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Montag, 30. Dezember 2024

So dumm ist nicht mal Didi Hamann

 Die Netzabdeckung in Deutschland, über die man sich sonst ja gerne beschwert, ist am Ende doch einfach zu gut. Denn wenn man 5 Stunden durch die eher öderen Gegenden des Landes Bahn fährt... muss man sich halt irgendwann gelangweilt durch die Kommentarspalten und Social Media klicken, um sich irgendwie zu beschäftigen. Und dabei trifft man dann aussagen, bei denen selbt Didi Hamann sich fremdschämen würde.

Einer dieser Kommentare kam dann von Chris Lugert und wurde auf ran.de veröffentlicht. Das ist ein Brett. Die wesentliche Logik: Weil Beyoncé eine Halbzeitshow in den USA liefert, die höhere Einschaltquoten als das Spiel selber produziert, müssen wir jetzt in der Bundesliga auch an Weihnachten spielen... Oder weil das in England seit Jahrzehnten erfolgreich funktioniert. Da müssen wir das auch kopieren.

Wisst ihr, was es in England und den USA auch gibt? Montagsspiele. Genau die Montagsspiele, deren Einführung an den Protesten der Fans gescheitert sind. Es gab da eine quasi öffentliche Abstimmung: Der deutsche Fan will diese totale Durchkommerzialisierung nicht. Deswegen pfeift er, wenn Helene Fischer beim DFB-Pokal Finale auftritt... obwohl die so erfolgreich ist, dass verdammt viele sie heimlich zu Hause hören und den Text zu Atemlos mitgrölen würden, wenn er im Club läuft...

Ein Bundesliga-Spieltag an Weihnachten könnte echt zum ultramativen Breakingpoint werden. Also dass alle Ultras der Bundesliga sich an diesem Tag vereinen und einen kollektiven Spieltagsabbruch provozieren. In jedem Stadion und aus jedem Block... außer bei den Bayern, die auf Grund der 3 Punkte Meister werden... mit 15 anstatt 12 Punkten Vorsprung. Und ja, ich traue den Ultras zu, dass sie das koordinieren und durchziehen. Einfach um sicherzustellen, dass es diese Ansetzung nur ein einziges Mal gibt.

Zumindest werden sie dafür sorgen, dass wir (und die ganze Welt) am Fernseher 30 Minuten lang den Helfern dabei zuschauen können, wie sie Tennisbälle vom Platz sammeln. Diese Extraminuten sollte man bei den Übertragungen definitiv einplanen. Obwohl das ja eher ein Pro-Argument ist, denn man könnte die "Rechte" an den Spielunterbrechungen ja an entsprechende Vermarkter verkaufen. This pyrotechnik break is brought to you by Stabilo. Because Bürotechnik ist kein Verbrechen!

Und ob das jetzt vernünftig oder verlogen ist, kann an der Stelle völlig egal sein. Denn das Deutschland an dieser Stelle einen besonderen Markt hat, ist am Ende Fluch und Segen zugleich. Einerseits behindert diese Fankulutur den grenzenlosen Wachstum, andererseits sorgt er auch für eine einzigartige Bindung und Stimmung, die man dann doch wieder ausbeuten kann. Fakt ist aber, dass diese besondere Stellung bedacht werden muss, wenn man irgendwelche Neuerungen einführen will. 

So absurd das klingt: Das ist noch nicht mal das Dümmste an diesem Beitrag. Denn danach schadroniert der Mann dann von den armen Weihnachtsmuffeln, die sich nicht aus den Weihnachtsfilmen machen, die man über diese Tage in den Rachen geschoben bekommt, auch wenn man gar nichts für dieses Fest überig hat. Wie furchtbar. Diesen armen Menschen muss geholfen werden, indem man Fußball anbietet. Also nicht nur Sport im Allgemeinen, denn davon gibt es ja genug, sondern explizit Bundesligafußball.

Aber der arme Tropf arbeitet ja auch beim linearen Fernsehen. Der muss halt das gucken, was kommt und wenn er gerade arbeiten muss, wenn sein Lieblingsfilm läuft, muss er ein Jahr warten, bis er den wieder sehen kann... Der Rest der Welt hat entweder Netflix... oder weiß, wie das Internet funktioniert. Und wenn man dann lieber alle Teile vom Hobbit und Lord Of The Rings im Extended Cut gucken will, als unterm Weihnachtsbaum zu sitzen... dann macht man das halt einfach. Wenn man alle Star Wars Teile gucken will, gibt es da halt ein Holiday Special, was es kompliziert macht. 

Nebenbei will ich an der Stelle auch mal, abseits der Proteste der Fans, auf ein komplett ignoriertes Problem hinweisen: Ein Bundesligaspielt ist auch ein riesiges wirtschaftliches Projekt. Das fängt bei der Polizei an, mit der ich noch am wenisten Mitleid habe... Die Secu im Stadion, die all die Tennisbälle mit dem Gesicht abfangen müssen. Die Leute hinter der Bar, die sich die Beleidigungen fürs überteuerte und alkoholfreie Bier anhören müssen... weil natürlich auch ein Hochsicherheitsspiel für die Internationale Einschaltquote an den Weihnachtstag gelegt werden muss. Die Leute am Merchstand, die dann die hässlichen Weihnachtssweaters verkaufen, die ihr alle trotzdem kauft. Die Extrabusse und Sonderzüge müssen auch gelenkt und betreut werden. Die Leute vor und vor allem hinter der Kamera, die uns die Bilder ins Wohnzimmer bringen. Das ist ein riesieger Apparat, der da jedes Wochenende am Arbeiten ist. Und die Arbeitszeiten sind halt entweder am Wochenende... oder unter der Woche Abends bis Nachts. Denn wenn ein Champions League Spiel ansteht, ist vor um 2 keiner von denen zu Hause. Jetzt sagt denen mal, dass sie auch noch am Heiligabend um 20 Uhr ein Spiel ins Stadion bringen sollen... weil das ein paar Millionen mehr für die Liga bringen dürfte. Und dann dürfen die alle auch noch zusätzliche Stunden schieben, weil das Ende durch die Proteste auf ungewisse Zeit verschoben wird.

Und natürlich ist es schwierig, die genaue Zahl der "für die Bundesliga angestellten" zu beziffern. Denn wenn man im Arena Komplex in Leipzig angestellt ist, arbeit man viel bei den Bungesligaspielen, aber halt auch wenn Helen Fischer im Stadion spielt... oder bei Deichkind, wenn die nebenan spielen. Dieser Faktenfuchs kommt auf 110.000. Er ignoriert aber komplett die Fernsehproduktion, den Polizeieinsatz und dass die LVB Extrafahrten anbieten muss. Es würde mich überraschen, wenn weniger als 60.000 Menschen in Rahmen eines Bundesligawochenendes arbeiten müssen.

Es ist schon vernünftig, dass es an Weihnachten selber keinerlei Großevents gibt. Und selbst die kleineren Weihnachtskonzerte werden mittlerweile auf den 27. bis 29. Dezember gelegt. Es ist ja auch kein Zufall, dass die Weihnachtsmärkte am 23. und nicht erst am 27. schließen. Denn es könnte auch echt schwierig werden, genügend Menschen zu finden, die dann an diesen Tagen arbeiten wollen. Und die paar freien Tage haben die sich auch verdient. Gönnt denen das einfach mal.

Dienstag, 4. Juni 2024

Was ich ja auch gerade niedlich finde

 Was die Dortmund Fans da gerade abziehen... und abziehen müssen.

Also zunächst mal, dass die sich mit dem Motto "Mehr als ein Verein" zu "den Guten" im Champions-League-Finale verklärt haben. Also klar, Außenseiter war man... aber deswegen ist nicht zwingend "gut".

In diesem Finale hat ein Verein, der zu 100 % seinen Mitgliedern gehört, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Compagnie Kommanditgesellschaft auf Aktien geschlagen. Dieser Name ist so kompliziert, weil er extra für die Borussia als Fußball-AG erschaffen wurde. Ware Liebe und so. 

Aber das ist ja so ein unangenehmes Detail, welches konsequent ignoriert wird: Wenn die Fans gegen Investoren und Kommerzialisierung protestieren, müssen sie eigentlich auch gegen Borussia Dortmund protestieren. Denn die saßen bei der Durchkapitalisierung vorne links am Steuer des ehemaligen Vereinsfußballs.
Um das nochmal zu verdeutlichen: Von Real Madrid gibt es gar keine Aktien, weil das immer noch ein eingetragener Verein ist. Auch wenn es am Ende natürlich nur bedeutet, dass derartigen Rechtsformen mehr Schein als Sein sind. Denn wirklich "gemeinnützig" ist Real doch nur für den Steuerbescheid. Wobei man jetzt natürlich schon behaupten können, dass so vielen Menschen so viel Freude zu bereiten, indem man ständig Titel holt, schon auch für die Gemeinheit ganz nett ist.

Jetzt sind die Dortmunder aber noch mehr als eine komplizierte Rechtsform. Sie werden jetzt auch noch von einem Rüstungskonzern gesponsort. Das ist der nächste Dammbruch bei der Turbokapitalisierung. Oder am Ende relativ geschickt, denn sie nehmen jetzt ja nicht das Geld der russischen Oligarchen, sie nehmen das Geld von der Firma, bei der jahrelang der Rubel gerollt ist, weil sie den Russen Waffen verkauft haben. Oder noch in Milliardenumfang verkaufen wollten. Und auch wenn sie damit vor 10 Jahren aufgehört haben, so werden sie jetzt trotzdem noch Deals mit den Öl-Scheichs der Welt abschließen. Das mag jetzt übertrieben wirken, aber gute Menschen kaufen halt keine Waffen. Oder zumindest nur so wenige davon, dass sich das Geschäft nicht lohnt.

Die Dortmund-Fans machen genau das, was jetzt erwartbar war: Sie regen sich auf und starten "Protestchen". Also ja, die Verniedlichung von Protesten. Da wird dann im Finale ein meterlanges Banner ausgehangen, dass man auch da gegen Sportswashing ist. Aber so richtig konsequenter Protest, der einem auch selbst weh tut... was in den meisten Fällen die einzige wirkungsvoller Möglichkeit ist? Nein, danke!

Mich erinnert das nebenbei ein wenig an die "Beschwerden" über die geänderte Ausschüttung von Spotify an die Künstler... zulasten der Kleinen, zum Vorteil der Großen. Da haben sich dann verdammt viele online darüber beschwert, aber keiner hat seinen Account gelöscht und sein Abo beendet. Obwohl genau das die wirkliche Lösung gewesen wäre: Spotify abmelden und den kleinen Künstlern über Bandcamp direkt bezahlen. Aber Spotify ist so bequem... Deswegen ging diese Anpassung am Ende doch einfach durch.

Wenn jetzt die 50.000 Fans in London einfach nicht ins Stadion gegangen, sondern davor getrauert hätten, wäre der Deal jetzt schon wieder abgesagt. Oder wenn die Dortmund Fans ihre Dauerkarten und ihre Mitgliedschaft kündigen würden. Aber eine Finale verpassen ist schon hart. Und wenn man seine Dauerkarte kündigt, bekommt man die ja nie wieder, weil ja schon der Nächste ansteht und eine haben will. Das hätte dann ja richtig unangenehme Konsequenzen. Das kann ja nicht gewollt sein.
Wobei ich hier einschieben muss: So ein Finale abzusagen, weil der eigene Vorstand so dumm ist, diesen Deal kurz vorher bekannt gegeben hat, wäre schon wirklich hart. Dass sie das nicht durchgezogen haben, kann ich schon nachvollziehen. Aber die nächsten 3 Jahre nicht hingehen, wäre jetzt die einzige wirkungsvolle Protestform. Oder jeden 2. Samstag für Spielabbrüche zu sorgen, da wäre ich aber vorsichtig, Dortmund hat jetzt Zugriff auf Panzer...

Nebenbei, um den nächsten Bogen zu schlagen, lernen wir ja auch gerade, dass es keine schlechte Presse gibt. Also weil Gigi D'Agostinos Lied plötzlich auf Platz 1 einsteigt, weil Rassisten den Text dazu umgedichtet haben und das gefilmt wurde. Der Künstler hat damit nichts zu tun und wird wahrscheinlich überrascht auf seinen Kontostand gucken und sich fragen, warum dieser "alte Schinken" plötzlich so gut läuft.
Eigentlich sollte der "Sylt-Skandal" dazu führen, dass dieses Lied, so wenig es dafür kann, erstmal weniger gespielt wird... Das Gegenteil ist der Fall. Genauso wie bei Rammstein, deren Alben vor einem Jahr wieder in die Charts geschossen sind. Solange man, warum auch immer, irgendwo ins Gespräch kommt, steigert sich immer auch der Umsatz.

Wenn die Dortmund Fans jetzt also "leisestark" gegen Rheinmetall protestieren, sorgt das nur dazu, dass dieser Name jetzt mehr im Umlauf ist. Man erweitert direkt die Reichweite, und damit auch den Erfolg, des Werbedeals. 

Am Ende bleibt mal wieder festzuhalten: Borussia Dortmund sind nicht "die Guten". Sie sind nur schon so lange "Die Bösen", dass wir vergessen haben, wer das Böse eigentlich eingeführt hat. Und wenn die Fans sich über die fortschreitende Kommerzialisierung aufregen, ist das absolut verlogen. Denn ohne die Leistungen des BvBs wäre der Fußball gar nicht für RB interessant geworden. Das sind nur die Geister, die ihr rieft.
Aber das sind dieselben Fans, die nächste Saison NICHT gegen die Aufblähung der Champions League protestieren werden, weil man ja nur gegen die Kommerzialisierung ist, wenn andere davon profitieren. Es passt also genau ins Markenkonzept.

Freitag, 22. Dezember 2023

Wo der Kicker mich schon triggert

Weil der uns daran erinnert, dass da mal journalistisch hochwertige und kritische Arbeit geleistet wurde. Also vor 25 Jahren halt. Seitdem kommt da ja eher wenig bis nichts.

Aber eigentlich muss man dieses Jubiläum ja mal als Anlass nehmen, um auf die absurde Doppelmoral der Dortmund Fans hinweisen... um mich da richtig unbeliebt zu machen.

Denn die Fans einer Kommanditengesellschaft auf Aktien führen sich als die moralische Instanz und bewahrer der traditionellen Werte auf. Auch jetzt gerade wieder, wenn es um den Investor für die Bundesliga geht. Oder jedes Jahr, wenn RB Leipzig zu Gast ist. Es kann ja nicht sein, dass dieses ätzende Konstrukt und diese Werbeplattform in unserem Stadion spielen darf, dass von unseren Renditen erweitert wurde... ich meine natürlich durch unsern Schweiß und unsere Tränen.

Also wenn man wirklich die traditionellen Werte hochhalten will, dann muss man halt beim eigentlichen Sündenfall anfangen. Dann muss man sich mit dem Moment auseinandersetzen, an dem es nicht mehr nur um Fußball geht, sondern ein Produkt verkauft wird, welches Rendite verspricht. Und das ist nun mal der 31. Oktober 2000. Der Tag, an dem die Borussia Aktie an der Börse gehandelt und damit zum Spekulationsobjekt wurde.
Dieses "An der Börse gehandelt" ist auch ein entscheidender Zusatz, denn genau das geht eben beim FC Bayern nicht. Also abgesehen davon, dass die Bayern sich einfach auch etwas mehr Zeit gelassen haben. In Dortmund wurde das e.V. als erstes gestrichen.

Wobei das natürlich nur der 2. Schritt war. Denn zunächst hat die DFL ja im Jahr 1998 überhaupt die Möglichkeit erschaffen, dass auch Kapitalgesellschaften am Spielbetrieb teilnehmen können. Aber allein schon dass Dortmund als erste von dieser Möglichkeit gebraucht machten, kann darauf hinweisen, welche Rolle der Verein beim Schreiben dieser Regel gespielt hat. Die Borussia hat die Kommerzialisierung des Fußballs als Vorreiter aktiv vorangetrieben.

Widerstand im Namen der Traditionellen Werte sieht definitiv anders aus. Die Trophäen, die als Ergebnis der fortschreitenden Kommerzialisierung im Schrank stehen, werden trotzdem in Ehre gehalten. Der BvB darf das halt, weil sie zu den Guten gehören.

Jetzt muss sich de Ko.GaA halt für die weitere Kommerzialisierung einsetzen, weil man halt profitorientiert arbeiten muss. Also für die Aktienkurse. Und der einzige legitime Protest von Dortmund Fans wäre es, sich vom eigenen Verein abzuwenden und eine Dortmunder Borussia zu gründen. Oder zu Rot Weiß Essen zu gehen. Man hätte Wattenscheid retten können, indem man sich dort 30.000 Dauerkarten kauft. Oder nehmt einen Oberligisten aus Dortmund. Und dann guckt, wie weit so ein Verein alleine durch den Fan Support kommt.

Aber solange die all die Dortmund Fans weiter ins Stadion gehen, tragen sie dieses gesammte "Scheiß-System" mit. Und dann können sie nicht dagegen sein, dass andere auch mitspielen wollen. Die dürfen das nicht. Die sind böse!

Und diese ganze Verlogenheit wird gerade ja auch auf die Probe gestellt, weil ausgerechnet Dortmund, Stand 22.12.2023, von der Erweiterung der Champions League profitieren würde. Diese quasi Einführung der Superleague ist auch etwas, wo man konsequent dagegen sein müsste. Und konsequent wäre halt, dass man dann 2024 einfach nicht hingeht und die Spiele vor leeren Rängen abgehalten werden. Aber das wird nicht passieren. Man wird wieder grundlegend dagegen sein, aber für seinen eigenen "Verein" eine Ausnahme machen. Aber eigentlich müsste man hier die "Wenn wir uns über die Liga nicht qualifizieren, haben wir es nicht verdient, dabei zu sein." Schiene fahren.

Ganz ehrlich: Solange es bei unproblematischen Plakaten bleibt, habe ich da ja auch gar kein Problem mit. Aber wenn dann Menschen angegriffen werden. Also Menschen, die einfach nur friedlich Fußball gucken wollen, aber aus einer Gegend kommen, in der es das halt nicht gibt. Leipziger halt.
Und ich muss da nochmal erwähnen, dass ich Leute kenne, die damals dabei waren. Die 30 Jahre lang darauf gewartet haben, endlich mal als Fan einer Mannschaft in dieses wunderbare Stadion fahren und ein Fußballspiel genießen kann... und dann wird man mit Mülltonnen beworfen und es gibt 10 Verletzte.
Viele von denen sind danach auch einfach nicht mehr zu Auswärtsspielen gefahren, weil sei ja genau das nicht mehr wollten. Da hätten sie ja auch einfach zu Lok oder Chemie gehen können.

Also um mal diese immer wieder als Konsumenten verschmähten Fans zu vermenschlichen: Die wollen im Wesentlichen nur guten Fußball sehen. Also im Kern dasselbe, wie die Dortmund Ultras. Sie kommmen aber aus einer Stadt, in der das auf dem traditionellen Weg einfach nicht geht. Also weil die Vereinsstruktur nach der Wende so kaputt gemacht wurde, dass er Vorsprung niemals aufgeholt werden kann. Und weil die Fanszene so kaputt ist, dass man sich auch einfach nicht sicher fühlt.

Parallel zum Versagen von Lok und Chemie hat ausgerechnet Dortmund die Kommerzialsierung vorangetrieben, die es praktisch unmöglich macht, ohne extrene Investoren in die Bundesliga zu kommen. Also ja, es gibt die Ausnahmen aus Heidenheim oder Paderborn, aber die können sich halt auch nicht in der ersten Liga halten. Oh und Heidenheim hat gerade für den DFL Investor gestimmt...
Aber dass ein eingetragener Verein wie Mainz oder Freiburg sich als Stammgast in der Bundesliga etabliert, ging 2004 noch. Mittlerweile können sie sich in der Liga halten, weil sie einen extremen Vorsprung gegenüber der potenziel nachrückenden Konkurrenz haben. Und Union Berlin hat als e.V. halt trotzdem einen Investor im Hintergrund, ohne den die es nie in die Bundesliga geschafft hätten.

Und auf der dritten Ebene hat die Turbokommerzialisierung, die auch eindeutig vom BvB forciert und vorangetrieben wurde, den Sport als Werbeplattform für RB überhaupt erst interessant gemacht. Und man profitiert selber extrem von dieser Entwicklung, nachdem man sich fast die Finger verbrannt hat.
Eigentlich gibt es da nur 2 Wege: Entweder man akzeptiert, dass man als Dortmund Fan Teil der Kommerzialisierung ist und toleriert dann auch die Geister, die man rief... oder man wendet sich von dem Verein und der Bundesliga im allgemeinen ab, weil man diese Kommerzialisierung nicht länger mittragen will.
Dass die Bundesliga so durchkommerzialisiert ist, was sich auch einfach nicht mehr aufhalten lässt, ist halt auch Dortmund zu verdanken.

Aber weil Fußballfans nie rational agieren oder argumentieren, entscheiden sie sich für Option 3: Wir ignorieren all die Probleme im eigenen Umfeld und führen uns bei anderen als moralische Instanz auf.

Freitag, 24. Mai 2019

Fußballfans sind ein verlogenen Haufen

Und da reduziert sich meine Leserschaft direkt auf 0. Guter Start in den Tag...

Aber ja, ich habe es gesagt: Gerade die Selbsternannten Gralshüter der Tradition sind im Endeffekt auch nur bigotte Egoisten. Wer hätte das gedacht.

Damit will ich nicht mal darauf hinaus, dass die Stuttgarter Fans am Ende einer Saison, in der ihnen "die ganze Saison nichts geboten" wurde, ihre Mannschaft auspfeifen. Sondern dass sie die Mannschaft nur auspfeifen und nicht mehr machen.

Nebenbei wollte ich mich bei der Gelegenheit den Eurosport Kommentator lobend erwähnen. Der hat mit "Das darf einem Bundesligisten nicht passieren" und "Jedenfalls hat das wenig mit Fußball zu tun" Aussagen die Stuttgarter Saison als Ganzes wunderbar zusammengefasst. Aber die Relegationsteilnahme ist natürlich so was von verdient, weil sie alles andere als eine grottige Saison gespielt haben.

Aber eigentlich will ich ja auf was anderes aus: Die Fans. Die ja immer voll gegen diese böse Kommerzialisierung des Sportes sind. Dass sie so was von dagegen sind, wenn der Fußball seine Seele verkauft. Und dass man da ganz dringend etwas gegen unternehmen muss... Außer es betrifft einem selber nicht... oder man ist mit anderen Dingen beschäftigt.

Also falls es irgendjemand tatsächlich ignoriert hat, hier die schockierende Wahrheit: Die Relegation ist nicht eingeführt worden, weil die Schalke Fans damals zitternd beim Public Viewing im Parkstadion saßen, unsicher ob sie Dortmund den Abstieg wünschen sollten oder doch lieber darauf hofften, dass es nächstes wieder ein Derby geben würde... Oder damit die Fans in Hamburg wenigstens ein Mal im Jahr ein wenig was von Europacup-Flair bekommen, weil die Auswärtstor Regel sie retten könnte... und wirklich niemand dachte an die Emotionale Achterbahnfahrt, die die treuen Fans (an einem Montag Abend, um das mal offensichtlich zu machen) im Stadion erleiden müssen.

Die Relegation wurde einzig und allein eingeführt, weil man dadurch mehr Sky und Eurosport Abos verkaufen wollte. Weil man in den Vertragsverhandlungen mit den Fernsehstationen dann mehr Geld raus schlagen konnte. Was ja jetzt nochmal deutlicher wurde, wo der Scheiß nicht im FreeTV gezeigt wird.
Die Allgemeine Reaktion des gemeinen Fußballfans: Ich komme nicht aus Hamburg oder Wolfsburg, was interessiert mich das. Obwohl die die Personifizierung der Kommerzialisierung des Fußballs ist... also genau das Symbol, welches man eigentlich nieder reißen sollte. Aber es betrifft einem halt nicht. Und wenn man dabei ist, kann man seine Zeit ja nicht mit so einen Scheiß verschwenden, da muss man seine Mannschaft unterstützen... Oder aus Wut das Stadion in Brand setzen, eines von beidem...

Das wirklich faszinierende ist ja: Die Fans haben gerade mit kreativen und gewaltfreien Protest bewiesen, dass sie als zahlende Kunden durchaus Einfluss auf die Entscheidungen der DFL nehmen können. Die Montags-Spiele wurden erfolgreich abgeschafft. Klopft euch auf die Schulter, was für ein großartiger Sieg.

Aber gehen wir das ganze mal Mathematisch an. Also es gibt 18 Bundesligisten und 5 Montagsspiele im Jahr. Also müssen knapp die Hälfte der Mannschaften an dem ganzen Scheiß schon mal gar nicht teilnehmen. Und genau genommen hat man als ach so schützenswerter Ultra was... 1 Auswärtsspiel alle 4 Jahre, dass man verpasst, weil man nach der Arbeit nicht mehr anreisen kann. Wenn man (wie gefühlt 80% der RB Leipzig Fans) eine längere Anreise zu Heimspielen hat, weil man auf dem Dorf wohnt, verpasst man zusätzlich alle 4 Jahre ein Heimspiel. Im Worst Case Szenario also alle 2 Jahre ein Spiel. Was für ein unerträglicher Zustand.

Andererseits... nehmen Montagsspiele keinerlei Einfluss auf die sportliche Integrität der Liga. Es bleibt ein geschlossener und fairer Wettbewerb. Also so weit man das bei den unterschiedlichen Wirtschaftlichen Voraussetzungen, die die Champions League schafft, noch fair nennen kann. Aber ob es Montagsspiele gibt oder nicht hat kaum einen Einfluss auf das Endergebnis und dessen Konsequenzen für die Vereine. Es ist also realistisch gesehen egal, ob sie stattfinden oder nicht.

Und natürlich ist mir klar, dass es den Fans dabei ums Prinzip geht: sie wollen eine weitere Zerstückelung des Spieltages verhindern. Und haben genau dort die Grenze des für sie Zumutbaren gezogen. Aber warum ist dem gemeinen Ultra die Relegation so egal?

Also die eine ebenfalls rein kommerzielle Veranstaltung, die den geschlossenen Wettbewerb aufbricht und einen massiven Einfluss auf die Entwicklung der Vereine nimmt. Nehmen wir hier mal Spaßeshalber den Karlsruher SC als Beispiel: Die hatten den Aufstieg eigentlich so gut wie sicher. Dann gab es einen aus deren Sicht mehr als fragwürdigen Freistoß und all das über 34 Spieltage (und dieses Mal sogar 180 Minuten in der Relegation) erarbeitet hat, wurde wegen einer falschen Schiedsrichterentscheidung und eines Geniestreiches zunichte gemacht.
Aber damit ja nicht genug: Anstatt seine eigentlich verdiente Bundesligazugehörigkeit zu feiern, stieg man 2 Jahre später in die 3. Liga ab, weil man, wie quasi jeder Zweitligist, seine Mannschaft nicht wirklich zusammenhalten konnte... Nur um dann im Jahr darauf wieder an der Relegation zu scheitern...
Jetzt, nach 2 Jahren dritter Liga, ist man wenigstens halbwegs in der selben Ausgangsposition wie nach der ersten Relegation. Und all das nur für nen paar Millionen im Fernsehvertrag... von dem man nicht mal was hat, weil man ja 2 Jahre dritte Liga spielt. Obwohl man sich eigentlich rein sportlich für die erste Liga qualifiziert hatte.

Aber das nimmt der gemeine Ultra einfach so hin. Er versucht es nicht mal mit Widerständen. Wo bleiben all die kreativen Aktionen, die die Montagsspiele untragbar gemacht haben? Warum wird nicht auch in diesen Spielen der Anstoß mit Klopapierrollen und Tennisbällen nach hinten verschoben? Oder besser noch: Warum nutzen die unbeteiligten Fans in den bedeutungslosen Spielen am 33. und 34. Spieltag nicht diese Gelegenheit um Solidarität mit den Relegationsteilnehmern zu zeigen. Mit einfachen und klaren Transparenten: "Für einen sportlich fairen und geschlossenen Auf- und Abstieg - Die Relegation abschaffen!"

Aber da könnte man sich ja als Ultra selber ins Fleisch schneiden. Selbst Schalke war dieses Jahr erschreckend dicht dran an einer Qualifikation für die Relegation. Und praktisch (und ja, ich gehe immer noch davon aus, dass Union am Montag verliert... Ich sage das jetzt auch explizit so. Vielleicht hilft's) wurde der 3. Abstiegsplatz abgeschafft...

Und da jedes Jahr einer der schlecht geführten Hochglanzvereine in diese Relegation rutscht, man sich vorher aber nie sicher sein kann, welcher... könnte man sich mit diesem Protest doch ins eigene Fleisch schneiden. Da hat ja keiner Bock drauf...
Also ich protestiere doch nicht gegen etwas, wovon ich im Zweifelsfall, wenn alles wirklich beschissen läuft, profitiere... Auch wenn die Relegation für alles steht, was ich verabscheue.... Ich bin doch nicht dumm... sondern halt einfach nur ein verlogener Haufen. Wie ich eingangs halt gesagt habe...