Montag, 14. März 2022

Worst of des "Magath is zurück!" Wochenendes

 Sind wir uns sicher, dass Fredi Bobic nicht einfach nur einen Konkurrenten ausschalten will und danach dann zur Eintracht zurückkehrt? Also den Karriereweg von Christian Heidel folgt? Habt ihr eine bessere Erklärung?

Wenigstens muss er sich dieses Mal keine Nepotismus vorwerfen lassen. Aber ganz ehrlich: Felix Magaths Zeit war doch vorbei. Seine letzten Anstellungen endeten im Desaster. Die davor genaugenommen auch. Was natürlich in Berlin kein Problem ist, da kann halt gerade niemand an langfristige Erfolge denken. Und Magath ist ja der 2. Trainer dieser Saison, der erstmal nur bis zum Saisonende bleiben soll. 

Die eigentliche Überraschung ist ja, dass Magath sich das nochmal antut. Also nicht nur unter jemanden zu arbeiten, sondern unter jemand derart dominanten zu arbeiten, wie Bobic das gerade ist. Aber hey, wenn dessen Plan wirklich eine Rückkehr nach Frankfurt ist, kann Magath dann im Sommer wieder seine Doppelposition übernehmen und 20 neue Spieler verpflichten. Vielleicht kann er ja dem Lars Windhorst vermitteln, dass er viel besser mit Geld umgehen kann, als all die Vorgänger. Und dann verpflichtet er als Nächstes für 10 Millionen Max Kruse... 

Absurderweise gehe ich trotzdem davon aus, dass das funktionieren wird. Obwohl Magaths letzte erfolgreiche Saison aus dem Jahr 2010 ist. Obwohl seine Methoden aus der Zeit gefallen wirken. Aber für einen letzten Dead Coach Bounce wird es trotzdem noch reichen. Am Ende sind es halt auch nur 2 Punkte auf Arminia Bielefeld und 3 auf den FC Augsburg

Und ich sag das mal so: Der VfB Stuttgart zeigt ja, wie schnell es gehen kann. Vor 2 Wochen dachte man noch "Das wird halt dieses Jahr nicht, schade eigentlich."... Dann erzielt man die späten Tore auf einmal selber und schon ist man auf dem Relegationsplatz. Das Absurde am Abstiegskampf ist: Man braucht echt nur einen kurzen Lauf und ein wenig Glück, schon ist man zurück im Spiel. Und man muss darauf hoffen, dass der Trainer der Konkurrenz nach deinem eigenen Spiel entlassen wird.

Das ist halt irgendwie der Unterschied zwischen dem Tabellenkeller und den Mannschaften oben: Unten kann man ein spätes Unentschieden mal feiern, oben... oh warte...

TSG 1899 Hoffenheim: Ok, das mag ein wenig eine Überreaktion sein. Schließlich haben die das erste Mal seit 1899 vor mehr als 13.000 Fans gespielt. Hoffenheim hatte ja zwischenzeitlich das Problem, dass sie trotz Einschränkungen das Stadion nicht ausverkauft haben. Da kann man sich schon ein bisschen gehen lassen, wenn man vor ausverkauften Haus spielt.

Aber ganz sachlich gesehen: Dass die Hoffenheimer sich für ein Unentschieden so feiern lassen, nur weil es gegen die Bayern ging. Dass es eine Sensation ist, wenn der Tabellenvierte nicht vom Rekordmeister aus dem eigenen Stadion geschossen wird. Und das auch nur, weil die Bayern sehr großzügig mit ihren Chancen umgegangen sind. Die Reaktion der Hoffenheimer beweist wieder schmerzlich, wie weit weg die Bayern sind und wie ungesund das für die Liga ist. Ganz sachlich haben die Hoffenheimer nichts geleistet, was irgendwie herausragend sein sollte. Sie haben 2 Tabellenplätze verloren. Und so, wie RB Leipzig gerade punktet, kann man zu Hause kaum Punkte liegen lassen, wenn man in die Champions League will. Absurderweise macht es die Freiburger Ausbeute gerade sogar schwierig, mit einem Unentschieden Platz 5 zu sichern. Wenn man aber einfach nur mitspielen will, kann man sich hinterher für ein Unentschieden feiern lassen.

Stellt euch einfach mal selber folgende Frage: Würde Arsenal London sich dafür feiern lassen, wenn sie im Emirates Stadium ein Unentschieden gegen Manchester City holen? Eher nicht, schließlich hat man ja doch den Anspruch wieder in die Champions League zu kommen und da ist ein Unentschieden zu wenig. Hey, auch wenn es "nur" gegen den FC Liverpool geht, können wir das am Mittwoch rausfinden... Atletico Madrid würde ein Unentschieden gegen Real Madrid auf gar keinen Fall so feiern. Die haben aber halt einen Diego Simeone

Aber genau dieses "Wir sind ja schon zufrieden, wenn wir die Bayern ein wenig fordern und sie uns nicht aus dem eigenen Stadion schießen" Haltung ist und bleibt das Grundproblem der Bundesliga. Dass die Bayern in der Liga so dominant sind, liegt halt nicht nur an den Bayern, sondern auch daran, dass der Rest sich mit viel zu wenig viel zu zufriedengibt. Hoffentlich ändert RB da irgendwann was dran.

Dr. Rainer Koch, Vollidiot der Woche. Oder des Monats. Oder jetzt schon des Jahres. Also ganz ehrlich, wie dumm kann man sich anstellen? Angeblich hat Kom Jong-un dessen Rede gesehen und hinterher verlauten lassen: "Das kann man doch so nicht vor einer Wahl sagen." Du musst denen doch wenigstens die Illusion lassen, dass sie sich aus freien Stücken für dich entscheiden. Wenn man das nicht schafft... wird man halt abgewählt.

Es ist echt faszinierend, wie Koch bis zum Schluss einerseits daran geglaubt hat, dass er fest im Sattel sitzt, andererseits nicht sieht, dass er das Problem ist.

Freitag, 11. März 2022

Und dann geht plötzlich so ein Scheiß durch meine Timeline

 Ernsthaft, am Ende werde ich Facebook nicht wegen Querdenkern und Neonazis abschaffen, sondern wegen den 11 Freunden.

An der Stelle muss direkt erstmal ein ganz dicker Disclaimer rein: Ich habe nicht das Probeabo abgeschlossen, welches die mir verkaufen wollen. Ich weiß also nicht, ob die 11 Freunde das reißerisch zusammengeschnitten haben, oder ob der Sportforscher Simon Chadwick das wirklich so gesagt hat... Und ich weiß auch nicht, ob die 11 Freunde Redaktion ihn danach darauf hingewiesen hat, was für ein Blödsinn das ist. Aber hier kommt das, was vor der Paywall erreichbar ist. (Und ja, Link geht zu Facebook, aber ich zitiere das auch hier, ihr könnt mir also ruhig glauben.):

"Schalke ist als traditioneller Arbeiterklub emblematisch. Es war eine strategische Verführung, dass Gazprom dazugehörte. Das war ein trojanisches Pferd. Warum sollte man Gazprom auch in Frage stellen: Das sind doch die Sponsoren der Champions League."

Also nehmen wir das mal in der Reihenfolge auseinander, in der es da steht:

1.) Schalke war 2008 ein ziemlich heruntergewirtschaftetes Millionenunternehmen. Es wurde von einem Clemens Tönnies geführt, der von einer Arbeiterbewegung ungefähr so weit entfernt ist, wie Putin von einem lupenreinen Demokraten. Man leistete sich Spieler wie Kevin Kuranyi, der mit 6,9 Millionen Ablöse mehr Geld in einem Sommer bewegt hat, als ein gemeiner Arbeiter in seinem Leben sehen wird. Oh und Mike Büskens musste für 4 Spiele als Trainer übernehmen. Also sowohl 2007/08, als auch das Jahr darauf. Manche Dinge ändern sich nie. Oh und man spielte in einem wunderschönen, zur WM neu errichteten Stadion, welches das Wachstum extrem beschleunigte. Dieses Stadion hieß überraschender Weise nie "Arbeiterkampfbahn"...
Aber mit Arbeitern hatte dieser Verein allgemein nichts zu tun. Also außer vielleicht die paar Fans, die sich das Ticket gerade so noch leisten konnten.

Aber dann... wurde man ja verführt. Die wollten ja gar nicht. Und die konnten ja gar nichts dafür. Schalke ist das Opfer hier. Wisst ihr, was das wirklich schlimme an dieser Aussage ist: Es ist genau die Ausrede, die unsere Großeltern auch genutzt haben. Also falls eure Großeltern auch alt genug waren, um Nazideutschland live miterlebt zu haben.
Da hieß es nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges plötzlich: Der Hitler war das alles alleine. Der hat uns verführt. Wir waren gar keine Nazis! Wir waren dagegen! Innerlich! Wir waren alle Sophie Scholl!!!Wir hätten nie die 3000 Reichsmark genommen, und uns an dem System bereichert!

Ganz ehrlich: Gebt Schalke nicht die Möglichkeit, jetzt in die Opferrolle zu fliehen. Weist sie darauf hin, dass Gazprom schon 2008 ein eher dubioser Sponsor war. Und dass man spätestens 2021 dies nicht mehr ignorieren konnte. Schalke hat es aber trotzdem ignoriert und der Vertrag einfach mal langfristig verlängert. Diesen Vorwurf müssen sie sich gefallen lassen. Da können sie sich nicht einfach herausreden. Und wenn sie dies versuchen, dann harkt nach.

Dann kommen wir zu dem einzigen richtigen Teil: Die Gazprom Sponsorenverträge waren ein trojanisches Pferd. Stimmt vollkommen. Aber hier ist das entscheidende: Schalke waren die Vollpfosten von der Stadtmauer, die dieses vergiftete Geschenk gesehen haben und sich dann dachten: Boah, glitzert voll geil, das holen wir erstmal rein... und was das dann erstmal ist, gucken wir später. Beziehungsweise wir gucken gar nicht nach und tun einfach konsequent weiter, als ob das schön glitzert, auch wenn um uns herum schon alles brennt. Schalke hat Gazprom die Tore nach Europa geöffnet. Das muss man bei jeder Debatte über diese Situation immer wieder festhalten.

Vor allem, weil der angeblich so gute Arbeiterklub richtig beschissen geführt worden ist. Man war trotz der regelmäßig reinkommenden Champions League Millionen und den Umsatzsteigerungen durch die neue Arena so pleite, dass man jedes Geld unabhängig von moralischen Bedenken annehmen musste. Und es gab damals mehr als genug moralische Bedenken. Alle anderen Champions League Teilnehmer sagten zu Gazprom ab. Nur mit Schalke konnte man verhandeln.

Das bringt mich ja zu dem größten Aussetzer vom Chadwick. Also ich habe mal nen Kalender aufgeschlagen. Wofür hat man sonst so ein Handy? Und in diesem Kalender kriegt man etwas absurd revolutionäres raus: 2008 war vor 2012! Ja, wirklich. Hat mir die CIA geschrieben, und die finden alles raus. Zu behaupten, dass Schalke den Sponsorenvertrag mit Gazprom nicht hinterfragen konnte, weil das ja auch der Großsponsor der Champions League war, ist einfach... also... selbst Querdenker sind nicht so doof, dass sie behaupten, 2012 wäre vor 2008.

Abgesehen davon sind doch UEFA und Fifa seit Jahren, drücken wir es diplomatisch aus, nicht unbedingt als Institutionen höchster moralischer Integrität bekannt. Wenn jemand Sponsorenverträge mit diesen Verbänden abschließen, sollte das doch sofort ein riesiges, nicht zu übersehendes Warnschild sein. Wenn man wirklich den Anspruch eines Arbeiterklubs hätte, sollte man sich doch so weit wie möglich von allem, was irgendwie bei der Fifa oder UEFA mit drin hängt, distanzieren. Also schonmal vorsorglich. Nur wenn man selber einen ähnlichen moralischen Anspruch hat, denkt man sich, dass das doch alles integre Verhandlungspartner sind.

Nebenbei gibt es etwas, was bei dieser Debatte vollkommen untergeht. Wisst ihr, wer in diesen Gazprom Deals immer tief mit drinsteckte? Peter Peters. Also der war offiziell seit 1993 Geschäftsführer. Er war von 1994 bis 2020 für die Finanzen verantwortlich. Er hat also erst dabei geholfen, dass Schalke in die Position gewirtschaftet wurde, dass sie das dreckige Geld brauchten... und dann hat er geholfen, die Verträge mit Gazprom einzutüten. Aber man ist ja nur getäuscht worden, da kann man ja nichts dafür. Und was soll Peters als erste richtig große Sportpointe des Jahres jetzt laut den DFL-Vereinen werden?

DFB-Präsident! Lasst es mich mal so fragen: Was ist gerade das wichtigste, was ein neuer DFB-Präsident braucht, um wenigstens das Image dieses Verbandes ein wenig zu retten? Vom "Aufräumen" wollen wir mal gar nicht träumen, solange Dr. Rainer Koch da noch im Topf rumrührt. Also auf meiner Liste wären "Seriöses, langfristiges Wirtschaften" und "Eine möglichst große Distanz zu Despoten und moralisch fragwürdigen Geldgebern" ziemlich weit oben auf der Liste. Und "Wir wurden getäuscht" und "das konnten wir ja nicht wissen" ziemlich weit unten. Aber ja, das wird jetzt der Mann, der beim DFB alles besser macht.

Dienstag, 8. März 2022

Es ist schön, wie jetzt alle ihr Gewissen reinwaschen.

Oh, guckt mal, die Schalker, die sind so konsequent, sie kündigen jetzt einseitig ihren Sponsorenvertrag mit Gazprom... und gehen den Weg so konsequent, dass jetzt "Vivawest" auf ihren Trikots zu lesen ist. Konsequenter kann man eine 180 Grad Drehung gar nicht vollziehen. Da kann man sehr stolz auf den Verein sein.

Gut, wie schon erwähnt, wäre es eigentlich konsequent gewesen, den Vertrag im April 2021 nicht zu verlängern, denn Putin war auch da schon ein homophobes, nationalistisches Arschloch. Aber damals hat er ja nur Krieg führen lassen und nicht selber zu den Panzern gegriffen, das ist was ganz anderes.

Was mich ja am meisten nervt: Wo bleibt jetzt eigentlich der investigative Journalismus, lieber Kicker? Also wo ihr euch doch bei jeder Gelegenheit damit brüstet, dass ihr damals die Lage auf Dortmund so schön aufgedeckt habt. Geschichten aus diesem "Früher", als der Kicker noch ein Fachmagazin war

Wo bleiben also diese ausführlichen und gut recherchierten Artikel, in denen uns als Laien erklärt wird, wie Russland wunderbares "Sportswashing" betrieben hat und Sponsorenverträge und Großveranstaltungen genutzt hat, um Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Da kann man doch bestimmt wunderbar ein 30 Minuten Video zusammenbasteln, wenn man die Dinge wenigstens halbwegs aufschlüsselt.

Also ja, kann man. Hat Alfie von HITC Seven auch gemacht. Nur muss ich halt mittlerweile nach unabhängigen Youtubern gucken, wenn ich so etwas erfahren will. Das ist aber auch keine wirkliche Neuigkeit. Auch von der Arbeit eines Romain Molina erfahre ich ja im Kicker nichts, sondern nur auf Youtube. Und Triggerwarnung: Wenn ihr diesem Link folgt, erfahrt ihr, wie viele nachgewiesene Misshandlungen von jungen Spielern und Spielerinnen es im Fußball so gibt. Da kommt auch jeden Monat was Neues dazu. Aber auch dafür interessiert sich keine Sau. Nur so nen paar dumme Nerds mit eigenem Youtube Kanal wollen sich damit beschäftigen. Aber das führe ich bei Gelegenheit mal aus. Zurück zu den Russen und anderen Diktatoren.

Wenn man genau hingucken würde, könnte man herauskriegen, wie Gazprom seine Position als Großsponsor ausgenutzt hat, um nebenbei in der VIP-Lounge Verträge mit der Stadt Manchester abzuschließen. Man könnte herausfinden, dass Oligarchen wie Igor Setschin und Roman Abramovich die WM Vergabe entschieden haben. Wie Russland strategisch Leute im Fußball platziert hat, damit man auf verschiedene Verein Einfluss nehmen kann. Also von Usmanov in Everton über Rybolovlev in Monaco und Fedun in Moskau... und ganz offensichtlich Abramowitch in London. Es gibt erschreckend viele Fußballvereine, die sich jetzt von ihren russischen Investoren distanzieren müssen... Die meisten dieser Menschen kamen nebenbei zu ihrem Reichtum, weil sie den Zusammenbruch der Sowjetunion eiskalt ausgenutzt haben...

Russland und seine Oligarchen haben den Fußball immer genutzt, um Verbindungen nach Europa aufzubauen oder um das eigene Volk abzulenken. Und am Ende landet man immer bei Gazprom... kaum jemand hat so viel in diesen Sport investiert, wie der russische Gasgigant.

Aber wir standen halt alle daneben und haben applaudiert. Wenn man sich jetzt wirklich kritisch mit der Rolle der Russen im europäischen Fußball beschäftigen würde, müsste man ja auch anerkennen, dass man selber seinen Beitrag dazu geleistet hat, dass wir jetzt in dieser beschissenen Situation sind, denn man hat dadurch das System Putin unterstützt. Das kann ja nicht gewollt sein.

Nebenbei sind Putin und seine Oligarchen ja gerade der praktische Beweis, dass große Sportevents wie die WM oder die Olympischen Spiele eben nicht zu einem Wandel im Land und mehr Freiheit führen, sondern nur dazu genutzt werden, um Stärke zu demonstrieren und seine Macht zu festigen.

Lustigerweise wird Russland jetzt ja von der Fifa WM ausgeschlossen, weil sie auf Menschenrechte scheißen und Krieg führen... Das ist jetzt echt unfair, es dachten doch all, dass das eine Teilnahmebedingung an der WM in Katar war...

Aber das ist ja das andere Problem: Wenn man sich jetzt wirklich mit den Konsequenzen dreckiger Investoren beschäftigt, landet man auch an dem Punkt, dass man eigentlich keine Geschäfte mit Katar, Saudi-Arabien oder Aserbaidschan machen kann. Lasst uns aus lauter Spaß noch Ungarn hinzufügen. Aber das sind alles immer noch legitime Partner, die von der UEFA und Fifa hofiert werden.

Russland hat den Fußball einfach nur ausgenutzt. Genauso wie es die anderen "lupenreinen Demokraten" machen. Und wenn man jetzt anfängt, derartige Praxis zu hinterfragen, sticht man in ein Wespennest, welches man halt lieber unberührt lässt. Denn es hängt ja am Ende auch das eigene Gehalt daran. Gucken Sie weg, hier gibt es nichts zu sehen.

Da ist es natürlich viel einfacher, die Schalker zu Helden mit einem ganz tollen Rückgrat zu machen. Auch wenn man damit indirekt allen moralisch fragwürdigen Investoren in die Hände spielt, weil man beweist, dass Sportswashing funktioniert, solange man kein Land in Europa angreift...

Dienstag, 1. März 2022

Die Sache mit Schalke und Gazprom oder RB und Moskau

 Nun also doch. Also jetzt erreicht der Krieg auch diesen Blog. Man kann es halt einfach nicht ignorieren. Ist halt in Europa und nicht in Afrika, da kann man dann nicht so einfach wegschauen. Da muss es Konsequenzen geben.

Und ja, dass was da in der Ukraine passiert ist schrecklich und verurteilenswert. Und Fuck Putin. Wobei ich ja eigentlich aus der "Fick nicht die Welt, sondern schwänger sie" Position komme... Dabei sollte man aber bedenken: Die Menschen in Jemen oder Äthiopien nennen das Dienstag. Wenn man aber aus Jemen in die Ukraine geflüchtet ist und jetzt aus guten Gründen vor der polnischen Grenze steht, knallen einem die guten Christen die Stalltür vor der Nase ins Gesicht. Also nur um mal ganz genau festzuhalten, wie weit unsere europäische Solidarität geht...

Aber lasst uns mal erörtern, wie der Sport und insbesondere der Fußball auf diesen Krieg reagiert und was wir daraus lernen können. Und fangen wir RB Leipzig an. Denn die haben ja das ganz große Los gezogen und sollten mitten im Krieg nach Russland fliegen. Gute Idee. Das wurde dann aber wenig überraschend abgesagt und RB bekam doch ein Freilos.

Worauf wir aber mal im Detail achten sollten, ist die Positionierung von Oliver Mintzlaff. Der stellte nämlich gleich klar, dass er nur davon ausgeht, dass dieses Spiel nicht stattfinden wird. Und dass sich die Uefa darum kümmern wird. Das ist wirklich schade. Also warum bezieht man da nicht klar und eindeutig Stellung: Da wird ein völkerrechtswidriger Krieg geführt, gegen russische Mannschaften können und wollen wir deswegen derzeit nicht spielen. Wenn die Uefa uns dafür bestraft und wir deswegen ausscheiden, dann ist das so.

Aber das ist ja das Grundproblem: Wir wollen alle Sanktionen gegen Russland sehen, aber diese Sanktionen dürfen uns nicht beeinträchtigen. Wenn wir selber deswegen finanzielle Einbußen hinnehmen müssten, finden wir uns doch Möglichkeiten uns mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Deswegen wurde ja auch an Nordstream 2 solange festgehalten. Und auch RB weigerte sich eine "Wir sind auch dagegen, wenn es uns schadet" Haltung einzunehmen.

Nur um mal festzuhalten, dass das möglich wäre: Sebastian Vettel hat schon vor der offiziellen Absage angekündigt, dass er nicht für einen Grand Prix nach Russland reisen wird. Das geht also durchaus, man muss nur wollen.

Und ja, man muss an der Stelle auch festhalten, dass dies nicht Russlands, sondern Putins Krieg ist. Dass es keinen Grund gibt, eine Hetzjagd auf Russen im Allgemeinen zu starten. Dummerweise ist aber auch genau das, was passieren würde, wenn russische Mannschaft jetzt an internationalen Spielen teilnehmen würde. Die Stimmung im Stadion wäre im besten Fall vergiftet. Im schlimmsten Fall nutzen bekloppte und betrunkene Fans die Gelegenheit, ihren Hass an den russischen Athleten auszulassen. Es würde verdammt hässlich werden und es gibt keinen Grund das den Spielern anzutun. Und es müssen ja nicht mal die Fans im Stadion sein, es reicht ja, wenn militante Friedensdemonstranten den Bus auf dem Weg ins Stadion blockieren und mit Steinen bewerfen.

Das nächste Problem ist doch: Der Schritt von russischen Fußballvereinen zu Putin ist meist erschreckend klein. Denn die gehören ja im Wesentlichen genau den Oligarchen, auf die wir jetzt die größten Hoffnungen setzen, dass die Putin stürzen. Aber die sind ja nur Oligarchen, weil sie Putin jahrelang unterstützt haben. Also nehmen wir mal demonstrativ, weil er der bekannteste Name ist und jetzt die Kontrolle über Chelsea London abgeben musste, Roman Abramowitch. Der ist ja nur in die Position gekommen sich Chelski zu leisten, weil er sich mit Putin gut gestellt hat

Und, um den Bogen zum anderen großen Thema zu schlagen, es gibt halt auch gute Gründe, warum es Bilder von Clemens Tönnies und Wladimir Putin gibt. Und warum Tönnies uns erzählt hat, was für ein cooler Typ Putin ist. Denn wer mit Gazprom verhandelt, verhandelt beinah direkt mit Putin. Aber die gute Nachricht für alle Schalker: Man muss sich jetzt nicht mehr fragen, wer auf diesem Bild das größere Arschloch ist.

Dabei ist es sehr lobenswert, dass Schalke die Zusammenarbeit mit Gazprom einseitig aufkündigt. Die machen jetzt genau das, was Leipzig vermieden hat: Sie positionieren sich, auch wenn es weh tut. Und wir reden hier von Schalke, die echt nicht in der Position sind, finanzielle Einbußen hinzunehmen.

Aber jetzt springen wir den Helden von Schalke sofort zur Seite. Also der Boss des größten Rivalen bringt direkt Hilfspakete für Schalke ins Gespräch. Ähm... wäre es nicht sinnvoller, die Gelder an Menschen in Krisengebieten zu spenden? Also vor allem, weil Schalke ja auch bekannt dafür ist, derartige Gelder zu verbrennen. Wenn es ein gut geführter Verein wäre, könnte man darüber reden, aber dann wären sie halt auch nicht in dieser Position.

Obwohl... selbst dann. Also wisst ihr, was mit einem beliebigen Regionalligisten passiert, wenn der Hauptsponsor Konkurs anmeldet, wofür man als Verein ja nun wirklich nichts kann? Diese Mannschaft verliert dann die Lizenz. Aber Schalke müssen wir retten.

Dabei haben die freiwillig einen Deal mit dem Teufel abgeschlossen. Also es ist ja nicht so, dass Putin überraschend und über Nacht zum Arschloch geworden. Der war schon immer ein Systemkritiker ermordender und Schwulen hassender Diktator. Die einzige wirkliche Überraschung ist es doch, dass Putin jetzt wirklich durchzieht, womit er seit Jahren droht.

Schalke hat den Vertrag mit Gazprom im April 2021 verlängert. Da war die Krim schon ein paar Jahre besetzt und die Russen ließen einen Bürgerkrieg in der Ost-Ukraine führen. Und ein gewisser Nawalny hat da bereits seine Haftstrafe in einem Arbeitslager angetreten. Und das, obwohl Nawalny die militärischen Aktionen von Putin an sich gut findet. Oh ja, der Typ, den wir hier für den größten Freiheitskämpfer in Russland halten ist auch ein richtiger Nationalist und würde gerne Georgier deportieren. Ich nenne den Namen ja auch nur, weil er das bekannteste Beispiel ist. Aber er ist ja bestimmt nur ein bedauerlicher Einzelfall.

Jedenfalls gab es auch schon im Frühjahr 2021 gute Gründe, die Zusammenarbeit zu beenden, aber stattdessen wurde sie ausgeweitet. Und Schalke war 2007 halt buchstäblich der Steigbügelhalter für Gazprom. Also, die wollten unbedingt in den europäischen Markt und mussten ihr Image aufpolieren. Die richtig Großen wollten aber nichts mit denen zu tun haben. Also stieg man so hoch wie möglich ein und das war halt Schalke. Denn den Schalkern ging es damals schon so schlecht, dass die moralischen Bedenken bei diesem Deal in den Hintergrund treten mussten. Aber die spielten immerhin halbwegs regelmäßig Champions League. Und siehe da, 5 Jahre nachdem Schalke Einstieg wurden sie Sponsor der Champions League und das Logo war plötzlich überall. Und GENAU DAS war ja das Ziel von denen. Seit dem sind die überall präsent und auch Großsponsor der Europameisterschaften. Und ja, noch vor 7 Tagen wurde darüber diskutiert, ob Gazprom bei "unserer EM 2024" als Großsponsor auftreten darf.

Das Geld dafür hatten sie schon immer. Die Reputation dafür haben sie sich auf Schalke erworben. Und Schalke hätte davon auch sehr gut leben können. Aber es war auch immer offensichtlich, dass das ziemliche Arschlöcher sind...
Andererseits... reden wir von einem Verein, der seine Meisterschaften in der Nazizeit errungen hat... Sich mit menschenverachtenden Machthabern zu arrangieren, liegt vielleicht auch einfach in deren Blut.

Aber jetzt so zu tun, als hätte man das, was wir alle wussten, nicht mal ahnen können. Hier ein theoretisches Beispiel: Wenn jetzt spontan der Wirkstoff von Energy-Drinks zur Droge erklärt und kriminalisiert wird. Irgendwas muss ja das Cannabis ersetzen, wir können die ganzen Drogenfahnder ja nicht arbeitslos machen. Obwohl mir die Hunde, die das dann erschnüffeln müssen, noch mehr leidtun, als jetzt. Aber gebt schon mal die "Taurin ist kein Brokkoli" T-Shirts in Auftrag. Und das klingt ziemlich absurd, bis einem bewusst wird, dass das Coca in der Cola wirklich mal für Kokain stand

Wenn jetzt jedenfalls das Geschäftsmodell von RedBull über Nacht abgeschafft wird, Dietrich Mateschitz in den Drogenuntergrund gehen muss und das gesamte Konstrukt in Leipzig zusammenbrechen würde, käme auch keiner auf die Idee, die zu retten. Also kein anderer Bundesligist, ein neuer Investor würde sich finden lassen. Alle würden sagen: Ihr wusstet, worauf ihr euch einlasst, wenn ihr euch in die totale Abhängigkeit eines einzigen Unternehmens begebt... das ist jetzt euer Problem.

Oder, viel unrealistisches Szenario, weil es ums Öl geht: wenn wir jetzt die ganzen Ölscheiche für ihre Verbrechen am Menschenrecht und die Kriege, die die so führen lassen, vom SWIFT System ausschließen und plötzlich die Hälfte der Finanziers der Premiere League pleite sind... Da würde doch auch niemand zucken. Ihr wusstet, dass ihr unmoralisches Geld annimmt. Jetzt lebt mit den Konsequenzen.

An der Stelle muss ich nochmal auf meinen "Am Ende ist doch alles Geld dreckig" Beitrag hinweisen, obwohl der noch gar nicht so alt ist. Aber wenn ich dieses dreckige Geld nutze, um mir meinen sportlichen Erfolg aufzubauen, muss ich auch mit den Konsequenzen leben. Dann kann ich nicht plötzlich auf die Solidarität und das am Ende ein wenig weniger dreckige Geld der anderen Vereine hoffen.

Also ich könnte nicht, Schalke kann, weil die sich nie ernsthaft vorwerfen lassen mussten, dass sie mit Putin ins Bett gehen.

Montag, 28. Februar 2022

Worst of des "Passives Abseits Leser wissen es früher" Wochenendes

 Holt die Fanfaren raus! Und die Solange Knowles Videos.

 

Es ist wieder so weit. Ich hab's euch doch gesagt! Gleich und direkt. Und schon vor Jahren. Aber jetzt merken es auch die anderen.

Also es geht natürlich um Max Kruse's Reaktion auf den nicht gegebenen Elfmeter. Also den Moment, wo Kruse dafür bestraft wird, dass er nicht direkt dramatisch umfällt und auf den Strafstoß geht, sondern tatsächlich erst den Abschluss sucht. Dafür wird zunächst Kruse und dann endgültig auch der VfL Wolfsburg bestraft, denn wenn die da das 1:3 machen, kommt Gladbach wahrscheinlich nicht mehr zurück. Sie haben es ja so selbst gegen 10 Wolfsburger nur noch zu einem Unentschieden geschafft.

Kruse ist dann der Erste, der das eigentliche Problem offen anspricht: "Es kann ja nicht der Fairplay-Gedanke sein, dass ich da direkt hinfalle." Doch ist es. Also zumindest derzeit ist das noch so. Und das ist unfassbar dumm.

Ich hoffe ja inständig, dass das jetzt der Auftakt zu einer sinnvollen Debatte über dieses Thema gibt. Angefangen damit, dass mehr Spieler nach Abpfiff darauf hinweisen, dass es den Elfmeter halt nur gibt, wenn man schreiend hinfällt. Wie in der Kreisklasse halt... 

Also nur um mal festzuhalten, dass mich das schon seit Jahren ankotzt, aber auch die Lösung für diese Probleme seit Jahren bereitsteht: Mein "Neymar vs Berg" Kommentar ist von 2018. Wir haben seit 4 Jahren den VAR, aber wir nutzen ihn immer noch nicht, um Schauspieler zu bestrafen und die Spieler, die auf den Abschluss gehen, zu belohnen. Wir machen es immer noch andersherum. Und dann wundern wir uns, dass sich das Verhalten der Spieler nicht ändert.

Halten wir eines fest: Das nächste Mal wird Kruse in einer vergleichbaren Situation direkt umfallen. Der ist ja nicht dumm. Ganz im Gegenteil. Und hoffentlich hat der dann hinterher auch die Eier darauf hinzuweisen, dass er dieses Mal umgefallen ist, weil man ja, wie er selber erfahren musste, nur einen Elfmeter bekommt, wenn man schreit. Und der Fußball wird wieder etwas schlechter, weil einer mehr begriffen hat, dass man ein Schwein sein muss...

Wenn wir endlich mal einführen würden, dass der VAR auch, oder sogar bevorzugt, dann eingreift, wenn man nicht theatralisch fällt. Und wenn wir endlich mal Verwarnungen verteilen, wenn der VAR Schauspieleinlagen überführt. DANN würde sich im Fußball etwas ändern. Aber das würde ja dazu führen, dass unsere Lieblingsstars häufiger gesperrt fehlen und DAS will ja nun wirklich niemand. Also gucken wir lieber weiterhin eine beschissene Version dieses Spiel. Es ändert sich nichts...

Aber das nächste Problem ist halt, dass man sich nur darüber aufregt, wenn man selbst betroffen ist. Und Kruse wird beim nächsten Mal nicht zugeben, dass er leichtfüßig umgefallen ist, weil er nur so einen Elfmeter bekommt, denn nachdem er das einmal gemacht hat, wird er nie wieder einen Pfiff bekommen. Und auch die Gladbacher Spieler sagen hinterher ja nicht: "Klarer Elfer, da haben wir Glück. Es sollte den Elfmeter auch geben, wenn er nach dem Tritt den Abschluss sucht!" Es würde aber niemand für seinen kurzfristigen Nachteil argumentieren, auch wenn es ihm langfristig einen Vorteil bringt. Man regt sich nur auf, wenn man das Opfer ist, sonst guckt man weg. Dadurch wird jeglicher Fortschritt unmöglich. Schade eigentlich.

Man könnte den Fußball so viel schöner machen, wenn man das Regelwerk einfach mal umsetzt. Aber hey, so gehen mir wenigstens nie die Themen aus... Denn ansonsten...

Bleibt eigentlich nur: Tayfun Korkut, Profipolitiker der Woche: Also sein "Wir sind noch über dem Strich - und da werden wir bleiben" Ansage hielt ungefähr so lange wie jedes Versprechen von Olaf Scholz. Oder meinte er nur den anderen noch viel schlimmeren Strich, über dem man ja immernoch steht? Dann muss er jetzt schon anfangen, seine Versprechen zu relativieren...

Donnerstag, 24. Februar 2022

Endlich wieder Fans im Stadion!

 Sogar relativ viele. In Saarbrücken waren es 6.400, was deutlich über den zugegebener Weise aus Regionalligazeiten stammenden Vor-Corona Schnitt liegt. In Essen waren es 10.000, was wiederum als ausverkauft galt. Da wäre also tatsächlich noch viel mehr gegangen. Beide wurden als Beispiele natürlich ausgewürfelt.

Und eines vorne weg: Ich persönlich halte es durchaus vernünftig bei den Lockerungen mit Fußballspielen und nicht mit Clubkonzerten angefangen wird. Zum einen ist die Bundesliga halt der kleinste gemeinsame Nenner, andererseits gleichzeitig der größte gemeinsame Teiler... Also da Fußball immer noch die dominierende soziale Veranstaltung ist, haben von diesen Lockerungen dann tatsächlich die Meisten etwas. 

Dazu ist es Open Air, was es dem Virus ja allgemein schwieriger macht sich zu verbreiten. Und die Stadien sind ja in den meisten Fällen auf ganz andere Auslastungen ausgelegt, sollten also die 10.000 Fans gut abfertigen können, ohne dass lange Schlangen entstehen. Dass dies nicht für die LVB gilt, die die Leute dann mit überfüllten Straßenbahnen in die Innenstadt brachten, damit die sich in gastronomischen Einrichtungen, aber nicht in Bars, betrinken konnten... aber so viel Weitsicht kann man ja nach 2 Jahren Pandemie nicht erwarten.

Nebenbei ist mein Totschlagargument an der Stelle immer: Es wäre auch überhaupt kein Problem, in einem Stadion ein Konzert mit 10.000 Fans zu veranstalten. Das wäre als Open Air Großveranstaltung in vielen Bundesländern machbar. Das Problem ist nur: Das bucht halt niemand. Fußballvereine haben halt den riesigen Vorteil, dass ihnen diese Stadien entweder gehören, oder sie langfristige Mietverträge haben, also keine Extrakosten für sie entstehen, wenn sie wenigstens ein paar Fans hereinlassen. Wenn man jetzt Juju anstatt in die Barclays Arena ins Volksparkstadion hoch verlegt, müsste man dafür extra dieses Stadion mieten. Und dann kommt man nicht mehr mit 44 Euro pro Ticket hin... Also ganz abgesehen davon, dass es auch extrem komisch wäre, wenn die dann auf einer überdimensionierten Bühne vor einem grob verteilten zu spielen.

Aber wie sich die Fans in Saarbrücken und Essen dann präsentiert haben. Wobei man in Essen ja zumindest nicht von der Mehrzahl sprechen kann. Da hat ja im Zweifelsfall ein Einzelner sofort einen Spielabbruch herbeigeführt. Aber andererseits ist der Tatverdächtige immer noch nicht identifiziert. Da hat also jemand aus dem Fanblock einen Böller geschmissen und wird jetzt von diesem Fanblock geschützt... nur damit die dann was von "False Flag Operation" faseln können und darüber spekulieren, ob das überhaupt ein RWE Fan war.. Wenn die Leute, die im direkten Umkreis desjenigen, der einen Böller auf andere Menschen geworfen hat, festgehalten (oder wenigstens hinterher identifiziert) hätten, dann wüssten wir schon, ob das vielleicht jemand aus Münster war... Nebenbei bräuchte es Eier aus Stahl, um sich bei so einem Derby in den Fanblock der gegnerischen Mannschaft zu schleichen, nur um dann einen verbotenen Böller auf die eigenen Spieler zu werfen...

Derartige Aktionen gibt es genau genommen nur, weil man als Täter davon ausgehen kann, dass sich die Leute um dich herum schützend vor dich stellen, anstatt dich auszuliefern. Das gilt praktisch auch rassistische und homophobe Beleidigungen. Da gibt es halt immer eine "War doch nicht so schlimm, war doch nur..." Haltung.

Und natürlich ist auch der Block, aus dem der Böller kam, eine Minderheit der Essener Fanszene. Aber weil der Tatverdächtige schützt werden muss, ist es halt eben doch kein Einzeltäter, sondern ein größeres Problem.


Die Einzeltäter Frage stellt sich in Saarbrücken natürlich nicht. Da erdreistete sich die Mannschaft zum ersten Mal seit über 100 Tagen ein Heimspiel zu verlieren... Und die Fans stürmten darauf hin sofort den Platz. Eine einzelne Heimniederlage ist halt nicht zu tolerieren. 

Man hätte dieses Wochenende echt nutzen können, um zu verdeutlichen, wie schön es ist, wenn die Fans die Heimmannschaft bedingungslos unterstützen. Und auch wenn ich Fußball hauptsächlich am Fernseher verfolge, muss ich doch zugeben: Geisterspiele ohne Stimmung sind einfach Scheiße. Stattdessen muss man sich direkt wieder mit Spielabbrüchen und Ausschreitungen beschäftigen. Das ist doch genau das, was wir vermisst haben... Dennoch muss man mal wieder über die Negativbeispiele reden, anstatt einfach nur zu genießen, dass die Fans wieder für Stimmung sorgen können.

Und wie die Ruhrpott-Assis aus dem Dezember und der Spielabbruch in Duisburg beweisen, sind das ja alles nur bedauerliche Einzelfälle...

Montag, 21. Februar 2022

Worst of des "Eine Sneak Preview" Wochenendes

So wird das ungefähr aussehen im Jahr 2044. Darauf können wir uns schonmal einstellen.

Also entweder die Superleague kommt und dann sieht die Bundesliga immer so aus, wie diesen Samstag. "Immer so" bedeutet in dem Fall: Die Sportschau muss entscheiden, ob sie die Freitagabend-Ansetzunh mit Bayer Leverkusen zum Spitzenspiel macht... oder halt Stuttgart gegen Bochum. Nur dass man Bochum dann nicht mehr als Bayern-Bezwinger kommt. Und als Spitzenspiel gibt es dann Köln gegen Frankfurt und ein einfaches Anlaufen von Anthony Modeste mit einem sicheren weiten Schlag von Kevin Trapp schafft es in die 5 Minuten Highlights des Sportschau Youtubevideos... Wenn man einmal kurz blinzelt, weil man sich über die Janelle Monaé Autowerbung freut, verpasst man direkt die lebhaften 20 Minuten von Augsburg gegen Freiburg... Und hinterher fragt man sich, wie Christian Streich es geschafft hat, Nils Petersen vor der 4. Minute einzuwechseln.

Das mag für sich genommen alles gähnend langweilig klingen, dafür steht dann aber im Großen und Ganzen nicht mehr Mitte September fest, wer Meister wird, weil die Bayern dann ja nur noch in der Superleague spielen.

Oder aber die Alternative: Die Superleague kommt nicht und die "relativ großen 3" liefern weiterhin Spiele ab wie an diesem Sonntag. Also ja, die Bayern werden sich immer weiter vom Rest entfernen. Aber auch Borussia Dortmund und RB Leipzig, also die anderen beiden sicheren Playoff-Teilnehmer und Champions League Gäste werden immer mehr Abstand zwischen sich und dem dreckigen Rest bringen. Was dann dazu führt, dass sie diese Konkurrenz im Vorbeigehen abschießen.

16 Tore erzielten diese 3 Mannschaften... und das ohne über weite Strecken zu überzeugen. Der restlichen 15 Mannschaften kommen auf 17 Treffer. Das Borussia-Duell war 70 Minuten lang eher eine fade Angelegenheit. Es ging trotzdem 6:0 aus. Nun kann man behaupten, dass die Hertha ja nicht so auseinander bricht, wenn es nur Elfmeter und nicht zusätzlich einen Platzverweis gibt. Das bedeutet aber nicht direkt, dass sie Chancen auf einen Sieg haben. Und ich sag das mal so: das 1:2 war auch zu 11. grausam verteidigt.

Fürth hat zur Pause gegen die Bayern sogar geführt. Das war aber trotzdem komplett egal, am Ende waren sie realistisch gesehen chancenlos. Aber hey, vielleicht führen wir im Jahr 2040 einfach ein, dass ein Spiel abgebrochen wird, sobald die Bayern in Rückstand geraten, damit der Rest auch mal eine Chance hat.

Das einzige, was dann anders sein wird: Es werden keine 6 Berliner ausfallen, weil sie Covid haben... Diese Pandemie haben wir bis dahin hinter uns gelassen... stattdessen stecken wir dann im 3. Jahr in der Magma-Virus-Pandemie und Bundeskanzler Jens Spahn beweist eindrucksvoll, dass er aus den letzten beiden Pandemien nichts gelernt hat... 

Ich muss ganz ehrlich zugeben: Ich habe keine Ahnung, welches Szenario ich persönlich schlimmer finde? Also dass die Bundesliga extrem langweilig wird, weil sich die 3 besten in die Superleague verabschiedet haben... oder ob deren Dominanz einfach noch erdrückender wird und die Liga deswegen unerträglich langweilig bleibt.

Das wirklich Schlimme ist ja... dass dies der Moment ist, in dem einem auffällt, dass diese 3 deswegen am Sonntag gespielt haben, weil sie unter der Woche nichts gerissen haben. Alle 3 lagen im interkontinentalen Vergleich nach 80 Minuten zurück. Keiner konnte einen Sieg erringen. Gegen international eher zweitklassige Konkurrenz. Wenn diese 3 Dominanten wenigstens international gehobenes Niveau darstellen würde, wäre es nicht so bitter, dass der Rest komplett chancenlos sind. Das können aber im Februar 2022 nicht mal die Bayern von sich behaupten.

Aber hey, es wird sicherlich megaspannend, wenn wir dann 34 Spieltage lang austragen, wer als Tabellenvierter auch noch an den Playoffs teilnehmen darf. Das wird ganz toll. Und die Fans breiten immer noch ihre Banner in den vollen Stadien aus, dass es jetzt aber gut ist mit der Kommerzialisierung des Fußballs... apropos Fans... mit denen beschäftigen wir uns morgen...