Montag, 16. September 2013

Worst of des "Der Abstiegskampf hat begonnen" Wochenendes

Sein wir ganz ehrlich: Bis sich ganz oben wirklich was tut, wird noch eine Weile vergehen... Welche Mannschaften am Ende in die Europa League stolpern, ist auch kaum vorherzusagen...
Aber wenn uns das Duell zwischen Braunschweig und Nürnberg eins gelehrt hat, dann dass die beiden Mannschaften unten angekommen sind, um zu bleiben. Beide feiern einen Punkt gegen einen Abstiegskandidaten als Fortschritt... aber Fakt ist: Stand jetzt werden sie nicht häufig auf so schwache Gegner treffen...

Zwischen den beiden steht der SC Freiburg. Und ja, die konnten ihn jedem Spiel mithalten. Und das wird auch den Rest des Saison so bleiben. Aber: wie auch in Frankfurt beginnt die eigentlich schwierige Phase erst. Ab sofort muss Freiburg bei nah jeden Donnerstag durch Europa Touren. Und selbst das 6 Punkte-Polster der Frankfurter ist dafür eigentlich viel zu wenig. Freiburg muss dagegen bis zur Winterpause mindestens 7 Punkte holen... und die reichen auch nur, wenn sie eine Augsburg-esque Rückrunde spielen können... ein paar Punkte mehr wären schon wünschenswert. Was wirklich besorgniserregend ist: Die hälfte ihrere Punkte sind so genannte "Bonuspunkte, mit denen man eigentlich nicht rechnen konnte"... nur davon kann man aber auch nicht leben... und wenn Pep Guardiola nicht den Sieg gegen Jose Mourinho als wichtiger eingeschätzt hätte, wäre Freiburg jetzt mit einem Punkt und -10 Toren Letzter...

Beim Hamburger SV sah es 60 Minuten lang nach einem ganz normalen "Hey, wir wissen selbst nicht wie, aber in Dortmund holen wir halt immer was" Spiel aus. Dann folgten aber 16 Minuten die aus einem äußerst glücklichen Punkt einen weiteren Eintrag in die Greatest Misses Serie des HSVs machten... Hamburg ist schon wieder bei 15 Gegentoren... Selbst eine Blutjunge Mannschaft mit frischling auf der Trainerbank wie die Hoffenheimer haben nach 4 Spieltagen einen Weg gefunden, hinten erst Mal stabiler zu stehen... Bei Thorsten Fink und Heiko Westermann wartet man vergeblich auf irgendwelche Fortschritte...

Und zu guter letzt: Werder Bremen. Die dachten wohl wirklich, dass Thomas Schaaf ganz alleine an all den Übeln schuld gewesen ist. Und das schon alles besser werden würde. Die bittere Wahrheit lautet: eine stabile Abwehrleistung konnte man nur gegen die ungefährlichen Mannschaften aus Braunschweig und Augsburg anbieten. Und für die Offensive hat man sich mit Franco di Santos direkt einen "Vollidioten der Woche" geholt... da hätte man auch Marko Arnautovic behalten können.  Aber immerhin hat Eljero Elia die Idee mit dem Tore verhindern mittlerweile so weit verinnerlicht, dass er selbst vor dem Gegnerischen Tor den Ball ganz sicher klärt... und ja, damit steht der Vollidiot und der Gomez der Woche erstmals im selben Team... Immerhin gab Sebastian Prödl seinen Angreifern in der 2. Halbzeit noch mal schönen Anschauungsunterricht, wie man eigentlich vor einem Tor zu agieren hat...
Und so geht der (längst nicht mehr) schleichende Verfall des Traditionsklubs weiter... Und ein wenig weiter oben in der Tabelle sitzt Klaus Allofs und freut sich, dass niemand den Niedergang mit seinem Namen verbindet....

Da sehen die Probleme der großen Bayern auf ein Mal erstaunlich lächerlich aus: Dort muss Matthias Sammer anscheinend gerade klar stellen, dass er ab sofort die Abteilung Attacke übernimmt, während Uli Hoeneß (zumindest Intern) der neue "Präsident Altersmilde" geworden ist... Anders lässt sich Sammers ausbruch kaum erklären.

Shinji Okazaki: Er sammelt die erste Torvorlage für Gegentore in der neuen Saison... und ja, das hat ne ganze Weile gedauert. Doppelt bitter, weil laut Thomas Tuchel "nicht ganz klar ist, wie Schalke hätte ein Tor erzielen wollen, wenn wir es nicht selber aufgelegt hätten"...

Freitag, 13. September 2013

Vorschau auf den 5. Spieltag

Der Freitag Abend:
Hertha BSC Berlin - VfB Stuttgart: Das Problem der Stuttgarter wurde am treffensten mit ihren Transferaktivitäten zum Schlussverkauf beschreiben: Tausche meinen Kapitän gegen einen Bankdrücker eines anderen (auch nicht zwingend besser besetzten) Bundesligisten... und wir glauben trotzdem, dass wir uns durch den Tausch von Sedar Tasci zu Karim Haggui verbessert haben... Die einzige wirkliche Verbesserung kam aber auf der Position des Ersatzstürmers...
Andererseits... wenn Bruno Labbadia nicht völlig unmotiviert im März beschlossen hätte, dass er William Kvist nicht mehr will, hätte der VfB wesentlich weniger Probleme... und Bruno vielleicht noch nen Job.

Der Samstag Nachmittag:
Bayern München - Hannover 96: Das ist wohl der falsche Zeitpunkt um Hannover darauf hinzuweisen, dass sie auswärts eher wie ein Absteiger als wie ein Europa League Anwärter spielen... Anders ausgedrückt: dank der 3 Heimspiele zum Auftakt wird Platz 3 der Höhepunkt der Saison bleiben...

Bayer Leverkusen - VfL Wolfsburg: Das ewig alte Derby: Die Oma aller Retortenvereine gegen die Mutter aller Retortenvereine. Und irgendwo sitzen ihre Kinder und denken sich: Irgendwann werden sie uns auch als normale Bundesligisten akzeptiert haben... während sich kaum noch jemand fragt, was eigentlich aus dem "Opa" Bayer Uerdingen wurde...

Werder Bremen - Eintracht Frankfurt: Dies ist eines der Spiele, bei denen die Hanseaten echte Fortschritte zeigen müssen... und beweisen, dass sie ihre 6 Punkte nicht nur wegen der schwachen Auftaktgegner geholt haben... Das 1:4 im Freundschaftsspiel gegen den FC St.Pauli lässt eher böses erahnen...

1.FSV Mainz 05 - Schalke 04: Kevin Prince Boateng mit dem Zitat der Woche: "Ich wusste ja nicht, wie die Fans mich empfangen würden, wegen meiner Dortmunder Vergangenheit. Da hatte ich schon mit dem Schlimmsten gerechnet. Schalke: der einzige Verein Deutschlands bei dem sich die Hoffnungsträger Sorgen machen müssen, ob sie vor dem ersten Ballkontakt schon ausgepfiffen werden...

FC Augsburg - SC Freiburg: Der Donnerstags-Kicker beginnt mit einem Kommentar von Helmut Hack, der erklären soll, wie furchtbar schwierig es doch für die "Kleinen" ist in der Bundesliga Fuß zu fassen... Diese Ansetzung sollte all seine Argumente einwandfrei widerlegen... und genau genommen ist das Gegenteil der Fall: Die SpVgg Greuther Fürth hat anscheinend so krass von ihrem einen Jahr in der Bundesliga profitiert, dass sie jetzt ganz entspannt durch die 2. Liga spazieren...

Das Spitzenspiel am Abend:
Borussia Dortmund - Hamburger SV: Die eine Ansetzung, bei der Thorsten Fink einfach die Videos von der Vorsaison laufen lassen kann... und er wird ihr wahrscheinlich sagen: Ich habe auch keine Ahnung, was ihr letzte Saison gegen Dortmund gemacht hat, aber lasst es uns wieder genau so machen...

Der Sonntag
1899 Hoffenheim - Borussia Mönchengladbach: 42 Tore vielen in den 8 Spielen dieser beiden Mannschaften... Dass sind mehr als 5 Tore pro Spiel... das sollte eine unterhaltsame Veranstaltung werden...

Eintracht Braunschweig - 1.FC Nürnberg: Irgendwie ist es jede Woche dasselbe: Wenn die Mannschaft gegen Braunschweig nicht gewinnen sollte... dann wird es echte Probleme geben... oder anders ausgedrückt: wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass der erste Sieg der Braunschweiger auch gleich zur ersten Trainerentlassung der Saison führen wird?

Donnerstag, 12. September 2013

Manche Statistiken lügen einfach nicht

Und am besten mit den Zahlen sind immer noch die Amerikaner... Wahrscheinlich mögen die Amis den Fußball auch deswegen so wenig, weil man ihn statistisch so schlecht erfassen kann. Tore sind am Ende das einzig wirklich entscheidende... und davon fallen halt verdammt wenig. Oder wie im Fall von Ukraine gegen England auch mal gar keine. Trotzdem haben die Amerikanischen Experten eine äußerst interessante Statistik gefunden, die die Probleme der englischen Fußballnation auf den Punkt bringt.

58. Die Wurzel aller englischen Probleme lautet 58. In allen relevanten Ligen Europas starteten am letzten Wochenende insgesamt 58 Engländer. Von diesem 58 Mann muss Roy Hodgson seinen 23 Mann Kader zusammenstellen... Ja, wenn man es als Engländer in die Startelf der Premiere League geschafft hat, ist man schon so gut wie im Nationalteam. Wahrscheinlich hatte sogar Lars Olsen eine größere Auswahl. Jogi Löw konnte sich am Wochenende 103 Starter anschauen. 96 deutsche Spieler in der Bundesliga und 7 Legionäre... (Ok, Mesut Özil spielte an diesem Wochenende nicht... aber nächstes Wochenende wieder... und dafür zählt der Artikel Robert Huth nicht auf.)

Allein schon das Bayer Leverkusen als Deutsche Spitzenmannschaft und Champions League Teilnehmer am Wochenende auf 5 Deutsche nicht Nationalspieler in der Anfangsformation kam... In England reicht es derzeit wahrscheinlich, bei einem Champions League Teilnehmer auf der Beobachtungsliste zu stehen, um für die Nationalelf interessant zu werden...

Aber hey, die halbe belgische Nationalmannschaft findet dagegen ihren Platz in der Premiere League... Dazu mindestens 4 Deutsche... Und und und...
Genügend gute und junge Spieler hat die Premiere League... die spielen halt nur alle für andere Nationen. Warum selber ausbilden, wenn man für lächerliche 20 bis 30 Millionen doch mittelmäßige Spieler holen kann?
Und nur so nebenbei: Vor etwas 10 Jahren gab es einen riesigen Jugendhype in England. Die Generation Wayne Rooney und James Milner brach damals quasi im Wochentakt alle Jugendrekorde. Da Problem: Es gab da halt nur einen Rooney... und wer kann mit den Namen Aaron Lennon und James Vaughan wirklich was anfangen? Einer von den beiden ist der jüngste Torschütze der Premiere League Geschichte...
Solche Spieler auszubilden kostet mehr Zeit als Geld... und die ganzen ausländischen Investoren haben halt mehr Geld als Zeit. Die wollen lieber heute halbwegs ansehnlichen Fußball sehen, als in 5 Jahren ihre eigenen selbst ausgebildeten "Kinder"... Genau in diesem Punkt ist Dietmar Hopp nebenbei nicht mit den Scheichen zu vergleichen...

Am Ende wird Hodgson auf eine englische Version der Kirch-Krise hoffen... dass die FA, die UEFA oder das englische Parlament Investoren verbietet. Dass das Financial Fair Play endlich wirklich umgesetzt wird. Das der riesige Englische Fernsehmarkt zusammenbricht. Denn das ist die einzige Chance, die die englische Nationalmannschaft noch hat...

Denn wenn wir uns zurückerinnern: Der Deutsche Jugendwahn ist nicht primär ausgebrochen, weil wir 2006 unbedingt Weltmeister werden wollten. Auch wenn das (und die Leistungszentren) sicherlich geholfen haben. Aber Leistungszentren haben die Engländer auch schon. Manchester United wurde zu der Hausmarke, die sie heute sind, weil sie mit Paul Scholes, Gary und Phil Neville und David Beckham Champions League Sieger wurden. Aber wann hat es in der Premiere League das letzte Mal eine Überraschungsmannschaft gegeben, die mit selbst ausgebildeten Spielern bis in die Champions League gestürmt ist?

In Deutschland begann der Spaß in der Saison 2002/03 mit dem VfB Stuttgart und seinen "Jungen Wilden". Aber die Stuttgarter setzten nicht freiwillig auf all diese Talente... Nach dem Einbrechen der Fernsehgelder durch das Wegbrechen der Kirch-Gruppe hatte man schlicht und einfach kein Geld mehr um sich Spieler zu kaufen. Es ist faszinierend, dass aus diesem Super-GAU, der uns alle gegen die Wand fahren lassen sollte, der Grundstein dieser jetzt so geilen Fußball spielenden Generation wurde... Einerseits hätte es Borussia Dortmun fast in den Ruin getrieben, andererseits war es die Grundlage für die letzten beiden Meisterschaften... Und es ist faszinierend, wie überragend diese Krise am Ende für den Deutschen Fußball ausgegangen ist... halt so gut, dass man sich als englischer (Nationalmannschafts-)Fan fast fragen muss: Können wie so eine Krise auch mal haben?

Mittwoch, 11. September 2013

Was soll man zu so einem Spiel schon großartig schreiben?

Der allgemeine "Muss ich das jetzt wirklich noch ausspielen" Gesichtsausdruck einiger Nationalspieler hat doch eigentlich alles gesagt... Selbst Thomas Müller war doch nach dem Platzvereis für Atli Gregersen kurz davor dem Schiedsrichter zu sagen "Ja, die haben uns immer wieder getreten, aber dafür musst du jetzt nicht wirklich Rot ziehen"... Alles im Allen war es am Ende doch der Beweis, dass es die offiziell ausgestorbenen Kleine doch immernoch gibt. Früher hat man die halt mit 8 oder 9 Toren aus dem Stadion geschossen... heute reicht es einer Nationalmannschaft in solchen Veranstaltungen ausnahmsweise mal zu 0 zu spielen...

Allein schon dass die beiden "Nach vorne machen die eh nichts" Innenverteidiger in gemeinsamer zusammenarbeite das 1:0 erzielen... immerhin nach einer Standartsituation, meine Argumentation vom Samstag kann man aber trotzdem besser aussehen lassen...

Oder das die Färörer jede Halbzeit mit einem völlig wahnsinnigen Überraschungsangriff begannen... und die Deutsche Verteidigung jeweils mit einem "Wie, ihr wollt auch mitspielen?" reagierte...

Aber nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Am Ende ist es schön, dass es solche Spiele gibt. Immerhin konnten unsere Hochbegabten ein Mal gegen echte Handwerker antreten. Und der eine Gegner wird seinen Enkeln noch von erzählen, wie er Sami Khedira getunnelt hat. Und da wird es dann kein "Was isn aus der Aktion geworden" als Antwort kommen... sondern nur ein "Boah!"

Und das sind auch nicht die Spiele, die den Rahmenterminkalender so unglaublich überfüllen. Aber manchmal ist unser Volkssport Nummer Eins halt auch eher etwas fürs Entwicklungshilfeministerium und keine Sache bei der die Kanzlerin strahlt.

Samstag, 7. September 2013

Mats Hummels ist Schuld an der Gegentorflut!

Wenn man das ganze einmal ganz grob betrachtet... verzichte  Jogi Löw ein Mal auf seinen designierten Abwehrchef und schon steht die 0. Daraus ergibt sich dann ja quasi die oben aufgeführte Bild-Schlagzeile...

Und ganz ehrlich: ganz von der Hand zu weisen, ist das nicht. Um mal meinen eigenen Taktik-Trend zu beginnen: Mats Hummels ist die zurückgezogene 10. Er ist wahrscheinlich der einzige Innenverteidger der Welt, der regelmäßig in Manndeckung genommen wird. Weil er halt immer wieder den Spielaufbau übernimmt. Und für diese Rolle vernachlässigt er teilweise auch sein eigentliches Hauptaufgabengebiet: Verteidigen.

Gestern spielten Per Mertesacker und Jerome Boateng. Und ganz ehrlich: sind die beiden euch in dem Spiel ein Mal aufgefallen, weil sie irgendwas gemacht haben? Als Deutschland den Ball hatte? In der gegnerischen Hälfte? Haben die beiden ihre eigene Hälfte ein Mal verlassen? Abgesehen von ruhenden Bällen kümmerten sie sich einfach nur darum, dass hinten nichts anbrennt. Und genau in dieser Disziplin ist Hummels genau genommen nur Durchschnitt...

Borussia Dortmund kann dies kompensieren, weil sie sehr gut eingespielt sind. Und weil sie mit Sebastian Kehl oder Sven Bender zumindest einen klassischen Abräumer vor ihm haben. Dort weiß halt jeder, wie er agieren und reagieren muss, wenn Hummels mal wieder nicht so wirklich verteidigt.

In der Nationalmannschaft spielen vor Hummels normaler Weise Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger und Toni "zwischen den Turnieren immer Stammspieler" Kroos. Alles Spieler, die in ihrem Verein einen Javi Martinez oder Xabi Alonso neben sich haben. Oder anders ausgedrückt: die sich auf das klassische Kerngeschäft des Defensiven Mittelfeldspielers konzentrieren, während Schweinsteiger und Kroos eher Spielmacher und Khedira eher ein "Box-to-Box" Spieler ist.

Am Ende ist natürlich nicht nur Hummels Schuld. Aber wie immer ist es eine Frage der Balance. Und man braucht halt so ein paar Spieler, die sich hauptberuflich ums Tore verhindern kümmern, wenn man hinten stabil stehen will. Und wenn Jogi Löw all seine talentierten Spieler zusammenbringen will, werden genau diese Spieler fehlen.
Am Ende wird er den einen oder anderen hochtalentierten opfern müssen... und Hummels ist einer dieser Spieler, die es am Ende treffen könnte.

Freitag, 6. September 2013

Vorschau auf das "wir haben kein Defensivproblem" Qualifikationsspiel

Laut Jogi Löws öffentlicher Darstellung darf man sich halt nicht auf die Testspiele konzentrieren... dass eine B-Elf nach dem offiziellen Saisonende nicht so ganz auf der Höhe ist erscheint wirklich entschuldbar... aber dass man gegen Paraguay, nachdem Wochenlang nur übers Verteidigen geschrieben wurde, wieder 3 Tore kassiert, hilft einem aber nicht wirklich als Gegenargument...

Aber gut, in den Pflicht- und Turnierspielen... Da hat Jogi Löw Glück, dass die meisten von uns ein schlechtes Langzeitgedächtnis haben. Kasachstan hat derzeit in der gesamten WM-Qualifikation die Hälfte seiner Tore gegen das große Deutschland geschossen. Die einzigen Nation, gegen die die 0 noch steht, sind die Färörer... Laut Fifa-Rangliste sind in Europa nur noch Andorra und San Marino schlechter... Und das Rückspiel kommt erst noch.

Deutschland traf in der Gesamten WM-Qualifikation auf einen guten Stürmer: Zlatan Ibrahimovic. Und als der nach 60. Minuten und bei einem 0:4 Rückstand beschloss: Hey, eigentlich haben wir nichts zu verlieren, da können wir doch auch mal angreifen... brach komplette Panik in der Verteidigung aus. Was soll da erst passieren, wenn Neymar, Lionel Messi oder die Spanier kommen?

Aber bei Turnieren... da haben wir doch immer gut verteidigt!!! Oder wir kassieren 2 Tore gegen definitiv eher biedere Griechen. Und stellen uns danach unglaublich naiv gegen die Italiener an... 2012 blieb die Deutsche Mannschaft bei der EM nur gegen Holland ohne Gegentor... Und wer sich an die EM erinnert, wird merken, dass das nicht die EM der Holländer war...

Jogi Löw wollte immer den spanischen Spielstil kopieren. Dass seinen Spielern dazu ungefähr 10 Jahre Ausbildung bei Barca fehlen, ist das eine. Wir werden das Tiki Taka nie so gut beherrschen, wie die La Masia Absolventen. Aber noch viel schlimmer: Die Spanier sind in der Lage, mit 8 Toren in 7 Spielen Weltmeister zu werden.  Weil man halt nur 2 Gegentore kassiert. In den K.O. Spielen reichte den Spaniern jeweils ein Tor. So wie "wir" derzeit "verteidigen", reicht ein Tor nicht mal für die Verlängerung...

Wo wir schon dabei sind: bei der letzten EM kassierte Spanien die Spanier insgesamt 3 Gegentore. Inklusive dem Elfmeterschießen gegen Portugal. Yapp, die spanische Verteidigung konnte nur durch einen Andrea Pirlo ausgehebelt werden... Wer wirklich die Spanier kopieren will, sollte sich um eine stabile Verteidigung kümmern. Oh und nur so nebenbei: Mario Gomez's "so richtig erfolgreich" waren die Spanier mit der falschen 9 ja nicht... lässt sich mit dem EM-Finale widerlegen, dass die Spanier ohne Stürmer begannen und trotzdem 4:0 gewinnen konnten... Erfolgreicher kann man quasi nicht sein, aber das nur so nebenbei,,,

Jogi Löw sollte sich endlich eingestehen, dass er kein wirkliches greifendes Defensivkonzept hat... oder das er es seinen höchst veranlagten Spielern zumindest nicht vermitteln kann... Und er sollte nicht genervt reagieren, sondern die Probleme eingestehen. Und so den Druck auf die Mannschaft (und natürlich auch sich selbst) erhöhen, dass man gemeinsam eine Lösung finden muss. Ein einfaches "weiter so" und "das wird schon irgendwie werden" wird uns nicht den Weltmeistertitel bringen. Und nur darum kann es ja gehen.

Donnerstag, 5. September 2013

Meier des Jahres - Revisited

Was jetzt schon? Wie soll man denn so schnell die Transfers mit etwas Abstand beurteilen? Gar nicht, na klar.

Hier geht es auch mehr um das große Werk des Michael Meiers. Denn die jüngeren unter uns (und dazu zähle ich in diesem Fall ja auch selber) kennen Meier als den Manager, der Borussia Dortmund fast in den Ruin getrieben hat... und danach dne 1.FC Köln ganz souverän in die 2. Liga gemanget hat. Und viele fragen sich: Wie konnte man diesem Funktionär jemals so vertrauen?

Nun ja, die bittere Wahrheit: er war mal ein verdammt erfolgreicher Manager. Und weit mehr als ein One Hit Wonder. Den letzten Titel holten die Kölner im Jahre 1983... und der Manager damals war Michael Meier. Den gefühlt einzigen Titel, den Bayer Leverkusen jemals geholt hat, war ebenfalls unter Meier. Und mit Leverkusen einen Titel zu holen, ist, wie wir mittlerweile wissen, so ziemlich die schwierigste Aufgabe in der Fußball-Welt...
Und selbst bevor er den BVB fast in den Ruin getrieben hat... holte er schon einen Pokalsieg, 2 Meisterschaften und sogar den Henkelpott in den Pott. Er kann quasi immernoch behaupten, dass er als Dortmunder Manager eine bessere Bilanz al Michael Zorc hat... Anders ausgedrückt: Zwischen 83 und 97 war Meier der erfolgreichste Manager, der nicht auf den Namen Uli Hoeneß hörte.

Das Problem: danach wollte er unbedingt der beste Manager der Bundesliga werden. Also Uli Hoeneß ablösen. Eine Aufgabe, an der in 25 Jahren so ziemlich jeder gescheitert ist. Dabei hat er sich halt (deutlich) übernommen. Und sein 2. Versuch in Köln? Nun ja, sagen wir es so: Seit dem er da weg ist, wurde auch deutlich, dass er nicht das (einzige) Problem in Köln war.

Nebenbei könnte Meier auch einfach das prominentest Opfer des Bosman-Urteils sein. Für diejenigen, die den Fußball nicht anders kennen als mit 40plus Millionen Ablösen: Bis ins Jahr 1995/96 gab es einerseits keine ablösefreien Wechsel, sondern jeder Verein erhielt bei Vetragsende eine angemessene Entschädigung vom neuen Arbeitgeber. Gleichzeitig berechneten sich diese angemessenen Entschädigungen aus dem Alter und dem Gehalt des wechselnden Profis. Und bei dieser Rechnung kam man nie auf 100 Millionen... Nur so zum Vergleich: Heiko Herrlich war damals mit 11 Millionen der komplett den Rahmen sprengende Rekordtransfer der Bundesliga... heutzutage bezahlt man für Bankspieler mehr als das Doppelte.

Irrealer Weise sorgten ablösefreie Wechsel zum explodieren der Ablösesummen... eine Rechnung, die jeden Mathematiker in die Verzweiflung treiben sollte... Aber die Verträge wurden einfach mal extrem lang und dementsprechend schwierig wurde es, Spieler gute ablösefrei zu bekommen.
Und der einzige Bundesliga-Manager, der das Spiel bis zur letzten Konsequenz mitspielte, war Michael Meier. Er holte Koller, Rosicky, Amaroso und Co.. Und er hat sich damit krass verspekuliert.

Aber gut, bekanntlich ist nichts vergänglicher als der Ruhm von gestern. Was mich zu der nächsten spannenden Frage bringt: wird diese Kategorie in 10 Jahren "Allofs des Jahres" heißen? Der war auch jahrelang der zweitbeste Manager der Bundesliga... Andererseits ist seine letzte wirklich gute Transferperiode auch schon Ewigkeiten her... und bei all den Brasilianischen Diven und gescheiterten Linksverteidigern, die er nach Bremen gelotst hat, könnte man jetzt schon eine Top Ten der schlechtesten Transfers zusammenstellen...