Dienstag, 7. April 2026

Die Bayern sind schon beängstigend gut

 Wo ich gestern die Bundesliga als ganzes so "mittelmäßig" geredet habe, muss das auch mal festgehalten werden. Also vor dem Spiel gegen Real Madrid. Denn zum ersten Mal seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass die Bayern auch da wirklich mithalten können. So gut sehe ich diese Bayern.

Für mich liegt das primär an 3 Faktoren: 1.) Harry Kane. Lange Zeit ging ich ja davon aus, dass die auf dem Transfermarkt doch eher konservativen Bayern keine 100 Millionen für einen Stürmer ausgeben werden. Aber um einen Weltklasse-Spieler zu bekommen, muss man diese Summen hinlegen. Bei Kane lag die reine Ablöse bei 95 Millionen. Dazu kommen mit Luis Díaz und Michael Olise 2 weitere teure Toptransfers. Die Bayern kopieren still und heimlich die Galakticos und holen jedes Jahr einen richtig teuren Star. Sie sind mittlerweile gewillt, die beachtlichen Summen, die auf dem internationalen Markt aufgefordert werden, auf den Tisch zu legen.

Aber Michael Olise und Díaz sind schon Punkt 2. Denn hier beweist Max Eberl, dass er der Aufgabe wirklich gewachsen war. Also das, was Nils Ole Book jetzt in Dortmund beweisen muss, hat hier endlich geklappt. Eberl trat seinen Job ja am 1.3.2024 an. Dass er dann direkt mit Olise einen Diamanten holt, der sich unfassbar gut entwickelt, ist beeindruckend. Aber vielleicht hat er da ja noch von der Vorarbeit der Vorgänger profitiert. Dass er dann mit Díaz nachlegt, ist beängstigend. Nach Jahren der Instabilität hat man jetzt wieder den besten Manager der Liga auf seiner Seite. Die Bayern haben ja eine ganze Weile nach einem wirklichen Nachfolger für Uli Hoeneß gesucht, jetzt könnten sie ihn endlich gefunden haben.

Mann muss nur mal die anderen Namen in der Top 10 Rekordtransfer Liste nehmen: Lucas Hernández, Matthijs de Ligt, Joao Palhinha und Corentino Tolisso waren Enttäuschungen. Leroy Sané war 5 Jahre da, man ließ ihn aber am Ende ablösefrei gehen. Insgesamt machte man an den Weiterverkäufen dieser Spieler 180,5 Millionen Euro Verlust. Und das waren ja alles keine "alten Säcke" wie Harry Kane, wo man einen Verlust im Weiterverkauf einrechnet. Das waren Spieler, die entweder 10 Jahre bleiben oder mit Profit weiterverkauft werden. Das hat bei keinem funktioniert.

Min-Jae Kim rotiert seit seiner Ankunft zwischen Bank und Startelf. Die 7 Einsätze in der Champions League sehen auf den ersten Blick gut aus, aber bei genauerem Hinsehen kam er 3 Mal in der Schlussphase von der Bank und durfte nur in den "Ist eigentlich egal" Spielen in die Startelf. Dayot Upamecano hat sich gefangen und bekam eine Vertragsverlängerung. Die gab es aber nur, weil ein neuer Verteidiger zu teuer gewesen wäre. Das sage nicht ich, sondern Eberl.

Und dann ist da natürlich noch Harry Kane, der ein Volltreffer war. Aber man muss hier mal kurz festhalten, dass Stand April 2026, Upamecano der einzige Top Ten Transfer ist, der seinen Vertrag verlängert hat. Und das keiner dieser Spieler auf dem Transfermarkt gewinnbringend weiterverkauft wurde. Natürlich werden Kane, Díaz und Olise diesen Negativlauf beenden, es verdeutlicht aber, wie bescheiden diese Bilanz in der Summe ist:

Denn in der Summe kann man nur mit 3 der 8 Top-Transfers "vor Eberl" wirklich zufrieden sein kann. Sané hat die ja immerhin das eine Mal am letzten Spieltag zur Meisterschaft geschossen. Alles in allem ist das keine gute Bilanz... Eberl ist bei 2 von 2.

Da ist das Bier aber noch gar nicht leer. Also das Schlimmste haben wir noch vor uns: Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic und Lennart Karl. Musiala ist schon Weltklasse. Karl und Pavlovic haben das offensichtliche Potenzial, diese zu erreichen. Alle drei kommen aus der eigenen Akademie. Pavlovic und Karl können sogar behaupten, dass sie nie einen anderen Verein hatten, da sie vor der U17 zum Rekordmeister kamen. Musiala wurde ja technisch gesehen von Chelsea geholt.

Das, was ich mir von den Dortmundern immer erhofft habe, ist jetzt bei den Bayern passiert: Sie haben eine starke Generation von Eigengewächsen. Nun ist Toni Kroos der offizielle Beweis, dass so ein "Eigengewächs" auch nicht immer ewig bleiben. Aber der kam ja technisch gesehen vom FC Hansa. In der Regel sie bleiben länger bei ihrem Heimatverein, als die Dortmunder Im- und Export Diamanten. 

Das ist auch etwas, was die Bayern Fans völlig falsch verstanden haben, als Lennart Karl leichtfertig von Real Madrid geträumt hat: Madrid ist wahrscheinlich der einzige Verein, der sich berechtigte Hoffnungen auf einen Karl Transfer machen darf. Wenn ihr Olise oder Díaz fragt, werden die da Real, Barca, Man City und Liverpool ins Spiel bringen. Arsenal London ist auch nicht mehr weit weg. Und aus Nostalgie Man United. Bei Karl muss man sich, wenn er seine Ansage ernst gemeint hat, nur bei einem einzigen Verein sorgen machen.

Selbst wenn Pavlovic "nur" zwischen Welt- und internationaler Klasse pendelt und Karl sich nur auf der internationalen Klasse einpendelt, habe die Bayern immer noch ihre moderne Version von Lahm, Schweinsteiger und Müller. Und zu deren Höhepunkt 2014 war man international Wettbewerbsfähig. 

Man muss hier mal wieder festhalten, dass ich mit dem Begriff "Weltklasse" sehr sparsam umgehe. Das ist die absolut höchste Kategorie, die nur für die wirklich Allerbesten verwendet werden sollte. Müller war für mich nie Weltklasse, aber er war trotzdem ein sehr guter und sehr wichtiger Spieler im System der Bayern. Schweinsteiger war es um 2014, aber nicht auf seine gesamte Karriere gesehen. Er hat ja auch gefühlte Ewigkeiten gebraucht, um seine Position im Defensiven Mittelfeld zu finden. Lahm war derjenige, der konstant und auf verschiedenen Positionen auf allerhöchstem Niveau abgeliefert hat. Der war ein Jahrzehnt lang wirklich Weltklasse.

Jetzt stellt euch das Best/Worst-Case-Szenario vor und die Bayern bekommen 3 Spieler von Lahm's Qualität und mit Lahm's Identifikation. Dann hätten die Bayern für die nächsten 10 Jahre ihren Kern im Mittelfeld gefunden und müssen "nur" noch die Ergänzungen für diese 3 Spieler finden. Und sie haben einen Manager, der diese Ergänzungen offensichtlich findet. Praktisch muss man nur einen Nachfolger für Harry Kane verpflichten und dann ist man im Wesentlichen herausragend aufgestellt.

Die Frage ist ja: Wie schlimm ist das jetzt für die Liga? Also einerseits bekommt man ein international relevantes Flaggschiff. Andererseits werden die Bayern mindestens 9 von 10 Meisterschaften holen, solange diese 3 fit und in Form sind. Sie dominieren ja jetzt schon, wo "der Alte" verletzt ist und die beiden anderen noch verdammt jung sind. Das wird nur noch schlimmer.

Auch wenn das eigentlich unmöglich erscheint: Die nächsten 10 Jahre könnten noch dominanter werden, als die letzten 10. Und irgendwann wird das dazu führen, dass der gemeine Fan abschaltet...

Montag, 6. April 2026

Was mich ja an der Undav Debatte so stört

Eines vorne Weg: Die Kommunikation von Julian Nagelsmann kann man kritisieren. Muss man aber nicht. Deniz Undav ist ein erwachsen, Multimillionär und Vollprofi. Wenn Nagelsmann jetzt mit den öffentlichen Ansagen dessen Gefühle verletzt hat, dann muss der das halt ertragen, wie ein richtiger Mann. Macht er ja auch. Aber die Experten im Land weinen für ihn. Und das sehr einseitig.

Wobei man ja auch da ein paar Dinge relativieren muss. Also Nagelsmann hat ja erst intern die zu erwartenden Rollen abgesprochen. Dann hat Undav nach seinem Treffer höhere Ansprüche gestellt und darauf hat Nagelsmann dann ebenfalls öffentlich reagiert. Derjenige, der das Thema also in die Öffentlichkeit getragen hat, war Undav. Und ja ein generisches "Ich will der Mannschaft helfen, egal in welcher Rolle" hätte uns die ganze Debatte erspart.

Wie einseitig die geführt wird, ist aber wieder faszinierend. Ich verlinke hier mal demonstrativ den Doppelpass Zusammenschnitt für die allgemeine Position zur Lage in den deutschen Medien. Nur die TZ hat sich getraut, da eine Gegenmeinung "zu drucken". Dabei ist es nicht nur Julian Nagelsmanns gutes Recht, Undav nur für die Rolle des Jokers einzuplanen... ich würde sogar behaupten, es ist seine Pflicht.

Jetzt komme ich mal mit einer für alle Experten in diesem Land: Die deutschen Schlüsselspieler in der Offensive heißen Florian Wirtz und hoffentlich Jamal Musiala. Auch ich will ja, dass die in Bestbesetzung scheitern... Das sind die talentiertesten und besten "Angreifer", die wir haben. Das sind die beiden, die für Weltklasse stehen. Also absolute und richtige Weltklasse, nicht dieses "Er hat in der Bundesliga viele Tore erzielt, also reden wir uns das ein". Und das sind einerseits keine Mittelstürmer, aber andererseits Spieler, die oft in den Strafraum ziehen.

Vielleicht, absurder Gedanke, versucht Nagelsmann einfach nur, diese beiden in die bestmöglichen Positionen zu bringen. Und den Rest baut er dann drumherum. Und Deniz Undav hat halt eine Heatmap, die sehr zentrumslastig ist. Optimisten sagen: Der hat seine Stärken im Strafraum. Kai Havertz und auch Nick Woltemade können aber auch zurückgezogen aufgestellt werden. Sie sind um einiges flexibler in ihrer Spielgestaltung. Und sie sind halt auch hilfreich, wenn sie gerade nicht treffen. Auf solche Spieler zu setzen, um die Stärken der wichtigsten Spieler zu unterstützen, ist erschreckend vernünftig.

Das ist nebenbei der nächste Punkt, den jetzt viele völlig falsch darstellen. Also es gibt ja genügend Leute, die darauf hinweisen, dass Undav durchaus spät treffen kann und Nagelsmann's "Wenn er vorher 70 Minuten marschiert ist" als widerlegt betrachten. Aber vielleicht hat Nagelsmann einfach andere Erwartungen ans "Marschieren" als ein Sebastian Hoeneß. Fairerweise habe ich zu wenig vom VfB Stuttgart gesehen, um zu beurteilen, wie aktiv ein Undav da pressen muss. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass man ihm da beim VfB mehr Freiheiten gewährt, weil er für deren Verhältnisse ein überragender Stürmer ist. In der Nationalmannschaft wird er diese Freiheiten nicht bekommen und muss dann wahrscheinlich mehr arbeiten, als er das im Alltag gewohnt ist.

Eines steht ja fest: Undav ist im Abschluss verdammt stark. Aber auch eben nur da. Ehrliche Frage: Wann hat Undav zuletzt ein gutes Bundesliga-Spiel gemacht, ohne zu treffen? Schlagen wir das mal nach. Also als "gut" gilt hier alles, was eine Kicker-Note von mindestens 2,5 hat. Die Antwort lautet: bei der 0:1 Niederlage gegen Heidenheim... in der letzten Saison.

Nebenbei ist es auch wieder faszinierend, wie hier die Bundesliga überhöht dargestellt wird. Ja, Deniz Undav hat in der Liga gerade eine überragende Quote. Schön für ihn und für den VfB. Aber sie sind halt auch gemeinsam im Europacup gescheitert. Am FC Porto. Im Achtelfinale. In der europäischen Zweitklassigkeit. 

In der Königsklasse steht Undav bei einem Tor und einer Vorlage in 6 Spielen. In der Premiere League sind es 5 Tore in 22 Spielen. Wir haben also einerseits einen Kai Havertz, der bei Arsenal, dem englische Tabellenführer, nach langer Verletzung wieder eine wichtige Rolle spielt. Und der bereits nachgewiesen hat, dass er ein Champions League Finale mit einem Treffer entscheiden kann. Der eine hat schon mal auf allerhöchstem Niveau den Unterschied ausgemacht. Der andere trifft nur in der Bundesliga. Jetzt erzählen mir alle, dass der andere unbedingt spielen muss.

Und ja, 2021 ist lange her und Havertz war zuletzt oft verletzt. Aber wenn der Junge bis zum Sommer wieder ins Laufen kommt, ist er deutlich besser als Undav. Dann schadet es nicht, dass er sich zumindest mit Wirtz schonmal einspielen konnte. Und wir haben ja während der letzten EM gelernt, dass auch großartige Spieler sich durchaus einspielen müssen und sich nicht unbedingt blind verstehen.

Vor allem muss man mal eines festhalten: Die Bundesliga ist im internationalen Vergleich nicht wirklich gut. Also Undav war gegen Borussia Dortmund eher grausam als gut. Dortmund ist gegen Atalanta Bergamo in der Zwischenrunde ausgeschieden. Einer Mannschaft, die dann gegen die Bayern komplett chancenlos waren. Was bringt es uns da, dass Undav gegen die restlichen Bundesligisten viele Tore erzielt?

Und ja, das ist eine grobe Vereinfachung, weil Undav ja im Hinspiel gegen Dortmund 3-fach getroffen hat. Es ist also nicht so, dass er nur gegen die Kleinen trifft. Aber Dortmund gehört diese Saison ganz sicher nicht zu den Top 10 Europas. Vielleicht gehören sie nicht mal zur Top 20. Aber sie sind mit Abstand die zweitbeste Mannschaft der Liga. Das bedeutet auch nur: Der Rest der Liga ist froh, wenn er in den Top 30 auftaucht. Aber wenn man als Experte darauf hinweist, dass die Bundesliga, abgesehen von den Bayern, im internationalen Vergleich eher mittelmäßig daher kommt, nimmt man sich seine eigene Relevanz. Also redet man sich lieber ein, dass Undav in die Startelf gehört, weil er in einer mittelmäßigen Liga häufig trifft.

Man muss das nebenbei hier nochmal festhalten: Das ein Star im Vereinstrikot in der Nationalmannschaft nur von der Bank kommt, ist etwas völlig Normales. Also ich nehme hier mal ein wirklich passendes Beispiel, weil wir in beiden Fällen von "Spätstartern" sprechen: Oliver Bierhoff hat vor der EM 1996 17 Tore in der Serie A erzielt. Er wurde trotzdem vor der EM als 3. oder 4. Option eingeplant. Hinter Jürgen Klinsmann, klar. Aber auch hinter Stefan Kuntz und Fredi Bobic. Das sind jetzt im internationale Vergleich nicht die relevantesten Namen. Trotzdem hat am Ende Bierhoff das Finale entschieden, obwohl er vorher 3 Spiele lang nur auf der Bank saß. 

Ihr werdet, gerade im Offensivbereich, wo sich Leistungen leichter erfassen lassen, immer wieder Spieler finden, die sich mit einer wesentlich kleineren Rolle anfreunden müssen. Das vorher klar und deutlich zu kommunizieren, damit sich ein Undav darauf einstellen kann, ist ein vernünftiger Ansatz.

Donnerstag, 26. März 2026

Die Rüdiger Debatte ist so dumm

So unfassbar dumm.

Und im Zentrum steht schon wieder... Mario Basler. Der hat es sich anscheinend zum Ziel gesetzt, Didi Hamann vom Thron zu stoßen. Wenn man auf dem Platz alles erreicht hat, muss man sich jetzt absurde Ziele setzen.

Basler hat jetzt seine DFB-Trainerlizenz zurückgegeben, weil der DFB Rüdiger für die Nationalmannschaft nominiert hat, nachdem der, und jetzt kommt es, als Verteidiger ein hartes Foulspiel begangen hat. Und weil er seine Gegner als Verteidiger gerne provoziert. 

Rüdiger hat sich dazu ja auch geäußert. Und er hat da einen verdammt wichtigen Satz gesagt: "Wir müssen wieder dahin kommen, dass es maximal unangenehm ist, gegen Deutschland zu spielen."

Das ist das völlig bekloppte an dieser Situation: Dieselben Leute, die sonst immer heulen, dass es keine Typen mehr gibt und "wir" zu viele brave Chorknaben haben, wollen jetzt den einen Typen, den diese Truppe hat, nicht im Trikot der Nationalmannschaft sehen.

Ja, Rüdiger provoziert mit teilweise übertriebenen Gesten. Er will seine Gegner einschüchtern. Und er schont weder seinen noch deren Körper. Genau das wollen "wir" doch eigentlich sehen. Genau das hat doch zuletzt so oft gefehlt. Er sagt eigentlich in dem Interview genau das, was "wir" sonst immer hören wollen: "Wir müssen als Einheit so unangenehm zu bespielen sein, dass der Gegner schon im Tunnel keinen Bock mehr hat." Wenn Joshua Kimmich diesen Satz sagen würde, gäbe es tosenden Applaus...

Nebenbei würde ich hier mal eine interessante Umfrage unter den Spielern in Spanien einbauen. Da wird auf die Frage "Welcher Spieler in La Liga wird am wahrscheinlichsten vom Platz fliegen?" (oder, um es verständlicher auszudrücken, wer ist euer Dominik Kohr) mit "Jeder Spieler von Getafe" geantwortet. Das ist in dem Moment wichtig, weil das letzte harte Foul von Rüdiger gegen Getafe war. Vielleicht hat "nur" der anscheinend nach einer Umfrage der Spieler unangenehmsten Mannschaft im Land ganz klare Grenzen gesetzt. So einen Spieler willst du in giftigen Duellen auf deiner Seite haben.

Noch viel lustiger: Während wir eine sinnlose Debatte über das "Sicherheitsrisiko" Antonio Rüdiger führen, fehlt sein Name bei der "Dominik Kohr Umfrage" komplett. Den Spielern, die sich ständig mit Rüdiger beschäftigen, fallen 13 Spieler ein, die laut ihrer Meinung ein größeres Sicherheitsrisiko darstellen. Und wir, die die spanische Liga kaum verfolgen, machen uns dann Sorgen über Rüdiger.

Fun Fact: 3,3 % geben zu, dass es wahrscheinlicher ist, dass sie gegen Real Madrid oder Barcelona vom Platz fliegen, als dass es Rüdiger trifft. Womit sie natürlich den Schiedsrichtern eine gewisse Bevorteilung und Einschüchterung vorwerfen. 

Rüdiger selbst ist nebenbei in seiner Karriere in 600 Spielen 7 Mal vom Platz geflogen. Das ist jetzt nicht übermäßig viel. Vor allem, wenn das viele "Jugendsünden" dabei sind: Seit 2017/18 steht plötzlich nur noch ein einziger Platzverweis in der Vita. Im Pokalfinale gegen Barcelona... In der 123. Minute. 12 Minuten nach seiner Auswechslung.

Also ja, er hat die Arschloch-DNA von Real Madrid voll aufgesogen. Er hat in diesem Moment bewiesen, dass er ein schlechter Verlierer ist. Aber ganz sachlich gesehen ist er seit dem 23.02.2017 nicht mehr "vom Platz geflogen". Er hat aber, mit dieser aggressiven Spielweise, 2 Champions League Titel gewonnen. Jeweils als Stammspieler. 2021 mit einer sehr guten Leistung

Nebenbei, nur der Vollständigkeit halber, ist Rüdiger in 81 Länderspielen noch nie vom Platz geflogen. Er kommt auch "nur" auf 14 Verwarnungen. Und ja, gegen Spanien im Viertelfinale hat er seine 2. Gelbe Karte gesehen und wäre deswegen im Halbfinale gesperrt gewesen... weil er 2 Gelbe Karten in 5 Spielen als Stammspieler in der Innenverteidigung gesehen hat. Hier muss man festhalten, dass Rüdiger in der Situation nur verhindert, das Dani Olmo in den Strafraum durchstartet. Kein böses, aber ein wichtiges Foul. Hier gibt es eine etwas bessere Sicht mit arabischen Kommentar. Man könnte quasi von einem Michael Ballack-esquen Einsteigen reden, wenn man Rüdiger wohlgesonnen wäre: Er opfert sich für die Mannschaft, um eine große Chance zu verhindern... auch wenn das eine persönliche Sperre bedeutet.
Dass es die erste Gelbe Karte fürs Meckern gab, ist da natürlich eher ungeschickt. Aber das war die eine EM, bei der die "Kapitänsregel" plötzlich umgesetzt wurde und da wurde dann nicht nur Rüdiger überrascht.

Noch viel wichtiger: Rüdiger verteidigt im Viertelfinale hinterher trotz der Verwarnung gegen die quirligen Spanier weitere 110 Minuten. Als Julian Nagelsmann in der 80. Minute als Ausdruck der Verzweiflung die Viererkette auflöst und Thomas Müller bringt, geht Jonathan Tah runter und nicht das angebliche Sicherheitsrisiko... Aber Rüdiger lässt auch nach der Auflösung der Viererkette und trotz Verwarnung wenig anbrennen. Es gibt verdammt wenige Verteidiger weltweit, denen man so was zutrauen könnte. 

Warum Rüdiger so kritisch gesehen wird, ist auch logisch: Er ist halt früh ins Ausland gewechselt, anstatt es sich bei den Bayern bequem zu machen. Toni Kroos musste sich ja nach seinem Wechsel auch ständig irgendwelchen Bullshit anhören... Oh und Rüdiger ist schwarz und Muslime, das macht es nicht besser.

Das ist auch wieder faszinierend, weil ja gerade eine Doku über Mesut Özil durch die Öffentlich Rechtlichen geht. Die muss ich auf meine To Do Liste setzen. Özil hat sich ja am Ende öffentlich darüber beschwert, dass er immer der dumme Migrant war, wenn es für die Nationalmannschaft nicht lief. Ich habe ja selber damals aufgezeichnet, wie absurd es war, dass alte weiße Männer ihrem ehemaligen Vorbild für Integration die Kompetenz abgesprochen haben, sich zu diesem Thema zu äußern...

Bei Özil konnte man sich ja wenigstens noch einreden, dass es "Schönspieler" in diesem Land immer schwerer hatten und diese kritische Haltung also relativ normal war. Rüdiger wird jetzt vorgeworfen, dass für kompromisslose Härte und konsequente Zweikampfführung steht. Also die deutschesten Tugenden, die man sich vorstellen kann. Auch Rüdiger ist eines dieser offensichtlichen Beispiele, dass Spieler, die nicht wie eine richtige deutsche Kartoffel aussehen, einen schwereren Stand haben, als ein richtiger Treter Deutscher.

Dienstag, 24. März 2026

Dortmund trifft eine richtige Entscheidung

 Das ist ja mal eine Überraschung. Die schaffen es echt mal jemand Externes in eine Führungsposition zu bringen und sich dort wirklich neu aufzustellen. Das könnte richtig spannend werden.

Ich habe Dortmund ja oft genug kritisiert, dass sie zum Beispiel einen Lars Ricken fleißig weiter befördert haben, obwohl des ja eigentlich wenig geleistet hat. Also ja, die Jugendarbeit ist auf den ersten Blick gut, weil man viele Meisterschaften holt. Und man kauft sich verdammt viele Talente, was einem den Ruf als großartiger Weiterbildungsverein eingebracht hat. Aber die eigentliche Aufgabe erfüllt die Jugendabteilung halt nicht: Eigengewächse an die Profimannschaft heranführen. Egal ob das jetzt Paris Brunner, Felix Passlack, Tom Rothe oder Marco Reus ist... alle mussten ihr Glück woanders suchen.

Aber Lars Ricken wurde trotzdem zu einem der höchsten Verantwortlichen im Verein befördert, weil er als Leiter des Jugendzentrums die großartigen Talente, die aus dem Ausland verpflichtet wurden, für jeweils ein halbes Jahr betreut hat... oder so.

Bei Sebastian Kehl war die Lage halt ähnlich: Man brauchte einen Nachfolger für Michael Zorc, also guckte man sich um, welcher ehemaliger Spieler einen dieser Pseudo-Studiengänge der UEFA absolviert hat und wurde beim Kapitän der letzten Meistermannschaft fündig. Wie praktisch, denn mehr Vereins-DNA geht ja nicht.

Aber irgendwelche praktischen Arbeitsnachweise, dass er für diese Aufgabe geeignet ist, wurden nicht verlangt. Warum auch? Es ist ja nur der wichtigste Posten im Verein.
Es ist nebenbei wirklich faszinierend, wie viele Vereine einfach auf unerfahrene Ex-Spieler mit UEFA-Management Studium (oder einem Äquivalent) setzten. Also selbst die an sich so großen und mächtigen Bayern sind mit Hasan Salihamidžić, Oliver Kahn und Christian Nerlinger in diese Falle getappt. Erinnert sich noch irgendwer an Nerlinger? Den wollten sie zum Hoeneß Nachfolger machen, nachdem er ein Studium der internationalen BWL an der Munich Business School absolviert hat. Er hat das so erfolgreich gemacht, dass er direkt in den Ruhestand gehen konnte.
Mittlerweile hat man dann doch einen Max Eberl verpflichtet, der sich durch hervorragende Arbeit für die Konkurrenz in Gladbach und Leipzig empfohlen hat.

Nebenbei zeigt die TSG 1899 Hoffenheim gerade, wie krass sich das auf einen Verein auswirken kann, wenn man sich externe Expertise für den Posten des Managers holt. Also nur um zu verdeutlichen, wie krass sich das auf die Ergebnisse und Spielweise auswirken kann, wenn man sich einen fähigen, externen Manager holt.

Jetzt muss man auch festhalten, dass Sebastian Kehl's Bilanz nicht wirklich gut ist. Also gemessen an den berechtigten Ansprüchen "Die Nummer 2 in Deutschland" zu sein. Da gab es ganz praktisch den einen "Miracle Run" ins Champions League Finale 2024. Das war beeindruckend. Und hätten sie da den Titel geholt, hätten sie Kehl auch für die nächsten 10 Jahre behalten. Aber der Konjunktiv ist der beste Freund des Verlierers.

Und gewonnen hat man in den 8 Jahren mit Kehl am Ende nur einen Titel. Man wurde 2021 DFB-Pokal Sieger. Also um das mal in Relationen zu setzen: RB Leipzig hat in demselben Zeitrahmen 2 Pokalsiege errungenBayer Leverkusen holte 2023/24 das Double. Und Eintracht Frankfurt gewann den DFB-Pokal und die Europa League 2022. Wenn es nur nach Titeln geht, ist man nur die Nummer 5 im Land. Auf Augenhöhe mit dem VfB Stuttgart.

Man vergisst ja bei der erdrückenden Dominanz der Bayern in der Liga gerne, dass die seit 5 Jahren nicht mehr im Pokalfinale in Berlin standen. Es hätte dort durchaus die Möglichkeit gegeben, mehr als diesen einen Titel zu holen. 
Und nebenbei wurde man auch "nur" 4-mal Vizemeister. Es gibt also durchaus berechtigte Einwände gegen den "Nummer 2" Status.

Da dann einen neuen Impuls zu setzen, ist plötzlich sehr nachvollziehbar. Also abgesehen davon, dass Dortmund genau das bisher immer nicht gemacht hat. Und mit Nils-Ole Book holt man eine der interessantesten Personalien des Landes. Er hat in Elversberg nachgewiesen, dass er einen Verein weit nach oben führen kann. Und er hat auch bewiesen, dass er den Abgang vom Startrainer Horst Steffen kompensieren kann. Nur um da nochmal festzuhalten, dass der Sportdirektor oftmals wichtiger ist, als der Trainer.

In Dortmund wurde dieser Posten über 20 Jahre lang exklusiv an verdiente Ex-Spieler gegeben. Erstmals seit 2005 sucht man sich zum ersten Mal jemand Fremdes für diesen Posten. Vorher gab es den einfach nicht. Es ist also wirklich ein historischer Moment.

Natürlich kann es sein, dass Book noch nicht bereit für die ganz großen Verhandlungstische des Fußballs ist. Anstatt Spieler für 8 Millionen zu verkaufen, soll er jetzt 80 Millionen rausholen. Aber im Gegensatz zu Sebastian Kehl saß er immerhin schon mal an so einem Verhandlungstisch und hat praktische Erfahrungen. Vor allem ist es aber eine große Chance für den Verein die KoGA.

Lustig finde ich nebenbei, dass man aus den Dortmunder Kommentarspalten hört, dass mit Kehl der Falsche geht. Dass es eher Lars Ricken sein sollte, den man weglobt. Da gehe ich offensichtlich sogar mit. Angeblich sollen Ricken, Watzke, Kovac und Sammer der unbequemen Stimme von Kehl entsorgt haben und sich einen Ja-Sager an ihre Seite holen. Das finde ich faszinierend.

Also vor allem einen Matthias Sammer so etwas vorzuwerfen, ist schon absurd. Das war doch immer jemand, der keiner unangenehmen Debatte aus dem Weg geht. Aber er war auch einer, der konstruktiv mit diesen kritischen Stimmen umgeht und diese fördert.

Wenn das wirklich der Plan wäre, hätte Dortmund sich doch nicht eine der heißesten Aktien im Managermarkt geholt, sondern einfach Mats Hummels diesen Posten angeboten.
Oder... nope, kein "oder", Hummels ist die einzige Option. Marco Reus und Lukas Piszczek spielen noch und Emre Can ist ja nicht invalide, sondern nur verletzt. Vielleicht hat man sich ja doch in den eigenen Reihen umgeguckt und festgestellt, dass man einfach keine internen Kandidaten hat, weil alle Spieler den Verein viel zu früh verlassen.

Freitag, 20. März 2026

Der Einbruch der Engländer ist schon dramatisch.

 Richtig schlimm. In den Hinspielen konnte nur Aston Villa sein Spiel gewinnen. Das ist als Gesamtbilanz ungefähr so schlecht, wie die Bundesliga, für die nur die Bayern gewinnen konnten.

Und jetzt, nachdem die Rückspiele bestritten wurden, sind tatsächlich 4 Vereine ausgeschieden. Wie peinlich. Oder aber man stellt fest, dass mit Liverpool, Arsenal, Nottingham ForestAston Villa und Crystal Palace noch 5 Vereine international vertreten sind. Und dass die Engländer in der "Wer bekommt einen zusätzlichen Startplatz" Tabelle dem Rest meilenweit enteilt sind. Also man hat schon wieder unfassbare 4 Punkte Vorsprung vor der zweiten Nation, was derzeit die Spanier sind. Man kann sich im groben darauf einstellen, dass einer der beiden 5. Startplätze IMMER an die Engländer gehen wird.

Also es werden jetzt plötzlich Regeländerungen gefordert, weil es eben nicht sein kann, dass die maximal 6 Engländer in der Gruppenphase nicht aufeinander treffen können. Denn das führt zu absurden Einschränkungen, von denen am Ende die Engländer profitieren. Falls euch also irgendjemand einreden will, dass die Premiere League gerade schwächelt, müsst ihr dabei immer eines bedenken: Das Niveau, auf dem die Schwächeln, muss man erstmal erreichen.

Und natürlich muss man über die in der Champions League gescheiterten Mannschaften reden. Aber auch da ist der Kontext verdammt wichtig. Fangen wir mal mit den Tottenham Hotspur an. Die stecken, wie auch Nottingham, gerade im Abstiegskampf. Nicht nur das, sie beendeten die letzte Saison auf Platz 17 und damit direkt über dem Strich. Das ist also kein einmaliger, nicht zu erklärender Ausrutscher, sondern eher deren aktuelles Leistungsvermögen. Das ist ein wenig, als würde man Werder Bremen an der Champions League teilnehmen lassen. Glaubt irgendjemand, dass die besser aussehen würden, als Tottenham? Wenn selbst die an sich ja gut dastehenden Frankfurter in der Gruppenphase gescheitert sind?

 Dass sie trotzdem Champions League spielen durften, lag an ihrem Sieg in der Europa League. Das muss man an der Stelle dringend festhalten: Es könnte durchaus leichter sein, sich über den internationalen Titel zu qualifizieren, als über die englische Liga. Und das dürfte den Engländern mittlerweile auch aufgefallen sein.

Also "früher" haben die ja gerne mal eine B-Mannschaft in der Europa League aufgestellt. Mittlerweile bestreitet zumindest Aston Villa ihre K.O. Spiele mit der bestmöglichen Mannschaft. Bei Nottingham sieht das wahrscheinlich ein wenig anders aus, aber die stecken ja, wie auch Tottenham, tief im Abstiegskampf. Die haben also tatsächlich ihre komplette Startelf vom Wochenende auf die Bank rotiert.

Aber man muss hier nochmal festhalten: Die B-Elf eines Abstiegskandidaten in England kann immer noch mit einer dänischen Spitzenmannschaft mithalten. Am Ende werden die sich ärgern, dass sie sich im Elfmeterschießen durchgesetzt haben, weil sie eigentlich all ihre Energie in den Abstiegskampf stecken sollten...

Manchester City, Newcastle und Chelsea haben natürlich richtig auf den Sack gekriegt. Aber die haben auch gegen Real Madrid, Barca und Paris St. Germain gespielt. Sind wir uns wirklich sicher, dass die Bayern gegen diese Mannschaften so viel besser aussehen würden? Und versteht mich nicht falsch: Die Bayern wirken gerade richtig stark. Und sie haben Paris schon geschlagen. Aber das Spielzeug des Ölscheichs hat bereits nachgewiesen, dass sie im Frühjahr einige Gänge hochschalten können. Genauso wie Real das jedes Jahr nachweist. Und Barca spielt schon das ganze Jahr über begeisternden Offensivfußball.

Alle 3 sind gegen absolute Titelfavoriten ausgeschieden. Alle würden am Viertelfinale teilnehmen, wenn ihnen die Losfee Duelle mit Bodö/Glimt oder Lissabon beschert hätte. Das ist kein "Riesen-Problem" wie unter anderem der Kicker in seiner Schlagzeile nach dem Hinspiel behauptete. Das ist immer noch Jammern auf extrem hohen Niveau.

Aber das ist halt auch die hysterische Deutsche Presse und seine Experten. Also nur um das nochmal festzuhalten: Nach dem Hinspiel gegen Celtic hat Sami Khedira dem VfB Stuttgart eine Titelchance bescheinigt. Und der Kicker hat das gedruckt. Danach verlor der VfB direkt 3 Europacupspiele infolge und ist somit souverän ausgeschieden. 

Mittwoch, 18. März 2026

Der ganz normale Wahnsinn in Polen

 Also eigentlich sollte es "ganz normal" sein. 

Es haben sich ja schon einige mit der angeblich so absurden Saison und Situation in der polnischen Extraklasse beschäftigt. Alfie Pots Hammer von noch HITC Sevens zum Beispiel. Lustigerweise sind seinem Manager derartige Videos zu lang. Wir sollten sie also genießen, solange wir noch können.

Die aktuelle Saison ist noch knapper als sonst. Aber dass in Polen die Saison erst im Schlussspurt entschieden wird, ist relativ normal. 2022/23 wurde zuletzt die Meisterschaft frühzeitig entschieden. 2020/21 konnte zuletzt eine Mannschaft den Titel verteidigen

Das war nebenbei das Ende der Phase, in der Legia Warschau tatsächlich sehr dominant waren und 7 von 10 Meisterschaften gewinnen konnte. Legia war wirklich dicht dran, die Liga zu brechen und die absolute Dominanz zu erreichen. Aber ihnen fehlte dafür ein entscheidender Schritt.

Denn Legia Warschau hat in dieser Phase verpasst, sich in der Champions League einzunisten. Lediglich 2016/17 nahm man an der Gruppenphase teil, bekam also seinen Anteil der richtig fetten Fleischtöpfe. Man konnte aber nur ein einziges Spiel in der Gruppenphase gewinnen, bekam also wirklich nur die Antrittsprämie. Aber es gab ein beachtenswertes 3:3 gegen Real Madrid. In allen anderen Jahren scheiterte man in der Qualifikation.

Das bedeutet ganz praktisch: Die polnische Liga ist nicht "bekloppt", sondern eine der wenigen Ligen, die nicht durch die Millionen der Champion League kaputt gemacht wurde. Und vor der Einführung der Lizenz zum Gelddrucken waren alle Ligen so, wie die polnische gerade ist.

Praktisches Beispiel gefälligst? In der Bundesliga gab es in den 10 Jahren von 1990 bis 99 5 unterschiedliche Meister. Kaiserslautern und Dortmund wurden 2 Mal Meister. Werder Bremen und der VfB Stuttgart je einmal. Und die Bayern holten insgesamt 3 Titel. 

Im Jahr 2000 wurde dann die Gruppenphasen eingeführt. Das Teilnehmerfeld wurde auf 3-4 Mannschaften der Spitzenligen erweitert. Dadurch wurde nebenbei sichergestellt, dass Bayern auch in der Königsklasse mitspielt, wenn sie mal nicht Meister werden. Auch wenn dieser Schritt formell gesehen schon 1996/97 vollzogen wurde.  

Die logischen Konsequenzen: Während man in den 90ern noch 3 Mal am UEFA Cup teilgenommen hat, musste man seit der Jahrtausendwende nur ein einziges Mal beim "Cup der Verlierer", wie Franz Beckenbauer diesen Wettbewerb nannte, mitspielen. In allen anderen Jahren gab es immer das Königsklassengeld.
Wenig überraschend gewannen die Bayern in diesem Jahrtausend 19 von 26 Meisterschaften. Tendenz steigend. 

Das ist jetzt auch keine ganz neue Erkenntnis. Dass die Champions League die nationalen Ligen kaputt gemacht haben, ist ja irgendwie allen bewusst. In Spanien gab es in den letzten 20 Jahren nur noch 3 unterschiedliche Meister. Halt die 3 großen mit Real, Barca und Atlético Madrid, die regelmäßig an der Champions League teilnehmen und dort auch weit kommen. In den 20 Jahren davor waren es mit Bilbao, Valencia, Deprotivo und den 3 großen noch 6 unterschiedliche Meister. In der Serie A sind sie froh darüber, dass die pure Dominanz von Juventus Turin am Ende durchbrochen wurde. Allerdings ist Inter da auf einem relativ guten Weg, eine neue Serie zu starten. Also die werden jetzt das 2 Mal in 3 Jahren Meister und haben zuletzt 2 Mal das Finale der Champions League erreicht. Sie haben also die besten Voraussetzungen um 6 Mal infolge Meister zu werden.

Inter und Juventus waren ja schon mal kurz davor, die Liga komplett zu brechen. Von 2002 bis 2021 teilten die beiden Vereine 17 von 19 Meisterschaften unter sich auf. Juventus musste zwischendurch einen Zwangsabstieg verdauen, hatte aber dank der Champions League einen derart großen Vorsprung, dass das wirklich nur eine kleine Delle bedeutete. Und Italien ist eine Liga, die ja auch 4 Starter in diesem Wettbewerb hat. Trotzdem wurde man lange von 2 Vereinen dominiert.

Nebenbei können wir jetzt live dabei zugucken, wie die Champions League die nächste Liga kaputt macht. Denn für uns als Europäer ist die Geschichte von Bodö/Glimt ein wunderbares Fußballmärchen. Für die Norweger ist es der pure Horror.
An der Stelle muss man hier mal einfügen, dass Glimt nur so gut ist, weil es von Dezember bis Februar zu Hause praktisch unschlagbar ist. Das könnte daran liegen, dass es für jede Mannschaft Europas extrem unangenehm ist, im Winter nördlich des Polarkreises anzutreten. Das ist aber einer der absurden Nebeneffekte der neuen Europacup-Reform. Denn im "Alten System" hatten die Mannschaften aus den eher kälteren Regionen am letzten Spieltag immer ein Auswärtsspiel. Damit gab es von Ende November bis Mitte März einfach keine Heimspiele. Jetzt konnte Glimt Manchester CityInter MailandBesiktas, Maccabi Tel Aviv, Twente Eschede und Olympiakos Piräus im skandinavischen Winter besiegen. Das waren nur die letzten 2 Jahre... Das waren aber alles Ansetzungen, die es im "alten System" nie gegeben hätte. Und ohne den Sieg gegen City hätten sie nicht mal die Zwischenrunde erreicht. 

Man muss aber definitiv festhalten, dass dort ein absurd guter Job gemacht wird. Aber auf diese hervorragende Arbeit werden jetzt noch massig Geld gekippt. Dank des Ausscheidens der Dortmunder können wir ja festhalten, dass allein das Erreichen des Achtelfinales zusätzliche 11 Millionen Euro gebracht hat. 

Norwegen dürfte sich gerade darüber gefreut haben, dass die Dominanz von Rosenborg Trondheim durchbrochen wurde. Trondheim war der Serienmeister zur Einführung der Champions League. Sie spielten bis 2008 auch noch regelmäßig in der Gruppenphase, verloren dann aber, wie auch der norwegische Fußball insgesamt, den Anschluss. Wie Trondheim das verkackt hat, müsste man wahrscheinlich gesondert studieren, denn sie haben es ja gerade am Ende nicht geschafft, trotz der absurden Millionen die Dominanz aufrechtzuerhalten. 

Aber die 13 Meistertitel in Serie wurden 2005 durch Välgerena Fotball Elite durchbrochen. Danach nahm Trondheim noch 2 Mal an der Gruppenphase teil und danach kam ganz lange nichts mehr. Dafür gab es mit Välgreana, Rosenborg, SK Brann, Stabaek Fotball, Molde FK, Strömsgodset IF, FK Bodö/Glimt und Viking FK 8 unterschiedliche Meister in 21 Jahren. Das sind dich polnische Verhältnisse: Kaum war der Champions League Vorsprung von Trondheim aufgebraucht, gibt es einen offenen und spannenden Wettbewerb.

Nur hat Glimt jetzt schon 4 der letzten 6 Meisterschaften für sich entschieden. Und dank der eigenen Leistungen darf man jetzt auch als Vize-Meister an der Champions League Qualifikation teilnehmen. Dass man den letzten Titel knapp verpasst hat, ist also auch egal.
Falls Glimt es jetzt durch die Quali schafft und sich nächstes Jahr wieder für die Champions League Gruppenphase qualifiziert, werden sie mindestens 8 der nächsten 10 Meisterschaften holen. Und die einzige Hoffnung, die die Norweger haben, ist ein Scheitern des eigentlichen Hoffnungsträgers. Denn es ist im Fußball wie in der Wirtschaft: Es gibt keinen "Trickle Down Effect". Es gibt nur ein "Die Reichen werden immer reicher." Und Bodö/Glimt macht gerade den Sprung zu den Reichen.

Um den Bogen zurück zur polnischen Extraklasse zu schlagen: Es ist wirklich faszinierend, wie tief und fest die Indoktrinierung der Champions League nach 25 Jahren ist. Wir halten die Dominanz von einer bis 3 Mannschaften, die die Konkurrenz nach Belieben platt machen für völlig normal. Und wenn wir dann eine an sich gesunde Liga mit ausgeglichener Konkurrenz sehen, nennen wir das "bekloppt". Wir haben alle anscheinend vergessen, dass alle Ligen ungefähr so waren, wie die polnische es derzeit ist.  Aber all das hat uns im Endeffekt die Champions League genommen. 

Montag, 16. März 2026

Die Bayern lassen Niko Kovac plötzlich sachlich aussehen.

 Starke Leistung. Ein Plottwist, der so nicht zu erwarten waren. Schließlich genießen die Bayern eine komfortable Führung in der Liga, da sollte man Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern doch gelassen zur Kenntnis nehmen. Stattdessen meldet sich direkt Uli Hoeneß lautstark zum Thema. Gut, das ist irgendwie auch seine Aufgabe. Wenn der sich nicht ein Mal im Jahr völlig unsachlich meldet, müsste man sich ja auch Sorgen machen, ob es dem noch gut geht. Und die "Abteilung Attacke" wird halt nicht gebraucht, wenn es keine Konkurrenz mehr gibt. 

Aber was die ganze Sache völlig absurd macht, ist der Einspruch, den die Bayern eingelegt haben. Das ist ein Real Madrid Move. Und ja, das ist in diesem Kontext die schlimmste Beleidigung, die mir einfällt. Jetzt mal ganz sachlich gesehen: Die Gelb-Rote Karte bedeutet nur, dass Luis Diaz mal ein Spiel Pause bekommt. Gegen Union Berlin, eine Mannschaft, die man auch ohne Diaz und Jackson besiegen muss. Und wenn man gegen Union so unmotiviert auftritt, dass die eine Chance haben, wird das nicht an den Sperren liegen. Bei dem absurd vollen Spielplan und dem Luxuskader ist es doch nichts Schlimmes, wenn ein Spieler wie Diaz mal zwangsweise auf die Tribüne rotiert.  

Vor allem war zu 100 % absehbar, dass der Einspruch abgelehnt wird. Also das mag jetzt eine schockierende Nachricht für die Bayern sein, aber das war nicht der erste unberechtigte Platzverweis dieser Saison. De facto gab es davon schon so viele, dass selbst das IFAB schon reagiert hat. Nächste Saison könnte diese Situation halt überprüft werden. Dass man solche Änderungen nicht innerhalb einer Saison umsetzen kann, liegt irgendwie auch an der Fairness. Wenn eine gewisse Sachlage trotz VAR noch in die Kategorie der Tatsachenentscheidung fällt, muss diese Sachlage auch konsequent angewendet werden.

Wenn jetzt nur und ausgerechnet die Bayern es schaffen, durch einen Einspruch eine Sperre abzuwenden, müsste man tatsächlich von einem Bayern-Bonus reden. Und der vielleicht nachvollziehbare Anlass für den Einspruch wurde bereits geklärt, es gibt also nichts zu diskutieren.

Also fast nichts. Wenn die Bayern jetzt den Einspruch einreichen würden, weil sie darauf verweisen, dass sie eine Challenge genommen hätten, wenn sie diese Möglichkeit hätten... Ja, man könnte den Einspruch nutzen, um eine sinnvolle Diskussion anzuregen. Man könnte das "Gelb-Rot ist sehr hart, das würde ich jetzt nicht mehr so geben." mit einem "Wir hätten ihn da gerne selbst zur Review Area geschickt" kombinieren. Das ist, wie so oft, eines der Paradebeispiele für Challenges. Aber die Bayern heulen ja lieber sinnlos rum, anstatt konstruktive Diskussionen anzuschieben.

Wirklich ekelig wird es, wenn Max Eberl das ein Geständnis von Christian Dingert als "sehr ehrenvoll" bezeichnet. Nur um ihn dann ganz ehrenlos von hinten ins Kreuz zu springen und den Einspruch einzulegen. Kein "Wir akzeptieren das, weil Fehler im Fußball passieren", sondern ein "Das war ein Fehler gegen UNS, da muss man alle Hebel in Bewegung setzen." Und das führt halt auch dazu, dass wir jetzt noch tagelang über diesen Fehler reden, anstatt die Situation abzuschließen.

Nebenbei macht er das in einer Zeit, in der ein Deniz Aytekin öffentlich darauf hinweist, dass der Hass gegen Schiedsrichter im Zuge des VAR-Problems weiter zunimmt. Die Aussagen von Kovac in den letzten Monaten und die Aktion der Bayern jetzt tragen dazu ihren Teil bei. Und Dingert kann ja nichts dafür, dass er sich die Szene nicht nochmal angucken darf. 

Ganz sachlich wird die Aktion von Eberl jetzt nur eine Konsequenz haben: Es wird sich kein Schiedsrichter mehr vor eine Kamera stellen und sagen "Das war ein Fehler." Denn wenn er das macht, gibt es zwar erstmal die Schulterklopfer, aber er muss davon ausgehen, dass ihm mit der anderen Hand ein Messer in die Rippen gesteckt wird. Und wenn die Schiedsrichter das selbst nicht so sehen, wird die DFL es veranlassen. 

Da ist es doch schön, dass Hoeneß und Eberl ihren kleinen Beitrag dazu leisten, dass diese Hassspirale weiter eskalieren kann. Ich hätte ja auch nichts anderes von einem Hoeneß erwartet. Nur um mal festzuhalten, wie bescheuert das Vorgehen der Bayern ist: Didi Hamann bringt da plötzlich eine sachliche Aussage zu dem Thema, der man zustimmen muss... also außer man ist Hardcore Bayern Fan...