen könnten. Das "in der Theorie" ist dabei kompliziert, weil Mainz und Köln ihre Spiele gegen Wolfsburg und Bochum verlieren müssen, damit sie nicht auf mehr als 25 Punkte kommen. Aber ich bin absolut davon überzeugt, dass 28 Punkte für den direkten Klassenerhalt reichen werden. Das sind Leistungen, die selbst dem HSV peinlich wären.

Persönlich stelle ich halt gerade fest, dass es mir noch nie so egal war, wie der Bundesligaspieltag abläuft. Deswegen kann ich auch ganz schlecht etwas Neues schreiben, weil es ja einfach ganz sachlich gesehen nichts Neues gibt. Und klar, so eine Phase ist im März nicht soo ungewöhnlich, weil sich die Tabelle da endgültig sortiert. Am Ende bringen sich bis Mitte April alle nur in Position für ihren Endspurt. Aber sonst stecken halt 4 Mannschaften realistisch im Abstiegskampf, nicht nur 2. Dadurch kommt dann doch jede Menge Würze in die eher trostlose Suppe.

Dazu kommen wir natürlich von diesem extremen emotionalen Hoch des nicht hochklassigen, aber unfassbar spannenden Meisterschaftskampfes. Also letztes Jahr um diese Zeit hat man jeden Sonntag gespannt auf die Tabelle geguckt, weil es ständig passieren konnte, dass der Tabellenführer wechselt. Jetzt könnte Leverkusen 3 Spiele infolge verlieren und würde trotzdem garantiert weiter oben stehen. Das nimmt halt auch unfassbar viel Spannung raus, auch wenn es eigentlich unfassbar geil ist, was Leverkusen da anbietet.

Dazu kommt, dass letztes Jahr mit Hertha, Schalke und Stuttgart 3 Traditionsvereine den Abstiegskampf dominierten. Das sind halt auch Vereine, die selbst dann eine Menge Emotionen auslösen, wenn man kein Fan von ihnen ist. Wenn jetzt am Ende Mainz und Darmstadt absteigen sollten, wird das einfach nicht denselben Effekt haben.