Mittwoch, 19. Oktober 2016

So ignorant wäre ich auch gerne

Ganz ehrlich... es ist echt faszinierend. Wie weit weg von der Realität sind die bei der Fifa eigentlich?

Anscheinend gilt die Aufarbeitung der Ära Sepp Blatter als beendet, sobald es über 6 Monate keinen neuen Skandal gibt... danach, und das ist das wirklich krasse, geht man nahtlos zum Alltagsgeschäft über.

Halten wir mal die Hauptkritikpunkte an der Fifa fest:
1.) Es dreht sich nicht mehr um den Ball, sondern alles nur noch ums Geld. Das einzige wirkliche Ziel des größten Steuerhinterziehers des Universums scheint es ja zu sein, möglichst noch mehr Geld zu scheffeln. Anstatt ein besseres Turnier zu organisieren, vergibt man die WM nach Katar. Einem Land, in dem man im Sommer praktisch keinen Hochleistungssport betreiben kann... Aber hey, dort fließt das meiste Geld...

2.) Dieses Geld landet viel zu häufig in den Taschen korrupter Funktionäre. Und ja, dass sowohl die gesamte Organisation als auch die einzelnen Funktionäre zu gierig wurden, hat ja den Stein erst ins Rollen gebracht. Wenn die nicht die Doppelvergabe nach Russland und Katar an einem Tag durchgezogen hätten, wäre Blatter immer noch Fifa Präsident und Michel Platini sein Thronfolger...

3.) Die Fifa richtet sich viel zu sehr nach den kleinen. eigentlich irrelevanten Verbänden. Bis vor kurzem dachten wir ja auch, dass nur die korrupt wären... was jetzt ja vom Tisch ist. Aber das San Marino genau so viele Stimmen hat wie Deutschland wird genau dann zum Problem, wenn es um Themen wie "Wiederwahl" geht. Denn nicht die Großen Verbände, die für den Großteil des Umsatzes sorgen (und was eigentlich viel wichtiger ist: Die den Großteil der aktiven Fußballer stellen), entscheiden wer gewählt wird... sondern die kleinen Verbände. Die muss man hauptsächlich zufrieden stellen.

Und was ist das erste Projekt von Gianni Infantino? Die Aufstockung des WM Teilnehmerfeldes. Klar, im wesentlichen muss er jetzt ein Versprechen von Sepp Blatter umsetzen und die WM auf mindestens 40 Teilnehmer erweitern... wartet, warum muss er das tun? Also warum müssen wir die Versprechen unter Korrupten Freunden jetzt noch umsetzen? Wäre Schritt eins in der Aufarbeitung des Fifa Skandals nicht... all die Scheiße, die dadurch ausgelöst worden ist zurück zunehmen?

Aber da sich 40 Teilnehmer sich nicht rechnen... Geht Infantino noch einen Schritt weiter...

Und ja, Infantino will nur eine weitere Qualifikationsrunde im Land des Gastgebers austragen lassen. Damit mehr Nationen das Gefühl einer WM Teilnahme genießen dürfen. Und damit noch mehr Kohle gescheffelt wird. Die dann wahrscheinlich wieder in den Taschen einzelner Funktionäre landen wird...

Anders ausgedrückt: Die machen im Jahr 0 n.B. genau so weiter wie vorher... So funktioniert die Aufarbeitung eines den Verband bis in die Grundfesten erschütternden Skandals...

Das Problem ist ja auch: Infantino muss einfach so handeln. Also... es kann am Ende dabei raus kommen, dass der einer der Guten ist. Dass er mit seiner Qualifikation vor Ort nur noch schlimmeres wie ein Sechszehntel-Finale verhindern will... Dass er diesen Kompromiss einfach eingehen muss, damit er überhaupt eine Chance hat um wieder gewählt zu werden. Denn wenn er sich nicht an Blatters Versprechen hält, wird er das mit ziemlicher Sicherheit nicht.

Aber eigentlich sollte die Fifa jegliche "Expansionspläne" stoppen, bis die WM Vergabe nach Katar restlos aufgeklärt ist. Am besten so restlos, dass wir einen anderen Gastgeber haben. Und dann kümmern wir uns um eine Vergabesystem, dass nicht so verdammt korrupt ist. Wenn diese 2 Punkte gründlich abgearbeitet sind und man sicher sein kann, dass die nächste WM fair vergeben und ausgetragen wird... ok, dann sollte man sich eigentlich darum kümmern, dass man als Ausrichter auch Steuern in dem entsprechenden Land, in dem man zu Gast ist, zahlt. Damit man eine WM auch wirklich als Aufbauarbeit deklarieren kann...

Wenn das alles erledigt ist... also so gefühlt im Jahr 2026... DANN kann man vielleicht mal wieder mit einer Erweiterung des Teilnehmerfeldes flirten. Aber im Jahr 2016 sollte der Fokus ganz woanders liegen...

Montag, 17. Oktober 2016

Worst of des "Ach auch egal" Wochenendes

Da ist es auf ein Mal gar nicht mehr so schlimm, dass man erst 17:39 die Ruhe findet um das Wochenende zu rekapitulieren... Denn das bewahrt mich davor, die wirklich wichtige Nachricht zu Verpassen:

Dieter Hecking ist arbeitslos. Zum ersten Mal seit 2009... Und damit ist endgültig der Beweis erbracht: Auch einer der Besten Trainer der Liga kann halt nichts machen, wenn sich die gesamte Mannschaft den "Gomez der Woche" Virus beim Original eingefangen hat...
Ernsthaft... Wolfsburg hat seit der Verpflichtung unseres meines Nationalhelden die schlechteste Chancenverwertung aller Bundesligisten... wenn die dem restlichen Personal angemessen gewesen wäre...

Aber hey... immerhin haben die Wolfsburger keinen Elfmeter verschossen... im Gegensatz zu 5 (in Worten FÜNF!) anderen Experten... ich bin ja mal gespannt, ob die Verteidiger sich auf diesen neuen Trend einstellen... Den Fernschüsse scheinen derzeit echt gefährlicher als Strafstöße zu sein... Früher sollte man ja Foulspiele im Strafraum um jeden Preis vermeiden... nach diesem Wochenende ist es so ziemlich das sicherste, was du als Verteidiger machen kannst...

Kostas Stafylidis, Vollidiot der Woche: oder wie Markus Weinzierl das so treffend ausdrückte: "Absicht unterstelle ich ihm nicht, aber Dummheit." Ich sag das mal so: es ist immer schlecht, wenn die Erklärungsversuche der Experten aus dem gegnerischen Lager eins zu eins auf AfD-Wähler übernommen werden kann...
Das eigentliche Problem ist für mich aber nicht Stafylidis... sondern... nun ja... Fassen wir mal kurz zusammen, was da passiert ist. Der Augsburger Verteidiger bricht Breel Embolo völlig übermotviert das Bein. Und ja, dass da richtig was kaputt gegangen ist, sah man in der ersten Einstellung. Die endgültige Diagnose lautet: Unterhalb des Knies ist alles kaputt... Und nur um das ganze nochmal zu erwähnen: Das ganze passiert an der Außenlinie. Ohne jegliche Gefahr für das eigene Tor. Ohne die im Zentrum gerne mal aufkommende Hektik. Jetzt kommt das, was mich wirklich irritiert: Wir leben in einer Welt, in dem das anerkannteste Fachmagazin des Landes eine Gelber Karte als "vertretbar" betrachtet. What the fuck?
Ich frage mich eigentlich gerade, wo all die Augschburg-Fansch gerade sind... ja, diejenigen, die nach dem "brutalen Tritt" gegen Dominik Kohr eine Sperre, die genau so lange wie die Verletzung andauert, gefordert haben. Meldet euch mal bei mir. Mich würde wirklich interessieren, was ihr zu dieser Grätsche zu sagen habt.
Und ja, für mich ist der Tritt von Stafylidis und der von Jose Rodriguez absolut vergleichbar. Der Shitstorm, der ausgelöst wurde, allerdings nicht... (Super Fun Fact: Rodriguez ist immer noch gesperrt, Kohr spielt allerdings schon wieder...)
Der eine entscheidende Unterschied ist natürlich die 14 Centimeter lange Wunde am Bein. Aber völlig überraschender Weise heilen solche Wunden schneller als 2 Brüche und 2 gerissene Bänder... Wo bleibt jetzt also die "Wir müssen diesen üblen Treter bis zum Saisonende sperren!" Debatte? Ja, klar, solche Debatten sind absolut sinnlos... Aber man muss seine sinnlosen Debatten doch wenigstens konstant führen... sonst kommt am Ende noch ein "Der hat doch nur nen Neger um getreten" Gefühl auf...

Rene Adler: Wo wir schon bei völlig unangemessenen Reaktionen sind: Dass der Hamburger Torwart eher vom Platz gestellt gehörte als sein Kleber geht im Montags-Kicker vollkommen unter... Adlers Erklärung ist auch sehr witzig: "Er kommt mit Vollgas auf mich zu, da muss ich mich schützen. Das bekommt man schon als Bambini beigebracht." Jetzt mag der eine oder andere Jugendtrainer denken, dass er seinen Kindern nicht beibringt, seine Gegenspieler blutig zu treten... in dem man mit Knie und Sohle voraus hoch springt. An der Stelle muss man allerdings erwähnen... Adler hat das bei Lok Lepzig gelernt... Da ergibt das natürlich Sinn...
Das faszinierendste ist natürlich, dass wir das alle so hinnehmen... also dass man sich als Torwart halt Schützen darf. Auch wenn man beim "Sich Selber Schützen" die Gesundheit des Gegners gefährdet... Das Problem ist: Den Paragraphen, der so was regelt, gibt es nicht. Torhüter sind abgesehen von dem Fakt, dass sie in einer sehr begrenzten Zone die Hände benutzen dürfen und deswegen eindeutig gekennzeichnet werden müssen auch nur ganz normale Spieler. Jetzt stellt euch mal vor, ein Defensiver Mittelfeldspieler würde so in einen Luftzweikampf gehen. Das wäre definitiv ein direkter Freistoß und mindestens Geld... aber bei Torhütern nehmen wir das so hin, obwohl das eigentlich ein Elfmeter ist... und uns erklärt auch keiner, dass das eigentlich gar nicht so in den Regeln steht, wie wir es anwenden...
Aber hey, wahrscheinlich hat die Kicker Redaktion wieder die aktuelle Fifa Version von EA als Referenzwerk verwendet und wenn das da nicht abgepfiffen wird, muss es ja völlig normal sein...


Caglar Söyüncü: Zu den eigentlich wichtigen Dingen: Die Gegentorvorlagen. Und man muss an der Stelle erwähnen: Der junge Türke hat an diesem Wochenende ein echtes Meisterwerk abgeliefert. Also... eigentlich spielt man ja in Freiburg eh nur für die anderen Vereine der Liga vor. Und Hoffenheim ist halt so eine Paradeziel. Da muss man nicht mal das Bundesland wechseln und kann sein Abi in Ruhe fertig machen... Söyüncü hat an diesem Wochenende eindrucksvoll nachgewiesen, dass er mit einer traumhaften Spieleröffnung die Hoffenheimer Stürmer (und auch die eigenen, das wollen wir nicht unter den Tisch fallen lassen) in Szene setzen kann... Seinen Marktwert dürfte er dadurch extrem gesteigert haben...

Jerome Boateng: Und ja, ich gebe es zu: Bei allen anderen Verteidigern würde das als "Unglückliche Abwehraktion" gewertet werden... aber wie oft bekomme ich die Chance, einem Bayern-Verteidiger eine Gegentorvorlage "gut zuschreiben"? Genau. Solche Gelegenheiten muss man nutzen.

Freitag, 14. Oktober 2016

Vorschau auf den 7. Spieltag

Und vorher noch: Oliver Bierhoff, Vollidiot der Woche: Ja, jetzt schon. Dem ist nämlich ein Freud-scher Versprecher raus gerutscht... Was ja kein Problem ist, da ja niemand von uns ein brauchbaren Langzeitgedächtnis hat... Vor der WM in Brasilien wurde noch behauptet, dass dieses Luxusresort ja auf gar keinen Fall vom und nur für den DFB errichtet worden ist. Das wäre ja dekadent ohne Ende... Jetzt... steht das Ding hauptsächlich leer... Und Oliver Bierhoff rutschte ein "Ein Campo Bahia kann man nicht überall hinbauen" raus... Ich sag's ja nur...

Der Freitag Abend:
Borussia Dortmund - Hertha BSC Berlin: Es ist immer noch seltsam, die Hertha im Spitzenspiel des Wochenendes zu sehen... aber irgendwann muss man halt anerkennen, dass es nicht nur Glück sein kann...
Andererseits... werden die Dortmunder Profis kaum erleben wollen, was passiert, wenn Thomas Tuchel 2 Spiele nacheinander verliert...

Der Samstag Nachmittag:
Borussia Mönchengladbach - Hamburger SV: Ich freue mich schon drauf, wie sich die Hamburger auch nach diesem Wochenende einreden, dass alles viel viel besser geworden ist... solange sich an den Ergebnissen nichts ändert, kann ich mir diese Interviews in der Endlosschleife angucken...

Eintracht Frankfurt - Bayern München: Apropos Endlosschleife: Wenn ihr euch fragt, warum dieses Video auf 8.000 Plays kommt... Ja, ich habe mir das Ding so oft angeguckt...
Auf der anderen Seite... hat Fredi Bobic in 23 Pflichtspielen als Profi und einer vom Kicker nicht näher definierten Anzahl an Spielen als Funktionär ("Mit Zahlen die so groß sind, rechnen sonst nur Astronomen"...) noch nie gegen die Bayern gewonnen... und Frankfurt hat seit 8 Spielen nicht mehr gegen die Bayern getroffen... anders ausgedrückt: Wenn Frankfurt wirklich treffen sollte, wird Fredi Bobic auf Twitter abgehen, als wäre er San Marino...

1.FC Köln - FC Ingolstadt: Jetzt... wollen die auch noch Frieden mit Wolfgang Overath schließen... zumindest Gespräche zwischen dem aktuellen Spinner und seinem Vorgänger sollen geführt worden sein... Ich frag mich ja ein bisschen, wie solche Friedensgipfel ablaufen? Ich meine, was erwartet Overath? Dass sich Spinner dafür bedankt, dass dieser die Messlatte so niedrig angelegt hat? Eigentlich gibt es nur einen realistischen "Friedensgipfel": Overath geht von sich aus ins Stadion und bewundert das Meisterwerk, dass seine Nachfolger aus diesem Trümmerhaufen gebaut haben...

FC Augsburg - Schalke 04: Und hier die spannendste Frage: Wird Markus Weinzierl am Wochenende in Augschburg ausgepfiffen? Stefan Reuter plädiert indirekt für "Ja"... Das schlecht ausgebildete Langzeitgedächtnis der Augschburgfansch ebenfalls...

TSG Hoffenheim - SC Freiburg: Und hier die spannendste Frage der Saison: Wie lange muss der VfB Stuttgart in der 2. Liga feststecken, damit wir bei dieser Ansetzung vom "Großen Baden-Württemberg-Derby" reden? Ich tippe mal auf 15 Jahre... Ob der VfB DAS hinkriegt?

Das Spitzenspiel am Abend:
Werder Bremen - Bayer 04 Leverkusen: Ganz 2 Wochen ist Alexander Nouri jetzt offiziell Bundesligatrainer... und hat damit in Rekordzeit die erste Profikarriere einer seiner Spieler zerstört... Und ja, er hat Felix Wiedwald sein "Vollstes Vertrauen" ausgesprochen... der Junge hat noch 4 Wochen bis zum Rücktritt...

Der Sonntag:
1.FSV Mainz - SV Darmstadt 98: Nach zuletzt immer wieder hässlichen Derbys... hier der Beweis, dass Hessische Derbys auch entspannt ablaufen können... zumindest wenn beiden Fan Lagern der Gegner ziemlich egal ist...

VfL Wolfsburg - RB Leipzig: Und hier das Duell der größten Klimakatastrophen... die einen stehen für gefälschte Abgastests, die anderen präsentieren ihr Lifestyle-Produkt aus der Aluminium Dose... Und während dieses Duell den Fans vollkommen egal ist, weint irgendwo Mutter Natur...

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Jetzt wieder dieser Satz, den ein Großer niemals sagen wird:

"Es gibt keine Kleinen mehr!"

Und ja, man muss an der Stelle mal an die Zeiten erinnern, als ein Rudi Völler sich genau darauf raus reden wollte.

Ach ja, die gute alte Zeit, mit Waldi, Netzer und Delling... Und Rudi...

Aber ja, es gab eine Zeit, in der waren wir in der Position, in der die Engländer heute sind: Wir hatten so unsere liebe mühe mit Island und Slowenien. Das ist ungefähr 10 Jahre her...

Und damals ist dieser "Es gibt keine Kleinen mehr" Satz ja entstanden. Auch wenn er eigentlich "Wir sind halt gerade kein Großer" heißen müsste. Aber wer will denn so selbstkritisch mit seiner eigenen Nationalmannschaft umgehen.

Wobei man zugeben muss: Damals hat es sich eher gelohnt als heute, die Qualifikationsspiele zu sehen. Deswegen wundert es mich ja auch, dass RTL da Geld für ausgibt... ich dachte immer, dass man dieses "Elend" zeigen MUSS, wenn man die großen Turniere übertragen will...

Und ja, genau genommen ist es eine Qual. Also entweder die Deutsche Mannschaft spielt so, wie man es von ihr erwartet. Dann ist die einzige Frage, ob sie die Quali ohne Gegentor absolviert. Oder sie spielt richtig grausam und qualifiziert sich trotzdem. 

Diese Quali zeigt doch nur, dass der Abstand zwischen Deutschland und dem Rest eher am wachsen ist. Man schlägt hat Tschechien und Nordirland (ihres Zeichens 2 EM Teilnehmer) sicher und souverän, obwohl man nach 15 Minuten in den "Hauptsache ich verletze mich nicht" Modus wechselt. 

Und das ist ja auch logisch und konsequent. 
Also in diesem Ominösen Damals wurde halt immer behauptet, dass die ehemaligen Kleinen mittlerweile halt auch (vor allem taktisch) gut ausgebildet sind. Das stimmte damals sogar. Also die Kleinen waren vor 10 Jahren taktisch fast so gut ausgebildet, wie unsere Nationalspieler. Weil unsere Ausbildung entsprechend grausam war.

Vor 10 Jahren war ein U16 Nationalspieler aus San Marino und aus Rostock zumindest grundlegend gleich. Beide spielten für den besten Verein aus ihrer Region und nebenbei für die Nationalmannschaft. An sonsten waren sie ganz normal ins soziale Leben integriert. Und ja, der Kapitän von Hansas Jugendmannschaft (und Sohn des Trainers... aber Details...) ging gemeinsam mit mir an die Strawberry High
So was dürfte heute unvorstellbar sein. Wo jeder Verein stolz darauf ist, wie viele Internatsplätze er zur Verfügung hat. Wo die Schulische Ausbildung an den Verein gekoppelt wird. 

Heute hat der 16 jährige Deutsche einen extremen Vorsprung vor fast allen anderen Jugendspielern. Ausgenommen den Spaniern, Holländern und Franzosen

Und diesen Vorsprung sieht man ja, wenn man sich die Nationalmannschaften ansieht.

Natürlich haben auch die kleinen ihre Ausnahmetalente, die sich dann im europäischen Vereinsfußball durchsetzen und zu Weltstars werden. Aber die hat es auch schon immer gegeben. George Weah war mal Weltfußballer des Jahres, ohne sich jemals für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Talent kann sich immer durchsetzen.

Aber... ich sag das mal so drastisch: Das Brasilien mittlerweile zu den Kleinen gehört, beweist halt auch, dass Talent alleine nicht mehr reicht. Und ja, jedem Brasilianer wird schlecht, wenn er sich die Offensive hinter dem Ausnahmetalent Neymar anguckt.

Und Argentinien mit Lionel Messi kommt bis ins WM Finale, ohne ihn würden sie (Stand Heute) an der Quali scheitern...

Früher hatten diese Nationen immer 3 Weltklasse Offensivspieler auf dem Feld. Ihr größtes Problem war es halt, um diese Weltklasseangreifer ein ordentliches Defensivkonzept aufzubauen. Hier sei einfach mal der (wohl auf Jahrzehnte) letzte nicht europäische Weltmeister um Ronaldo, Rivaldo, Ronaldinho genannt.
Diese Weltklasse Spieler mussten sich aber auch nicht mit unseren in speziellen Labors hoch gezüchteten Talenten messen. Und vor allen Dingen mussten es ihre minderbemittelten Nebenleute auch nicht tun... 
Wenn du heute mit 18 Jahren als Fußballer nach Europa kommst... musst du im Vergleich zu den lokalen Talenten 4 Jahre Ausbildung nachholen. Da du halt am Strand gezockt hast, während die von ausgebildeten Trainern geschliffen worden sind...
Es sei denn, du gehst nach Italien oder England... aber die stehen halt genau dort, wo wir vor 15 Jahren standen. Und sobald die gemerkt haben, dass man seine eigene Jugendarbeit mal dringend überarbeiten müsste... so was lernt man halt in dem Moment, wo man gegen Island verliert...

Man kann das ja gut an den Jahrhunderttalenten sehen, die nach Europa ziehen und dort dann scheitern. Robinho wurde eingangs als nächster Pele gefeiert. Aber selbst wenn man nicht den aller größten als Maßstab nimmt, war seine Europakarriere eine Endtäuschung. Und ja, es gab schon immer talentierte Südamerikaner, die in Europa gescheitert sind. Denilson kommt mir als erster in den Sinn. Als ich den das erste Mal spielen sah, dachte ich: Der wird alles platt machen... tat er aber nicht... (Dabei fällt mir auf, dass der Junge Neymar und der Junge Denilson sich auf dem Platz verdammt ähnlich sehen... aber einer der beiden die Umstellung zum seriösen Fußballer geschafft hat, der andere nicht...)
Und wenn wir uns mal von dem wirklichen Ausnahmetalenten (un europäisch ausgebildeten) Messi (und Ronaldo) entfernen... Wie oft hat den ein Südamerikaner in den letzten Jahren die Wahl zum besten Sterblichen Fußballer gewonnen und ist dritter bei dieser Wahl geworden? Ein Mal konnte Neymar sich diesen Titel einstreichen. An sonsten gingen die Ballon d'Or immer (und in allen Farben) an Spieler, die in Europa ausgebildet worden sind. Von den 18 Preisträgern spielten nur 2 (Franck Ribery als die ganz große Ausnahme) nicht mit 12 in europäischen 5 Sterne Internaten. 

Das mag jetzt viel zu speziell wirken... aber guckt euch mal die Siegerlisten der alten Weltfußballer Wahl an: Um die Jahrtausendwende ging die Wahl in 6 von 7 Jahren an Spieler, die nicht auf europäischen Boden ausgebildet worden sind. 
Die Tendenz zeigt da, dass die in Internaten ausgebildeten Spieler einen extremen, fast uneinholbaren Vorteil haben. Was ja auch logisch ist. Für die sind mit 18 Jahren Dinge selbstverständlich, die andere erst noch mühselig lernen müssen und teilweise niemals lernen werden... dass deine Hand zum Beispiel nichts im Gesicht des Gegenspielers verloren hat. Das wurde dem kleinen Franck nicht beigebracht und dem großen kriegst du das nicht mehr vermittelt...

Und diese Ausbildungszentren, die diese hoch veranlagten Spieler fördert, bringen halt zu über 90% Spieler hervor, die für die "eigene" Nationalmannschaft aus. Und die werden ja immer besser. 
Was dann dazu führen wird, dass (so unvorstellbar das gerade erscheint) der Abstand zwischen Deutschland/Spanien/Frankreich und dem Rest der Welt eher weiter wachsen wird. 

Und ja, der Abstand zwischen den Kleinen untereinander wird immer geringer werden. Die könnte irgendwann so gering sein, dass man als Deutscher Tschechien und San Marino nicht mehr auseinander halten kann... weil man halt beide 5:0 schlägt. Trotzdem führt der extreme Entwicklungssprung in der Ausbildung junger Fußballer auch langfristig eher dazu, dass es mehr Kleine gibt.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Weil Fußball halt auch nur die schönste Nebensache der Welt ist Part 1

Hey, das ist mein Blog. Und wenn ich Bock drauf habe, mal über was ganz anderes und viel wichtigeres zu schreiben... dann mache ich das halt.
Das ist natürlich einfacher, wenn abgesehen von dem ersten Auswärtstor seit 15 Jahren für San Marino (Es gibt keine Kleinen mehr!!!!) so gar nichts passiert ist...


An diesem Wochenende hatte ich das zweifellose Vergnügen an einem großen Familientreffen teilzunehmen. 4 Generationen für ein Wochenende unter einem Dach ist schon ein rares Experiment. Auch wenn ich mal darüber nachdenken sollte, warum ich auf Familientreffen mehr trinke als auf einem Festival...

Vor allem hatte ich das mittlerweile viel zu selten gewordene Vergnügen, mich mit einem Menschen Baujahr 1931 zu unterhalten. Der auch noch geistig frisch genug war, dass man wirklich mit ihm reden konnte. Also in zusammenhängenden Sätzen und auch über aktuelle Themen.

Ich habe ja die Geschichten aus dem Krieg meines eigenen Opas jahrelang als viel zu selbstverständlich angesehen. Bis bei dem dann die Altersschwäche die Altersweisheit übertrumpft hat. Aber an diesem Wochenende ist mir mal wieder bewusst geworden wie unfassbar wichtig solche persönlichen Erfahrungsberichte von einem persönlich bekannten Menschen sind.
Wir reden hier von für uns unvorstellbaren Ereignissen. Davon, dass man von Schwerin aus Hamburg brennen sehen kann. Also buchstäblich. Es ist das eine von Operation Gomorrha auf Wikipedia zu lesen. Es ist etwas ganz anderes jemanden bei Flashbacks zuzuschauen, der dir beschreibt, wie er das aus sicherer Distanz am Horizont sehen musste... und wir reden von 111 Km Distanz.

Und ja, wir haben vergessen, wie grausam Krieg wirklich sein kann. Weil wir so was nur noch aus Geschichten oder fremden Ländern kennen. Das ist nebenbei meiner Meinung nach der Grund, warum die EU den Friedensnobelpreis verdient hat. Dass es für uns unvorstellbar ist, gegen Frankreich oder Polen in den Krieg zu ziehen, ist ganz entscheidend deren Verdienst. Und unsere Eltern sind noch mit dieser Angst vor solchen Kriegen groß geworden. Während es für unsere Großeltern gerade zu selbstverständlich war, dass man sich ein Mal in seinem Leben mit Frankreich bekriegt... Uns geht es dagegen so gut, dass wir den Wehrdienst abschaffen konnten.

Das wirklich faszinierendste war allerdings die darauf folgenden Debatte über die AfD und Pegida. Weil der Mann halt Kindesalter mitbekommen hat, was passiert, wenn solche Strömungen Überhand gewinnen. Wie leicht das eskalieren kann. Und vor allem wie krass das schon mal eskaliert ist.. .

Während ich als gnadenloser Optimist und überzeugter Demokrat in solchen Strömungen neben der Bedrohung auch das Potenzial sehe, dass unsere offene Gesellschaft und unsere Politik durch die Auseinandersetzung mit diesen "Problemkindern" gestärkt hervorgeht, hat dieser Mensch einfach nur Angst vor solchen Bewegungen.
Ist ja auch logisch. Der Mann wurde durch Hitlers Nationalismus von der Muttermilch entwöhnt. Er ist zur Reichskristallnacht eingeschult worden. Er schrieb sein Abitur auf den Trümmern des Dritten Reichs. Und durfte als gratis Zusatz danach die nächste Diktatur studieren.

Und an der Stelle kommt mein neustes Lieblings-Böhmermann-Zitat zum Vorschein: "Kaum steht die Frauenkirche wieder, versammeln sich die Idioten und beweisen, dass sie keinen Schimmer haben, warum sie mal kaputt war."
Und ja, Dresden sollte eigentlich ein Mahnmal gegen die Diktaturen des 20. Jahrhunderts sein. Guckt euch einfach mal die Prager Straße in der Stadt an. Dort kann man von den Architektonischen Meisterleistungen des Ostblocks aus den Zwinger beobachten. Man wird die Narben des 20 Jahrhunderts dort hoffentlich ewig beobachten können. Auch wenn es hässlich ist.

Trotzdem geht genau von dort diese Rückwärts geprägte Bewegung zurück zum Nationalstolz aus. Obwohl diese Strömungen, wenn sie an die Macht kamen, immer zu genau dem Krieg und der Zerstörung geführt hat, deren Folgen man bis heute dort bewundern kann.

Und da sind wir wieder bei den Großeltern die diese Welt noch hat. Noch könnte jeder Pegida Anhänger in seinem Verwandtenkreis einen Menschen finden, der ihnen erklären kann, warum national gesinnte Strömungen so gefährlich sind und wie sie funktionieren. In 10 bis 15 Jahren müssen die einem Lutz Bachmann endgültig das Feld überlassen. Und an der Stelle kriege ich dann auf ein Mal auch genau die Angst, die der Opa hatte...

Und deswegen jetzt die wichtigste Erkenntnis: Wenn ihr noch die Chance habt mit Verwandten zu reden, die wissen, wie es ist, wenn in seiner Heimat Krieg herrscht. Die wissen, wie es ist ein kaputt gebombtes Land wieder aufzubauen. Die wissen, wie leicht man als Volk eine große Lüge glauben will. Dann nutzt sie. Dann geht zu ihnen und hört ihnen zu. Denn viele Gelegenheiten werdet ihr dazu nicht mehr finden.

Montag, 10. Oktober 2016

Das faszinierende an der Personalie Gonzalo Castro

Es zeigt halt auf so vielen Ebenen die Luxus-Probleme unserer Nationalelf. Und damit auch das Paradoxon an Jogi Löws Personalpolitik... und unsrem Umgang mit dieser.

Lasst uns erst Mal eines festhalten: Ja, Löw hat vollkommen recht, wenn er feststellt, dass man im Zentralen und Offensiven Mittelfeld unfassbar gut besetzt ist. Und ja, für die Zentrale brauchen wir einen Gonzalo Castro gar nicht. Da haben wir noch bessere Spieler zur Verfügung. Denn wenn alle Fit und in Form sind, muss mindestens ein Weltklasse Offensivspieler auf der Bank Platz nehmen...

Wenn man sich die Deutsche Auswahl der letzten 2 Jahre so anschaut... dann haben wir ja nur auf 3 Postionen keine Weltklasse Option zur Verfügung: Die Außenverteidiger und den klassischen Mittelstürmer.

Und nur um mal festzuhalten, wie verzweifelt wir in Sachen rechter Außenverteidiger sind: Jogi Löw hat 2 Jahre lang über Sebastian Rudy nachgedacht... um gerade noch rechtzeitig die Kurve zu kriegen und einen Spieler für diese Rolle zu nominieren, der diese noch nie gespielt hat.

Lustiger Weise sind Rudy, Joshua Kimmich und Castro exakt die gleichen Spieltypen: So polyvalent, dass man kaum einen Unterschied bemerkt, wenn man sie auf dem Platz verschiebt. Gleichzeitig aber nicht auf der einen Position gut genug sind um wirklich herauszuragen.

Und ja, Kimmich hat von den Dreien das größte Potenzial... aber hätte es ihm wirklich geschadet, wenn er die Turniererfahrungen im Sommer bei Olympia als Stammspieler gesammelt hätte? Nur um mal so Optionen aufzuzeigen...
Und ja. Jogi Löw hat auch Recht, wenn er behauptet, dass Castro in den letzten Jahren in seiner Entwicklung ein wenigen "stehengeblieben" ist... Aber man muss an der Stelle auch einfach mal festhalten: Das Niveau, auf dem er stehengeblieben ist, war weit über dem von Sebastian Rudy. Der eine spielte für den vielleicht besten Bundesligazweiten aller Zeiten, der andere mühte sich redlich darum, mit seiner Mannschaft nicht zu den 2 schlechtesten Bundesligisten der letzten Saison zu gehören.

Und ja, Castro (auch wenn er das lange nicht mehr musste) hat seine Tauglichkeit als Rechtsverteidiger (Und als Spieler im allgemeinen... ) auf internationalem Niveau nachgewiesen. Und so blöd das klingt: Das ist dann halt bei einem derart überragenden Kader genau der Rechtsverteidiger, den du brauchst: Einem Spieler, der das souverän und sicher runter spielen kann.
Er hatte auf jeden Fall einen höheren Leistungsnachweis als ein direkter Konkurrent... oder anders ausgedrückt: Wenn Castro in Hoffenheim gespielt hätte, wäre er so viel besser als der Rest gewesen, dass er garantiert nicht auf dem Verschiebebahnhof gelandet wäre. Denn in dieser Mannschaft wäre er der überragende Fixpunkt, der er auf höherem Niveau nie werden wird, gewesen.

Wenn wir uns die Europameisterschaft im Sommer mal kritisch angucken... ist Jogi Löw genau genommen an 2 Personalentscheidungen gescheitert. An Bastian Schweinsteiger, der im eigenen Strafraum mit seinem Handy rumspielte und deswegen einen absurden Handelfmeter verursachte. Und an eben diesen Kimmich, der mit seinem Ballverlust das 0:2 einleitet (welches dann quasi von Manuel Neuer veredelt wird...). Klar, hinterher ist man immer schlauer... aber man kann sich schon fragen, ob Castro nicht für beide Positionen die bessere Option gewesen wäre...
Und ja, Kimmich hat bis dahin ein für sein Alter überragendes Turnier gespielt (auch wenn er gegen Italien und Frankreich nur eine 3 und eine 3,5 bekommen hat... es ist also nicht so, dass er in den entscheidenden Spielen überragend war... nur gegen Nordirland...)

Genau das ist halt das wirklich faszinierende an dieser Debatte: Warum wird sie erst jetzt geführt? Warum haben wir uns nicht schon mal im Sommer damit beschäftigt, dass ein Dortmunder Spieler offensichtlich mehr leisten muss als ein Bayern- (was noch verständlich ist) oder eine Hoffenheim-Profi um überhaupt mal ins Trainingslager eingeladen zu werden?

Und ja, als das Fachmagazin, dass der Kicker laut eigener Aussage ja immer noch sein wollte, hätte man genau diese Debatte das erste Mal vor dem Trainingslager führen können. Und dann nach dem EM Aus wieder... Und das ganze frei von jeder Polemik. Aber wenn man die Wahl zwischen einer sachlichen Debatte und dem versammelt hinter der Deutschen Mannschaft stehen hat... entscheidet man sich halt in diesem Land immer erst Mal für letzteres...

Oh und bevor das unter geht: Das Fachmagazin Kicker hat am Donnerstag damit argumentiert, dass Bastian Schweinsteiger bei Fifa 17 (einem Computerspiel...) eine höhere Wertung hat als seine direkten Konkurrenten... Ja... genau...

Vielleicht... sollten die einfach mal ihren nach Hoffenheim straf versetzten Reporten (das ist dieses Jahr nicht mehr Michael Pfeifer, aber die Themen bleiben die selben) eine Ausgabe dieser Fußball-Simulation mitgeben... damit denen mitgeteilt wird, dass sie nur über Spieler mit einer Stärke von etwa 75 berichten und ihnen deutlich wird, dass die Nationalspieler alle eine von 83 haben (sollten...).

Und das bringt direkt die nächste absurde Ebene in diese Debatte: Wir sind uns also alle relativ einig, dass ein Spieler, der seit Jahren seine Klasse auf internationalem Niveau nachgewiesen hat, für die Nationalmannschaft kaum von Interesse ist, weil dort nur Weltklasse Spieler Stammspieler werden können... Das hält die Leute trotzdem nicht davon ab über Serge Gnabry als garantierten sicheren Nationalspieler und fast sicherem Neuzugang beim FC Bayern zu schreiben... What the Fuck?

Und ja, man erkennt sehr schnell, dass Gnabry besser ist als die restlichen Bremer... das Problem ist halt: Das heißt bei Werder auch einfach nicht mehr so sonderlich viel. Oder anders ausgedrückt: Das wäre Castro auch... auch wenn Gnabry da ist... Und die Zeiten, in denen die überragenden Werder-Spieler sofort auf dem Radar der Bayern auftauchen, sind irgendwie auch vorbei... Derzeit geht man dann halt eher nach Gladbach. Und ja, einen Wechsel von Gnabry im nächsten Sommer nach Gladbach oder Leverkusen halte ich für realistisch... Einen zu den Bayern eher nicht.

Wir wissen also einerseits, dass wir in unserer Nationalmannschaft absurd gut besetzt sind. Wir ignorieren das aber, sobald es darum geht, einen unserer Vereinshelden in den Himmel zu loben. Dabei lautet die einfache Wahrheit doch: Solange Castro keine Rolle in der Nationalmannschaft spielt, müssen alle Journalisten aus Hoffenheim oder Bremen nicht darüber nachdenken, ob ihre "Helden" wirklich in diese Kategorie gehören könnten.

Es ist schon faszinierend, dass wir in diesem Land einfach keine sachliche Debatte über unseren Nationalmannschaftskader führen können. Weil wir einerseits bei den kritischen Personalien viel zu spät nachfragen, anderseits uns jeder Journalist erzählen will, dass wir da gerade potenzielle Nationalspieler sehen.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Das worst of mit Verspätung

So gerne hier über die Medien geflucht wird (und dass der Kicker sich in die Ribery-Debatte mit einem "Als Fachblatt" beginnt, hat schon meinen Komiknerv getroffen). Am Ende fühlt man sich doch wohler, wenn man, bevor man hetzt, doch eine sachliche Grundlage hat...

Paradebeispiel ist da natürlich... die Schiedsrichterleistung von Marco Fritz. Oder noch präziser die Reaktion von Christian Streich auf diese dürftige Leistung. Ich dachte mir an der Stelle gleich: Wenn Huszti das 1:1 von Abraham vorbereitet, dann regt sich gerade der Streich darüber auf, dass die beiden, die vom Platz gestellt gehörten, das Spiel entscheiden... Franck-Ribery-Style.

Das ist ja das wirklich faszinierende am Streich. Er ist einer der größten Denker der aktuellen Sportgeneration. Gleichzeitig ist er einer der emotionalsten Trainer der Liga. Wenn der Streich aber zum großen Denken ausholt, vergisst er gerne, dass der emotionale Teil von ihm gerne ganz anders reagiert. Und dass dieser Teil heute nur nicht hervor gekrochen kam, weil Freiburg gewonnen hat. Aber gerade dieser Widerspruch macht ihn so unterhaltsam.

Da aber die Meinung vom einen Experten (Streich) und dem anderen Experten (dem Sportschau Kommentator) so weit auseinander lagen... wollte ich selber erst Mal abwarten, was denn der sachliche Journalist mit einem Tag Abstand zu dem Thema sagt...
Und nur um mal nen Beispiel zu bringen, dass man den "Live-Kommentatoren" nur bedingt glauben kann: Der Experte bei Youtube will im Spiel Wolfsburg - Mainz einen ganz klaren Platzverweis gesehen haben... gut, der ist angestellter bei Bild.de und Sport1... und gerade deswegen hat er diese Ansicht anscheinend exklusiv...

An der Stelle wird auch nur deutlich, dass Regeln auch immer Auslegungssache sind... Auf Seite 37 steht, dass der "Gesichtsgrapscher" von Abraham zwingend und eindeutig Rot ist... Auf Seite 92 steht dann "Riberys Wangenkneifer haben wir - in Einklang mit der herrschenden Schiedsrichter Meinung - nicht als Tätlichkeit, sondern als Unsportlichkeit gewertet." Ok, dafür sollte es natürlich trotzdem Rot geben... So sind Unsportlichkeiten halt zu bewerten...

Lustiger Weise kommt man in einer Ausgabe bei identischen Vorgängen zu unterschiedlichen Ergebnissen... Und das ist gar nicht als Vorwurf gemeint. Das soll nur deutlich machen, wie verdammt schwer der Job der Schiedsrichter ist. Ein Fritz muss sich vorwerfen lassen, dass er Abraham nicht vom Platz gestellt hat... ein Felix Zwayer muss sich diesen Vorwurf nicht unbedingt gefallen lassen...
Da steht der Fußball natürlich nicht alleine da. Aber das ist ja auch das schöne am Mannschaftssport. Es ist am Ende so viel Auslegungssache, dass man immer Gründe zum diskutieren findet. Es wäre halt schön, wenn sich diese Auslegungssachen ein Stückchen weg vom "Im Zweifel für die Großen" bewegt...

Thomas Tuchel, Vollidiot der Woche: Halten wir kurz fest, was Tuchel dieses Wochenende getan hat: Er hat allen Bundesligatrainern die Blaupause für einen Punktgewinn gegen Dortmund ins Taktikheft diktiert: Foult die einfach 20+ Mal, dann verlieren die die Lust und der Trainer die Nerven.
Und bei allem Respekt vor diesem Trainer: Dass der einfach nicht verlieren kann... macht ihn sehr unterhaltsam.

Pierre Michelle Lasogga: Selektive Wahrnehmung ist was feines. Also in seinem Universum war alles besser als unter Bruno Labbadia. Auch wenn der Rest der Welt behauptet, dass alles viel schlimmer geworden ist... aber aus seiner Perspektive ist das auch logisch... schließlich darf er jetzt wieder spielen und das ist ja das Wichtigste... Als ich dessen Aussagen nach dem Spiel in der Sportschau gesehen habe, dachte ich mir gleich: Ach daran ist der Bruno gescheitert...
Das klang halt schon extrem nach "Wir brauchten halt mal einen neuen Input, also haben wir uns darum gekümmert, dass es diesen neuen Input jetzt gibt... und jetzt wird auch alles wieder gut." Dabei ist einem als neutraler Beobachter deutlich geworden, dass der HSV noch einen sehr langen weg raus aus dem Keller vor sich hat...
Früher konnte man diese Interviews nebenbei online finden und verlinken... die Zeiten sind irgendwie vorbei... Dafür gibt es jetzt einen Sportbild Bundesliga Kanal mit 2 Minuten Highlights von jedem Spiel, was ein Fortschritt ist... Aber zeitgleich auch viel über unsere Ausstattung im Internet aussagt...

Bayern München: Gute Nachrichten für den Rest der Liga: Die Bayern müssen dieses Jahr doch 100% abrufen, wenn sie in der Bundesliga dominieren wollen... Ok, eigentlich müssen sie ja nur in den ersten 40 Minuten konsequenter spielen... Aber man muss sich vor den Bayern derzeit nicht direkt in die Hose machen... das werden die meisten Gegner natürlich trotzdem tun (und der 1.FC Köln musste ja in Halbzeit 1 auch erst von seiner Chance überzeugt werden...), aber diese Bayern sind angreifbar. Das sage ich jetzt natürlich nur so deutlich, weil ich das am Freitag schon dezent angekündigt habe und mich jetzt selbst als Experten feiern muss...

Julian Draxler, Gomez der Woche: Klar... das färbt halt ab, wenn du mit dem Original zusammenspielen musst...