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Freitag, 31. Dezember 2021

Die "Passives Abseits Albumcharts 2021"

 Lasst mal ein wenig Spaß haben. Und Fußball Jahresrückblicke gibt es ja sonst überall... Also setzen wir jetzt die schöne Tradition fort und ich teile die Musik, die mich bewegt hat.
Ach so: Stichtag ist der 13.12, weil da Pioniergeburtstag ist und ich damit einen Grund hatte 1312 zu schreiben... Und weil man halt auch ein weilchen braucht um Alben zu verdauen.

Platz 26: MC Rene - Irgendwas stimmt: Das Jahr begann mit einer angenehmen Überraschung: MC Rene veröffentlichte ein gutes Album. Damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Für Kontext: MC Rene war der beste Rapper des Landes von 1993 bis mindestens 98 eher 99. Dann kam Samy Deluxe. Seit dem ist Rap so groß und divers, dass sich die Frage nicht mehr eindeutig beantworten lässt. (Spoiler: Torch war es nie, auch wenn er es jahrelang behaupten durfte...)
Danach stürzte Rene aber in die Bedeutungslosigkeit der Stand Up Comedy ab. Was dazu führte, dass ich kurz in die Singles reingehört und die Alben abgewählt habe. Aber 25 Jahre nach der Renevolution kam dann tatsächlich wieder was.
Eine höhere Einstufung verpasst dieses Album wegen der doch ein wenig übertriebenen Nostalgie. Klar, auf 1993 ist das für einen Song wirklich schön... vor allem, weil ich das angesprochene Treppenhaus Video vorher schon kannte. Der Eißfeld Part danach ist wirklich grenzwertig, vertraut mir... aber muss es sich durch das ganze Album ziehen? Andere Rapper aus der Generation können das besser.

Platz 25: MAENTIK - A Constant Illiusion: Um ganz ehrlich zu sein: Auf das Album bin ich nur gestoßen, weil mein Cousin da Bass spielt. Aber bisher habe ich bei "Freunde oder Verwandte machen Musik, da höre ich mal rein" meistens richtig gelegen. Wenn man ein offenes und buntes Umfeld hat, ist das eine wunderbare Variante seinen Musikhorizont zu erweitern. Und wenn es einem nicht gefällt, hat man wenigstens Kleinkunst unterstütz. A Constant Illusion ist dann gerade noch in der "Wenn ich mal Bock auf Gitarren habe, ist das meins" Kategorie. Also wirklich gerade noch. Und man bekommt halt nicht zu oft die Chance Videos mit unter 1000 Aufrufen zu verlinken...

Platz 24: Mine - Hinüber: Mine ist einzigartig. Wann immer die an irgendeinem Projekt beteiligt ist, hört man sie sofort heraus. Die Produktion und der Sound sind eindeutig von ihr. Einen Song wie Hinüber kann sonst niemand veröffentlichen. Eiscreme hat das "Most Random Rapfeature" mit Roger Rekkles, der im Outro Eisdielen aufzählt... Das ist alles cool. Aber irgendwie will der Funke nicht so ganz auf mich überspringen... Manchmal kann man nicht wirklich erklären, warum man das eine feiert und das andere nicht so sehr...

Platz 23: Arlo Parks - Colapsed in Sunbeams: Wenn du die Sport- und Kulturseite deines Vertrauens öffnest und da jemand, als der neuste, heiße Scheiß für die Generation Z vorgestellt wird und du dir nur denkst: Danke, kenn ich schon. Oh und Arlo Parks kommt "sogar" auf 2 Grammy Nomination. Als Britin, die den Amis sonst eigentlich eher egal sind. Und die ich ja sonst auch eher ignoriere. Aber das macht doch Hoffnung... Irgendwie macht sich das Gefühl breit, dass der britische R'n'B um einiges finsterer und melancholischer ist, als sein amerikanisches Vorbild. Oder ist das eigentlich gar kein R'n'B, sondern fällt unter "Singer/Songwriter"? Nebenbei landet Arlo Parks hier nur auf Platz 4 der "englischen Talente mit ihrem Debütalbum..." Nebenliste.

Platz 22: Mal Élevé - Résistance Mondial: Ok, eines vorne weg: Mal Élevé muss man, wie schon seine vorherige Band Irie Revoltes live erleben. Die Energie, die  der alte Mann live auf die Bühne bringt, wird in Deutschland von nur ganz wenigen erreicht. Also wir reden von Feine Sahne und Mono und Nikitaman. Und klar, die Botschaft ist brachial und platt, aber manchmal muss man das halt einfach rausbrüllen. In dem Sinne: No pasaran! Und Menschen zu retten ist kein Verbrechen.
Ganz nebenbei wollte ich erwähnen, dass die Zeile "Hebt alle die Hände hoch, Stellen uns quer, denken quer, lieben quer, grenzenlos" nicht ganz so gut gealtert ist. Das liegt nicht an der Zeile, sondern nur daran, dass "Querdenken" mitlerweile von einer gewissen Gruppe besetzt wurde. 

Platz 21: Anaiis - This is no longer a Dream: Heute in der beliebten Serie: Ist das noch R'n'B, oder ist das schon Kunst? Auf jeden Fall ist es kompromisslos und komplex. Und auch wenn sie um die halbe Welt gezogen ist, so landere sie am Ende in London und fällt damit in die neue englische R'n'B Schule, die ich so feiere.  Demonstrativ wird hier Chu verlinkt, aber das ganze Album hat einen eigenen Klang.

Platz 20: Danger Dan - Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt: Uff... kommen wir zum wohl schwierigsten Album des Jahres. Also lasst uns erstmal eines klären: Ist es ein gutes Album? Die Antwort lautet: eher nicht. Das Problem ist halt, dass man ziemlich schnell nicht mehr weiß, ob man schon bei Song 5 oder erst bei Song 3 ist. Danger Dan ist halt nicht gut genug um ein reines Piano Album zu tragen. Was kein Vorwurf ist, ich bin mir nicht sicher, ob irgendein Rapper das wirklich könnte. Aber es gibt halt Gründe, warum er "nur" ein Teil einer Crew ist und kein Reinhard Mey ist.
Doch das ist ja auch alles vollkommen egal. Denn am Ende geht es bei diesem Album nur um den Titeltrack. Der hat hakt einen Nerv getroffen, dass man ihn einfach nicht ignorieren konnte. Also selbst die "Ich höre ja gar keinen Rap" Leute fanden den gut. Oder sie fühlten sich angesprochen und fanden ihn deswegen Scheiße. Aber auch dieser Song ist am Ende problematisch. Also ich frage mich irgendwann, ob man eigentlich "Angst frisst Seele auf" von Feine Sahne Fischfilet und "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" gleichzeitig feiern?  Also für Kontext: Die Neonaziband "Erschießungskomando" veröffentlichten einen Song, in dem zum Mord an Katharina König-Preußig aufgerufen wurde. Der Song ist FSFs Reaktion auf derartige Texte. Jetzt kommt Danger Dan und stellt fest: "Kubitschek hat Glück, dass ich nicht Bogen schieß'" Ist es jetzt in Ordnung Nazis in Musik mit Gewalt zu drohen und darüber zu fantasieren? Und der Text ist ja voll von Namen und Gewaltandrohungen. Klar, alles bewusst als Provokation und genau an der Grenze. Aber das kann das "Erschießungskomando" doch auch von sich behaupten.
Kann man nicht auch klare Kante gegen Nazis und Verschwörungstheoretiker zeigen, ohne offen mit Gewalt zu drohen? Bestimmt, hätte sich aber nicht so gut verkauft... Und versteht mich nicht falsch: Es ist immernoch ein guter Song. Aber es ist nicht dieser absolute Überhammer, den viele daraus machen wollten...

Platz 19: Die P - 3,14: Heute in der beliebten Serie: Es ist doch so einfach, warum machen das nicht mehr: Die P. Einfach nur tighter Rap. Kein Gesangschorus, keine Trap Experimente. Einfach nur 96 bpm, ein Mic und los geht's. Mehr brauche ich gar nicht um glücklich zu sein. Allerdings sind halt mittlerweile viele Musiker als Rapper und als Sänger nicht gut genug und machen deswegen beides halbherzig. Allerdings bedeutet das halt auch, dass man erst mit mitte 30 sein Debütalbum rausbringen kann...
Aber Die P rappt mittlerweile auf dem "Ist mir eigentlich egal, was die sagt, das wie ist einfach geil" Niveau.

Platz 18: Nana Adjoa - Big Dreaming Ants: Nana Adjoa hat auf Genius.com zu jedem Song dieses Albums ausführliche Erklärungen abgegeben. Von der Inspiration bis zur Entstehungs und Produktionsphase wird da alles ausführlich erklärt. Das finde ich je nach Tagelaune unfassbar cool (Hey, die lässt uns wirklich am Entstehungsprozess teilhaben) oder verzweifelt (Macht sie das, weil niemand ein Interview mit ihr machen will?). Am Ende ist es ein Album, für das man sich wirklich Zeit nehmen muss um zu merken, was sie da alles reingepackt hat. Ich verlinke hier mal demonstrativ "National Song".

Platz 17: Alicia Keys - Keys: Ok, eines vorne weg: Dass dieses Album existiert, ist richtig schlecht. Denn ich hab mir ja Tickets für das Konzert am 19.6.2020 gekauft, weil ich "Holy War" unbedingt live hören wollte. Als ich das Ticket kaufte, war noch nicht mal "ALICIA" draußen. Jetzt ist der Song vom Vor-Vorletzten Album, die Wahrscheinlichkeit, dass er in der Setliste auftaucht, sinkt also... Und beide Alben kommen nicht an "Here" ran.
Jetzt macht sie halt das, was man von ihr erwarter: Überragende Stimme und ein herausragendes Klavier. Da kommen dann einige gute Songs wie "Nat King Cole" raus. "Is it insane" soll seit der "Songs in A Minor" Session rumliegen, aber erst jetzt war die Zeit reif für eine Veröffentlichung.
Ich glaube ja, das größte Problem dieses Albums ist es, dass die "Original" und "Unlocked" Versionen einfach zu viel sind. Vor allem, weil ich den Unterschied zwischen beiden Ansätzen nicht zwingend nachvollziehen kann. Ok, das eine hat etwas mehr Piano als das andere. Aber dadurch zerfasert das Album halt auch unnötig, Ein etwas kompakteres Werk wäre meiner Meinung nach besser gewesen.

Platz 16: Jan Delay - Earth, Wind und Feiern: Ok, hier ein gut gehütetes Geheimnis: Jan Delay ist ein Pop-Freier. Der vielleicht beste Popmusiker, den dieses Land hat, aber halt auch nicht mehr. Seitdem er das "Absolute" aus seinem Bandnamen gestrichen hat, hat er quasi ausschließlich Popalben herausgebracht. Und ja, das beinhaltet mit Bambule, Blast Action Hero und Advanced Chemistry auch die 3 Beginner Alben. Eißfeldt war es damals, der es schaffte aus Rap populäre Musik zu machen, ohne dass er sich mit dem Sellout Vorwurf beschäftigen musste. Seit dem hat er mit "Searching for the Jan Soul Rebels" und La Boom lediglich 2 Alben veröffentlicht, die nicht im Kern Pop waren. Was halt faszinierend ist, denn für jemanden, der mal hoffte, dass wir seine Lieder nicht singen, hat er verdammt viel Musik zum Mitsingen produziert.
Das ist ja auch alles kein Problem, denn Jan Delay ist halt richtig gut. Ich erwarte nur halt mittlerweile auch keine Überdinge mehr von ihm. Das war mal anders. Man bekommt halt das, was drauf steht: Eine Platte zum Abschalten und feiern.

Platz 15: Clueso - Album: Das nächste Clueso-Album wird der Hammer. Zumindest, wenn man das "Ich mag den Sound, aber lass doch, lass doch den Sound für's nächste Album aufheben" aus dem Intro glauben schenken darf... oder ist das von der Aufnahmesession zum letzten Album und soll dieses Beschreiben? Für mich ist diese Platte ja eine zweiseitige Angelegenheit. Einerseits sind da die Gastbeiträge, die wie der letzte verzweifelte Versuch wirken, meinen Bruder davon zu überzeugen, dass Clueso nur eine verdammter Pop-Musiker ist. Ernsthaft, keinen dieser Gastbeiträge hätte ich gebraucht. Aber wenn sich Clueso nicht von anderen einschränken lässt, schreibt er immern noch richtig gute Songs. Die werden halt nur tief auf dem Album vergraben. Obwohl es zu "Du warst immer dabei" sogar nen Video gibt. Der Mann ist schon richtig gut, aber wie jedes Mal würde ich mir mehr von dem verpeilten Typen von "Gute Musik" wünschen. Aber solang er Spaß dran hat...

Platz 14: Everyone you know - Just for the times: Ich werde nie vergessen, wie ich der Band das erste Mal über den Weg gelaufen bin. Wir waren im Grünen Jäger um mein jährliches "Deutschrap-Update" des Reeperbahn-Festivals abzuarbeiten. Der Rapper trat auf sein Mikrofonkabel, was aber kein Problem war, weil er so viele Backgroundvocals vom Band hatte, dass es kaum auffiel, dass man ihn selber gar nicht hört. Wir sind dann weiter in die Prinzenbar. Damals, als man dort noch hingehen konnte... Und da dachte ich dann sofort: Holy shit, da hat jemand Eyedea and Abilites studiert. Also der Klang war damals schon recht dicht an deren letzten Album. Und Eyedea ist der beste Rapper, den ich niemals Live sehen werde...
Jetzt haben sich Everyone you know mehr in Richtung Dance entwickelt, was aber auch kein Problem ist. Das sind halt die Zeiten... Nach 3 Jahren ist das Debütalbum dann auch einfach mal überfällig.

Platz 13: Die Ärzte - Dunkel: Das Album beginnt so unfassbar harmlos mit "Karnickelfickmusik". Es wird dann aber sehr schnell sehr... nun ja... dunkel. Also Farin Urlaub schreibt halt einen Song darüber, wie man Menschen mit seinen Worten in den Selbstmord treiben kann. Bela B beschäftigt sich dafür dann auf "Ein Schlag" mit Femiziden. Das ganze endet dann halbwegs optimistisch mit "Our Bassplayer hates this Song", einer wir müssen die Demokratie verteidigen Hymne. Ich muss aber auch zugeben: Dieses Album hat doch seine Längen. Gerade verglichen mit dem Vorgänger Hell.

Platz 12: Materia - Die 5. Dimension: Kommen wir zum jährlichen "Ich müsste den eigentlich mehr feiern!" Album von Materia. Der Mann hat eine Wahnsinnsstimme, ist ein richtig guter Rapper und kommt aus meiner Heimatstadt. Das sind eigentlich mehr als genug Gründe für einen 5 Sterne Künstler. Trotzdem springt der Funke immernoch nicht endgültig über. Trotz Ätna Feature, die dieses Jahr definitiv einige Kategorien nach oben gestiegen sind. Obwohl er mittlerweile DJ Koze als Produzent hat, den ich noch aus der guten, alten Fischmob Zeit kenne. Obwohl wir beide definitiv Strandkinder sind. Es ist halt faszinierend, weil ich Materia spätestens seit dem Halloziehnation Demo auf dem Schirm habe. Also das lief damals im Outline hoch und runter, und dort habe ich meine Platten gekauft. Das ist jetzt schon 15 Jahre her. Ich kenne sonst keinen Künstler, der sich 15 Jahre in der "Gut, aber nicht überragend" Kategorie hält. Das macht Marten dann doch wieder einzigartig...

Platz 11: Donato - Anarco: Ich bin ja ein sehr einfach manipulierbarer Mensch: Wenn jemand ein Aphroe Feature auf seinem Album hat, muss ich das auschecken. Das ist ein absolutes und verlässliches Gütesiegel. Aphroe selber fehlt hier ja nur, weil er selten mehr als eine EP rausbringt. Aber wer so wenig macht, macht auch nur bei Künstlern mitmacht, von denen er vollkommen überzeugt ist.
Deswegen hörte ich also ins Anarco Album rein. Und wurde dann mit "Barcelona" überrumpelt. Feinstes und gleichzeitig finsterstes Storytelling. Basierend auf einer wahren Begebenheit. Also er erzählt erst die Geschichte von der Schulklasse, die mit dem Flugzeug auf Klassenfahrt nach Barcelona fährt und versetzt sich dann in den Piloten, der die Maschine auf einen Berg aufschlagen lässt. Ein richtig heftiges Teil. Also allein dieser Song sicherte einen Platz in diesen Charts. Es hat noch einige weitere emotionale Lieder im Angebot.

Platz 10: Nura - Auf der Suche: Das war dann das Jahr, in dem sich die "Wer von SXTN ist jetzt die Bessere" Geschichte wieder umgedreht hat. Nicht nur wegen des "Aus dem Asylheim in die Charts" Buches. Das Album dazu ist auch sehr stark. Normalerweise kritisiere ich ja Künstler immer, wenn sie weder richtig gut rappen, noch richtig gut singen dürfen. Aber Nura darf das auf Grund ihrer Haltung, die sie in die Charts und damit in den Mainstream bringt. Und während ich mittlerweile das Gefühl habe von Juju alles relevante schon gehört haben, packt Nura bei jedem Album noch einen drauf. Oh und "Dicker, schaffe ich es in dein Land, schaff ich es auch in deinen Club!" Nachdem sie bei ihrem Debütalbum erstmal nur sich und ihren Erfolg gefeiert hat, ist sie jetzt mit richtig viel Message zurück.

Pltz 9: Atmosphere - WORD? Der Skeptiker fragt sich: Ist es wirklich 5 Jahre her, dass Atmosphere mit "A long Hello" ihren letzten 5 Sterne Song geschrieben haben? Gut, das wäre noch nicht mal sooo schlimm, hätten Slug seit dem nicht mit "Mi Vida Loca", "Whenever", "The night before Helloween" und "Felt4 U" 4 Alben veröffentlicht, die allesamt "Gut, aber nicht überragend" sind. WORD? reiht sich jetzt nahtlos in diese Reihe ein. Die beste Zeile ist wahrscheinlich "Never forget this is America, banks rob you". Der Song kommt mit Sa-Roc Feature, was jedes Album besser macht. Am Ende verasbschiedet er sich mit einer Eyedea Referenz, die auch immer gut sind. Und ja, es gibt wieder haufenweise seltsame Videos zu dem Album, die mir beim Verstehen der Songs nicht wirklich helfen... Aber vielleicht brauche ich einfach noch ein Jahr oder 2 um das Album zu verstehen...

Platz 8: Fatoni und Edgar Wasser - Delirium: Ich muss ja zugeben, dass ich mir nie ganz sicher war, ob Edgar Wasser den ganzen Blödsinn macht, weil er nicht besser kann, oder ob all die rhythmischen Verschiebungen ein bewusstes Stilmittel sind... bis ich ihn dann diesen Sommer live gesehen habe. Und brachte er mit "Leben ist wow, dieser Flug nach Australien ist günstig, Oder ne, ist nur nach Österreich, auf Englisch" die beste schlechte Rapzeile des Jahres. Vielleicht sogar der letzten 10 Jahre. Das war eigentlich Textors Spezialgebiet. Oh und Fatoni ist ein richtig guter Rapper, der einfach nur rappt. Mehr brauche ich eigentlich gar nicht. Leider gehen die beiden am Ende des Albums mit künstlerischen Differenzen auseinander... Aber das Album ist trotzdem sehr schön geworden...

Platz 7: Celeste - Not Your Muse: Part 2 auf der "Endlich das Debütalbum der talentierten Engländerin" Liste. Oh und Celeste got robbed in 2019. Also damals, als sie für den Reeperbahn-Anchor-Award nominiert wurde, aber Alyona Alyona gewann. Mittlerweile nutzt das ZDF ihr "Stop this flame" als Olympia Song. Und wie es aussieht, tauchte es nicht nur dort auf, sondern auch beim Fifa Soundtrack... auf Netflix Serien. Im RTL2 Programmhinweis. Sie löste Beyoncé Knowles in der Peloton Werbung ab und gab mir damit eine Möglichkeit, die Beste doch in die Charts einzubauen... Thanks. Die schüchterne Sängerin ist im Mainstream angekommen... Aber im Gegensatz des Mainstreams, der von der Stimme fasziniert ist, bin ich schon im "Hab mich halt dran gewöhnt, sie macht das, was ich von ihr erwarte" Modus. Oh und an der Stelle sei erwähnt, dass das Piano praktisch direkt bei Nina Simone geklaut ist, die quasi die Großmutter der modernen "Black Music" ist.

Platz 6: Karl die Große - Was wenn keiner lacht: Hier die Gewinner des Dota-Klon Awards des Jahres: Wencke Wollny und ihre Band. "Das dicke Mädchen hat es den Berg hoch geschafft!" Wer auf "auf den ersten Blick seichte Popmusik mit überraschend tiefgründigen Texten" Bock hat, wird hier fündig. Fatonis Rap Part auf "On My Side" könnte dessen bester Beitrag des Jahres sein. "Weißt du was ich Scheiße find? Was ich so richtig Scheiße find, So richtig richtig Scheiße find? Dass ich jetzt alleine bin." Oh und das Maeckes die featuren darf, finde ich irgendwie unfair...
Wencke Wollny ist jedenfalls eine großartige Musikerin, die mir in den letzten 2 Jahren immer wieder über den Weg lief. Also 2020 dürfte ich sie 5-mal mit verschiedenen Bands oder Projekten auf der Bühne gesehen haben. Dieses Album ist da nur die logische Konsequenz.

Platz 5: Kapelle Petra - Die Jahreszeiten: Atmosphere hat das doch schon vor Jahren gemacht! Also 4 EPs in einem Jahr zu veröffentlichen und mit jeder EP eine Jahreszeit abzuhandeln. Stimmt. Aber wenn wir alles, was Atmosphere schon gemacht hat, einfach lassen, wird kaum noch jemand neue Musik rausbringen können...
An der Stelle muss noch kurz eingeschoben werden, dass das "Nackt" Album irgendwie an mir vorbei ging. Dabei ist "Weltkulturerbe" ein absolut überragender Song. Manchmal hinke ich halt 2 Jahre hinterher. Anyhow: Kapelle Petra war für DEN KONZERTMOMENT des Jahres verantwortlich. Also als die uns erst sagten, dass wir wegen Lärmbelästigung die Fenster schließen müssen, um fast direkt danach "Reißt die Fenster auf" zu spielen... Und man merkte auch den Rest des Konzertes, dass es das es die erste Indor 2G Veranstaltung ohne Masken und ohne Abstand seit 12.03.2020 war.
Auf den EPs schaffen sie es immer wieder die Jahreszeiten auch gut zu treffen. "Ameland" ist genaugenommen eine neue Version von "Summer of 69". Und das fasst die Band auch sehr gut zusammen: Sie schaffen es immer wieder wunderbare Gefühle mit einfachen Worten in Musik zu verpacken.

Platz 4: Main Concept - 3.0: "Immer wenn wir Platte machen, ist das was historisches." Dave P ist definitiv der intelligenteste Rapper. Und er war damals mit den Beginnern, als Rap wirklich am durchstarten war, mit auf der Tour dabei. Er entschied sich aber dagegen und für sein Medizinstudium. Deswegen bringt er alle 6 bis 10 Jahre mal ein Album raus. Aber das halt konstant seit 30 Jahren. Der Unterschied zu all den anderen Alteingesessenen Frührentnern: Dave P schwelgt nicht in den vergangenen Jahren, sondern geht immer weiter nach vorne. So beschäftigt mit dem Fakt, dass er sich als praktizierender Arzt immernoch als Migrant wahrgenommen wird. Oh und er ist der einzige, der Zeilen wie "Körper bilden gegen Dummheit keine Immunglobuline" bringen kann. Oder Berthold Brecht zitiert. Also klar, das hat er schon 1995 gemacht. Mittlerweile denkt er dabei nicht mehr nur an die Polizei, sondern an das System als ganzes: "Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich. Berthold Brecht was right." "Sie teilen um zu herrschen, wir teilen was wir haben!" ist eine dieser Chorus Zeilen, auf die man neidisch ist. Auch wenn sie von mir aus häufiger teilen dürften, denn jetzt heißt es 10 Jahre aufs nächste Album von denen warten...

Platz 3: Sarah Lesch - Triggerwarnung: Ähm... ja genau. Es wird jetzt um sexualisierte Gewalt in allen Formen gehen. Wer sich da als Mann unwohl fühlt, sollte diesen Paragraph überspringen. Und das ist kein Vorwurf. Also "Schweigende Schwestern" und "Die Geschichte von Masha P. Johnson" lösen bei mir auch beim 30. Hören noch ein richtig schlechtes Gefühl in der Magengegend aus. Genau das macht diese Songs so überragend. Allein schon, wie sie auf "Die Löwin" mit sanfter Stimme ankündigt, dass sie jetzt in den Angriffsmodus wechselt. "Drunter machen wir es nicht" ist dann die eine Mutmacherin auf dem Album. Normalerweise brauche ich ja Ewigkeiten, um mit Sarah Lesch Alben warm zu werden, weil die halt auch wirklich Tiefgang hat. Man muss die Alben halt mehrere Male hören, um sie wirklich zu verstehen. Diese Songs treffen einen schon beim ersten Live hören direkt ins Gesicht.

Platz 2: Dota - Wir rufen dich, Galaktika: Eigentlich ging ich ja davon aus, dass seit dem 28 .Mai Platz 1 und 2 der Charts fest vergeben sind. Denn da kamen das Main Concept und das Dota Album. Nach Platz 3 in 2017 und Platz 2 in 2018, wäre das der nächste, logische Schritt. Und nachdem ich selber eingangs dachte: Das ist ja nur der nächste logische Schritt nach der Freiheit... fiel mir irgendwann auf: Verdammt, das ist ja der nächste logische Schritt.
Also von "Wir haben die Katastrophe kommen sehen", können aber nichts dagegen machen zu "Wir rufen dich Galaktika" und einem "Dass sie uns was wegnehmen wollen wir nicht." Von "Das sind immer die anderen" zu "Tun wir einfach so, als ob wir es nicht sind." Von "Zu meiner Beerdigung gibt es überall Kofetti" zu "Ich werd als Baum reinkarniert." Wobei das wirklich schöne an Fotosynsthese ist, dass man den Spaß an der Aufnahme heraushört. Dazu kommt Bademeister*in als die musikalische Umsetzung des Erdenbewohner*in T-Shirts.
Dann liefert sie mit "Besser als nichts" ganz nebenbei noch ein wunderschönes Liebeslied. Es muss ja nicht immer alles politisch sein. Wer jetzt behauptet, dass das links-grün-versiffte Gutmenschenmusik ist... hat recht. Das sieht sie halt auch selber so...

Platz 1: Joy Crookes - Skin: Die Stimme ist Michelle Williams-esque. Und sie leidet sogar unter denselben Geisteskrankheiten. Mehr brauche ich doch gar nicht. Aber Joy liefert noch mehr. Sie unterscheidet sich von den anderen britischen Singer/Songwritern dieser Liste, weil sie halt auch richtig heftige Themen angeht, anstatt nur über zerflossene Liebe zu singen. In der Leadsingle "Feet dont fail me now" geht es direkt um Depressionen. "Unlearn you" ist dann die Bewältigung sexuelle Misshandlung. "Kingdom" ist ein rundumschlag gegen die britische Regierung. In "19th Floor" geht es um das Aufwachsen in Armut. "Power" ist eine dieser zahllosen Feministinnen Hymnen, die mir dieses Jahr über den Weg gelaufen sind. Und wenn sie dann tatsächlich mal ein Liebeslied schreibt, geht es darum, dass sich ihr Ex hinterher in einen Mann verliebte... All das schon auf ein Debütalbum zu packen, ist Wahnsinn... Am Ende muss ich das Ding auf Platz 1 zu heben, muss allerdings auch festhalten, dass es zwischen Platz 1 und 3 praktisch keinen Unterschied gibt.
Nebenbei muss ich kurz die Reisegeschichte der Vinyl erzählen. Die haben wir uns nämlich signiert aus England schicken lassen. Nur wurde sie in Gütersloh gepresst, nach London geschickt, signiert, eingeschweißt, über den Zoll nach Hamburg gesendet um dann mit dem Zug nach Leipzig zu fahren... das ist mal eine Reise...

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Passives Abseits: Albumcharts 2020

Let's have some fun, shall we? Traditionen müssen halt gepflegt werden. Und weil man ja nicht nur auf den ganzen negativen Scheiß zurück blicken will... hier die Liste meiner neuen Lieblingsalben, über die ich in den letzten 12 Monaten und paar Wochen gestolpert bin...
Apropos: Noch ein wichtiger Hinweis an alle, die in den nächsten Tagen darüber nachdenken ein "2020 war so Scheiße, aber ist ja zum Glück vorbei... 2021 kann nur besser werden" posten wollen: Scrollt mal ein Jahr in eurer persönlichen Timeline zurück und überlegt, wie viele in eurem Umfeld genau das Ende des letzten Jahres gesagt haben... anscheinend dachte sich 2020 da: Challenge accepted. Lasst uns 2021 also nicht unnötig provozieren.

Platz 24: Chef'Special - Unfold: Ist das Album besser als Amigo, welches es auf Platz 16 des Vorjahres schaffte? Wahrscheinlich nicht, es fehlt aber dieses Live-Flashback Feeling. So bleibt dann Kaleidoscope als bestes Feel Good Stück übrig.

Platz 23: Joy Denalane - Let yourself be loved: Irgendwie ist es unfair. Also spätestens als ich die Frau letztes Jahr mit ihrem Ehemann live sehen durfte, stellt sich die Frage nach der besten Deutschen Gesangsstimme für mich nicht mehr: Joy ist einfach überragend. Aber trotzdem sind die Alben am Ende "nur" nett. Jetzt liefert sie ein super solides Soul Album ab. Mit den ganz großen Produzenten und amerikanischen Feature Gästen. Und da ist auch viel gutes dabei. Aber am Ende fehlen die herausragenden Stücke... Das geht aber nicht nur diesem Album so, sondern auch:

Platz 22: Murs and Slug - Felt 4 You: Als ich Atmosphere von der letzten Liste gestrichen habe, dachte ich nicht, dass Slug in den nächsten 12 Monaten 3 Alben raushaut. Also für nen bisschen Kontext: Murs und Slug sind dicke Freunde, die sich in unregelmäßigen Abständen treffen und Alben "for the fun of it" machen. Das war, weil Slug ja immer so ein emotionaler, komplexer Lyriker war, früher durchaus wichtig. Mittlerweile haut er aber auch mit Atmosphere regelmäßig wesentlich entspanntere Dinger raus. Und macht allgemein den Eindruck, dass er hauptsächlich noch rappt, weil er immer noch Bock auf Rap hat. Was halt den Felt Projekten diesen Sonderstatus, den vor allem die ersten beiden Teile hatten, nimmt. Dafür gibt sich Slug beim Rappen mittlerweile wieder richtig Mühe, was er zwischenzeitlich auch vernachlässigt hat... Und Murs is better then your favorite Rapper. Always has been. Aber am Ende ist er trotzdem nicht mein Lieblingsrapper...

Platz 21: Die Sterne - Die Sterne: Eine Band, die so alt ist, dass sie die Hamburger Schule gegründet haben. Also zumindest Frank Spilker der als einziges Gründungsmitglied noch übrig ist. Wer also Bock auf Indie und extrem gute deutsche Texte hat, sollte sich dieses Album auf jeden Fall gönnen. Und sich daran erinnern, dass wir in den besten Demokratien leben... Nebenbei muss ich an der Stelle erwähnen, dass Die Sterne die letzte Band war, die ich vor dem ersten Lockdown gesehen habe. Quasi am Abend, bevor alles vorbei war. Und ja, das war extrem unvernünftig, aber es war halt auch bis heute das letzte Konzert, welches ohne Abstandsregeln und ähnlichem kam. Ich vermisse solche Veranstaltungen dermaßen...

Platz 20: Tina Dico - Fastland: Denn Live-Konzerte sind, mehr noch als Songs, Something you can keep. Und ja, dieser Song ist an sich nichts überragendes... wenn man ihn aber mitten in einer Pandemie während des jährlichen Reeperbahn-Festivals plötzlich live hört, trifft er einen ganz anders. Und von all den Skandinavischen Liedermachern, die dieses Jahr auf diesem Festival auftreten konnten, (weil halt alles, was gerade so ging, nur ne Nummer kleiner ging,) war sie die herausragendste. 

Platz 19: Juse Ju - Millenium: Genau genommen hat sich Juse Ju ja bisher nur als "Feature Gast" oder "Crewmitglied" hervorgetan. Also klar, in Kombination mit Edgar Wasser oder Fatoni... Oder anders ausgedrückt: Nur Nazis haben Vorurteile! Aber dann kam dieses Album und vor allem "Model in Tokio"... Und dann fällt einem auf, dass der neue Juse Ju Scheiß auch ohne Fatoni funktioniert.

Platz 18: Reinhard Mey - Das Haus an der Ampel: Die Art und Weise, wie Reinhard Mey mit Sprache umgeht, ist einfach einzigartig. Die Liebe zum Detail in den Bildern ist der absolute Wahnsinn. Und natürlich kommt hier wie immer der Disclaimer, dass er sich nicht mehr auf dem Niveau des an sich gar nicht mehr Jungen Reinhard Meys aus den 80ern messen lassen kann. Aber das kann halt auch sonst niemand. Dazu kommt halt der Fakt, dass ich den Titelsong direkt nach der Veröffentlichung nachspielen durfte... Manchmal sind es halt die kleine, emotionalen Momente, die einen die Musik lieben lassen.

Platz 17: Klan - Sommerseite/Winterseite: Klan klingen nen bisschen wie Clueso, nur ohne die hardcore nerd Vergangenheit, die Cluesos Frühwerk so sympathisch macht. Was auch nur bedeutet: Im Gegensatz zu Clueso müssen sie sich nicht mit dem herausragenden "Gute Musik" Album vergleichen lassen. Deswegen dürfen die seichte Popmusik in deutscher Sprache machen, ohne dass es dafür Vorwürfe von mir gibt.

Platz 16: Samy Deluxe - Hochkultur: Samy ist und bleibt DER BESTE RAPPER im Land. Also technisch gesehen kommt da keiner ran. Vor 20 Jahren hätte das auch gereicht, um garantiert DAS ALBUM DES JAHRES abzuliefern. Mittlerweile hat man sich halt irgendwie dran gewöhnt, dass Samy auf einem Niveau rappt, an das keiner ran kommt. Aber, und das muss dringend festgehalten werden: Auf diesem Album sagt er auch einige richtig sinnvolle Sachen. So redet mann nicht über Mama sei da mal als explizites Beispiel erwähnt.

Platz 15: Sa-Roc - The Sharecropper's Daughter: Wo wir schon dabei sind die richtig guten Rapper abzuarbeiten: Sa-Roc. Nur weil es mich nicht mehr so begeistert, wie vor 20 Jahren, bedeutet dies ja nicht, dass ich nicht immer noch gerne guten Rap höre. Und "Forever" ist einer dieser "Deswegen liebe ich Indie-Rap" Songs.

Platz 14: Sketches on Duality - Spectrum: Stellt euch vor, ihr stolpert an einem Donnerstag Abend (oder war es Mittwoch? Details) ziemlich erschöpft und nach 8 Live-Bands in den "Where the Beatles played first" Laden und seht da dann um kurz vor 12 diese obskure Band, die perfekt Jazz mit Rap verbindet... und denkt dann: Genau so muss das laufen! Und ja, Sketches on Duality ist eine der zahllosen Reeperbahn-Festival Entdeckungen. Das Album ist deswegen hervorragend, weil Jahson The Scientist als Rapper so gut ist, dass die Musiker sich nicht seinetwegen zurückhalten müssen...
Oh und dann noch ne kurze Story Time: Mein Bruder und ich haben uns monatelang davor gedrückt, das Album als MP3 zu kaufen... Aber als die dann doch ein limitiertes Vinyl-Release bekannt gaben, bestellte mein Bruder gleich 2, ohne mich überhaupt zu fragen, ob ich auch eine brauche. Das beschreibt unser Verhältnis zur Musik ganz treffend.

Platz 13: Blond - Martini Sprite: Ich mag solche Alben einfach. Also Songs, bei denen man zunächst denkt: Ist ja lustig... und dann bei genaueren Hinhören feststellt, dass es um richtig ernsten Scheiß geht. Also nehmen wir mal "Sie" als Beispiel, welches mit einem euphorischen "Mein Herz macht Boom Boom" anfängt, dann aber ganz schnell in die Angst von Frauen nachts alleine heim zugehen abdriftet. Das hätte ich denen so nicht zugetraut.
Das ganze kommt dann mit einem klaren feministischen Anstrich. Dafür, dass sie oft so ernste Themen ansprechen, machen die viel zu viel Spaß...

Platz 12: Dota - Kaléko: Was, jetzt schon? Ist doch noch viel zu früh für ein Dota Album auf dieser Liste? Ok, dies hier ist "nur" ein "Nebenprojekt", in dem Gedichttexte von Mascha Kaléko vertont werden. All das auf dem musikalischen Niveau, an das man sich mittlerweile auch irgendwie gewöhnt hat. Und mit einigen überraschenden Gastauftritten. Also dass sie Hannes Wader für dieses Projekt aus dem Ruhestand geholt hat, sagt schon einiges aus. Und seit dem das Album im Umlauf ist, versuche ich den Begriff "kognakfroh" wiederzubeleben. Mit eher mäßigen Erfolg, aber gewöhnt euch schon mal dran...

Platz 11: Falk - Ist das glutenfrei? Dieses Album hat 2 große Probleme: Zum einen kannte der Konzertjunkie 80% der Lieder schon vorher von den Konzerten. Zum anderen hat sich das zynische Arschloch gegen den Melancholiker durchgesetzt. Beides sind absolute Luxusprobleme. "Im Biomarkt" ist seit 2017 halt nicht schlechter geworden. Wer also Bock auf zynische Geschichten hat, ist hier genau richtig...

Platz 10: Chloe, Halle - Ungodly Hour: Mittlerweile ohne X in der Mitte. Trotzdem ein regelmäßiger Gast in dieser Liste. The Ungodly Hour ist dann die Antwort auf die Frage: Was werden die wohl machen, wenn sie endlich trinken dürfen... Die Antwort: Fluchen und Fremdgehen. Also geflucht wird relativ wenig, übers Betrügen geht es überraschend häufig. Und faszinierender Weise aus allen möglichen Perspektiven. Also "Busy Boy" kommt mit folgender Zeile:

"You sendin' me too many pictures of your... (Oh)
Baby, are you drunk?
Or did you mean to send it to another girl? (Another girl)
And by the way
I think I just stumbled on your girlfriend's page (Oh, no)
Congratulations
She sayin' that the baby comin' any day"

"Wonder what she thinks of me" fängt dagegen mit

"I wonder what she thinks of me when you're coming home
I know that she smells my perfume under your cologne"

an... Aber mach mir keine Vorwürfe, ich bin schließlich nicht die Erste, mit der du deine Frau betrügst... An der Stelle bleibt zu erwähnen, dass die beiden praktisch alles selber schreiben und produzieren. Vielleicht sind sie doch nicht so gut erzogen, wie wir alle vor 2 Jahren dachten... Anyhow, ich warte weiterhin auf den ganz großen Durchbruch, der eigentlich bei jedem Grammy oder VMA Auftritt angekündigt wird...

Platz 9: Kinderzimmer Production - Todesverachtung to go: Oh yeah! Ganz ehrlich: Mit einem Kinderzimmer Productions Comeback habe ich nicht mehr gerechnet... Und das dieses Album dann so sehr nach dieser einzigartigen Band klingt... "Ja, liebe Nachbarn, da verdiene ich Geld mit!" "Lass die Putzfrau entschieden ob das Kunst ist oder weg kann." Und klar, auch nach 20 Jahren weiß niemand, ob Textor unfassbar tiefgründig oder unglaublich flach ist. Aber genau das macht den Reiz aus. Und es gibt keine andere Band, die so klingt...

Platz 8: Alicia Keys - Alicia: Dieses Album könnte langfristig noch deutlich nach oben schießen, denn das Ticket zur Live Show, datiert mit Juni 2020, liegt immer noch auf meinem Schreibtisch. Und Songs wie "Underdog", "Perfect way to die" und "Good Job" durch entsprechende Gänsehautauftritte mehrere Kategorien nach oben zu rutschen. Da sie mit dem "Here" Album nie auf Tour gegangen ist, gibt es da einiges, was unbedingt mal gespielt werden sollte. 

Platz 6+7: Atmosphere - Whenever / The Day Before Helloween: Habe ich schon erwähnt, dass mein absoluter Lieblingsrapper Slug dieses "Jahr" 3 Alben veröffentlicht hat? Scrollt hoch... Ja, habe ich, Habe ich auch schon darauf hingewiesen, dass ich aus diesen Alben nicht wirklich schlau werde? Also eigentlich kam Whenever schon nen knappes Jahr zu früh. Ich war noch nicht annähernd fertig mit dem "La Vida Loca" Album. Dann war ich mir nicht ganz sicher, ob dies nicht eines dieser "Übergangsprojekte" ist. Also Atmosphere hatten jahrelang die Angewohnheit die Zeit zwischen den alle 3 Jahre erscheinenden Alben mit "Sad Clown Bad Dub" EPs oder Gratisdownloads" zu überbrücken. Diese Projekte funktionierten auch immer als "Wegweiser" zum nächsten richtigen Album. Und häufig wurden dort einfachere Geschichten verpackt. "Postal Lady" klingt genau so. Was für sich genommen gar nicht weiter schlimm ist, aber irgendwie doch Teil des Problems. Denn während man beim Durchhören der "richtigen Releases" immer genau wusste, in welcher künstlerischen Phase man sich gerade befindet, könnte dieser Song auf 4 Zwischenprojekte passen. Oder nen Murs Part vertragen, was es zu Dirty Girl Part 2 werden lassen würde.
Auf der anderen Seite wurde halt auch in der Präsentation viel zu viel Aufwand betrieben, um es als Nebenprojekt zu kategorisieren. Also wir reden von hochwertigen Videos für "Bde Maka Ska" und "Lovely" Lovely kommt sogar mit nem richtigen Ant Auftritt, das hätte es früher nie gegeben. Also ist Whenever am Ende einfach das erste Atmosphere Album, dem dieser richtige Übertrack fehlt.
Und weil das dann nicht reicht, gibt es "The Day Before Helloween". Mit von Jason Goldwatch produzierten 40 Minuten Video... Welches aber mit einer dringenden Warnung kommt: Ihr solltet euch vorher "The Wall" von Pink Floyd angucken... und wenn euch das nicht verstört, könnt ihr euch auch an diesem Projekt ausprobieren. Ihr seid gewarnt. Vor allem hat mir das gucken des Filmes auch beim 3. Versuch nicht wirklich beim verstehen des Albums geholfen... Aber auch The Day Before Helloween ist definitiv zu komplex um als "Haben wir so nebenbei gemacht" durch zugehen. Vor allem klingt es gerade im Vergleich zu Whenever wieder komplett eigen. Also wenn man zufällig in der Playlist auf einen Song dieses Albums stolpert, wird man sofort wissen, wo man gerade ist. Und so was mag ich halt immer sehr. 

Platz 5: 100 Kiloherz - StadtLandFlucht: Heute in der beliebten Serie: Warum habe ich die alten Feine Sahne Fischfilet Sachen eigentlich nie so wirklich gefeiert? Also ja, 100 Kiloherz klingen wie Feine Sahne in ihren Anfangsjahren. Die Bläser können ungefähr 2 Variationen einer Melodie spielen, die ständig wieder verwendet wird. Das Album ist definitiv eher Punk als Abwechslungsreich. Dafür kommt es mit verdammt viel Energie und es hat hat mit "An Ampeln" auch einen dieser Überhits des Jahres. Also wie in dem Text immer nur wenige kleine Worte ausgetauscht werden, sich trotzdem alles ändert, ist einfach nur großartig.

Platz 4: Theodor Shitstorm - Sie werden dich lieben: Heute in der beliebten Serie: Wie konnte ich das so lange verpassen? Also das Album ist von 2018. Und spätestens 2019 sagte mein Vater mir, dass ich das unbedingt mal hören muss. Ich kam aber erst Anfang 2020 dazu. Jetzt könnte ich einfach auf das nächste Album warten, welches für 2021 angekündigt wurde... aber dafür ist das Album zu gut. "Depression" ist eine perfekte musikalische Umsetzung dieses so ernsten Themas. Nur echt mit Ohrwurm-Chorus... "Mama, schick mir die Platten von Reinhard Mey" ist wunderbar melancholisch. 

Platz 3: Die Ärzte - Hell: Womit ich definitiv nicht mehr gerechnet habe... ist ein relevantes Ärzte Album. Dabei habe ich Farin Urlaub immer für einen überragenden Lyriker gehalten. Man könnte allein über die Zeile "Ich hab dir nie gesagt, dass du mir fehlst" Doktorarbeiten schreiben... Aber das war halt "13" und das ist verdammt lange her. Und auch wenn es danach noch das ebenfalls überragende "Geräusch" gab, waren "Jazz ist anders" und "Auch" zwar nett... sind aber irgendwie an mir vorbei gegangen. Und selbst Auch ist halt schon 8 Jahre alt. Das letzte Mal lief mir Bela B über den Weg, als er seinen Heimatroman vorstellte... Es wirkte einfach so, als wären die fertig. Aber dann traten sie auf ein Mal in den Tagesthemen auf. Und stellten die eigentlich essenzielle Frage, "was Beyoncé morgen trägt"... ich meine natürlich "WARUM SPRICHT NIEMAND ÜBER GITARRISTEN?" Und ich frage mich, ob es wirklich so schlimm ist, dass ich ein gesamtes Album wegen einer Queen B Referenz feiere. Ok, ganz so schlimm ist es auch nicht, es gibt ja auch noch "Woodburger". Auch wenn ich da immer denken muss, dass ein gewisser Götz Widmann das Thema schon mal besser abgehandelt hat. Und ganz ehrlich: Ein Bier wollt ich schon immer sein... Kurz gesagt: Es sind sehr viele sehr schöne Ärzte Songs auf dem Album. Und wie immer dieser eine verwirrende Rod Song...

Platz 2: Sarah Lesch - Der Einsamkeit zum Trotze: Ich bin ja seit Corona Freund völlig absurder Verschwörungstheorien. Also ich entwickele sie selber. Einfach "Bill Gates will uns verchippen" nachzuplappern ist viel zu langweilig. Dann fällt einem plötzlich auf, dass Sarah Lesch mein Leipzig im ersten Lockdown mit pinken "Der Einsamkeit zum Trotze" Plakaten zugepflastert hat... Und rechtzeitig zum Weihnachtsfest gab es dann wieder einen Lockdown, was schenkt man sich da am besten? Da stellt sich schon die Frage: Kann es sein, dass sie dieses Virus erschaffen hat um ihre neue Platte zu promoten? Und es dann zu Weihnachten in einer neuen Welle zu verkaufen?
Ich sag das mal so: Der Titeltrack trifft einen live ganz anders, wenn man ihn nur während Pandemie gerechten Konzerten sehen darf, bei denen man Mindestabstand zum Nebenmann halten muss... "Wir schaffen das nur Gemeinsam, der Einsamkeit zum Trotze!"
Dazu kommt noch absurdes Storytelling mit dem Rosa Elefanten. Das definitiv beste Lied, welches sie je ausgeschwiegen hat. Beute in Bauch ist ein zumindest seltsames Liebeslied. Und alles in allem pflegt die Frau genau den detailverliebten Umgang mit Sprache, den ich bei Reinhard Mey immer so geliebt habe.

Platz 1: Götz Widmann - Tohuwabohu: Das Album muss einfach großartig sein, es hat meinen alten Plattenspieler zerstört. Oder es ist so furchtbar, dass mein treuer Freund an genau der Stelle sagte: Jetzt reicht's. den Scheiß mach ich nicht mehr mit. Ich tendiere zu ersterem. Was auch nur bedeutet, dass das erste Album des Jahres auch das Beste war...
Und natürlich ist Götz sprachlich wesentlich brachialer als Sarah oder Reinhard. Das bedeutet aber nicht, dass er nicht auch perfekt den Nerv treffen kann. Und "Europa" macht genau das. Die letzte Strophe sollte man allen vorspielen, die sich nicht mehr an die Geschichten ihrer (Ur-)Großeltern erinnern können. Die Frage, warum es keinen Europafeiertag gibt, an dem wir uns alle mal gemeinsam besaufen, ist mehr als berechtigt. Auch wenn es irgendwie nach einer Forderung von der Partei DIE PARTEI klingt.
"Maria" ist einfach nur schön. Dass sich dann noch jemand die Mühe gemacht hat Originalaufnahmen aus der beschriebenen Bar zusammenzuschneiden... Und wer solche kleinen Kaschemmen nicht kennt, hat halt nicht gelebt.
Als jemand, der eine Bierleitung in seinem "Wohnzimmer" liegen hat, kann ich euch bestätigen, dass "Fließendes Bier" eine absolut geniale Idee ist. Und "Babydinosaurier" beweist, dass es den absolut albernen Götz immer noch gibt. Wenn das einzige "Problem" auf dem Album der Fakt ist, dass "Klimakatastrophe" als Gedicht ohne Musik live wesentlich besser war, hat man ein verdammt gutes Album.

Montag, 31. Dezember 2018

Meine persönlche Album Jahrescharts 2018

Warum? Weil ich kann! Und weil für mich persönlich noch mal die Musik des Jahres durchgehen eine gute Eigentherapie ist. Die beste Variante eines persönlichen Jahrestückblick. Der dann halt auch zur echten Tradition wird. Also das gab's auch 2016 und 2017 schon mal. Und die zu schreiben, macht einfach Spaß. Gönnt mir also den Egotrip...

Fangen wir mit den "Honorable Mentions" an: TiffanyForBreakfasts "Welcome to Scum" ist bein Random Metal Album des Jahres. Ich habe mittlerweile die Angewohnheit mir ein Mal im Jahr ein Album von Freunden zu kaufen, welches dann meistens zu Hart und zu Schnell für mich ist. Ich brauche dringend andere Freunde.
Ace Tee's "Tee Time" klingt irgendwie cool... aber mehr auch nicht. Und es ist nur ne EP. Vielleicht nächstes Jahr mit dem Album, mal sehen.
Yellow Caps "Too Fucked to go" ist mein Vinyl gewordener Soundtrack zum Skadelicious... aber halt auch erst seit 9 Tagen im Plattenregal. Und auf dem Niveau der Slapstickers sind die am Ende auch nicht... und wenn die es nicht in die Charts geschafft haben...
Neonschwarzs "Chaos" habe ich gerade erst bekommen und kann es noch nicht wirklich einordnen.
Falks Livealbum ist eben genau das und damit außen vor.
Materia und Casper haben zwar beide coole Stimmen und sind fähige Rapper... aber 2 Alben von dem einen auf einer Bestenliste wäre doch zu viel des guten... 
Und Clueso... nun ja...

Platz 14: Clueso - Handgepäck I: Ok, lasst uns genau genommen hier anfangen. Ich habe dieses Jahr aufgehört Clueso überkritisch zu sehen. Man muss dazu wissen, dass der überverpeilte Junge damals mit Gute Musik eines meiner absoluten Lieblingsalben rausgebracht hat. Damals heißt 2004. Er bewegte sich genau auf der Ebene zwischen Rap und Liedermacher. Und er hatte Songs wie Pizzaschachteln im Angebot... Danach... wurde er aber zum Popmusiker. Was ich ihm lange nicht verzeihen wollte. Dieses Jahr dachte ich mir dann: Gib dem Jungen doch nochmal eine Chance und vergleiche ihn einfach nicht mit dem perfekten Sturm von damals. Und siehe da: Man kann sich das wieder anhören.

Platz 13: Moorcheba - Blaze Away: Moorcheba ist cool. Und es ist gut zu hören, dass sie ihre "Soloprojekte" beendet wurden und sie jetzt wieder gemeinsam Musik rausbringen. Manchmal wusste man gar nicht so genau, was man vermisst hat.

Platz 12: Nakahne - You will not die: Auf meiner "Ich muss irgendwie mal meinen Frieden mit dem Mojos in Hamburg schließen" Mission (dazu später mehr), stolperte ich auf dem Reeperbahnfestival ganz spontan über Nakhane. Und der hat Prince studiert. Ganz gründlich Prince studiert. Dabei hat er aber nicht vergessen, dass man nicht nur kopieren darf, wenn man eigene Musik machen will. Heraus kommt ein Album um die Interloper Single, welches der Prince Fan in mir einfach mögen muss...

Platz 11: Marteria - Verde: Was soll ich sagen, ich mag den bekifften Marten lieber als den angeblich nüchternen und fokussierten. Dazu kommt: Jeder Künstler, der Doppelkopf cuttet, hat einen Stein bei mir im Brett.

Platz 10: Epic Beard Men - Season 1: Oder: Der Grund, warum meine Geheime Band nicht so heißen kann... Schade eigentlich. Sage Francis war jedenfalls immer einer der absurdesten und unterschätzten Rap-Künstler aus den USA. Auch wenn er da irgendwie selber dran Schuld ist. Jetzt hat er sich nach jahrelangen gemeinsamen Tourneen (und der Vollendung meines Live-Outfits) dafür entschieden, mit seinem Partner in Crime B.Dolan auch offiziell gemeinsame Sache zu machen. Im "D.I.Y.M.F.S." Modus. Hoffentlich taucht er nicht wieder auf Jahre ab... Und ja, ich liebe Indie Rap aus den USA...

Platz 9: William Wormser - Jede Idee: Ich vergleiche mich selbst ja mittlerweile mehr mit Liedermachern als mit Rappern. Oder ich habe es heimlich schon immer gemacht, bin mir dessen jetzt nur bewusst geworden. Und "Es funkionert" ist definitiv der Liedermachertext des Jahres (auch wenn er technisch von 2016 ist... aber Details... Er hat es auf dieses Album geschafft. Dazu kommt "Das Lied von der ewigen Ungleichzeitigkeit"... Der Witz mag etwas umständlich sein, trifft aber dennoch genau meinen Komiknerv.

Platz 8: Moop Mama - Ich: Eine von diesen Bands, die mir seit Ewigkeiten bekannt sind, aber doch irgendwie unter dem persönlichen Radar flogen. Was halt auch irgendwie daran lag, dass sie wie Jan Delay für Arme klangen... Passiert einem halt, wenn man sich mit genau dem Feature bei mir vorstellt... und dann ein eher durchschnittlichen Jan Delay Song rauskommt... Aber jetzt hat Rapper Keno Langbein entscheidende Fortschritte als Texter gemacht und bringt diese "Warum habe ich die nicht selbst gehabt?" Ideen, die dann von der großen Kapelle akustisch umgesetzt werden.

Platz 7: Chloe X Halle - The Kids are alright: Oh, die beiden schon wieder. Läuft bei denen. Natürlich ist auch "The Kids are alright" mehr eine Sammlung aller bisherigen Songs der beiden, als ein klassisches Album. Dennoch denke ich mir immer wieder "Wie kann man in dem Alter so epische Musik machen". Also das klingt einfach so verdammt groß. Und die dürfen noch nicht mal Alkohol trinken. Was soll daraus mal werden?

Platz 6: Beyoncé & Jay-Z - The Carters - Everything is Love: Was, jetzt schon? Damit ist es wohl... das schlechteste Beyoncé Release seit dem Destiny's Child Weihnachtsalbum. Und ihr alle so: Warte, es gibt ein Weihnachtsalbum von denen, warum erzählt er uns das jetzt?
Dieses Album ist jedenfalls mal kein Meilenstein und das ist gut so. Es ist dafür aber der Beweis, dass die beiden ihre Ehetherapie erfolgreich abgeschlossen haben. Was auch gut ist. Und darauf hin haben sie sich einfach mal in nem Studio eingeschlossen und gemeinsam Spaß beim Aufnehmen gehabt. Anstatt sich ständig Gedanken um das nächste Meisterwerk zu machen.
Nebenbei dropt ausgerechnet Beyoncé die vielleicht beste Battle Zeile seit langem: "My great grandchildren are already rich/ that's a lot of brown children on your forbes list!" Das ist einerseits die ultimative Angeberei mit dem eigenen Reichtum, was ja im Mainstream Rap schon immer beliebt war. Sie denkt halt schon gar nicht mehr in Autos oder Privatjets, sondern nur noch in Platzierungen auf der Forbes Liste... Andererseits wird dieser Reichtum für die Übernächste Generation erhalten und nicht sinnlos verprasst, was die meisten anderen Rapper gerne vergessen.
Wenn Jay-Z dann noch auf "Summer" entwaffnend ehrlich über die Beziehung (und deren Bedeutung für ihn) philosophiert... Auch wenn einem dabei irgendwie bewusst wird, dass die "Sie sing, er rappt" Aufteilung doch die ist, die am besten funktioniert...
Oh und die beiden haben den fucking Louvre absperren lassen um dort ein episches Video zu drehen... ohne dass dies irgendjemand mitbekommen und veröffentlicht hat... Weil sie's können.

Platz 5: Feine Sahne Fischfilet - Sturm & Dreck: Hier jetzt das peinliche Eingeständnis: Meine eigenen Eltern waren auf mehr Feine Sahne Konzerten, als ich selber. Und das schlimmste daran: Das liegt im wesentlichen daran, dass ich die Band jahrelang irgendwie nicht mochte. Klar, die waren irgendwie cool, mein gesamtes Umfeld hat die ja gehört... aber verpasst man wirklich was, wenn man die verpasst? Jetzt haben sie mich mit "Wo niemals Ebbe ist" und "Niemand wie ihr" emotional voll abgeholt. Der eine Song erinnert mich daran, dass ich ja eigentlich ein Kind der Ostsee bin und diese vermisse... der andere ist beinah auf Zeugnistag Niveau. Was einer meiner 10 Lieblingslieder aller Zeiten ist.
Warum mich dieses Album jetzt mehr mit nimmt als die Vorgänger... keine Ahnung.

Platz 4: Mono und Nikitamann: Ich bin hin und her gerissen. Einerseits ist es schön, dass es im Jahr 2018 solche Alben gibt. Andererseits ist es irgendwie traurig, dass wir solche Alben brauchen. Gerade wenn "Der aufrechte Gang" uns doch eigentlich erklären will, dass wir uns weiter entwickeln sollten... obwohl dieses Album technisch gesehen ein Rückschritt ist. Das Vorgängerwerk "Im Rauch der Bengalen" drehte sich im wesentlichen um Selbstverwirklichung und Individuelle Freiheit. Jetzt... geht es um "Wir sind mehr"... also dem Hashtag des Jahres, auch wenn der nur indirekt um dieses Album geht... Um eine klare Positionierung gegen Fremdenhass und den wieder aufbrechenden Rechtsradikalismus.
Während Feine Sahne Fischfilet (relativ gesehen) unpolitischer geworden ist, sind Mono und Nikitamann wieder aktiver geworden. Was nur bedeutet, dass beide Bands sich an einem guten Mittelpunkt getroffen haben...

Platz 3: Atmosphere - La Vida Loca: Blasphemie! Wie kann die großartigste Band aller Zeiten nur das drittbeste Album des Jahres veröffentlichen? Ich habe keine Ahnung. Vielleicht habe ich einfach dran gewöhnt, wie großartig die Jungs sind und bin verwöhnt, weil sie alle 2 Jahre ein neues Album rausbringen. Oder ich habe das neue Album einfach noch nicht verstanden. Was nichts ungewöhnliches ist, Atmosphere Alben verdaue gerne mal mehrere Monate am Stück, bis ich sie irgendwann "begreife". Oder auch nicht, weil Slug mir dann erklärt, dass die letzten 3 Alben ja als eine Trilogie mit dem Motiv "Moral" veröffentlicht worden sind... damn, jetzt muss ich erst Mal Fishing Blues und Southsiders nochmal durchgehen und mit diesem Album in Zusammenhang setzen...
Auch wenn die einzelnen Singles mittlerweile mit großartigen Videos versehen werden, so muss ich an der Stelle doch das gesamte Album empfehlen... Was niemanden überraschen sollte.

Platz 2: Dota - Die Freiheit: Ich bin überfordert... was mach ich daraus? Ehrlicher Weise war dies das einzige Album, vor dessen Release ich gerade zu nervös war. Schließlich war es für mich das erste Dota Album, auf welches ich warten musste. Und an das ich Erwartungen hatte. Dota ist halt von "Habe ich irgendwie immer ignoriert" zu "ist eine meiner Lieblingskünstlerin" durch gestartet. Und jetzt hat sie abgeliefert.
Es ist definitiv eines dieser Alben, die man mehrmals hören muss. Wo sich das "mehrmals hören" aber auch lohnt, weil man erst beim 3. oder 4. hören versteht. Nehmen wir einfach mal den "Raketenstart". Das klingt gerade akustisch erst mal nach einer seichten Deutsch-Pop Nummer, bei denen es sich nicht mal lohnt auf den Text zu achten. Eine dieser Songs, über die ein gewisser Jan Böhmermann sich ausführlich lustig macht. Dennoch fällt einem irgendwann auf, dass der Chorus "Wir haben die Katastrophe kommen sehen!" lautet... Und dass es darum geht, dass wir die Nummer gerade komplett gegen den Baum fahren... ups, da achte ich dann doch lieber auf die seichte Melodie... die tut weniger weh.
Und das ist einer der Songs, die ich verstanden habe. Ob "Nackte Beine" wirklich nur eine militante, wenn auch etwas umständliche Vegetarier-Hymne ist, oder ob da was anderes hinter steckt? Keine Ahnung. Vielleicht kriege ich das irgendwann noch mal raus... Und dann ist da noch als optimistischster Song "Schwangere Frauen" im Baumarkt... Wer hat die praktischen Ideen?

Platz 1: Janelle Monaé - Dirty Computer: Holy Shit. Dass ich in einem Universum leben darf, in dem solche Alben existieren.
Um das große Bild zu erklären: Es dürfte September 2013 gewesen sein, als ich das frustrierendste Konzert meines Lebens im Hamburger Mojos erlebt habe: Mein Bruder und ich standen genau so lange im Stau, dass wir Janelle Monaé für die Zugabe durch eine ekstatische Crowd springen sahen. Da hatte jemand ein richtig geiles Konzert... und wir nicht.
Danach verschwand die Frau für 5 Jahre von der musikalischen Bildfläche, erinnerte mich aber immer daran, dass ich da was verpasst habe. Weil ihr Gesicht plötzlich nach jener ominösen Oscar-Nacht, wo erst der falsche Sieger verkündet worden ist, auf Tagesschau.de auftauchte. Also bei den richtigen Siegern. Musikalische Lebenszeichen waren aber rar gesät.
Und dann kam dieses Jahr dieses Album. Ganz "klassisch" als "Emotion Picture". Und ja, man kann sich das gesamte Ding in seiner eigentlichen Form kostenlos bei Youtube angucken. Ich empfehle allerdings ausgemessene Discoboxen, nen HD Beamer und eine Kinoleinwand. Weil ich kann...
Wie heftig ist diese Offenbarung bei mir eingeschlagen? Nun ja, ich musste mir danach nochmal auf derselben Leinwand Lemonade angucken um abzuschätzen, ob Dirty Computer nicht vielleicht doch noch etwas besser ist. Ist es nicht, aber es ist verdammt knapp. Und wo ich vorhin schon mal Prince angeschnitten habe: Janelle ist mit diesem Album endgültig zur offiziellen Nachfolgerin dieses Universalgenies gekürt. Und nächstes Jahr kann ich dann endlich dieses beschissene Konzert nachholen.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Man könnte üer so viele belanglose Dinge schreiben

gerade weil wir uns in einer Pokalwoche befinden...

dass sind immerhin auch die Wochen, in denen wir Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden als hochspannend empfinden sollen... weil der Pokal ja seine eigenen Gesetze hat und so... aber die Fußballästheten unter uns... hätten sich doch lieber das all wöchentliche all-bawful Champions League Spiel der Woche angesehen....

Vor allem, weil die Dresdener Fans auch einfach nichts gelernt haben... für alle, die es vergessen haben: Eintracht Frankfurt war auf dem Weg zum Klassenerhalt gegen eine sich im Meisterrausch (also hauptsächlich Rausch) befindliche Dortmunder Mannschaft.... dann hängen Frankfurter Fans ihre "Randalemeister" Plakate auf, die Dortmunder sagen sich "so nicht" und Frankfurt steigt noch ab... nicht mal ein halbes Jahr später randalieren Dresdener Fans in Dortmund... und ihre Mannschaft scheidet hinterher aus...

aber im wesentlichen lauten die Pokalstorys doch: "Favorit x tut sich lange Zeit schwer, setzt sich aber durch" oder "Team, dass den Pokal eh nicht gewinnen wird verliert gegen Außenseiter y"... am Ende lautet die Schlagzeile "Stürmer eines Bundesligisten schockt einen 2. Ligisten" Ernsthaft, anscheinend ist der Sieg des Bundesligisten schockierend...

alles Nebensächlichkeiten, mit denen man sich beschäftigen kann... oder sollte, wenn man einen Fußballblog betreibt... ich habe mich dagegen entschieden... ich habe von all diesen Spielen nichts gesehen... und es ist mir auch relativ egal, welcher Bundesligist weiter ist... im wesentliche Kreisen all meine Gedanken heute eh nur um das eine wirklich relevante Event diese Woche: Ich sehe heute abend Bob Dylan. Und ja, das musste jetzt raus... und damit ihr das halbwegs nachvollziehen könnt:
und ja, Youtube ist ne Bitch, die sich seit Jahren nicht mit der Gema einigen können und nur deswegen gibt es die wirklich guten Videos nicht zum einbetten...

Samstag, 30. Oktober 2010

der Unterschied zwischen Ironie und Zynismus

da ich es gerade selber erlebt habe....

Ironie: wenn man sich ein halbes Jahr im Training bei der höherklassigen Ersten Mannschaft im Training anbietet, dennoch konsequent ignoriert wird, aber dann nächste Saison wegen mangelnder Leistung in der Zweiten zur Ersten zwangsrekrutiert wird.

Zynismus: wenn man in der Zweiten gegen die schlechteste Mannschaft der Liga 15 Flanken in den Strafraum schlägt, aber bei der Ersten 3 Klassen höher mit seinem ersten Ballkontakt das 1:0 vorbereitet....

Oh, und wenn dann dein Torwart, der vorher noch einen Elfmeter hält, noch einen Freistoss durchrutschen lässt um zu verhindern, dass du das Siegtor vorbereitet hast...

Ja, es war allerhöchste Zeit für eine Atmosphere Referenz