Montag, 15. Mai 2023

Worst of des "Ist irgendwas passiert?" Wochenendes

 Nicht wirklich. Am Ende war das ein Wochenende des Stillstandes.

Ganz vorne sind Bayern und Dortmund mit souveränen Heimsiegen im Gleichschritt marschiert. Ob Dortmund Meister werden kann, entscheidet sich praktisch am nächsten Wochenende, wenn RB Leipzig in der Allianz-Arena zu Gast ist. Und die Dortmunder dachten, es wäre moralisch schwierig, auf einen Schalker Sieg zu hoffen.

Dann hat der SC Freiburg sich ganz souverän mit einer Niederlage das Ticket für die Europa League gesichert. Und Union Berlin ist einen entscheidenden Schritt Richtung Champions League gegangen. Aber jetzt mal ganz ehrlich: Ist es wirklich relevant, wer von den beiden am Ende Vierter wird und nächstes Jahr in der Königsklasse verprügelt wird? Beide spielen doch jetzt schon die beste Saison der Vereinsgeschichte. Also selbst als Freiburg damals Dritter wurde, holten sie nur 46 Punkte. Auch wenn das fairerweise noch vor der Einführung der 3 Punkte für einen Sieg war. Aber es ist zumindest die beste Saison dieses Jahrtausends.

Egal, wie das am Ende ausgeht: Beide werden von einer großartigen Saison reden. Und auch wenn es RB wird: Am Ende ist es auch gut für den deutschen Fußball, dass nur einer der beiden in die Königsklasse einzieht. Allein schon, weil beide in Lostopf 4 landen könnten und damit vor einer richtig schweren Gruppe stehen.

Im Keller geht für die Hertha langsam das Licht aus. Aber da könnte ja eh so richtig das Licht ausgehen. Aber ja, die hätten gegen Köln punkten müssen, haben sich aber lieber von ihrem ehemaligen Stürmer Davie Selke abschießen lassen.
Ansonsten hat nur Bochum sein 6-Punkte-Spiel gegen Augsburg gewonnen. Für den Rest gab es relativen Stillstand, wie sich das ja eigentlich gehört. Damit hat sich die Ausgangslage für Stuttgart, Schalke und Hoffenheim nicht wesentlich verändert: Ein Sieg aus den letzten 2 Spielen könnte reichen, aber man braucht eher 4 Punkte, um auf der sicheren Seite zu stehen.

Nur so als Gegenbeispiel: In der 2. Liga haben Bielefeld, Nürnberg, Braunschweig, Rostock und Fürth gepunktet. Also alle Mannschaften, die theoretisch noch im Abstiegskampf stecken. Damit wird es für Regensburg und Sandhausen richtig finster und sie haben nur noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt über die Relegation. Gleichzeitig teilten sich St. Pauli und Düsseldorf die Punkte und sicherten damit dem HSV faktisch zumindest die Teilnahme an der Relegation. Und Paderborn machte in Heidenheim das Rennen um die direkten Aufstiegsplätze wieder spannend. So sieht ein 32. Spieltag, an dem auch wirklich was passiert ist, aus.

Im Wesentlichen hat dieser Spieltag also, abgesehen für Bochum, nur 90 Minuten von der Uhr genommen. Alle Mannschaften haben jetzt etwas weniger Zeit, um ihre Ziele vielleicht noch zu erreichen. Oder sie haben die Zeit bis zum Saisonende ohne größere Verletzungen rumgebracht.

Als dritte Option hat Borussia Mönchengladbach sich souverän in eine Trainerdiskussion gespielt, weil sie in der ersten Halbzeit halt nur physisch anwesend waren. Ich finde es ja immer lustig, wenn Spieler hinterher im Interview behaupten, dass der Trainer die Mannschaft noch erreicht, obwohl sie das auf dem Platz nicht wirklich angedeutet haben...

Schön war es trotzdem, um das nochmal kurz festzuhalten. Wir hatten 2 Panenka-Elfmeter, ein Marco van Basten Gedächtnistor und ein Tor mit der Hacke. Insgesamt sind in 5 Spielen mindestens 5 Tore gefallen. Und als Bawful Bonus Feature qualifizierte sich Joshua Vagnoman für den Titel "Gomez der Woche." Wenn Stuttgart am Ende 2 Punkte zum Klassenerhalt fehlen, könnte das sogar der "Gomez des Jahres" werden, aber zum Glück haben Fußballfans ein extrem beschissenes Gedächtnis.

Also ehrlich: Wenn er am 34. Spieltag diese Großchance auslässt, würde der Fehlschuss in einem Atemzug mit Frank Baumann 1999 genannt werden. Da es aber "nur" der 32. Spieltag ist, wird er noch nicht mal in der Saisonzusammenfassung auftauchten.

Donnerstag, 11. Mai 2023

Abstiegskampf ist so absurd - Eine Fallstudie

 Was einem besonders auffällt, wenn man wirklich hinguckt.

Und an der Stelle fällt mir halt auch wieder auf: Ich gucke relativ wenig Fußball live. Vor allem verfolge ich selten einen einzelnen Verein über mehrere Spiele am Stück. So fallen mir halt nur die mega offensichtlichen Dinge wie Paris St. Germains planloses Pressing auf, wenn ich direkt danach Arsenal London gegen Manchester City gucke. Also wie krass das Problem ist, fällt mir nur deswegen auf.

Aber der eine Verein, den ich in der Rückrunde wirklich verfolgt habe, ist halt Hansa Rostock. Einfach nur, weil ich gebürtiger Rostocker bin und weiß, was der Verein für die Region bedeutet. Und Hansas Saison könnte, egal wie sie ausgeht, halt ein Lehrbuchbeispiel für einen "ganz normalen Abstiegskampf sein".

Zunächst mal sah alles gut aus, bis man die Trainerlegende Jens Härtel entlassen hat. Und ja, den als Legende zu bezeichnen, ist keine Übertreibung, schließlich war er der erste Trainer seit Frank Pagelsdorf, der eine Vertragsverlängerung angeboten bekommen hat. Das war 2008. 

Rostock ist halt ein chronischer Schleudersitz, mit der einzigen Konstante: Uwe Ehlers als Interimscoach. Und gerade, wenn man bedenkt, dass man Steffen Baumgart als Co-Trainer hatte, sich aber für Ehlers als Interimscoach entschied...

Man hat in den Jahren halt auch alles ausprobiert: Vereinslegenden wie Juri Schlünz befördern. Drittligaveteranen wie Pavel Dotchev oder Peter Vollmann verpflichten. Den Jahrgangsbesten Karsten Baumann holen. Einen Christian Brand, der ein überzeugendes Spiel gegen die Bayern gemacht hat, installieren. Unbeschriebene Blätter von Reservemannschaften der Bundesliga wie Dirk Lottner eine Chance zu geben. Und natürlich entschied man sich immer genau für die Variante, die nicht funktionierte... bis man einfach mal einen Aufstiegscoach von einem anderen ehemaligen DDR-Oberliga-Verein holte.

Dann entließ man Härtel aber in einer relativ luxuriösen Position. Also klar, es war ein deutlicher Abwärtstrend zu sehen, der in einer Heimniederlage beim Tabellenletzten Sandhausen mündete, aber im Großen und Ganzen war man mit 17 Punkten aus 15 Spielen und Tabellenplatz 12 voll im Soll.

Trotzdem dachte ich mir: Vielleicht hat sich Härtel einfach abgenutzt und wahrscheinlich ist "Tabellenkeller in der 2. Liga" auch sein realistisches Limit. Und vor allem setzte man mit Patrick Glöckner auf eine kreative Lösung, anstatt einfach nur einen Retter zu holen und im nächsten Herbst nach dem nächsten Retter zu suchen. In einem stabileren Umfeld wird der diese Mannschaft schon entwickeln können... Copium nennt man das auf Neudeutsch.

Denn Glöckner führte diese Mannschaft souverän in den Abstiegskampf. Also sie nahmen den dann schon wörtlich. Also ja, es gab einen kurzen Dead Coach Bounce, aber es gab auch nur einen Sieg nach 8 Rückrundenspielen. Und vor allem dachte ich mir beim Zugucken immer wieder: So schlecht waren die doch vorher nicht.

Also doch einen Retter verpflichten: Alois Schwartz kommt praktisch vom direkten Konkurrenten aus Sandhausen. Es ist seine 5. Zweitligastation. Sein einziger Erfolg war das Erreichen der Relegation gegen den Hamburger SV. Aber gerade verglichen ist es halt eher eine uninspirierte und kurzfristige Lösung: Hauptsache Klasse halten.

Aber auch unter Schwartz änderte sich praktisch nichts, er setzte die Niederlagenserie konsequent fort. Plötzlich stand man auf einem direkten Abstiegsplatz. Und vor allem war man in der Offensive viel zu schlecht. In 7 von 11 Rückrundenspielen blieb man ohne eigenen Treffer. Im Februar erzielte man ein einziges Tor. Am berechnendsten für mich ja das 1:1 gegen Hannover. Also Hansa hatte in dem Moment 1 Tor in 6 Spielen erzielt, aber "dank Dressels Traumtor", welches auch direkt zum Tor des Monats nominiert wurde. Aber diese Szene fasst halt die Offensivbemühungen der Mannschaft perfekt zusammen: Der Gegner muss sich halt richtig dumm anstellen und dann muss auch noch alles passen, damit man mal ein Tor erzielt.

Wenn man das mit einer Verteidigung kombiniert, die nur ein einziges Mal zu 0 spielt, kommt halt Platz 17 raus. Und da man die Karte "Trainerwechsel" schon 2 Mal gezogen hat, sah es auch nicht so aus, als würde irgendjemand diese Mannschaft retten können...

Außer Kai Pröger. Also als Hansa in der Hinrunde noch vernünftig gespielt hat, war Pröger der beste Mann. Jetzt ist er es wieder. Wenn Pröger als Individualist nicht die Kurve bekommt, steht man mittlerweile auf Platz 18. Stattdessen sammelt er plötzlich 4 Scorerpunkte in 3 Spielen.
Also um das nochmal zu verdeutlichen: Wir reden immer noch von der Mannschaft, die vorher 8 Spiele gebraucht hat, um 4 Tore zu erzielen. Und Pröger stand dabei die ganze Zeit in der ersten Elf.

Und hier ist das wirklich faszinierende: Es ist nicht so, dass Hansa jetzt deutlich besser spielt, also vorher. Sie haben halt im Wesentlichen gegen Mannschaften, die nicht wirklich gefährlich angreifen, weitgehend souverän verteidigt. Und nach vorne ist es genau genommen immer noch grausam, was sie anbieten. Aber die Stimmung im Stadion war schon geil.

Also sie haben halt gegen Fürth mit einem Distanzschuss Marke "Tor des Monats" in Führung gegangen. Das dürfte da sogar der erste Torschuss von ihnen gewesen sein. Das 2:0 war dann der erste Abschluss im Strafraum. Gegen Kaiserslautern schießt man 2 Mal aus der 2. Reihe, macht aber faktisch auch das 1:0, als man das erste Mal in der gegnerischen Hälfte auftaucht. Und die Vorlage geht an Luthe, dem gegnerischen Torwart, der den ersten Fernschuss auf Pröger prallen lässt. Gegen Regensburg hätte Hinterseer den Abschluss suchen können, geht aber lieber auf den Elfmeter. Pröger macht das besser und netzt mit dem ersten Schuss aufs Tor direkt ein.

Hansa wirkt weiterhin hilflos, wenn sie selber Lösungen suchen müssen... aber wenn ihnen der Ball irgendwie vor die Füße fällt, machen sie den halt rein. Nur gegen Regensburg ging man nicht mit der ersten Chance auch direkt in Führung. Auf die Effizienz, die Hansa gerade an den Tag legt, wäre selbst Union Berlin neidisch...

Und auf ein Mal steht man 4 Punkte vor dem Relegationsrang und hat den Klassenerhalt selber in der Hand. Man ist auf keinen Fall schon durch, aber man hat sich innerhalb von 3 Wochen eine richtig gute Grundlage geschaffen. Ich ging ja vor 3 Wochen davon aus, dass man gegen Sandhausen unbedingt gewinnen MUSS, um überhaupt noch eine Chance zu haben. Jetzt trifft man an diesem Wochenende auf die und kann selbst bei einer Niederlage nicht auf den Relegationsrang abrutschen. Und das war wirklich nicht absehbar.

Aber genau so funktioniert der Abstiegskampf am Ende: Man braucht halt einen guten Lauf, in dem man sich eine ordentliche Grundlage verschafft. Und dann muss man hoffen, dass man drumherum im Eichhörnchen-Prinzip genügend Pünktchen sammelt, damit es reicht.

Also Stuttgart, Bochum, Schalke und Hoffenheim präsentierten sich zwischenzeitlich wie sichere Absteiger. Aber Bochum war zwischenzeitlich 5 Heimspiele infolge unbesiegt... und gewann 4 davon. Schalke hat gerade 3 von 4 Spielen gewonnen. Hoffenheim hat nur eines ihrer letzten 7 Spiele verloren. Stuttgart hat im April nur ein Ligaspiel verloren. Ich hab das ja schon am Montag ausgeführt.

Wenn man mal genau hinsieht, war Hansa nur in 2 Phasen der Saison wirklich zweitligatauglich: Vom 1. bis zum 5. Spieltag, als man Hamburg. St. Pauli und Bielefeld schlagen konnte und nur gegen die Aufstiegskandidaten aus Darmstadt und Heidenheim verlor. Und jetzt an den letzten 3 Spieltagen. Ansonsten blieb man nur am 9. und 10. Spieltag 2 Spiele in Folge ohne Niederlage. Man sammelte aber in den 8 Spielen 18 Punkte. In den restlichen 23 Spielen holte man dagegen nur 16 Punkte.

Das ist auch etwas, was man bei der Analyse der eigenen Situation bedenken sollte, wenn man sich auf eine Saison im Abstiegskampf "einstellt": Am Ende steigt man nicht an den 3 letzten Spieltagen ab, sondern weil man in den Wochen, in denen man wirklich mithalten konnte, zu wenige Punkte geholt hat. 

Nehmen wir da mal die Hertha, die ja die Mannschaft mit der schlechtesten Ausgangslage ist: Die hatten zwischenzeitlich auch eine Phase, in der sie zumindest in den Heimspielen richtig gut aussahen. Also für eine Mannschaft, die ums Überleben kämpft, sahen sie gut aus. In dieser Phase vom 20. bis zum 24. Spieltag holten sie aber trotzdem "nur" 7 Punkte, weil man gegen Mainz eine Führung herschenkte. Und so hat man, statt eine ordentliche Heimserie auszubauen, 8 Spiele in Folge nicht gewonnen und steht deswegen ganz unten. 

Aber wenn die Hertha Fans am Ende ihren Abstieg analysieren, wird niemand mit dem "Hätten wir das Momentum in dem Spiel gegen Mainz weiter ausgebaut" anfangen, obwohl das am Ende der entscheidende Moment gewesen sein könnte.

Mittwoch, 10. Mai 2023

Die Diva vom Main ist zurück!!!

 Es fällt nur keinem auf, weil der FC Hollywood alles überstrahlt. Die 90er sind echt zurück!

Es ist schon faszinierend, wie wenig souverän die alle auftreten. Also Oliver Glasner hat vor nicht mal einem Jahr den größten Erfolg dieses Jahrtausends eingefahren und trotzdem muss man sich jetzt fragen, warum der nicht längst entlassen ist. 

Wobei man sich eher fragen muss, wie dieser Trainer überhaupt diesen Titel holen konnte. Und nur um mal zu beweisen, dass das keine ganz neue Entwicklung ist: Eigentlich hätte man Glasner nach seinem "Ich weiß nicht, wie man Qualität trainieren kann." Statement entlassen können, welches er im März gegen Union Berlin rausgehauen hat. Denn genaugenommen beginnt die Frankfurter Krise genau da. Man lag, auch wenn die Ansprüche im Winter etwas nach oben geschoben wurden, noch im Soll. Seitdem hat man aber komplett den Anschluss verloren. Und wahrscheinlich hat Glasner mit seiner Aussage auch einfach die Kabine verloren.

Denn man muss auch mal feststellen: Die Abwehr, die Glasner als hoffnungslosen Fall dargestellt hat, war zu diesem Zeitpunkt die 7. Beste der Liga. Die hatten 2 Gegentore mehr als Freiburg kassiert. Das sind keineswegs katastrophale Werte.

Vor allem muss man mal eines festhalten: Qualität zu trainieren, ist die entscheidende Aufgabe eines Trainers. Und als kurzes Auffrischungsseminar für den Glasner: Da gibt es 2 grundlegende Möglichkeiten. Mann kann entweder die individuellen Techniken des einzelnen verbessern oder durch gruppentaktische Maßnahmen für eine höhere Stabilität sorgen. Also sich entweder darum kümmern, dass die Spieler im 1 gegen 1 besser werden, oder dafür sorgen, dass sie diese 1 gegen 1 Situationen vermeiden.

Wenn man es mal ganz genau nimmt, hätte man Glasner direkt nach dieser Aussage entlassen müssen, denn er gibt ja öffentlich zu, dass er keine Ahnung hat, wie er seinen Job erledigen soll. Und natürlich ist es während der Saison schwieriger an den Stellschrauben zu drehen, aber trotzdem bekommen es andere Trainer immer wieder hin. Also es ist ja nichts Ungewöhnliches, dass ein Spieler während der Saison vor unseren Augen entscheidende Entwicklungsschritte nimmt. Ich nenne mal Julian Brandt und Nico Schlotterbeck als demonstrative Beispiele, bei denen man das in jüngster Zeit sehen konnte.

Und Dortmund hat ja nicht so viel weniger Spiele absolviert, als die Frankfurter.

Das ist nebenbei das nächste große Problem: Die 43 Pflichtspiele, die Glasner ja anspricht, sollten halt an sich nichts Außergewöhnliches sein. Also ein Überwintern im europäischen Geschäft und zumindest das Erreichen des Viertelfinales sind halt die Ansprüche, die man in Frankfurt mittlerweile hat. Und dann kommt man halt auf 8 Europacup- und 4 bis 6 DFB Pokalspiele. Zusätzlich zur Bundesliga. Das ist etwas, womit man als Frankfurt rechnen muss.

Nebenbei hatte man ja eine episch lange Winterpause. Also zumindest Makoto Hasebe konnte lange genug die Füße hochlegen... und alle WM Teilnehmer außer Kolo Muani und Kristjan Jakicb sind frühzeitig ausgeschieden. Anders ausgedrückt: Wenn Hasebe wirklich Blut im Urin hat, dann ist er halt zu alt für den Scheiß, den Frankfurt vorhat.

Aber es ist ja nicht nur Hasebe, auch bei Kolo Muani, Daichi Kamada und Mario Götze ist ein deutlicher Formverfall sichtbar. Also zumindest in der Liga, im Pokal-Halbfinale reißen sie sich dann ja wieder zusammen. Und ja, da war Kamada zum ersten Mal in dieser Rückrunde offiziell (also laut Kicker Benotung) "gut". Er hat in 3 Pokalspielen im Jahr 2023 häufiger getroffen, als in 13 benoteten Bundesligaspielen...
Da müsste sich auch ein Glasner selber hinterfragen, warum einige seiner Spieler diese Leistungen nur in K.O. Spielen bringen...

Wobei man an der Stelle fairerweise einschieben muss, dass mit Tuta, Smolic und Jakic viele Defensivspieler ausfallen. Wobei man sich da auch im Kreis dreht, denn ein guter Trainer hätte halt die Flexibilität auf eine Viererkette umzustellen, wenn ihm die Innenverteidiger ausgehen. Aber wenn man nicht weiß, wie man Qualität trainiert... Und Glasner hat halt, laut Transfermarkt.de, seit dem 7. Spieltag einmal das System gewechselt. Eine gewisse Anpassungsfähigkeit gehört halt zum Traineralltag dazu.

Es ist halt echt faszinierend, weil Frankfurt und Glasner vor 6 Monaten noch wie ein Traumpaar aussahen. Seit dem knirscht es aber nur noch, weil Glasner Verstärkungen gefordert hat, die Markus Krösche nicht bezahlen konnte oder wollte. Worauf hin dann (nur um mal festzuhalten, wie lang das schon brodelt) Glasner mit seiner Ausstiegsklausel drohte.  Gleichzeitig wollte Krösche, dass Platz 4 verteidigt wird, was halt schon eine extrem hohe Erwartungshaltung ist. Wenn man die Lage aufmerksam verfolgt hat, ist es gar keine so große Überraschung, dass die Frankfurter einbrechen. Vor allem, weil sie in der Liga ja traditionell einbrechen. Aber dass sie eine Rückrunde spielen, die auf Augenhöhe mit ihrer eigenen Hall of Shame Edition ist, ist schon bemerkenswert.

Aber wenn man es mal sachlich betrachtet, liegt das halt hauptsächlich an der mangelnden Zusammenarbeit von Glasner und Krösche. Also mich erinnert das alles ein wenig an Mirko Slomka und Jörg Schmadtke, die eigentlich grundlegend erfolgreich gearbeitet haben, aber einfach nicht miteinander auskamen, weshalb am Ende alles zugrunde ging.

Vielleicht sollte einem das nicht wirklich überraschen, schließlich war schon Glasners Abgang in Wolfsburg alles andere als geräuschlos. Da hat es nur keiner mitbekommen, weil es halt Wolfsburg war und sich niemand für diesen Verein interessiert.

Das wirklich Überraschende ist ja eher, dass Glasner jetzt noch bis zum Sommer weiterwursteln darf, obwohl sich alle einig sind, dass es so nicht weitergehen kann. Und klar, für die Liga ist das egal, weil es da praktisch um nichts mehr geht, außer um die Fernsehgelder. Also selbst bei 3 Siegen in Folge wird man Leverkusen nicht mehr einholen. Aber dennoch dürfte es spannend werden, wie diese Mannschaft am Samstag gegen Mainz reagiert: Wollen die noch einen versöhnlichen Abschluss MIT Glasner? Oder wollen die, dass jemand anderes mit ihnen diesen Titel einfährt? 

Im Großen und Ganzen würde ich mir trotzdem wenig Sorgen um die Eintracht machen. Ja, das wahrscheinlichste Szenario ist, dass man das Pokalfinale gegen halt mittlerweile richtig gute Leverkusener verliert. 

Ich hab da gerade mal einen Gehirnfurz produziert... Upsi. Das Pokalfinale wird natürlich gegen RB Leipzig ausgetragen, was einem die Teilnahem am Europacup eher sichern dürfte, dass Leipzig ja Champion League spielen dürfte. Manchmal... Vor allem, wo ich doch noch letzte Woche darauf hingewiesen habe, dass Bayer in der ersten Runde ausgeschieden ist.

Wenn man die europäischen Wettbewerbe verpasst, ist auch Kolo Muani weg. Dazu wird mit Dino Topmöller ein vollkommen unbekannter Trainer ohne vorzeigbare Erfahrung in der ersten Reihe als Topkandidat gehandelt.

Aber Krösche hat halt auch einen Steffen Baumgart gefunden. Und Frankfurt wird 100 Millionen für Kolo Muani bekommen, die man dann in neue Stürmer investieren kann. Wie ich ja bereits ausgeführt habe, war Frankfurt in den letzten Jahren immer extrem gut darin, die entscheidend wirkenden Trainer und Spieler zu ersetzen.

Andereseits... Schaue ich auf die Überschrift und denke mir: Dass Frankfurt ein schlafender Riese ist, der einfach nur mal wach geküsst werden muss, haben in den 90ern auch alle geglaubt...

Dienstag, 9. Mai 2023

Guckt mal, es geht doch!

 So schwer kann ist es doch gar nicht. Bo Svensson hat sich tatsächlich für seine Reaktionen auf den Elfmeter bei Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck entschuldigt und am Ende auch dafür gesorgt, dass diese Entschuldigung "geleakt" wird.

Und klar, für Mainz ist das alles etwas leichter, weil sie nicht mitten in einem Meisterschaftsrennen stecken, sondern sogar dann noch eine erfolgreiche Saison gespielt hätten, wenn sie die restlichen Spiele verlieren. Dennoch ist es schon ein gutes Zeichen, dass Svensson offiziell zugibt, dass er emotional überreagiert hat. Wie Jöllenbeck selber sagt: "Das zeigt Größe und Anstand."

Damit wird aber auch nur deutlicher macht: Bei den Dortmunder Hauptverantwortlichen wird man diese Werte vergeblich suchen. Was aber natürlich auch kein Problem ist, weil ihnen im Nachhinein kaum jemand vorwirft, dass sie mit ihren Aussagen und ihrem Verhalten zur Eskalation beigetragen haben.

Und es traut sich natürlich auch niemand, kritisch nachzufragen und Kehl und Terzic mit den Morddrohungen zu konfrontieren. Denn kritische Fragen zu stellen gehört halt nicht zum allgemeinen Aufgabenfeld der Fussball-Reporter. Zumindest nicht, wenn es um Deutsche Vereine und Verantwortliche geht.

Mehr hab ich jetzt auch gar nicht und eigentlich wollte ich auch nur Svensson loben. Es muss ja nicht jeder Beitrag episch lang werden...

Montag, 8. Mai 2023

Worst of des "Wenn es um nichts geht, sind die auf ein Mal richtig gut!" Wochenendes

 Ok, "um nichts" ist natürlich ein wenig übertrieben. Es ging schließlich zumindest darum, den Anschein eines spannenden Meisterschaftsrennens zu bewahren. Aber es ging eben auch nicht darum, die Tabellenführung zu übernehmen oder zu verteidigen. Und dann spielt sich Dortmund halt auch in einen Rausch.

Nur um das mal festzuhalten: Gegen die 3. beste Defensive der Liga erzielt man 6 Tore, gegen die schlechteste nur ein einziges. Aber gegen diese Schlechteste reiste man halt auch als Tabellenführer an, da kann man nichts machen.

Was ich an der Stelle auch nochmal einschieben muss: Ist den Dortmundern Terzic und Kehl eigentlich bewusst, dass sie mit ihren Aussagen zu den Morddrohungen gegen Sascha Stegemann beigetragen haben? Denn sie haben ja eindeutig die Schuld für die verspielte Tabellenführung beim Schiedsrichter gesucht und nicht bei dem Fakt, dass man sich in der 2. Halbzeit viel zu wenige Chancen erspielt hat.

Ich möchte da mal ganz konkret auf Edin Terzics Analyse zum 1:0 und dem Foulspiel an Emre Can eingehen. Also er sagt am Ende selber "Und daraus entsteht das Tor. 12 Sekunden später." ZWÖLF SEKUNDEN. Das ist im Fußball, wo Angriffe häufig nach 8 Sekunden entweder erfolgreich abgeschlossen oder abgewehrt werden, eine Ewigkeit. Man hätte selber genügend Möglichkeiten gehabt, dieses Tor nach dem Foulspiel zu verhindern, der Zweikampf im Mittelfeld war keinesfalls die letzte Möglichkeit einzugreifen. Anstatt aber selbstkritisch damit umzugehen, dass eine spielerisch beschränkte Mannschaft wie der VfL Bochum so lange den Ball in der Dortmunder Hälfte halten kann.

Also um das mal festzuhalten: Wenn ein Terzic sich hinterher hingestellt hat und deutlich sagt: "Der Elfmeter war eine klare Fehlentscheidung, aber wir müssen hier halt trotz so eines Fehlers des Schiedsrichters gewinnen und dafür müssen wir in der 2. Halbzeit anders auftreten und uns mehr Strafraumszenen erarbeiten.", dann gibt es vielleicht die Morddrohungen nicht. Aber er kippt da als Verantwortlicher fleißig weiter Öl ins Feuer.

Was ich im Eifer des Gefechts am Freitag sogar nachvollziehen kann. Aber gab es danach wenigstens mal so einen "Aha" Moment, in dem man Stegemann vor den eigenen Fans verbal schützt? In dem man sich öffentlich hinstellt und deutlich sagt, dass Morddrohungen gegen irgendwelche Menschen gar nicht geht und dass es nicht sein kann, dass ein Schiedsrichter nach einem Bundesligaspiel Polizeischutz in Anspruch nehmen muss? Natürlich nicht. Es gibt zumindest öffentlich keinerlei Selbstreflexion, dass man zu diesem Problem mit beigetragen hat. Und auch nicht die Erkenntnis, dass seine eigenen Aussagen solche Auswirkungen haben könnten. Das ist halt echt schade.

Hans Joachim Watzke macht zumindest eine halbherzige Ansage an seine eigenen Fans. Mehr kommt da aber auch einfach nicht. Aber wahrscheinlich ist es auch zu viel erwartet, schließlich haben Trainer und Spieler noch nie weiter als die aktuellen 90 Minuten gedacht. Es war ja nicht mal der krasseste nicht gegebene Elfmeter mit Adeyemi's direkter Beteiligung in dieser Saison. Aber das letzte Mal hat diese Fehlentscheidung den Dortmundern 2 Punkte beschafft hat, deswegen blendet man diese Fehlentscheidung einfach aus... Faszinierender Weise war jeweils Sascha Stegemann der Schiedsrichter. Die Dortmunder Fans bedrohen jetzt also genau den Schiedsrichter, dank dessen Fehlentscheidung sie langfristig gerechnet erst zur Tabellenführung kamen...

Am anderen Ende ist es echt faszinierend, wie die Abstiegskandidaten plötzlich punkten. Also Schalke spielt still und heimlich schon die gesamte Rückrunde über eine sehr solide Saison.18 Punkte in 13 Spielen ist eine Bilanz, die mindestens fürs gesicherte Mittelfeld reichen sollte. Der VfL Bochum holte 9 Punkte aus 9 Spielen. Das sollte eigentlich auch reichen, wenn man wie ich davon ausgeht, dass man mit 32 Punkten die Relegation erreichen wird. Und klar, Bochum hat lange nicht mehr gewonnen, aber sie haben halt trotzdem 5 überraschende Bonuspunkte gegen Leipzig, Union Berlin und Dortmund geholt. Nur sind diese "Bonuspunkte" plötzlich ihre einzige Lebensgrundlage. Der VfB Stuttgart war vor der eigentlich unnötigen Niederlage gegen die Hertha 4 Spiele am Stück unbesiegt. Hoffenheim holte zwischenzeitlich 3 Siege in Folge und dann einen Punkt gegen den designierten Meister aus München. In der Summe sind sie bei 13 Punkten aus den letzten 7 Spielen. Und gerade, als es richtig hoffnungslos aussah, holt die Hertha plötzlich einen elementar wichtigen Heimsieg. Das Ergebnis: Selbst Augsburg ist trotz 3 Spielen ohne Niederlage noch nicht wirklich weg.

Normalerweise würde eine dieser Serien reichen, um sich im Abstiegskampf einen ordentlichen Puffer zu erarbeiten. Also ich werde das morgen mal an einem Beispiel aus der 2. Liga verdeutlichen, wie das normalerweise läuft. Da aber alle irgendwie einen (gemessen an den sonstigen Abstiegskandidaten) Lauf haben, bleibt es unten erstaunlich eng.

Um das mal zu verdeutlichen: An den letzten 2 Spieltagen haben die 6 Kellerkinder zusammen 14 Punkte geholt. Die 6 Mannschaften oben kommen im gleichen Zeitraum auf 20 Punkte. Ich hätte da einen größeren Unterschied erwartet... obwohl der Tabellenführer so gut wie nie punktet. Der Tabellenletzte sollte dies aber ebenfalls nicht tun.

Das ist halt super faszinierend, weil alle Mannschaften von Bochum bis Hoffenheim mit einem "Wenn wir so weitermachen, packen wir das... zumindest über die Relegation" Gefühl in die letzten 3 Spieltage gehen könnte. Trotzdem muss es einen von denen noch erwischen. Und selbst die Hertha, die als Nächstes gegen schon gerettete Kölner und dann zu Hause im direkten Abstiegskrimi gegen Bochum antreten müssen, sind noch nicht endgültig weg. Wie lange ist es eigentlich her, dass der Tabellenletzte 3 Spieltage vor Schluss noch realistische Chancen auf den Klassenerhalt hat?

Rechnen wir das mal kurz nach: 3 Punkte Rückstand auf den Relegationsrang hatte der Tabellenletzte zuletzt 2014/15. Das ist verdammt lang her. Und das war damals einer der legendärsten Abstiegskämpfe aller Zeiten, weil Hannover und Stuttgart mit einem starken Finish noch direkt rettete... während die eigentlich schon gesicherte Hertha fast noch unten reingerutscht wäre, weil sie nur noch einen Punkt holte. Und wie spannend das am letzten Spieltag ablief, kann man hier in einem SZ-Ticker nochmal nachlesen. Also nur um zu verdeutlichen, wie viel Feuer in diesem Abstiegskampf stecken könnte.

Donnerstag, 4. Mai 2023

Wie unfähig ist eigentlich die DFL?

 Die hatten eine einzige Aufgabe. Und jetzt flucht der 1. FC Köln auf Bayer Leverkusen und einen Regionalpolitiker, weil die ihren Scheiß nicht auf der Reihe haben. Als könnte Leverkusen was dafür. Und ja, man sollte viel mehr die DFL hinterfragen, als Leverkusen kritisieren. Und als Köln... ich sage mal so: In anderen europäischen Ligen gibt es da mehr Solidarität, wenn es um das Verlegen von Ansetzungen vor wichtigen Europacup Spielen gibt. Für Barca wurde das zum Beispiel regelmäßig gemacht.

Also um das mal kurz aufzuschlüsseln: Die konkrete Anstoßzeit wurden am 23.3.2023 angesetzt. Da wusste man bereits, dass

1. ) Die Woche davor der DFB-Pokal ansteht, aber sowohl die Kölner als auch die Werkself haben sich mit identischen Ergebnissen in der ersten Runde aus diesem Wettbewerb verabschiedet. Sie waren also in der englischen Woche vorher nicht im Einsatz, man konnte die Partie also ganz entspannt überall hinlegen.

2. ) Wussten alle, dass sich die Kölner bereits nach der Gruppenphase aus der Conference League verabschiedet haben. Die haben also wirklich nur noch die Liga und man muss da auf nichts Rücksicht nehmen.

3. ) Es stand die Ansetzung von Leverkusen gegen Union Saint-Gilloise bereits fest. Also es stand auf jeden Fall fest, dass eine deutsche Mannschaft nur noch eine Runde von einem Halbfinale Anfang Mai entfernt waren. Dass es da terminliche Probleme geben wird, hätte man ahnen können.

4. ) Wer ein grundlegendes Verständnis von Geografie und Fußball-Geschichte hat, der weiß, dass Köln gegen Leverkusen ein sogenanntes Derby ist. Ein Spiel, welches man durch Flutlichtatmosphäre weiter aufwerten kann. Und vor allem können die Fans beider Vereine nach dem Feierabend problemlos aus Köln anreisen, was bei einem Spiel wie Werder Bremen gegen Bayern München nicht möglich wäre. 

Sprich: Wenn man seinen Job ordentlich macht, setzt man dieses Spiel direkt am Freitagabend an, dann erspart man sich die ganze Diskussion. Aber das Mindeste, was man hätte machen müssen, ist ja: Dieses Spiel auf den Samstag zu legen. So wie man das bei den Bayern selbstverständlich gemacht hat. Es würde doch niemand auf die Idee kommen, die Bayern vor einem Champions League Spieltag am Sonntag antreten zu lassen... Aber wenn da kein N am Ende ist, macht man das einfach?

Nebenbei könnte man auch mal infrage stellen, ob es vernünftig ist, einen der 3-4 Hauptprotagonisten im Abstiegskampf schon am Freitag antreten zu lassen. Und auch das war ja absehbar. Also, dass Schalke da mitmischen wird. Für die direkte Konkurrenz wird es Auswirkungen haben, wie diese Partie ausgeht. Deswegen wäre es auch fairer, wenn die möglichst am Samstag spielen. Zumindest, wenn das einfach machbar wäre.

Vielleicht übersehe ich da ja irgendwas. Aber falls das so ist (da sind wir wieder bei der Kicker.de Kritik), teilen mir die Medien die Gründe, warum man das Spiel nicht gleich am Freitag ansetzen könnte, nicht mit. Als kritisches Medium sollte man sich viel mehr damit beschäftigen, wie die DFL das so verkacken konnte.

Dienstag, 2. Mai 2023

Passives Abseits Leser wissen es früher: Challenges! Bitte Jetzt!

 Ernsthaft? Hat es eigentlich irgendjemanden überrascht, dass der VfL Bochum gegen Borussia Dortmund gepunktet hat? Selbst dem Kicker ist aufgefallen, dass der Tabellenführer dieses Jahr, um nur etwas zu übertreiben, so gut wie nie gewinnt. Zumindest, wenn es sich nicht um den FC Bayern handelt. Oder Union Berlin. Es ist wieder mal der Nachweis, dass es nur eine Variante gibt, wie der Rekordmeister den Titel nicht schon wieder holt: Wenn sie am 34. Spieltag patzen.

Lustigerweise führt der Kicker auch aus, dass Borussia auch ihre Tabellenführung in der Saison 2019/20 sofort wieder verspielte. Aber selbst die kriegen ja nicht raus, wann Dortmund das letzte Mal eine Tabellenführung verteidigt hat. Wobei das gar nicht sooo schwierig ist, es war am 2. Spieltag der bereits angesprochenen Saison

Das eigentlich Traurige ist ja, dass die Borussen jetzt die Schuld bei dem Schiedsrichter suchen können, weil sie ja 3 Mal krass benachteiligt wurden. Ok, alle sachlichen Kritiker sprechen nur von einem Vorfall, aber wer will schon sachlich auf die Dinge gucken.

Aber das ist der größte Teil des Problems: Dortmund Vorstandsabteilung sehen sich hinterher als großes Opfer, weil sie Fehlentscheidungen sehen, wo gar keine waren. Und dann fragt Sebastian Kehl sich, was hier wohl los wäre, wenn das dem FC Bayern passiert wäre... Worauf der Kommentator eiskalt mit "Vielleicht hätte er ein Tor mehr geschossen." antwortet. Vielleicht? Eher wahrscheinlich.

Denn man muss auch einfach mal festhalten: bei einem Abstiegskandidaten musst du auch trotz einer krassen Fehlentscheidung gegen dich gewinnen, wenn du Meister werden willst. Und das eigentliche Problem war halt, dass von den Dortmundern in Halbzeit 2 viel zu wenig kam. Manuel Riemann musste in Halbzeit 2 halt nur 2 Bälle abwehren. Das ist viel zu wenig. Es ist ja nicht so, dass man an einem herausragenden Torhüter gescheitert ist, sondern man hat es nicht geschafft einen im besten Falle durchschnittlichen Torwart wirklich zu fordern. Man hat sich gegen die schlechteste Abwehr der Liga viel zu wenige Großchancen erspielt. Und das ist das eigentliche Problem. Damit müsste man sich viel mehr beschäftigen.

Aber dass die Dortmunder auf 3 krasse Fehlentscheidungen gesehen haben wollen... macht das Spiel zu einem Lehrbuchbeispiel für die Challenges. Gebt einfach jeder Mannschaft 2 Mal pro Spiel die Gelegenheit, eine Fehlentscheidung zu überprüfen. Wenn sie beide Male recht behalten hat, bekommen sie noch eine dritte Chance. Dafür wird der Kölner Keller abgeschafft, denn der Schiedsrichter geht dann ja eh auf Wunsch in die Review Area. Das würde ALLE VAR Probleme lösen.

Und man könnte anhand des Lehrbuchbeispiels Dortmund auch erklären, wie eklatant es sich auswirken kann, wenn man wegen angeblicher Ungerechtigkeiten seine Challenges wegwirft. Also Dortmund hätte ja anscheinend den Zweikampf vor dem 1:0 zwischen Hofmann und Can überprüfen lassen. Anstatt dies mit 180er-Puls und wahrscheinlich feuchter Aussprache zu machen, könnte Erdin Terzic das dann aber in aller Ruhe vermitteln: Hey, wir haben das so gesehen, gucke dir das mal an. Was alleine schon für einen wesentlich respektvolleren Umgang miteinander führen könnte, eigentlich sogar müsste.

Dann guckt sich Stegemann das Bild nochmal an und wir gehen mal von der Sportschau Analyse "Den muss man nicht pfeifen" aus. Damit zählt das Tor dann trotzdem und Dortmund hat nur noch eine Challenge. Diese verwenden sie dann natürlich für den Elfmeter, der ja auch als krasse Fehlentscheidung eingeschätzt wurde. Also von allen Beteiligten inklusive des Schiedsrichters. Nun verschießt Dortmund diesen Elfmeter aber, um das Gedankenexperiment fortzuführen. Und weil Elfmeter abwehren das einzige ist, was Riemann wirklich beherrscht. Vor allem müssen wir halt mit einem 1:1 in das letzte Handspiel gehen. Da kann der BvB dann keine Challenge mehr fordern, weil sie das ja beim ersten Versuch verspielt haben. Die Dortmunder würden dann lernen, dass man seine Möglichkeiten nicht leichtsinnig wegwerfen sollten und würden das nächste Mal vielleicht sachlicher auf die entsprechenden Szenen gucken.

Wenn man dann noch hinzufügt, dass jedes "Der Spieler rennt mit Schaum vorm Mund zum Schiri" von dem mit einem "Willst du das überprüfen lassen? Bist du sicher? Nein? Gut, dann geht es weiter" deeskaliert werden würde. Das ganze Spiel wäre so viel angenehmer. Ich verweise da gerne auf das olympische Beachvolleyball Turnier, wo es mir extrem aufgefallen ist, dass die Spieler*innen ganz ruhig und sachlich zu den Schiedsrichter*innen gegangen sind und ihnen erklärt haben, was sie überprüft haben wollen. Ganz ohne jegliche Aggressionen oder Beleidigungen... Und die nötige Disziplin im Umgang mit den Schiedsrichtern müssten die Trainer ihren Spielern einprügeln, sobald die ein Mal mit leichtfertigen Forderungen diese Möglichkeit verspielt haben.

Dass man darüber diskutieren sollte, ist jetzt ja selbst dem Kicker aufgefallen. Nach 5 Jahren. Großartig. Das ist ja für mich immer das enttäuschende an unseren angeblichen Fachmagazinen: Die sollten eigentlich die Vorreiter bei solchen Diskussionen sein. Dasselbe betrifft ja auch das Handspiel, wo ich seit Jahren darauf warte, dass mal jemand erwähnt, dass einen Elfmeter dafür zu vergeben einfach hart ist und man eine angemessene Strafe finden muss. Und ja, erst wenn der Schritt angegangen wird, werden wir eine Lösung für die Handspielproblematik finden. Aber das eigentliche Problem wird ja von niemanden benannt, deswegen kann man da auch nicht an Lösungen arbeiten.

Auch bei neuen Ansätzen zum VAR müsste da eigentlich viel früher viel mehr kommen als ein "Die Regelhüter der Fifa wollen das eh nicht, deswegen müssen wir uns keine Gedanken machen." Amerikanische Medien können das nebenbei, auch wenn da nicht immer alles so ernst gemeint ist. Aber demonstrativ diskutiert TheRinger.com hier darüber, ob die NFL ihre Draftregeln ändern sollte. Also nur als aktuelles Beispiel.

Wann hat der Kicker das letzte Mal irgendeine derartige Diskussion losgetreten? Oder federführend geführt? Das muss Jahre her sein. Die verwalten halt auch nur den Status Quo und feiern sich dann ein Mal im Jahr, weil sie das eine Mal beim beinah Konkurs von Borussia Dortmund wirklich investigativen Journalismus betrieben haben. Und das wollen die Besten sein, die wir haben.

Der "So funktionieren Challenges bei anderen Sportarten, das sind die Auswirkungen und so könnte man das im Fußball implementieren" Artikel hätte man vor 3 Jahren schreiben müssen. Und dann verweist man immer wieder darauf, wenn es mal wieder Probleme gibt und erwähnt, dass ein Challenge System diese Situation einwandfrei gelöst hätte. Denn es ist ja seit 3 Jahren offensichtlich, dass das mit dem VAR so nicht funktionieren wird. Stattdessen wartet man darauf, dass so ein VAR-Fehler eventuell die Meisterschaft entscheidet und macht dann wenigstens mal eine Umfrage zu dem Thema. Man rennt halt nur hinterher, anstatt vorzudenken.