Mittwoch, 29. Juni 2011

Das werden wir unseren Kindern erklären müssen: Marcell Jansen

Marcell Jansen: Länderspiele 36
Debüt: 3.9.2005 gegen die Slowakai 

Ja, auch Marcell Jansen ist einer dieser Spieler, der beweist, dass es sie auch heute noch gibt: Die Nationalspieler, bei denen man sich fragt: Warum? Wobei Jansens Debüt 2005 war und er sich damit de facto noch qualifiziert. Aber schon allein, dass bei seinem Debüt Deutschland von Miroslav Karhan abgeschossen wurde... hätte einem zu denken geben können.
Dabei lässt sich das Warum bei Marcell Jansen doch so einfach erklären: Weil Phillip Lahm nach der 2006er WM von der Linken auf die Rechte Verteidiger Seite gewechselt ist. Wir haben halt nur einen brauchbaren Außenverteidiger und irgendjemand muss ja die andere Seite beackern. Und Jansen war selbst genau genommen nur der Ersatzmann für denjenigen, der die andere Seite beackern durfte... Aber dennoch kommt er auf 36 Länderspiele und 3 große Turniere.
Jansens Bundesligakarriere gibt es in der Form auch gefühlt 1000 Mal. Als Junger Deutscher Spieler fiel er bei Borussia Mönchengladbach den großen Bayern auf. Uli Hoeneß hat nunmal eine Schwäche für junge Spieler, deren Abgang hauptsächlich erstmal die Konkurenz schwächt. Jansen wurde jedenfalls für 14 Millionen gekauft und nach einem Jahr für 8 an den Hamburger SV weitergegeben. Rein wirtschaftlich also ein schlechtes Geschäft. Aber irgendwie schaffte Hoeneß es, selbst beim Verkauf des Spielers die Konkurenz zu schwächen.
Seit dem befindet Marcell Jansen irgendwo zwischen er ist verletzt, gescheitert und der Hoffnungsträger. Also quasi ein ganz normaler Hamburg-Profi. Den ersten Umbruch bei den Hamburgern hat er jedenfalls bis jetzt überlebt. Jetzt soll es wieder mal endlich aufwärts gehen mit ihm und dem Verein, so dass er vielleicht doch endlich noch eine Karriere hinlegt, in der 30 Länderspiele angemessen erscheinen.

Montag, 27. Juni 2011

Das werden wir unseren Kindern erkläern müssen: Marko Rehmer

Marko Rehmer: Länderspiele 35
Debüt2.9.1998 gegen Malta 

Marko Rehmer steht symbolisch für die Vereinspolitik von Hansa Rostock in den 90er Jahren. Es wurden junge Spieler (meistens mit Berliner Wurzeln) in Rostock zu Bundesligaspielern ausgebildet und dann für einige Millionen weiterverkauft. Olivier Neuville und Stefan Beinlich sind die Highlights dieser Politik. Rene Schneider (Mitglied meiner All-Time "schlechteste Transfers von Michael Meier" Liste) und Viktor Agali sind die Negativbeispiele, die in anderen Vereinen nie wirklich einen Fuß auf die Erde brachten.
Marko Rehmer ist irgendwo in der Gesunden Mitte. Nach seinen immerhin 3 Jahren in Rostock wechselte er zurück nach Berlin zu Hertha BSC. Nationalspieler war er da schon. Jetzt sollte er Teil des Großen Angriffes des Hauptstadtklubs sein. Ja, genau, dieser große Angriff, der um Klanghafte Namen wie Alex Alves aufgebaut wurde und an dessen Ende Hertha komplett Pleite in die 2. Liga abgestiegen ist. Der große Angriff, an den sich der VfL Wolfsburg hätte erinnern können, als sie Dieter Hoeneß zum Manager des Neuaufbaus gemacht haben. Aber zurück zu Marko Rehmer:
Für den Abstiegskampf mit Hansa Rostock war er gut genug. Wahrscheinlich hätte er auch bei einem Mittelklasseklub wie Eintracht Frankfurt mitspielen können. Aber um einen großen Angriff zu starten... die Champions League wurde jedenfalls jedes Jahr verpasst. In den 4 Champions League Spielen, die er in seiner ersten Saison bestreiten durfte, holte Hertha einen Punkt. Marko Rehmer machte nie mehr als 25 Spiele pro Saison. In seinem besten Jahr sammelte er 4 Scorerpunkte. Vorne weg marschieren sieht irgendwie anders aus.
Die Nationalmannschaftskarriere sieht irgendwie ähnlich aus. 6 Jahre lang war Marko Rehmer dabei. 2 Turniere hat er gespielt. Bei der Euro 2000 konnte er in den letzten beiden Gruppenspielen nicht mehr die Wende bringen. Es ist auch irgendwie interessant, dass selbst bei den Erfolgloseren Fußballern der Nationalmannschaft die EM-Teilnahme 2000 nirgends als Erfolg verbucht wird. Bei dem schon oft genug verlinkten 5:1 der Engländer ging er mit unter. In den Playoffs gegen die Ukraine sogar einmal getroffen. Dennoch fanden die wirklich wichtigen Spiele immer ohne ihn statt. Eine Halbzeit im Achtelfinale gegen Paraguay waren der absolute Höhepunkt. Danach war er beim Vize-Titel nur noch Zuschauer.
Marko Rehmer war ein solider Bundesliga Spieler, vom dem leider sowohl bei der Hertha als auch im Nationalteam mehr als das erwartet wurde.

Sonntag, 26. Juni 2011

Don't believe the Hype

Jetzt ist also Frauen-Fußball-WM... und zwar in Deutschland. Und auf einmal sind wir dabei... 74.000 Fans wollen sich das Eröffnungsspiel anschauen... es gibt Public Viewing und Fanmeilen... für eine Frauen-Fußball-WM... und das alles nur, weil es in Deutschland statt findet. Da soll nochmal jemand sagen, wir sein kein Partyvolk.
Nur um mal die Relationen klar zu machen: als vor 4 Jahren die Deutschen Frauen Weltmeister wurde... habe ich zeitgleich in Leipzig Kreisklasse gespielt. Wenn unsere Herrenmannschaft auch nur ein beschissenes Freundschaftsspiel gegen Thailand abhalten würde... wäre diese Ansetzung undenkbar. Aber jetzt findet der Spaß ja in Deutschland statt. Da ist das ja was ganz anderes...
Ungefähr so anders, wie im Winter 2007, als wir alle anfingen uns für Handball zu interessieren. Die Basketballer fluchen heute schon, dass sie es nicht geschafft haben in Dirk Nowitzkis Karriere ein Basketball-Turnier nach Deutschland auszutragen. Was als in Bewegung gesetzt hätte... wie die Handballer beweisen: NICHTS.
Selbst bei der Fußball WM 2006... hat sich am Ende doch wenig verändert... erinnert ihr euch noch an die großen Diskusionen? An die neue Deutsche Welle? An all diesen Nationalstolz, den wir so offen auf der Straße zeigen durften? Ohne als Nazis zu gelten? Wollten wir uns in diesem Sommer nicht geändert haben? Jetzt packen wir diese Fahnen halt zu jeder Gelegenheit wieder aus... Wer da was spielt, ist relativ egal... Es kommen ja sogar 16.000 Leute um einen Deutschen in Deutschland golfen zu sehen. Wir sind so. Das ist auch nicht weiter schlimm...
Und beim Fußball war es eigentlich auch schon immer so. Jahrelang haben wir nach den Ergebnissen der Fußball-WM gewählt. Wenn wir eine gute WM gespielt haben und Vize-Weltmeister in Asien wurden... haben wir hinterher den Schröder wiedergewählt, obwohl das nach der Hartz-4 Reform eigentlich undenkbar war... während selbst der ewige Kanzler Kohl das eher peinliche aus gegen Kroatien 1998 nicht überleben konnte. Die größte Leistung von dem Schröder könnte am Ende wirklich sein, dass wir nicht mehr im WM Jahr wählen...
Aber zurück zur Frauen-Fußball-WM: Ich werde darüber kaum schreiben können. Ich habe einfach zu wenig Ahnung vom Frauen-Fußball... Und eigentlich keinen Bock mich damit so weit auseinanderzusetzen... Das Problem am Frauen-Sport: Die machen alles, was die Männer auch machen. Nur langsamer. (ok, die eine Ausnahme ist Beach-Volleyball.) Und während das bei schnellen Sportarten wie Volleyball von Vorteil sein kann, weil man noch sieht, was abgeht, ist Fußball an und für sich schon ein sehr langsamer Sport. Wenn nicht gerade Messi spielt, gibt es eigentlich kaum Aktionen, wo man eine Zeitlupe braucht um zu blicken, was da gerade passiert ist. Warum sollte ich mir also eine noch langsamere Version davon angucken? Nur weil das Deutsche sind die in Deutschland spielen? Nicht wirklich.

Freitag, 24. Juni 2011

Das werden wir unseren Kindern erklären müssen: Piotr Trochowski

Piotr Trochowski: Länderspiele 35
Debüt: 7.10.2006 gegen Georgien

Ja, ich weiß, theoretisch qualifiziert sich Trochowski nicht. Er gab sein Debüt erst nach dem Sommermärchen 2006 und spielte damit nur in den guten Jahren. Aber es ist Piotr Trochowski. Kein Spieler hat die Mittelmäßigkeit des Hamburger SVs in den letzten Jahren so sehr repräsentiert, wie Trochowski. Wenn man einen Spieler brauchte, der in wichtigen Spielen abtauchte, war er genau der richtige Mann. Und er hat es damit bis in die Nationalmannschaft geschafft.
Wirklich jeder der zahllosen HSV-Trainer hatte dieselbe Idee: wir bauen unser Mittelfeld um den deutschen Nationalspieler auf. Jeder von ihnen musste am Ende feststellen, dass das eine schlechte Idee war und sortierte ihn wieder aus. Ich glaube, kein Bundesligaspieler ist so oft zwischen Hoffnungsträger und Depp hin und her rotiert, wie Trochowski. Und der einzige Trainer, der auf ihn setzen und im Amt bleiben konnte, war Jogi Löw. Vielleicht ist der ja doch ein besserer Trainer, als ich dachte... Dabei sehen die indivduellen Statistiken noch gar nich mal so schlecht aus. 2008/09 brachte er es sogar auf 15 Scorerpunkte. Aber der HSV schaffte es trotzdem jedes Jahr, seine Ziele knapp oder deutlicher zu verfehlen. Und das Piotr Trochwoski da vorne Weg marschieren sollte, könnte einer der Gründe sein.
Er ist sozusagen so was wie der Anti-Ernst. Seine Nationalmannschaftskarriere sieht nämlich gar nicht so schlecht aus. Vize-Europameister und WM-Dritter wird nicht jeder. Offensichtlich waren die Deutschen gut genug, um ihn als Mitläufer zu ertragen. Andererseits: als man im WM Halbfinale gegen Spanien dank der Sperre von Thomas Müller einen Trochowski brauchte, der den Unterschied ausmacht... Stattdessen hat Toni Kroos laut Fussballdaten.de Spielbericht 7 Minuten nachdem er für Piots eingewechselt wurde, die erste klare Chance und das 1:0 auf dem Fuß...
Trochowski: Ein Spieler, der in entscheidenden Moment immer abtaucht. Und trotzdem deutscher Nationalspieler. Jetzt wechselt er nach Spanien zum FC Sevilla. Ich werde ihn vermissen.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Das werden wir unsern Kindern erklären müssen: Carsten Jancker

Carsten Jancker: Länderspiele 33
Debüt: 14.10.1998 gegen Modawien 

Carsten Jancker war ein besonderer Spieler. 193 cm pure Muskelmasse, die umfallen sobald man sich ihnen entgegenstellt. Während andere sich in die Nationalmannschaft odonkorn, janckerte er sich halt zu einer großen Fussballkarriere. Die Taktik war dabei immer die gleiche: Körper reinstellen, Gegnerkontakt suchen und dann theatralisch umfallen. Was alles kein Problem gewesen wäre, wenn er 1,66 klein und schmächtig gewesen wäre, aber bei seinen Maßen... war es eigentlich lächerlich.
Dennoch funktionierte es in der Bundesliga und er holte genügen Freistöße für die Bayern raus, um Nationalspieler  zu werden.
2 große Turniere spielte Jancker. Bei der 2000er EM ging er mit unter. Vor seinem 2. Turnier hatte er seinen Stammplatz bei den Bayern verloren und wechselte nach der WM nach Italien. Sein einziges Tor bei einem großen Turnier erzielte er gegen Saudi Arabien. Ja, das war dieses 8:0 Schützenfest, dass die Grundlage für die Torjägerkanone (und das beinah Einstellen des Ronaldo-Rekordes) für Miroslav Klose war...
Und er erzielte wirklich das 1:0 gegen England im EM Qualifikationsspiel in München. Danach sagten die Engländer aber: Alter, so nicht. Wir ertragen ja einiges, weil wir ja irgendwie auch wissen, dass '66 nicht so ganz zu klären ist und so. Und wir lassen uns auch von Didier Hamann beim Wembley Abschied abschießen... aber ein Jancker Tor? Seriously? That goes too far...

Interessanter Weise funktionierte diese Spielweise aber auch nur bei den Bayern und in der Nationalmannschaft. Selbst in Italien, wo ja die größten Schauspieler der Rasenbühne zu Hause sind, brachte Janckers Spielweise zu wenig für Udinese Calcio um sich dort wirklich durchzusetzen. In England hätte diese Taktik wahrscheinlich doch erfolgreich sein können, wenn auch auf Umwegen... die Englischen Verteidiger hätten wahrscheinlich einen Lachanfall bekommen, wenn sie Jancker umfallen sehen...
2 Jahre in Kaiserslautern zeigten ihm dann, wie es ist, wenn es nicht heißt: Im Zweifel für den (Bayern-)Stürmer und wie es ist, wenn man nicht von den besten Spielern der Liga umgeben ist. Das Projekt, drücken wir es freundlich aus, scheiterte. Im zweiten Jahr brachte er es auf überragende 5 Einsätze an den ersten 8 Spieltagen. Und dabei bekam er 3 Mal die Note 5.
Das halbe Jahr in China wurde wahrscheinlich von der Wettmafia organisiert, damit Shanghai Shenhua einen Spieler hat, der im Zweifelsfall fragwürdige Elfmeter oder Freistöße rausholen kann. Und danach ging es auch schon wieder zurück zu den Wurzeln: Österreich.
Damit kam Jancker nach seiner Reise um die Halbe Welt mit einer einzigen Fähigkeit wieder dort an, wo seine Reise begann.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Das werden wir unseren Kindern erklären müssen: Fabian Ernst

Fabian Ernst, Länderspiele: 24
Debüt: 9.5.2002 gegen Kuwait

Fabian Ernst ist der lebende Beweis für die Stärke des Mittelfelds von Werder Bremen unter Thomas Schaaf. Man musste offensichtlich kein wirklich guter Fußballer sein, um in diesem Offensivsystem als Mittelfeldspieler zu glänzen. Anders ist die Karriere eines Ernsts nicht zu erklären. Schließlich legte Ernst in einer einzigen Saison 10 Tore auf. Dafür brauchten andere Nationalspieler ihre gesamte Karriere... Und das Bremer Mittelfeld war in diesen Jahren das spielstärkste der Bundesliga... wenn ein Fabian Ernst dann allerdings in der Nationalmannschaft versuchte, Dinge spielerisch zu lösen... kam das bei raus: Ernst leitet das Ausgleichstor der Niederländer im Gruppenspiel bei der Euro 2004 quasi direkt ein.
Überraschender Weise ging es mit Ernsts Nationalmannschaftskarriere genauso schnell bergab, wie es mit der Nationalmannschaft im Allgemeinen bergauf ging. Den Confed Cup 2005 durfte er noch mitmachen. Danach erlag er allerdings wie so viele Bremer der großen Versuchung Schalke 04. Ernsthaft, Schalke 04 war so etwas wie der Baum der Erkenntnis für die Bremer im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends und Rudi Assauer war die Schlange, die sagte: Beiß zu... Leider war die Allgemeine Erkenntnis dieser Spieler: Eigentlich sind wir nicht so gut. Alle wussten, dass die Vetreibung aus dem Bremer Paradis folgen würde. Und das Schalke am Ende zur Sackgasse werden würde. Dennoch wechselten Oliver Reck, Frank Rost, Fabian Ernst und Aliton allesamt zu den Schalkern.
Ernst kam ohne seine Bremer Komparsen jedenfalls in 3 1/2 Jahren Schalke nicht auf die 10 Torvorlagen, die er in der Bremer Meistersaison auflegte... Und für die Nationalmannschaft durfte er nur noch einmal spielen. Der Wechsel zu Besiktas Istanbul ließ ihn dann endgültig von der allgemeinen Bildfläche verschwinden.
Und so lässt sich Ernsts Nationalmannschaftskarriere in einem Konjunktiv zusammenfassen: Hätte er damals gegen die Niederlande doch nur, wie sich das für einen Deutschen Nationalspieler gehört, den Ball unters Tribünendach gedroschen... Aber er wollte die Situation spielerisch lösen...

Dienstag, 21. Juni 2011

Ich muss ja zugeben,

dass ich bei meinem ursprünglichen Ballack-fliegt-aus-der-Nationalmannschaft Post vor einem Halben Jahr doch relativ weit daneben lag. Ich ging davon aus, dass die erneute schwere Verletzung uns das allgemeine Drama ersparen wird. Aber wie es aussieht, ist der netter Herr Löw ein noch größeres Arschloch als alle gedacht haben. Zumindest, wenn man den Aussagen von Ballack glaubt (und ich glaube ihm eher als Jogi Löw... dafür ist Löws Liste an menschlichen Verfehlungen einfach zu lang). Wenn Ballacks Aussagen wirklich so stimmen...
...dann hat Jogi Löw zunächst einem Spieler Mut gemacht sich extra nochmal für die Nationalmannschaft reinzuhängen und ja nicht aufzgeben, obwohl er eigentlich schon wusste, dass er nicht mehr mit diesem Spieler plant.
Aber das alleine reichte dem Herrn Löw ja noch nicht mal. Nachdem besagter Spieler laut eigener Aussage selber zu der Erkenntnis gekommen ist, dass ein Rücktritt vielleicht doch angemessener wäre, verkündet der Bundestrainer, während dieser Spieler im Urlaub und damit noch für 3 Tage nicht zu erreichen ist, dass man nicht mehr mit ihm plane... und ein 98 facher Nationalspieler muss diese Nachricht eine Stunde vor uns per SMS erfahren.
Holy motherfucking shit. Ernsthaft. Wenn Ballacks Aussagen stimmen (wenn wir ehrlich sind, werden wir nie erfahren, wer von den beiden in dieser Schlammschlacht wirklich noch bei der Wahrheit bleibt... ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass Ballacks Sicht auf die Dinge nicht völlig frei erfunden ist)... sagte ich schon holy motherfucking shit? Und eigentlich hätte sich Löw vorher nur fragen lassen müssen, warum er einen Miroslav Klose und einen Lukas Podolski so bevorzugt, während er einen eher verdienteren Ballack wie Dreck behandelt. Jetzt sollte die Fragestellung eigentlich eine andere sein: "Herr Löw, sind sie ein Arschloch?", oder "War es wirklich zu viel verlangt, dass Michael Ballack seinen Abschied selber verkünden darf?" und wenn wir schon dabei sind: "Sollte unsere Nationalmannschaft von so einem Arschloch trainiert werden?"

Was mich aber an diesem ganzen Drama: Unsere Medien manchen diese Geschichte zu der eigentliche Farce. Sport1.de nennt ihre Bilderserie zu dem Thema "ohne Rücksicht auf große Namen." Das klingt genau nach der kritischen Analyse, die wir brauchen. Aber selbst der Kicker stellt sich eindeutig und ohne zu hinterfragen hinter Löw. Und den absoluten Vogel schießt kicker-Herrausgeber Rainer Holzschuh ab. Ich zitiere aus seinem Kommentar im Montagskicker:
"Da hat ein alternder Sportstar nicht begriffen, dass nachrückende junge Talente schon immer die etablierten Platzhirsche vor sich hergetrieben und früher oder später verdrängt haben;"
Und ich dachte, Podolskis Einstufung in die internationale Klasse wäre fragwürdig... Ganz ehrlich, hat der Mann das letzte Ballack Statement überhaupt gelesen, bevor er seinen Kommentar geschrieben hat? Ich lese es jetzt zum 5. Mal, weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass ich eine andere Erklärung bekommen habe, als der Kicker (obwohl meine Erklärung die im Kicker abgedruckte ist...) Wie kann man Michael Ballacks Statement bitte so ignorieren? Das sind richtig heftige Vorwürfe, die da erhoben werden. Und ein kritischer Journalist sollte diesen Vorwürfen vielleicht mal auf den Grund gehen... Aber anscheinend beweihräuchern sich unsere kritischen Journalisten lieber an den Erfolgen der Nationalmannschaft...
Wenn Ballack wirklich die Wahrheit gesagt hat... bleibt in meinen Augen eigentlich nur noch der Rücktritt von Löw oder sein Rauswurf eine Option. Weil die Art und Weise echt alles toppt, was es in der deutschen Nationalmannschaft so gab. Aber es sieht so aus, als würde ein wirklich gutes Spiel bei der Europameisterschaft 2008 und eine spielerisch richtig Starke WM reichen um Jogi Löw für alles die Absolution zu geben.

So einen Umgang hat kein Sportler der Welt verdient. Und Michael Ballack 2 mal nicht. Schließlich hatte Ballack mit den Erfolgen der Deutschen Nationalmannschaft in den letzten 10 Jahren mehr zu tun als Jogi Löw. Nur um das nochmal zu verdeutlichen: Die "Das werden wir unseren Kindern erklären müssen" Liste beinhaltet im wesentlichen die Spieler, mit denen Michael Ballack versuchen musste, internationale Titel zu holen. Und er ist verdammt dicht dran gekommen.