UPDATE: Jetzt wissen es auch die Kicker.de Leser... also abgesehen von der fehlenden Selbstreflektion/ Journalistenschelte liest man jetzt bei Karlheinz Wild quasi dasselbe wie hier in den letzten 2 Tagen...
Natürlich. Was hätte auch sonst passieren sollen. Es war ja nicht abzusehen. Aber spätestens jetzt wird deutlich, wie abgefuckt es ist, dass die Europapokal-Wettbewerbe durchgezogen worden sind.
Nicht wegen der beschissenen Stimmung in den Stadion... Das sind halt so Probleme, die die Rudi Völlers der Welt haben. Oder weil es auch eine gewisse Form der Wettbewerbsverzerrung ist, wenn Eintracht Frankfurt auf seine beeindruckende Stimmungskulisse verzichten muss. Aber ja, es ist schon ziemlich absurd, dass die 2 Tore, die Wolfsburg vor leeren Rängen kassiert hat, jetzt im Zweifelsfall "doppelt" gegen sie zählen. Und dass sie dann im Mai im Rückspiel vor einem feindlich gesinnten Publikum mit einem 1:0 ausscheiden würden. Aber who fucking cares.
Mikael Arteta wurde positiv auf Corona getestet. Also als erster, der wirklich an der internationalen Maschinerie beteiligt ist. Und jetzt... boah.
Das Worst Case Szenario ist ja, dass Arteta den Virus schon seit 2 Wochen mit sich rumschleppt. Das bedeutet praktisch... Alle Gegner von Arsenal der letzten 14 Tage sollten mal über einen Corona Test nachdenken. Also sich fragen, wo man in der Wirtschaftsmacht Europa so ein Ding herbekommt.
Und hier ist die extreme Katastrophe, für die die Uefa mitverantwortlich ist: Zu diesen Gegnern gehört Olympiakos Piräus. Eine Mannschaft, die gestern in Wolverhampton gespielt hat. Hey, die Uefa hat relatives Losglück, immerhin liegt das auch in England.
Also praktisch gesehen ist genau das der Grund, warum die NBA ihre Saison unterbrochen hat: Es hatten so viele Leute Kontakt mit Rudy Gobert, dass 4 Mannschaften nach einer Diagnose unter Quarantäne gestellt werden sollten. Aber hier wird immer noch darüber diskutiert, ob man vielleicht eine Absage in Erwähnung ziehen sollte. Go fuck yourself.
In Amerika, dem Land des Turbokapitalismus, wurden mittlerweile alle Sportveranstaltungen abgesagt. Teilweise ersatzlos. Um das mal festzuhalten: Die NCAA bezieht 75% ihrer Einnahmen aus der jetzt eigentlich anstehenden "March Madness". Die haben die Veranstaltung trotzdem abgesagt. Nicht, dass ich da Mitleid habe, das sind asoziale Arschlöcher, die 900 Millionen Dollar auf den Rücken von Amateuren machen, die sofort gesperrt werden, sobald sie 10.000 Dollar mit ihrem eigenen Gesicht verdienen. Was gerade zu einem Grundsatzurteil in California geführt hat. Es geht nur darum zu verdeutlichen, dass selbst die gierigsten und asozialsten Verbände mittlerweile ihre Eierlegende Wollmilchsau abgesagt haben. Und das ohne einen Infizierten in ihren Reihen. Einfach nur weil das Risiko zu groß ist, falls jemand positiv getestet wird...
Also alle außer die Uefa. Und die DFL.
Nur um noch mal auf die Panik Bremse zu treten: Es ist nicht davon auszugehen, dass Gobert, Donovan Mitchell oder Orteta an Corona sterben werden. Oder dass man als halbwegs gesund lebender Zivilist daran stirbt. Das Problem ist aber, dass der Virus extrem ansteckend ist. Und was sollte man machen, um eine Ausbreitung zu verhindern?
Nun ja... wie wäre es mit: Körperliche Auseinandersetzungen mit anderen Menschen vermeiden. Was ist ein Fußballspiel? Verdammt viel Körperkontakt zwischen 22 Menschen. Mindestens. Eher mehr. Und es ist mit Reisen verbunden. Verdammt vielen, internationalen Reisen. Auch das gehört zu den Dingen, die man eindämmen sollte.
Aber die DFL so: Ach, dieses Wochenende geht das noch. Wir machen erst ab Dienstag Pause. Warum? Damit wir, falls einer Positiv getestet wird, mehr davon haben? Bringt es wirklich irgendwas, diesen einen Spieltag noch zu absolvieren? Und dann reden die von der "Gesundheit der gesamten Bevölkerung"...
Oh und wo wir schon dabei sind: Der Kicker wirft Fans und Spieler "Verantwortungslosigkeit" vor. Sach mal geht's noch?
Also warum sollten die Fans vernünftiger sein als die Journalisten? Die haben das ganze "Wir ziehen das irgendwie durch" Narrativ mitgetragen, anstatt darauf verweisend, dass gerade internationale Fußballspiele für alle Beteiligten ein unnötiges und relativ hohes Risiko sind. Auf den Absage Zug sind die erst relativ spät aufgesprungen. Die ersten Meldungen dazu kamen von den Managern der Vereine, nicht von den Aufklärern hinter den Mikrofonen.
Wenn man über Verantwortungslosigkeit redet, muss man bei den Uefa Offiziellen anfangen. Die drücken sich ja vor einer Entscheidung, die längst hätte fallen müssen.
Nebenbei sind die Bilder vor dem Gladbacher Stadion nicht gefährlicher als die Bilder aus den Kölner Kneipen. Aber nur mit einem von beidem hat der Kicker ein Problem. Und ganz ehrlich: Die Fans, die sich Reihe an Reihe vor den Bus stellen und dann friedlich in eine Kneipe gehen, sind das geringste Problem. Ob man sich dabei oberkörperfrei zeigen muss, ist natürlich eine andere Frage. Aber dass auch ein paar Idioten zu Fußballspielen gehen, ist keine neue Erkenntnis, damit hätte man also rechnen müssen. Das ist nen bisschen wie... nen G7 Gipfel nach Hamburg zu verlegen anstatt in die Provinz und dann überrascht tun, wenn St.Pauli brennt...
An der Stelle muss man nicht die Leute zur Verantwortung ziehen, die sich mit der außerordentlichen Situation arrangiert haben und dann dumme Entscheidungen treffen, sondern diejenigen, die mit ihren Entscheidungen für diese Situation gesorgt haben.
Freitag, 13. März 2020
Donnerstag, 12. März 2020
Zeit für Vernunft (Passives Abseits Leser wissen es früher Teil... wer zählt da noch mit?)
Ernsthaft.
Wie sich die Uefa und Fifa gerade anstellen, ist unfassbar. Also nur mal zum Vergleich: In der NBA gab es gestern den ersten bestätigten Corona Fall mit Rudy Gobert. Und die haben die Liga noch am selben Abend unterbrochen. Auf unbestimmte Zeit. Selbst ein Saisonabbruch ist nicht auszuschließen.
Ein Schritt, den andere schon vollzogen haben. Andere Sportarten haben eingesehen, dass die "wirtschaftliche Katastrophe" vorzeitiges Saisonende die einzige Option ist. Ist natürlich beschissen, aber ist halt so. Alle anderen Wettbewerbe werden gefühlt ausgesetzt. Nur die ganz großen Fabriken müssen unbedingt weiter produzieren, koste es, was es wolle.
Dass es eigentlich sinnvoller wäre, die kleinen Wettbewerbe stattfinden zu lassen... Details.
Die Nachrichten, dass die ersten Fußballer infiziert sind, erreichten uns gestern. Und gerade der Fall Daniele Rugani zeigt ja, wie beschissen die Situation ist. Denn Inter Mailand hat darauf hin beschlossen, sich aus allen Wettbewerben zurückzuziehen. So, wie ich unsere alten Herren in den hohen Gremien einschätze, kriegen die dafür eine saftige Strafe aufgebrummt.
Und ihr so: Moment mal, Rugani spielt doch für Juventus. Beziehungsweise der sitzt doch bei Juventus auf der Bank. Aber er hatte halt Kontakt zu fast allen Inter Spielern. Was auch nur bedeutet: Die müssen jetzt 2 Wochen lang in Quarantäne.
Und die Reaktion von Fifa und Uefa? Wir fliegen weiter munter Menschen in Scharen durch ganz Europa. In Liverpool mit Fans. Während um uns herum eine Pandemie ausbricht. Ich sehe nicht, wie das schief gehen könnte.
Weil es so lustig ist, machen wir das in 11 Tagen dann auch noch weltweit. Das wir bestimmt großartig.
Währenddessen gibt es überall Geisterspiele. Auch wenn das praktisch nicht die Lösung sein kann. Also die Menschen von den Stadien in die Kneipen zu verschieben, damit sich der Scheiß dort verbreitet, kann nicht die Lösung sein. Und hey, die Fans treffen sich danach vor dem Stadion und singen so laut, dass man es deutlich im Stadion hört.
Für die Romantiker ein wunderschönes Bild. Aber Seuchenexperten kriegen da das Kotzen.
Aber selbst wenn, wie in Paris, wirklich keiner kommt... dann sind da immer noch 2 große Kolonnen quer durch Europa unterwegs. Und das sind ja Kolonnen, die regelmäßig um die Welt reisen. Oder zumindest durch Europa. Das ist eine ganz andere Lage, als wenn man 8 Stunden am Tag mit denselben Leuten im selben Büro sitzt.
Also ja, es gibt wenig Gründe für uns Normalsterbliche Panik zu schieben. Es gilt da immer noch das Prinzip: Es ist in Deutschland wahrscheinlicher, dass man an Rechtsextremen Terror stirbt, als an Corona. Aber Profisportler haben da halt ein ganz anderes Arbeitsumfeld. Und sie ziehen nebenbei Hunderttausend Fans in ihrem Schlepptau mit.
Also das Spiel Basel gegen Frankfurt ist ja vor allem deswegen abgesagt worden, weil die Stadt Basel davon ausgeht, dass die Frankfurt Fans auch dann kommen, wenn sie nicht ins Stadion dürfen... Und das kann sich die Stadt Basel derzeit einfach nicht leisten.
Die erste elementar wichtige Entscheidung ist jetzt: Die Länderspiele absagen. Das hätte eigentlich gestern passieren müssen. Spätestens. Jetzt ein Mal alles global durchzurotieren, damit wirklich jeder was abkriegen könnte, sobald es eine Diagnose gibt, ist echt das Dümmste, was man machen kann.
Also nur um das mal zu verdeutlichen: Wenn jetzt ein Profi von einem Europa League Teilnehmer mit Corona diagnostiziert wird... dann müssen alle Spieler, die mit diesem Individuum in den letzten 14 Tagen in Kontakt kamen, erst Mal unter Quarantäne gestellt und getestet werden. Das zieht, all den internationalen Terminen, erschreckend schnell erschreckend weite Kreise. Also bei Bayer Leverkusen wären das direkt mal 5 Spiele, die dann betroffen sind.
Aber hier ist wieder das Grundproblem: Absagen ist keine Option. Schließlich beginnt in der nächsten Länderspielpause schon die Qualifikation für die WM in Katar. Der Zeitrahmen ist wie immer extrem eng gesteckt.
Gleichzeitig träumt die UEFA halt auch davon, eine EM im Sommer zu veranstalten. Ein großes Fest für ganz Europa, welches auf dem gesamten Kontinent gefeiert werden soll. Und welches halt auch als Fixpunkt für das Saisonende herhalten muss. Also 14 Tage vor Turnierbeginn müssen alle anderen Wettbewerbe durch sein. Oh und das Teilnehmerfeld muss auch noch finalisiert werden. Weil wir ja dringend raus kriegen müssen, ob sich Mazedonien oder der Kosovo für die EM qualifiziert.
Und ja, ihr habt das hier als erstes gelesen, dass Corona, auf Grund des engen Terminkalenders, zu einem absoluten Chaos führen könnte... Denn selbst einen einzelnen Wetter bedingten Spielausfall kann man kaum noch kompensieren...
Um das mal kurz zu verdeutlichen, weil es ja immer wieder Frankfurt trifft: Wenn man die Saison unbedingt noch durch prügeln will, muss man jetzt eigentlich die Gelegenheit, die die Absage der Partie in Basel eröffnet hat, nutzen und in der Woche das Spiel gegen Werder nachholen. Damit man danach dann vielleicht und auf neutralem Boden das Basel Spiel während der Länderspielpause ansetzen kann. Bleibt zu hoffen, dass keiner der Spieler zu den Pflichtspielen in den Qualifikationen eingeladen wird... Aber nach der Länderspielpause soll es ja direkt mit dem Europa League Viertelfinale weiter gehen, die müssen da schon wissen, wer von den beiden noch dabei ist. Absoluter Wahnsinn.
Damit gibt es eigentlich nur einen logischen Schluss. Einen verantwortungsvollen Schritt: Die EM absagen und auf Sommer 21 verlegen. Also heute bekannt geben, dass die in diesem Sommer nicht gespielt werden wird. Das ist die einzige vernünftige Lösung.
Dann setzt man die Europa Cup Spiele aus und "plant" mit einem Champions League Finale irgendwann im Juli. Oder man muss halt am Ende zugeben, dass es dieses eine Jahr keinen Titel gibt, das würden wir auch überleben.
Aber dadurch gibt man dann auch den nationalen Verbänden den nötigen Spielraum vernünftige Entscheidungen zu treffen: Ist uns das Risiko egal und wir spielen einfach weiter? Sind uns die Fans egal und wir setzen auf Geisterspiele? Oder nutzen wir den entstandenen Freiraum um selber eine Pause einzulegen?
Aber derzeit ist das Prestigeobjekt EM im Sommer wichtiger als die Vernunft. Die Hoffnung, dass sich das schon irgendwie in Luft auflösen wird, dominiert die Entscheidungsfindung. Oder es will halt keiner in unangenehmen Zeiten die Verantwortung übernehmen.
Das Ergebnis: Geisterspiele, die niemand will. Wir müssen den Scheiß halt durchziehen, egal wie bitter es ist. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Die Show muss weiter gehen, auch wenn es unverantwortlich ist.
Dabei will ich gar keine "Wir werden alle sterben" Panik verbreiten. (True Story: Meine Shuffle Playlist begann heute morgen mit "We aint gonna die today"... "Hell aint nothing but a place in Michigan.") Wenn jetzt auf verschiedensten Ebenen entsprechende Entscheidungen getroffen werden, kann man dieses Virus in den Griff kriegen. Also das eigentlich faszinierende für mich persönlich ist ja, wie überfordert unsere zivilisierte Welt mit dieser Krise ist. Und wie absehbar das eigentlich war.
Und ja, ich halte es für möglich, dass wir den Scheiß im Juni überstanden haben. Dass eine EM Austragung dann wieder technisch machbar wäre. Aber diese Lösung ist halt nur in Sicht, wenn alle frei von Egoismus vernünftige Entscheidungen treffen. Was halt zu einem logischen Paradoxon führt: Um die Grundlage dafür zu schaffen im Sommer eine EM auszutragen, muss diese EM jetzt abgesagt werden, damit man seinen Beitrag dazu leistet, die Ausbreitung einzudämmen.
Aber vernünftige Entscheidungen hat es bei der Fifa und Uefa ja seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Dort geht es praktisch nur darum den eigenen finanziellen Schaden, der durch das Verschieben einer EM garantiert entstehen würde, zu vermeiden... koste es, was es wolle.
Wie sich die Uefa und Fifa gerade anstellen, ist unfassbar. Also nur mal zum Vergleich: In der NBA gab es gestern den ersten bestätigten Corona Fall mit Rudy Gobert. Und die haben die Liga noch am selben Abend unterbrochen. Auf unbestimmte Zeit. Selbst ein Saisonabbruch ist nicht auszuschließen.
Ein Schritt, den andere schon vollzogen haben. Andere Sportarten haben eingesehen, dass die "wirtschaftliche Katastrophe" vorzeitiges Saisonende die einzige Option ist. Ist natürlich beschissen, aber ist halt so. Alle anderen Wettbewerbe werden gefühlt ausgesetzt. Nur die ganz großen Fabriken müssen unbedingt weiter produzieren, koste es, was es wolle.
Dass es eigentlich sinnvoller wäre, die kleinen Wettbewerbe stattfinden zu lassen... Details.
Die Nachrichten, dass die ersten Fußballer infiziert sind, erreichten uns gestern. Und gerade der Fall Daniele Rugani zeigt ja, wie beschissen die Situation ist. Denn Inter Mailand hat darauf hin beschlossen, sich aus allen Wettbewerben zurückzuziehen. So, wie ich unsere alten Herren in den hohen Gremien einschätze, kriegen die dafür eine saftige Strafe aufgebrummt.
Und ihr so: Moment mal, Rugani spielt doch für Juventus. Beziehungsweise der sitzt doch bei Juventus auf der Bank. Aber er hatte halt Kontakt zu fast allen Inter Spielern. Was auch nur bedeutet: Die müssen jetzt 2 Wochen lang in Quarantäne.
Und die Reaktion von Fifa und Uefa? Wir fliegen weiter munter Menschen in Scharen durch ganz Europa. In Liverpool mit Fans. Während um uns herum eine Pandemie ausbricht. Ich sehe nicht, wie das schief gehen könnte.
Weil es so lustig ist, machen wir das in 11 Tagen dann auch noch weltweit. Das wir bestimmt großartig.
Währenddessen gibt es überall Geisterspiele. Auch wenn das praktisch nicht die Lösung sein kann. Also die Menschen von den Stadien in die Kneipen zu verschieben, damit sich der Scheiß dort verbreitet, kann nicht die Lösung sein. Und hey, die Fans treffen sich danach vor dem Stadion und singen so laut, dass man es deutlich im Stadion hört.
Für die Romantiker ein wunderschönes Bild. Aber Seuchenexperten kriegen da das Kotzen.
Aber selbst wenn, wie in Paris, wirklich keiner kommt... dann sind da immer noch 2 große Kolonnen quer durch Europa unterwegs. Und das sind ja Kolonnen, die regelmäßig um die Welt reisen. Oder zumindest durch Europa. Das ist eine ganz andere Lage, als wenn man 8 Stunden am Tag mit denselben Leuten im selben Büro sitzt.
Also ja, es gibt wenig Gründe für uns Normalsterbliche Panik zu schieben. Es gilt da immer noch das Prinzip: Es ist in Deutschland wahrscheinlicher, dass man an Rechtsextremen Terror stirbt, als an Corona. Aber Profisportler haben da halt ein ganz anderes Arbeitsumfeld. Und sie ziehen nebenbei Hunderttausend Fans in ihrem Schlepptau mit.
Also das Spiel Basel gegen Frankfurt ist ja vor allem deswegen abgesagt worden, weil die Stadt Basel davon ausgeht, dass die Frankfurt Fans auch dann kommen, wenn sie nicht ins Stadion dürfen... Und das kann sich die Stadt Basel derzeit einfach nicht leisten.
Die erste elementar wichtige Entscheidung ist jetzt: Die Länderspiele absagen. Das hätte eigentlich gestern passieren müssen. Spätestens. Jetzt ein Mal alles global durchzurotieren, damit wirklich jeder was abkriegen könnte, sobald es eine Diagnose gibt, ist echt das Dümmste, was man machen kann.
Also nur um das mal zu verdeutlichen: Wenn jetzt ein Profi von einem Europa League Teilnehmer mit Corona diagnostiziert wird... dann müssen alle Spieler, die mit diesem Individuum in den letzten 14 Tagen in Kontakt kamen, erst Mal unter Quarantäne gestellt und getestet werden. Das zieht, all den internationalen Terminen, erschreckend schnell erschreckend weite Kreise. Also bei Bayer Leverkusen wären das direkt mal 5 Spiele, die dann betroffen sind.
Aber hier ist wieder das Grundproblem: Absagen ist keine Option. Schließlich beginnt in der nächsten Länderspielpause schon die Qualifikation für die WM in Katar. Der Zeitrahmen ist wie immer extrem eng gesteckt.
Gleichzeitig träumt die UEFA halt auch davon, eine EM im Sommer zu veranstalten. Ein großes Fest für ganz Europa, welches auf dem gesamten Kontinent gefeiert werden soll. Und welches halt auch als Fixpunkt für das Saisonende herhalten muss. Also 14 Tage vor Turnierbeginn müssen alle anderen Wettbewerbe durch sein. Oh und das Teilnehmerfeld muss auch noch finalisiert werden. Weil wir ja dringend raus kriegen müssen, ob sich Mazedonien oder der Kosovo für die EM qualifiziert.
Und ja, ihr habt das hier als erstes gelesen, dass Corona, auf Grund des engen Terminkalenders, zu einem absoluten Chaos führen könnte... Denn selbst einen einzelnen Wetter bedingten Spielausfall kann man kaum noch kompensieren...
Um das mal kurz zu verdeutlichen, weil es ja immer wieder Frankfurt trifft: Wenn man die Saison unbedingt noch durch prügeln will, muss man jetzt eigentlich die Gelegenheit, die die Absage der Partie in Basel eröffnet hat, nutzen und in der Woche das Spiel gegen Werder nachholen. Damit man danach dann vielleicht und auf neutralem Boden das Basel Spiel während der Länderspielpause ansetzen kann. Bleibt zu hoffen, dass keiner der Spieler zu den Pflichtspielen in den Qualifikationen eingeladen wird... Aber nach der Länderspielpause soll es ja direkt mit dem Europa League Viertelfinale weiter gehen, die müssen da schon wissen, wer von den beiden noch dabei ist. Absoluter Wahnsinn.
Damit gibt es eigentlich nur einen logischen Schluss. Einen verantwortungsvollen Schritt: Die EM absagen und auf Sommer 21 verlegen. Also heute bekannt geben, dass die in diesem Sommer nicht gespielt werden wird. Das ist die einzige vernünftige Lösung.
Dann setzt man die Europa Cup Spiele aus und "plant" mit einem Champions League Finale irgendwann im Juli. Oder man muss halt am Ende zugeben, dass es dieses eine Jahr keinen Titel gibt, das würden wir auch überleben.
Aber dadurch gibt man dann auch den nationalen Verbänden den nötigen Spielraum vernünftige Entscheidungen zu treffen: Ist uns das Risiko egal und wir spielen einfach weiter? Sind uns die Fans egal und wir setzen auf Geisterspiele? Oder nutzen wir den entstandenen Freiraum um selber eine Pause einzulegen?
Aber derzeit ist das Prestigeobjekt EM im Sommer wichtiger als die Vernunft. Die Hoffnung, dass sich das schon irgendwie in Luft auflösen wird, dominiert die Entscheidungsfindung. Oder es will halt keiner in unangenehmen Zeiten die Verantwortung übernehmen.
Das Ergebnis: Geisterspiele, die niemand will. Wir müssen den Scheiß halt durchziehen, egal wie bitter es ist. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Die Show muss weiter gehen, auch wenn es unverantwortlich ist.
Dabei will ich gar keine "Wir werden alle sterben" Panik verbreiten. (True Story: Meine Shuffle Playlist begann heute morgen mit "We aint gonna die today"... "Hell aint nothing but a place in Michigan.") Wenn jetzt auf verschiedensten Ebenen entsprechende Entscheidungen getroffen werden, kann man dieses Virus in den Griff kriegen. Also das eigentlich faszinierende für mich persönlich ist ja, wie überfordert unsere zivilisierte Welt mit dieser Krise ist. Und wie absehbar das eigentlich war.
Und ja, ich halte es für möglich, dass wir den Scheiß im Juni überstanden haben. Dass eine EM Austragung dann wieder technisch machbar wäre. Aber diese Lösung ist halt nur in Sicht, wenn alle frei von Egoismus vernünftige Entscheidungen treffen. Was halt zu einem logischen Paradoxon führt: Um die Grundlage dafür zu schaffen im Sommer eine EM auszutragen, muss diese EM jetzt abgesagt werden, damit man seinen Beitrag dazu leistet, die Ausbreitung einzudämmen.
Aber vernünftige Entscheidungen hat es bei der Fifa und Uefa ja seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Dort geht es praktisch nur darum den eigenen finanziellen Schaden, der durch das Verschieben einer EM garantiert entstehen würde, zu vermeiden... koste es, was es wolle.
Mittwoch, 11. März 2020
Hat die Bundesliga ein Torhüter-Problem?
Also kollektiv?
Und ja, ich habe einfach keinen Bock auf Politik und Viren. Und auf Kohfeldt. Also beschäftigen wir uns mal mit etwas harmlosen und neuem: Der ständig nachlassenden Qualität der Bundesliga. Oh, warte, auch das ist hier ständig ein Thema...
Dass ist natürlich wie alles immer ein schleichender Prozess. Also warum zum Beispiel ein Roman Bürki mit all seinen Unsicherheiten als gehobenes Bundesliganiveau gilt. Und natürlich ist Bürki ein gestandener Bundesligatorwart. Also so jemand, der in der Bundesliga gut mitspielen kann. Aber gerade kommt er halt auch auf einen Notenschnitt von 3,16 und einem überragenden Spiel in der Saison. In dem ist er dann auch direkt ausgewechselt worden. Von einem Spitzentorwart kann man mehr erwarten. Und ganz ehrlich: Für Dortmund würde es keinen Unterschied machen, wenn sie den Rest der Saison auf Marvin Hitz setzen müssten. Das kann man jetzt als Lob für die Breite des Kaders betrachten... aber gerade im Tor willst du ja keine Breite, sondern einen überragenden Kandidaten.
Bei RB Leipzig frage ich mich seit Jahren, ob Peter Gulacsi wirklich mit dem Verein mit gewachsen ist, oder ob die Bundesliga einfach nicht mehr gut genug ist um dessen Schwächen zu offenbaren. Aber hier ist halt auch das Problem: Wenn man nur in 2-3 internationalen Partien wirklich gefordert wird, wird man dazwischen auch nie in Frage gestellt.
Nun muss ich natürlich zugeben, dass das eine reine Gefühlssache bei mir ist. Also ich glaube halt einfach, dass RB nochmal den Stammtorwart tauschen wird, bevor sie zu wirklichen internationalen Erfolgen durchstarten. Andererseits würde ich darauf kein Geld wechseln und es Gulacsi sogar gönnen.
Und er ist einer von den 4 oder 5 Torhütern, bei denen ich mir aktuell die wenigsten Sorgen mache. Also Manuel Neuer steht halt gerade mal wieder über allem. Yann Sommer ist aus irgendwelchen Gründen immer noch in Gladbach. Das wäre einer der ersten Kandidaten, den ich mir als Champions League Titelaspirant angucken würde. Lukas Hradecky hat den Sprung von "Kann in der Bundesliga mitspielen" zu "kann oben mitspielen" geschafft. Aber dahinter wird es halt ganz schnell überraschend finster.
Wenn man dann noch bedenkt, dass nur 2 Torhüter in der Spitzengruppe überhaupt durch deutsche Spieler besetzt werden. Und einer davon war Alexander Nübel. Dessen Kontrahent zunächst in einer 3 Spiele Sperre nicht so überzeugen konnte, dass Schalke in der Rückrunde und trotz des feststehenden Wechsels zunächst wieder auf Nübel setzte... Und dann spielte der so schlecht, dass jetzt doch wieder Markus Schubert im Kasten steht.
Wie oft erlebt man es, dass eine Mannschaft, die mindestens in die Europa League will, so oft den Torwart wechselt. Nebenbei frage ich mich ja, ob Schalke darüber nachgedacht hat, im Winter Ralf Fährmann zurückzuholen... weiter verliehen haben sie ihn jedenfalls. Da fragt man sich schon, wie der das Problem ab Sommer lösen soll...
Dahinter kommen direkt 3 Kandidaten, die wenig dafür können, dass sie dieses Jahr zum nachlassenden Niveau beitragen. Denn Wolfsburg, Hoffenheim und Freiburg mussten verletzungsbedingt auf ihre Nummer 1 verzichten. Was dazu führte, dass ein 34 jähriger Philipp Pentke zu seinem Bundesligadebüt kam... Und besser kann man das nachlassende Niveau nicht beschreiben: Vor 2 Jahren saß der noch in der 2. Liga auf der Bank, jetzt steht er in der ersten im Tor. So was wird dann ja immer als wunderbare Erfolgsgeschichte beschrieben... Weil halt keiner darüber reden will, dass es auch daran liegt, dass das allgemeine Niveau nachlässt.
Aber hier ist das eigentlich faszinierende: Auf dem ersten Blick hat sich keiner der 3 Vereine verschlechtert, weil man auf die Nummer 2 setzen musste. In Wolfsburg kommen beide auf einen Notenschnitt von 3,00, bei den andern beiden Vereinen ist die Nummer 2 laut Kickernotenschnitt jeweils besser.
Was mich ja zu der nächsten Frage bringt: Wie kommt man als Torwart eigentlich auf seine Noten? Also kann es sein, dass einem neuen oder jungen Torhüter einfach mehr verziehen wird und man ihn trotzdem die besseren Noten gibt?
Timo Horn steht vor einem entscheidenden Schritt in seiner Karriere: Wir aus dem wirklich nochmal zumindest eine Nummer 2 im Land? Oder wird er doch nur eine Kölner Legende, steht da 15 Jahre im Tor und wechselt nach dem 3. Abstieg irgendwo anders auf die Bank... also wird er wirklich ein Bundesligatorwart, oder nur der nächste Sven Ulreich?
Union hat den "Vorteil" des Aufsteigers. Anscheinend ist Rafal Gikiewicz nicht die Torwart Version des Marius Ebbers Angreifers. Das ist der allgemeine Vorteil, den die Berliner gegenüber dem SC Paderborn haben. Mich würde es aber auch nicht überraschen, wenn die spätestens 2021 nach einem Upgrade suchen.
Kevin Trapp ist Deutscher Nationaltorhüter... allerdings wurde er auch von den ganz großen Vereinen gewogen und als zu leicht eingestuft. Und klar, als Identifikationsfigur in Frankfurt funktioniert er wunderbar. Das bringt mich aber auch irgendwie zu der Frage: Kann es wichtiger sein, dass dein Torwart eine Identifikationsfigur und ein relativer Fixpunkt ist? Ist es dann am Ende egal, wie gut er wirklich ist?
Nebenbei bedeutet dies auch: Die Nummer 3 in Deutschland ist nicht mehr gut genug für die Champions League. Dazu kommen wir noch, aber das war mal anders... zumindest gefühlt.
Bei Hertha steht plötzlich nach gefühlt 100 Jahren wieder Thomas Kraft im Tor. Obwohl dort quasi alle zu dem "Ist auf der Bank besser aufgehoben" Schluss gekommen sind. Fun Fact: Rune Jarstein ist mit seinen 3,12 trotzdem der Notenbeste Spieler im Kader... Das hat was vom Berliner Abitur, was die da abliefern. Und Kraft wurde halt auch nur auf Grund des vorherrschenden Chaos in die Truppe gespült, nicht weil er zwingend besser ist als Jarstein.
Beim FC Augsburg fragt man sich irgendwie schon seit Oktober, wie lange man da noch an dem Fehleinkauf zwischen den Pfosten festhalten will. Es war quasi allen bewusst, dass Andre Luthe die bessere Option ist, aber man wollte sich nicht eingestehen, dass man im Sommer daneben gelegen hat. Und Trainer Martin Schmidt wird ausgerechnet nach diesem überfälligen Schritt entlassen... Die Augsburger Torwartsituation ist nebenbei seit dem Wechsel von Marvin Hitz zu Dortmund eher traurig.
In Mainz übernimmt Florian Müller jetzt zum wievielten Mal? Nebenbei hat mich dieses Video zu diesen Beitrag inspiriert. Da heißt es nach der Auswechslung von Robin Zentner mit einem "es scheint, als hat Mainz 2 gleichwertige Torhüter"... nur damit Müller beim 1:1 direkt wieder zumindest unglücklich aussieht.
Und Müller ist halt vor allem der Grundlegende Beweis für das eigentliche Problem: Müller hat als Deutscher U21 Torhüter durch die Verletzung von Rene Adler den Platz zwischen den Pfosten eingenommen. Das war in der Saison 2015/16. Früher war unsere Jugendarbeit im Tor so gut, dass ein U21 Torwart seine Position nie wieder abgeben musste. Ein Rene Adler kannte das ja aus beiden Positionen: Zunächst verdrängt er als aufstrebendes Talent über Nacht Hans Jörg Butt, weil dieser gesperrt fehlte. Butt bekam bei Bayer nie wieder eine Chance. Dann traf es irgendwann Adler selber, der durch einen jüngeren Bernd Leno ersetzt worden ist. Wieder überzeugte das Talent so sehr, dass der verletzte Stammtorhüter nie wieder eine Chance bekam... Und selbst als Nationaltorwart war man vor einer derartigen Degradierung nie sicher.
Müller verliert dagegen seinen Stammplatz nach 3 Spieltagen an Zentner, obwohl Zentner weit weg davon ist, für die Nationalmannschaft berufen zu werden.
Und wie man bei 2 angeblich gleich starken Torhütern auf den Älteren setzen kann, ist ein anderes Rätsel. Oder das Gerede ist halt nicht ernst zu nehmen.
In Düsseldorf startete Zack Steffen stark, ließ aber auch stark nach. Und ist jetzt auch schon eine Weile verletzt. Ersatztorwart Florian Kastenmeier erzielte direkt bei seinem Debüt auch sein erstes Tor und ist damit immer noch statistisch gesehen mit der gefährlichste Angreifer der Rückrunde von... Werder Bremen.
Und dort hat Jiri Pavlenka halt das Pech, dass er einen Vollidioten als Cheftrainer hat, der es einfach nicht schafft eine gewisse Stabilität in die Verteidigung von Standards zu bekommen. Obwohl das eigentlich die einfachste Arbeit sein sollte, schließlich reden wir von "ruhenden Bällen"... wenn man da als Trainer über Monate keine vernünftigen Lösungsansätze hat... Ist vielleicht auch der Torwart das Problem, dem die nötige Präsenz fehlt.
Lustiger Weise las ich irgendwann im Oktober den ersten "Was könnte Kohfeldt jetzt tun" Artikel... und da wurde über einen Torwartwechsel spekuliert, damit er wenigstens ein Zeichen setzen kann. Denn da hatte er immerhin, im Gegensatz zu all den anderen Positionen, eine Alternative. Jetzt muss er auf diese zurück greifen, weil seine Nummer 1 verletzt ist.
Die Personalie Pavlenka zeigt halt auch ein eigentliches Problem: Torhüter sind in den meisten Fällen einfach nur Mitläufer. Wenn es gut läuft, halten die auch mal einen Ball fest. Und wirken überraschend souverän. Wenn der eine wirklich gute Spieler dann in der nächsten Saison weg ist, sieht derselbe Torhüter, der vorher angeblich internationale Klasse hatte, wie ein Depp aus. Genau genommen lassen sich 80% der Bundesligatorhüter auf genau diese Rolle beschränken. Und dann wird dir auf ein Mal bewusst, dass es, bis auf wenige Ausnahmen, komplett egal ist, wer bei dir im Tor steht.
Die spannende Frage ist halt, ob das nicht eigentlich schon immer so war. Also genau genommen ist der Torwart ja die Position, bei der Konstanz am wichtigsten ist. Es bringt dir genau genommen wenig Millionen in einen Torwart zu stecken, der dann ein wenig besser ist als der Vorgänger... dafür dann aber einen Fixpunkt im Team, gerade was Kommunikation betrifft, zu verlieren. Dann ist Vertrautheit auf ein Mal wichtiger als Qualität. Und dann lässt das Niveau vielleicht gar nicht mehr nach, sondern war halt schon immer bescheiden. Ich meine, Oliver "Pannen-Oli" Reck und Tomislav "Wtf was für ein Eigentor" Piplica waren ja auch Jahrelang Stammtorhüter.
Die Fälle Nübel, Schubert und Müller zeigen allerdings: Die Qualität der Ausbildung lässt anscheinend nach. Dass man lieber auf 34 jährige Zweitligatorhüter setzt, statt auf die eigene Jugend, ist ebenfalls kein gutes Zeichen.
Dabei bin ich ja echt nicht der Typ, der die "Wir sind keine Torhüternation mehr, wie konnte das passieren" Panikwelle mit reitet. Eher im Gegenteil: 2 der 3 weltbesten Torhüter sind immer noch Deutsche. (Marc-Andre ter Stegen und Neuer halt). Und als Nummer 3 hatte man früher auch einen Oliver Reck, der weit weg von Weltklasse war. Da ist man mit Bern Leno noch besser aufgestellt.
Aber man muss halt jetzt anhand der doch eher bescheidenen Leistungsnachweise der nächsten Generation schon fragen, ob die Ausbildung und Förderung der Talent noch up to date ist. Denn wenn man das Ausnahmetalent Neuer und den einen oder anderen passenden Import rausrechnet, ist die Position Torwart in der Bundesliga gerade richtig bescheiden besetzt.
Und ja, ich habe einfach keinen Bock auf Politik und Viren. Und auf Kohfeldt. Also beschäftigen wir uns mal mit etwas harmlosen und neuem: Der ständig nachlassenden Qualität der Bundesliga. Oh, warte, auch das ist hier ständig ein Thema...
Dass ist natürlich wie alles immer ein schleichender Prozess. Also warum zum Beispiel ein Roman Bürki mit all seinen Unsicherheiten als gehobenes Bundesliganiveau gilt. Und natürlich ist Bürki ein gestandener Bundesligatorwart. Also so jemand, der in der Bundesliga gut mitspielen kann. Aber gerade kommt er halt auch auf einen Notenschnitt von 3,16 und einem überragenden Spiel in der Saison. In dem ist er dann auch direkt ausgewechselt worden. Von einem Spitzentorwart kann man mehr erwarten. Und ganz ehrlich: Für Dortmund würde es keinen Unterschied machen, wenn sie den Rest der Saison auf Marvin Hitz setzen müssten. Das kann man jetzt als Lob für die Breite des Kaders betrachten... aber gerade im Tor willst du ja keine Breite, sondern einen überragenden Kandidaten.
Bei RB Leipzig frage ich mich seit Jahren, ob Peter Gulacsi wirklich mit dem Verein mit gewachsen ist, oder ob die Bundesliga einfach nicht mehr gut genug ist um dessen Schwächen zu offenbaren. Aber hier ist halt auch das Problem: Wenn man nur in 2-3 internationalen Partien wirklich gefordert wird, wird man dazwischen auch nie in Frage gestellt.
Nun muss ich natürlich zugeben, dass das eine reine Gefühlssache bei mir ist. Also ich glaube halt einfach, dass RB nochmal den Stammtorwart tauschen wird, bevor sie zu wirklichen internationalen Erfolgen durchstarten. Andererseits würde ich darauf kein Geld wechseln und es Gulacsi sogar gönnen.
Und er ist einer von den 4 oder 5 Torhütern, bei denen ich mir aktuell die wenigsten Sorgen mache. Also Manuel Neuer steht halt gerade mal wieder über allem. Yann Sommer ist aus irgendwelchen Gründen immer noch in Gladbach. Das wäre einer der ersten Kandidaten, den ich mir als Champions League Titelaspirant angucken würde. Lukas Hradecky hat den Sprung von "Kann in der Bundesliga mitspielen" zu "kann oben mitspielen" geschafft. Aber dahinter wird es halt ganz schnell überraschend finster.
Wenn man dann noch bedenkt, dass nur 2 Torhüter in der Spitzengruppe überhaupt durch deutsche Spieler besetzt werden. Und einer davon war Alexander Nübel. Dessen Kontrahent zunächst in einer 3 Spiele Sperre nicht so überzeugen konnte, dass Schalke in der Rückrunde und trotz des feststehenden Wechsels zunächst wieder auf Nübel setzte... Und dann spielte der so schlecht, dass jetzt doch wieder Markus Schubert im Kasten steht.
Wie oft erlebt man es, dass eine Mannschaft, die mindestens in die Europa League will, so oft den Torwart wechselt. Nebenbei frage ich mich ja, ob Schalke darüber nachgedacht hat, im Winter Ralf Fährmann zurückzuholen... weiter verliehen haben sie ihn jedenfalls. Da fragt man sich schon, wie der das Problem ab Sommer lösen soll...
Dahinter kommen direkt 3 Kandidaten, die wenig dafür können, dass sie dieses Jahr zum nachlassenden Niveau beitragen. Denn Wolfsburg, Hoffenheim und Freiburg mussten verletzungsbedingt auf ihre Nummer 1 verzichten. Was dazu führte, dass ein 34 jähriger Philipp Pentke zu seinem Bundesligadebüt kam... Und besser kann man das nachlassende Niveau nicht beschreiben: Vor 2 Jahren saß der noch in der 2. Liga auf der Bank, jetzt steht er in der ersten im Tor. So was wird dann ja immer als wunderbare Erfolgsgeschichte beschrieben... Weil halt keiner darüber reden will, dass es auch daran liegt, dass das allgemeine Niveau nachlässt.
Aber hier ist das eigentlich faszinierende: Auf dem ersten Blick hat sich keiner der 3 Vereine verschlechtert, weil man auf die Nummer 2 setzen musste. In Wolfsburg kommen beide auf einen Notenschnitt von 3,00, bei den andern beiden Vereinen ist die Nummer 2 laut Kickernotenschnitt jeweils besser.
Was mich ja zu der nächsten Frage bringt: Wie kommt man als Torwart eigentlich auf seine Noten? Also kann es sein, dass einem neuen oder jungen Torhüter einfach mehr verziehen wird und man ihn trotzdem die besseren Noten gibt?
Timo Horn steht vor einem entscheidenden Schritt in seiner Karriere: Wir aus dem wirklich nochmal zumindest eine Nummer 2 im Land? Oder wird er doch nur eine Kölner Legende, steht da 15 Jahre im Tor und wechselt nach dem 3. Abstieg irgendwo anders auf die Bank... also wird er wirklich ein Bundesligatorwart, oder nur der nächste Sven Ulreich?
Union hat den "Vorteil" des Aufsteigers. Anscheinend ist Rafal Gikiewicz nicht die Torwart Version des Marius Ebbers Angreifers. Das ist der allgemeine Vorteil, den die Berliner gegenüber dem SC Paderborn haben. Mich würde es aber auch nicht überraschen, wenn die spätestens 2021 nach einem Upgrade suchen.
Kevin Trapp ist Deutscher Nationaltorhüter... allerdings wurde er auch von den ganz großen Vereinen gewogen und als zu leicht eingestuft. Und klar, als Identifikationsfigur in Frankfurt funktioniert er wunderbar. Das bringt mich aber auch irgendwie zu der Frage: Kann es wichtiger sein, dass dein Torwart eine Identifikationsfigur und ein relativer Fixpunkt ist? Ist es dann am Ende egal, wie gut er wirklich ist?
Nebenbei bedeutet dies auch: Die Nummer 3 in Deutschland ist nicht mehr gut genug für die Champions League. Dazu kommen wir noch, aber das war mal anders... zumindest gefühlt.
Bei Hertha steht plötzlich nach gefühlt 100 Jahren wieder Thomas Kraft im Tor. Obwohl dort quasi alle zu dem "Ist auf der Bank besser aufgehoben" Schluss gekommen sind. Fun Fact: Rune Jarstein ist mit seinen 3,12 trotzdem der Notenbeste Spieler im Kader... Das hat was vom Berliner Abitur, was die da abliefern. Und Kraft wurde halt auch nur auf Grund des vorherrschenden Chaos in die Truppe gespült, nicht weil er zwingend besser ist als Jarstein.
Beim FC Augsburg fragt man sich irgendwie schon seit Oktober, wie lange man da noch an dem Fehleinkauf zwischen den Pfosten festhalten will. Es war quasi allen bewusst, dass Andre Luthe die bessere Option ist, aber man wollte sich nicht eingestehen, dass man im Sommer daneben gelegen hat. Und Trainer Martin Schmidt wird ausgerechnet nach diesem überfälligen Schritt entlassen... Die Augsburger Torwartsituation ist nebenbei seit dem Wechsel von Marvin Hitz zu Dortmund eher traurig.
In Mainz übernimmt Florian Müller jetzt zum wievielten Mal? Nebenbei hat mich dieses Video zu diesen Beitrag inspiriert. Da heißt es nach der Auswechslung von Robin Zentner mit einem "es scheint, als hat Mainz 2 gleichwertige Torhüter"... nur damit Müller beim 1:1 direkt wieder zumindest unglücklich aussieht.
Und Müller ist halt vor allem der Grundlegende Beweis für das eigentliche Problem: Müller hat als Deutscher U21 Torhüter durch die Verletzung von Rene Adler den Platz zwischen den Pfosten eingenommen. Das war in der Saison 2015/16. Früher war unsere Jugendarbeit im Tor so gut, dass ein U21 Torwart seine Position nie wieder abgeben musste. Ein Rene Adler kannte das ja aus beiden Positionen: Zunächst verdrängt er als aufstrebendes Talent über Nacht Hans Jörg Butt, weil dieser gesperrt fehlte. Butt bekam bei Bayer nie wieder eine Chance. Dann traf es irgendwann Adler selber, der durch einen jüngeren Bernd Leno ersetzt worden ist. Wieder überzeugte das Talent so sehr, dass der verletzte Stammtorhüter nie wieder eine Chance bekam... Und selbst als Nationaltorwart war man vor einer derartigen Degradierung nie sicher.
Müller verliert dagegen seinen Stammplatz nach 3 Spieltagen an Zentner, obwohl Zentner weit weg davon ist, für die Nationalmannschaft berufen zu werden.
Und wie man bei 2 angeblich gleich starken Torhütern auf den Älteren setzen kann, ist ein anderes Rätsel. Oder das Gerede ist halt nicht ernst zu nehmen.
In Düsseldorf startete Zack Steffen stark, ließ aber auch stark nach. Und ist jetzt auch schon eine Weile verletzt. Ersatztorwart Florian Kastenmeier erzielte direkt bei seinem Debüt auch sein erstes Tor und ist damit immer noch statistisch gesehen mit der gefährlichste Angreifer der Rückrunde von... Werder Bremen.
Und dort hat Jiri Pavlenka halt das Pech, dass er einen Vollidioten als Cheftrainer hat, der es einfach nicht schafft eine gewisse Stabilität in die Verteidigung von Standards zu bekommen. Obwohl das eigentlich die einfachste Arbeit sein sollte, schließlich reden wir von "ruhenden Bällen"... wenn man da als Trainer über Monate keine vernünftigen Lösungsansätze hat... Ist vielleicht auch der Torwart das Problem, dem die nötige Präsenz fehlt.
Lustiger Weise las ich irgendwann im Oktober den ersten "Was könnte Kohfeldt jetzt tun" Artikel... und da wurde über einen Torwartwechsel spekuliert, damit er wenigstens ein Zeichen setzen kann. Denn da hatte er immerhin, im Gegensatz zu all den anderen Positionen, eine Alternative. Jetzt muss er auf diese zurück greifen, weil seine Nummer 1 verletzt ist.
Die Personalie Pavlenka zeigt halt auch ein eigentliches Problem: Torhüter sind in den meisten Fällen einfach nur Mitläufer. Wenn es gut läuft, halten die auch mal einen Ball fest. Und wirken überraschend souverän. Wenn der eine wirklich gute Spieler dann in der nächsten Saison weg ist, sieht derselbe Torhüter, der vorher angeblich internationale Klasse hatte, wie ein Depp aus. Genau genommen lassen sich 80% der Bundesligatorhüter auf genau diese Rolle beschränken. Und dann wird dir auf ein Mal bewusst, dass es, bis auf wenige Ausnahmen, komplett egal ist, wer bei dir im Tor steht.
Die spannende Frage ist halt, ob das nicht eigentlich schon immer so war. Also genau genommen ist der Torwart ja die Position, bei der Konstanz am wichtigsten ist. Es bringt dir genau genommen wenig Millionen in einen Torwart zu stecken, der dann ein wenig besser ist als der Vorgänger... dafür dann aber einen Fixpunkt im Team, gerade was Kommunikation betrifft, zu verlieren. Dann ist Vertrautheit auf ein Mal wichtiger als Qualität. Und dann lässt das Niveau vielleicht gar nicht mehr nach, sondern war halt schon immer bescheiden. Ich meine, Oliver "Pannen-Oli" Reck und Tomislav "Wtf was für ein Eigentor" Piplica waren ja auch Jahrelang Stammtorhüter.
Die Fälle Nübel, Schubert und Müller zeigen allerdings: Die Qualität der Ausbildung lässt anscheinend nach. Dass man lieber auf 34 jährige Zweitligatorhüter setzt, statt auf die eigene Jugend, ist ebenfalls kein gutes Zeichen.
Dabei bin ich ja echt nicht der Typ, der die "Wir sind keine Torhüternation mehr, wie konnte das passieren" Panikwelle mit reitet. Eher im Gegenteil: 2 der 3 weltbesten Torhüter sind immer noch Deutsche. (Marc-Andre ter Stegen und Neuer halt). Und als Nummer 3 hatte man früher auch einen Oliver Reck, der weit weg von Weltklasse war. Da ist man mit Bern Leno noch besser aufgestellt.
Aber man muss halt jetzt anhand der doch eher bescheidenen Leistungsnachweise der nächsten Generation schon fragen, ob die Ausbildung und Förderung der Talent noch up to date ist. Denn wenn man das Ausnahmetalent Neuer und den einen oder anderen passenden Import rausrechnet, ist die Position Torwart in der Bundesliga gerade richtig bescheiden besetzt.
Freitag, 28. Februar 2020
Ist es nicht eigentlich entwaffnent
was da gerade wieder passiert?
Also... eine einfache Orkan-Warnung reicht aus, um den gesamten Spielplan über den Haufen zu werfen. Wenn Werder Bremen Pech hat, kann ihr Spiel gegen die Eintracht erst vor dem letzten Spieltag nachgeholt werden. Weil einerseits die Eintracht schlecht nach nicht mal 48 Stunden Regenerationszeit wieder auflaufen kann... das wäre ja Wettberwebsverzerrung.
Andererseits wird jetzt die Tabelle, wenn die Eintracht wieder extrem weit in der Europa League kommt, sehr lange verzerrt bleiben. Das ist für alle beteiligten im Abstiegskampf auch irgendwie unfair.
Es gibt praktisch nur bescheidene Lösungen. Denn nächste Woche spielen ja beide unterhaltsamer Weise gegeneinander im DFB Pokal. Aber so ist das halt, wenn man sich den Rahmenterminkalender derart vollstopft, dass es kaum noch Ausweichtermine gibt. Weil ja auch einer der beiden Zwangsweise im DFB Pokal Halbfinale stehen wird, fällt auch der Termin weg.
Und hier zieht das ja noch relativ übersichtliche Kreise. Aber fragt euch mal, warum die in Italien gerade Geisterspiele abhalten müssen. Da sind ausnahmsweise mal nicht die extremistischen Fangruppen dran Schuld, sondern der Corona Virus Hype. Und die "Wir werden alle sterben... oder uns zumindest infizieren!" Gefahr.
Das Problem ist halt: So einen Ligaspieltag wegen einer Epidemie ausfallen zu lassen ist halt auch keine Option. Also in einer kleinen Liga wie der Schweiz geht das gerade so. Auch weil die Schweizer halt nur mit einem Europacup Teilnehmer rechnen müssen. (Lustiger Weise endet die Schweizer Saison eine Woche nach der Bundesliga...)
Man will sich gar nicht vorstellen, was los sein wird, wenn ein Bundesligaspieltag vom Gesundheitsministerium abgesagt werden muss... und so weit weg ist die Schweiz jetzt nicht...
Die spannende Frage ist aber: Warum ist dies eigentlich so? Denn wenn man über den Rahmenterminkalender flucht, flucht man ja gerne als erstes auf die Länderspiele. Und ja, die sind Teil des Problems. Also in der nächsten Saison könnte man halt einfach das Saisonfinale nach hinten verlegen. Jetzt hat man die harte Deadline "Europameisterschaft". Auf die soll man sich ja wenigstens halbwegs vernünftig vorbereiten können.
Aber Europameisterschaften gibt es seit 1960, trotzdem konnte man früher ganze Spieltage absagen. Man hat dann als Reaktion richtige Winterpausen eingeführt. Also die ging teilweise bis in den Februar hinein, weil es halt noch keine Rasenheizungen und richtige Winter gab...
Und klar, die Europameisterschaften bestehen mittlerweile auch nicht mehr aus 3 Spielen, wie ganz früher. Aber seit 1996 (als das Teilnehmerfeld auf 16 erweitert worden ist) kam ein einziges Achtelfinale als zusätzlicher Spieltermin dazu.
Das Grundlegende Problem beim europäischen Vereinsfußball. Wir gönnen es uns seit Jahren die Champions League Achtelfinale auf 4 Wochen zu strecken. Das muss aber so sein, denn das Teilnehmerfeld der Europa League ist dermaßen aufgebläht, dass die in der Zeit 2 K.O. Runden spielen müssen. Was sie allerdings auch nur müssen, weil gefühlt die Hälfte aller Europa League Teilnehmer Absteiger aus der Champions League sind. Denn Leute einfach nach der ersten Runde ausscheiden zu lassen ist ja keine Option mehr... wir brauchen da mehrere Fangnetze.
Das sind nebenbei alles keine Neuigkeiten, es wurde hier schon 2012 ausgerechnet, dass 32 Mannschaften aus der Champions League absteigen. Dass diese Praxis 6 zusätzliche Termine im Kalender belegen. Und dass diese 6 Planungstermine die Rückrunde dermaßen eng gestalten, dass echt nichts passieren darf.
Interessanter Weise hatten wir jetzt mit Jürgen Klopp da das erste Mal einen Vereinstrainer, der an der Stelle nicht auf die Nationalmannschaften, sondern auf die Praxis bei den Vereinsmannschaften geflucht hat. Weil das in England halt immer noch eine Nummer härter ist als bei uns. Er ist aber der erste, der sich getraut hat da auch die Vereine in die Pflicht zu nehmen.
Der einzige Hoffnungsträger ist da aber der neue Europacup Wettbewerb. Also als Möglichkeit das Teilnehmerfeld der Europa League etwas zu reduzieren. Hey, man könnte ja sogar die 3. der Champions League Gruppenphase genau da hin verschieben... ok, das wird nicht passieren, aber theoretisch...
Also wenn der neue Wettbewerb dafür sorgt, dass die Zwischenrunde der Europa League weg fällt und das Achtelfinale an 2 Terminen ausgetragen werden kann, ist das definitiv eine sinnvolle Veranstaltung. Denn dann würde man den Rahmenterminkalender mal wirklich entschlacken, was dringend nötig ist.
Derzeit ist er halt so auf Kante genäht, dass jede spontane Absage einer mittleren Katastrophe gleich kommen kann. Und wie schon gesagt: Was wirklich abgeht, wenn ein gesamter Spieltag abgesagt werden muss, will sich keiner vorstellen...
Ich finde es halt immer faszinierend, wenn irgendetwas anderes als die Gier der Verein nach mehr Umsätzen als Grund für den Rahmenterminkalender angegeben werden. Und wenn diese Vereine dann behaupten, dass andere sich zurück nehmen müssten....
Also... eine einfache Orkan-Warnung reicht aus, um den gesamten Spielplan über den Haufen zu werfen. Wenn Werder Bremen Pech hat, kann ihr Spiel gegen die Eintracht erst vor dem letzten Spieltag nachgeholt werden. Weil einerseits die Eintracht schlecht nach nicht mal 48 Stunden Regenerationszeit wieder auflaufen kann... das wäre ja Wettberwebsverzerrung.
Andererseits wird jetzt die Tabelle, wenn die Eintracht wieder extrem weit in der Europa League kommt, sehr lange verzerrt bleiben. Das ist für alle beteiligten im Abstiegskampf auch irgendwie unfair.
Es gibt praktisch nur bescheidene Lösungen. Denn nächste Woche spielen ja beide unterhaltsamer Weise gegeneinander im DFB Pokal. Aber so ist das halt, wenn man sich den Rahmenterminkalender derart vollstopft, dass es kaum noch Ausweichtermine gibt. Weil ja auch einer der beiden Zwangsweise im DFB Pokal Halbfinale stehen wird, fällt auch der Termin weg.
Und hier zieht das ja noch relativ übersichtliche Kreise. Aber fragt euch mal, warum die in Italien gerade Geisterspiele abhalten müssen. Da sind ausnahmsweise mal nicht die extremistischen Fangruppen dran Schuld, sondern der Corona Virus Hype. Und die "Wir werden alle sterben... oder uns zumindest infizieren!" Gefahr.
Das Problem ist halt: So einen Ligaspieltag wegen einer Epidemie ausfallen zu lassen ist halt auch keine Option. Also in einer kleinen Liga wie der Schweiz geht das gerade so. Auch weil die Schweizer halt nur mit einem Europacup Teilnehmer rechnen müssen. (Lustiger Weise endet die Schweizer Saison eine Woche nach der Bundesliga...)
Man will sich gar nicht vorstellen, was los sein wird, wenn ein Bundesligaspieltag vom Gesundheitsministerium abgesagt werden muss... und so weit weg ist die Schweiz jetzt nicht...
Die spannende Frage ist aber: Warum ist dies eigentlich so? Denn wenn man über den Rahmenterminkalender flucht, flucht man ja gerne als erstes auf die Länderspiele. Und ja, die sind Teil des Problems. Also in der nächsten Saison könnte man halt einfach das Saisonfinale nach hinten verlegen. Jetzt hat man die harte Deadline "Europameisterschaft". Auf die soll man sich ja wenigstens halbwegs vernünftig vorbereiten können.
Aber Europameisterschaften gibt es seit 1960, trotzdem konnte man früher ganze Spieltage absagen. Man hat dann als Reaktion richtige Winterpausen eingeführt. Also die ging teilweise bis in den Februar hinein, weil es halt noch keine Rasenheizungen und richtige Winter gab...
Und klar, die Europameisterschaften bestehen mittlerweile auch nicht mehr aus 3 Spielen, wie ganz früher. Aber seit 1996 (als das Teilnehmerfeld auf 16 erweitert worden ist) kam ein einziges Achtelfinale als zusätzlicher Spieltermin dazu.
Das Grundlegende Problem beim europäischen Vereinsfußball. Wir gönnen es uns seit Jahren die Champions League Achtelfinale auf 4 Wochen zu strecken. Das muss aber so sein, denn das Teilnehmerfeld der Europa League ist dermaßen aufgebläht, dass die in der Zeit 2 K.O. Runden spielen müssen. Was sie allerdings auch nur müssen, weil gefühlt die Hälfte aller Europa League Teilnehmer Absteiger aus der Champions League sind. Denn Leute einfach nach der ersten Runde ausscheiden zu lassen ist ja keine Option mehr... wir brauchen da mehrere Fangnetze.
Das sind nebenbei alles keine Neuigkeiten, es wurde hier schon 2012 ausgerechnet, dass 32 Mannschaften aus der Champions League absteigen. Dass diese Praxis 6 zusätzliche Termine im Kalender belegen. Und dass diese 6 Planungstermine die Rückrunde dermaßen eng gestalten, dass echt nichts passieren darf.
Interessanter Weise hatten wir jetzt mit Jürgen Klopp da das erste Mal einen Vereinstrainer, der an der Stelle nicht auf die Nationalmannschaften, sondern auf die Praxis bei den Vereinsmannschaften geflucht hat. Weil das in England halt immer noch eine Nummer härter ist als bei uns. Er ist aber der erste, der sich getraut hat da auch die Vereine in die Pflicht zu nehmen.
Der einzige Hoffnungsträger ist da aber der neue Europacup Wettbewerb. Also als Möglichkeit das Teilnehmerfeld der Europa League etwas zu reduzieren. Hey, man könnte ja sogar die 3. der Champions League Gruppenphase genau da hin verschieben... ok, das wird nicht passieren, aber theoretisch...
Also wenn der neue Wettbewerb dafür sorgt, dass die Zwischenrunde der Europa League weg fällt und das Achtelfinale an 2 Terminen ausgetragen werden kann, ist das definitiv eine sinnvolle Veranstaltung. Denn dann würde man den Rahmenterminkalender mal wirklich entschlacken, was dringend nötig ist.
Derzeit ist er halt so auf Kante genäht, dass jede spontane Absage einer mittleren Katastrophe gleich kommen kann. Und wie schon gesagt: Was wirklich abgeht, wenn ein gesamter Spieltag abgesagt werden muss, will sich keiner vorstellen...
Ich finde es halt immer faszinierend, wenn irgendetwas anderes als die Gier der Verein nach mehr Umsätzen als Grund für den Rahmenterminkalender angegeben werden. Und wenn diese Vereine dann behaupten, dass andere sich zurück nehmen müssten....
Dienstag, 25. Februar 2020
Arsene Wenger - Vollidiot der Woche.
Ok, eigentlich sind das natürlich die paar Deppen aus dem Gladbacher
Fanblock. Wie man in Zeiten, in denen derartige Aufrufe zum Mord immer
häufiger einfach mal umgesetzt werden (von noch größeren Idioten, aber
die findet man immer) Plakate mit Fadenkreuzen über Dietmar Hopps Konterfei hochzuhalten... und sich dann irgendwie auf die Strafe der Dortmunder Fans, mit denen man sich solidarisieren wollte, zu schieben... In welchen Kellern leben solche Menschen, dass sie von Hanau nichts mitbekommen haben? Oder schafft man es einfach nicht zu reflektieren, was so außerhalb eines Stadions passiert.
Wo wir das aus dem Weg gebracht haben... Arsene Wenger. Der war mal ein Vordenker des Fußballs und Liebhaber des Schönen Spiels. Nach seiner letzten Aussage hoffe ich irgendwie, dass er Trainer bei den Bayern wird, anscheinend hat er jegliche Kompetenz verloren. Klingt übertrieben? Lasst es uns mal ansehen:
Wenger will als "Head of Global Developement" die Abseitsregel reformieren. Also komplett. Zitat: "Man ist nicht im Abseits, wenn ein Körperteil, mit dem man ein Tor erzielen kann, noch hinter dem letzten Verteidiger oder auf gleicher Höhe ist."
Dieser Vorschlag ist so absurd, dass die Probleme, die die Sportschau anspricht, noch nicht mal relevant sind. Also dass es in einer Spielertraube quasi unmöglich macht zu entscheiden, ob ein Körperteil jetzt noch "onside" war oder nicht. Und das die Milimeter-Entscheidungen weiterhin bestehen bleiben würden. Viel schlimmer ist, dass dadurch alle Trainer zu José Mourinhos verkommen würden. Also verkommen müssten.
Klingt übertrieben? Nun ja... denkt mal drüber nach. Spieler wie Timo Werner, Kylian Mbappé, Neymar, Lionel Messi, Ousmane Dembélé, Gareth Bale, Mo Salah, Sadio Mané, Kingsley Coman und Serge Gnabry sind jetzt schon kaum zu verteidigen. Also selbst wenn man auf gleicher Höhe starten darf, ist es mehr oder weniger Wahnsinn gegen solche Leute auf Abseits zu spielen. Zumindest für die normalsterblichen Fußballvereine. Deswegen steht man gegen solche Vereine ja gerne sehr tief.
Aber selbst ein Eric Thommy ist offensichtlich kaum zu halten, wenn er einen Vorsprung kriegt... und der spielt nur bei Fortuna Düsseldorf...
Jetzt stelle man sich vor, derartige Spieler kriegen einen viertel bis halben Meter Vorsprung. Die revolutionäre Taktik wäre: Bei Ballverlust langer Hafer nach vorne und der Stürmer sprintet los. So was gibt es ja in Umschaltsituationen heute schon. Nur ist auf Grund der Geschwindigkeit das Ganze nur zu verhindern... nun ja... in dem man einen oder 2 Verteidiger am 16er abstellt? Also den ganz klassischen Libero zurück bringt? Sich kollektiv 15 bis 20 Meter tiefer aufstellt? Also auch bei eigenem Ballbesitz, weil man sonst keine Chance hat diese Momente zu verteidigen?
Der Optimistischste Fall ist, dass jeder Torhüter zu Manuel Neuer, aber selbst der kann ja offensichtlich nicht alle Bälle perfekt ablaufen...
Oh und Flanken aus dem Halbfeld auch nur noch verteidigen kann, in dem man sich im 5 Meter Raum einbuddelt. Also ich verweise auf diese "ONSIDE" Twitter Grafik... Wie will man da als Verteidiger sonst eine Chance haben.
Das Ergebnis? Die Standard-Taktik wird ein 7-0-3 System. Also das, was Barca am Ende mit Neymar, Luis Suarez und Messi gespielt hat, nur noch überspitzter. Man vergräbt sich am eigenen Strafraum, weil man keine schnellen, nicht zu verteidigenden Gegenangriffe zulassen kann. Man prügelt den Ball dann lang auf seiner 3 Stürmer und rückt langsam nach, traut sich aber selbst bei eigenem Ballbesitz kaum aus dem Strafraum. Also ja, wie Mourinho damals gegen Barca, nur noch weniger spannend...
Weil ja auch Barca es sich nicht mehr leisten kann, geschlossen bis zur Mittellinie aufzurücken, da an dieser Mittellinie der eine schnelle Chelsea Angreifer auf den langen Ball wartet. Immer sprintbereit und mit einem Bein in der Gegnerischen Hälfte. Also es gibt im Extremfall keinen Grund, nicht wie ein 100 Meter Sprinter auf den Startschuss Ballgewinn zu warten...
Die Räume würden extrem groß werden. Konsequenten Angriffsfußball spielen zu lassen, wäre reiner Wahnsinn und Usain Bolts Traum einer Fußballerkarriere erfüllt sich doch noch. Hätte nie gedacht, dass Wenger heimlich davon träumt Usain Bolt aufzustellen und sehr britisch spielen zu lassen.
Fußball ist ja sowieso die Sportart, in der extrem viel Raum von extrem wenigen Menschen bearbeitet wird. Also verglichen mit Handball oder Basketball, als erstes Beispiel. Also wir haben 324 qm² pro Teilnehmer... Das erscheint mir zu viel, ich meine, kriege mal so viel Wohnraum in einer Deutschen Großstadt... Aber wenn ich 7.140 qm² (das kommt bei den Wikipedia Standard-Maßen von 105m*68m raus) durch 22 rechne, kommt das bei mir raus... Beim Handball (20*40 sind 800, durch 14 sind nur 57 qm²) kommt man auf bezahlbare Mietpreise...
Jedenfalls wird Fußball ja nur deswegen "spielbar", weil man die Fläche effektiv verkleinern kann. Durch Abseitsstellungen. Das ist zwar, je kurzsichtiger die Linienrichter sind, riskant... falls man überhaupt in einer Liga spielt, in der es genügend davon gibt. Aber je höherklassig man kommt, um so zuverlässiger funktioniert das. Und nur dadurch sorgt man dann dafür, dass man doch wieder Lösungen in Hohem Tempo auf kleinen Raum suchen muss, was ja genau der Moment ist, in dem Fußball spannend wird. Weil beide Mannschaften dafür sorgen können, dass der bespielbare Raum plötzlich doch eher nach einer Wohnung in Berlin als nach einem Landhaus in Brandenburg aussieht.
Wie ein ehemals renommierter Trainer auf die Idee kommen kann diese essenzielle Regel elementar auszuhebeln, bleibt mir ein Rätsel. Wenn ich so was in den Kicker Leserbriefen finde (und ja, ich habe das auch da letztens gefunden), schmunzele ich kurz. Aber wenn sich die Idee in den Köpfen von Leuten, die sich Gedanken um das Spiel machen sollten, breit macht...
Wo wir das aus dem Weg gebracht haben... Arsene Wenger. Der war mal ein Vordenker des Fußballs und Liebhaber des Schönen Spiels. Nach seiner letzten Aussage hoffe ich irgendwie, dass er Trainer bei den Bayern wird, anscheinend hat er jegliche Kompetenz verloren. Klingt übertrieben? Lasst es uns mal ansehen:
Wenger will als "Head of Global Developement" die Abseitsregel reformieren. Also komplett. Zitat: "Man ist nicht im Abseits, wenn ein Körperteil, mit dem man ein Tor erzielen kann, noch hinter dem letzten Verteidiger oder auf gleicher Höhe ist."
Dieser Vorschlag ist so absurd, dass die Probleme, die die Sportschau anspricht, noch nicht mal relevant sind. Also dass es in einer Spielertraube quasi unmöglich macht zu entscheiden, ob ein Körperteil jetzt noch "onside" war oder nicht. Und das die Milimeter-Entscheidungen weiterhin bestehen bleiben würden. Viel schlimmer ist, dass dadurch alle Trainer zu José Mourinhos verkommen würden. Also verkommen müssten.
Klingt übertrieben? Nun ja... denkt mal drüber nach. Spieler wie Timo Werner, Kylian Mbappé, Neymar, Lionel Messi, Ousmane Dembélé, Gareth Bale, Mo Salah, Sadio Mané, Kingsley Coman und Serge Gnabry sind jetzt schon kaum zu verteidigen. Also selbst wenn man auf gleicher Höhe starten darf, ist es mehr oder weniger Wahnsinn gegen solche Leute auf Abseits zu spielen. Zumindest für die normalsterblichen Fußballvereine. Deswegen steht man gegen solche Vereine ja gerne sehr tief.
Aber selbst ein Eric Thommy ist offensichtlich kaum zu halten, wenn er einen Vorsprung kriegt... und der spielt nur bei Fortuna Düsseldorf...
Jetzt stelle man sich vor, derartige Spieler kriegen einen viertel bis halben Meter Vorsprung. Die revolutionäre Taktik wäre: Bei Ballverlust langer Hafer nach vorne und der Stürmer sprintet los. So was gibt es ja in Umschaltsituationen heute schon. Nur ist auf Grund der Geschwindigkeit das Ganze nur zu verhindern... nun ja... in dem man einen oder 2 Verteidiger am 16er abstellt? Also den ganz klassischen Libero zurück bringt? Sich kollektiv 15 bis 20 Meter tiefer aufstellt? Also auch bei eigenem Ballbesitz, weil man sonst keine Chance hat diese Momente zu verteidigen?
Der Optimistischste Fall ist, dass jeder Torhüter zu Manuel Neuer, aber selbst der kann ja offensichtlich nicht alle Bälle perfekt ablaufen...
Oh und Flanken aus dem Halbfeld auch nur noch verteidigen kann, in dem man sich im 5 Meter Raum einbuddelt. Also ich verweise auf diese "ONSIDE" Twitter Grafik... Wie will man da als Verteidiger sonst eine Chance haben.
Das Ergebnis? Die Standard-Taktik wird ein 7-0-3 System. Also das, was Barca am Ende mit Neymar, Luis Suarez und Messi gespielt hat, nur noch überspitzter. Man vergräbt sich am eigenen Strafraum, weil man keine schnellen, nicht zu verteidigenden Gegenangriffe zulassen kann. Man prügelt den Ball dann lang auf seiner 3 Stürmer und rückt langsam nach, traut sich aber selbst bei eigenem Ballbesitz kaum aus dem Strafraum. Also ja, wie Mourinho damals gegen Barca, nur noch weniger spannend...
Weil ja auch Barca es sich nicht mehr leisten kann, geschlossen bis zur Mittellinie aufzurücken, da an dieser Mittellinie der eine schnelle Chelsea Angreifer auf den langen Ball wartet. Immer sprintbereit und mit einem Bein in der Gegnerischen Hälfte. Also es gibt im Extremfall keinen Grund, nicht wie ein 100 Meter Sprinter auf den Startschuss Ballgewinn zu warten...
Die Räume würden extrem groß werden. Konsequenten Angriffsfußball spielen zu lassen, wäre reiner Wahnsinn und Usain Bolts Traum einer Fußballerkarriere erfüllt sich doch noch. Hätte nie gedacht, dass Wenger heimlich davon träumt Usain Bolt aufzustellen und sehr britisch spielen zu lassen.
Fußball ist ja sowieso die Sportart, in der extrem viel Raum von extrem wenigen Menschen bearbeitet wird. Also verglichen mit Handball oder Basketball, als erstes Beispiel. Also wir haben 324 qm² pro Teilnehmer... Das erscheint mir zu viel, ich meine, kriege mal so viel Wohnraum in einer Deutschen Großstadt... Aber wenn ich 7.140 qm² (das kommt bei den Wikipedia Standard-Maßen von 105m*68m raus) durch 22 rechne, kommt das bei mir raus... Beim Handball (20*40 sind 800, durch 14 sind nur 57 qm²) kommt man auf bezahlbare Mietpreise...
Jedenfalls wird Fußball ja nur deswegen "spielbar", weil man die Fläche effektiv verkleinern kann. Durch Abseitsstellungen. Das ist zwar, je kurzsichtiger die Linienrichter sind, riskant... falls man überhaupt in einer Liga spielt, in der es genügend davon gibt. Aber je höherklassig man kommt, um so zuverlässiger funktioniert das. Und nur dadurch sorgt man dann dafür, dass man doch wieder Lösungen in Hohem Tempo auf kleinen Raum suchen muss, was ja genau der Moment ist, in dem Fußball spannend wird. Weil beide Mannschaften dafür sorgen können, dass der bespielbare Raum plötzlich doch eher nach einer Wohnung in Berlin als nach einem Landhaus in Brandenburg aussieht.
Wie ein ehemals renommierter Trainer auf die Idee kommen kann diese essenzielle Regel elementar auszuhebeln, bleibt mir ein Rätsel. Wenn ich so was in den Kicker Leserbriefen finde (und ja, ich habe das auch da letztens gefunden), schmunzele ich kurz. Aber wenn sich die Idee in den Köpfen von Leuten, die sich Gedanken um das Spiel machen sollten, breit macht...
Freitag, 21. Februar 2020
Im aktuellen Kicker gibt es eine schöne Statistik
Und die sagt praktisch mehr als 1000 Worte. Deswegen wird dieser Beitrag vielleicht auch nicht ganz so lang...
Der Kicker ist nebenbei auch das Magazin, welches uns mitteilt, dass die Bayern nach einen Innenverteidiger "vom Typus Virgil van Dijk" suchen. Deswegen sind das die Profis und ich mache das nur in meiner Freizeit. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass die Bayern nach dem aktuellen Idealbild eines Innenverteidigers Ausschau halten. Ich ging davon aus, dass die neue und kreative Wege gehen und demnächst mit 3 1,65m kleinen Wichten verteidigen. Aber da haben wir wieder was gelernt.
Viel spannender ist allerdings... der Artikel zum FC Augsburg. Dort wird statistisch festgehalten, dass Augsburg sich in jeder relevanten Kategorie verschlechtert hat. Die Zahl der Gegentore stieg, während die eigenen Treffer minimal zurück gehen. Der Ballbesitz und die Passquote sind nach wie vor katastrophal. Was dann zu "fußballerisch dürftigen Kampfspielen" führt. Weiterentwicklungen gibt es woanders zu sehen.
Oh und logischer Weise holte man auch einen Punkt weniger als zum Hinrundenauftakt. Alles Anzeichen einer Krise. Aber hier ist das faszinierende: Es ist total egal.
Denn obwohl man selber weniger Punkte geholt hat als zum gleichen Zeitpunkt in der Hinrunde, hat sich der Vorsprung auf die Abstiegsplätze vergrößert. Von 8 auf endgültig beruhigende 10 Punkte. Weil man in der Rückrundentabelle zwar 16. ist... aber halt immer noch vor Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf steht. Und punktgleich mit Paderborn ist.
Also ja, selbst Mannschaften, die sich verschlechtern, verbessern sich immer noch relativ zu den Stand jetzt nur noch 3 Kellerkindern.
Dass man seit Jahren nicht mehr "gut" sein muss um nicht abzusteigen, ist hier ja keine Neuigkeit. Dass man sich mittlerweile praktisch verschlechtern kann und trotzdem seinen Abstand zur 2. Liga vergrößert, schon. Aber hey, vielleicht ist das ja genau die Hoffnung, auf die Werder Bremen baut: dass die Konkurrenz noch viel mehr als man es selber kann nachlässt. Guter Plan...
Der Kicker ist nebenbei auch das Magazin, welches uns mitteilt, dass die Bayern nach einen Innenverteidiger "vom Typus Virgil van Dijk" suchen. Deswegen sind das die Profis und ich mache das nur in meiner Freizeit. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass die Bayern nach dem aktuellen Idealbild eines Innenverteidigers Ausschau halten. Ich ging davon aus, dass die neue und kreative Wege gehen und demnächst mit 3 1,65m kleinen Wichten verteidigen. Aber da haben wir wieder was gelernt.
Viel spannender ist allerdings... der Artikel zum FC Augsburg. Dort wird statistisch festgehalten, dass Augsburg sich in jeder relevanten Kategorie verschlechtert hat. Die Zahl der Gegentore stieg, während die eigenen Treffer minimal zurück gehen. Der Ballbesitz und die Passquote sind nach wie vor katastrophal. Was dann zu "fußballerisch dürftigen Kampfspielen" führt. Weiterentwicklungen gibt es woanders zu sehen.
Oh und logischer Weise holte man auch einen Punkt weniger als zum Hinrundenauftakt. Alles Anzeichen einer Krise. Aber hier ist das faszinierende: Es ist total egal.
Denn obwohl man selber weniger Punkte geholt hat als zum gleichen Zeitpunkt in der Hinrunde, hat sich der Vorsprung auf die Abstiegsplätze vergrößert. Von 8 auf endgültig beruhigende 10 Punkte. Weil man in der Rückrundentabelle zwar 16. ist... aber halt immer noch vor Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf steht. Und punktgleich mit Paderborn ist.
Also ja, selbst Mannschaften, die sich verschlechtern, verbessern sich immer noch relativ zu den Stand jetzt nur noch 3 Kellerkindern.
Dass man seit Jahren nicht mehr "gut" sein muss um nicht abzusteigen, ist hier ja keine Neuigkeit. Dass man sich mittlerweile praktisch verschlechtern kann und trotzdem seinen Abstand zur 2. Liga vergrößert, schon. Aber hey, vielleicht ist das ja genau die Hoffnung, auf die Werder Bremen baut: dass die Konkurrenz noch viel mehr als man es selber kann nachlässt. Guter Plan...
Donnerstag, 20. Februar 2020
Passives Abseits vs Tradition, Teil 5: Ein Traditionsverein in der Identitätskrise?
So was soll ja vorkommen. Man entwickelt sich als Verein weiter und plötzlich fällt all das, was den Verein eigentlich ausmacht, weg. Und wenn wir uns mal die Tabelle angucken, passiert genau das jetzt gerade bei... Union Berlin.
Also ja, der 1.FC Union Berlin ist ein Traditionsverein. Sogar ein ganz klassischer, denn der Verein ist nicht, wie man denken könnte, durch die Neustrukturierung der Sportlandschaft in der DDR entstanden. Man spielt seit 1920 An der alten Försterei. Was mich irgendwie irritiert, wie kann denn die Försterei damals schon alt gewesen sein? Und wenn die damals schon alt war, was ist die denn jetzt?
Aber genau genommen macht gar nicht der Fakt, dass man von den Umstrukturierungsmaßnahmen weitgehend verschont blieb, Union besonders. Sondern das Jahr 1923. Denn damals holte man sich das letzte Mal die Berliner Stadtmeisterschaft und zog ins Finale um die Deutsche Meisterschaft ein. Also praktisch hießen die noch Union Oberschönenweide, aber das sind ja nun wirklich Details.
Das spannende ist: Die nächsten 100 Jahre waren Hertha BSC Berlin, Tennis Borussia Berlin, SC Tasmania Berlin (ja, selbst die) und Blau-Weiß 90 Berlin die Nummer eins in der Stakt. Oh und eine gewisse BSG Dynamo in Ostdeutschland.
Union hat quasi seine gesamte Geschichte als "Nummer 2 in der Stadt" verbracht. Oder man stand gerade noch schlechter da und war nicht mal das. Um das mal zu verdeutlichen: Auf der Wikipedia Seite werden "(Ost-)Berliner Meisterschaften" als Erfolg angegeben. Es gab 4 davon. Die wurden von Union II errungen. Das ist nen bisschen als würde Bayern München den 1. Platz in der Regionalliga Bayern und den damit verbundenen Aufstieg in die dritte Liga als historischen Erfolg feiern.
Aber mit diesem Status als "Nummer 2 in der Stadt" kam natürlich auch immer das Narrativ des Anti-Establishment-Clubs, in dem sich Union immer auch sehr wohl gefühlt hat. Diejenigen, die nichts mit der Bevorzugung durch die Stasi bei Dynamo zu tun haben wollten, gingen zu Union. Sie gingen bewusst zu Union. Und nach der Wende gingen dann die Leute, die sich von der Kommerzialisierung und dem Größenwahn der Hertha zur Jahrtausendwende abwenden wollten zu Union.
Das war ein Status, mit dem man sich als Verein sehr gut arrangieren konnte. Also die Vereinshymne kommt nur echt mit der "Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen" Zeile.
Man konnte auf Grund der Hingabe und Treue der Fans einige eigentlich wahnsinnige Aktionen starten. Man hat still und heimlich fast so viele Mitglieder wie der große Klassenfeind. Aber man besetzt halt immer noch die Gegenposition. Zumindest im Narrativ.
Hier ist das faszinierende: Es gibt eigentlich nur einen Verein, der dies auch noch von sich behaupten kann. Und der halt auch als "Kultkiezklub" funktioniert. Offensichtlich ist es der 1.FC St.Pauli, der auch immer hinter dem Hamburger SV stand. Aber in allen anderen Städten und Metroplexen...
Als praktisches Beispiel sei hier mal 1860 München genannt. Die sind auch Kult, waren aber noch in den 60er Jahren vor den großen Bayern. Also auch wenn es knapp war: Es gibt ja Gründe dafür, warum 1860 Gründungsmitglied der Bundesliga ist und die Bayern es nicht sind. Und sie standen auch lange vor den Bayern in einem internationalen Finale.
Im Ruhrgebiet gab es halt regelmäßig wechselnde Verhältnisse. Heutzutage repräsentiert durch Dortmund und Schalke, aber früher halt auch mit Rot Weiß Essen. Aber eine Klare Nummer 1 und 2 gibt es nur in den Köpfen der einzelnen Vereine.
In Köln gibt es die Viktoria, die aber halt im Gegensatz zu Union und St.Pauli weit davon entfernt ist ein überregionales Phänomen zu sein. Man spielt halt vor 2.500 Zuschauern.
(Edit: Ich bin gerade darauf hingewiesen worden, dass wohl eher Fortuna Köln die emotionale Nummer 2 in Köln ist. Stimmt. Aber dass ich die beiden Vereine verwechselt habe, sagt wahrscheinlich alles über die Überregionale Reichweite dieser Verein aus.)
Selbiges lässt sich über den FSV Frankfurt sagen, die 8 Jahre lang in der 2. Liga spielten, aber auch immer Probleme hatten den Anschluss in der Stadt zu finden. Jetzt spielt man irgendwo in der Regionalliga.
Einzig St.Pauli und Union sind so richtige Erfolgsgeschichten als designierte Nummer 2 in der Stadt. Also gerade wenn man sich anguckt, wie sehr 1860 eingebrochen ist, seit dem die Bayern sie überholt haben. Die Stadt München wäre eigentlich groß genug für 2 Profiklubs. Zwischenzeitlich gab es mit Unterhachingen ja sogar 3 Bundesligisten in der Stadt. Und Unterhachingen sicherte zum Saisonfinale mit überraschenden Siegen die Meisterschaft für den "Lokalrivalen". Der Markt wäre da. Trotzdem hat man es in München bis heute nicht geschafft einen akzeptierten und erfolgreichen Verein im Schatten der Bayern zu etablieren, der konstant erfolgreich ist.
Bei Union ist genau dies gelungen. Und zwar durch konstanten und gesunden Wachstum. Denn im Windschatten des alternativen Kultklub Narratives hat sich ein seriös geführter und ständig wachsender Verein entwickelt. Es war ja am Ende auch genau genommen nicht mehr die Frage "Ob" sondern nur noch "Wann" Union aufsteigt. Man spielte seit 10 Jahren in der 2. Liga und das mit deutlich steigenden Leistungen. Also von einem einzelnen relativen Rückschritt unterbrochen war die Tabellenplatzentwicklung bei Union: 9., 7., 6., 4. von 2014-2017 und dann der Aufstieg als Dritter 2019. Wenn man jetzt in der Relegation gescheitert wäre, hätten sie deswegen trotzdem nicht den Weg vom Karlsruher SC eingeschlagen und wäre plötzlich verkatert in der dritten Liga wach geworden. Man wäre dann halt 2021 oder 22 aufgestiegen.
Jetzt ist man aber plötzlich an einem Wendepunkt. Denn in der aktuellen Tabelle steht Union vor der Hertha. Zum ersten Mal seit 1923. Behaupte ich jetzt mal. Und bei dem Chaos der Hertha ist es ja nicht ausgeschlossen, dass das bis zum Saisonende so bleibt. Dann wäre man plötzlich zumindest kurzfristig wieder die Nummer 1 in der Stadt... Zum ersten Mal seit fast 100 Jahren.
Nebenbei ist das ja das eigentlich interessante an der Berliner Gesamtkonstellation: Es gibt da halt gerade 2 Vereine, die auf dem Weg zum "Big City Club" sind. Aber nur einer gibt das unter Lars Windhorst offen und aggressiv als Ziel aus. Der andere entwickelt sich einfach still und stetig weiter und werden groß ohne groß darüber zu reden.
Und ja, meine Prognose zur Union war schon vor dem Saisonbeginn: Die werden vielleicht auch unterwegs mal absteigen, aber in spätestens 10 Jahren ein fest etabliertes Mitglied der Bundesliga sein.
Derweil steht es nirgendwo geschrieben, dass die Turbovariante, für die sich die Hertha gerade entschieden hat, zwingend funktionieren muss. Also es kann genau so enden, wie beim HSV mit Klaus-Michael Kühne.
Und selbst wenn das in Berlin wirklich funktioniert... bedeutet es nicht, dass Union in einer für sie gut laufenden Saison nicht plötzlich doch wieder vor der Hertha steht. Oder es wird einfach Jahre geben, in denen man beide Stadtderbys gewinnt und hinterher einfach behaupten wird, dass man ja offensichtlich die Nummer eins in der Stadt ist. Das wird einfach hin und wieder vorkommen. Und das wird für Union dann komisch.
Man sieht ja auch schon die ersten Anzeichen. Also so übertrieben das klingt, aber der familiäre Kiezverein hätte nie groß darüber nachgedacht, ob man mit Sebastian Polter verlängern sollte. Auch wenn das ein Marius Ebbers Angreifer ist, muss man den doch auf Grund seiner hohen Verdienst für den Verein behalten. Praktisch ist Polter schon zu Saisonbeginn zum Ergänzungsspieler degradiert worden und hat jetzt ein Vertragsangebot bekommen. welches er als Beleidigung auffasst. Wir haben praktisch also schon die erste "Vereinslegende" und den ersten "Aufstiegshelden", der mit dem Wachstum des Klubs nicht Schritt halten kann und deswegen aussortiert werden muss. Und der dann auch anscheinend recht humorlos aussortiert wird. Weil man als etablierter Bundesligist, der man werden will, halt solche kalten Entscheidungen treffen muss... Und genau da liegt die anstehende Identitätskrise der Unioner.
Also ja, der 1.FC Union Berlin ist ein Traditionsverein. Sogar ein ganz klassischer, denn der Verein ist nicht, wie man denken könnte, durch die Neustrukturierung der Sportlandschaft in der DDR entstanden. Man spielt seit 1920 An der alten Försterei. Was mich irgendwie irritiert, wie kann denn die Försterei damals schon alt gewesen sein? Und wenn die damals schon alt war, was ist die denn jetzt?
Aber genau genommen macht gar nicht der Fakt, dass man von den Umstrukturierungsmaßnahmen weitgehend verschont blieb, Union besonders. Sondern das Jahr 1923. Denn damals holte man sich das letzte Mal die Berliner Stadtmeisterschaft und zog ins Finale um die Deutsche Meisterschaft ein. Also praktisch hießen die noch Union Oberschönenweide, aber das sind ja nun wirklich Details.
Das spannende ist: Die nächsten 100 Jahre waren Hertha BSC Berlin, Tennis Borussia Berlin, SC Tasmania Berlin (ja, selbst die) und Blau-Weiß 90 Berlin die Nummer eins in der Stakt. Oh und eine gewisse BSG Dynamo in Ostdeutschland.
Union hat quasi seine gesamte Geschichte als "Nummer 2 in der Stadt" verbracht. Oder man stand gerade noch schlechter da und war nicht mal das. Um das mal zu verdeutlichen: Auf der Wikipedia Seite werden "(Ost-)Berliner Meisterschaften" als Erfolg angegeben. Es gab 4 davon. Die wurden von Union II errungen. Das ist nen bisschen als würde Bayern München den 1. Platz in der Regionalliga Bayern und den damit verbundenen Aufstieg in die dritte Liga als historischen Erfolg feiern.
Aber mit diesem Status als "Nummer 2 in der Stadt" kam natürlich auch immer das Narrativ des Anti-Establishment-Clubs, in dem sich Union immer auch sehr wohl gefühlt hat. Diejenigen, die nichts mit der Bevorzugung durch die Stasi bei Dynamo zu tun haben wollten, gingen zu Union. Sie gingen bewusst zu Union. Und nach der Wende gingen dann die Leute, die sich von der Kommerzialisierung und dem Größenwahn der Hertha zur Jahrtausendwende abwenden wollten zu Union.
Das war ein Status, mit dem man sich als Verein sehr gut arrangieren konnte. Also die Vereinshymne kommt nur echt mit der "Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen" Zeile.
Man konnte auf Grund der Hingabe und Treue der Fans einige eigentlich wahnsinnige Aktionen starten. Man hat still und heimlich fast so viele Mitglieder wie der große Klassenfeind. Aber man besetzt halt immer noch die Gegenposition. Zumindest im Narrativ.
Hier ist das faszinierende: Es gibt eigentlich nur einen Verein, der dies auch noch von sich behaupten kann. Und der halt auch als "Kultkiezklub" funktioniert. Offensichtlich ist es der 1.FC St.Pauli, der auch immer hinter dem Hamburger SV stand. Aber in allen anderen Städten und Metroplexen...
Als praktisches Beispiel sei hier mal 1860 München genannt. Die sind auch Kult, waren aber noch in den 60er Jahren vor den großen Bayern. Also auch wenn es knapp war: Es gibt ja Gründe dafür, warum 1860 Gründungsmitglied der Bundesliga ist und die Bayern es nicht sind. Und sie standen auch lange vor den Bayern in einem internationalen Finale.
Im Ruhrgebiet gab es halt regelmäßig wechselnde Verhältnisse. Heutzutage repräsentiert durch Dortmund und Schalke, aber früher halt auch mit Rot Weiß Essen. Aber eine Klare Nummer 1 und 2 gibt es nur in den Köpfen der einzelnen Vereine.
In Köln gibt es die Viktoria, die aber halt im Gegensatz zu Union und St.Pauli weit davon entfernt ist ein überregionales Phänomen zu sein. Man spielt halt vor 2.500 Zuschauern.
(Edit: Ich bin gerade darauf hingewiesen worden, dass wohl eher Fortuna Köln die emotionale Nummer 2 in Köln ist. Stimmt. Aber dass ich die beiden Vereine verwechselt habe, sagt wahrscheinlich alles über die Überregionale Reichweite dieser Verein aus.)
Selbiges lässt sich über den FSV Frankfurt sagen, die 8 Jahre lang in der 2. Liga spielten, aber auch immer Probleme hatten den Anschluss in der Stadt zu finden. Jetzt spielt man irgendwo in der Regionalliga.
Einzig St.Pauli und Union sind so richtige Erfolgsgeschichten als designierte Nummer 2 in der Stadt. Also gerade wenn man sich anguckt, wie sehr 1860 eingebrochen ist, seit dem die Bayern sie überholt haben. Die Stadt München wäre eigentlich groß genug für 2 Profiklubs. Zwischenzeitlich gab es mit Unterhachingen ja sogar 3 Bundesligisten in der Stadt. Und Unterhachingen sicherte zum Saisonfinale mit überraschenden Siegen die Meisterschaft für den "Lokalrivalen". Der Markt wäre da. Trotzdem hat man es in München bis heute nicht geschafft einen akzeptierten und erfolgreichen Verein im Schatten der Bayern zu etablieren, der konstant erfolgreich ist.
Bei Union ist genau dies gelungen. Und zwar durch konstanten und gesunden Wachstum. Denn im Windschatten des alternativen Kultklub Narratives hat sich ein seriös geführter und ständig wachsender Verein entwickelt. Es war ja am Ende auch genau genommen nicht mehr die Frage "Ob" sondern nur noch "Wann" Union aufsteigt. Man spielte seit 10 Jahren in der 2. Liga und das mit deutlich steigenden Leistungen. Also von einem einzelnen relativen Rückschritt unterbrochen war die Tabellenplatzentwicklung bei Union: 9., 7., 6., 4. von 2014-2017 und dann der Aufstieg als Dritter 2019. Wenn man jetzt in der Relegation gescheitert wäre, hätten sie deswegen trotzdem nicht den Weg vom Karlsruher SC eingeschlagen und wäre plötzlich verkatert in der dritten Liga wach geworden. Man wäre dann halt 2021 oder 22 aufgestiegen.
Jetzt ist man aber plötzlich an einem Wendepunkt. Denn in der aktuellen Tabelle steht Union vor der Hertha. Zum ersten Mal seit 1923. Behaupte ich jetzt mal. Und bei dem Chaos der Hertha ist es ja nicht ausgeschlossen, dass das bis zum Saisonende so bleibt. Dann wäre man plötzlich zumindest kurzfristig wieder die Nummer 1 in der Stadt... Zum ersten Mal seit fast 100 Jahren.
Nebenbei ist das ja das eigentlich interessante an der Berliner Gesamtkonstellation: Es gibt da halt gerade 2 Vereine, die auf dem Weg zum "Big City Club" sind. Aber nur einer gibt das unter Lars Windhorst offen und aggressiv als Ziel aus. Der andere entwickelt sich einfach still und stetig weiter und werden groß ohne groß darüber zu reden.
Und ja, meine Prognose zur Union war schon vor dem Saisonbeginn: Die werden vielleicht auch unterwegs mal absteigen, aber in spätestens 10 Jahren ein fest etabliertes Mitglied der Bundesliga sein.
Derweil steht es nirgendwo geschrieben, dass die Turbovariante, für die sich die Hertha gerade entschieden hat, zwingend funktionieren muss. Also es kann genau so enden, wie beim HSV mit Klaus-Michael Kühne.
Und selbst wenn das in Berlin wirklich funktioniert... bedeutet es nicht, dass Union in einer für sie gut laufenden Saison nicht plötzlich doch wieder vor der Hertha steht. Oder es wird einfach Jahre geben, in denen man beide Stadtderbys gewinnt und hinterher einfach behaupten wird, dass man ja offensichtlich die Nummer eins in der Stadt ist. Das wird einfach hin und wieder vorkommen. Und das wird für Union dann komisch.
Man sieht ja auch schon die ersten Anzeichen. Also so übertrieben das klingt, aber der familiäre Kiezverein hätte nie groß darüber nachgedacht, ob man mit Sebastian Polter verlängern sollte. Auch wenn das ein Marius Ebbers Angreifer ist, muss man den doch auf Grund seiner hohen Verdienst für den Verein behalten. Praktisch ist Polter schon zu Saisonbeginn zum Ergänzungsspieler degradiert worden und hat jetzt ein Vertragsangebot bekommen. welches er als Beleidigung auffasst. Wir haben praktisch also schon die erste "Vereinslegende" und den ersten "Aufstiegshelden", der mit dem Wachstum des Klubs nicht Schritt halten kann und deswegen aussortiert werden muss. Und der dann auch anscheinend recht humorlos aussortiert wird. Weil man als etablierter Bundesligist, der man werden will, halt solche kalten Entscheidungen treffen muss... Und genau da liegt die anstehende Identitätskrise der Unioner.
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