Oder: Kann man die Kirche einfach mal im Dorf lassen und Spieler angemessen bewerten... und ihnen Zeit zur Entwicklung geben?
Denn im wesentlichen lassen sich alle Debatten über Leroy Sané auf ein "Der hat sich mit 23 noch nicht endgültig bei einer der besten Offensivabteilungen der Welt endgültig durchgesetzt und das ist schlecht" zusammenfassen. Aber ist es das wirklich?
Also zum einen muss man mal festhalten: Die Offensivabteilung von Manchester City ist exzellent besetzt. Klar, laut Transfermarkt.de ist Sane der einzige Linksaußen... Aber im Wesentlichen muss Pep Guardiola aus Spielern wie Kevin de Bruyne, Raheem Sterling, Sergio Agüero, Gabriel Jesus, Riyad Mahrez, David Silva und eben Sané ein Offensivquartett basteln. Vielleicht kann er es sich hin und wieder erlauben 5 von den 7 aufzustellen, aber gegen die gefährlichen Gegner wäre es vielleicht sinnvoller gewesen ein zusätzliche Absicherung einzubauen.
Sané ist jetzt... die Nummer 5 oder 6 in diesem Offensivensemble. Mit 23. Und er hat dieses Jahr zum ersten Mal keinen deutlichen Schritt nach vorne gemacht, sondern leistungstechnisch stagniert. Er hatte letztes Jahr mehr Scorerpunkte als in diesem.
Aber Entwicklungen sind halt nicht immer linear. Und natürlich muss Sané in den nächsten 2 Jahren nachweisen, ob er wirklich gut genug ist um in den besten Offensivreihen der Welt Stammspieler zu werden. Aber das mit 23 noch nicht zu sein, ist halt kein Beinbruch.
Fragt euch einfach mal, wer von den anderen Deutschen Offensivkräften bei ManCity eine ähnliche Rolle spielen könnte: Marco Reus ist dafür zu oft verletzt. Serge Gnabry hat gerade einen gewaltigen Entwicklungsschritt, der nicht unbedingt erwartet worden ist, hinter sich... aber dieser Schritt bringt ihn, wenn überhaupt, nur auf Augenhöhe mit Sané. Timo Werner hat eine beeindruckende Bundesliga-Bilanz, aber bisher auch immer für die (relativ) kleinen gespielt und ist "nur" dort Stammspieler gewesen. Ob er sich jetzt bei den Bayern durchsetzen kann oder nicht, könnte eine spannende Frage werden. Aber bei Man City ist er garantiert nicht auf dem Zettel.
Julian Brandt hat sich gerade für die kleinere Adresse in Dortmund entschieden. Julian Draxler musste in Paris (also bei vergleichbaren Personal) eine neue Position erlernen um zum Zug zu kommen... und ist schon 25. Bleibt also... Kai Havertz, der ein absolutes Ausnahmetalent, welches nicht mal von Heiko Herrlich ruiniert werden konnte, ist. Der könnte als einziger der Nationalen Angriffsabteilung mit 23 weiter sein, als es Leroy Sané schon ist.
Und das sollte man mal in Perspektive setzen. Wir haben die ungute Angewohnheit jedes gute Talent mit den herausragenden Talenten wie Lionel Messi zu vergleichen. Und wer dann mit 23 noch nicht Stammspieler ist, der muss sich Gedanken machen. Und sich fragen, ob er in 2 Jahren nicht als gescheitert gilt... obwohl sein Leistungshöhepunkt erst in 4 kommen dürfte.
Das fällt mir halt nicht nur bei Sané auf. Nehmen wir ein neutraleres Beispiel: Renato Sanchez braucht eine Luftveränderung, weil er mit seinen 21 Jahren wesentlich mehr Matchpraxis braucht als die 24 Pflichtspiele, die er dieses Jahr zugewiesen bekommen hat. Denn mit 21 Jahren nur Azubi bei einem der selbsternannten Titelanwärter auf die Champions League zu sein, geht ja gar nicht.
Dabei könnte Sanchez eine ganz normale Entwicklung nehmen: Nach einem überraschenden Debüt-Turnier hat er den 2. Schritt vor dem 1. gemacht, dafür 1 1/2 Jahre lang gebüßt und jetzt könnte er anfangen sich beim FC Bayern zurechtzufinden. Und wenn er mit 22 dann nicht den nächsten Schritt macht und (Leroy Sané-esque) 30 Pflichtspiele macht... dann muss man darüber nachdenken, ob es für ihm auf diesem Niveau reicht. Oder ob er sich erst Mal in der Europa League einreihen sollte, um dann vielleicht später als gereifter Spieler auf die ganz große Bühne zurückzukehren. Sollte alles kein Problem sein.
Ist es aber, weil wir uns von einigen wenigen wirklichen Ausnahmetalenten, denen schon mit 20 der Durchbruch auf höchstem Niveau gelingt, so sehr blenden lassen, dass wir das von allen erwarten.
Dienstag, 11. Juni 2019
Dienstag, 4. Juni 2019
Warum dürfen sich Leute, die sich so wenig mit Fußball beschäftigen
hauptberuflich über Fußball schreiben. Ja, schon wieder. Und ich sollte echt Buch führen, wie oft mir das passiert.
Vor einigen Wochen gab es ja den doch recht spontanen Wechsel von Kerem Demirbay von der TSG 1899 Hoffenheim zu Bayer Leverkusen. Nachdem es die Woche davor im Kicker-Interview noch keinerlei Anzeichen gab, dass da was im Busch ist. Aber darum geht es ja nicht, es ist Demirbays gutes Recht sich heimlich und jenseits der Öffentlichkeit mit einem Wechsel zu beschäftigen... oder innerhalb weniger Tage eine neue Entscheidung zu treffen.
Was mich mehr irritiert hat (und das gleich, aber mir fehlte noch das Gegenbeispiel), war ja die Einschätzung, dass dies jetzt ein Paradigmenwechsel bei Bayer wäre. Denn einerseits bedient man sich nicht mehr nur bei kleineren Vereinen, andererseits ist Demirbay kein Kandidat dafür, auf dem Transfermarkt eine höhere Rendite abzuwerfen.
Denn eigentlich sieht der perfekte Bayer Transfer ja so aus: Man holt sich Julian Brandt für 500.000 und verkauft ihn für das 50zig fache.
Da Demirbay aber schon 25 ist und 32 Millionen gekostet hat, kann man ja nicht erwarten... ok, das 50zig fache ist wirklich nicht zu erwarten.
Wenn man sich aber ein bisschen mit Fußball beschäftigt (was ja anscheinend keine Grundvoraussetzung für einen Job beim Kicker ist, aber Details) fällt einem einiges auf.
1.) Bayer Leverkusen hat exakt denselben Transfer vor einigen Jahren schon mal getätigt. Bei Kevin Volland, der ebenfalls aus Hoffenheim kam. Bei genauerer Betrachtung ist Hoffenheim einfach noch ein wenig kleiner als Leverkusen. Nicht nur von der Stadtgröße. Leverkusen spielt halt gerade in 9 von 10 Jahren international. Das fällt halt nur keinem auf, weil es halt nur dieses Chemielabor und kein Traditionsverein mit großem Anhang ist. Aber was die Konstanz betrifft kommen stehen nur Dortmund und natürlich die Bayern vor der Werkself. Wenn man also in Hoffenheim einkauft, bedient man sich weiterhin bei den kleinen.
2.) Demirbay ist erst 25. Es ist eigentlich unfassbar, dass solche Spieler mittlerweile als "alt" gelten. Also als "zu alt um seinen Marktwert weiter zu steigern".
3.) 32 Millionen sind einfach nicht mehr so viel. Die Transfersummen sind halt weiter munter am eskalieren. Und es gibt ja keine Tendenz, dass dies irgendwie aufhören könnte.
Anders ausgedrückt (und da kommt jetzt das Gegenbeispiel): Eintracht Frankfurt kassiert gerade 60 Millionen Ablöse für Luka Jovic von Real Madrid. Wobei, im Detail... gehen 18 dieser 60 Millionen an Benfica Lissabon. Versetzt euch mal in deren Position, die kriegen 18 Millionen Euro dafür, dass sie mit diesem Spieler nichts anfangen konnten.
Natürlich ist Jovic noch 4 Jahre jünger als Demirbay, da ist es einfacher seinen Marktwert zu steigern. Und Real investiert auch in das Potenzial dieses Spielers, sich weiter zu verbessern. Aber ich sag das mal so: Dass er seinen Wert innerhalb eines Jahres von 5 auf 55 Millionen Euro steigert, ist absurd. Vor allem nach einer guten Europa League Saison. Oder anders ausgedrückt: In der Internationalen Zweitklassigkeit.
Wenn Demirbay einschlägt, 2 gute Jahre in Leverkusen hat und 10+X Scorerpunkte in der Champions League sammelt, wird er im Sommer 2021 erfolgreich weiterverkauft werden. Das sind halt die Realitäten auf dem Transfermarkt der Gegenwart.
Wenn Demirbay einschlägt, wird genau das passieren. Und heimlich wird Leverkusen genau darauf hoffen. Schließlich ist der im Sommer 2021 auch erst 27. Wenn er natürlich wirklich zum nächsten Volland wird (also kein Fehlgriff, gerade National mehr als ordentlich, aber halt auch international nur mit 2 Torvorlagen und einem Tor in 3 Jahren), wird Bayer das auch jenseits der dann nicht kommenden Ablösesumme zu spüren bekommen. Weil die Mannschaft dann International weiterhin nur teilnimmt, aber nicht wirklich mitspielt.
Um mal ein weiteres Beispiel für eskalierende Preise zu nennen: Leroy Sané soll gerade für die Bayern unbezahlbar geworden sein. Das ist ein Spieler, den man vor ein paar Jahren für 30 Millionen hätte verpflichten können, wo man aber zugeben muss, dass man diesen Transfer damals verpasst hat. Jetzt hat der sich natürlich in den Jahren auch verbessert, aber so viel, dass man 3stellige Millionenbeträge für ihn ausgeben muss? Ja, genau so viel. Weil er sich nicht nur verbessert hat, sondern die Preise für solche Spieler halt auch weiter gestiegen sind.
Das ist nebenbei etwas, auf das ein gewisser Johannes Bachmeyer, also jemand, der sich mit Fußball beschäftigt hat, bereits vor Monaten in seiner inzwischen vergessenen Brandrede angesprochen: Dass die Bayern in den letzten Jahren auf dem Transfermarkt eher gespart haben, wird sie jetzt richtig viel Geld kosten. Denn für einen Spieler von der Qualität eines Leroy Sané, der vor 2-3 Jahren noch 30 Millionen gekostet hat, werden mittlerweile 60+X Millionen aufgerufen. Also davon ausgehend, dass Sané mit 20 besser war als Jovic mit 21...
Für einen Verteidiger, der einem weiter helfen soll, zahlt man mittlerweile halt auch keine 20, sondern 80 Millionen. Eine Entwicklung, die niemanden, der sich mit Fußball beschäftigt, überraschen sollte.
Und es ist ja auch kein Ende abzusehen. Dementsprechend wahrscheinlich ist es, dass Bayer Demirbay irgendwann gewinnbringend verkaufen kann. Damit passt der genau ins Beuteschema der Werkself, das absurde ist halt, dass Bayer für solche Spieler mittlerweile selber richtig tief in die Tasche greifen muss. Aber die Spirale dreht sich halt nicht nur an der Spitze hoch, sondern überall.
Vor einigen Wochen gab es ja den doch recht spontanen Wechsel von Kerem Demirbay von der TSG 1899 Hoffenheim zu Bayer Leverkusen. Nachdem es die Woche davor im Kicker-Interview noch keinerlei Anzeichen gab, dass da was im Busch ist. Aber darum geht es ja nicht, es ist Demirbays gutes Recht sich heimlich und jenseits der Öffentlichkeit mit einem Wechsel zu beschäftigen... oder innerhalb weniger Tage eine neue Entscheidung zu treffen.
Was mich mehr irritiert hat (und das gleich, aber mir fehlte noch das Gegenbeispiel), war ja die Einschätzung, dass dies jetzt ein Paradigmenwechsel bei Bayer wäre. Denn einerseits bedient man sich nicht mehr nur bei kleineren Vereinen, andererseits ist Demirbay kein Kandidat dafür, auf dem Transfermarkt eine höhere Rendite abzuwerfen.
Denn eigentlich sieht der perfekte Bayer Transfer ja so aus: Man holt sich Julian Brandt für 500.000 und verkauft ihn für das 50zig fache.
Da Demirbay aber schon 25 ist und 32 Millionen gekostet hat, kann man ja nicht erwarten... ok, das 50zig fache ist wirklich nicht zu erwarten.
Wenn man sich aber ein bisschen mit Fußball beschäftigt (was ja anscheinend keine Grundvoraussetzung für einen Job beim Kicker ist, aber Details) fällt einem einiges auf.
1.) Bayer Leverkusen hat exakt denselben Transfer vor einigen Jahren schon mal getätigt. Bei Kevin Volland, der ebenfalls aus Hoffenheim kam. Bei genauerer Betrachtung ist Hoffenheim einfach noch ein wenig kleiner als Leverkusen. Nicht nur von der Stadtgröße. Leverkusen spielt halt gerade in 9 von 10 Jahren international. Das fällt halt nur keinem auf, weil es halt nur dieses Chemielabor und kein Traditionsverein mit großem Anhang ist. Aber was die Konstanz betrifft kommen stehen nur Dortmund und natürlich die Bayern vor der Werkself. Wenn man also in Hoffenheim einkauft, bedient man sich weiterhin bei den kleinen.
2.) Demirbay ist erst 25. Es ist eigentlich unfassbar, dass solche Spieler mittlerweile als "alt" gelten. Also als "zu alt um seinen Marktwert weiter zu steigern".
3.) 32 Millionen sind einfach nicht mehr so viel. Die Transfersummen sind halt weiter munter am eskalieren. Und es gibt ja keine Tendenz, dass dies irgendwie aufhören könnte.
Anders ausgedrückt (und da kommt jetzt das Gegenbeispiel): Eintracht Frankfurt kassiert gerade 60 Millionen Ablöse für Luka Jovic von Real Madrid. Wobei, im Detail... gehen 18 dieser 60 Millionen an Benfica Lissabon. Versetzt euch mal in deren Position, die kriegen 18 Millionen Euro dafür, dass sie mit diesem Spieler nichts anfangen konnten.
Natürlich ist Jovic noch 4 Jahre jünger als Demirbay, da ist es einfacher seinen Marktwert zu steigern. Und Real investiert auch in das Potenzial dieses Spielers, sich weiter zu verbessern. Aber ich sag das mal so: Dass er seinen Wert innerhalb eines Jahres von 5 auf 55 Millionen Euro steigert, ist absurd. Vor allem nach einer guten Europa League Saison. Oder anders ausgedrückt: In der Internationalen Zweitklassigkeit.
Wenn Demirbay einschlägt, 2 gute Jahre in Leverkusen hat und 10+X Scorerpunkte in der Champions League sammelt, wird er im Sommer 2021 erfolgreich weiterverkauft werden. Das sind halt die Realitäten auf dem Transfermarkt der Gegenwart.
Wenn Demirbay einschlägt, wird genau das passieren. Und heimlich wird Leverkusen genau darauf hoffen. Schließlich ist der im Sommer 2021 auch erst 27. Wenn er natürlich wirklich zum nächsten Volland wird (also kein Fehlgriff, gerade National mehr als ordentlich, aber halt auch international nur mit 2 Torvorlagen und einem Tor in 3 Jahren), wird Bayer das auch jenseits der dann nicht kommenden Ablösesumme zu spüren bekommen. Weil die Mannschaft dann International weiterhin nur teilnimmt, aber nicht wirklich mitspielt.
Um mal ein weiteres Beispiel für eskalierende Preise zu nennen: Leroy Sané soll gerade für die Bayern unbezahlbar geworden sein. Das ist ein Spieler, den man vor ein paar Jahren für 30 Millionen hätte verpflichten können, wo man aber zugeben muss, dass man diesen Transfer damals verpasst hat. Jetzt hat der sich natürlich in den Jahren auch verbessert, aber so viel, dass man 3stellige Millionenbeträge für ihn ausgeben muss? Ja, genau so viel. Weil er sich nicht nur verbessert hat, sondern die Preise für solche Spieler halt auch weiter gestiegen sind.
Das ist nebenbei etwas, auf das ein gewisser Johannes Bachmeyer, also jemand, der sich mit Fußball beschäftigt hat, bereits vor Monaten in seiner inzwischen vergessenen Brandrede angesprochen: Dass die Bayern in den letzten Jahren auf dem Transfermarkt eher gespart haben, wird sie jetzt richtig viel Geld kosten. Denn für einen Spieler von der Qualität eines Leroy Sané, der vor 2-3 Jahren noch 30 Millionen gekostet hat, werden mittlerweile 60+X Millionen aufgerufen. Also davon ausgehend, dass Sané mit 20 besser war als Jovic mit 21...
Für einen Verteidiger, der einem weiter helfen soll, zahlt man mittlerweile halt auch keine 20, sondern 80 Millionen. Eine Entwicklung, die niemanden, der sich mit Fußball beschäftigt, überraschen sollte.
Und es ist ja auch kein Ende abzusehen. Dementsprechend wahrscheinlich ist es, dass Bayer Demirbay irgendwann gewinnbringend verkaufen kann. Damit passt der genau ins Beuteschema der Werkself, das absurde ist halt, dass Bayer für solche Spieler mittlerweile selber richtig tief in die Tasche greifen muss. Aber die Spirale dreht sich halt nicht nur an der Spitze hoch, sondern überall.
Montag, 3. Juni 2019
Was für ein Grottenkick
Klar, nur gemessen an den Ansprüchen... die meisten Bundesligisten wären stolz darauf gewesen so ein Spiel abzuliefern... aber für ein Champions League Finale, war das ein richtiger Grottenkick.
Normaler Weise sollte dieses Spiel das letzte große Highlight sein. Und dafür braucht man halt auch ein Spiel, an das einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Dieser Eindruck muss ja noch nicht mal zwingend Positiv sein. Ein "Sergio Ramos im Rambo Modus entscheidet das Champions League Finale, in dem er Mo Salah verletzt und Loris Karius eine Gehirnerschütterung verpasst" Ausgang hat hinterher immer noch genügend Diskussionsgrundlagen um uns über den Sommer zu bringen. Auch wenn es natürlich schöner ist, wenn man da dann das Spiel des Jahres und Fußball in Perfektion gesehen hat.
Dieses mal... war Joel Matip der beste Mann auf dem Platz. Nichts gegen Matip, aber allein schon, dass der ablösefrei nach England gewechselt ist. Der Liga, wo man mit 30 Millionen Ablöse als Schnäppchen gilt. Matip hat sich, seit dem er Schalke verlassen hat, extrem weiter entwickelt. Bis zu dem Punkt, an dem er bei einem Champions League Sieger ein solider Rollenspieler sein kann. Aber wenn er wirklich Spieler des Spieles werden will, müssen einige wesentlich bessere Spieler weit unter ihren Möglichkeiten blieben.
Dass das ganze dann noch mit einem dummen Handelfmeter begonnen hat... wird jedem Fan erst Mal Flashbacks zur eigenen Saison eingebracht haben. Aber halt nicht die angenehmen Flashbacks, sondern mehr so die "Nicht schon wieder und nicht auch noch hier" Flashbacks...
Dann... hat Liverpool mit ihrer vielleicht besten Offensivreihe insgesamt 3 Mal aufs Tor geschossen. Zwangsweise ein Mal in der 2. und ein mal in der 87. Minute... da schlug der Ball jeweils auch ein. Dazwischen brachten sie anscheinend einen einzigen Ball aufs Tor. Und dazu den James Millner Schuss, der knapp am Tor vorbei ging. Das war aber zwischen der 2. und der 80. Minute der einzige Moment, wo ich kurz aufgeschreckt bin... den da hätte echt ein Tor fallen können.
Tottenham auf der anderen Seite... entschied sich dafür das 0:1 mit souveränen, aber total uninspirierten Ballstafetten zu verteidigen. Also gerade das Tottenham bis zur 80. Minute gewartet hat um mal in den dringend benötigten Angriffsmodus zu schalten. Und dann zeigten sie ja auch, dass sie Liverpool durchaus in Bedrängnis bringen könnten. Aber vorher hatten sie so viel Angst vor dem 0:2, dass sie sich nicht trauten anzugreifen, obwohl sie dringend ein Tor brauchten.
Explizit sei hier auf Heung-Min Sons Beurteilung im Kicker verwiesen, den der war der beste Offensivspieler der Londoner, weil er bis zum Ende kämpfte und sich häufig fest rannte. Das reichte um sich von seinen Kollegen positiv abzuheben...
Dass das 0:2 dann noch nicht mal heraus gespielt, sondern einfach nur eine grausam verteidigte Ecke war... macht das Bild dieses Finales einfach mal rund: Selbst Liverpools Tore (und damit die Hälfte ihrer 4 Torchancen) waren nicht das Ergebnis der eigenen Brillanz, sondern der Inkompetenz des Gegners...
Vergleichen wir das einfach mal mit dem DFB Pokal Finale. Also allein schon in der Ballannahme von Kingsley Coman zum entscheidenden 2:0 steckte mehr Esprit als in jeder Aktion des Champions League Finales. Alle Tore waren vom Schützen überragend gemacht. Und obwohl RB Leipzig deutlicher verloren hat, hatte man das Gefühl, dass die sich wenigstens gewehrt haben. Und das es eigentlich Wahnsinn war (oder Manuel Neuer halt), dass die Bayern bis zur 75. Minute kein Gegentor gefangen hatten.
Und so sehr hier sonst immer über das sinkende Niveau der Bundesliga geflucht wird: Dieses Finale war das bessere Spiel. Vielleicht sogar das beste Finalspiel der gesamten Europäischen Saison, aber da muss ich auf das Urteil von Rudi Völler vertrauen, das sollte man mit Vorsicht genießen... Aber das Pokalfinale hatte all das, was ich von einem Champions League Finale erwarte. Was sich irgendwie seltsam anfühlt.
Oder um Jürgen Klopp zu zitieren: "Ich habe schon mehr als ein Finale verloren, und wir hatten dabei besseren Fußball gespielt"... und klar, ich gönne den Klopp das. Ich hoffe aber, dass er daraus jetzt nicht den logischen Schluss zieht, dass er Scheiß-Fußball spielen lassen muss um zu gewinnen. Das ist immer noch José Mourinhos Job...
Normaler Weise sollte dieses Spiel das letzte große Highlight sein. Und dafür braucht man halt auch ein Spiel, an das einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Dieser Eindruck muss ja noch nicht mal zwingend Positiv sein. Ein "Sergio Ramos im Rambo Modus entscheidet das Champions League Finale, in dem er Mo Salah verletzt und Loris Karius eine Gehirnerschütterung verpasst" Ausgang hat hinterher immer noch genügend Diskussionsgrundlagen um uns über den Sommer zu bringen. Auch wenn es natürlich schöner ist, wenn man da dann das Spiel des Jahres und Fußball in Perfektion gesehen hat.
Dieses mal... war Joel Matip der beste Mann auf dem Platz. Nichts gegen Matip, aber allein schon, dass der ablösefrei nach England gewechselt ist. Der Liga, wo man mit 30 Millionen Ablöse als Schnäppchen gilt. Matip hat sich, seit dem er Schalke verlassen hat, extrem weiter entwickelt. Bis zu dem Punkt, an dem er bei einem Champions League Sieger ein solider Rollenspieler sein kann. Aber wenn er wirklich Spieler des Spieles werden will, müssen einige wesentlich bessere Spieler weit unter ihren Möglichkeiten blieben.
Dass das ganze dann noch mit einem dummen Handelfmeter begonnen hat... wird jedem Fan erst Mal Flashbacks zur eigenen Saison eingebracht haben. Aber halt nicht die angenehmen Flashbacks, sondern mehr so die "Nicht schon wieder und nicht auch noch hier" Flashbacks...
Dann... hat Liverpool mit ihrer vielleicht besten Offensivreihe insgesamt 3 Mal aufs Tor geschossen. Zwangsweise ein Mal in der 2. und ein mal in der 87. Minute... da schlug der Ball jeweils auch ein. Dazwischen brachten sie anscheinend einen einzigen Ball aufs Tor. Und dazu den James Millner Schuss, der knapp am Tor vorbei ging. Das war aber zwischen der 2. und der 80. Minute der einzige Moment, wo ich kurz aufgeschreckt bin... den da hätte echt ein Tor fallen können.
Tottenham auf der anderen Seite... entschied sich dafür das 0:1 mit souveränen, aber total uninspirierten Ballstafetten zu verteidigen. Also gerade das Tottenham bis zur 80. Minute gewartet hat um mal in den dringend benötigten Angriffsmodus zu schalten. Und dann zeigten sie ja auch, dass sie Liverpool durchaus in Bedrängnis bringen könnten. Aber vorher hatten sie so viel Angst vor dem 0:2, dass sie sich nicht trauten anzugreifen, obwohl sie dringend ein Tor brauchten.
Explizit sei hier auf Heung-Min Sons Beurteilung im Kicker verwiesen, den der war der beste Offensivspieler der Londoner, weil er bis zum Ende kämpfte und sich häufig fest rannte. Das reichte um sich von seinen Kollegen positiv abzuheben...
Dass das 0:2 dann noch nicht mal heraus gespielt, sondern einfach nur eine grausam verteidigte Ecke war... macht das Bild dieses Finales einfach mal rund: Selbst Liverpools Tore (und damit die Hälfte ihrer 4 Torchancen) waren nicht das Ergebnis der eigenen Brillanz, sondern der Inkompetenz des Gegners...
Vergleichen wir das einfach mal mit dem DFB Pokal Finale. Also allein schon in der Ballannahme von Kingsley Coman zum entscheidenden 2:0 steckte mehr Esprit als in jeder Aktion des Champions League Finales. Alle Tore waren vom Schützen überragend gemacht. Und obwohl RB Leipzig deutlicher verloren hat, hatte man das Gefühl, dass die sich wenigstens gewehrt haben. Und das es eigentlich Wahnsinn war (oder Manuel Neuer halt), dass die Bayern bis zur 75. Minute kein Gegentor gefangen hatten.
Und so sehr hier sonst immer über das sinkende Niveau der Bundesliga geflucht wird: Dieses Finale war das bessere Spiel. Vielleicht sogar das beste Finalspiel der gesamten Europäischen Saison, aber da muss ich auf das Urteil von Rudi Völler vertrauen, das sollte man mit Vorsicht genießen... Aber das Pokalfinale hatte all das, was ich von einem Champions League Finale erwarte. Was sich irgendwie seltsam anfühlt.
Oder um Jürgen Klopp zu zitieren: "Ich habe schon mehr als ein Finale verloren, und wir hatten dabei besseren Fußball gespielt"... und klar, ich gönne den Klopp das. Ich hoffe aber, dass er daraus jetzt nicht den logischen Schluss zieht, dass er Scheiß-Fußball spielen lassen muss um zu gewinnen. Das ist immer noch José Mourinhos Job...
Freitag, 31. Mai 2019
Manchmal sind es die kleinen Details
die mich wirklich aufregen. So können selbst scheinbar belanglose Aussagen zu "Rant-Triggern" werden.
Heute: Ondrej Duda im Kicker-Interview. Denn als der nach seinen viele Fouls gefragt wird, sagt er ganz lapidar "da waren viele taktische Fouls dabei."
Duda foult also in der Saison 77 mal. Bei 32 Saisoneinsätzen sind das 2,4 Fouls pro Spiel. Und damit mindestens ein Foul pro Spiel aus der Kategorie "taktisches Foul".
Das ist ja auch sein gutes Recht. Regeln sind dazu da um ausgenutzt zu werden. Das Problem ist halt... wenn ein Spieler die Regeln ausnutzt, gehören diese Regeln auch angewendet. Und da gibt es einen interessanten Satz um Regelwerk: Ein Spieler ist wegen unsportlichen Betragen zu verwarnen: Wenn er zur Unterbindung oder Verhinderung eines vielversprechenden Gegenangriffs ein taktisches Foul begeht...
Duda macht das laut eigener Aussage ständig... und bekommt dafür dann 7 Gelbe Karten in der Saison. Immerhin. Aber wenn man dann bedenkt, dass er gar nicht alle Gelbe Karten für taktische Fouls bekommt, sondern dafür, dass er von hinten in den Gegenspieler rutscht, ihn umsenst oder ins Gesicht greift...
Und klar, hin und wieder wird aus dem Ticker Text deutlich, dass Duda auch ab und zu eine Verwarnung für ein taktisches Foul bekommt. Aber für jemanden, der das laut eigener Aussage ständig macht, sind 3 Verwarnung für dieses Vergehen pro Saison genau genommen lächerlich. Der müsste eher bei 25 landen, wenn seine Aussage so stimmt.
Und das ist halt auch eines der Grundprobleme des Fußballs: Man hat so viele wunderbare Regeln (zum Beispiel dass es fürs Meckern Gelb geben sollte), die aber einfach ignoriert werden und dadurch wird dieses schöne Spiel immer wieder kaputt gemacht.
Gerade was an taktischen Fouls nicht Regel gerecht geahndet wird. Also überlegt euch mal wie oft ein Verteidiger in der gegnerischen Hälfte in den Zweikampf geht, nur um den entstehenden Konter zu unterbinden. So frühzeitig zu unterbinden, dass der Angriff noch nicht als "vielversprechend" gilt. (Spannende Frage: Kann man gegen Schalke überhaupt taktische Foulspiele begehen?) Und dadurch wird ein Spiel, dass eigentlich von seinen Umschaltmomenten lebt und in genau diesen Momenten Fahrt aufnehmen sollte, aus gebremst. Und wir haben uns damit arrangiert. Weil halt andere Sachen wir "Handspiel" schlimmer sind. Stimmt, aber nur weil das eine Schlimm ist, muss man das andere nicht ertragen.
Wenn man dann noch überlegt, wie oft gerade im internationalen Vergleich Verwarnungen gestrichen werden... Weil ja die größte Angst des Fußballfans darin besteht, dass seine Lieblingsstars gesperrt werden könnten. Welche Auswirkungen dies auf ein Halbfinale haben, wurde hier schon vor Jahren erörtert. Aber uns ist ein Spiel mit 7 taktischen Gelben Karten halt lieber als ein gesperrter Star.
Natürlich wäre es, wie bei allen Regelanwendungen, eine riesige Umgewöhnung für die Spieler, wenn wirklich jedes taktische Foul als solches geahndet wird. Und wenn man dann noch konsequent Gelbe Karten fürs Meckern verteilt... aber wenn der DFB auch nach 2 Spielabbrüchen wegen Gelb-Roten Karten die Linie durchzieht, würden die Spieler sich anpassen... die Klappe halten und nicht mehr jeden potenziellen Gegenangriff sofort unterbinden. Und dann würde das Spiel ein besseres werden.
Das ist ja das faszinierende am Fußball: Es ist die eine Sportart, bei der man zugeben muss, dass sie besser werden würde, wenn man sich einfach an die Regeln hält. Also kurzer Vergleich zum Basketball. Da ist allen bewusst, dass die Schrittfehler Regel mehr so optional ist. Aber das ermöglicht Spielern athletisch unvorstellbare Bewegungen und macht das Spiel so aufregender. Zumindest theoretisch. Im Fußball gibt es nur Nachteile für den Zuschauer, dass das Spiel immer wieder konsequenzfrei unterbrochen werden kann. Aber um das zu ändern müssten Spieler mit Dudas Einstellung 20 Gelbe Karten pro Saison sehen. Und das will ja keiner... Warum eigentlich nicht?
Heute: Ondrej Duda im Kicker-Interview. Denn als der nach seinen viele Fouls gefragt wird, sagt er ganz lapidar "da waren viele taktische Fouls dabei."
Duda foult also in der Saison 77 mal. Bei 32 Saisoneinsätzen sind das 2,4 Fouls pro Spiel. Und damit mindestens ein Foul pro Spiel aus der Kategorie "taktisches Foul".
Das ist ja auch sein gutes Recht. Regeln sind dazu da um ausgenutzt zu werden. Das Problem ist halt... wenn ein Spieler die Regeln ausnutzt, gehören diese Regeln auch angewendet. Und da gibt es einen interessanten Satz um Regelwerk: Ein Spieler ist wegen unsportlichen Betragen zu verwarnen: Wenn er zur Unterbindung oder Verhinderung eines vielversprechenden Gegenangriffs ein taktisches Foul begeht...
Duda macht das laut eigener Aussage ständig... und bekommt dafür dann 7 Gelbe Karten in der Saison. Immerhin. Aber wenn man dann bedenkt, dass er gar nicht alle Gelbe Karten für taktische Fouls bekommt, sondern dafür, dass er von hinten in den Gegenspieler rutscht, ihn umsenst oder ins Gesicht greift...
Und klar, hin und wieder wird aus dem Ticker Text deutlich, dass Duda auch ab und zu eine Verwarnung für ein taktisches Foul bekommt. Aber für jemanden, der das laut eigener Aussage ständig macht, sind 3 Verwarnung für dieses Vergehen pro Saison genau genommen lächerlich. Der müsste eher bei 25 landen, wenn seine Aussage so stimmt.
Und das ist halt auch eines der Grundprobleme des Fußballs: Man hat so viele wunderbare Regeln (zum Beispiel dass es fürs Meckern Gelb geben sollte), die aber einfach ignoriert werden und dadurch wird dieses schöne Spiel immer wieder kaputt gemacht.
Gerade was an taktischen Fouls nicht Regel gerecht geahndet wird. Also überlegt euch mal wie oft ein Verteidiger in der gegnerischen Hälfte in den Zweikampf geht, nur um den entstehenden Konter zu unterbinden. So frühzeitig zu unterbinden, dass der Angriff noch nicht als "vielversprechend" gilt. (Spannende Frage: Kann man gegen Schalke überhaupt taktische Foulspiele begehen?) Und dadurch wird ein Spiel, dass eigentlich von seinen Umschaltmomenten lebt und in genau diesen Momenten Fahrt aufnehmen sollte, aus gebremst. Und wir haben uns damit arrangiert. Weil halt andere Sachen wir "Handspiel" schlimmer sind. Stimmt, aber nur weil das eine Schlimm ist, muss man das andere nicht ertragen.
Wenn man dann noch überlegt, wie oft gerade im internationalen Vergleich Verwarnungen gestrichen werden... Weil ja die größte Angst des Fußballfans darin besteht, dass seine Lieblingsstars gesperrt werden könnten. Welche Auswirkungen dies auf ein Halbfinale haben, wurde hier schon vor Jahren erörtert. Aber uns ist ein Spiel mit 7 taktischen Gelben Karten halt lieber als ein gesperrter Star.
Natürlich wäre es, wie bei allen Regelanwendungen, eine riesige Umgewöhnung für die Spieler, wenn wirklich jedes taktische Foul als solches geahndet wird. Und wenn man dann noch konsequent Gelbe Karten fürs Meckern verteilt... aber wenn der DFB auch nach 2 Spielabbrüchen wegen Gelb-Roten Karten die Linie durchzieht, würden die Spieler sich anpassen... die Klappe halten und nicht mehr jeden potenziellen Gegenangriff sofort unterbinden. Und dann würde das Spiel ein besseres werden.
Das ist ja das faszinierende am Fußball: Es ist die eine Sportart, bei der man zugeben muss, dass sie besser werden würde, wenn man sich einfach an die Regeln hält. Also kurzer Vergleich zum Basketball. Da ist allen bewusst, dass die Schrittfehler Regel mehr so optional ist. Aber das ermöglicht Spielern athletisch unvorstellbare Bewegungen und macht das Spiel so aufregender. Zumindest theoretisch. Im Fußball gibt es nur Nachteile für den Zuschauer, dass das Spiel immer wieder konsequenzfrei unterbrochen werden kann. Aber um das zu ändern müssten Spieler mit Dudas Einstellung 20 Gelbe Karten pro Saison sehen. Und das will ja keiner... Warum eigentlich nicht?
Mittwoch, 29. Mai 2019
Man muss die UEFA auch mal loben.
Schließlich wird gerade, vor allem wegen der Vergabe der Endspiele, ständig auf denen rumgehackt. Vollkommen grundlos. Die UEFA ist eine der wichtigsten und moralischten Institutionen in Europa. Mit einem ganz klaren Bildungsauftrag und dem deutlichen Ziel Menschen zu verbinden, die sich sonst nicht ausstehen könnten.
Das fing ja eigentlich immer relativ harmlos an. Also die europäischen Vereinswettbewerbe waren in den letzten 2 Jahren der einzige Anlass, dass mal jemand darüber berichtet, dass in der Ukraine nach wie vor Bürgerkrieg herrscht. Und jetzt erfahren wir nur wegen diesem aufklärerischen Verband, dass der Bergkarabachkonflikt bis heute nicht endgültig ausgetragen worden ist, obwohl der seit 1918 am köcheln ist. Während die andern uns alle erzählen, dass wir ja in Frieden aufwachsen und uns deswegen keine Gedanken machen dürfen, legt die UEFA den Finger in die Wunde, anstatt wie alle anderen einfach weg zusehen.
Außerdem kümmert sich die UEFA darum, dass Fans die sonst eher grausamen Fußball zu sehen bekommen, bei einem richtig großen Fußballfest ins Stadion gehen können... weil nur 6000 der 69.000 Tickets an die Fans der teilnehmenden Mannschaften gehen... Dies bedeutet, dass 63.000 Aserbaidschaner sich dieses Spiel im Stadion angucken können. Also wenn sie sich die Eintrittskarten leisten könnten. Aber der Ansatz zählt.
Ganz nebenbei kommt raus, dass deren Flughafen unterentwickelt ist und die dringend mal ein paar Berliner Ingenieure bräuchten, die denen einen neuen bauen. Oh und nur dank dieses Finales erfahren wir, dass Aserbaudschan laut Reporter ohne Grenzen auf Platz 166 von 180 in deren Rangliste der Pressefreiheit steht. Ist doch auch mal schön, dass all die Sportjournalisten mal mitkriegen, dass sie eigentlich in einem verdammt gefährlichen Berufsfeld leben... Vielleicht geben die sich mehr Mühe, wenn sie mitbekommen, dass richtig gefährliche Arbeitsbedingungen auf sie zukommen, wenn sie nicht mehr über Fußball schreiben dürfen, weil andere das besser beherrschen.
Alles Dinge, die niemand bedenkt, wenn die Vergabe des Finales nach Baku ein Skandal genannt wird. Weil den Leuten einfach nicht klar ist, wie weit die UEFA bei ihrer Vergabe gedacht hat. Und was deren Anspruch war. Deswegen kommen ja auch demnächst Europa League Endspiele in Peking, Beirut, Sanaa und San Diego. Nicht um den Internationalen Markt zu erschließen (als würde sich irgendjemand wirklich für die Europa Leauge interessieren), sondern um auf die Probleme vor Ort hinzuweisen.
Und das wichtigste haben wir ja noch gar nicht erwähnt: Die UEFA vereint Menschen, die sich abgrundtief und aus absoluter Überzeugung hassen. Also... Arsenal und Tottenham Fans, die gemeinsam unzufrieden mit der Ausbeutung ihrer Kultur sind... Arsenal und Tottenham-Fans... Die konnten sich bisher nicht mal darauf einigen, wer von den beiden Teams aus Manchester jetzt das ultimative 2.Böse ist... Aber bei der UEFA finden die einen gemeinsamen Nenner. Das muss man sich mal vorstellen... oder konstruktiv anwenden.
Ok, hier ein spontaner Gedanke: Wir lassen die UEFA-Offiziellen über Bagdad mit einem Fallschirm abspringen... innerhalb von 8 Monaten wird es dann ein gemeinsames Statement von Sunniten und Schiiten geben und damit die Grundlage für einen wirklich vereinten Irak gelegt, weil die beiden Glaubenskonventionen feststellen, dass man doch miteinander reden kann...
Oder aber wir stellen fest, dass diese Offiziellen kein Fallschirm springen können. Das wäre da das Worst Case Szenario...
Das fing ja eigentlich immer relativ harmlos an. Also die europäischen Vereinswettbewerbe waren in den letzten 2 Jahren der einzige Anlass, dass mal jemand darüber berichtet, dass in der Ukraine nach wie vor Bürgerkrieg herrscht. Und jetzt erfahren wir nur wegen diesem aufklärerischen Verband, dass der Bergkarabachkonflikt bis heute nicht endgültig ausgetragen worden ist, obwohl der seit 1918 am köcheln ist. Während die andern uns alle erzählen, dass wir ja in Frieden aufwachsen und uns deswegen keine Gedanken machen dürfen, legt die UEFA den Finger in die Wunde, anstatt wie alle anderen einfach weg zusehen.
Außerdem kümmert sich die UEFA darum, dass Fans die sonst eher grausamen Fußball zu sehen bekommen, bei einem richtig großen Fußballfest ins Stadion gehen können... weil nur 6000 der 69.000 Tickets an die Fans der teilnehmenden Mannschaften gehen... Dies bedeutet, dass 63.000 Aserbaidschaner sich dieses Spiel im Stadion angucken können. Also wenn sie sich die Eintrittskarten leisten könnten. Aber der Ansatz zählt.
Ganz nebenbei kommt raus, dass deren Flughafen unterentwickelt ist und die dringend mal ein paar Berliner Ingenieure bräuchten, die denen einen neuen bauen. Oh und nur dank dieses Finales erfahren wir, dass Aserbaudschan laut Reporter ohne Grenzen auf Platz 166 von 180 in deren Rangliste der Pressefreiheit steht. Ist doch auch mal schön, dass all die Sportjournalisten mal mitkriegen, dass sie eigentlich in einem verdammt gefährlichen Berufsfeld leben... Vielleicht geben die sich mehr Mühe, wenn sie mitbekommen, dass richtig gefährliche Arbeitsbedingungen auf sie zukommen, wenn sie nicht mehr über Fußball schreiben dürfen, weil andere das besser beherrschen.
Alles Dinge, die niemand bedenkt, wenn die Vergabe des Finales nach Baku ein Skandal genannt wird. Weil den Leuten einfach nicht klar ist, wie weit die UEFA bei ihrer Vergabe gedacht hat. Und was deren Anspruch war. Deswegen kommen ja auch demnächst Europa League Endspiele in Peking, Beirut, Sanaa und San Diego. Nicht um den Internationalen Markt zu erschließen (als würde sich irgendjemand wirklich für die Europa Leauge interessieren), sondern um auf die Probleme vor Ort hinzuweisen.
Und das wichtigste haben wir ja noch gar nicht erwähnt: Die UEFA vereint Menschen, die sich abgrundtief und aus absoluter Überzeugung hassen. Also... Arsenal und Tottenham Fans, die gemeinsam unzufrieden mit der Ausbeutung ihrer Kultur sind... Arsenal und Tottenham-Fans... Die konnten sich bisher nicht mal darauf einigen, wer von den beiden Teams aus Manchester jetzt das ultimative 2.Böse ist... Aber bei der UEFA finden die einen gemeinsamen Nenner. Das muss man sich mal vorstellen... oder konstruktiv anwenden.
Ok, hier ein spontaner Gedanke: Wir lassen die UEFA-Offiziellen über Bagdad mit einem Fallschirm abspringen... innerhalb von 8 Monaten wird es dann ein gemeinsames Statement von Sunniten und Schiiten geben und damit die Grundlage für einen wirklich vereinten Irak gelegt, weil die beiden Glaubenskonventionen feststellen, dass man doch miteinander reden kann...
Oder aber wir stellen fest, dass diese Offiziellen kein Fallschirm springen können. Das wäre da das Worst Case Szenario...
Freitag, 24. Mai 2019
Fußballfans sind ein verlogenen Haufen
Und da reduziert sich meine Leserschaft direkt auf 0. Guter Start in den Tag...
Aber ja, ich habe es gesagt: Gerade die Selbsternannten Gralshüter der Tradition sind im Endeffekt auch nur bigotte Egoisten. Wer hätte das gedacht.
Damit will ich nicht mal darauf hinaus, dass die Stuttgarter Fans am Ende einer Saison, in der ihnen "die ganze Saison nichts geboten" wurde, ihre Mannschaft auspfeifen. Sondern dass sie die Mannschaft nur auspfeifen und nicht mehr machen.
Nebenbei wollte ich mich bei der Gelegenheit den Eurosport Kommentator lobend erwähnen. Der hat mit "Das darf einem Bundesligisten nicht passieren" und "Jedenfalls hat das wenig mit Fußball zu tun" Aussagen die Stuttgarter Saison als Ganzes wunderbar zusammengefasst. Aber die Relegationsteilnahme ist natürlich so was von verdient, weil sie alles andere als eine grottige Saison gespielt haben.
Aber eigentlich will ich ja auf was anderes aus: Die Fans. Die ja immer voll gegen diese böse Kommerzialisierung des Sportes sind. Dass sie so was von dagegen sind, wenn der Fußball seine Seele verkauft. Und dass man da ganz dringend etwas gegen unternehmen muss... Außer es betrifft einem selber nicht... oder man ist mit anderen Dingen beschäftigt.
Also falls es irgendjemand tatsächlich ignoriert hat, hier die schockierende Wahrheit: Die Relegation ist nicht eingeführt worden, weil die Schalke Fans damals zitternd beim Public Viewing im Parkstadion saßen, unsicher ob sie Dortmund den Abstieg wünschen sollten oder doch lieber darauf hofften, dass es nächstes wieder ein Derby geben würde... Oder damit die Fans in Hamburg wenigstens ein Mal im Jahr ein wenig was von Europacup-Flair bekommen, weil die Auswärtstor Regel sie retten könnte... und wirklich niemand dachte an die Emotionale Achterbahnfahrt, die die treuen Fans (an einem Montag Abend, um das mal offensichtlich zu machen) im Stadion erleiden müssen.
Die Relegation wurde einzig und allein eingeführt, weil man dadurch mehr Sky und Eurosport Abos verkaufen wollte. Weil man in den Vertragsverhandlungen mit den Fernsehstationen dann mehr Geld raus schlagen konnte. Was ja jetzt nochmal deutlicher wurde, wo der Scheiß nicht im FreeTV gezeigt wird.
Die Allgemeine Reaktion des gemeinen Fußballfans: Ich komme nicht aus Hamburg oder Wolfsburg, was interessiert mich das. Obwohl die die Personifizierung der Kommerzialisierung des Fußballs ist... also genau das Symbol, welches man eigentlich nieder reißen sollte. Aber es betrifft einem halt nicht. Und wenn man dabei ist, kann man seine Zeit ja nicht mit so einen Scheiß verschwenden, da muss man seine Mannschaft unterstützen... Oder aus Wut das Stadion in Brand setzen, eines von beidem...
Das wirklich faszinierende ist ja: Die Fans haben gerade mit kreativen und gewaltfreien Protest bewiesen, dass sie als zahlende Kunden durchaus Einfluss auf die Entscheidungen der DFL nehmen können. Die Montags-Spiele wurden erfolgreich abgeschafft. Klopft euch auf die Schulter, was für ein großartiger Sieg.
Aber gehen wir das ganze mal Mathematisch an. Also es gibt 18 Bundesligisten und 5 Montagsspiele im Jahr. Also müssen knapp die Hälfte der Mannschaften an dem ganzen Scheiß schon mal gar nicht teilnehmen. Und genau genommen hat man als ach so schützenswerter Ultra was... 1 Auswärtsspiel alle 4 Jahre, dass man verpasst, weil man nach der Arbeit nicht mehr anreisen kann. Wenn man (wie gefühlt 80% der RB Leipzig Fans) eine längere Anreise zu Heimspielen hat, weil man auf dem Dorf wohnt, verpasst man zusätzlich alle 4 Jahre ein Heimspiel. Im Worst Case Szenario also alle 2 Jahre ein Spiel. Was für ein unerträglicher Zustand.
Andererseits... nehmen Montagsspiele keinerlei Einfluss auf die sportliche Integrität der Liga. Es bleibt ein geschlossener und fairer Wettbewerb. Also so weit man das bei den unterschiedlichen Wirtschaftlichen Voraussetzungen, die die Champions League schafft, noch fair nennen kann. Aber ob es Montagsspiele gibt oder nicht hat kaum einen Einfluss auf das Endergebnis und dessen Konsequenzen für die Vereine. Es ist also realistisch gesehen egal, ob sie stattfinden oder nicht.
Und natürlich ist mir klar, dass es den Fans dabei ums Prinzip geht: sie wollen eine weitere Zerstückelung des Spieltages verhindern. Und haben genau dort die Grenze des für sie Zumutbaren gezogen. Aber warum ist dem gemeinen Ultra die Relegation so egal?
Also die eine ebenfalls rein kommerzielle Veranstaltung, die den geschlossenen Wettbewerb aufbricht und einen massiven Einfluss auf die Entwicklung der Vereine nimmt. Nehmen wir hier mal Spaßeshalber den Karlsruher SC als Beispiel: Die hatten den Aufstieg eigentlich so gut wie sicher. Dann gab es einen aus deren Sicht mehr als fragwürdigen Freistoß und all das über 34 Spieltage (und dieses Mal sogar 180 Minuten in der Relegation) erarbeitet hat, wurde wegen einer falschen Schiedsrichterentscheidung und eines Geniestreiches zunichte gemacht.
Aber damit ja nicht genug: Anstatt seine eigentlich verdiente Bundesligazugehörigkeit zu feiern, stieg man 2 Jahre später in die 3. Liga ab, weil man, wie quasi jeder Zweitligist, seine Mannschaft nicht wirklich zusammenhalten konnte... Nur um dann im Jahr darauf wieder an der Relegation zu scheitern...
Jetzt, nach 2 Jahren dritter Liga, ist man wenigstens halbwegs in der selben Ausgangsposition wie nach der ersten Relegation. Und all das nur für nen paar Millionen im Fernsehvertrag... von dem man nicht mal was hat, weil man ja 2 Jahre dritte Liga spielt. Obwohl man sich eigentlich rein sportlich für die erste Liga qualifiziert hatte.
Aber das nimmt der gemeine Ultra einfach so hin. Er versucht es nicht mal mit Widerständen. Wo bleiben all die kreativen Aktionen, die die Montagsspiele untragbar gemacht haben? Warum wird nicht auch in diesen Spielen der Anstoß mit Klopapierrollen und Tennisbällen nach hinten verschoben? Oder besser noch: Warum nutzen die unbeteiligten Fans in den bedeutungslosen Spielen am 33. und 34. Spieltag nicht diese Gelegenheit um Solidarität mit den Relegationsteilnehmern zu zeigen. Mit einfachen und klaren Transparenten: "Für einen sportlich fairen und geschlossenen Auf- und Abstieg - Die Relegation abschaffen!"
Aber da könnte man sich ja als Ultra selber ins Fleisch schneiden. Selbst Schalke war dieses Jahr erschreckend dicht dran an einer Qualifikation für die Relegation. Und praktisch (und ja, ich gehe immer noch davon aus, dass Union am Montag verliert... Ich sage das jetzt auch explizit so. Vielleicht hilft's) wurde der 3. Abstiegsplatz abgeschafft...
Und da jedes Jahr einer der schlecht geführten Hochglanzvereine in diese Relegation rutscht, man sich vorher aber nie sicher sein kann, welcher... könnte man sich mit diesem Protest doch ins eigene Fleisch schneiden. Da hat ja keiner Bock drauf...
Also ich protestiere doch nicht gegen etwas, wovon ich im Zweifelsfall, wenn alles wirklich beschissen läuft, profitiere... Auch wenn die Relegation für alles steht, was ich verabscheue.... Ich bin doch nicht dumm... sondern halt einfach nur ein verlogener Haufen. Wie ich eingangs halt gesagt habe...
Aber ja, ich habe es gesagt: Gerade die Selbsternannten Gralshüter der Tradition sind im Endeffekt auch nur bigotte Egoisten. Wer hätte das gedacht.
Damit will ich nicht mal darauf hinaus, dass die Stuttgarter Fans am Ende einer Saison, in der ihnen "die ganze Saison nichts geboten" wurde, ihre Mannschaft auspfeifen. Sondern dass sie die Mannschaft nur auspfeifen und nicht mehr machen.
Nebenbei wollte ich mich bei der Gelegenheit den Eurosport Kommentator lobend erwähnen. Der hat mit "Das darf einem Bundesligisten nicht passieren" und "Jedenfalls hat das wenig mit Fußball zu tun" Aussagen die Stuttgarter Saison als Ganzes wunderbar zusammengefasst. Aber die Relegationsteilnahme ist natürlich so was von verdient, weil sie alles andere als eine grottige Saison gespielt haben.
Aber eigentlich will ich ja auf was anderes aus: Die Fans. Die ja immer voll gegen diese böse Kommerzialisierung des Sportes sind. Dass sie so was von dagegen sind, wenn der Fußball seine Seele verkauft. Und dass man da ganz dringend etwas gegen unternehmen muss... Außer es betrifft einem selber nicht... oder man ist mit anderen Dingen beschäftigt.
Also falls es irgendjemand tatsächlich ignoriert hat, hier die schockierende Wahrheit: Die Relegation ist nicht eingeführt worden, weil die Schalke Fans damals zitternd beim Public Viewing im Parkstadion saßen, unsicher ob sie Dortmund den Abstieg wünschen sollten oder doch lieber darauf hofften, dass es nächstes wieder ein Derby geben würde... Oder damit die Fans in Hamburg wenigstens ein Mal im Jahr ein wenig was von Europacup-Flair bekommen, weil die Auswärtstor Regel sie retten könnte... und wirklich niemand dachte an die Emotionale Achterbahnfahrt, die die treuen Fans (an einem Montag Abend, um das mal offensichtlich zu machen) im Stadion erleiden müssen.
Die Relegation wurde einzig und allein eingeführt, weil man dadurch mehr Sky und Eurosport Abos verkaufen wollte. Weil man in den Vertragsverhandlungen mit den Fernsehstationen dann mehr Geld raus schlagen konnte. Was ja jetzt nochmal deutlicher wurde, wo der Scheiß nicht im FreeTV gezeigt wird.
Die Allgemeine Reaktion des gemeinen Fußballfans: Ich komme nicht aus Hamburg oder Wolfsburg, was interessiert mich das. Obwohl die die Personifizierung der Kommerzialisierung des Fußballs ist... also genau das Symbol, welches man eigentlich nieder reißen sollte. Aber es betrifft einem halt nicht. Und wenn man dabei ist, kann man seine Zeit ja nicht mit so einen Scheiß verschwenden, da muss man seine Mannschaft unterstützen... Oder aus Wut das Stadion in Brand setzen, eines von beidem...
Das wirklich faszinierende ist ja: Die Fans haben gerade mit kreativen und gewaltfreien Protest bewiesen, dass sie als zahlende Kunden durchaus Einfluss auf die Entscheidungen der DFL nehmen können. Die Montags-Spiele wurden erfolgreich abgeschafft. Klopft euch auf die Schulter, was für ein großartiger Sieg.
Aber gehen wir das ganze mal Mathematisch an. Also es gibt 18 Bundesligisten und 5 Montagsspiele im Jahr. Also müssen knapp die Hälfte der Mannschaften an dem ganzen Scheiß schon mal gar nicht teilnehmen. Und genau genommen hat man als ach so schützenswerter Ultra was... 1 Auswärtsspiel alle 4 Jahre, dass man verpasst, weil man nach der Arbeit nicht mehr anreisen kann. Wenn man (wie gefühlt 80% der RB Leipzig Fans) eine längere Anreise zu Heimspielen hat, weil man auf dem Dorf wohnt, verpasst man zusätzlich alle 4 Jahre ein Heimspiel. Im Worst Case Szenario also alle 2 Jahre ein Spiel. Was für ein unerträglicher Zustand.
Andererseits... nehmen Montagsspiele keinerlei Einfluss auf die sportliche Integrität der Liga. Es bleibt ein geschlossener und fairer Wettbewerb. Also so weit man das bei den unterschiedlichen Wirtschaftlichen Voraussetzungen, die die Champions League schafft, noch fair nennen kann. Aber ob es Montagsspiele gibt oder nicht hat kaum einen Einfluss auf das Endergebnis und dessen Konsequenzen für die Vereine. Es ist also realistisch gesehen egal, ob sie stattfinden oder nicht.
Und natürlich ist mir klar, dass es den Fans dabei ums Prinzip geht: sie wollen eine weitere Zerstückelung des Spieltages verhindern. Und haben genau dort die Grenze des für sie Zumutbaren gezogen. Aber warum ist dem gemeinen Ultra die Relegation so egal?
Also die eine ebenfalls rein kommerzielle Veranstaltung, die den geschlossenen Wettbewerb aufbricht und einen massiven Einfluss auf die Entwicklung der Vereine nimmt. Nehmen wir hier mal Spaßeshalber den Karlsruher SC als Beispiel: Die hatten den Aufstieg eigentlich so gut wie sicher. Dann gab es einen aus deren Sicht mehr als fragwürdigen Freistoß und all das über 34 Spieltage (und dieses Mal sogar 180 Minuten in der Relegation) erarbeitet hat, wurde wegen einer falschen Schiedsrichterentscheidung und eines Geniestreiches zunichte gemacht.
Aber damit ja nicht genug: Anstatt seine eigentlich verdiente Bundesligazugehörigkeit zu feiern, stieg man 2 Jahre später in die 3. Liga ab, weil man, wie quasi jeder Zweitligist, seine Mannschaft nicht wirklich zusammenhalten konnte... Nur um dann im Jahr darauf wieder an der Relegation zu scheitern...
Jetzt, nach 2 Jahren dritter Liga, ist man wenigstens halbwegs in der selben Ausgangsposition wie nach der ersten Relegation. Und all das nur für nen paar Millionen im Fernsehvertrag... von dem man nicht mal was hat, weil man ja 2 Jahre dritte Liga spielt. Obwohl man sich eigentlich rein sportlich für die erste Liga qualifiziert hatte.
Aber das nimmt der gemeine Ultra einfach so hin. Er versucht es nicht mal mit Widerständen. Wo bleiben all die kreativen Aktionen, die die Montagsspiele untragbar gemacht haben? Warum wird nicht auch in diesen Spielen der Anstoß mit Klopapierrollen und Tennisbällen nach hinten verschoben? Oder besser noch: Warum nutzen die unbeteiligten Fans in den bedeutungslosen Spielen am 33. und 34. Spieltag nicht diese Gelegenheit um Solidarität mit den Relegationsteilnehmern zu zeigen. Mit einfachen und klaren Transparenten: "Für einen sportlich fairen und geschlossenen Auf- und Abstieg - Die Relegation abschaffen!"
Aber da könnte man sich ja als Ultra selber ins Fleisch schneiden. Selbst Schalke war dieses Jahr erschreckend dicht dran an einer Qualifikation für die Relegation. Und praktisch (und ja, ich gehe immer noch davon aus, dass Union am Montag verliert... Ich sage das jetzt auch explizit so. Vielleicht hilft's) wurde der 3. Abstiegsplatz abgeschafft...
Und da jedes Jahr einer der schlecht geführten Hochglanzvereine in diese Relegation rutscht, man sich vorher aber nie sicher sein kann, welcher... könnte man sich mit diesem Protest doch ins eigene Fleisch schneiden. Da hat ja keiner Bock drauf...
Also ich protestiere doch nicht gegen etwas, wovon ich im Zweifelsfall, wenn alles wirklich beschissen läuft, profitiere... Auch wenn die Relegation für alles steht, was ich verabscheue.... Ich bin doch nicht dumm... sondern halt einfach nur ein verlogener Haufen. Wie ich eingangs halt gesagt habe...
Donnerstag, 23. Mai 2019
Heute in unser aller Lieblingsserie:
Warum dürfen Leute, die sich so gar nicht mit Fußball beschäftigen, eigentlich professionell im Kicker schreiben... Season X Episode Y: Christian Biechele.
Ich sollte echt mal Buch führen, wie oft ich diesen Spruch eigentlich bringe... vielleicht nächste Saison.
Aber ja, Christian Biechele argumentiert am Montag gegen die Abschaffung der Relegation... weil man laut seiner Meinung "keine grottige Saison gespielt haben" muss um Drittletzter zu werden...
Theoretisch stimmt das sogar. Aber das ist praktisch dieselbe Theorie, die zur Mietpreisebremse den "der Markt reguliert sich selbst" Vorschlag bringt: Sollte klappen, aber hat aber mit der Realität nichts zu tun.
Lasst uns mal spaßeshalber die Relegationsteilnehmer der Letzten Jahre durchgehen und kurz analysieren, in wie weit man ihre Saison als "ordentlich", gerade gemessen an ihren Ansprüchen, bewerten kann:
1.) VfB Stuttgart, 20019, 28 Punkte: Dazu 3 unterschiedliche Cheftrainer. Einer von war Tayfun Korkut. Ich sag das mal so: Wer mit Korkut als Cheftrainer in eine Saison geht, der will doch absteigen. Oh und 28 Punkte für den Klassenerhalt ist im "So wenig hat noch nie für den Klassenerhalt gereicht" Ranking ganz weit vorne.
2.) VfL Wolfsburg, 2018, 33 Punkte: "Wir steigen ab, wir kommen nie wieder! Wir haben Bruno Labbadia! Und das war der Gute ihrer 3 Trainer in der Saison. Diese Mannschaft wirkte zwischenzeitlich so leblos, dass man sich echt gefragt hat, wie eine derart Zusammenstellung derart teurer Stars so einen Scheiß zusammenspielen kann...
3.) VfL Wolfsburg, 2017, 37 Punkte: Diese Mannschaft könnte fast einen Freifahrsschein bekommen... weil 37 Punkte echt ordentlich sind. Aber dann wird einem bewusst, dass die Valerien Ismael als Trainer angestellt haben, was sonst nur Nürnberg und Hannover versucht haben... anders ausgedrückt: das ist auch einer dieser Trainer, bei denen man es wirklich darauf anlegt, dass man in der Relegation landet. Oh und der Kader hat Namen wie Mario Gomez (als der noch ein Thema für die Nationalmannschaft war), Julian Draxler (der sich zugegebener weise nie für Wolfsburg interessiert hat) und Luiz Gustavo (der von den Bayern zwangstransferiert worden ist) in ihrem Kader. Das ist ein Kader, mit dem man eigentlich ums Internationale Geschäft mitspielen muss und trotzdem landete man hinter Mainz und Augsburg... Der einzige Grund, warum diese Mannschaft nicht so katastrophal aussieht, ist ja der Fakt, dass ihr Nachfolger sich noch dümmer angestellt hat.
4.) Eintracht Frankfurt, 2016, 36 Punkte: Die große Überraschung. Ein Mannschaft, deren bester Spieler Lukas Hradecky ist, dürfe tatsächlich mal mit 36 Punkten in einer Relegation landen. Da könnte man vielleicht wirklich von einer ordentlichen Saison reden. Aber bei genauerer Betrachtung landeten sie hinter Darmstadt und Ingolstadt... Wer hinter solchen Mannschaften, die in der Bundesliga (wie die Folgejahre ja zeigten) nichts verloren haben, landet, kann sich nicht beschweren, wenn er absteigt.
5.) Hamburger SV, 2015, 35 Punkte: Wenn es keine Zugabe gewesen wäre... aber der HSV qualifizierte sich 2 Jahre in Folge mit einer Mannschaft, die mindestens um einen einstelligen Tabellenplatz mitspielen muss, für die Zusatzrunde in der Relegation. Oh und man hatte 4 unterschiedliche Cheftrainer. Immer ein gutes Zeichen.
6.) Hamburger SV, 2014, 27 Punkte: Vielleicht muss man das einfach mal aussprechen: SIEBENUNDZWANZIG Punkte reichten für den Klassenerhalt. Und das in einem Kader mit Rafael van der Vaart und Heung Min Son. Ja, genau dem Son, der Tottenham gegen Chelsea ins Champions League Halbfinale geschossen hat und damit jetzt im Finale steht. Das faszinierndste am HSV ist es ja, dass sie Spieler um ihre HSV Stationen erstaunlich viele Erfolge hatten. Milan Badelj und van der Vaart sind zum Beispiel beides Vize-Weltmeister. Jonathan Tah und Kareem Demirbay sind hinterher deutsche Nationalspieler geworden. Pierre-Michel Lasogga... ist halt immer noch da... Trotzdem schaffte man es irgendwie nur 27 Punkte zu sammeln und trotzdem die Klasse zu halten...
7.) TSG 1899 Hoffenheim, 2013, 30 Punkte: All das nur, weil die bereits als Vize-Meister feststehenden Dortmunder zu dumm waren ihr letztes Heimspiel gegen den damaligen Klassenfeind aus Hoppenheim zu gewinnen... Einem Spiel, in dem Kevin Großkreutz im Tor stand.
Die Liste geht dann nebenbei mit Hertha BSC Berlin, Borussia Mönchengladbach, dem 1.FC Nürnberg und Energie Cottbus weiter. 3 von denen sind genau die Kandidaten, bei denen es passieren kann, dass sie (die Hertha damals als Aufsteiger) unten rein rutschen. Die Gladbacher... hatten nach der Hinrunde 10 Punkte. Wer ein derart schlechtes erstes Halbjahr spielt, kann sich halt nicht beschweren, wenn er absteigt...
Was lernen wir daraus? In den ersten 4 Jahren mag die Argumentation von Biechele halbwegs funktioniert haben. Aber seit dem... sein wir ehrlich: Nur in einer einzigen Saison (Eintracht Frankfurt, 2016) bettelte der Relegationsteilnehmer nicht förmlich um den Abstieg. Unternahm buchstäblich alles in ihrer Macht stehende um sich für die 2. Liga zu qualifizieren. Und das in einer immer schwächer werdenden Liga. Es waren, bis auf diese eine Ausnahme, jeweils Mannschaften, die mit wesentlichen größeren Ambitionen in die Saison gestartet sind und die dann komplett zusammengebrochen sind. Oder von gnadenlos überforderten Trainern angewiesen worden sind.
Wenn die Relegation noch, wie in den Anfangsjahren, aus Mannschaften wie Mainz, Freiburg oder Augsburg bestehen würde, könnte ich dem Kicker-Experten ja folgen. Aber diese Vereine müssen sich gar nicht auf dieses extra gespannte Rettungsnetz verlassen... Sondern es sind immer die Vereine mit wesentlich größerer Wirtschaftskraft... und mit katastrophaler Vereinsführung, Außendarstellung, Teamchemie, Trainern usw.-
Ich frage mich echt, wie man überhaupt nach einer Rechtfertigung suchen kann, dass man solchen Mannschaften noch mal einen Rettungsanker zuwirft.
Es gibt eine einzige schöne Sache an der Relegation. Dazu kommen wir... Morgen.
Ich sollte echt mal Buch führen, wie oft ich diesen Spruch eigentlich bringe... vielleicht nächste Saison.
Aber ja, Christian Biechele argumentiert am Montag gegen die Abschaffung der Relegation... weil man laut seiner Meinung "keine grottige Saison gespielt haben" muss um Drittletzter zu werden...
Theoretisch stimmt das sogar. Aber das ist praktisch dieselbe Theorie, die zur Mietpreisebremse den "der Markt reguliert sich selbst" Vorschlag bringt: Sollte klappen, aber hat aber mit der Realität nichts zu tun.
Lasst uns mal spaßeshalber die Relegationsteilnehmer der Letzten Jahre durchgehen und kurz analysieren, in wie weit man ihre Saison als "ordentlich", gerade gemessen an ihren Ansprüchen, bewerten kann:
1.) VfB Stuttgart, 20019, 28 Punkte: Dazu 3 unterschiedliche Cheftrainer. Einer von war Tayfun Korkut. Ich sag das mal so: Wer mit Korkut als Cheftrainer in eine Saison geht, der will doch absteigen. Oh und 28 Punkte für den Klassenerhalt ist im "So wenig hat noch nie für den Klassenerhalt gereicht" Ranking ganz weit vorne.
2.) VfL Wolfsburg, 2018, 33 Punkte: "Wir steigen ab, wir kommen nie wieder! Wir haben Bruno Labbadia! Und das war der Gute ihrer 3 Trainer in der Saison. Diese Mannschaft wirkte zwischenzeitlich so leblos, dass man sich echt gefragt hat, wie eine derart Zusammenstellung derart teurer Stars so einen Scheiß zusammenspielen kann...
3.) VfL Wolfsburg, 2017, 37 Punkte: Diese Mannschaft könnte fast einen Freifahrsschein bekommen... weil 37 Punkte echt ordentlich sind. Aber dann wird einem bewusst, dass die Valerien Ismael als Trainer angestellt haben, was sonst nur Nürnberg und Hannover versucht haben... anders ausgedrückt: das ist auch einer dieser Trainer, bei denen man es wirklich darauf anlegt, dass man in der Relegation landet. Oh und der Kader hat Namen wie Mario Gomez (als der noch ein Thema für die Nationalmannschaft war), Julian Draxler (der sich zugegebener weise nie für Wolfsburg interessiert hat) und Luiz Gustavo (der von den Bayern zwangstransferiert worden ist) in ihrem Kader. Das ist ein Kader, mit dem man eigentlich ums Internationale Geschäft mitspielen muss und trotzdem landete man hinter Mainz und Augsburg... Der einzige Grund, warum diese Mannschaft nicht so katastrophal aussieht, ist ja der Fakt, dass ihr Nachfolger sich noch dümmer angestellt hat.
4.) Eintracht Frankfurt, 2016, 36 Punkte: Die große Überraschung. Ein Mannschaft, deren bester Spieler Lukas Hradecky ist, dürfe tatsächlich mal mit 36 Punkten in einer Relegation landen. Da könnte man vielleicht wirklich von einer ordentlichen Saison reden. Aber bei genauerer Betrachtung landeten sie hinter Darmstadt und Ingolstadt... Wer hinter solchen Mannschaften, die in der Bundesliga (wie die Folgejahre ja zeigten) nichts verloren haben, landet, kann sich nicht beschweren, wenn er absteigt.
5.) Hamburger SV, 2015, 35 Punkte: Wenn es keine Zugabe gewesen wäre... aber der HSV qualifizierte sich 2 Jahre in Folge mit einer Mannschaft, die mindestens um einen einstelligen Tabellenplatz mitspielen muss, für die Zusatzrunde in der Relegation. Oh und man hatte 4 unterschiedliche Cheftrainer. Immer ein gutes Zeichen.
6.) Hamburger SV, 2014, 27 Punkte: Vielleicht muss man das einfach mal aussprechen: SIEBENUNDZWANZIG Punkte reichten für den Klassenerhalt. Und das in einem Kader mit Rafael van der Vaart und Heung Min Son. Ja, genau dem Son, der Tottenham gegen Chelsea ins Champions League Halbfinale geschossen hat und damit jetzt im Finale steht. Das faszinierndste am HSV ist es ja, dass sie Spieler um ihre HSV Stationen erstaunlich viele Erfolge hatten. Milan Badelj und van der Vaart sind zum Beispiel beides Vize-Weltmeister. Jonathan Tah und Kareem Demirbay sind hinterher deutsche Nationalspieler geworden. Pierre-Michel Lasogga... ist halt immer noch da... Trotzdem schaffte man es irgendwie nur 27 Punkte zu sammeln und trotzdem die Klasse zu halten...
7.) TSG 1899 Hoffenheim, 2013, 30 Punkte: All das nur, weil die bereits als Vize-Meister feststehenden Dortmunder zu dumm waren ihr letztes Heimspiel gegen den damaligen Klassenfeind aus Hoppenheim zu gewinnen... Einem Spiel, in dem Kevin Großkreutz im Tor stand.
Die Liste geht dann nebenbei mit Hertha BSC Berlin, Borussia Mönchengladbach, dem 1.FC Nürnberg und Energie Cottbus weiter. 3 von denen sind genau die Kandidaten, bei denen es passieren kann, dass sie (die Hertha damals als Aufsteiger) unten rein rutschen. Die Gladbacher... hatten nach der Hinrunde 10 Punkte. Wer ein derart schlechtes erstes Halbjahr spielt, kann sich halt nicht beschweren, wenn er absteigt...
Was lernen wir daraus? In den ersten 4 Jahren mag die Argumentation von Biechele halbwegs funktioniert haben. Aber seit dem... sein wir ehrlich: Nur in einer einzigen Saison (Eintracht Frankfurt, 2016) bettelte der Relegationsteilnehmer nicht förmlich um den Abstieg. Unternahm buchstäblich alles in ihrer Macht stehende um sich für die 2. Liga zu qualifizieren. Und das in einer immer schwächer werdenden Liga. Es waren, bis auf diese eine Ausnahme, jeweils Mannschaften, die mit wesentlichen größeren Ambitionen in die Saison gestartet sind und die dann komplett zusammengebrochen sind. Oder von gnadenlos überforderten Trainern angewiesen worden sind.
Wenn die Relegation noch, wie in den Anfangsjahren, aus Mannschaften wie Mainz, Freiburg oder Augsburg bestehen würde, könnte ich dem Kicker-Experten ja folgen. Aber diese Vereine müssen sich gar nicht auf dieses extra gespannte Rettungsnetz verlassen... Sondern es sind immer die Vereine mit wesentlich größerer Wirtschaftskraft... und mit katastrophaler Vereinsführung, Außendarstellung, Teamchemie, Trainern usw.-
Ich frage mich echt, wie man überhaupt nach einer Rechtfertigung suchen kann, dass man solchen Mannschaften noch mal einen Rettungsanker zuwirft.
Es gibt eine einzige schöne Sache an der Relegation. Dazu kommen wir... Morgen.
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