Dienstag, 7. April 2026

Die Bayern sind schon beängstigend gut

 Wo ich gestern die Bundesliga als ganzes so "mittelmäßig" geredet habe, muss das auch mal festgehalten werden. Also vor dem Spiel gegen Real Madrid. Denn zum ersten Mal seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass die Bayern auch da wirklich mithalten können. So gut sehe ich diese Bayern.

Für mich liegt das primär an 3 Faktoren: 1.) Harry Kane. Lange Zeit ging ich ja davon aus, dass die auf dem Transfermarkt doch eher konservativen Bayern keine 100 Millionen für einen Stürmer ausgeben werden. Aber um einen Weltklasse-Spieler zu bekommen, muss man diese Summen hinlegen. Bei Kane lag die reine Ablöse bei 95 Millionen. Dazu kommen mit Luis Díaz und Michael Olise 2 weitere teure Toptransfers. Die Bayern kopieren still und heimlich die Galakticos und holen jedes Jahr einen richtig teuren Star. Sie sind mittlerweile gewillt, die beachtlichen Summen, die auf dem internationalen Markt aufgefordert werden, auf den Tisch zu legen.

Aber Michael Olise und Díaz sind schon Punkt 2. Denn hier beweist Max Eberl, dass er der Aufgabe wirklich gewachsen war. Also das, was Nils Ole Book jetzt in Dortmund beweisen muss, hat hier endlich geklappt. Eberl trat seinen Job ja am 1.3.2024 an. Dass er dann direkt mit Olise einen Diamanten holt, der sich unfassbar gut entwickelt, ist beeindruckend. Aber vielleicht hat er da ja noch von der Vorarbeit der Vorgänger profitiert. Dass er dann mit Díaz nachlegt, ist beängstigend. Nach Jahren der Instabilität hat man jetzt wieder den besten Manager der Liga auf seiner Seite. Die Bayern haben ja eine ganze Weile nach einem wirklichen Nachfolger für Uli Hoeneß gesucht, jetzt könnten sie ihn endlich gefunden haben.

Mann muss nur mal die anderen Namen in der Top 10 Rekordtransfer Liste nehmen: Lucas Hernández, Matthijs de Ligt, Joao Palhinha und Corentino Tolisso waren Enttäuschungen. Leroy Sané war 5 Jahre da, man ließ ihn aber am Ende ablösefrei gehen. Insgesamt machte man an den Weiterverkäufen dieser Spieler 180,5 Millionen Euro Verlust. Und das waren ja alles keine "alten Säcke" wie Harry Kane, wo man einen Verlust im Weiterverkauf einrechnet. Das waren Spieler, die entweder 10 Jahre bleiben oder mit Profit weiterverkauft werden. Das hat bei keinem funktioniert.

Min-Jae Kim rotiert seit seiner Ankunft zwischen Bank und Startelf. Die 7 Einsätze in der Champions League sehen auf den ersten Blick gut aus, aber bei genauerem Hinsehen kam er 3 Mal in der Schlussphase von der Bank und durfte nur in den "Ist eigentlich egal" Spielen in die Startelf. Dayot Upamecano hat sich gefangen und bekam eine Vertragsverlängerung. Die gab es aber nur, weil ein neuer Verteidiger zu teuer gewesen wäre. Das sage nicht ich, sondern Eberl.

Und dann ist da natürlich noch Harry Kane, der ein Volltreffer war. Aber man muss hier mal kurz festhalten, dass Stand April 2026, Upamecano der einzige Top Ten Transfer ist, der seinen Vertrag verlängert hat. Und das keiner dieser Spieler auf dem Transfermarkt gewinnbringend weiterverkauft wurde. Natürlich werden Kane, Díaz und Olise diesen Negativlauf beenden, es verdeutlicht aber, wie bescheiden diese Bilanz in der Summe ist:

Denn in der Summe kann man nur mit 3 der 8 Top-Transfers "vor Eberl" wirklich zufrieden sein kann. Sané hat die ja immerhin das eine Mal am letzten Spieltag zur Meisterschaft geschossen. Alles in allem ist das keine gute Bilanz... Eberl ist bei 2 von 2.

Da ist das Bier aber noch gar nicht leer. Also das Schlimmste haben wir noch vor uns: Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic und Lennart Karl. Musiala ist schon Weltklasse. Karl und Pavlovic haben das offensichtliche Potenzial, diese zu erreichen. Alle drei kommen aus der eigenen Akademie. Pavlovic und Karl können sogar behaupten, dass sie nie einen anderen Verein hatten, da sie vor der U17 zum Rekordmeister kamen. Musiala wurde ja technisch gesehen von Chelsea geholt.

Das, was ich mir von den Dortmundern immer erhofft habe, ist jetzt bei den Bayern passiert: Sie haben eine starke Generation von Eigengewächsen. Nun ist Toni Kroos der offizielle Beweis, dass so ein "Eigengewächs" auch nicht immer ewig bleiben. Aber der kam ja technisch gesehen vom FC Hansa. In der Regel sie bleiben länger bei ihrem Heimatverein, als die Dortmunder Im- und Export Diamanten. 

Das ist auch etwas, was die Bayern Fans völlig falsch verstanden haben, als Lennart Karl leichtfertig von Real Madrid geträumt hat: Madrid ist wahrscheinlich der einzige Verein, der sich berechtigte Hoffnungen auf einen Karl Transfer machen darf. Wenn ihr Olise oder Díaz fragt, werden die da Real, Barca, Man City und Liverpool ins Spiel bringen. Arsenal London ist auch nicht mehr weit weg. Und aus Nostalgie Man United. Bei Karl muss man sich, wenn er seine Ansage ernst gemeint hat, nur bei einem einzigen Verein sorgen machen.

Selbst wenn Pavlovic "nur" zwischen Welt- und internationaler Klasse pendelt und Karl sich nur auf der internationalen Klasse einpendelt, habe die Bayern immer noch ihre moderne Version von Lahm, Schweinsteiger und Müller. Und zu deren Höhepunkt 2014 war man international Wettbewerbsfähig. 

Man muss hier mal wieder festhalten, dass ich mit dem Begriff "Weltklasse" sehr sparsam umgehe. Das ist die absolut höchste Kategorie, die nur für die wirklich Allerbesten verwendet werden sollte. Müller war für mich nie Weltklasse, aber er war trotzdem ein sehr guter und sehr wichtiger Spieler im System der Bayern. Schweinsteiger war es um 2014, aber nicht auf seine gesamte Karriere gesehen. Er hat ja auch gefühlte Ewigkeiten gebraucht, um seine Position im Defensiven Mittelfeld zu finden. Lahm war derjenige, der konstant und auf verschiedenen Positionen auf allerhöchstem Niveau abgeliefert hat. Der war ein Jahrzehnt lang wirklich Weltklasse.

Jetzt stellt euch das Best/Worst-Case-Szenario vor und die Bayern bekommen 3 Spieler von Lahm's Qualität und mit Lahm's Identifikation. Dann hätten die Bayern für die nächsten 10 Jahre ihren Kern im Mittelfeld gefunden und müssen "nur" noch die Ergänzungen für diese 3 Spieler finden. Und sie haben einen Manager, der diese Ergänzungen offensichtlich findet. Praktisch muss man nur einen Nachfolger für Harry Kane verpflichten und dann ist man im Wesentlichen herausragend aufgestellt.

Die Frage ist ja: Wie schlimm ist das jetzt für die Liga? Also einerseits bekommt man ein international relevantes Flaggschiff. Andererseits werden die Bayern mindestens 9 von 10 Meisterschaften holen, solange diese 3 fit und in Form sind. Sie dominieren ja jetzt schon, wo "der Alte" verletzt ist und die beiden anderen noch verdammt jung sind. Das wird nur noch schlimmer.

Auch wenn das eigentlich unmöglich erscheint: Die nächsten 10 Jahre könnten noch dominanter werden, als die letzten 10. Und irgendwann wird das dazu führen, dass der gemeine Fan abschaltet...

Montag, 6. April 2026

Was mich ja an der Undav Debatte so stört

Eines vorne Weg: Die Kommunikation von Julian Nagelsmann kann man kritisieren. Muss man aber nicht. Deniz Undav ist ein erwachsen, Multimillionär und Vollprofi. Wenn Nagelsmann jetzt mit den öffentlichen Ansagen dessen Gefühle verletzt hat, dann muss der das halt ertragen, wie ein richtiger Mann. Macht er ja auch. Aber die Experten im Land weinen für ihn. Und das sehr einseitig.

Wobei man ja auch da ein paar Dinge relativieren muss. Also Nagelsmann hat ja erst intern die zu erwartenden Rollen abgesprochen. Dann hat Undav nach seinem Treffer höhere Ansprüche gestellt und darauf hat Nagelsmann dann ebenfalls öffentlich reagiert. Derjenige, der das Thema also in die Öffentlichkeit getragen hat, war Undav. Und ja ein generisches "Ich will der Mannschaft helfen, egal in welcher Rolle" hätte uns die ganze Debatte erspart.

Wie einseitig die geführt wird, ist aber wieder faszinierend. Ich verlinke hier mal demonstrativ den Doppelpass Zusammenschnitt für die allgemeine Position zur Lage in den deutschen Medien. Nur die TZ hat sich getraut, da eine Gegenmeinung "zu drucken". Dabei ist es nicht nur Julian Nagelsmanns gutes Recht, Undav nur für die Rolle des Jokers einzuplanen... ich würde sogar behaupten, es ist seine Pflicht.

Jetzt komme ich mal mit einer für alle Experten in diesem Land: Die deutschen Schlüsselspieler in der Offensive heißen Florian Wirtz und hoffentlich Jamal Musiala. Auch ich will ja, dass die in Bestbesetzung scheitern... Das sind die talentiertesten und besten "Angreifer", die wir haben. Das sind die beiden, die für Weltklasse stehen. Also absolute und richtige Weltklasse, nicht dieses "Er hat in der Bundesliga viele Tore erzielt, also reden wir uns das ein". Und das sind einerseits keine Mittelstürmer, aber andererseits Spieler, die oft in den Strafraum ziehen.

Vielleicht, absurder Gedanke, versucht Nagelsmann einfach nur, diese beiden in die bestmöglichen Positionen zu bringen. Und den Rest baut er dann drumherum. Und Deniz Undav hat halt eine Heatmap, die sehr zentrumslastig ist. Optimisten sagen: Der hat seine Stärken im Strafraum. Kai Havertz und auch Nick Woltemade können aber auch zurückgezogen aufgestellt werden. Sie sind um einiges flexibler in ihrer Spielgestaltung. Und sie sind halt auch hilfreich, wenn sie gerade nicht treffen. Auf solche Spieler zu setzen, um die Stärken der wichtigsten Spieler zu unterstützen, ist erschreckend vernünftig.

Das ist nebenbei der nächste Punkt, den jetzt viele völlig falsch darstellen. Also es gibt ja genügend Leute, die darauf hinweisen, dass Undav durchaus spät treffen kann und Nagelsmann's "Wenn er vorher 70 Minuten marschiert ist" als widerlegt betrachten. Aber vielleicht hat Nagelsmann einfach andere Erwartungen ans "Marschieren" als ein Sebastian Hoeneß. Fairerweise habe ich zu wenig vom VfB Stuttgart gesehen, um zu beurteilen, wie aktiv ein Undav da pressen muss. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass man ihm da beim VfB mehr Freiheiten gewährt, weil er für deren Verhältnisse ein überragender Stürmer ist. In der Nationalmannschaft wird er diese Freiheiten nicht bekommen und muss dann wahrscheinlich mehr arbeiten, als er das im Alltag gewohnt ist.

Eines steht ja fest: Undav ist im Abschluss verdammt stark. Aber auch eben nur da. Ehrliche Frage: Wann hat Undav zuletzt ein gutes Bundesliga-Spiel gemacht, ohne zu treffen? Schlagen wir das mal nach. Also als "gut" gilt hier alles, was eine Kicker-Note von mindestens 2,5 hat. Die Antwort lautet: bei der 0:1 Niederlage gegen Heidenheim... in der letzten Saison.

Nebenbei ist es auch wieder faszinierend, wie hier die Bundesliga überhöht dargestellt wird. Ja, Deniz Undav hat in der Liga gerade eine überragende Quote. Schön für ihn und für den VfB. Aber sie sind halt auch gemeinsam im Europacup gescheitert. Am FC Porto. Im Achtelfinale. In der europäischen Zweitklassigkeit. 

In der Königsklasse steht Undav bei einem Tor und einer Vorlage in 6 Spielen. In der Premiere League sind es 5 Tore in 22 Spielen. Wir haben also einerseits einen Kai Havertz, der bei Arsenal, dem englische Tabellenführer, nach langer Verletzung wieder eine wichtige Rolle spielt. Und der bereits nachgewiesen hat, dass er ein Champions League Finale mit einem Treffer entscheiden kann. Der eine hat schon mal auf allerhöchstem Niveau den Unterschied ausgemacht. Der andere trifft nur in der Bundesliga. Jetzt erzählen mir alle, dass der andere unbedingt spielen muss.

Und ja, 2021 ist lange her und Havertz war zuletzt oft verletzt. Aber wenn der Junge bis zum Sommer wieder ins Laufen kommt, ist er deutlich besser als Undav. Dann schadet es nicht, dass er sich zumindest mit Wirtz schonmal einspielen konnte. Und wir haben ja während der letzten EM gelernt, dass auch großartige Spieler sich durchaus einspielen müssen und sich nicht unbedingt blind verstehen.

Vor allem muss man mal eines festhalten: Die Bundesliga ist im internationalen Vergleich nicht wirklich gut. Also Undav war gegen Borussia Dortmund eher grausam als gut. Dortmund ist gegen Atalanta Bergamo in der Zwischenrunde ausgeschieden. Einer Mannschaft, die dann gegen die Bayern komplett chancenlos waren. Was bringt es uns da, dass Undav gegen die restlichen Bundesligisten viele Tore erzielt?

Und ja, das ist eine grobe Vereinfachung, weil Undav ja im Hinspiel gegen Dortmund 3-fach getroffen hat. Es ist also nicht so, dass er nur gegen die Kleinen trifft. Aber Dortmund gehört diese Saison ganz sicher nicht zu den Top 10 Europas. Vielleicht gehören sie nicht mal zur Top 20. Aber sie sind mit Abstand die zweitbeste Mannschaft der Liga. Das bedeutet auch nur: Der Rest der Liga ist froh, wenn er in den Top 30 auftaucht. Aber wenn man als Experte darauf hinweist, dass die Bundesliga, abgesehen von den Bayern, im internationalen Vergleich eher mittelmäßig daher kommt, nimmt man sich seine eigene Relevanz. Also redet man sich lieber ein, dass Undav in die Startelf gehört, weil er in einer mittelmäßigen Liga häufig trifft.

Man muss das nebenbei hier nochmal festhalten: Das ein Star im Vereinstrikot in der Nationalmannschaft nur von der Bank kommt, ist etwas völlig Normales. Also ich nehme hier mal ein wirklich passendes Beispiel, weil wir in beiden Fällen von "Spätstartern" sprechen: Oliver Bierhoff hat vor der EM 1996 17 Tore in der Serie A erzielt. Er wurde trotzdem vor der EM als 3. oder 4. Option eingeplant. Hinter Jürgen Klinsmann, klar. Aber auch hinter Stefan Kuntz und Fredi Bobic. Das sind jetzt im internationale Vergleich nicht die relevantesten Namen. Trotzdem hat am Ende Bierhoff das Finale entschieden, obwohl er vorher 3 Spiele lang nur auf der Bank saß. 

Ihr werdet, gerade im Offensivbereich, wo sich Leistungen leichter erfassen lassen, immer wieder Spieler finden, die sich mit einer wesentlich kleineren Rolle anfreunden müssen. Das vorher klar und deutlich zu kommunizieren, damit sich ein Undav darauf einstellen kann, ist ein vernünftiger Ansatz.

Donnerstag, 26. März 2026

Die Rüdiger Debatte ist so dumm

So unfassbar dumm.

Und im Zentrum steht schon wieder... Mario Basler. Der hat es sich anscheinend zum Ziel gesetzt, Didi Hamann vom Thron zu stoßen. Wenn man auf dem Platz alles erreicht hat, muss man sich jetzt absurde Ziele setzen.

Basler hat jetzt seine DFB-Trainerlizenz zurückgegeben, weil der DFB Rüdiger für die Nationalmannschaft nominiert hat, nachdem der, und jetzt kommt es, als Verteidiger ein hartes Foulspiel begangen hat. Und weil er seine Gegner als Verteidiger gerne provoziert. 

Rüdiger hat sich dazu ja auch geäußert. Und er hat da einen verdammt wichtigen Satz gesagt: "Wir müssen wieder dahin kommen, dass es maximal unangenehm ist, gegen Deutschland zu spielen."

Das ist das völlig bekloppte an dieser Situation: Dieselben Leute, die sonst immer heulen, dass es keine Typen mehr gibt und "wir" zu viele brave Chorknaben haben, wollen jetzt den einen Typen, den diese Truppe hat, nicht im Trikot der Nationalmannschaft sehen.

Ja, Rüdiger provoziert mit teilweise übertriebenen Gesten. Er will seine Gegner einschüchtern. Und er schont weder seinen noch deren Körper. Genau das wollen "wir" doch eigentlich sehen. Genau das hat doch zuletzt so oft gefehlt. Er sagt eigentlich in dem Interview genau das, was "wir" sonst immer hören wollen: "Wir müssen als Einheit so unangenehm zu bespielen sein, dass der Gegner schon im Tunnel keinen Bock mehr hat." Wenn Joshua Kimmich diesen Satz sagen würde, gäbe es tosenden Applaus...

Nebenbei würde ich hier mal eine interessante Umfrage unter den Spielern in Spanien einbauen. Da wird auf die Frage "Welcher Spieler in La Liga wird am wahrscheinlichsten vom Platz fliegen?" (oder, um es verständlicher auszudrücken, wer ist euer Dominik Kohr) mit "Jeder Spieler von Getafe" geantwortet. Das ist in dem Moment wichtig, weil das letzte harte Foul von Rüdiger gegen Getafe war. Vielleicht hat "nur" der anscheinend nach einer Umfrage der Spieler unangenehmsten Mannschaft im Land ganz klare Grenzen gesetzt. So einen Spieler willst du in giftigen Duellen auf deiner Seite haben.

Noch viel lustiger: Während wir eine sinnlose Debatte über das "Sicherheitsrisiko" Antonio Rüdiger führen, fehlt sein Name bei der "Dominik Kohr Umfrage" komplett. Den Spielern, die sich ständig mit Rüdiger beschäftigen, fallen 13 Spieler ein, die laut ihrer Meinung ein größeres Sicherheitsrisiko darstellen. Und wir, die die spanische Liga kaum verfolgen, machen uns dann Sorgen über Rüdiger.

Fun Fact: 3,3 % geben zu, dass es wahrscheinlicher ist, dass sie gegen Real Madrid oder Barcelona vom Platz fliegen, als dass es Rüdiger trifft. Womit sie natürlich den Schiedsrichtern eine gewisse Bevorteilung und Einschüchterung vorwerfen. 

Rüdiger selbst ist nebenbei in seiner Karriere in 600 Spielen 7 Mal vom Platz geflogen. Das ist jetzt nicht übermäßig viel. Vor allem, wenn das viele "Jugendsünden" dabei sind: Seit 2017/18 steht plötzlich nur noch ein einziger Platzverweis in der Vita. Im Pokalfinale gegen Barcelona... In der 123. Minute. 12 Minuten nach seiner Auswechslung.

Also ja, er hat die Arschloch-DNA von Real Madrid voll aufgesogen. Er hat in diesem Moment bewiesen, dass er ein schlechter Verlierer ist. Aber ganz sachlich gesehen ist er seit dem 23.02.2017 nicht mehr "vom Platz geflogen". Er hat aber, mit dieser aggressiven Spielweise, 2 Champions League Titel gewonnen. Jeweils als Stammspieler. 2021 mit einer sehr guten Leistung

Nebenbei, nur der Vollständigkeit halber, ist Rüdiger in 81 Länderspielen noch nie vom Platz geflogen. Er kommt auch "nur" auf 14 Verwarnungen. Und ja, gegen Spanien im Viertelfinale hat er seine 2. Gelbe Karte gesehen und wäre deswegen im Halbfinale gesperrt gewesen... weil er 2 Gelbe Karten in 5 Spielen als Stammspieler in der Innenverteidigung gesehen hat. Hier muss man festhalten, dass Rüdiger in der Situation nur verhindert, das Dani Olmo in den Strafraum durchstartet. Kein böses, aber ein wichtiges Foul. Hier gibt es eine etwas bessere Sicht mit arabischen Kommentar. Man könnte quasi von einem Michael Ballack-esquen Einsteigen reden, wenn man Rüdiger wohlgesonnen wäre: Er opfert sich für die Mannschaft, um eine große Chance zu verhindern... auch wenn das eine persönliche Sperre bedeutet.
Dass es die erste Gelbe Karte fürs Meckern gab, ist da natürlich eher ungeschickt. Aber das war die eine EM, bei der die "Kapitänsregel" plötzlich umgesetzt wurde und da wurde dann nicht nur Rüdiger überrascht.

Noch viel wichtiger: Rüdiger verteidigt im Viertelfinale hinterher trotz der Verwarnung gegen die quirligen Spanier weitere 110 Minuten. Als Julian Nagelsmann in der 80. Minute als Ausdruck der Verzweiflung die Viererkette auflöst und Thomas Müller bringt, geht Jonathan Tah runter und nicht das angebliche Sicherheitsrisiko... Aber Rüdiger lässt auch nach der Auflösung der Viererkette und trotz Verwarnung wenig anbrennen. Es gibt verdammt wenige Verteidiger weltweit, denen man so was zutrauen könnte. 

Warum Rüdiger so kritisch gesehen wird, ist auch logisch: Er ist halt früh ins Ausland gewechselt, anstatt es sich bei den Bayern bequem zu machen. Toni Kroos musste sich ja nach seinem Wechsel auch ständig irgendwelchen Bullshit anhören... Oh und Rüdiger ist schwarz und Muslime, das macht es nicht besser.

Das ist auch wieder faszinierend, weil ja gerade eine Doku über Mesut Özil durch die Öffentlich Rechtlichen geht. Die muss ich auf meine To Do Liste setzen. Özil hat sich ja am Ende öffentlich darüber beschwert, dass er immer der dumme Migrant war, wenn es für die Nationalmannschaft nicht lief. Ich habe ja selber damals aufgezeichnet, wie absurd es war, dass alte weiße Männer ihrem ehemaligen Vorbild für Integration die Kompetenz abgesprochen haben, sich zu diesem Thema zu äußern...

Bei Özil konnte man sich ja wenigstens noch einreden, dass es "Schönspieler" in diesem Land immer schwerer hatten und diese kritische Haltung also relativ normal war. Rüdiger wird jetzt vorgeworfen, dass für kompromisslose Härte und konsequente Zweikampfführung steht. Also die deutschesten Tugenden, die man sich vorstellen kann. Auch Rüdiger ist eines dieser offensichtlichen Beispiele, dass Spieler, die nicht wie eine richtige deutsche Kartoffel aussehen, einen schwereren Stand haben, als ein richtiger Treter Deutscher.

Dienstag, 24. März 2026

Dortmund trifft eine richtige Entscheidung

 Das ist ja mal eine Überraschung. Die schaffen es echt mal jemand Externes in eine Führungsposition zu bringen und sich dort wirklich neu aufzustellen. Das könnte richtig spannend werden.

Ich habe Dortmund ja oft genug kritisiert, dass sie zum Beispiel einen Lars Ricken fleißig weiter befördert haben, obwohl des ja eigentlich wenig geleistet hat. Also ja, die Jugendarbeit ist auf den ersten Blick gut, weil man viele Meisterschaften holt. Und man kauft sich verdammt viele Talente, was einem den Ruf als großartiger Weiterbildungsverein eingebracht hat. Aber die eigentliche Aufgabe erfüllt die Jugendabteilung halt nicht: Eigengewächse an die Profimannschaft heranführen. Egal ob das jetzt Paris Brunner, Felix Passlack, Tom Rothe oder Marco Reus ist... alle mussten ihr Glück woanders suchen.

Aber Lars Ricken wurde trotzdem zu einem der höchsten Verantwortlichen im Verein befördert, weil er als Leiter des Jugendzentrums die großartigen Talente, die aus dem Ausland verpflichtet wurden, für jeweils ein halbes Jahr betreut hat... oder so.

Bei Sebastian Kehl war die Lage halt ähnlich: Man brauchte einen Nachfolger für Michael Zorc, also guckte man sich um, welcher ehemaliger Spieler einen dieser Pseudo-Studiengänge der UEFA absolviert hat und wurde beim Kapitän der letzten Meistermannschaft fündig. Wie praktisch, denn mehr Vereins-DNA geht ja nicht.

Aber irgendwelche praktischen Arbeitsnachweise, dass er für diese Aufgabe geeignet ist, wurden nicht verlangt. Warum auch? Es ist ja nur der wichtigste Posten im Verein.
Es ist nebenbei wirklich faszinierend, wie viele Vereine einfach auf unerfahrene Ex-Spieler mit UEFA-Management Studium (oder einem Äquivalent) setzten. Also selbst die an sich so großen und mächtigen Bayern sind mit Hasan Salihamidžić, Oliver Kahn und Christian Nerlinger in diese Falle getappt. Erinnert sich noch irgendwer an Nerlinger? Den wollten sie zum Hoeneß Nachfolger machen, nachdem er ein Studium der internationalen BWL an der Munich Business School absolviert hat. Er hat das so erfolgreich gemacht, dass er direkt in den Ruhestand gehen konnte.
Mittlerweile hat man dann doch einen Max Eberl verpflichtet, der sich durch hervorragende Arbeit für die Konkurrenz in Gladbach und Leipzig empfohlen hat.

Nebenbei zeigt die TSG 1899 Hoffenheim gerade, wie krass sich das auf einen Verein auswirken kann, wenn man sich externe Expertise für den Posten des Managers holt. Also nur um zu verdeutlichen, wie krass sich das auf die Ergebnisse und Spielweise auswirken kann, wenn man sich einen fähigen, externen Manager holt.

Jetzt muss man auch festhalten, dass Sebastian Kehl's Bilanz nicht wirklich gut ist. Also gemessen an den berechtigten Ansprüchen "Die Nummer 2 in Deutschland" zu sein. Da gab es ganz praktisch den einen "Miracle Run" ins Champions League Finale 2024. Das war beeindruckend. Und hätten sie da den Titel geholt, hätten sie Kehl auch für die nächsten 10 Jahre behalten. Aber der Konjunktiv ist der beste Freund des Verlierers.

Und gewonnen hat man in den 8 Jahren mit Kehl am Ende nur einen Titel. Man wurde 2021 DFB-Pokal Sieger. Also um das mal in Relationen zu setzen: RB Leipzig hat in demselben Zeitrahmen 2 Pokalsiege errungenBayer Leverkusen holte 2023/24 das Double. Und Eintracht Frankfurt gewann den DFB-Pokal und die Europa League 2022. Wenn es nur nach Titeln geht, ist man nur die Nummer 5 im Land. Auf Augenhöhe mit dem VfB Stuttgart.

Man vergisst ja bei der erdrückenden Dominanz der Bayern in der Liga gerne, dass die seit 5 Jahren nicht mehr im Pokalfinale in Berlin standen. Es hätte dort durchaus die Möglichkeit gegeben, mehr als diesen einen Titel zu holen. 
Und nebenbei wurde man auch "nur" 4-mal Vizemeister. Es gibt also durchaus berechtigte Einwände gegen den "Nummer 2" Status.

Da dann einen neuen Impuls zu setzen, ist plötzlich sehr nachvollziehbar. Also abgesehen davon, dass Dortmund genau das bisher immer nicht gemacht hat. Und mit Nils-Ole Book holt man eine der interessantesten Personalien des Landes. Er hat in Elversberg nachgewiesen, dass er einen Verein weit nach oben führen kann. Und er hat auch bewiesen, dass er den Abgang vom Startrainer Horst Steffen kompensieren kann. Nur um da nochmal festzuhalten, dass der Sportdirektor oftmals wichtiger ist, als der Trainer.

In Dortmund wurde dieser Posten über 20 Jahre lang exklusiv an verdiente Ex-Spieler gegeben. Erstmals seit 2005 sucht man sich zum ersten Mal jemand Fremdes für diesen Posten. Vorher gab es den einfach nicht. Es ist also wirklich ein historischer Moment.

Natürlich kann es sein, dass Book noch nicht bereit für die ganz großen Verhandlungstische des Fußballs ist. Anstatt Spieler für 8 Millionen zu verkaufen, soll er jetzt 80 Millionen rausholen. Aber im Gegensatz zu Sebastian Kehl saß er immerhin schon mal an so einem Verhandlungstisch und hat praktische Erfahrungen. Vor allem ist es aber eine große Chance für den Verein die KoGA.

Lustig finde ich nebenbei, dass man aus den Dortmunder Kommentarspalten hört, dass mit Kehl der Falsche geht. Dass es eher Lars Ricken sein sollte, den man weglobt. Da gehe ich offensichtlich sogar mit. Angeblich sollen Ricken, Watzke, Kovac und Sammer der unbequemen Stimme von Kehl entsorgt haben und sich einen Ja-Sager an ihre Seite holen. Das finde ich faszinierend.

Also vor allem einen Matthias Sammer so etwas vorzuwerfen, ist schon absurd. Das war doch immer jemand, der keiner unangenehmen Debatte aus dem Weg geht. Aber er war auch einer, der konstruktiv mit diesen kritischen Stimmen umgeht und diese fördert.

Wenn das wirklich der Plan wäre, hätte Dortmund sich doch nicht eine der heißesten Aktien im Managermarkt geholt, sondern einfach Mats Hummels diesen Posten angeboten.
Oder... nope, kein "oder", Hummels ist die einzige Option. Marco Reus und Lukas Piszczek spielen noch und Emre Can ist ja nicht invalide, sondern nur verletzt. Vielleicht hat man sich ja doch in den eigenen Reihen umgeguckt und festgestellt, dass man einfach keine internen Kandidaten hat, weil alle Spieler den Verein viel zu früh verlassen.

Freitag, 20. März 2026

Der Einbruch der Engländer ist schon dramatisch.

 Richtig schlimm. In den Hinspielen konnte nur Aston Villa sein Spiel gewinnen. Das ist als Gesamtbilanz ungefähr so schlecht, wie die Bundesliga, für die nur die Bayern gewinnen konnten.

Und jetzt, nachdem die Rückspiele bestritten wurden, sind tatsächlich 4 Vereine ausgeschieden. Wie peinlich. Oder aber man stellt fest, dass mit Liverpool, Arsenal, Nottingham ForestAston Villa und Crystal Palace noch 5 Vereine international vertreten sind. Und dass die Engländer in der "Wer bekommt einen zusätzlichen Startplatz" Tabelle dem Rest meilenweit enteilt sind. Also man hat schon wieder unfassbare 4 Punkte Vorsprung vor der zweiten Nation, was derzeit die Spanier sind. Man kann sich im groben darauf einstellen, dass einer der beiden 5. Startplätze IMMER an die Engländer gehen wird.

Also es werden jetzt plötzlich Regeländerungen gefordert, weil es eben nicht sein kann, dass die maximal 6 Engländer in der Gruppenphase nicht aufeinander treffen können. Denn das führt zu absurden Einschränkungen, von denen am Ende die Engländer profitieren. Falls euch also irgendjemand einreden will, dass die Premiere League gerade schwächelt, müsst ihr dabei immer eines bedenken: Das Niveau, auf dem die Schwächeln, muss man erstmal erreichen.

Und natürlich muss man über die in der Champions League gescheiterten Mannschaften reden. Aber auch da ist der Kontext verdammt wichtig. Fangen wir mal mit den Tottenham Hotspur an. Die stecken, wie auch Nottingham, gerade im Abstiegskampf. Nicht nur das, sie beendeten die letzte Saison auf Platz 17 und damit direkt über dem Strich. Das ist also kein einmaliger, nicht zu erklärender Ausrutscher, sondern eher deren aktuelles Leistungsvermögen. Das ist ein wenig, als würde man Werder Bremen an der Champions League teilnehmen lassen. Glaubt irgendjemand, dass die besser aussehen würden, als Tottenham? Wenn selbst die an sich ja gut dastehenden Frankfurter in der Gruppenphase gescheitert sind?

 Dass sie trotzdem Champions League spielen durften, lag an ihrem Sieg in der Europa League. Das muss man an der Stelle dringend festhalten: Es könnte durchaus leichter sein, sich über den internationalen Titel zu qualifizieren, als über die englische Liga. Und das dürfte den Engländern mittlerweile auch aufgefallen sein.

Also "früher" haben die ja gerne mal eine B-Mannschaft in der Europa League aufgestellt. Mittlerweile bestreitet zumindest Aston Villa ihre K.O. Spiele mit der bestmöglichen Mannschaft. Bei Nottingham sieht das wahrscheinlich ein wenig anders aus, aber die stecken ja, wie auch Tottenham, tief im Abstiegskampf. Die haben also tatsächlich ihre komplette Startelf vom Wochenende auf die Bank rotiert.

Aber man muss hier nochmal festhalten: Die B-Elf eines Abstiegskandidaten in England kann immer noch mit einer dänischen Spitzenmannschaft mithalten. Am Ende werden die sich ärgern, dass sie sich im Elfmeterschießen durchgesetzt haben, weil sie eigentlich all ihre Energie in den Abstiegskampf stecken sollten...

Manchester City, Newcastle und Chelsea haben natürlich richtig auf den Sack gekriegt. Aber die haben auch gegen Real Madrid, Barca und Paris St. Germain gespielt. Sind wir uns wirklich sicher, dass die Bayern gegen diese Mannschaften so viel besser aussehen würden? Und versteht mich nicht falsch: Die Bayern wirken gerade richtig stark. Und sie haben Paris schon geschlagen. Aber das Spielzeug des Ölscheichs hat bereits nachgewiesen, dass sie im Frühjahr einige Gänge hochschalten können. Genauso wie Real das jedes Jahr nachweist. Und Barca spielt schon das ganze Jahr über begeisternden Offensivfußball.

Alle 3 sind gegen absolute Titelfavoriten ausgeschieden. Alle würden am Viertelfinale teilnehmen, wenn ihnen die Losfee Duelle mit Bodö/Glimt oder Lissabon beschert hätte. Das ist kein "Riesen-Problem" wie unter anderem der Kicker in seiner Schlagzeile nach dem Hinspiel behauptete. Das ist immer noch Jammern auf extrem hohen Niveau.

Aber das ist halt auch die hysterische Deutsche Presse und seine Experten. Also nur um das nochmal festzuhalten: Nach dem Hinspiel gegen Celtic hat Sami Khedira dem VfB Stuttgart eine Titelchance bescheinigt. Und der Kicker hat das gedruckt. Danach verlor der VfB direkt 3 Europacupspiele infolge und ist somit souverän ausgeschieden. 

Mittwoch, 18. März 2026

Der ganz normale Wahnsinn in Polen

 Also eigentlich sollte es "ganz normal" sein. 

Es haben sich ja schon einige mit der angeblich so absurden Saison und Situation in der polnischen Extraklasse beschäftigt. Alfie Pots Hammer von noch HITC Sevens zum Beispiel. Lustigerweise sind seinem Manager derartige Videos zu lang. Wir sollten sie also genießen, solange wir noch können.

Die aktuelle Saison ist noch knapper als sonst. Aber dass in Polen die Saison erst im Schlussspurt entschieden wird, ist relativ normal. 2022/23 wurde zuletzt die Meisterschaft frühzeitig entschieden. 2020/21 konnte zuletzt eine Mannschaft den Titel verteidigen

Das war nebenbei das Ende der Phase, in der Legia Warschau tatsächlich sehr dominant waren und 7 von 10 Meisterschaften gewinnen konnte. Legia war wirklich dicht dran, die Liga zu brechen und die absolute Dominanz zu erreichen. Aber ihnen fehlte dafür ein entscheidender Schritt.

Denn Legia Warschau hat in dieser Phase verpasst, sich in der Champions League einzunisten. Lediglich 2016/17 nahm man an der Gruppenphase teil, bekam also seinen Anteil der richtig fetten Fleischtöpfe. Man konnte aber nur ein einziges Spiel in der Gruppenphase gewinnen, bekam also wirklich nur die Antrittsprämie. Aber es gab ein beachtenswertes 3:3 gegen Real Madrid. In allen anderen Jahren scheiterte man in der Qualifikation.

Das bedeutet ganz praktisch: Die polnische Liga ist nicht "bekloppt", sondern eine der wenigen Ligen, die nicht durch die Millionen der Champion League kaputt gemacht wurde. Und vor der Einführung der Lizenz zum Gelddrucken waren alle Ligen so, wie die polnische gerade ist.

Praktisches Beispiel gefälligst? In der Bundesliga gab es in den 10 Jahren von 1990 bis 99 5 unterschiedliche Meister. Kaiserslautern und Dortmund wurden 2 Mal Meister. Werder Bremen und der VfB Stuttgart je einmal. Und die Bayern holten insgesamt 3 Titel. 

Im Jahr 2000 wurde dann die Gruppenphasen eingeführt. Das Teilnehmerfeld wurde auf 3-4 Mannschaften der Spitzenligen erweitert. Dadurch wurde nebenbei sichergestellt, dass Bayern auch in der Königsklasse mitspielt, wenn sie mal nicht Meister werden. Auch wenn dieser Schritt formell gesehen schon 1996/97 vollzogen wurde.  

Die logischen Konsequenzen: Während man in den 90ern noch 3 Mal am UEFA Cup teilgenommen hat, musste man seit der Jahrtausendwende nur ein einziges Mal beim "Cup der Verlierer", wie Franz Beckenbauer diesen Wettbewerb nannte, mitspielen. In allen anderen Jahren gab es immer das Königsklassengeld.
Wenig überraschend gewannen die Bayern in diesem Jahrtausend 19 von 26 Meisterschaften. Tendenz steigend. 

Das ist jetzt auch keine ganz neue Erkenntnis. Dass die Champions League die nationalen Ligen kaputt gemacht haben, ist ja irgendwie allen bewusst. In Spanien gab es in den letzten 20 Jahren nur noch 3 unterschiedliche Meister. Halt die 3 großen mit Real, Barca und Atlético Madrid, die regelmäßig an der Champions League teilnehmen und dort auch weit kommen. In den 20 Jahren davor waren es mit Bilbao, Valencia, Deprotivo und den 3 großen noch 6 unterschiedliche Meister. In der Serie A sind sie froh darüber, dass die pure Dominanz von Juventus Turin am Ende durchbrochen wurde. Allerdings ist Inter da auf einem relativ guten Weg, eine neue Serie zu starten. Also die werden jetzt das 2 Mal in 3 Jahren Meister und haben zuletzt 2 Mal das Finale der Champions League erreicht. Sie haben also die besten Voraussetzungen um 6 Mal infolge Meister zu werden.

Inter und Juventus waren ja schon mal kurz davor, die Liga komplett zu brechen. Von 2002 bis 2021 teilten die beiden Vereine 17 von 19 Meisterschaften unter sich auf. Juventus musste zwischendurch einen Zwangsabstieg verdauen, hatte aber dank der Champions League einen derart großen Vorsprung, dass das wirklich nur eine kleine Delle bedeutete. Und Italien ist eine Liga, die ja auch 4 Starter in diesem Wettbewerb hat. Trotzdem wurde man lange von 2 Vereinen dominiert.

Nebenbei können wir jetzt live dabei zugucken, wie die Champions League die nächste Liga kaputt macht. Denn für uns als Europäer ist die Geschichte von Bodö/Glimt ein wunderbares Fußballmärchen. Für die Norweger ist es der pure Horror.
An der Stelle muss man hier mal einfügen, dass Glimt nur so gut ist, weil es von Dezember bis Februar zu Hause praktisch unschlagbar ist. Das könnte daran liegen, dass es für jede Mannschaft Europas extrem unangenehm ist, im Winter nördlich des Polarkreises anzutreten. Das ist aber einer der absurden Nebeneffekte der neuen Europacup-Reform. Denn im "Alten System" hatten die Mannschaften aus den eher kälteren Regionen am letzten Spieltag immer ein Auswärtsspiel. Damit gab es von Ende November bis Mitte März einfach keine Heimspiele. Jetzt konnte Glimt Manchester CityInter MailandBesiktas, Maccabi Tel Aviv, Twente Eschede und Olympiakos Piräus im skandinavischen Winter besiegen. Das waren nur die letzten 2 Jahre... Das waren aber alles Ansetzungen, die es im "alten System" nie gegeben hätte. Und ohne den Sieg gegen City hätten sie nicht mal die Zwischenrunde erreicht. 

Man muss aber definitiv festhalten, dass dort ein absurd guter Job gemacht wird. Aber auf diese hervorragende Arbeit werden jetzt noch massig Geld gekippt. Dank des Ausscheidens der Dortmunder können wir ja festhalten, dass allein das Erreichen des Achtelfinales zusätzliche 11 Millionen Euro gebracht hat. 

Norwegen dürfte sich gerade darüber gefreut haben, dass die Dominanz von Rosenborg Trondheim durchbrochen wurde. Trondheim war der Serienmeister zur Einführung der Champions League. Sie spielten bis 2008 auch noch regelmäßig in der Gruppenphase, verloren dann aber, wie auch der norwegische Fußball insgesamt, den Anschluss. Wie Trondheim das verkackt hat, müsste man wahrscheinlich gesondert studieren, denn sie haben es ja gerade am Ende nicht geschafft, trotz der absurden Millionen die Dominanz aufrechtzuerhalten. 

Aber die 13 Meistertitel in Serie wurden 2005 durch Välgerena Fotball Elite durchbrochen. Danach nahm Trondheim noch 2 Mal an der Gruppenphase teil und danach kam ganz lange nichts mehr. Dafür gab es mit Välgreana, Rosenborg, SK Brann, Stabaek Fotball, Molde FK, Strömsgodset IF, FK Bodö/Glimt und Viking FK 8 unterschiedliche Meister in 21 Jahren. Das sind dich polnische Verhältnisse: Kaum war der Champions League Vorsprung von Trondheim aufgebraucht, gibt es einen offenen und spannenden Wettbewerb.

Nur hat Glimt jetzt schon 4 der letzten 6 Meisterschaften für sich entschieden. Und dank der eigenen Leistungen darf man jetzt auch als Vize-Meister an der Champions League Qualifikation teilnehmen. Dass man den letzten Titel knapp verpasst hat, ist also auch egal.
Falls Glimt es jetzt durch die Quali schafft und sich nächstes Jahr wieder für die Champions League Gruppenphase qualifiziert, werden sie mindestens 8 der nächsten 10 Meisterschaften holen. Und die einzige Hoffnung, die die Norweger haben, ist ein Scheitern des eigentlichen Hoffnungsträgers. Denn es ist im Fußball wie in der Wirtschaft: Es gibt keinen "Trickle Down Effect". Es gibt nur ein "Die Reichen werden immer reicher." Und Bodö/Glimt macht gerade den Sprung zu den Reichen.

Um den Bogen zurück zur polnischen Extraklasse zu schlagen: Es ist wirklich faszinierend, wie tief und fest die Indoktrinierung der Champions League nach 25 Jahren ist. Wir halten die Dominanz von einer bis 3 Mannschaften, die die Konkurrenz nach Belieben platt machen für völlig normal. Und wenn wir dann eine an sich gesunde Liga mit ausgeglichener Konkurrenz sehen, nennen wir das "bekloppt". Wir haben alle anscheinend vergessen, dass alle Ligen ungefähr so waren, wie die polnische es derzeit ist.  Aber all das hat uns im Endeffekt die Champions League genommen. 

Montag, 16. März 2026

Die Bayern lassen Niko Kovac plötzlich sachlich aussehen.

 Starke Leistung. Ein Plottwist, der so nicht zu erwarten waren. Schließlich genießen die Bayern eine komfortable Führung in der Liga, da sollte man Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern doch gelassen zur Kenntnis nehmen. Stattdessen meldet sich direkt Uli Hoeneß lautstark zum Thema. Gut, das ist irgendwie auch seine Aufgabe. Wenn der sich nicht ein Mal im Jahr völlig unsachlich meldet, müsste man sich ja auch Sorgen machen, ob es dem noch gut geht. Und die "Abteilung Attacke" wird halt nicht gebraucht, wenn es keine Konkurrenz mehr gibt. 

Aber was die ganze Sache völlig absurd macht, ist der Einspruch, den die Bayern eingelegt haben. Das ist ein Real Madrid Move. Und ja, das ist in diesem Kontext die schlimmste Beleidigung, die mir einfällt. Jetzt mal ganz sachlich gesehen: Die Gelb-Rote Karte bedeutet nur, dass Luis Diaz mal ein Spiel Pause bekommt. Gegen Union Berlin, eine Mannschaft, die man auch ohne Diaz und Jackson besiegen muss. Und wenn man gegen Union so unmotiviert auftritt, dass die eine Chance haben, wird das nicht an den Sperren liegen. Bei dem absurd vollen Spielplan und dem Luxuskader ist es doch nichts Schlimmes, wenn ein Spieler wie Diaz mal zwangsweise auf die Tribüne rotiert.  

Vor allem war zu 100 % absehbar, dass der Einspruch abgelehnt wird. Also das mag jetzt eine schockierende Nachricht für die Bayern sein, aber das war nicht der erste unberechtigte Platzverweis dieser Saison. De facto gab es davon schon so viele, dass selbst das IFAB schon reagiert hat. Nächste Saison könnte diese Situation halt überprüft werden. Dass man solche Änderungen nicht innerhalb einer Saison umsetzen kann, liegt irgendwie auch an der Fairness. Wenn eine gewisse Sachlage trotz VAR noch in die Kategorie der Tatsachenentscheidung fällt, muss diese Sachlage auch konsequent angewendet werden.

Wenn jetzt nur und ausgerechnet die Bayern es schaffen, durch einen Einspruch eine Sperre abzuwenden, müsste man tatsächlich von einem Bayern-Bonus reden. Und der vielleicht nachvollziehbare Anlass für den Einspruch wurde bereits geklärt, es gibt also nichts zu diskutieren.

Also fast nichts. Wenn die Bayern jetzt den Einspruch einreichen würden, weil sie darauf verweisen, dass sie eine Challenge genommen hätten, wenn sie diese Möglichkeit hätten... Ja, man könnte den Einspruch nutzen, um eine sinnvolle Diskussion anzuregen. Man könnte das "Gelb-Rot ist sehr hart, das würde ich jetzt nicht mehr so geben." mit einem "Wir hätten ihn da gerne selbst zur Review Area geschickt" kombinieren. Das ist, wie so oft, eines der Paradebeispiele für Challenges. Aber die Bayern heulen ja lieber sinnlos rum, anstatt konstruktive Diskussionen anzuschieben.

Wirklich ekelig wird es, wenn Max Eberl das ein Geständnis von Christian Dingert als "sehr ehrenvoll" bezeichnet. Nur um ihn dann ganz ehrenlos von hinten ins Kreuz zu springen und den Einspruch einzulegen. Kein "Wir akzeptieren das, weil Fehler im Fußball passieren", sondern ein "Das war ein Fehler gegen UNS, da muss man alle Hebel in Bewegung setzen." Und das führt halt auch dazu, dass wir jetzt noch tagelang über diesen Fehler reden, anstatt die Situation abzuschließen.

Nebenbei macht er das in einer Zeit, in der ein Deniz Aytekin öffentlich darauf hinweist, dass der Hass gegen Schiedsrichter im Zuge des VAR-Problems weiter zunimmt. Die Aussagen von Kovac in den letzten Monaten und die Aktion der Bayern jetzt tragen dazu ihren Teil bei. Und Dingert kann ja nichts dafür, dass er sich die Szene nicht nochmal angucken darf. 

Ganz sachlich wird die Aktion von Eberl jetzt nur eine Konsequenz haben: Es wird sich kein Schiedsrichter mehr vor eine Kamera stellen und sagen "Das war ein Fehler." Denn wenn er das macht, gibt es zwar erstmal die Schulterklopfer, aber er muss davon ausgehen, dass ihm mit der anderen Hand ein Messer in die Rippen gesteckt wird. Und wenn die Schiedsrichter das selbst nicht so sehen, wird die DFL es veranlassen. 

Da ist es doch schön, dass Hoeneß und Eberl ihren kleinen Beitrag dazu leisten, dass diese Hassspirale weiter eskalieren kann. Ich hätte ja auch nichts anderes von einem Hoeneß erwartet. Nur um mal festzuhalten, wie bescheuert das Vorgehen der Bayern ist: Didi Hamann bringt da plötzlich eine sachliche Aussage zu dem Thema, der man zustimmen muss... also außer man ist Hardcore Bayern Fan...

Montag, 9. März 2026

Das ist schon ein faszinierender Autounfall

 Den der VfL Wolfsburg da inszeniert. Eine dieser Karambolagen, bei der man einfach anhalten und gaffen muss. Als wäre ihnen aufgefallen, dass man schon was Besonderes liefern muss, damit irgendjemand hinguckt. Bessere Werbung kann man für einen Diesel von VW doch gar nicht machen...

Dass man nach dem Abpfiff im eigenen Stadion die Gästefans hört, die laut "Zweite Liga, Wolfsburg ist dabei!" singen, ist an sich schon absurd. Dass es auch noch die Fans des Hamburger SVs sind, ist völlig bekloppt. Wobei man da natürlich sagen muss: wer, wenn nicht die wahren Experten in Sachen Zweiter Liga?

Laut Kicker.de wurde sogar auf der VIP Tribüne der Sieg der Gäste gefeiert... DAS muss man erstmal schaffen. Dann fiel den eigenen Fans auf, dass man ja wenigstens mal ein paar Rauchbomben zünden muss, damit irgendjemand merkt, dass man noch da ist. Denn zu hören waren die ja vorher nicht wirklich.

Selbst der Mannschaft ist nach Abpfiff aufgefallen, dass man mal ein wenig Emotionen zeigen müsste... und man verlor sich in einer völlig unnötigen Rudelbildung. Dort sah der Ersatztorwart die Rote Karte. Das ist halt ihr "Aggressive Leader". Ernsthaft: Marius Müller hat jetzt eine Gelbe und eine Rote Karte gesehen, ohne dass er eine Minute gespielt hat. Und auch im Pokal gegen Kiel sah er eine Verwarnung. Da denkt sich selbst ein Dominik Kohr "entspann dich mal"...

Jetzt soll Hoffnungsträger Dieter Hecking den Karren aus dem Dreck ziehen, weil das in Bochum letztes Jahr so gut funktioniert hat. Frei nach Volker Pispers: "Hoffnungsträger kann man gar nicht sein." Im Kicker gibt es anscheinend einen völlig absurden Kommentar, laut dem Hecking "Seine Zukunft aufs Spiel" setzt. Der Kommentar selber ist natürlich hinter einer Paywall, aber ehrlich... Dieter Hecking ist 61. Er scheiterte zuletzt als Trainer beim Hamburger SV und eben in Bochum. Dazwischen hatte er eigentlich schon gemerkt, dass er als Trainer den Anschluss verloren hat und er versuchte sich mit mäßigem Erfolg als Sportdirektor in Nürnberg. Spätestens nachdem er den Neustart in Bochum in den Sand gesetzt hat, war seine Trainerkarriere doch durch. Er ist nur noch eine Station vom "Peter Neururer fährt den Porsche vor" Meme entfernt. Seine einzige Hoffnung sind absolut verzweifelte Vereine, die ihn als letzte Option anrufen. Und jetzt hat er den einen Dummen gefunden, der nur noch diese Option hatte. Im persönlichen Best-Case-Szenario holt er sich einen letzten Gehaltscheck ab, bevor er endgültig in den Ruhestand geht... Wenn er Pech hat, schafft er das mit dem Klassenerhalt und muss danach dann noch 9 bis 15 Monate weiterarbeiten, bevor sie ihn irgendwann entlassen. Und am Ende wird sich niemand daran erinnern, weil es eben auch nur Wolfsburg im Jahr 2026 ist... Ein Verein, für den sich allgemein niemand interessiert. 

Am Ende wird Hecking so oder so als einer dieser durchschnittlichen Bundesligatrainer in die Geschichte einzugehen. Selbst in seinen Hochphasen war er eher für die "Grauen Mäuse" als für die wirklichen Spitzenteams angestellt. Und seinen einen Titel holte er für die ultimative Graue Maus unter den "Spitzenteams". Was ja auch wirklich nicht schlimm ist. Und was nebenbei dafür sorgt, dass er finanziell ausgesorgt hat. Jetzt zu behaupten, dass diese Anstellung irgendwie seine Zukunft wirklich beeinflusst, ist völlig übertrieben.

Das wirkliche Problem für Wolfsburg: Die Konkurrenz macht Ernst. Selbst Werder Bremen entscheidet sich doch dafür, sich zu wehren. Wobei genau genommen nur genau das passiert ist, was ich vor der Entlassung von Horst Steffen prophezeit habe: Gegen die Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte wird Werder schon die nötigen Punkte holen, um den Klassenerhalt zu sichern. Die Hälfte der 12 Punkte, die man aus den Duellen gegen St. Pauli, Heidenheim, Mainz, Wolfsburg und Köln holen muss (und in der Hinrunde geholt hat), hat man nach der Hälfte der Duelle auch schon auf dem Konto. Im Wesentlichen hat Werder tatsächlich "nur" 2 wichtige Spiele gegen den HSV und St. Pauli verloren, sonst ist man voll im Soll. Und klar, man hat das grundlegende Problem, dass man gegen die Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte nicht wirklich konkurrenzfähig ist... aber das liegt primär an der Zusammenstellung des Kaders und nicht am Trainer. Und dieses Grundlegende Problem führt auch dazu, dass man nicht viel Spielraum hat.

Apropos Trainer: Es ist faszinierend, dass man sofort merkt, wie diese die letzte Woche genutzt haben. Es war ja für Borussia Dortmund eine der wenigen Wochen ohne "englische" Zusatzbelastung. Da war Niko Kovac dann direkt beim Logopäden. Und der hat ihm innerhalb einer Woche beigebracht, wie er den Satz "Ich hätte mich auch beschwert" sagt, ohne mit den Zähnen zu knirschen, nachdem man selbst von einer Fehlentscheidung profitiert hat. Ganz großes Kino.

Nur um den Bullshit, den Kovac in den letzten Wochen von sich gegeben hat, nochmal einzuordnen: Laut seinen eigenen Ansprüchen war die Rote Karte für Jahmai Simpson-Pusey übertrieben, weil Maximilian Beier ja weiterspielen konnte und nicht in der Bahre mit der Trage vom Platz getragen werden musste. 
Ganz ehrlich: Ich gehe davon aus, dass irgendjemand in der Dortmunder Medienabteilung Kovac unter der Woche mal zur Seite genommen hat, um ihn darauf hinzuweisen, welche Auswirkungen in der Wahrnehmung seine Aussagen so haben. Und dann haben sie ihn freundlich darauf hingewiesen, dass er bei Gelegenheit mal eine Fehlentscheidung "pro Dortmund" als diese anerkennen sollte.
Und Dortmund kann es sich jetzt ja leisten. Also deren Saison ist ja quasi durch. Sie werden die Saison ohne Titel, aber als Vize-Meister beenden. Was nach der letzten Saison ein Fortschritt ist. Aber da kann, oder eher muss, man ja mal die Gelegenheit nutzen, um das Image des Trainers ein wenig aufzubessern. 

Beenden wir diesen Beitrag mit einer der wichtigsten Fragen: Warum hat Mario Basler einen Podcast in der ARD Mediathek? Nur um da dann richtig sexistische Kackscheiße von sich zu geben? Ein großes Lob geht dabei an Arnd Zeigler, der Baslers "Wann siehst du mal ne Grätsche bei ner Dame" Aussage ad Absurdum geführt hat, weil erst erwähnt hat, dass Basler in seinen Jahren bei Werder selbst nie gegrätscht hat. Und dann legt er mit einer Montage heftiger Grätschen nach.

Aber ganz ehrlich: Mario Basler sollte Multimillionär sein. Und wenn er sein Vermögen wirklich komplett in den Sand gesetzt hat, kann er sich doch beim Unterschichtenfernsehen RTL bewerben, die werden ihn nehmen. Er ist ja unbestritten eine Persönlichkeit und Marke, die ihm auch eine gewisse Reichweite garantiert. Er könnte seine Weisheiten aus den 50er Jahren also auch ohne die Unterstützung der ARD verbreiten. Warum braucht er dafür die Unterstützung des Öffentlich Rechtlichen Rundfunks? Sollten die sich nicht eher darauf konzentrieren, aufstrebende junge Menschen oder neue Ansichten über ihre Plattform zu fördern?

Montag, 2. März 2026

Worst of des "Und Niko Kovac legt direkt nach." Wochenendes

 Warum auch nicht. Funktioniert ja auch super.

Aber eines vorne weg: Das Spitzenspiel war richtig gut. Sogar Dortmund hat am Ende versucht, auf Sieg zu spielen. Das war schon Werbung für die Bundesliga... nur halt mit einem vernichtenden Ausgang für die restliche Saison. Schade eigentlich.

Niko Kovac nutzt die Gelegenheit, um direkt Eigenwerbung zu machen. Und um zu beweisen, dass er die kritischen Aussagen vom Wochenende durchaus überdacht hat. Natürlich nicht.

Als er auf das kritische Foul von Niko Schlotterbeck an Josip Stanisic angesprochen wird, antwortet er mit einem "Natürlich nicht, das Bein musste ja nicht amputiert werden..." Also so ganz direkt sagt er das natürlich nicht. Aber sein Zitat ist schon bezeichnend"Josip konnte weiterspielen, von daher denke ich, wäre eine Rote Karte zu hart gewesen."

Also nur um das einmal ganz klar festzuhalten: Laut Niko Kovac kann man als Schiedsrichter nur über einen Platzverweis nachdenken, wenn der gegnerische Spieler verletzt ausgewechselt werden MUSS. Und hier muss das "dann hätte man darüber nachdenken können" nochmal richtig betonen. Was für ein Vollidiot.

Ernsthaft: Schickt den mal ein Regelwerk. Wir müssen mal festhalten, das Niko Schlotterbeck als Täter selber zugibt, dass er da Glück gehabt hat. Wie oft sehen wir einen Verteidiger, der so etwas zugibt? Das war also ganz klar Dunkelgelb. Hätte sich Kovac da wirklich einen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn er einmal zugibt, dass man da ein wenig Glück gehabt hat, dass sein Spieler nicht vom Platz geflogen ist? Aber wie letzte Woche schon erwähnt, fehlt es ihm dafür einfach nur an menschlicher Größe.

Aber hier kommt das völlig absurde: Aus Dortmunder Sicht ist das der harmlose Teil... obwohl man sich damit als Verein seinen Ruf bei den neutralen Fans ruiniert. Deren Meinung interessiert ja sowieso niemand. Aber seine mangelnden Führungsfähigkeiten kommen den BvB jetzt richtig teuer zu stehen.

Denn heute kommt dann via Kicker.de raus, dass die Ärzte Emre Can eigentlich untersuchen wollten, er die aber weggeschickt hat. Kovac Analyse der Situation"Unsere Ärzte wollten ihn untersuchen. Aber er hat gesagt: Ich mache jetzt weiter! Dann kannst du als Arzt natürlich auch nichts machen." Ähm... die Ärzte nicht, aber als leitender Angestellter könntest du das. Du könntest den Spieler runterholen und dazu zwingen, dass er sich untersuchen lässt. Und wenn er sich weigert, kannst du ihn einfach auswechseln. Man könnte sogar behaupten, dass du das als leitender Angestellter zwingend musst.

Wenn Kovac diese Situation schon während des Spieles mitbekommen hat, dann trägt er jetzt eine Mitschuld an dieser schweren Verletzung. Denn es fällt auch in sein Aufgabengebiet, überambitionierte Spieler vor sich selbst zu schützen... und im Zweifelsfall dafür zu sorgen, dass die Ärzte ihren Job machen können.

Ansonsten müssen wir festhalten, dass der restliche Spieltag eher grotesk war. In der Samstagskonferenz fiel das erste Tor in der 49. Minute... wir waren also nur Sekunden von einer komplett torlosen ersten Hälfte entfernt. Auch das Gipfeltreffen kam erst in der 2. Halbzeit wirklich ins Rollen. Genauso wie Augsburg - Freiburg am Freitagabend. Oder anders ausgedrückt: Nur der VfB Stuttgart hat in der ersten Halbzeit wirklich brauchbaren Fußball gespielt. Und die haben alleine so viele Tore erzielt, wie die gesamten Bundesligisten in ihren ersten Halbzeiten zusammen. Denn auch bei Hamburg - Leipzig gab es 2 Tore. Langweiliger kann eine Bundesliga Halbzeit kaum verlaufen.

Gerade bei Werder Bremen gegen Heidenheim war es ja schon eher ein groteskes Kino. Also Jovan Milosevic und Romano Schmid bewarben sich beide auf den Title "Gomez der Woche". Beide mit einem Beitrag, der erschreckend dich am Original war. Schmid hatte sogar eine doppelte 100 %ige Chance. Und ja, für die abgeschlagenen Heidenheimer hat es gerade so gereicht. Hoffnung macht die Leistung aber trotzdem nur bedingt.

Vor allem, weil St. Pauli plötzlich 3 der letzten 4 Spiele gewonnen hat. Darunter gegen 2 Champions League Anwärter... What the fuck? Das ist ja das Schöne am Fußball: Dieser Sport ist manchmal einfach nicht sachlich erklärbar. Wie Pauli diese 2 Siege gegen Stuttgart und in Hoffenheim geholt hat, wird niemand nachvollziehen können. Nebenbei war das der erste Sieg außerhalb der Stadttore Hamburgs... 

Bayer Leverkusen scheint sich derweil darauf zu verlassen, dass der 5. Platz schon für die Qualifikation zur Königsklasse reicht... anders lässt sich der pomadige Auftritt gegen Mainz kaum erklären.  Denen ist bewusst, dass Dortmund keine Punkte mehr für sie sammeln wird? Und dass man selbst gegen Piräus 2 Punkte für diese Kategorie verschenkt hat. Denen geht es vielleicht wie Clemens Fritz und die wussten einfach nicht, wie das Regelwerk aussieht. Ich war ja auch überrascht, dass die Zwischenrunde auf einmal doch relevant für die 5-Jahres-Wertung ist. Vielleicht haben die auch einfach das Selbstbewusstsein, dass sie das gegen Arsenal schon reißen werden und sie sich deswegen diese Aussetzer leisten können. Das klingt doch wie ein Plan...

Donnerstag, 26. Februar 2026

Niko Kovac bleibt ein Vollidiot

Es fehlt diesem Menschen einfach die nötige Größe, um einmal klar zu sagen, dass das halt ein berechtigter Elfmeter für den Gegner war. Und dass es da auch gar nichts zu diskutieren gibt.

Stattdessen eiert er wieder rum und behauptet, dass er ja "inzwischen auch nicht mehr weiß, was ein Elfmeter ist." Also gut, hier als kleine Erklärung: Wenn man den Gegner mit dem Stollen im Gesicht trifft, ist das in 90 % der Fälle ein Elfmeter. Solange der Stürmer nicht auf Kniehöhe mit dem Kopf zum Ball geht, gibt es da wenig zu diskutieren.

Das bei WAZ gepostete Bild zeigt eindeutig, dass Mario Pasalic nicht im ungewöhnlichen Tiefflug unterwegs ist. Was Ramy Bensebaini da macht, fällt definitiv unter "gefährliches Spiel". Und wenn man beim gefährlichen Spiel den Gegner im Gesicht trifft, ist das Elfmeter. Eindeutig. Da gibt es dann auch nichts zu diskutieren.

Ich zitiere hier mal das Regelwerk, welches Kovac anscheinend nie gelesen hat:
Gefährliches Spiel unter "Indirekter Freistoß"
Als gefährliches Spiel gilt beim Versuch, den Ball zu spielen, jede Aktion, durch die jemand verletzt werden könnte (einschließlich des Spielers, der die Aktion begeht) und die einen in der Nähe befindlichen Gegner am Spielen des Balls hindert, weil er eine Verletzung befürchtet.
Ein Fallrückzieher oder Scherenschlag ist erlaubt, sofern dadurch kein Gegner gefährdet wird. 

Also nur um das mal festzuhalten: Selbst wenn Bensebaini in nicht trifft, muss es da eigentlich einen indirekten Freistoß geben. 

Ein Vergehen mit Körperkontakt wird mit einem direkten Freistoß geahndet.
• „Fahrlässig“ bedeutet, dass ein Spieler unachtsam, unbesonnen oder unvorsichtig in einen Zweikampf geht. Es ist keine Disziplinarmaßnahme erforderlich.
• „Rücksichtslos“ bedeutet, dass ein Spieler die Gefahr oder die Folgen für einen Gegner außer Acht lässt. Ein solches Vergehen ist mit einer Verwarnung zu ahnden.
• „Übermäßig hart“ bedeutet, dass ein Spieler im Zweikampf mehr Kraft einsetzt als nötig und/oder die Gesundheit eines Gegners gefährdet. Ein solches Vergehen ist mit einem Feldverweis zu ahnden. 

Die Zweikampfführung hier ist demonstrativ "rücksichtslos", weil Bensebaini ja gar nicht versucht, hinzugucken... Damit ist es aber auch egal, ob er da den Ball spielt oder nicht. Und es ist auch egal, ob es sich hier um Absicht handelt. Wer auf der Höhe mit einem ausgestreckten Bein zum Ball geht, muss damit rechnen, dass der Schiedsrichter pfeift. Das Risiko, den Gegner im Gesicht zu treffen, geht er fahrlässig ein. Und nur weil der Schiedsrichter den Kontakt nicht sofort erkennt, gibt er nicht direkt den Elfmeter.

Das beweist nebenbei auch, warum es richtig war, dass der VAR da eingreift, weil offensichtlich ein Wahrnehmungsfehler vorliegt. Die Dortmund Fans diskutieren ja auch darüber.
Das sind nebenbei dieselben Dortmund Fans, die behaupten, dass Julian Baumgartner bei seinen Treffern am Wochenende im Abseits stand, weil sie nicht wussten, dass man nicht im Abseits stehen kann, wenn man hinter dem Ball steht. Die pflegen ihre Opfer-Mentalität gerade sehr ausgiebig.

Aber die Dortmund Fans bringen uns zu dem eigentlich Problem an Kocac Aussagen und Haltung: Denn bei WAZ vor der Paywall wird nur die Frage in den Raum geworfen, ob der Kopf nicht zu tief ist. Für die Antwort müssten wir ein Abo abschließen. Aber diese Frage steht in Dortmund jetzt tatsächlich im Raum. Und Kovac befeuert sie weiter, indem er sich so schwammig positioniert.

Wenn Kovac einfach mal eindeutig sagen würde, dass es natürlich Elfmeter geben muss, wenn ein Spieler, der relativ normal zum Kopfball geht, mit dem Stollen in Gesicht getroffen wird, nimmt er damit der gesamten Dortmunder Fanszene den Wind aus den Segeln. Nebenbei schützt er dadurch den Schiedsrichter, der seinen ursprünglichen Fehler korrigieren konnte. Und er könnte, auch wenn man selbst nicht profitiert, erwähnen, dass der VAR hier eine Fehlentscheidung korrigiert hat. Aber Kovac schafft es ja nicht, Fehlentscheidungen gegen Dortmund überhaupt zu sehen.

Das ist nebenbei kein Einzelfall bei ihm, sondern seine grundlegende Haltung. Bereits am 23. Dezember habe ich ihn aus genau diesem Grunde zum "Vollidioten der Woche" gekürt. Kovac ist ein notorischer "Ich lege jede Szene so aus, dass es meinem Verein passt" Experte. Nebenbei kann man daran auch erkennen, wie Kovac reagieren würde, wenn sein Stürmer in einer vergleichbaren Situation wäre: "Was wollen sie von mir, er trifft ihn im Gesicht. Klarer Elfmeter!"

Was mich ja an der Stelle am meisten stört, ist der mangelnde Widerspruch, auf den Kovac bei den Journalisten trifft. Kein einzelner harkt da mit einem "Was Bensebaini da macht ist die Definition von einem rücksichtslosen Einsteigen. Da er den Gegner im Gesicht trifft, muss es zwingend Elfmeter und Gelb geben."  nach.

Eigentlich müssten die Journalisten jetzt offiziell verkünden, dass sie Niko Kovac einfach nicht mehr zu Regeln und Elfmetern befragen werden, denn er hat ja offiziell zugegeben, dass er davon keine Ahnung hat. Und er hat mehrmals bewiesen, dass er jede noch so offensichtliche Szene immer nur durch seine Vereinsbrille analysieren kann. Dadurch schwächt er konsequent die Schiedsrichter, die von ihm auch für richtige, gegen Dortmund ausfallende, Entscheidungen kritisiert werden. Oder er verschlimmert die "Niemand weiß, wann der VAR eingreifen sollte" Diskussion, weil er 2 quasi identische Szenen komplett unterschiedlich interpretiert. Solchen Menschen unwidersprochen eine Plattform zu geben, ist durchaus gefährlich, auch wenn es hier nur um Fußball geht.

Dienstag, 24. Februar 2026

Die Bundesliga gibt sich ja alle Mühe

 Um mir mit meiner Einschätzung recht zu geben... Großartig. #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher... Da kann man es sich dann auch leisten, einen Tag später zu reagieren. 

Fangen wir mal oben an, wo Borussia Dortmund sich dafür entschied, den Ausgleich zu feiern, anstatt aufs Tempo zu drücken und dem Wahnsinn die Krone aufzusetzen. Damit sind es vorm Spitzenspiel doch wieder 8 Punkte. Das ist halt der Unterschied zwischen Bayer Leverkusen in ihrer Meistersaison und der "normalen Konkurrenz" der Bayern. Und machen wir uns nichts vor: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bayern noch 8 Punkte Vorsprung verspielen, liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich. 

RB Leipzig nutzt damit nebenbei die einzige Möglichkeit sich bei dem gemeinen Fan noch unbeliebter zu machen, indem sie die Meisterschaft entscheiden. Bringen wir als Bonus eine "Da hätte eine Challenge geholfen" VAR Situation und schon haben wir ein ganz normales Spitzenspiel.

Nebenbei haben die Mannschaften auf Platz 2 bis 6 kollektiv beschlossen, dass sie diese Woche einfach mal aussetzen und keinen Sieg holen. Das fehlte diese Saison noch im "Worst of" Wochenende: Alle "Spitzenteams" außer die Bayern lassen Federn. Beweist mir aber auch nur, dass denen allen irgendwie die Konstanz fehlt, um sich frühzeitig den 4. Platz zu sichern...

Nebenbei zeigten Leverkusen und gerade der VfB Stuttgart, wie sehr ihnen die Ehrenrunde im Europacup am Ende wehtun könnte. Beim VfB versuchen sie uns ja alle gerade einzureden, dass die sogar den Titel holen können. Und jetzt lassen sie schon bei der ersten Gelegenheit gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten wichtige Punkte liegen. 

Und was die Experten dabei mittlerweile ignorieren: Sich über die Europa League für die Champions League zu qualifizieren, dürfte für die Premiere League Teams mittlerweile der einfachere Weg sein. Auch wenn Nottingham Forest gerade im Abstiegskampf feststeckt und deswegen den Fokus nicht komplett aufs internationale Geschäft legen kann. Aber letztes Jahr spielten doch auch der 15. gegen den 17. im Europa League Finale. Und dazu spielen die besten 8 Mannschaften in dieser Woche nicht. Selbst wenn der VfB wirklich die beste Mannschaft der Zwischenrunde ist, so ist es trotzdem noch ein langer Weg bis zum Titel. Und die Favoriten kommen eher aus England, Spanien und Italien...

Was jetzt nicht bedeuten soll, dass der VfB direkt die Flinte ins Korn werfen soll. Aber den "Die Europacup Teilnehmer werden noch random Punkte liegen lassen" Faktor habe ich bei meinem "Es ist eh noch zu früh, um oben auf die Tabelle zu gucken" Rant noch gar nicht mit einberechnet.

Im Abstiegskampf gibt Daniel Thioune mir dann ebenfalls komplett recht. Vor dem Spiel sagte er noch: "Wir werden am Wochenende nicht den Klassenerhalt feiern können und wir werden am Wochenende nicht absteigen. Die Tabelle zählt am 34. Spieltag für uns. Es wird wellenförmig und anspruchsvoll bleiben - für uns und für die anderen Mannschaften um uns herum auch." Hinterher heißt es plötzlich, dass jetzt das erste Endspiel ansteht, womit er meiner "Gegen St. Pauli können sie gerade noch so verlieren" Aussage zustimmt. Klar, ideal wäre ein Sieg gewesen, aber dank des Spielplans kann man diese Niederlage noch reparieren.

Was ich nebenbei nicht angesprochen habe: Auch Borussia Mönchengladbach spielt eine "So muss man eigentlich absteigen" Saison. Aber sie hatten zwischenzeitlich einen kurzen "Dead Coach Bounce" Lauf und das reicht halt derzeit. Also Gladbach legt schon wieder eine "1 Sieg in 10 Spielen" Serie hin. In diesen 10 Spielen holte man 6 Punkte. Das spiegelt quasi die ersten 2 Monate, in denen man in der Liga komplett sieglos bliebt. Am Ende war man wirklich nur im November bundesligatauglich. Oder durfte da gegen St. Pauli und Heidenheim spielen und gewann auch deswegen 3 Spiele infolge. Aber ein Sieg gegen Köln und ein Unentschieden gegen RB Leipzig sehen schon beeindruckend aus. Dazu gewann man das letzte Bundesligaspiel von Bo Henriksen. Aber abgesehen von diesen 5 Spielen spielt man eine richtig finstere Saison. Wir reden von "9 Punkten in 18 Spielen" finster. Das ist schlechter als Heidenheim. Aber die 6 Wochen könnten am Ende reichen, weil der Rest sich halt noch dümmer anstellt.

Mein persönliches Überhighlight kommt aber aus Gelsenkirchen. Denn die haben sich ja im Winter Edin Dzeko geholt. Eine Wolfsburger Legende. Und jetzt kommt raus, dass auch der VfL Wolfsburg an ihm interessiert war. Aber Dzeko ging lieber in die zweite Liga. Selbst der letzte aktive Spieler aus der Meistersaison interessiert sich nicht wirklich dafür, dass der "ihm am Herzen liegende" Ex-Verein im Abstiegskampf steckt. Wenn der Fußballgott Humor hat, gibt er uns Schalke gegen Wolfsburg in der Relegation, damit Wolfsburgs ehemaliger Held seinen ersten Profiverein in die 2. Liga schießt. Da wäre sogar ich einmal für diesen Scheiß.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Quo vadis? Die Bundesliga ist gerade wieder so verdammt langweilig!

Ob das Meisterrennen nochmal "spannend" wird, entscheidet sich ja eigentlich erst am Ende des Monats. Es sei denn Dortmund lässt dieses Wochenende Federn gegen RB Leipzig. Das ist wahrscheinlicher, als ein Sieg gegen Bayern. Aber man muss festhalten: Die Borussia muss dieses Spiel zwingend gewinnen, wenn sie das Rennen um die Meisterschaft wirklich nochmal eröffnen wollen. Denn 6 Punkte werden die Bayern gegen den Rest nicht verspielen. Und selbst wenn Dortmund das Gipfeltreffen wirklich gewinnen sollte, ist es immer noch ein verdammt weiter Weg bis zur Meisterschaft. Denn dann muss eine Mannschaft, die bis jetzt immer in solchen Druckmomenten eingebrochen ist, all seine restlichen Spiele gewinnen.

Das eigentlich relevante Rennen um die Champions League Plätze sieht verdammt knapp aus. Aber hier ist das Problem: Wir wissen noch nicht mal, ob Platz 4 oder 5 reicht. Es kann durchaus sein, dass RB Leipzig und Bayer Leverkusen sich nur darum prügeln, wer in die Conference League muss. Oder auch nicht, weil ja 3 der 4 Halbfinalteilnehmer aus den Top 6 kommen und damit dann wohl der 7. in die europäische Drittklassigkeit abstürzt. Oder aber der SC Freiburg erreicht das DFB-Pokalfinale, was denselben Effekt haben dürfte...

Nebenbei muss man hier festhalten, dass mit Hoffenheim, Bayer und RB drei Plastikklubs in dem Rennen um Platz 4 oder 5 sind. Der gemeine Fußballfan reagiert hier mit einem "Solange der VfB Stuttgart am Ende dabei ist, ist es mir egal, wer von den dreien nicht in die Königsklasse darf... Aber Bayer würde ich es am ehesten gönnen..." Und auch wenn ich selbst häufig über die "Traditionen" lästere, so muss ich einfach zugeben, dass ein Rennen zwischen 2 Vereinen mit großer Fanbase andere Reaktionen bei mir hervorruft, als wenn Bayer und Hoffenheim sich um Platz 4 prügeln...

Damit ist nebenbei auch noch nicht geklärt, ob Eintracht Frankfurt oder der SC Freiburg um die goldene Ananas kämpfen. Im Best Case kommt der bessere der beiden in die Europa League. Aber der Abstand der beiden nach oben und unten ist schon gewaltig. Und hier bleibt die Frage, ob dieses Rennen jetzt den neutralen Zuschauer wirklich interessiert.

Dahinter beginnt technisch gesehen der Abstiegskampf. Also zumindest brauchen der Hamburger SV, Union Berlin und der FC Augsburg noch einen Sieg, damit sie nicht absteigen. Den werden sie holen. Auch der 1. FC Köln ist mehr so pseudobedroht. Alle 4 sollten sich nicht zu weit zurücklehnen, aber auch hier muss sich der neutrale Beobachter irgendwie dazu zwingen, den Fokus zu behalten. Und die Trainer müssen dafür sorgen, dass ihre Mannschaften den Fokus aufrechterhalten, damit man nicht zum Saisonende komplett einbricht.

Der "richtige" Abstiegskampf wird am Ende erst in den letzten 4 Wochen entschieden. Also ja, der eine oder andere im Keller mag einen überraschenden Sieg holen, so wie wir das bei St. Pauli gegen Stuttgart gesehen haben. Dieser Sieg könnte am Ende den Unterschied ausmachen. Aber im Wesentlichen werden die 5 Mannschaften da unten hängen bleiben. Die eine Ausnahme dürften die Mainzer sein, die halt mit klugen Entscheidungen ihre Saison gerettet haben. Aber das noch ein Verein plötzlich so einen Lauf hinlegt, ist quasi ausgeschlossen. Die stehen ja alle nicht ohne Grund da unten.

Am Ende steigt derjenige ab, der zufällig gegen Heidenheim verliert. Denn auch da muss man sich wenig vormachen: Heidenheim ist zu schwach für den Klassenerhalt. Die hätten gegen Augsburg und Hamburg mindestens 3, eher 4, Punkte holen müssen, damit das für die nochmal persönlich eingreifen. Aber irgendwo werden sie nochmal einen willkürlichen Sieg einfahren. Und die fehlenden Punkte werden dem Konkurrenten dann richtig weh tun.

Das wichtigste Spiel der nächsten 8 Wochen dürfte damit St. Pauli gegen Werder Bremen sein. Das stimmt aber sachlich gesehen auch nur für St. Pauli. Denn ich habe ja vorletzte Woche ausgeführt, dass für Werder jetzt die Spiele anstehen, in denen sie punkten können und müssen: St. Pauli, Heidenheim, Union, Mainz und Wolfsburg. Natürlich wäre es super praktisch, wenn sie direkt auf Pauli mit dem Punkte sammeln anfangen. Ein Sieg wäre für sie ein richtiger Big Point. Aber das liegt vor allem daran, dass es ein richtiger Nackenschlag für die Kiezkicker wäre. Wenn man auf der Reeperbahn verliert und dann nächste Woche zu Hause gegen Heidenheim gewinnt, liegt man fast wieder im Soll. Wenn St. Pauli verliert, ist das rettende Ufer verdammt weit weg.

Das lustigste ist nebenbei der VfL Wolfsburg mitten im Abstiegskampf. Denn sein wir ehrlich: keinen interessiert's. Also vielleicht die 23.600, die da ins Stadion gehen. Aber selbst da kann man sich nicht sicher sein, dass die nicht da sind, weil sie sehen wollen, wie die Gäste spielen... So schlecht war der Zuspruch, wenn man die Pandemie herausrechnet, seit 2007 nicht mehr. Damals wurde man nebenbei 15..

Es ist aber echt krass, wie extrem egal der VfL Wolfsburg mittlerweile ist. Die Rolle des "Feindbild Nummer 1" haben halt erst Hoffenheim und dann RB Leipzig übernommen. Die mangelnde Tradition wird ihnen nur noch vorgeworfen, wenn es gegen den anderen Plastikklub geht. Dass man 4 Jahre infolge im grauen Mittelmaß verbracht hat, hilft da nur bedingt. Jetzt hofft man ja irgendwie darauf, dass man es 5 Jahre infolge in dieses graue Mittelmaß schafft. Und dann hofft man darauf, dass man nächstes Jahr eine sorgenfreie Saison im grauen Mittelmaß spielen kann...

Wenn Wolfsburg am Ende tatsächlich absteigen würde, fragt der gemeine Fußballfan nur "Wer ersetzt die denn?" Oh... Darmstadt oder Elversberg... Naja... da hätte man auch Wolfsburg behalten können.
Nebenbei muss man festhalten, dass Hannover 96 fast doppelt so viele Fans ins Stadion lockt... obwohl die seit 7 Jahren in der 2. Liga spielen. Und Hannover ist jetzt auch kein Verein, der überregional große Emotionen auslöst. Aber es verdeutlicht, wie krass der VfL es verkackt hat, eine emotionale Bindung zu den Fußballfans in Niedersachsen aufzubauen: selbst nach 29. Jahren in der Bundesliga und einem Meistertitel haben die Nachbarn aus Hannover die größere Strahlkraft.

Und wenn es dann, wie jetzt gerade, richtig beschissen läuft, sammeln die Fans sich nicht, um ihre Mannschaft in besonders harten Zeiten besonders zu untertützen... oder sie wenigstens auszupfeifen. Sondern die Fans bleiben einfach zu Hause. Es kommen jetzt 10.000 Leute weniger als zum Saisonauftakt gegen Köln und Dortmund. Das kann man natürlich auf Hoffenheim und Heidenheim schieben, aber auch gegen richtige Bundesligisten zeigt der Trend deutlich nach unten.

Verdammt viele Wolfsburg-Fans haben die Saison abgeschrieben. Die gucken dann im Sommer, wie das am Ende ausging und ob sie sich nächstes Jahr wieder um ein paar Tickets für die Perlen kümmern müssen... und wenn nicht, ist es irgendwie schade, aber auch nicht wirklich schlimm. Warum sollten wir als "neutrale Beobachter" uns dann um Wolfsburg kümmern?

Natürlich wird das Ende April wieder besser werden. Dass die Bundesliga jetzt gerade in einer gewissen Schlummerphase ist, weil die Bayern quasi als Meister feststehen und der Rest sich noch endgültig sortieren muss, ist leider nicht so ungewöhnlich. 
Aber gerade, wenn man es mit der 2. und 3. Liga vergleicht. Im Unterhaus trennen den Ersten und den Fünften lächerliche 3 Punkte. Und all diese 5 Mannschaften werden jedes Wochenende alles geben, damit sie unter den ersten beiden Mannschaften landen. In der dritten Liga gilt dasselbe Prinzip, auch wenn sich dort der Relegationsteilnehmer häufige durchsetzten kann. Dafür trennen dann den Ersten und den Siebten 5 Punkte. Auf die dritte Liga gucke ich als gebürtiger Rostocker ja eh. Aber ich frage mich derzeit auch jeden Sonntag, wie sich die aktuellen Ergebnisse auf das Aufstiegsrennen in Liga 2 auswirken. Einfach nur, weil es verdammt interessant ist, ob und wie Schalke das dieses Jahr verkackt.

Richtig neidisch wird man, wenn man auf die polnische Extraklasse guckt. Da ist richtig was los. Und das nicht nur dieses, sondern praktisch jedes Jahr. Aber den eigentlichen Grund, warum dies so ist, werde ich euch nächste Woche verraten...

Donnerstag, 12. Februar 2026

Das VAR wieder eines von diesen Wochenenden...

 An dem man alle schlechten VAR Puns bringen muss. Jetzt, wo das abgeklungen ist... müssen wir direkt mit der schlimmsten Aussage von Manuel Baum anfangen, die Sache mal wieder sachlich zu analysieren. Denn auf seiner Pressekonferenz nach dem Spiel zeigt er wieder deutlich, wie krass die an sich gute Idee "Video Assistent Referee" am Scheitern ist. I zitiere von Minute 2 an:

"Ich hab das Gefühl, dass wir die Spieler leider durch das System so sozialisieren, dass man in Situationen mittlerweile reingeht und sich reinfallen lässt."

Bei Minute 7:45 sagt er noch was viel Spannenderes: "Ich find es halt nur Schade, dass ich leider in der Besprechung meinen Spielern jetzt auch sagen muss: Warum fallt ihr denn nicht hin? (...) Das ist ne Cleverness, die wir jetzt bei den Spielern entwickeln müssen, das aber meinem Gedanken von Fußball und Fairness nicht entspricht." 

Bei der gesamten Debatte über den VAR sollten genau diese Zitate jetzt in den Mittelpunkt gerückt werden, aber am Ende zeigt nur Arnd Zeigler sie. Also selbst die Zusammenfassung auf der verlinkten Homepage lässt den entscheidenden Teil weg und man muss sich wirklich das gesamte Video angucken, um zum Kern des Problems zu kommen.

Denn eines muss man nochmal festhalten: Ob ein Spieler theatralisch schreiend fällt, oder ob er trotz des Tritts konsequent den Abschluss sucht, sollte bei der Entscheidung, ob der Tritt ein Foul war, nicht der ausschlaggebende Punkt sein. Wichtig ist, ob der Spieler getroffen wird und nicht ob er fällt. Und der VAR hätte uns die einmalige Chance gegeben, dieses Problem anzugehen. 

Stattdessen verschlimmert der VAR die Tendenz zu Schauspieleinlagen eher, als sie abzumildern. Denn nur wenn man theatralisch fällt, schaltet sich der Keller anscheinend ein. Und wenn man nur theatralisch genug gefallen ist, finden die auch irgendwelche Beweise dafür, dass es ja einen Kontakt gegeben haben muss. Damit gehört eine ordentliche Fallschule weiterhin zur Grundausbildung eines Profis.

Stellt euch einfach mal eine Welt vor, in der jeder Stürmer immer konsequent den Abschluss sucht, auch wenn er gefoult wird, weil er genau weiß, dass der VAR trotzdem eingreifen wird, wenn er am Trikot gezerrt oder am Knöchel getroffen wurde. Das würde den Fußball so viel angenehmer machen und damit könnte man auch die Akzeptanz des VARs erhöhen. Also das letztere ist ein Konjunktiv, weil es immer noch Szenen geben wird, wo die einen behaupten, dass das Ziehen für einen Elfmeterpfiff ausreicht, während andere dieselbe Szene komplett anders einschätzen.

Nebenbei beweist das Desaster Mainz vs Augsburg auch nochmal eins: Wir brauchen dringend Challenges der Trainer. Wenn Baum 2 Mal pro Spiel die Möglichkeit hat, den Schiedsrichter zum Monitor zu bitten, nutzt er diese Gelegenheit genau in diesem Moment. Und es wird innerhalb der nächsten 60 Sekunden eine Möglichkeit geben, das Spiel dafür problemlos zu unterbrechen. Wenn Baum bei seinen beiden Challenges richtig lag, bekommt er eine dritte.

Man muss hier nochmal explizit festhalten, dass Patrick Ittrich am Ende offen zugibt, dass er den Elfmeter zurückgenommen hätte, wenn ihn jemand zum Bildschirm geschickt hätte. Warum der VAR das nicht einfach gemacht hat, ist ein Mysterium. Warum Baum das aber nicht einfach auslösen kann, ist die viel wichtigere Frage. 

Auch das gestern absolvierte Pokalspiel zwischen Bayern und RB liefert ein Textbuchbeispiel für Challenges: Josip Stanisic foult in der 27. Minute recht eindeutig Antonio Nusa. Schiedsrichter Daniel Siebert, so wirkt es zumindest auf mich, als wäre er sich nicht sicher, ob das für einen Elfmeter reicht. Aber der VAR kann das ja überprüfen. Im Nachgang stellt sich aber raus, dass der VAR das eben nicht überprüfen kann, weil das Foul außerhalb des Strafraums war. Ole Werner bekommt dann Gelb, weil er sich völlig zu Recht aufregt.
Wenn Werner die Option gehabt hätte, dass er diese Situation überprüfen lassen will, hätte RB Leipzig zwar nicht den erhofften Elfmeter, aber den berechtigten Freistoß in aussichtsreicher Position bekommen. Und die Situation an der Seitenlinie wäre wesentlich entspannter verlaufen.

Aber im Fußball weigert man sich weiterhin, Challenges einzuführen, auch wenn praktisch alle anderen Sportarten mit VAR dieses System nutzen. Man redet sich ein, dass ein Fußballspiel dafür viel zu selten unterbrochen wird, auch wenn ja die Mannschaft, die die Challenge auslösen will, einfach den Ball ins Aus klären kann... Und vor allem ignoriert dieses Argument, dass es verdammt viele Ruhephasen in einem Spiel gibt. Also entweder, weil die eine Mannschaft den Ball ins Aus kloppt, oder weil die spielerisch gute Mannschaft sich den Gegner mit Ballstafetten zurechtlegt. Aber der Mythos vom fortlaufenden, unterbrechungsfreiem Spiel ist anscheinend wichtiger, als ein gerechterer Sport. Das ist auch wieder bezeichnend. Aber die Trainer fordern ja auch gar keine Challenges mehr, sondern haben so weit resigniert, dass sie ihren Spielern lieber wieder eintrichtern, dass sie doch Elfmeter schinden sollten.

Auch die 2. komplizierte VAR Szene ließe sich einfach regeln. Die war so kompliziert, dass sie sogar Arnd Zeigler verwirrt hat. Dem musste jemand eine SMS schicken, damit er erkennt, dass es um die Frage ging, ob eine neue Spielsituation hergestellt wurde, oder nicht. Dabei geht es um Köln gegen Leipzig. Hier muss man mal grundlegend eines festhalten: Wir brauchen dickere Abseitslinien. Das wäre total einfach zu regeln und würde die Situation zumindest ein wenig entspannen. Denn gerade in diesem Fall waren es ja wirklich nur Millimeter, die der Angreifer im Abseits stand. Es ist total unnötig, die Linien so zu kalibrieren, dass sie ein derartiges Abseits angeblich aufklären.

Und selbst die betroffenen Fans dürften an der Stelle zugeben, dass das nicht im Sinne des Sportes sein kann. Natürlich würde immer noch über Millimeterentscheidungen diskutiert werden, aber es wäre eine ganz andere Gesprächsgrundlage, wenn wir über einen halben Fuß im Abseits reden und nicht über das Leder des Schuhs, das im Abseits stand. Und das wäre total einfach machbar. 5 Zentimeter Spielraum könnte da schon helfen, aber die Fifa will das nicht. Die Premiere League hat diese Toleranz einfach mal eingeführt, die DFL könnte es also auch einfach machen. Aber im Gegensatz zur Premiere League, traut sich die DFL das einfach nicht.

Was aber noch viel wichtiger wäre, ist eine klare Ansage, wann eine neue Spielsituation entsteht und wann nicht. Damit es eindeutige Richtlinien gibt und der Schiedsrichter sich nicht minutenlang den Kopfball von David Raum anguckt, um dann eine schwer nachvollziehbare Entscheidung zu treffen.
Ich hab da ja auch schon beim letzten Mal einen einfachen Vorschlag gemacht: Erste Ballberührung bedeutet keine neue Spielsituation. Jede weitere Berührung der verteidigenden Mannschaft stellt diese her. Wenn Raum also seinen eigenen Spieler anköpfen würde, wäre es danach kein Abseits mehr. Denn dass Raum als Profi seinen eigenen Spieler anköpft, ist praktisch ein technischer Fehler seinerseits.
Das Wichtigste an dieser Regeländerung wäre, dass in 99 % aller Szenen jeder immer sofort wüsste, was Phase ist. Dass man sich als Schiedsrichter nie mit der Frage beschäftigen muss, ob das jetzt gewollt war...
Natürlich würden die Kölner dann jetzt jammern, dass es in diesem Fall zu ihrem Ungunsten geregelt wurde. Und dass sie in 2 Wochen von derselben Regel profitieren, haben sie natürlich nicht auf dem Schirm. Aber wenn man den Fokus etwas weiter einstellen würde, als der gemeine Fußballfan dies kann, würde man dann feststellen, dass vergleichbare Szenen wirklich zu denselben Schiedsrichterentscheidungen führen. Und das ist doch das eigentlich wichtige.

Das ist ja das wirklich frustrierende an der derzeitigen Situation für und um die Schiedsrichter: Die Lösungen wären so einfach: Challenges für die Trainer und eine 5 cm Toleranzzone beim Abseits. Dazu eine einfach und transparente Regelung, wann eine neue Spielsituation entsteht. Diese 3 Dinge würden Wunder für die Akzeptanz des VARs wirken. Sie würden deutlich mehr Konstanz in die Entscheidungen bringen und vor allem die Frage beantworten, wann der VAR denn eingreifen soll, eindeutig und endgültig klären.

Debattiert werden würde hinterher trotzdem immer noch, weil Fußball-Fans halt einfach gerne emotional diskutieren.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Noch mehr Gedanken zur Situation bei Werder Bremen

 Dallein schon, damit ich den "Haben die auch Das Bo angerufen?" Witz nicht liegen lassen muss... Türlich, Türlich

Aber es gibt ja schon neue Entwicklungen: Daniel Thioune macht es. Und der ist im Wesentlichen die schlechtere Version von Horst Steffen.

Um den Anstoss 3 Vergleich zu bringen: Steffen hatte in Elversberg das Level Zweite Liga durchgespielt. Er führte die Mannschaft auf Platz 3, was praktisch zum Aufstieg reichen sollte und weit über dem liegt, was Elversberg mit seinen bescheidenen Mitteln erreichen sollte. Und er hatte dort langfristigen Erfolg. Schon die dritte Liga hat er dort durchgespielt. Insgesamt führte er den Verein von der Regionalliga bis beinah in die Bundesliga. Das ist schon beeindruckend.

Daniel Thioune scheiterte am Ende immer wieder an dem Level "2. Liga". Er führte den Hamburger SV ganz souverän auf den vierten Platz und erhielt damit damals deren legendäre "Unaufsteigbar" Serie. Das wurde aber nicht wirklich wertgeschätzt und er musste nach einer Saison wieder gehen. Und er führte Fortuna Düsseldorf auf den Relegationsrang. Also ja, nach meiner Überzeugung müsste auch Thioune ein Aufstiegscoach sein. Man muss aber ganz sachlich festhalten, dass es ein Unterschied ist, ob man Düsseldorf als Traditionsverein mit für die 2. Liga sehr guten Mitteln auf Platz 3 führt, oder eben Elversberg. Auch wenn Vincent Wagner das Werk von Steffen gerade weiterführt und der Erfolg dort also nicht nur auf der Arbeit des Trainers basiert: Steffen hat die beeindruckendere Vorleistung erbracht.

Der wohlwollendste Kommentar zu Thioune war nebenbei: Der hat doch in Düsseldorf einen guten Job gemacht, er hat sich halt nur das Rückspiel in der Relegation gegen Bochum vercoacht... ähm... "Dinge über die Relegation regeln" ist gerade DER Gameplan für Werder. 

Nebenbei hat sich Thioune nirgends wirklich lange gehalten. 2 1/2 Jahre in Düsseldorf das Saisonziel "Aufstieg" verpassen sind da schon das Karrierehighlight. Und ja, Düsseldorf hatte jeweils laut Transfermarkt.de einen der besten Kader der Liga. Trotz HSV, Schalke und Hertha. Im Wesentlichen hatte Thioune 3 Jahre (eine Saison mit dem HSV, 2 volle mit Düsseldorf) die Gelegenheit, sich die Bundesliga "freizuschalten" und er ist jeweils daran gescheitert. Die dritte Saison hat er dann so in den Sand gesetzt, dass Düsseldorf in den Abstiegskampf rutschte und er entlassen wurde.  Wenig deutet darauf hin, dass der unbedingt in die Bundesliga muss.

Oder anders ausgedrückt: Wenn man im Sommer eine Ablöse für Thioune bezahlt hätte, wäre Clemens Fritz mit der Frage "Warum holst du nicht Steffen?" konfrontiert worden. Der ist nicht nur jetzt die Dritte Wahl, sondern er wäre es auch im Sommer gewesen. Was macht jetzt wirklich Hoffnung, dass Thioune mehr aus dieser Mannschaft rausholt, als Steffen?

Klar, ein Dead Coach Bounce kann Wunder bewirken. Kurzfristig kann es einen Aufschwung geben. Aber es wäre schon ein Wunder, wenn Thioune in 2 Jahren immer noch Trainer an der Weser ist. Aber darum geht es ja gar nicht, es geht gerade nur um den Dead Coach Bounce und irgendwie die Klasse zu halten.
Das ist ja der offensichtliche Grund, warum Clemens Fritz jetzt auch gehen sollte. Und ja, genau jetzt, damit man anfangen kann, den Sommer zu planen. Denn wenn man sich als Manager in die Situation manövriert hat, in der man nur noch und ausschließlich in 3 Monats-Zyklen denken kann, dann hat man vorher verdammt viele Fehler gemacht.

Nebenbei hat Arnd Zeigler eine interessante Statistik gezeigt (der relevante Teil kommt bei 9:42): Im Wesentlichen wurde Horst Steffen entlassen, weil er gegen den Hamburger SV verloren hat. Und gegen die Top 8 in der Tabelle. Gegen die eigentliche Konkurrenz ist Steffen ungeschlagen. Und natürlich ist das etwas zu kurz gedacht, denn man hat halt gegen Köln, Augsburg und Gladbach "nur" Unentschieden gespielt. Wenn er eines dieser Spiele gewonnen hätte, wäre er noch im Amt. Und man hat jetzt 2 Spiele gegen Freiburg und Bayern vor der Brust. Vincent Kompany zittert schon, schließlich wartet er seit 2 Spielen auf einen Sieg... Wenn er am Wochenende nicht gewinnt und dann im Pokal ausscheidet, könnte es plötzlich eng für ihn werden. Aber viel wichtiger ist: Ein bisschen mehr Gelassenheit hätte eben nicht geholfen, weil noch 2 Niederlagen im Programm stehen, bevor es planmäßig wieder besser wird.

Aber im Wesentlichen hat Fritz da einen Kader gebastelt, der mit der Top 8 der Liga nicht mithalten kann. Dann gab es eine ungünstige Konstellation, in der Werder in 9 von 12 Spielen gegen die Top 8 antreten musste. Und die Spiele gegen St. Pauli, Heidenheim, Union Berlin und Mainz bekommt dann ein anderer Trainer. In der Hinrunde holte man gegen diese Gegner unter Steffen 11 Punkte. Wenn man die in der Rückrunde auch holt, hat man 30 Punkte, was letztes Jahr für den direkten Klassenerhalt gereicht hätte. 
Vor allem muss Thioune erstmal mehr als diese 11 Punkte holen. 

Aber die Eigenheiten des Spielplans sind hier echt faszinierend. Denn wenn man die Spiele gegen die Europacup-Teilnehmer aus dem Breisgau und Bayern hinter sich hat, wird der Spielplan dramatisch einfacher. Von den dann folgenden 8 Gegnern kommt nur RB Leipzig aus der oberen Tabellenhälfte. Bevor es dann zum "Finale" mit Stuttgart, Hoffenheim und Dortmund in 3 von 4 Spielen wieder knüppeldick kommt. 
Dass der Spielplan so in "Wir spielen erst gegen die Deppen, dann gegen die Guten" geteilt wurde, ist schon ungewöhnlich. Und am Ende ist Steffen auch genau darüber gestolpert.

Bei einem kompetenteren Manager würde ich davon ausgehen, dass er diese Eigenheiten des Spielplanes im Blick hat. Aber hätte dieser kompetentere Manager dann Thioune den Bayern zum Fraß vorgeworfen? Wahrscheinlich hätte ein besserer Manager sich eher darum gekümmert, dass der Trainer, der nach dem Bayern Spiel auf der Bank sitzt, einen vernünftigen Kader zur Verfügung hat... Apropos:

Wenn man den Fokus dann etwas weiter stellt, zeigt die direkte Konkurrenz, wie es "richtig" geht. Mainz reagiert auf die Fehler im Sommer und die allgemein schwierige Lage mit der Verletzung von Benedict Hollerbach. Wobei der Begriff "Fehler" hier immer noch schwierig ist, weil einen Ersatz für Jonny Burkhardt zu finden eine dieser unlösbaren Aufgaben für die Mainzer ist. 

5 Millionen nahm man in der Summe in die Hand. Es wurde mit Philip Tietz ein Stürmer geholt, der in den letzten 2 Bundesliga-Jahren 15 Tore geschossen hat. Also mehr Tore als all die Mittelstürmer in Bremen zusammen... in ihrer gesamten Karriere. Man hat die persönlichen Kontakte des Trainers zu Sheraldo Becker genutzt. Man hat einen erfahrenen Innenverteidiger günstig ausgeliehen. Und man hat sich mit Silas ein günstiges Rehabilitationsprojekt geholt.

Abgesehen von Becker sind das alles Transfer, die auch Werder hätte tätigen können. Und nur auf den Außenbahnen ist Werder so gut aufgestellt, dass sie Silas nicht brauchen. All die anderen Spieler hätten auch Werder gut zu Gesicht gestanden. Aber Fritz war ja schwer damit beschäftigt, den Fehler mit Horst Steffen zu reparieren. Also den Fehler des Zeitpunkts der Entlassung.

Wie ich gestern schon ausgeführt habe: Horst Steffen ist nicht das Problem an der Weser. Je intensiver man sich mit der Situation beschäftigt, umso deutlicher wird das.