Donnerstag, 26. Februar 2026

Niko Kovac bleibt ein Vollidiot

Es fehlt diesem Menschen einfach die nötige Größe, um einmal klar zu sagen, dass das halt ein berechtigter Elfmeter für den Gegner war. Und dass es da auch gar nichts zu diskutieren gibt.

Stattdessen eiert er wieder rum und behauptet, dass er ja "inzwischen auch nicht mehr weiß, was ein Elfmeter ist." Also gut, hier als kleine Erklärung: Wenn man den Gegner mit dem Stollen im Gesicht trifft, ist das in 90 % der Fälle ein Elfmeter. Solange der Stürmer nicht auf Kniehöhe mit dem Kopf zum Ball geht, gibt es da wenig zu diskutieren.

Das bei WAZ gepostete Bild zeigt eindeutig, dass Mario Pasalic nicht im ungewöhnlichen Tiefflug unterwegs ist. Was Ramy Bensebaini da macht, fällt definitiv unter "gefährliches Spiel". Und wenn man beim gefährlichen Spiel den Gegner im Gesicht trifft, ist das Elfmeter. Eindeutig. Da gibt es dann auch nichts zu diskutieren.

Ich zitiere hier mal das Regelwerk, welches Kovac anscheinend nie gelesen hat:
Gefährliches Spiel unter "Indirekter Freistoß"
Als gefährliches Spiel gilt beim Versuch, den Ball zu spielen, jede Aktion, durch die jemand verletzt werden könnte (einschließlich des Spielers, der die Aktion begeht) und die einen in der Nähe befindlichen Gegner am Spielen des Balls hindert, weil er eine Verletzung befürchtet.
Ein Fallrückzieher oder Scherenschlag ist erlaubt, sofern dadurch kein Gegner gefährdet wird. 

Also nur um das mal festzuhalten: Selbst wenn Bensebaini in nicht trifft, muss es da eigentlich einen indirekten Freistoß geben. 

Ein Vergehen mit Körperkontakt wird mit einem direkten Freistoß geahndet.
• „Fahrlässig“ bedeutet, dass ein Spieler unachtsam, unbesonnen oder unvorsichtig in einen Zweikampf geht. Es ist keine Disziplinarmaßnahme erforderlich.
• „Rücksichtslos“ bedeutet, dass ein Spieler die Gefahr oder die Folgen für einen Gegner außer Acht lässt. Ein solches Vergehen ist mit einer Verwarnung zu ahnden.
• „Übermäßig hart“ bedeutet, dass ein Spieler im Zweikampf mehr Kraft einsetzt als nötig und/oder die Gesundheit eines Gegners gefährdet. Ein solches Vergehen ist mit einem Feldverweis zu ahnden. 

Die Zweikampfführung hier ist demonstrativ "rücksichtslos", weil Bensebaini ja gar nicht versucht, hinzugucken... Damit ist es aber auch egal, ob er da den Ball spielt oder nicht. Und es ist auch egal, ob es sich hier um Absicht handelt. Wer auf der Höhe mit einem ausgestreckten Bein zum Ball geht, muss damit rechnen, dass der Schiedsrichter pfeift. Das Risiko, den Gegner im Gesicht zu treffen, geht er fahrlässig ein. Und nur weil der Schiedsrichter den Kontakt nicht sofort erkennt, gibt er nicht direkt den Elfmeter.

Das beweist nebenbei auch, warum es richtig war, dass der VAR da eingreift, weil offensichtlich ein Wahrnehmungsfehler vorliegt. Die Dortmund Fans diskutieren ja auch darüber.
Das sind nebenbei dieselben Dortmund Fans, die behaupten, dass Julian Baumgartner bei seinen Treffern am Wochenende im Abseits stand, weil sie nicht wussten, dass man nicht im Abseits stehen kann, wenn man hinter dem Ball steht. Die pflegen ihre Opfer-Mentalität gerade sehr ausgiebig.

Aber die Dortmund Fans bringen uns zu dem eigentlich Problem an Kocac Aussagen und Haltung: Denn bei WAZ vor der Paywall wird nur die Frage in den Raum geworfen, ob der Kopf nicht zu tief ist. Für die Antwort müssten wir ein Abo abschließen. Aber diese Frage steht in Dortmund jetzt tatsächlich im Raum. Und Kovac befeuert sie weiter, indem er sich so schwammig positioniert.

Wenn Kovac einfach mal eindeutig sagen würde, dass es natürlich Elfmeter geben muss, wenn ein Spieler, der relativ normal zum Kopfball geht, mit dem Stollen in Gesicht getroffen wird, nimmt er damit der gesamten Dortmunder Fanszene den Wind aus den Segeln. Nebenbei schützt er dadurch den Schiedsrichter, der seinen ursprünglichen Fehler korrigieren konnte. Und er könnte, auch wenn man selbst nicht profitiert, erwähnen, dass der VAR hier eine Fehlentscheidung korrigiert hat. Aber Kovac schafft es ja nicht, Fehlentscheidungen gegen Dortmund überhaupt zu sehen.

Das ist nebenbei kein Einzelfall bei ihm, sondern seine grundlegende Haltung. Bereits am 23. Dezember habe ich ihn aus genau diesem Grunde zum "Vollidioten der Woche" gekürt. Kovac ist ein notorischer "Ich lege jede Szene so aus, dass es meinem Verein passt" Experte. Nebenbei kann man daran auch erkennen, wie Kovac reagieren würde, wenn sein Stürmer in einer vergleichbaren Situation wäre: "Was wollen sie von mir, er trifft ihn im Gesicht. Klarer Elfmeter!"

Was mich ja an der Stelle am meisten stört, ist der mangelnde Widerspruch, auf den Kovac bei den Journalisten trifft. Kein einzelner harkt da mit einem "Was Bensebaini da macht ist die Definition von einem rücksichtslosen Einsteigen. Da er den Gegner im Gesicht trifft, muss es zwingend Elfmeter und Gelb geben."  nach.

Eigentlich müssten die Journalisten jetzt offiziell verkünden, dass sie Niko Kovac einfach nicht mehr zu Regeln und Elfmetern befragen werden, denn er hat ja offiziell zugegeben, dass er davon keine Ahnung hat. Und er hat mehrmals bewiesen, dass er jede noch so offensichtliche Szene immer nur durch seine Vereinsbrille analysieren kann. Dadurch schwächt er konsequent die Schiedsrichter, die von ihm auch für richtige, gegen Dortmund ausfallende, Entscheidungen kritisiert werden. Oder er verschlimmert die "Niemand weiß, wann der VAR eingreifen sollte" Diskussion, weil er 2 quasi identische Szenen komplett unterschiedlich interpretiert. Solchen Menschen unwidersprochen eine Plattform zu geben, ist durchaus gefährlich, auch wenn es hier nur um Fußball geht.

Dienstag, 24. Februar 2026

Die Bundesliga gibt sich ja alle Mühe

 Um mir mit meiner Einschätzung recht zu geben... Großartig. #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher... Da kann man es sich dann auch leisten, einen Tag später zu reagieren. 

Fangen wir mal oben an, wo Borussia Dortmund sich dafür entschied, den Ausgleich zu feiern, anstatt aufs Tempo zu drücken und dem Wahnsinn die Krone aufzusetzen. Damit sind es vorm Spitzenspiel doch wieder 8 Punkte. Das ist halt der Unterschied zwischen Bayer Leverkusen in ihrer Meistersaison und der "normalen Konkurrenz" der Bayern. Und machen wir uns nichts vor: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bayern noch 8 Punkte Vorsprung verspielen, liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich. 

RB Leipzig nutzt damit nebenbei die einzige Möglichkeit sich bei dem gemeinen Fan noch unbeliebter zu machen, indem sie die Meisterschaft entscheiden. Bringen wir als Bonus eine "Da hätte eine Challenge geholfen" VAR Situation und schon haben wir ein ganz normales Spitzenspiel.

Nebenbei haben die Mannschaften auf Platz 2 bis 6 kollektiv beschlossen, dass sie diese Woche einfach mal aussetzen und keinen Sieg holen. Das fehlte diese Saison noch im "Worst of" Wochenende: Alle "Spitzenteams" außer die Bayern lassen Federn. Beweist mir aber auch nur, dass denen allen irgendwie die Konstanz fehlt, um sich frühzeitig den 4. Platz zu sichern...

Nebenbei zeigten Leverkusen und gerade der VfB Stuttgart, wie sehr ihnen die Ehrenrunde im Europacup am Ende wehtun könnte. Beim VfB versuchen sie uns ja alle gerade einzureden, dass die sogar den Titel holen können. Und jetzt lassen sie schon bei der ersten Gelegenheit gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten wichtige Punkte liegen. 

Und was die Experten dabei mittlerweile ignorieren: Sich über die Europa League für die Champions League zu qualifizieren, dürfte für die Premiere League Teams mittlerweile der einfachere Weg sein. Auch wenn Nottingham Forest gerade im Abstiegskampf feststeckt und deswegen den Fokus nicht komplett aufs internationale Geschäft legen kann. Aber letztes Jahr spielten doch auch der 15. gegen den 17. im Europa League Finale. Und dazu spielen die besten 8 Mannschaften in dieser Woche nicht. Selbst wenn der VfB wirklich die beste Mannschaft der Zwischenrunde ist, so ist es trotzdem noch ein langer Weg bis zum Titel. Und die Favoriten kommen eher aus England, Spanien und Italien...

Was jetzt nicht bedeuten soll, dass der VfB direkt die Flinte ins Korn werfen soll. Aber den "Die Europacup Teilnehmer werden noch random Punkte liegen lassen" Faktor habe ich bei meinem "Es ist eh noch zu früh, um oben auf die Tabelle zu gucken" Rant noch gar nicht mit einberechnet.

Im Abstiegskampf gibt Daniel Thioune mir dann ebenfalls komplett recht. Vor dem Spiel sagte er noch: "Wir werden am Wochenende nicht den Klassenerhalt feiern können und wir werden am Wochenende nicht absteigen. Die Tabelle zählt am 34. Spieltag für uns. Es wird wellenförmig und anspruchsvoll bleiben - für uns und für die anderen Mannschaften um uns herum auch." Hinterher heißt es plötzlich, dass jetzt das erste Endspiel ansteht, womit er meiner "Gegen St. Pauli können sie gerade noch so verlieren" Aussage zustimmt. Klar, ideal wäre ein Sieg gewesen, aber dank des Spielplans kann man diese Niederlage noch reparieren.

Was ich nebenbei nicht angesprochen habe: Auch Borussia Mönchengladbach spielt eine "So muss man eigentlich absteigen" Saison. Aber sie hatten zwischenzeitlich einen kurzen "Dead Coach Bounce" Lauf und das reicht halt derzeit. Also Gladbach legt schon wieder eine "1 Sieg in 10 Spielen" Serie hin. In diesen 10 Spielen holte man 6 Punkte. Das spiegelt quasi die ersten 2 Monate, in denen man in der Liga komplett sieglos bliebt. Am Ende war man wirklich nur im November bundesligatauglich. Oder durfte da gegen St. Pauli und Heidenheim spielen und gewann auch deswegen 3 Spiele infolge. Aber ein Sieg gegen Köln und ein Unentschieden gegen RB Leipzig sehen schon beeindruckend aus. Dazu gewann man das letzte Bundesligaspiel von Bo Henriksen. Aber abgesehen von diesen 5 Spielen spielt man eine richtig finstere Saison. Wir reden von "9 Punkten in 18 Spielen" finster. Das ist schlechter als Heidenheim. Aber die 6 Wochen könnten am Ende reichen, weil der Rest sich halt noch dümmer anstellt.

Mein persönliches Überhighlight kommt aber aus Gelsenkirchen. Denn die haben sich ja im Winter Edin Dzeko geholt. Eine Wolfsburger Legende. Und jetzt kommt raus, dass auch der VfL Wolfsburg an ihm interessiert war. Aber Dzeko ging lieber in die zweite Liga. Selbst der letzte aktive Spieler aus der Meistersaison interessiert sich nicht wirklich dafür, dass der "ihm am Herzen liegende" Ex-Verein im Abstiegskampf steckt. Wenn der Fußballgott Humor hat, gibt er uns Schalke gegen Wolfsburg in der Relegation, damit Wolfsburgs ehemaliger Held seinen ersten Profiverein in die 2. Liga schießt. Da wäre sogar ich einmal für diesen Scheiß.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Quo vadis? Die Bundesliga ist gerade wieder so verdammt langweilig!

Ob das Meisterrennen nochmal "spannend" wird, entscheidet sich ja eigentlich erst am Ende des Monats. Es sei denn Dortmund lässt dieses Wochenende Federn gegen RB Leipzig. Das ist wahrscheinlicher, als ein Sieg gegen Bayern. Aber man muss festhalten: Die Borussia muss dieses Spiel zwingend gewinnen, wenn sie das Rennen um die Meisterschaft wirklich nochmal eröffnen wollen. Denn 6 Punkte werden die Bayern gegen den Rest nicht verspielen. Und selbst wenn Dortmund das Gipfeltreffen wirklich gewinnen sollte, ist es immer noch ein verdammt weiter Weg bis zur Meisterschaft. Denn dann muss eine Mannschaft, die bis jetzt immer in solchen Druckmomenten eingebrochen ist, all seine restlichen Spiele gewinnen.

Das eigentlich relevante Rennen um die Champions League Plätze sieht verdammt knapp aus. Aber hier ist das Problem: Wir wissen noch nicht mal, ob Platz 4 oder 5 reicht. Es kann durchaus sein, dass RB Leipzig und Bayer Leverkusen sich nur darum prügeln, wer in die Conference League muss. Oder auch nicht, weil ja 3 der 4 Halbfinalteilnehmer aus den Top 6 kommen und damit dann wohl der 7. in die europäische Drittklassigkeit abstürzt. Oder aber der SC Freiburg erreicht das DFB-Pokalfinale, was denselben Effekt haben dürfte...

Nebenbei muss man hier festhalten, dass mit Hoffenheim, Bayer und RB drei Plastikklubs in dem Rennen um Platz 4 oder 5 sind. Der gemeine Fußballfan reagiert hier mit einem "Solange der VfB Stuttgart am Ende dabei ist, ist es mir egal, wer von den dreien nicht in die Königsklasse darf... Aber Bayer würde ich es am ehesten gönnen..." Und auch wenn ich selbst häufig über die "Traditionen" lästere, so muss ich einfach zugeben, dass ein Rennen zwischen 2 Vereinen mit großer Fanbase andere Reaktionen bei mir hervorruft, als wenn Bayer und Hoffenheim sich um Platz 4 prügeln...

Damit ist nebenbei auch noch nicht geklärt, ob Eintracht Frankfurt oder der SC Freiburg um die goldene Ananas kämpfen. Im Best Case kommt der bessere der beiden in die Europa League. Aber der Abstand der beiden nach oben und unten ist schon gewaltig. Und hier bleibt die Frage, ob dieses Rennen jetzt den neutralen Zuschauer wirklich interessiert.

Dahinter beginnt technisch gesehen der Abstiegskampf. Also zumindest brauchen der Hamburger SV, Union Berlin und der FC Augsburg noch einen Sieg, damit sie nicht absteigen. Den werden sie holen. Auch der 1. FC Köln ist mehr so pseudobedroht. Alle 4 sollten sich nicht zu weit zurücklehnen, aber auch hier muss sich der neutrale Beobachter irgendwie dazu zwingen, den Fokus zu behalten. Und die Trainer müssen dafür sorgen, dass ihre Mannschaften den Fokus aufrechterhalten, damit man nicht zum Saisonende komplett einbricht.

Der "richtige" Abstiegskampf wird am Ende erst in den letzten 4 Wochen entschieden. Also ja, der eine oder andere im Keller mag einen überraschenden Sieg holen, so wie wir das bei St. Pauli gegen Stuttgart gesehen haben. Dieser Sieg könnte am Ende den Unterschied ausmachen. Aber im Wesentlichen werden die 5 Mannschaften da unten hängen bleiben. Die eine Ausnahme dürften die Mainzer sein, die halt mit klugen Entscheidungen ihre Saison gerettet haben. Aber das noch ein Verein plötzlich so einen Lauf hinlegt, ist quasi ausgeschlossen. Die stehen ja alle nicht ohne Grund da unten.

Am Ende steigt derjenige ab, der zufällig gegen Heidenheim verliert. Denn auch da muss man sich wenig vormachen: Heidenheim ist zu schwach für den Klassenerhalt. Die hätten gegen Augsburg und Hamburg mindestens 3, eher 4, Punkte holen müssen, damit das für die nochmal persönlich eingreifen. Aber irgendwo werden sie nochmal einen willkürlichen Sieg einfahren. Und die fehlenden Punkte werden dem Konkurrenten dann richtig weh tun.

Das wichtigste Spiel der nächsten 8 Wochen dürfte damit St. Pauli gegen Werder Bremen sein. Das stimmt aber sachlich gesehen auch nur für St. Pauli. Denn ich habe ja vorletzte Woche ausgeführt, dass für Werder jetzt die Spiele anstehen, in denen sie punkten können und müssen: St. Pauli, Heidenheim, Union, Mainz und Wolfsburg. Natürlich wäre es super praktisch, wenn sie direkt auf Pauli mit dem Punkte sammeln anfangen. Ein Sieg wäre für sie ein richtiger Big Point. Aber das liegt vor allem daran, dass es ein richtiger Nackenschlag für die Kiezkicker wäre. Wenn man auf der Reeperbahn verliert und dann nächste Woche zu Hause gegen Heidenheim gewinnt, liegt man fast wieder im Soll. Wenn St. Pauli verliert, ist das rettende Ufer verdammt weit weg.

Das lustigste ist nebenbei der VfL Wolfsburg mitten im Abstiegskampf. Denn sein wir ehrlich: keinen interessiert's. Also vielleicht die 23.600, die da ins Stadion gehen. Aber selbst da kann man sich nicht sicher sein, dass die nicht da sind, weil sie sehen wollen, wie die Gäste spielen... So schlecht war der Zuspruch, wenn man die Pandemie herausrechnet, seit 2007 nicht mehr. Damals wurde man nebenbei 15..

Es ist aber echt krass, wie extrem egal der VfL Wolfsburg mittlerweile ist. Die Rolle des "Feindbild Nummer 1" haben halt erst Hoffenheim und dann RB Leipzig übernommen. Die mangelnde Tradition wird ihnen nur noch vorgeworfen, wenn es gegen den anderen Plastikklub geht. Dass man 4 Jahre infolge im grauen Mittelmaß verbracht hat, hilft da nur bedingt. Jetzt hofft man ja irgendwie darauf, dass man es 5 Jahre infolge in dieses graue Mittelmaß schafft. Und dann hofft man darauf, dass man nächstes Jahr eine sorgenfreie Saison im grauen Mittelmaß spielen kann...

Wenn Wolfsburg am Ende tatsächlich absteigen würde, fragt der gemeine Fußballfan nur "Wer ersetzt die denn?" Oh... Darmstadt oder Elversberg... Naja... da hätte man auch Wolfsburg behalten können.
Nebenbei muss man festhalten, dass Hannover 96 fast doppelt so viele Fans ins Stadion lockt... obwohl die seit 7 Jahren in der 2. Liga spielen. Und Hannover ist jetzt auch kein Verein, der überregional große Emotionen auslöst. Aber es verdeutlicht, wie krass der VfL es verkackt hat, eine emotionale Bindung zu den Fußballfans in Niedersachsen aufzubauen: selbst nach 29. Jahren in der Bundesliga und einem Meistertitel haben die Nachbarn aus Hannover die größere Strahlkraft.

Und wenn es dann, wie jetzt gerade, richtig beschissen läuft, sammeln die Fans sich nicht, um ihre Mannschaft in besonders harten Zeiten besonders zu untertützen... oder sie wenigstens auszupfeifen. Sondern die Fans bleiben einfach zu Hause. Es kommen jetzt 10.000 Leute weniger als zum Saisonauftakt gegen Köln und Dortmund. Das kann man natürlich auf Hoffenheim und Heidenheim schieben, aber auch gegen richtige Bundesligisten zeigt der Trend deutlich nach unten.

Verdammt viele Wolfsburg-Fans haben die Saison abgeschrieben. Die gucken dann im Sommer, wie das am Ende ausging und ob sie sich nächstes Jahr wieder um ein paar Tickets für die Perlen kümmern müssen... und wenn nicht, ist es irgendwie schade, aber auch nicht wirklich schlimm. Warum sollten wir als "neutrale Beobachter" uns dann um Wolfsburg kümmern?

Natürlich wird das Ende April wieder besser werden. Dass die Bundesliga jetzt gerade in einer gewissen Schlummerphase ist, weil die Bayern quasi als Meister feststehen und der Rest sich noch endgültig sortieren muss, ist leider nicht so ungewöhnlich. 
Aber gerade, wenn man es mit der 2. und 3. Liga vergleicht. Im Unterhaus trennen den Ersten und den Fünften lächerliche 3 Punkte. Und all diese 5 Mannschaften werden jedes Wochenende alles geben, damit sie unter den ersten beiden Mannschaften landen. In der dritten Liga gilt dasselbe Prinzip, auch wenn sich dort der Relegationsteilnehmer häufige durchsetzten kann. Dafür trennen dann den Ersten und den Siebten 5 Punkte. Auf die dritte Liga gucke ich als gebürtiger Rostocker ja eh. Aber ich frage mich derzeit auch jeden Sonntag, wie sich die aktuellen Ergebnisse auf das Aufstiegsrennen in Liga 2 auswirken. Einfach nur, weil es verdammt interessant ist, ob und wie Schalke das dieses Jahr verkackt.

Richtig neidisch wird man, wenn man auf die polnische Extraklasse guckt. Da ist richtig was los. Und das nicht nur dieses, sondern praktisch jedes Jahr. Aber den eigentlichen Grund, warum dies so ist, werde ich euch nächste Woche verraten...

Donnerstag, 12. Februar 2026

Das VAR wieder eines von diesen Wochenenden...

 An dem man alle schlechten VAR Puns bringen muss. Jetzt, wo das abgeklungen ist... müssen wir direkt mit der schlimmsten Aussage von Manuel Baum anfangen, die Sache mal wieder sachlich zu analysieren. Denn auf seiner Pressekonferenz nach dem Spiel zeigt er wieder deutlich, wie krass die an sich gute Idee "Video Assistent Referee" am Scheitern ist. I zitiere von Minute 2 an:

"Ich hab das Gefühl, dass wir die Spieler leider durch das System so sozialisieren, dass man in Situationen mittlerweile reingeht und sich reinfallen lässt."

Bei Minute 7:45 sagt er noch was viel Spannenderes: "Ich find es halt nur Schade, dass ich leider in der Besprechung meinen Spielern jetzt auch sagen muss: Warum fallt ihr denn nicht hin? (...) Das ist ne Cleverness, die wir jetzt bei den Spielern entwickeln müssen, das aber meinem Gedanken von Fußball und Fairness nicht entspricht." 

Bei der gesamten Debatte über den VAR sollten genau diese Zitate jetzt in den Mittelpunkt gerückt werden, aber am Ende zeigt nur Arnd Zeigler sie. Also selbst die Zusammenfassung auf der verlinkten Homepage lässt den entscheidenden Teil weg und man muss sich wirklich das gesamte Video angucken, um zum Kern des Problems zu kommen.

Denn eines muss man nochmal festhalten: Ob ein Spieler theatralisch schreiend fällt, oder ob er trotz des Tritts konsequent den Abschluss sucht, sollte bei der Entscheidung, ob der Tritt ein Foul war, nicht der ausschlaggebende Punkt sein. Wichtig ist, ob der Spieler getroffen wird und nicht ob er fällt. Und der VAR hätte uns die einmalige Chance gegeben, dieses Problem anzugehen. 

Stattdessen verschlimmert der VAR die Tendenz zu Schauspieleinlagen eher, als sie abzumildern. Denn nur wenn man theatralisch fällt, schaltet sich der Keller anscheinend ein. Und wenn man nur theatralisch genug gefallen ist, finden die auch irgendwelche Beweise dafür, dass es ja einen Kontakt gegeben haben muss. Damit gehört eine ordentliche Fallschule weiterhin zur Grundausbildung eines Profis.

Stellt euch einfach mal eine Welt vor, in der jeder Stürmer immer konsequent den Abschluss sucht, auch wenn er gefoult wird, weil er genau weiß, dass der VAR trotzdem eingreifen wird, wenn er am Trikot gezerrt oder am Knöchel getroffen wurde. Das würde den Fußball so viel angenehmer machen und damit könnte man auch die Akzeptanz des VARs erhöhen. Also das letztere ist ein Konjunktiv, weil es immer noch Szenen geben wird, wo die einen behaupten, dass das Ziehen für einen Elfmeterpfiff ausreicht, während andere dieselbe Szene komplett anders einschätzen.

Nebenbei beweist das Desaster Mainz vs Augsburg auch nochmal eins: Wir brauchen dringend Challenges der Trainer. Wenn Baum 2 Mal pro Spiel die Möglichkeit hat, den Schiedsrichter zum Monitor zu bitten, nutzt er diese Gelegenheit genau in diesem Moment. Und es wird innerhalb der nächsten 60 Sekunden eine Möglichkeit geben, das Spiel dafür problemlos zu unterbrechen. Wenn Baum bei seinen beiden Challenges richtig lag, bekommt er eine dritte.

Man muss hier nochmal explizit festhalten, dass Patrick Ittrich am Ende offen zugibt, dass er den Elfmeter zurückgenommen hätte, wenn ihn jemand zum Bildschirm geschickt hätte. Warum der VAR das nicht einfach gemacht hat, ist ein Mysterium. Warum Baum das aber nicht einfach auslösen kann, ist die viel wichtigere Frage. 

Auch das gestern absolvierte Pokalspiel zwischen Bayern und RB liefert ein Textbuchbeispiel für Challenges: Josip Stanisic foult in der 27. Minute recht eindeutig Antonio Nusa. Schiedsrichter Daniel Siebert, so wirkt es zumindest auf mich, als wäre er sich nicht sicher, ob das für einen Elfmeter reicht. Aber der VAR kann das ja überprüfen. Im Nachgang stellt sich aber raus, dass der VAR das eben nicht überprüfen kann, weil das Foul außerhalb des Strafraums war. Ole Werner bekommt dann Gelb, weil er sich völlig zu Recht aufregt.
Wenn Werner die Option gehabt hätte, dass er diese Situation überprüfen lassen will, hätte RB Leipzig zwar nicht den erhofften Elfmeter, aber den berechtigten Freistoß in aussichtsreicher Position bekommen. Und die Situation an der Seitenlinie wäre wesentlich entspannter verlaufen.

Aber im Fußball weigert man sich weiterhin, Challenges einzuführen, auch wenn praktisch alle anderen Sportarten mit VAR dieses System nutzen. Man redet sich ein, dass ein Fußballspiel dafür viel zu selten unterbrochen wird, auch wenn ja die Mannschaft, die die Challenge auslösen will, einfach den Ball ins Aus klären kann... Und vor allem ignoriert dieses Argument, dass es verdammt viele Ruhephasen in einem Spiel gibt. Also entweder, weil die eine Mannschaft den Ball ins Aus kloppt, oder weil die spielerisch gute Mannschaft sich den Gegner mit Ballstafetten zurechtlegt. Aber der Mythos vom fortlaufenden, unterbrechungsfreiem Spiel ist anscheinend wichtiger, als ein gerechterer Sport. Das ist auch wieder bezeichnend. Aber die Trainer fordern ja auch gar keine Challenges mehr, sondern haben so weit resigniert, dass sie ihren Spielern lieber wieder eintrichtern, dass sie doch Elfmeter schinden sollten.

Auch die 2. komplizierte VAR Szene ließe sich einfach regeln. Die war so kompliziert, dass sie sogar Arnd Zeigler verwirrt hat. Dem musste jemand eine SMS schicken, damit er erkennt, dass es um die Frage ging, ob eine neue Spielsituation hergestellt wurde, oder nicht. Dabei geht es um Köln gegen Leipzig. Hier muss man mal grundlegend eines festhalten: Wir brauchen dickere Abseitslinien. Das wäre total einfach zu regeln und würde die Situation zumindest ein wenig entspannen. Denn gerade in diesem Fall waren es ja wirklich nur Millimeter, die der Angreifer im Abseits stand. Es ist total unnötig, die Linien so zu kalibrieren, dass sie ein derartiges Abseits angeblich aufklären.

Und selbst die betroffenen Fans dürften an der Stelle zugeben, dass das nicht im Sinne des Sportes sein kann. Natürlich würde immer noch über Millimeterentscheidungen diskutiert werden, aber es wäre eine ganz andere Gesprächsgrundlage, wenn wir über einen halben Fuß im Abseits reden und nicht über das Leder des Schuhs, das im Abseits stand. Und das wäre total einfach machbar. 5 Zentimeter Spielraum könnte da schon helfen, aber die Fifa will das nicht. Die Premiere League hat diese Toleranz einfach mal eingeführt, die DFL könnte es also auch einfach machen. Aber im Gegensatz zur Premiere League, traut sich die DFL das einfach nicht.

Was aber noch viel wichtiger wäre, ist eine klare Ansage, wann eine neue Spielsituation entsteht und wann nicht. Damit es eindeutige Richtlinien gibt und der Schiedsrichter sich nicht minutenlang den Kopfball von David Raum anguckt, um dann eine schwer nachvollziehbare Entscheidung zu treffen.
Ich hab da ja auch schon beim letzten Mal einen einfachen Vorschlag gemacht: Erste Ballberührung bedeutet keine neue Spielsituation. Jede weitere Berührung der verteidigenden Mannschaft stellt diese her. Wenn Raum also seinen eigenen Spieler anköpfen würde, wäre es danach kein Abseits mehr. Denn dass Raum als Profi seinen eigenen Spieler anköpft, ist praktisch ein technischer Fehler seinerseits.
Das Wichtigste an dieser Regeländerung wäre, dass in 99 % aller Szenen jeder immer sofort wüsste, was Phase ist. Dass man sich als Schiedsrichter nie mit der Frage beschäftigen muss, ob das jetzt gewollt war...
Natürlich würden die Kölner dann jetzt jammern, dass es in diesem Fall zu ihrem Ungunsten geregelt wurde. Und dass sie in 2 Wochen von derselben Regel profitieren, haben sie natürlich nicht auf dem Schirm. Aber wenn man den Fokus etwas weiter einstellen würde, als der gemeine Fußballfan dies kann, würde man dann feststellen, dass vergleichbare Szenen wirklich zu denselben Schiedsrichterentscheidungen führen. Und das ist doch das eigentlich wichtige.

Das ist ja das wirklich frustrierende an der derzeitigen Situation für und um die Schiedsrichter: Die Lösungen wären so einfach: Challenges für die Trainer und eine 5 cm Toleranzzone beim Abseits. Dazu eine einfach und transparente Regelung, wann eine neue Spielsituation entsteht. Diese 3 Dinge würden Wunder für die Akzeptanz des VARs wirken. Sie würden deutlich mehr Konstanz in die Entscheidungen bringen und vor allem die Frage beantworten, wann der VAR denn eingreifen soll, eindeutig und endgültig klären.

Debattiert werden würde hinterher trotzdem immer noch, weil Fußball-Fans halt einfach gerne emotional diskutieren.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Noch mehr Gedanken zur Situation bei Werder Bremen

 Dallein schon, damit ich den "Haben die auch Das Bo angerufen?" Witz nicht liegen lassen muss... Türlich, Türlich

Aber es gibt ja schon neue Entwicklungen: Daniel Thioune macht es. Und der ist im Wesentlichen die schlechtere Version von Horst Steffen.

Um den Anstoss 3 Vergleich zu bringen: Steffen hatte in Elversberg das Level Zweite Liga durchgespielt. Er führte die Mannschaft auf Platz 3, was praktisch zum Aufstieg reichen sollte und weit über dem liegt, was Elversberg mit seinen bescheidenen Mitteln erreichen sollte. Und er hatte dort langfristigen Erfolg. Schon die dritte Liga hat er dort durchgespielt. Insgesamt führte er den Verein von der Regionalliga bis beinah in die Bundesliga. Das ist schon beeindruckend.

Daniel Thioune scheiterte am Ende immer wieder an dem Level "2. Liga". Er führte den Hamburger SV ganz souverän auf den vierten Platz und erhielt damit damals deren legendäre "Unaufsteigbar" Serie. Das wurde aber nicht wirklich wertgeschätzt und er musste nach einer Saison wieder gehen. Und er führte Fortuna Düsseldorf auf den Relegationsrang. Also ja, nach meiner Überzeugung müsste auch Thioune ein Aufstiegscoach sein. Man muss aber ganz sachlich festhalten, dass es ein Unterschied ist, ob man Düsseldorf als Traditionsverein mit für die 2. Liga sehr guten Mitteln auf Platz 3 führt, oder eben Elversberg. Auch wenn Vincent Wagner das Werk von Steffen gerade weiterführt und der Erfolg dort also nicht nur auf der Arbeit des Trainers basiert: Steffen hat die beeindruckendere Vorleistung erbracht.

Der wohlwollendste Kommentar zu Thioune war nebenbei: Der hat doch in Düsseldorf einen guten Job gemacht, er hat sich halt nur das Rückspiel in der Relegation gegen Bochum vercoacht... ähm... "Dinge über die Relegation regeln" ist gerade DER Gameplan für Werder. 

Nebenbei hat sich Thioune nirgends wirklich lange gehalten. 2 1/2 Jahre in Düsseldorf das Saisonziel "Aufstieg" verpassen sind da schon das Karrierehighlight. Und ja, Düsseldorf hatte jeweils laut Transfermarkt.de einen der besten Kader der Liga. Trotz HSV, Schalke und Hertha. Im Wesentlichen hatte Thioune 3 Jahre (eine Saison mit dem HSV, 2 volle mit Düsseldorf) die Gelegenheit, sich die Bundesliga "freizuschalten" und er ist jeweils daran gescheitert. Die dritte Saison hat er dann so in den Sand gesetzt, dass Düsseldorf in den Abstiegskampf rutschte und er entlassen wurde.  Wenig deutet darauf hin, dass der unbedingt in die Bundesliga muss.

Oder anders ausgedrückt: Wenn man im Sommer eine Ablöse für Thioune bezahlt hätte, wäre Clemens Fritz mit der Frage "Warum holst du nicht Steffen?" konfrontiert worden. Der ist nicht nur jetzt die Dritte Wahl, sondern er wäre es auch im Sommer gewesen. Was macht jetzt wirklich Hoffnung, dass Thioune mehr aus dieser Mannschaft rausholt, als Steffen?

Klar, ein Dead Coach Bounce kann Wunder bewirken. Kurzfristig kann es einen Aufschwung geben. Aber es wäre schon ein Wunder, wenn Thioune in 2 Jahren immer noch Trainer an der Weser ist. Aber darum geht es ja gar nicht, es geht gerade nur um den Dead Coach Bounce und irgendwie die Klasse zu halten.
Das ist ja der offensichtliche Grund, warum Clemens Fritz jetzt auch gehen sollte. Und ja, genau jetzt, damit man anfangen kann, den Sommer zu planen. Denn wenn man sich als Manager in die Situation manövriert hat, in der man nur noch und ausschließlich in 3 Monats-Zyklen denken kann, dann hat man vorher verdammt viele Fehler gemacht.

Nebenbei hat Arnd Zeigler eine interessante Statistik gezeigt (der relevante Teil kommt bei 9:42): Im Wesentlichen wurde Horst Steffen entlassen, weil er gegen den Hamburger SV verloren hat. Und gegen die Top 8 in der Tabelle. Gegen die eigentliche Konkurrenz ist Steffen ungeschlagen. Und natürlich ist das etwas zu kurz gedacht, denn man hat halt gegen Köln, Augsburg und Gladbach "nur" Unentschieden gespielt. Wenn er eines dieser Spiele gewonnen hätte, wäre er noch im Amt. Und man hat jetzt 2 Spiele gegen Freiburg und Bayern vor der Brust. Vincent Kompany zittert schon, schließlich wartet er seit 2 Spielen auf einen Sieg... Wenn er am Wochenende nicht gewinnt und dann im Pokal ausscheidet, könnte es plötzlich eng für ihn werden. Aber viel wichtiger ist: Ein bisschen mehr Gelassenheit hätte eben nicht geholfen, weil noch 2 Niederlagen im Programm stehen, bevor es planmäßig wieder besser wird.

Aber im Wesentlichen hat Fritz da einen Kader gebastelt, der mit der Top 8 der Liga nicht mithalten kann. Dann gab es eine ungünstige Konstellation, in der Werder in 9 von 12 Spielen gegen die Top 8 antreten musste. Und die Spiele gegen St. Pauli, Heidenheim, Union Berlin und Mainz bekommt dann ein anderer Trainer. In der Hinrunde holte man gegen diese Gegner unter Steffen 11 Punkte. Wenn man die in der Rückrunde auch holt, hat man 30 Punkte, was letztes Jahr für den direkten Klassenerhalt gereicht hätte. 
Vor allem muss Thioune erstmal mehr als diese 11 Punkte holen. 

Aber die Eigenheiten des Spielplans sind hier echt faszinierend. Denn wenn man die Spiele gegen die Europacup-Teilnehmer aus dem Breisgau und Bayern hinter sich hat, wird der Spielplan dramatisch einfacher. Von den dann folgenden 8 Gegnern kommt nur RB Leipzig aus der oberen Tabellenhälfte. Bevor es dann zum "Finale" mit Stuttgart, Hoffenheim und Dortmund in 3 von 4 Spielen wieder knüppeldick kommt. 
Dass der Spielplan so in "Wir spielen erst gegen die Deppen, dann gegen die Guten" geteilt wurde, ist schon ungewöhnlich. Und am Ende ist Steffen auch genau darüber gestolpert.

Bei einem kompetenteren Manager würde ich davon ausgehen, dass er diese Eigenheiten des Spielplanes im Blick hat. Aber hätte dieser kompetentere Manager dann Thioune den Bayern zum Fraß vorgeworfen? Wahrscheinlich hätte ein besserer Manager sich eher darum gekümmert, dass der Trainer, der nach dem Bayern Spiel auf der Bank sitzt, einen vernünftigen Kader zur Verfügung hat... Apropos:

Wenn man den Fokus dann etwas weiter stellt, zeigt die direkte Konkurrenz, wie es "richtig" geht. Mainz reagiert auf die Fehler im Sommer und die allgemein schwierige Lage mit der Verletzung von Benedict Hollerbach. Wobei der Begriff "Fehler" hier immer noch schwierig ist, weil einen Ersatz für Jonny Burkhardt zu finden eine dieser unlösbaren Aufgaben für die Mainzer ist. 

5 Millionen nahm man in der Summe in die Hand. Es wurde mit Philip Tietz ein Stürmer geholt, der in den letzten 2 Bundesliga-Jahren 15 Tore geschossen hat. Also mehr Tore als all die Mittelstürmer in Bremen zusammen... in ihrer gesamten Karriere. Man hat die persönlichen Kontakte des Trainers zu Sheraldo Becker genutzt. Man hat einen erfahrenen Innenverteidiger günstig ausgeliehen. Und man hat sich mit Silas ein günstiges Rehabilitationsprojekt geholt.

Abgesehen von Becker sind das alles Transfer, die auch Werder hätte tätigen können. Und nur auf den Außenbahnen ist Werder so gut aufgestellt, dass sie Silas nicht brauchen. All die anderen Spieler hätten auch Werder gut zu Gesicht gestanden. Aber Fritz war ja schwer damit beschäftigt, den Fehler mit Horst Steffen zu reparieren. Also den Fehler des Zeitpunkts der Entlassung.

Wie ich gestern schon ausgeführt habe: Horst Steffen ist nicht das Problem an der Weser. Je intensiver man sich mit der Situation beschäftigt, umso deutlicher wird das. 

Dienstag, 3. Februar 2026

Horst Steffen ist nicht das Problem

 Und das wird gerade deutlich.

Mein eigentliches Highlight der Samstags-Sportschau war ja die Feststellung, dass man den Trainer ja jede Woche entlassen kann. Für Clemens Fritz, der anscheinend dachte, dass das nur nach Spielen gegen Werder Bremen geht, war dies anscheinend eine wichtige Neuigkeit. Dabei versuchte er seit Wochen den Trainer davon zu überzeugen, ein Testspiel gegen die eigene 2. Mannschaft auszutragen. Oder ein Spiel gegen die Damenmannschaft. Hauptsache gegen Werder.

Nachdem er dann die neue Information verarbeitet hat, entließ er Horst Steffen einfach so. Und ja, der negative Trend von 10 Ligaspielen ohne Sieg gibt ihm die Grundlage für so eine Entscheidung. Der Aufschwung in Mainz gibt ihm die Notwendigkeit. Und die Erkenntnis, dass ein Dead Coach Bounce wirklich helfen kann.

Nur entscheidet sich Fritz für den dümmstmöglichen Zeitpunkt: Direkt nach der Winterpause und kurz vor dem Ende des Transferfensters. Eigentlich sollte Fritz jetzt alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den doch recht bescheidenen Kader aufzubessern. Denn es ist ja keine ganz große Überraschung, dass Werder steht, wo sie stehen.

Also ganz offensichtlich: Die 3 fitten Mittelstürmer Keke Top, Jovan Milosevic und Salim Musah sind im Schnitt 20 Jahre alt. Sie kommen zusammen auf 4 Bundesligatore... für die gesamte Karriere. Dafür haben sie ein relatives Überangebot an Flügelstürmern, die aber alle nicht wirklich torgefährlich sind. Das ist ja auch logisch, schließlich würden sie nicht in Bremen spielen, wenn sie komplette Fußballer wären. 

Und ja, Fritz ist im Sommer das Risiko mit Victor Boniface eingegangen und das hat nicht funktioniert. Das war wahrscheinlich auch die einzige Option, die er hatte. In logischer Konsequenz sollte die gesamte Energie und jeder vorhandene Cent in einen Stürmer gesteckt werden.

Das wäre auch machbar, wenn Fritz wenigstens eine Interimslösung parat hätte. Aber trotz des seit Monaten andauernden Niedergangs ist anscheinend "Die Co-Trainer von Steffen übernehmen, während ich panisch verhandle" die einzige Option.

Dann stellt er als nächstes fest, dass Mainz relativ wenig Interesse daran hat, einen direkten Konkurrenten zu stärken und ihnen günstig Bo Henriksen zu überlassen. Das konnte man ja nicht ahnen. Und als Nächstes guckt sich Bo Svennson die Lage an der Weser an und sagt dankend ab. Das kann ich ihm jetzt schlecht verübeln, aber dass das alle wissen, ist schon schlecht.

Denn jetzt weiß jeder Trainer, der dieses sinkende Schiff übernimmt, dass er keinen brauchbaren Stürmer mehr verpflichten kann und das er nur die 3. Wahl ist. Wie kann man als Manager so kopflos agieren?

Der Retter könnte jetzt Dieter Hecking werden... weil er das ja in Bochum letztes Jahr so gut hinbekommen hat. Da würde Peter Neururer mehr Schwung reinbringen. Und die innovativere Lösung wäre es auch.

Hier zeigt sich aber das Grundproblem von Werder: Man sucht auch nach 14 Jahren noch nach einem Nachfolger für Klaus Allofs. Der war gemeinsam mit Thomas Schaaf das Gesicht der letzten erfolgreichen Epoche. Und Werder hat halt die Angewohnheit, irgendwelche verdienten Ex-Profis in die Rolle des Managers zu schieben. Clemens Fritz ist ja nur in dieser Position, weil irgendwann allen aufgefallen ist, dass Frank Baumann nicht die Lösung sein kann. Und obwohl Fritz mit Baumann Hand in Hand den Niedergang moderiert hat, wurde er trotzdem in den Chefsessel befördert. Der war ja schon immer da, da kann es an ihm nicht gelegen haben.

Jetzt haben wir die erste echte Krise seit der letzten Beförderung im Sommer 2024 und Fritz ist einfach nur überfordert. Aber weil sonst niemand helfen kann, muss er jetzt das Ruder rumreißen und irgendwie einen Trainer finden, der zumindest die Saison halbwegs vernünftig zu Ende bringt. In der naiven Hoffnung, dass dann im Sommer alles irgendwie besser wird.

Die einzige gute Nachricht. Man muss ja nur Heidenheim und St. Pauli hinter sich lassen, das werden sie schon irgendwie schaffen. 

Donnerstag, 29. Januar 2026

Das war absoluter Wahnsinn

 Selbst die oberflächliche Variante reicht schon, um als Legende in die Geschichte einzugehen: Torwart Anatoliy Trubin köpft seine Mannschaft in der 98. Minute in die Zwischenrunde. Benfica Lissabon brauchte das 4:2, um aufgrund des Torverhältnisses an Olympique Marseille vorbeizuziehen. Aber das erzählt ja nicht mal die Hälfte der Geschichte. 

Denn es war auch José Mourinho gegen einen seiner Ex-Vereine Real Madrid. Und die Geschichte wird immer spannender, wenn man Mourinho und seine Ex ins Spiel bringt. Aber der Portugiese war kurz davor, das größte Ei in seiner Trainerkarriere zu legen.

Denn Benfica spielte in der Schlussphase auf Zeit. Der spätere Torschütze macht das bei einer sehr entspannten Parade deutlich. Mourinho nahm den zweifachen Torschützen Andreas Schjerlderup vom Platz, damit der sich seinen Applaus abholen kann... und um an der Uhr zu drehen. Sehr zum Entsetzen der Fans, denn die wussten ja, was Phase ist.
Mourinho, der sonst immer auf jedes Detail achtet, hatte offenbar niemanden in seinem Stab, der ihm eine Blitztabelle reichen konnte oder wollte. Erst in allerletzter Sekunde, als der Freistoß gepfiffen wurde, fiel es ihm auf und er schickte Trubin nach vorne. Am Ende werden alle nur Mou's magische Aura in Erinnerung behalten und nicht sein episches Verkacken in den Minuten davor.

Auf der anderen Seite war es Real anscheinend bewusst, dass ihnen diese Niederlage wehtun wird. Denn einerseits gingen die auf den Ausgleich. Aber vor allem flogen Raul Asencio und Rodrygo vom Platz. Bei Asencio konnte man noch von einem taktischen Foul reden, was bei Real im Spiel hält. Rodrygo brannten einfach nur die Sicherungen durch und er sah innerhalb von Sekunden Gelb und Gelb-Rot fürs Meckern. Irgendwo sitzt Xabi Alonso und denkt sich: Zum Glück muss ich mir das nicht mehr antun.

Absurderweise ist diese Mannschaft gleichzeitig untrainierbar und geht auf historische Torjagd. Also die 13 Tore in 7 Spielen von Kylian Mbappé lassen selbst Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi alt aussehen. Und jetzt hat Mbappé ja 2 zusätzliche Spiele, um die Statistik weiter auszubauen. Im Idealfall geht es direkt wieder gegen Benfica... weil es so schön war. 

Und vor allem, weil die andere Option ein Besuch nördlich des Polarkreises ist. Denn den größten Arschloch-Move brachte Diego Simeone. Der dachte sich anscheinend: Wenn ich schon nicht die Zwischenrunde überspringen kann, dann sorge ich dafür, dass ihr nach Bodö/Glimt reisen müsst. Im Februar. Und im Idealfall trifft es Simeones Erzfeind. Falls es jemals einen Trainer gab, der kein Problem mit der Teilnahme an der Zwischenrunde hat, weil er Real damit richtig einen reindrückt, dann ist es Simeone.

Nebenbei kam es zu dem hier gestern angekündigten Unentschieden zwischen Paris und Newcastle. Was dazu führt, dass beide verloren haben. Wenn euch irgendjemand einreden will, dass diese neue Gruppenphase schlecht ist, verweist ihn einfach nur darauf, dass diese beiden Mannschaften dank eines Unentschieden beide verloren haben. Im "alten System" wären sie wohl als Erster und Zweiter in ihrer Gruppe weitergekommen und niemand würde sich wirklich an dem Ergebnis stören. So tut es beiden richtig weh.

Für die Bundesliga könnte es jetzt nebenbei zu einem Worst-Case-Szenario kommen. Denn die aktuellen Lostöpfe sehen so aus, dass Bayer gegen Dortmund mit einer 50 %igen Wahrscheinlichkeit in der Zwischenrunde aufeinandertreffen. Und dann gibt es wiederum eine 50 %ige Wahrscheinlichkeit, dass der Sieger dieses Duells auf die Bayern trifft. Mich persönlich würde es ja interessieren, ob dieser Ausgang dazu führen würde, dass die UEFA doch wieder Beschränkungen für "nationale Duelle" einführt. Aber mittlerweile wird ja nur noch so wenig gelost, dass man da kaum noch Spielraum hätte. Also wenn Eintracht Frankfurt auch noch vernünftig mitgespielt hätte und in der entsprechenden Region gelandet wäre, hätte es ja gar keine Ausweichmöglichkeiten gegeben. Und dass die 3 "anderen deutschen Mannschaften" zwischen Platz 20 und 14 landen, halte ich jetzt nicht für so unwahrscheinlich, das ist irgendwo genau deren Leistungsrahmen...

Die erwartbaren Leistungen nicht erbracht haben Villareal und Neapel. Die Spanier trennt nur das bessere Torverhältnis vom letzten Platz. Der italienische Meister verspielte all seine Chancen formell gesehen gegen Chelsea London. Bei genauerer Betrachtung war es aber eher das Unentschieden gegen Kopenhagen, dass ihnen das Genick brach. Oder das 0:0 gegen Eintracht Frankfurt. Denn wer gegen diese Frankfurter kein Tor erzielt, hat in der K.O. Phase nichts verloren. Aber ein Unentschieden in Überzahl gegen Kopenhagen ist auch unentschuldbar.

Das beweist aber auch nur, dass wirklich jedes Spiel in dieser Gruppenphase am Ende relevant ist. Man kann es sich einfach nicht leisten, einen Gang runterzuschalten und einen Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn wenn man dann den Sieg verpasst, kann einem das mehrere Millionen Euro kosten.

Außer man arbeitet entsprechend vor und gewinnt 6 seiner ersten 7 Spiele. Dann kann man schon ganz ruhig auf seinen Ersatztorwart gegen PSV setzen.
Nebenbei muss man hier nochmal besondere Bonuspunkte an die Bayern geben. Beziehungsweise an deren Zeugwart. Oder wer auch immer entscheidet, welches Outfit man am Spieltag trägt. Denn die Bayern dachten sich, ihr bester Beitrag zu einer 18 Spiele Konferenz wäre ein alternatives Jersey. Die Kombination von roter Hose und schwarzen Trikot hab ich so jedenfalls noch nicht von denen gesehen. Das wirkte ein wenig, als hätten beide Mannschaften unabsichtlich die Hosen getauscht.
Vor allem verwirrte es die Konferenz-Gucker nochmal. Denn wenn dann mal die Bayern dran waren, musste man sich erstmal umgucken und herausfinden, in welchen Hosen die denn jetzt spielen. 
Grund ist aber ganz sachlich gesehen die ungewöhnliche Farbkombination von PSV Eindhoven, von der sich die Bayern irgendwie abgrenzen müssen. Schade eigentlich... ich hätte "Wir wollten die Leute in der Konferenz verwirren" mehr gefeiert...

Mittwoch, 28. Januar 2026

Der Rahmen ist schon absurd

 Heute gibt es ein einziges Spiel, welches quasi irrelevant ist: Arsenal - Qairat. Und das ist das Duell Erster gegen Letzter. Das hätte man kaum besser skripten können.

Wobei es ja nicht komplett irrelevant ist: Wenn die Bayern 4:0 in Eindhoven gewinnen, kann sich Arsenal keine Niederlage erlauben. Wobei man auch festhalten muss: Ob die jetzt erster oder zweiter werden, ist rein sportlich gesehen vollkommen irrelevant. Es geht wirklich nur darum, ob Arsenal es schafft ungeschlagen im Achtelfinale auszuscheiden...
Und sein wir ganz ehrlich: Nach der Vorrunde im Elfmeterschießen des Achtelfinales zu scheitern, wäre typisch Arsenal...

Die bereits ausgeschiedenen FC Villareal, Slavia Prag und Eintracht Frankfurt spielen gegen Mannschaften, die noch weiterkommen können. Das sind also 17 relevante Spiele mit einheitlicher Anstoßzeit.

Borussia Dortmund gegen Inter Mailand ist dabei fast das relevanteste Spiel. Den wer hier verliert, darf im Achtelfinale gegen Bayern oder Arsenal antreten. Da hat man eine 50%ige Chance, im Elfmeterschießen weiterzukommen. Der Gewinner hat dagegen noch die Chance, diese Zwischenrunde komplett zu überspringen.

Paris St. Germain und Newcastle United spielen im direkten Scheich-Duell (El Oilstico?) aus, wer in die Zwischenrunde muss. Wer hier verliert, wird mit Sicherheit auf Platz 9 abrutschen. Aber: Bei einem Unentschieden droht beiden die ominöse Zwischenrunde. Im Worst-Case-Szenario könnten Paris und Newcastle durch ein Unentschieden auf Platz 14 und 15 zurückfallen. Also nur um festzuhalten, dass verdammt viele Mannschaften nicht gewinnen dürfen, damit ein Unentschieden reicht.

Und ja, Paris hat letztes Jahr trotz dieser Zusatzbelastung den Titel geholt. Aber das wird eine Ausnahme bleiben, da bin ich überzeugt von. Falls es am Ende 1:1 steht, werden beide Mannschaften definitiv voll auf Sieg spielen.

Aber die Tabelle ist halt so eng, dass Platz 6 und 13 gerade mal 9 Tore liegen. Es könnte durchaus sein, dass Chelsea gewinnt und trotzdem in die Zwischenrunde muss, einfach weil Barca gegen Kopenhagen 8 Tore erzielt hat. Ok, es müssten auch Sporting Lissabon oder Atlético Madrid hoch gewinnen, damit das passt. Aber man kann viel Spaß mit dem Tabellenrechner haben

Die direkten Konkurrenten von Chelsea, Barca und Sporting, NeapelKopenhagen und Atletico Bilbao, kämpfen nebenbei ums europäische Überleben. Die Rechnung ist da relativ einfach: Wenn man gewinnt, darf man weiter am Tisch sitzen, wenn nicht, sitzt man unter der Woche auf der Couch. Dieses Prinzip gilt praktisch für alle Mannschaften von Platz 19 bis 27. Und ja, je weiter oben man steht, umso wahrscheinlicher ist es, dass ein Unentschieden reicht... Aber verlassen kann man sich darauf nicht.

Bei Club Brügge und Olympique Marseille gibt es ein theoretisches Szenario, in dem beide bei einem Unentschieden rausfliegen, der Sieger aber weiterkommt. Das ist insofern "theoretisch", weil verdammt viele Außenseiter wie Qarabağ und Galatasaray gegen die Elite gewinnen müsste. Aber dass in diesem Duell der Gewinner den Verlierer aus dem Turnier schießt, ist echt wahrscheinlich.

Die Fans stehen also mal wieder vor einem absolut faszinierende Spieltag. Und man darf gespannt sein, wie die Trainer auf die entsprechenden Situationen reagieren. Denn ein Tor, das irgendwo in Europa erzielt wird, kann ja alles verändern.  

Wenn man das mit der alten Gruppenphase vergleicht, in der 75 % der Spiele praktisch irrelevant waren, ist das ein schöner, wenn auch teuer erkaufter Fortschritt. Denn für die Spieler ist es natürlich bescheiden, dass sie jetzt wirklich relevante Spiele haben, anstatt wie ursprünglich üblich nochmal die Beine hochzulegen, bevor die K.O. Phase beginnt.

Montag, 26. Januar 2026

Augsburg macht endgültig den Deckel drauf

Die letzte spannende Frage im Meisterrennen wurde beantwortet: Die Bayern werden auch dieses Jahr nicht ungeschlagen durch die Saison gehen. Das ist gut für die Bayern, schließlich führt es dazu, dass man nächstes Jahr noch Ziele hat, die man verfolgen kann. Für die Bundesliga ist es relativ egal, weil es nur dazu führt, dass Bayern eine Woche später auch offiziell Meister wird. Aber hey, sie sind nicht unverwundbar und in der Bundesliga kann doch jeder jeden schlagen... oder so.

Anders ausgedrückt: Wie schlimm ist die Lage? Borussia Dortmund nutzt die Vorlage der Bayern und verkürzt den Vorsprung auf 8 Punkte. Sonst ist das ja genau der Moment, wo die immer verkacken. Jetzt, wo es egal ist, holen sie aber souverän die 3 Punkte.

Auch am anderen Spektrum der Euphorie kann man erkennen, wie kaputt die Liga ist. Hier nehmen wir Borussia Mönchengladbach als Beispiel nehmen. Die sind ja so schlecht in die Saison gestartet, dass man doch Gerardo Seoane entlassen musste. Das war ja ganz praktisch die offensichtlichste Trainerentlassung der Saison, aber man musste formell bis zum Spiel gegen Werder Bremen warten, um diese Entscheidung zu finalisieren.

Dann nutzte Eugen Polanski den "Dead Coach Bounce" und wurde zum Cheftrainer befördert. Wobei man den Begriff hier in ganz große Anführungszeichen gesetzt werden, denn Gladbach ließ sich 63 Tage oder 8 Spiele mit dieser Entscheidung Zeit. Polanski kam auf einen uninspirierten 1,38er-Punkteschnitt. Das Lustigste daran: Seoane hatte einen neuen Job, bevor Gladbach die Nachfolge endgültig geklärt hat. Besser kann man die Situation in Gladbach nicht zusammenfassen: Ein schlechter Bundesligatrainer findet einen neuen Job, bevor die Gladbacher ihren Scheiß geregelt haben.

Polanski hat, zur allgemeinen Überraschung, seinen Dead Coach Bounce nicht aufrechterhalten können. Deswegen heißt das Ding ja so. Seit seiner Beförderung zum Vollzeitchef sind es nur noch 1,10 Punkte pro Spiel. Wobei, Ehre wem Ehre gebührt, er erstmal 3 Spiele ungeschlagen blieb. Und mit dem 0:0 gegen RB Leipzig war sogar ein guter Gegner dabei. Ansonsten gewann er halt in Heidenheim und Mainz. Das ist eher das "Bare Minimum" als wirklich überzeugend. Und vor allem rettet es den Gladbachern jetzt die Saison. Denn ohne die 7 Punkte sähe es wirklich finster aus.

Seit dem konnte man nur einen Sieg aus den nächsten 6 Spielen holen. Ein völlig absurdes 4:0 gegen den FC Augsburg. Das war wohl genau der Moment, in dem der "Dead Coach Bounce" Effekt von Manuel Baum auslief. Perfektes Timing.

Die Leistungskurve zeigt aber spätestens nach diesem Spiel steil nach unten. Genaugenommen ist man jetzt genau an dem Punkt, an dem man vor 17 Spieltagen schon stand: Man hat einen Trainer, der im besten Fall uninspirierte Arbeit abliefert. Wer sachlich auf die Situation guckt, wird erkennen, dass Polanski nicht wirklich die langfristige Lösung sein konnte. Zu diesem Schluss kam man aber ganz nüchtern betrachtet schon nach 60 Tagen. Aber zu diesem Schluss kamen auch alle, die nach dem Ende der letzten Saison auf die Arbeit von Seoane geguckt haben und der durfte trotzdem bleiben.
Die eine gute Nachricht für Gladbach: Nächstes Wochenende geht es gegen Werder Bremen...

Aber hier ist das vollkommen kaputte: Trotz der an sich mehr als grausamen Bilanz der letzten 6 Spieltage, hat man seinen Vorsprung auf Heidenheim von 5 auf 7 Punkte ausgebaut. St. Pauli machte einen einzigen Punkt auf die Fohlen-Elf gut. Obwohl Gladbach selber nichts gebacken kriegt, ist man souverän auf dem Kurs Relegation. 
Und klar, Mainz macht doch Ernst und hat den Vorsprung auf diesen Relegationsrang von 10 auf 5 Punkte schmelzen lassen. Aber wir müssen mal festhalten: Gladbach spielt zum 2. Mal in dieser Saison wie ein sicherer Absteiger, hat aber trotzdem noch ein gutes Polster auf den Relegationsrang. 

Nicht nur das: Man liegt auf Platz 11, kann sich also formell einreden, dass man ja im gesicherten Mittelfeld steht. Was auch nur bedeutet: 7 Mannschaften spielen eine noch schlechtere Saison als die völlig überforderten Gladbacher.

Immerhin hat man ja erkannt, dass grundlegend etwas falsch läuft und sich einvernehmlich von Roland Virkus getrennt. Das ist ein wirklicher Fortschritt. Aber Rouven Schröder ist auch eher eine uninspirierte Lösung. Also der hat bisher nirgends einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen, wird aber regelmäßig nach 12 Monaten "befördert" und erst dann entlassen

Das lustigste: Falls Polanski irgendwann entlassen wird, werden alle den Charakter dieser Mannschaft hinterfragen. Was für ein Dreckshaufen verbraucht denn bitte schön 2 Trainer innerhalb einer Saison. Dabei kann die Mannschaft doch gar nichts dafür, dass ihnen offensichtlich überforderte Vorgesetzte vor die Nase gesetzt wurden. Die haben einen ganz offensichtlichen Wettbewerbsnachteil zur direkten Konkurrenz.

Freitag, 23. Januar 2026

Das konsequente Schweigen verwundert mich doch

 Anscheinend macht Arsène Wenger seine Drohung wirklich war und zerstört den modernen Fußball. Und sorgt damit für ein Comeback seines ewigen Konkurrenten José Mourinho. Also zumindest für den "Wir parken den Bus vor dem Strafraum" Fußball, den Mourinho zelebriert hat.

Denn das Tageslicht Abseits soll wirklich kommen. Nicht nur das, es soll vielleicht sogar zur WM eingeführt werden. Weil es für mehr Tore sorgen soll. Wie bescheuert ist das denn bitte? 

Also ich bin ja allgemein sehr skeptisch, dass das den gewünschten Effekt haben wird. Denn mit dieser neuen Regel würde es praktisch unmöglich werden, funktionierende Abseitsfallen zu stellen. Und Abseitsfallen sind essenziell für ein funktionierendes Pressing, da sie dafür sorgen, dass man das Spielfeld klein halten kann. 

Mein Standardsatz zu dem Thema ist: Wenn diese Regeländerung kommt, wird es unmöglich sein, einen Kylian Mbappé zu verteidigen. Also werden sich noch mehr Mannschaft im eigenen Strafraum verbarrikadieren, weil das ihre einzige Chance ist.

Dass der gemeine Fan und Facebook Kommentator das nicht bedenkt, kann ich ja noch nachvollziehen. Aber wenn man sie darauf hinweist, kommt doch meistens ein "verdammt, da könntest du recht haben." Aber dass keiner von den echten Experten auf diese Problematik hinweist, ist schon absurd. Vom Kicker erwarte ich das ja schon länger nicht mehr und Didi Hamann ist mit dem Herbeireden einer Torkrise von Harry Kane abgelenkt. Aber haben wir wirklich niemanden, der da irgendwelche Bedenken hat und diese auch aussprechen will.

Am meisten irritiert es mich, dass alle Trainer schweigen. Vor allem die Carlo Ancelottis, die jetzt direkt betroffen wären, wenn das zur WM eingeführt wird. 

Wir müssen noch mal kurz festhalten, wie absolut bekloppt das ist, eine derartige Regeländerung vor einer Weltmeisterschaft einzuführen. Nur um das offensichtliche festzuhalten: Wir reden hier von dem wichtigsten und prestigereichsten Turnier der Welt. DEM Sportswashing Event schlechthin. Man sollte solch massive Regeländerungen eher kurz nach als direkt vor einem Turnier einführen, damit alle die entsprechende Zeit haben, sich anzupassen.

Denn selbst wenn meine Prognose daneben liegt und es tatsächlich zu einem attraktiveren Spiel führt: Alle Verteidiger der Welt müssen trotzdem auf jeden Fall an die über Jahrzehnte antrainierten Instinkte und Reflexe überarbeiten. Denn wenn sie wie gewohnt rausrücken, kassieren sie ja garantiert ein Gegentor. Das sind Dinge, die sich nicht über Nacht umstellen lassen. Und als Nationaltrainer hat man dann 2 Wochen Zeit, seinen Spielern diese neue Regel einzutrichtern. Zeit, die man eigentlich mit dem Einstudieren von Spielzügen verbringen wollte.

Meine persönliche Prognose, falls das wirklich zur Weltmeisterschaft kommt: Die ersten 2 Spieltage werden verdammt verrückt. Fehlgeschlagene Abseitsfallen führen dazu, dass die Stürmer relativ unbedrängt auf den Torwart zulaufen. Also zumindest in den Spielen, in den der Außenseiter sich nicht aus Prinzip hinten einigeln. Dann stellen die Trainer fest, dass das Harakiri ist und sortieren ihre Mannschaften wesentlich tiefer. Ab dem Viertelfinale sehen wir dann grausam statische Spiele, weil niemand sich mehr traut, auf Abseits zu spielen. 

Und hinterher werden alle nur darüber reden, wie bescheuert es war, eine derartige Regeländerung kurz vor einer Weltmeisterschaft einzuführen. Denn dann war es plötzlich doch "absehbar", dass dies das Turnier ruinieren wird. 

Ich bringe jetzt mal ein historisches Beispiel: Die legendäre Rückpass-Regel wurde 1992 eingeführt. Sie kostete einigen fußballerisch limitierten Torhütern ihren Stammplatz. Diese Regel wurde aber erst nach der Europameisterschaft eingeführt, damit eben alle Torhüter der Welt 2 Jahre Zeit haben, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen, bevor ein großes Turnier ansteht. Dasselbe Prinzip wird immer angewendet, wenn sich die Regeln bei Elfmetern ändern. Und das sind relativ gesehen minimalistische Änderungen, weil sie ja immer nur 2 Spieler betreffen.

Aber die Rückpass-Regel wurde halt 1992 geändert. Damals saßen da noch Leute, die das Interesse des Fußballs vertreten haben. Und es wurde vernünftig gehandelt. Das ist leider lange vorbei.

Auch wenn es absurd klingt: Dass die Gianni Infantino jetzt so kurz vor dem Turnier überhaupt über so eine drastische Regeländerung nachdenkt, ist auch ein Symptom für die komplett kaputte Fifa. Vernünftig geführte Verbände würden derartige Ideen auf "Nach der WM" verschieben. Aber Infantino verspricht sich mehr Spektakel, also muss das jetzt durchgedrückt werden...

Montag, 19. Januar 2026

Überraschender Plottwist!

 Eintracht Frankfurt entlässt den Trainer, nach einem Spiel gegen Werder Bremen. Das hat ja keiner kommen sehen! Er ist schließlich erst der vierte Trainer, der nach dem Spiel gegen Werder entlassen wird. Kann mal irgendwer recherchieren, ob es jemals einen Verein gab, der so viele Trainerkarrieren auf dem Kieker hat? Und wer ist der Nächste? Lukas Kwasniok?

Warte was? Lukas Kwasniok wird von den eigenen Fans kritisiert und stand deswegen laut "Bild" angeblich vor einem Endspiel? Nur weil seine Mannschaft eine für einen Aufsteiger relativ normale Serie von 8 Spielen ohne Sieg hinlegt? Oder weil das Talent El Mala ganz normale Leistungsschwankungen hat? Was zum Teufel?
Ich meine ernsthaft: Die liegen 7 Punkte vor dem Relegationsrang... als AUFSTEIGER. Die spielen im Wesentlichen eine sorgenfreie Saison, was im Juni jeder sofort unterschrieben hat. Da man aber im Herbst einen außerordentlich guten Lauf hatte, reicht das jetzt auf einmal nicht mehr? Also wenn ihr euch fragt, woher Kwasnioks "hier ist immer Unruhe, das wusste ich aber vorher" Aussage kommt...

Die gute Nachricht für Horst Steffen: Er selbst kann ja nicht gegen Werder spielen, er ist also save. Aber auch bei Werder rumort es irgendwie. Da könnt ihr einfach mal in die Kommentarspalte des oben verlinkten Artikels scrollen. Und es fällt mir nicht zum ersten Mal auf, dass die Fans dort eine zeitnahe Ablösung von Steffen fordern. Während es bei den Kölnern ja normal ist, frage ich mich schon, was die in Bremen jetzt genommen haben...

Also das sind im Kern dieselben Fans, die jahrelang schweigend den Niedergang unter Thomas Schaaf begleitet haben. Und die danach auch über Jahre Florian Kohfeldt unterstützt haben. Bei Schaaf war das ja noch nachvollziehbar, aber Kohfeldt hatte echt nur das Glück, dass er die letzte motivierte Saison von Max Kruse betreuen durfte. Trotzdem durfte der viel zu lange in aller Ruhe arbeiten.

Jetzt kommt mit Steffen ein neuer, frischer Wind... und der darf nicht mal ein halbes Jahr lang nur "ordentlich" arbeiten? Und auch hier muss man festhalten: Werder ist voll im Soll. Man liegt 5 Punkte vor dem Relegationsrang. Dass St. Pauli und Heidenheim mehr als 23 Punkte holen, ist extrem unwahrscheinlich.
Nebenbei hat man in Bremen gerade in der Defensive überraschend viele Ausfälle. Und dann wird Steffen vorgeworfen, dass er Marco Friedl als Linksverteidiger aufstellt... 8 Spiele infolge. Hier ist das Problem: Dass das nur eine Notlösung war, ist allen, die sich mit dieser Mannschaft beschäftigen, aufgefallen. Denn mit Felix Agu fehlte die erste Option. Und auch Olivier Deman und Isaac Schmidt hatten mit Verletzungen zu kämpfen. Beide waren im Wesentlichen auch offensiver eingeplant. 
Werder Fans kritisieren Steffen also dafür, dass er in einer Notlage Lösungen findet, die halbwegs funktionieren. Und dafür, dass er dem Talent Karim Coulibaly wenigstens einen Veteranen als Aushilfe an die Seite stellt, um ihn nicht zu überfordern.
Nebenbei hat man die ersten 4 Spiele mit Friedl als Linksverteidiger nicht verloren. Im Wesentlichen hat man "nur" gegen Champions League Anwärter verloren: VfB Stuttgart, RB Leipzig und Borussia Dortmund. Oh und beim Hamburger SV... unglücklich durch den vielleicht einzigen Treffer, den Yussuf Poulsen je für den HSV erzielen wird. Oh... ja. Das ergibt Sinn.

Ernsthaft, kann es sein, dass bei den Werder-Fans doch die primitivsten Instinkte durchbrechen: "Wir haben gegen den Erzrivalen verloren, also muss der Trainer Scheiße sein!" Die Mannschaft in einem mehrjährigen Projekt in die 2. Liga führen, ist kein Problem, aber ein Bundesliga-Derby gegen den HSV zu verlieren, geht gar nicht! Irgendwie hätte ich von denen mehr erwartet. Aber am Ende sind es halt doch nur Fußballfans...

Donnerstag, 15. Januar 2026

Eines muss man der DFL ja lassen:

 Die haben schon Humor. Also wenn Sky denen extra Geld geben will, damit am Donnerstagabend ein Bundesligaspiel ausgetragen wird... dann bekommt Sky halt Augsburg - Union Berlin. Viel Spaß damit.

Und es hat ja in den ersten 2 Spieltagen richtige Banger gegeben. Eintracht Frankfurt spielt zwar nicht zwingend "gut", aber doch sehr unterhaltsam. Das Spiel gegen Stuttgart wäre ein wirklicher Bundesligaklassiker gewesen. Die Bayern hatten in Köln wirklich den Anstand, den Gegner nicht sofort abzuschießen... sondern hinterließen den Eindruck, dass es da eine Sensation im Free-TV geben könnte. Nebenbei muss ich da auch erwähnen, dass als jemand, der das lineare Fernsehen vor Jahrzehnten abgeschafft hat, der Begriff "Free" bei RTL gelogen ist, denn ich müsste schon ein Abo abschließen, um deren Stream zu gucken. Das wird nicht passieren.

Bremen war in Dortmund besser, als es die 3:0 Niederlage aussehen ließ. Niko Kovač hat ja irgendwie den Ruf, dass er seine Mannschaft eher uninspiriert spielen lässt, aber die haben 3 Tore erzielt. RB Leipzig gegen den SC Freiburg würde zwar die Ultras verschrecken, verspricht aber im Normalfall ein taktisch interessantes Match und einige Tore. 

Hoffenheim spielt dieses Jahr unfassbar inspirierten Fußball und ist immer für ein paar Tore gut. Die sind natürlich auch in der Anti-Ultra-Falle, dürften aber beim gemeinen Sesselfan durchaus ein paar Interessenten ziehen.

Stattdessen bekommt Sky 2 Mannschaften, die sich einen bösen Abnutzungskampf leisten werden. Die sind beide besser ohne, als mit dem Ball. Und ja, als die genauen Ansetzungen fixiert wurden, war Sandro Wagner schon entlassen und die kurze Phase, in der man Augsburg zur "Primetime" zeigen wollte, war vorbei. Union ist eine Mannschaft, bei der die Stürmer mal so 3 Monate am Stück gar nicht treffen. Viel Spaß damit.

Aber hier ist das absurde: Das war eigentlich absehbar. Denn am nächsten Dienstag beginnt ja schon wieder der europäische Wettbewerb. Nur um mal wieder festzuhalten, wie absurd voll der Rahmenterminkalender mittlerweile ist: Früher begann die europäische Rückrunde Ende Februar. Ganz früher sogar erst im März... Aber so weit muss man das Rad ja gar nicht zurückdrehen.

Aber um damit mal klarzumachen, wie absehbar die Augsburg - Union Ansetzung war: Dass es kein Bayern, Frankfurt, Dortmund oder Leverkusengeben würde, stand schon im Mai fest. Denn die Mannschaften, die am Donnerstag spielen, müssen zwangsweise am Sonntag ran, damit sie die entsprechenden Ruhepausen haben. Die Mannschaften, die in der Champions League spielen, können aber am Spieltag davor nicht am Sonntag antreten. Nebenbei wurden ja extra dritte Sonntagsspiele eingeführt, damit dieses "Reiseproblem" kompensiert werden kann. Das bedeutet praktisch, dass sich Augsburg und Union 2 Spieltage nacheinander nicht in einer Konferenz verstecken können. Viel Spaß damit.

Damit ist es nicht nur kategorisch ausgeschlossen, dass die 4 besten Mannschaften der Liga an diesem Donnerstag auflaufen. Die Gegner vom 18. Spieltag sind auch keine Option. Also kein RB und kein Hoffenheim. Und natürlich kein St. Pauli. Weil Wolfsburg - St. Pauli so viel vielversprechender aussähe.

Plötzlich hatte Sky die Wahl zwischen Mainz gegen Heidenheim und eben Augsburg gegen Union. Und Random Fun Fact: Die Wahl haben sie nur, weil Freiburg sich anscheinend bereit erklärt hat, vor einer englischen Woche mit Einsatz am Donnerstag am Sonntag zu spielen. 

Und hier muss man nochmal festhalten: Das war bereits im Sommer abzusehen. Es ist ja nicht so, dass wir jetzt eine unfassbar erfolgreiche Champions League Saison erleben und alle 4 Mannschaften ins Achtelfinale eingezogen sind. Dass all diese Mannschaften an diesem Donnerstag keine Zeit haben würden, stand schon Mitte Mai fest. Es war zu 100 % absehbar, dass Sky sich zwischen diesen beiden Spielen entscheiden müsste. Oder zumindest, dass all die wirklich guten Mannschaften keine Zeit haben werden. Sky war trotzdem bereit, ein paar Millionen mehr auf den Tisch legen, um dieses eine Spiel zu zeigen. 
Und dann direkt die Abo-Preise erhöht, damit diese paar Millionen auch wieder reinkommen. Mit der Ankündigung, dass man ja ganz exklusive Spiele, die es sonst nirgendwo gibt, zeigen wird. Es ist nebenbei echt faszinierend, dass das eine Mal, als das Kartellamt ein Monopol zerschlagen hat, das am Ende nur zum Nachteil der Fans war...

Es beweist uns auch mal wieder, wie völlig absurd König Fußball in Europa dominiert: Jedes noch so beschissene Spiel treibt den Preis nach oben, wenn es irgendwo exklusiv gezeigt werden kann. Aber gut, solange die Kunden das fressen, wird sich daran nichts ändern. Und die Sky Kunden müssen heute Abend zwangsweise einschalten, denn sie haben ja dafür bezahlt... 9 Euro extra pro Monat. Viel Spaß.

Jetzt wo ich mich darüber ausgelassen habe, wird geht das wahrscheinlich 5:4 aus und wird als absoluter Klassiker in jeder Saisonrückschau auftauchen... Bekloppt ist es trotzdem, aber die Sky-Kunden sollten mir dafür danken... 

Donnerstag, 8. Januar 2026

Passives Abseits Jahrescharts 2025

 Das wird schon wieder viel. Lasst uns direkt anfangen... Und ja, ich habe in den letzten Tagen 40 Alben komplett durchgehört. Man konsumiert Musik einfach anders, wenn man Schallplatten besitzt.
Trotzdem gibt es noch ein paar "Quick Hits": an 100 Kilo Herz "Hallo Startblock" habe ich mich lange nicht rangetraut, weil ich den Abgang von Rodri nicht verkraftet habe. Aber das neue Album klingt schon weiterhin nach derselben Band, was ich nicht für möglich gehalten habe. Für Nina Chubas "Ich lieb mich, ich lieb mich nicht" fehlte mir bisher einfach die Zeit, aber es ist verdammt wichtig, dass es sie gibt. Nas & DJ Premier haben einen Hip Hop Classic gemacht. So Oldschool und gleichzeitig fresh hat Ami Rap lange nicht mehr geklungen. Main Concepts "Kontinuum" ist nur eine EP... und 2 der 3 Featuregästen holen mich nicht ab. Aber Dave P ist und bleibt ein überragender MC.

Platz 42: Eine Stadt wird bunt Sampler: Ich hätte auch nicht gedacht, dass das geht... aber hier wurde eine Dokumentation über Hip Hop in Hamburg auf Schallplatte gepresst. Dafür braucht man nur 4 Platten und ein 100 Seiten Booklet. Die Songs sind durchaus anstregend, denn es wurden wirkliche Deep Cuts rausgesucht. Um das praktisch zu erklären: Obwohl ich verdammt viele von den die Ära prägenden Vinyls besitze, habe ich nur einen Song vorher schon in meiner Sammlung gehabt. Dafür gibt es haufenweise Mitschnitte aus diversen Radiosendungen aus der Stadt. Ist das in der Summe unfassbar anstrengend? Bestimmt. Aber für Hip Hop Nerds ist es ein unfassbares Fundstück. 

Platz 41: "Death Becomes her" Original Broadway Cast: Nur um mal festzuhalten was für ein weirder Nerd und absoluter Groupie ich bin: Ich wusste nicht, dass es im Jahr 1993 eine Komödie mit diesen Titel gibt. Ich hatte auch keine Ahnung, wie der Plot dieses Musicals geht. Als ich herausgefunden habe, dass es eine Vinyl mit den Aufnahmen des Ensembles gibt, habe ich trotzdem sofort zugeschlagen... warum? Nun ja, ich brauche ja zumindest ein Grammy nominiertes Album in diesen Charts. Vor allem: Michelle Willians übernimmt halt die Rolle von Viola Van Horn. Damit kommt dieses Album quasi mit 5 neuen Michelle Williams Songs und einigen "Features". Und da ich diese Stimme einfach liebe, habe ich die Vinyl sofort bestellt.

Platz 40: Itchy Feet - Words of Passage: Der erste Überraschungsgast kam am 3.1. im Horns Erben in den Plattenschrank und in die Playlist. Aber in einen kleinen Klub zu rennen, um eine völlig unbekannte Band live zu stehen, bleibt halt mein Lieblingshobby. Der lustigste Moment kam direkt nach der Pause, als die mich bei "Welcome Back" mit einem "You might be here by accident" begrüßen. Itchy Feet sind zu viert und treffen sich regelmäßig in der Pampa in Mecklenburg um Folk Musik zu machen. Wir reden von Folk im ganz klassischen Stil, mit viel Banjo und wenig Schlagzeug. Man kann den Aufnahmen regelrecht anhören, dass sich hier jemand eine Auszeit am See gönnt.  

Platz 39: Wettermann - Wir schweben in Gefahr: Wo wir schon bei absurder Kleinkunst, die mir in kleinen Läden über den Weg gelaufen sind, waren: Wettermann habe ich in Ilses Erika gesehen. Da bin ich so oft, dass mich der Chef, der auch der Labelchef von DRAN ist, grüßt, wenn wir uns in der Stadt über den Weg laufen... Und da stolpert man dann über Bands wie Wettermann. Axel Rapp, dessen Soloprojekt das mittlerweile eigentlich ist, bewegt sich auf der Grenze zwischen Liedermacher und Deutschrock. Die Texte sind eher kryptisch. Es kann durchaus sein, dass dieses Album wirklich nur die etwas umständliche Aufforderung an seine Mutter ist, doch endlich das "Lösegeld" zu bezahlen, damit er den ganzen absurden Scheiß nicht mehr machen muss. Mein persönlicher Lieblingssong ist "Der Nachbar", in der ein fiktivier Nachbar observiert wird und das lyrische Ich sich fragt, warum dort denn die ganze Nacht Licht im Keller brennt. Es fällt ihm dabei aber nicht wirklich auf, dass er sich genau so creepy verhält, wie er es dem Nachbarn vorwirft. Und am Ende kommt raus, dass die beiden Nachbarn sich einfach gegenseitig beobachten und deswegen die ganze Nacht wach sind. Ganz absurdes Kino...

Platz 38: Tonbandgerät - Ein anderes Leben: Gilt das noch als "erwachsener Pop", oder ist das einfach nur... spießig? Gute Frage. Im optimistischen Fall ist dies ein melancholisches Album übers älter werden. In der Hoffnung, dass man später mal "Rotwein am See" trinken wird. Man erinnert sich auf der Veranda an die Freunde und Erinnerungen, die man unterwegs "verloren" hat. "Keine Cola" kommt mit dem für eine Band wunderbar seltsamen Satz "Der letzte Club, in dem ich war, ADAC, sogar Gold Card"... was ich aber widerlegen kann, weil ich die Band ja in einem Club live gesehen habe... Aber wahrscheinlich werde ich in 10 Jahren behaupten, dass dies eigentlich das beste Album des Jahres war. Noch fühle ich mich dafür zu jung, obwohl ich älter bin, als die.
Dann bleibt aber zu hoffen, dass die "88 Luftballons" Vision nicht wahr wird. Denn mitten in dem Album findet man dann eine klare Anti-AfD und Anti-Nazi Kante. Nur weil man an sich eher melancholisch und spießig ist, will man nicht mit denen kuscheln. Was nebenbei nicht nur in diesem einen Song deutlich wird, denn auch wenn dieses Album selten politisch ist, so ist die Haltung der Band es schon. 

Platz 37: Lena Stoehfaktor: Als ich Lena auf dem "Leipzig zeigt Courage" zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich mir: Feminisitischer Zeckenrap, das ist ja genau meine Sparte. Schön, dass ich hier eine neue, junge Künstlerin entdeckt habe... Dann musste ich feststellen, dass die Frau seit 2005 aktiv ist. Wie hat die es denn geschafft, sich die ganze Zeit über zu verstecken? Also wenn ich das 2020 entdeckt hätte, hätte ich das bestimmt auch schon gefeiert. Aber irgendwie ist sie mir einfach nie über den Weg gelaufen.
Dabei macht Lena aber auch nichts revolutionäres. Solide Beats, tighte Raps und ganz viel Inhalt. Dabei dreht es sich immer wieder um Sexismus im Rap. Das sind halt Dinge, mit denen man offensichtlich konfrontiert wird, wenn man sich als Frau im Rap positioniert. "Pretty World" und vor allem "Hässlich" sind hier hervorzuheben. Im Gegensatz zur Konkurrenz gibt es aber mehr Selbstreflektion, als bei der meist männlichen Konkurrenz. "Schuldig" sei hier demonstrativ genannt. Hier wird nicht nur mit dem erhobenen Zeigefinger gewunken, sondern man erkennt sich selbst als Teil des Problems an. In "Komisch 2" beschreibt Lena, wie sie schon seit ihrer Kindheit Probleme damit hatte, sich einfach anzupassen.

Platz 36: Die höchste Eisenbahn - Wenn wir uns wieder sehen, schreien wir uns wieder an: Verspielte Musik zwischen Rock und Pop mit intelligenten deutschen Texten klingt doch eigentlich nach genau meinem Ding. Dota macht ja auch nicht mehr... also müsste ich diese Band doch viel mehr feiern. Aber am Ende muss ich zugeben: Männliche Gesangsstimmen holen mich einfach nicht so ab. Und wenn, müssen es eher tiefe und raue Stimmen sein, mit diesem hohen und klaren Gesang kann ich gar nichts anfangen. Damit haben Moritz Krämer und Francesco Wilko schonmal einen fiesen Wettberwebsnachteil. Vor allem fällt einem damit dann auf, dass so eine Jahrescharts am Ende nur die persönlichen Preferenzen des Autors darstellen. Denn sachlich gesehen ist dieses Album richtig gut. "Ich halte Nachzüglern Vorlesungen" von "Die Bahn" dürfte meine Lieblingszeile aus der Kategorie "So einfach, aber so gut" sin. "Bürotage" ist ein böser Ohrwurm, gerade weil die leichte Melodie eigentlich nicht zum eher finsteren Text passen wollen. Aber am Ende sehen die halt in "Hotpants" nicht so gut aus, deswegen landet das Album viel zu weit unten...

Platz 35: Adja - Golden Retrieve Her: Das Album kommt mit viel Zynismus und beißender Kapitalismuskritik. Es ist also definitiv nicht darauf ausgelegt, populär zu sein. "Pacakage delivered by Tomorrow". Sign sealed and delivered. "Sucking on my emphatitties" ist der beste Song des Albums. 
Musikalisch ist das ganze halt wirklich Jazz. Es gibt mehr Breaks und Bridges als einfache Chorusse. Man wird ständig durch neue Ideen überrascht. Das funktioniert auch an sich ganz gut, nur "The Sound of the Mother" ist dann wirklich anstrengend. Deses "Interlude" besteht nur aus Hintergrundgeräuschen und Vocalisen, ist aber über 4 Minuten lang... Das muss dann wohl Kunst sein.

Platz 34: Doechii - Alligator Bites Never Heal: Es passiert ja mittlerweile nur noch relativ selten, dass neuer Mainstream Rap aus Amerika bei mir auf dem Plattenteller landet. Und dieses Album belegt irgendwie auch, warum: 19 Songs klingt erstmal nach unfassbar viel, aber in der Summe sind es trotzdem nur 47 Minuten. Aber nur 3 Tracks sind überhaupt länger als 3 Minuten. Es ist, wie Doechii selber im Booklet erklärt, nur ein Mixtape und kein Album. Oder es ist die fortschreitende Tik-Tok-isierung von Musik. Mir persönlich wäre es ja lieber, wenn einzelne Ideen detailierter ausgearbeitet werden. 
Doechii kann und will aber richtig gut rappen, deswegen funktioniert das für mich trotzdem. "Denial is a river" ist ein wunderbares Selbstgespräch über ihren persönlichen Status Quo. Der Track ist insofern interessant, weil hier nicht, wie sonst immer, der Teufel, sondern ein Engel auf der Schulter sitzt und Doechii tatsächlich ins Gewissen redet.
Wenn jetzt als nächstes ein richtiges Album mit 12 Bangern kommt, nehme ich das als wichtigen Zwischenschritt mit.

Platz 33: Karl die Große - Aufgehoben: Karl die Große ist in den letzten Jahren mehr zum Soloprojekt von Wencke Wollny geworden. Zum einen, weil die Frau Sachsen hinter sich gelassen hat, zum anderen weil sich die Männer der Band in Elternzeit verabschiedet haben. Dabei scheint es kein wirklich böses Blut zu geben. Die Spielfreude, die Wencke und Antonia Hausmann live ausstrahlen, ist schon faszinierend. Aber Antonia spielt halt nur auf 2 Songs Posaune. Der Dreh und Angelpunkt des Albums sind Wenckes melancholisch verträumte Texte und ihre dazu passende Gesangsstimme. "Zielloses Blatt" erfasst die Grundstimmung am besten. Oder das Video löst bei mir einfach Nostalgieflashbacks aus, weil ich auf der Ecke, auf der das gedreht wurde, groß geworden bin. "Bau nicht auf mich" ist ganz großes Kino, weil Karl am Ende froh ist, dass das lyrische Du es eben doch macht, obwohl sie doch nur "ein wackliges Regal" ist. Das "Lyrische Du" ist da nebenbei wörtlich zu nehmen, denn dieser Song wurde, wie auch "Schwere Kindheit" und "Dreh dich nicht um" für diverse Theaterstücke geschrieben. Das ist halt das Niveau, auf dem Wencke mittlerweile selbstverständlich arbeitet.
In der Summe ist es ein sehr komplexes Album, bei dem man auch nach dem 10. anhören noch neue Ecken entdecken kann. Aber genau diese Komplexität wird dazu führen, dass sie "niemals Famous mit dem Scheiß" wird. Darum geht es aber auch gar nicht.

Platz 32: Annahstasia - Tether: Manchmal ist das "wo" ja wichtiger als das "was eigentlich gespielt wird", um eine Emotionale Bindung zur Musik aufzubauen. Und am Ende geht es nur darum: Gefällt einem Musik, oder nicht. Annahstasia ist eine dieser Künstler*innen, die vom Imperial Theater Boost leben. Man geht da im Wesentlichen hin, weil man nach 8 Stunden Live Musik in diversen Klubs auf der Reeperbahn einfach mal in bequemen Sesseln sitzen will... Und weil das Bier überraschend bezahlbar ist. Dort steht dann das aktuelle Bühnenbild als Hintergrund, denn eigentlich ist das ja ein Krimi-Theater. Und meistens gibt es zurückhaltende Akustiksets. OehlKara JacksonReinel Bakolele und die legendäre Madison McFerrin habe ich genau so entdeckt und genau deswegen im Plattenregal stehen. Annahstasia wurde 2023 genau dort entdeckt und hat jetzt endlich ihr Debütalbum draußen.
Das Album ist ein klassisches Folk Album. Die Produktion ist Minimalistisch. Viele Stücke kommen quasi komplett ohne Schlagzeug aus. Und auf Tour geht sie weiterhin alleine mit der Gitarre, die ist also auch auf dem Album das prägenste Element. Damit steht und fällt das Album mit dem Gesang. Und da die Stimme mich krass an Tracy Chapman erinnert, funktioniert das für mich. Aber irgendwie hat ein Album, das derart minimalistisch ist, auch seine längen. Trotzdem hat es mit "Be Kind", "Believer" und Silk & Velvet" einige Höhepunkte: "Maybe I'm a moralist, an anti capitalist, who sells her dreams for money, to buy her silk and velvet" ist wohl die beste Textzeile des Albums.

Platz 31: Morcheeba - Escape the Chaos: Kurz zusammengefasst: Das Album ist solide, aber auch nicht mehr. Oder aber: Man hat sich auf gehobenen Niveau festgefahren. Was irgendwie logisch, aber auch bezeichnend ist. Also kurz für den Kontext: 2013 zerstritten sich die Godfrey-Brüder, die für den Sound, der um Skye's Stimme gebastelt wird, verantwortlich sind, endgültig. 2016 mussten die verbliebenen Mitglieder deswegen ein Album namens "Skye&Ross" rausbringen. Danach wurde zumindest die rechtliche Grundlage geklärt, damit die nächsten 3 Alben wieder unter dem eigentlichen Bandnamen veröffentlicht werden können... und jetzt muss ich ehrlich zugeben, dass ich die 3 Alben nicht wirklich auseinanderhalten kann. Also wenn einer der Songs im Shuffle durch meine Playlist läuft, weiß ich nie genau, von welchem Album der jetzt ist. Es gibt langsame und atmosphärische Trip Hop Beats, die um Ross's Gitarre und Skyes Stimme gewunden werden. Fast das komplette Album spielt sich zwischen 80 und 91 BPM ab. Gelegentlich, wie bei "Peace of Me" darf noch ein Gast über diese Beats rappen. Wirkliche Ausreißer wie der Klassiker "Rome wasn't build in a day" fehlen irgendwie. Und versteht mich nicht falsch: Das ist an sich nichts schlimmes, denn der Sound ist ja schon irgednwie einzigartig und geht gut ins Ohr. Das nächste Moorcheba Album wird trotzdem wieder vorbestellt und die Live Show sollte man sich auch gönnen. Aber ein bisschen mehr Mut zu Experimenten würde das Projekt wieder auf ein neues Level heben.

Platz 30: Cary - Allein oder Einsam: Wunderbar emotional und gleichzeitig viel zu depressiv. Cary ist eine dieser Musikerinnen, die buchstäblich ihre Seele und ihre intimen Ängste auf Beats packen.
Das Album hat zwar 10 Songs, die teilweise nahtlos ineinander übergehen, ist aber mit 22 Minuten trotzdem verdammt kurz. Es sind wirklich eher kurze Fragmente, was aber aufgrund des stimmigen Gesamtbildes trotzdem funktioniert. Es gibt am Ende auch keinen positiven Abschluss... außer dem Wissen, dass man als Zuhörer eben doch nicht Allein ist, wenn man selber mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat.
 Am heftigsten funktioniert das beim Biografischen "Nordplatz". Hier geht es um fehlgeschlagene Therapien und Kindheitstraumas. "Bis es echt ist". Das ist es definitiv. 

Platz 29: Shitney Beers - Amity Island: Und alle Punkbands dieses Jahrtausends so: Warte, der Name war noch frei? Verdammt. Shitney Beers ist aber kein Alkohol verherrlichender Punk, sondern das liebevoll-ironische Indie-Pop Projekt von Maxi Haug. Für dieses Album ist das Projekt dann tatsächlich auch auf Band-Größe angewachsen, wodurch es rockiger und fülliger klingt, als das "This is Pop" Vorgängerwerk. 
Die Ironie lässt sich am besten an 2 Songs erklären: der Liebeserklärung an "Maya Hawk": obwohl in Strophe 1 erklärt wird, dass es dumm ist, sich in Stars zu verlieben und in Strophe 2 erklärt wird, dass man all die Nachteile des modernen Amerikas ertragen müsste, hat man halt trotzdem einen Celebrity Crush... Und obwohl das eigentlich nur ein naives Liebeslied ist, geht es plötzlich um Krankenversicherungen und Waffenbesitz...
Noch "schlimmer" ist eigentlich nur der Mitmach-Chorus auf "Lucky get laid". Da muss man beim Konzert erst ansagen, dass alle Kinder jetzt mal weghören müssen, nur damit dann alle "I want my friends to fuck" mitsingen können. Zwischenzeitlich werden, wie auf "N4N" und "Lachrymal Glands", aber auch ernstere Themen angesprochen. Damit ist dieses Album in der Summe zu komplex, um wirklich im Mainstream zu landen und zu speziell, um im Indie-Bereich seine Nische zu finden. Da hätte man es als Saufband leichter... 

Platz 28: Catt - A Different Life: Catt kündigt es auf dem ersten Track quasi an: "Nothing Changes": Sie macht weiterhin verspielt, verträumte Popmusik mit englischsprachigen Texten. "Follow no one, but yourself" heißt es da auf "Jungle of Abundance". Das ist am Ende "nur" die konsequente Weiterentwicklung des "Change" Albums von vor 2 Jahren. Die Band ist mittlerweile besser eingespielt, aber am Ende wird das ganze weiterhin von Catt persönlich zusammengehalten. Am Ende ist es mehr ein endgültiges Ankommen in der eigenen künstlerischen Vision, als eine große Revolution.  

Platz 27: Sirens of Lesbos - I got a Song, it's gonna make us millions: Das Kollektiv aus 5 Leuten, wie sie sich selbst eher beschreien, bestreitet auf dem 3. Album neue Wege. Oder gar nicht so neue Wege, schließlich wurde die "Band" über einen Ibiza Hit gegründet. Der wird mittlerweile so konsequent tot geschwiegen, dass ich das auch eben erst erfahren habe. Anyhow. I got a Song, it's gonna make us millions ist deutlich elektronischer als seine eher im klassischen 80er Soul Gewand kommenden Vorgänger. Es wird, auch live, mit verdammt vielen Effektgeräten gearbeitet. 
Inhaltlich gibt es aber keine Kompromisse, sondern man steht weiterhin für eine offene und friedliche Gesellschaft ein. Auf "Sodom and Gomorrah" klingt das ganze am epischten. Der Opener "Let it hurt" geht am besten ins Ohr. Millionen werden sie damit aber trotzdem nicht machen, dafür gibt es halt zu viel Haltung.

Platz 26: Kendrick Lamar - GNX: Ja, ich weiß... I'm late to that party. Aber das Album kam ja "erst" im November 2024 raus, da ist es nicht so schlimm, dass es erst 2025 auf meinem Plattenteller landete. Und damit ist es immer noch ein guter Zeitpunkt, Kendrick den nötigen Respekt zu zollen. Von all den Mainstream Rappern ist und bleibt er der Beste. Einer der wenigen, bei dem es sich wirklich lohnt, auf jede Zeile zu achten. Und einer der wenigen, denen es wirklich um die Musik geht. Dass das schon erwähnenswert ist, sagt viel über den Zustand vom Mainstream aus... Von dem verabschiedet sich Lamar aber, nachdem er für sie einige Feature-Parts abliefern musste. Denn dieses Album ist schon roh und kantig. Die Produktion ist schon tight, aber an vielen Stellen minimalistisch. Das ganze Werk wird also einzig durch Kendricks Lyrics und Energie getragen. Der ist aber auch gut genug, dass das funktioniert. Und groß genug, dass er sich das erlauben kann und trotzdem erfolgreich ist. 

Platz 25: Moonchild Sanelly - Full Moon: Dieses Album muss man definitiv auf 2 Ebenen betrachten. Einerseits ist da der einzigartige Klang: Elektronische Sounds treffen auf afrikanische Rhytmen. Die Stimme wird ebenfalls als Rhytmusinstrument verstand. Oftmals singt sie in einer inhaltlich sinnlosen Fantasiesprache. Das klingt erstmal nach einem unterhaltsamen Album für den Dancefloor.
Aber wenn man auf die Texte achtet, geht es oft um richtig heftigen Scheiß. Primär geht es dabei um sexuelle Selbstbestimmung. "To kill a Single Girl" handelt von Alkoholproblemen.  In "Falling" geht es um die Ansprüche der Familie, die sie nie erfüllen wollte und konnte. Probleme, die man als Frau aus Südafrika halt so hat...
Die Kombination aus energetischen Klang und ernsten Themen macht die Musik von Moonchild Sanelly einzigartig.

Platz 24: Götz Widmann - Blütenduft: Das größte Problem dieses Album lässt sich mit dem besten Song des Albums "Trinkerdisneyland" erklären: In dem Song geht Götz seine mittlerweile geschlossenen Lieblingsbars durch und stellt die These auf, dass man die eigentlich als Museum wieder aufbauen müssen. Und in der Live-Version bringt er sogar die "Urinsteinwelterbe der Unesco" Referenz. Aber in dem Song fehlt Maria komplett. Und Maria behandelt dasselbe Thema, nur detaillierter und, meiner Meinung nach, besser. Allerdings ist Götz auch der einzige Musiker, der sich an dem Maria Song messen lassen muss... Und all den anderen großartigen Song. Blütenduft ist "nur" ein gutes Götz Album ohne die epischen Ausreißer nach oben. "Grosskonzern" ist eine ganz schön brachiale Kritik an den... nun ja... den Großkonzernen. Das eigentlich schönste an dem Album ist der Rahmen: "Partytime" ist ein Song, der auf einem uralten Joint Venture Fragment basiert und eine einfache Hymne aufs Saufen ist. Stumpf und sinnlos. Der gute alte Götz. Am Ende auf "Verkacken mit Verstand" gibt er dann aber zu, dass er das nur noch selten macht, weil er halt alt ist...

Platz 23: FrauPaul - Hol mir die Sterne zurück: Kommen wir zu meinem neusten Lieblingsgenre: Feministisch angehauchter Deutschrock. Man könnte die auch als neue Hamburger Schülerin bezeichnen. Frau Paul sind da, verglichen mit zum Beispiel Tyna, schon die brachialsten und punkigsten Vertreterinnen: Schlagzeug, Bass, Gitarre und Gesang. Mehr gibt es hier nicht. Damit steht und fällt das Album mit den Textideen. Und die Pointe, in der das Break bei "Family Guy" endet, funktioniert da einfach: "Wenn die Welt wieder zusammen in Flammen steht, weil Menschensein nicht von selber geht, Dann schaust du..." "Streichholz" beschreibt die derzeitigen Zustände und die Angst, die diese machen. Das ist schon ein Brett. Und das behaupte ich nicht nur, weil ich beim Video-Dreh dabei war und einer der Hinterköpfe am Ende meiner ist... Bei "Burn out" geht es dann darum, dass man nicht mal genug Zeit für ein Burn out hat.

Platz 22: Tocotronic - Golden Years: Nur um zu beweisen, dass die alte Hamburger Schule auch noch liefert... kommen auch Tocotronic mit neuem Album um die Ecke. Dabei erfinden sie, was niemanden überraschen sollte, das Rad auf ihrem 14. Album nicht neu. Es gibt die eher kryptischen Texte mit der markanten Stimme von Dirk von Lutzow und den typischen, verspielten Rocksound. Für mich ist dieses Album aber konstanter als der Vorgänger. Es gibt mit "Golden Years", "Ein Rockstar stirbt zum zweiten Mal" und "Wie ich mir selbst entkam" einige gute Songs, aber keine überragenden Lieder. Dafür gibt es auch keine "Wir machen jetzt Kunst" Ausreißer nach unten. Mein persönlicher Schlüsselsong ist aber "Denn sie wissen, was sie tun". Auch weil es hier inhaltlich wirklich mal konkret darum geht, dass die Neonazis im Parlament genau wissen, was sie wie erreichen wollen... was einem halt eher Angst macht. Dafür fehlen mir aber auch die Überklassiker wie "Nie wieder Krieg" oder "Aber hier leben, Nein Danke".

Platz 21: Madison McFerrin - Scorpio: Dieses Album ist die logische Konsequenz aus dem "Utah" Song vom "I hope you can forgive me" Album. Die Beziehung zu ihrem mittlerweile Ex-Verlobten war nicht mehr zu kitten und jetzt muss das Ende dieser Beziehung verarbeitet werden. "It ain't nice", aber notwendig. Das ganze "Fighting for our love" war halt am Ende vergeblich. "I don't" beschreibt, wie Madison den Tag der geplanten Heirat dann doch einsam verbrachte.
Produktionstechnsich bewegt sie sich weiterhin mehr in Richtung moderner R'n'B, aber der Stimme hört man die Jazz-Vergangenheit schon noch an.  

Platz 20: Umme Block - Nächte: Umme Block ist eine dieser Bands, die wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Alle 2 bis 3 Jahre tauchen die beiden aus dem Nichts aus, setzen sich auf dem gesamten Album mit einem Thema auseinander und spielen dann eine fantastische Liveshow mit Videopräsentation... vor 80 bis 100 Leuten. Umme Block gehört zu den Bands, die ihre Fans wiedererkennen, weil man sich vor 2 Jahren ja schon gesehen hat. Es sollten definitiv viel mehr Menschen in ihre Blase kommen. In einer gerechteren Welt würden sie vor mindestens 300 Leuten spielen.
Auch dieses Mal erklärt sich das Konzept quasi mit dem Album-Title: Umme Block nehmen uns mit auf einem Trip durch verschiedene Nächte. Neu ist, dass mittlerweile verdammt viel auf Deutsch gesungen wird. Macht doch so was nicht mit mir, jetzt weiß ich nicht, wo ich die Platte hinstellen soll. Solche Nächte müssen nicht immer friedlich verlaufen, manchmal tanzt man sich eher in "Rage". Aber getanzt wird schon verdammt viel. In den letzten 3 Songs geht die Nacht dann langsam aber sicher in den nächsten Morgen über. Es wird erst "Still" und "Leise", bis sich schließlich das "Frühlich" durchsetzt. In der Summe ein wunderschönes, atmosphärisches Elektro-Album.

Platz 19: Kochkraft durch KMA - Hardcore never dies das / Hardcore never dies dazzz: Zur reinen Abwechslung mal ein Elektro-Punk Album. Brachial und stumpf. Musik für den Moshpit. 2 Akkorde für 3 geile Lieder... Das ganze funktioniert hauptsächlich über die Energie der Live Konzerte. Wenn man die Band gesehen hat, braucht man auch die Vinyl. "Freefalltower" presst diese Energie für mich am besten auf Platte: "Das erste O steht für O MEIN GOTT"... dass es nebenbei in dem Text um FOMO geht, macht es nur noch besser. Auf "Gutes Arbeitsklima, trotzdem kalt" wird der eher uninspirierende Arbeitsalltag in einem Büro beschrieben. "Ehrlich" ist ein überraschend kreativer Ansatz zur Selbstkritik. Es ist aber auch schon schwer genug, wenn man nicht ehrlich zu sich selbst ist... Es passiert also auch inhaltlich eine Menge.
Direkt nach dem Album schob man dann aber eine EP nach. Die ist einerseits verdammt kurz, sie klingt aber wirklich nach einer extrem kurzen und produktiven Phase nach dem Abschluss der LP und nicht nach der "Ausschusswahre", die es nicht aufs Album geschafft haben. Das Songwriting wird da schon aufs nächste Level gehoben. "Was reimt sich auf Klicken" kritisiert den Online-Kauf-Wahn, dem wir alle bestimmt schon mal erlegen sind. "Mein DJ hat ne REM Phase und ich gleich auch" handelt davon, dass man eigentlich lieber im Bett bleibt als abends auf die Piste zu gehen... was natürlich inhaltlich voll gegen die Energie des Songs geht, aber irgendwie trotzdem funktioniert. In der Summe ist das alles sehr schlüssig.

Platz 18: Antony Szmierek - Service Station at the End of the Universe: Das Album ist ein Paradoxon. Die Beats gehen eher in Richtung Electronic/Dance. Das ganze klingt ein wenig nach Everyone you know,  was lustig ist, weil ich beide Künstler auf dem Reeperbahnfestival in der Prinzenbar entdeckt habe. Über diese treibenden Beats werden dann aber absurde Spokenword Texte vorgetragen. Als Rapper erinnert Antony eher an Textor von der Kinderzimmer Production. Zusammen ergibt das eine absurde Kombination. Praktisches Beispiel: "The Great Pyramid of Stockport". Dass Cleopatra dichter an der WM in Frankreich, als an dem Bau der Pyramiden gelebt hat, ist richtig, aber auch völlig willkürlich. Aber Antony hat ja selber die Pyramiden gesehen. Also das alte, zwischenzeitlich verlassene Bürogebäude in Stockport. Ergibt das irgendeinen Sinn? Keine Ahnung. Aber ich liebe es. Was will man von einem Album, dass mit "Per Anhalter durch die Galaxis" Referenzen gespickt ist, sonst erwarten? Natürlich einen "Hitchikers Guide to the Fallacy": "Everything is ironic now isn't it, post post punk."
Es ist ein völlig absurdes Album geworden.

Platz 17: Umse - Imunsystem: Deutscher Hip Hop und ich... führen mittlerweile eine Fernbeziehung. Das lässt sich am ehesten an Umse erklären: Vor 20 Jahren hätte die gesamte Charts so geklungen, wie dieses Album. Vor 10 Jahren habe ich Umse dann ignoriert, weil ich aus den "Jugendjahren" ja genug davon in meiner Playlist habe. Dabei hat der vor 10 Jahren auch schon echt guten Scheiß rausgebracht. Aber ich musste mich halt neu orientieren. Jetzt haut der alle 3 Jahre ein neues Album raus, welches dann irgendwo zwischen Platz 10 und 20 landet. 
Dabei ist dies ein Album mit vielen Tiefen und wenig Höhen... guter alter Rapshit halt. Gut fürs "Imunsystem". Eine "Herzmassage" funktioniert halt eher auf 60 Hertz...  Umse ist als Rapper so gut, dass er hauptsächlich über Rap und seine Rolle in diesem Genre singen darf. "Kostenfrage", "Musik in der Luft" und "ID" machen inhaltlich wenig spannendes, sind aber einfach Banger. Manchmal braucht es für mich einfach nicht mehr... Und der Inhalt auf "Dinge werden besser" und das sehr persönliche "Winter" fallen ja auch nicht ab. 

Platz 16: Monsters of Liedermaching - Sekt, Setzen: Die Monsters bleiben ein Mysterium. Einerseits weigern die sich, gemeinsam ins Studio zu geben und veröffentlichen einfach Live-Mitschnitte. Andererseits machen sie sich die Mühe einen kurzen Begrüßungstext ins Albumbooklet zu packen. Und obwohl das ja eigentlich alles Solo-Songs der einzelnen Monsters sind, schaffen sie es irgendwie auch, dass diese Live-Alben nach dem Kollektiv klingen. Das liegt alles in allem an dem eher stumpfen und punkigen Humor, der all die Songs vereint. Die Monsters sind halt "Ein guter Freund", der aber eigentlich nur zum Saufen geeignet ist. Sie sind die einzigen Liedermacher, die Singen nicht so toll finden... 
Nebenbei schaffen sie es immer wieder, ihre Witze über mehrere Jahre zu strecken. Praktisches Beispiel: Der Flotte Totte spielt seit Jahren einen Song, der im Cover des Disney Songs "Katzen brauchen Musik" endet. Auf dem aktuellen Album gibt er dann zu: "Katzen hassen" seine Musik. Wie immer kommt der Song mit wunderbar absurden Details. Diese bekloppten Details machen die Monsters halt aus. Aber wenn man mit dem Humor nichts anfangen kann, bricht das ganze schnell in sich zusammen. Am Ende gilt: Auch wenn sie sonst nichts geschafft haben, haben sie einen Hit mit dem Titel "Pommes mit Spinat"...

Platz 15: Lola Young - I'm only fucking myself: Ich muss zugeben, dass es mir gerade richtig schwer fällt, dieses Album zu feiern. Denn eigentlich sollte es das "Das schlimmste liegt hinter mir, es geht bergauf" Album werden. "Tell my D€aler I miss him." Endlich all die toxische Scheiße mit diesem Album hinter sich lassen. Endlich ein erfolgreicher Entzug. "I'm fucking myself, but not like that anymore". Am Ende ist es aber doch nur ein "I'll make him think I'm fine, when I'm not" Album. Denn während der Promophase brach Lola Young auf der Bühne zusammen und musste sich hinterher komplett aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Die Amy Winehouse Vergleiche sind quasi unvermeidbar. Aber dass sie denselben Manager haben, wenn man genau hinguckt, ein gutes Zeichen. Denn richtig bergab ging es mit Amy erst, als sie sich von Nick Shymansky trennte. 
Auch wenn es mittlerweile wieder erste Lebenszeichen von Lola Young gibt, so wäre es doch besser sich nach dem extremen Erfolg von "This wasn't meant for you anyway" etwas Zeit und Ruhe zu gönnen, bevor man sich in die nächste Extrembelastung stürzt. Das Album ist aber trotzdem richtig gut. Das wäre es aber 2026 auch noch gewesen. Hoffentlich bekommt sie endgültig die Kurve.

Platz 14: Little Simz - Lotus: Ich hab es tatsächlich geschafft, mir das neue Little Simz Album vorzubestellen und es nicht ein halbes Jahr lang zu ignorieren... und mir die Live Show zu gönnen. Und jetzt komme ich langsam an den Punkt, dass Eve mal ein neues Album machen muss, sonst ist ihr Titel als beste Rapperin der Welt weg. Die Leichtigkeit, mit der Little Simz auf "Young" über den Beat flowt, ist schon beeindruckend. Bei "Free" und "Peace" werden 2 unterschiedliche Voice Samples problemlos in den Rap eingebaut. Technisch ist das alles auf höchstem Niveau.
Geprägt wird dieses Album durch den Bruch mit ihrem ehemaligen Produzen Inflo. Toxische Beziehnungen müssen halt nicht immer körperlich sein... "Thief" ist hierbei das expliziteste Beispiel.
Alles in allem ist dieses Album schonungslos offen und brutal ehrlich. "Lonely" beschreibt die Zweifel und Probleme, die Little Simz beim erschaffen dieses Werkes hatte. Bis hin zur Frage, ob sie sich nicht doch eher auf die Schauspielkarriere konzentrieren sollte, aber am Ende stellt sie fest, dass sie doch dieses Album machen musste.

Platz 13: Brooke Combe - Dancing at the Edge of the World: Die Brooke Combe Formel ist eigentlich ganz einfach: Eine raue, soulige Stimme, tightes Songwriting und treibende Gitarren. Das kann dann in der sehr rohen Trennungsballade "L.M.T.F.A" münden, aber meistens gibt es eher geht es vom Tempo eher nach vorne. Bestes Beispiel ist "This Town", einer dieser "Ich muss hier dringend mal raus, die Decke, beziehungsweise Stadt, fällt mir auf den Kopf" Hymnen. Da wird der Weg, der auf "Black is the new Gold" eingeschlagen wurde, konsequent weiterentwickelt. Am spannendsten ist am Ende der Titeltrack und Closer, in dem die Trennung vom Major Label "Island Record" und die damit erlangte Freiheit, aber auch entstandene Unsicherheit besungen wird.
Das einzige Problem mit dem Album ist, dass es mit 32 Minuten kaum länger ist, als eine EP. Aber das wurde durch eine Akkustik Version mit einem "Ex-Factor" Cover und einer hier demnächst eintreffenden EP behoben. Die Frau wird ihren Weg gehen.

Platz 12: Deine Cousine - Freaks: Man muss erstmal eines feststellen: Die Live-Shows von Deine Cousine sind verdammt gut. Das ist wichtig, weil ich in den Videodreh zu "So jung und so dumm" gestolpert bin. Da hat sie mich einfach mit ihrer Energie komplett abgeholt. Musikalisch ist das ganze deutlich ausgefeilter als bei ihren Hamburger Kolleginen von FrauPaul oder Tyna. Das ist aber auch logisch, schließlich arbeitet sie seit 2014 mit Udo Lindenberg zusammen. Inhaltlich geht das aber in dieslbe Richtung: Selbstbewusster, feminisitscher Punkrock mit DIY-Aditude. Dabei gönnt sie sich aber mehr Freiraum für Feel Good und Party Hymnen. Mein persönliches Highlight ist ja "Kein Disneyland". Hier wird ein schönes, aber keineswegs geschöntes Bild von St.Pauli gezeichnet. Das ist eine angenehme Abwechslung zu den ganzen naiven, verherrlichenden Hymnen auf dieses Viertel.

Platz 11: Celeste - Woman of Faces: Celeste hat eine der krassesten Stimmen der Gegenwart. Sobald sie aus den Boxen schallt, füllt sich der gesamte Raum. Dabei ist es auch echt egal, wie bescheiden die Anlage ist, über die man die Musik laufen lässt. Das hatte ich in der Form zuletzt bei Ami Winehouse. Das wirklich faszinierende an diesem Album ist, wie verletzlich sich diese Stimme zeigt. Denn auch Celeste hat die Zeit seit dem letzten Album in einer eher toxischen Beziehung verbracht und muss diese jetzt musikalisch verarbeiten. Das scheint irgendwie das grundlegende Thema des Jahres zu sein. Bei Celeste zieht sich dieses Thema durch das gesamte Album und es verbreitet eine entsprechend finstere Grundstimmung. Es fällt echt schwer, da einzelne Songs hervorzuheben, weil das Album in der Summe so ein rundes Bild ergibt.
Musikalisch ist es einfach faszinierend, wie viel Präsenz diese Stimme hat. Oftmals besteht das Instrumental nur aus einem Piano und einigen wenigens Streichern. Das Album kommt fast komplett ohne Schlagzeug aus. Da die Stimme aber so eine absurde Präsenz hat, fällt das kaum auf. Das Album klingt trotzdem episch. Erst bei "Could be Machine" wird auch musikalisch die Intensität wirklich hochgefahren. Das klingt dann wirklich nach einem epischen Cresendo, bevor hinterher festgestellt wird "This is who I am". 
Dass Celeste auch "Radiofreundlichere" Musik machen könnte, wird mit "Angel like you" auf der Deluxe-Edition deutlich. Dass auch "Carmens Song" es aber nicht auf die Vinyl geschafft haben, zeigt, dass sich ganz bewusst für dieses finstere Klangbild entschieden wurde. Dieses Album muss also wirklich als geschlossenes Kunstwerk verstanden werden.

Platz 10: Fatoni, Edgar Wasser, Juse Ju - BAWRS: Da ist es endlich. Das lang erwartete Kollabo Album der 3 Indierap Ikonen. Der erste gemeinsame Song der "Unterground Kingz" stammt aus dem Jahr 2017. Die hätten einfach nur all die über die Jahre gesammelten Features als "Best Of" veröffentlichen können... aber sie haben es tatsächlich geschafft, dass Edgar seinen Arsch in Bewegung setzt und ein richtiges Album mit richtiger Tour macht. Unfassbar. Er hat sogar ein 37 minütiges Interview gegeben... Ok, er hat jemanden mit einer Sternburg-Flasche in der Hand zum Interview geschickt, aber das sind doch Fortschritte...
Inhaltlich ist das Album nebenbei ein große Lüge. Es geht auf den ersten Blick nur um BARS, also ums sinnlose Reine spitten. Aber zwischen den Refrains werden immer wieder Seitenhiebe verpackt. Praktisches Beispiel "Ich bin Visionär, denn ich fand Rammstein immer Scheiße". Fühl ich. Es wird auch bei jeder Gelegenheit eine klare Kante gegen die AfD eingebaut... also Fick die AfD. Nebenbei cuttet man auf "Weil das ja klar ist" Edmund Stoiber... was auch nur beweist, wie alt die sind, weil sie sich an den legendären Flughafen Auftritt des CSU Politikers erinnern können. Soviel zu Edgars "Alzheimer trifft manchmal auch die Jüngeren". Kann sein, trifft hier aber nicht zu. "Geisterbahn" beschreibt dann Fatoni realisitschen Probleme im Stadtbild und das eine einfache Fahrt mit der U8 ganz schön gruselig sein kann. Juse beschreibt dagegen, wie abgefuckt gruselig das Internet geworden wird. Und Edgar... nun ja. Macht Edgar Wasser Dinge. Er ist die ultimative Wildcard und balanziert elegant auf dem schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn.
Zur allgemeinen Überraschung ist es ein absurdes, aber geiles Album. Nein! Doch! Ohh!

Platz 9: Dota - Springbrunnen / Der Regen / Die Kehrseite: Dota ist als Musikerin mittlerweile so facettenreich, dass sie de facto ein Dreifach Album raushauen muss, um alles abzudecken, was die Fans so hören wollen. Das eigentliche Album "Springbrunnen" gibt uns die perfekt ausproduzierte Popmusik mit den schönen Liebesliedern. Und "Wenn dir das reicht" ist das auch schon ein gutes Album. Und die linksgrünversifften Einschläge wie auf "In Springbrunnen baden mit nackten Milliadären" kann man ja einfach ignorieren. Die fortschreitende Radikalisierung lässt sich nebenbei am besten am Albumcover und Titel erklären. Denn bei "Springbrunnen" denkt man ja eher an meterhohe Fontänen in einer spießigeren Gegend. Und das Cover des Liederbuchs sieht auch genauso aus. Aber auf dem Album ist der Springbrunnen dann eine Ölfontäne.
Wirklich radikal wird es aber erst auf der Bonusplatte "Der Regen". Da hat dann fast jeder Track eine politische Ebene, dafür sind die Songs aber nicht ganz so ausgefeilt. Beim Titeltrack wird in der ersten Strophe eigentlich nur der einsetzende Sommerregen beschrieben.  Aber in Strophe 2 ist man plötzlich auf einer Demo und der Regen kommt von einem Wasserwerfer. In Strophe 3 bereitet man sich plötzlich auf eine biblische Flut vor, nur anstatt des Regens kommt am Ende das Feuer. Dota beweist hier wieder, was für eine brilliante Lyrikerin sie ist. Da ist es auch egal, das ein Roboter das längst besser kann... Solche Widersprüche in Songs zu packen, "schließt sich nicht aus". Für mich ist es das stärkere Album, auch wenn Lieder wie "Es ist machbar" sehr roh sind.
Auf der dritten Vinyl geht es dann zurück zu den eigentlichen Wurzeln: Ein Duo-Live Album in gemütlicher Atmosphäre. Man hört der Frau die Freude beim Spielen wirklich an. Es werden absurde Bilder gezeichnet. Und auf die Vinyl Version von "Eine Fee" haben die Dota Ultras 10 Jahre gewartet. "Perfekte Schurken wurde dagegen wirklich erst 3 Monate vor der Veröffentlichung des Albums geschrieben und bei der Aufnahme des Konzertes das erste Mal aufgeführt. Überhaupt gibt es viele Deep Cuts, die man sonst nie irgendwo live hören konnte.
In der Summe ist es also ein Album, auf dem jeder Dota-Fan seine bevorzugte Vinyl findet. Der rote Faden, der sich durch alle drei Albem zieht, ist die Kritik an den sozialen Medien und der Manipulation, die wir durch diese erfahren. Dota selbst schreibt dazu "Wir sind vielleicht gerade dabei, lustige Tanzvideos gegen unsere Demokratie einzutauschen. Das sollten wir überdenken." Dem kann man nichts hinzufügen.

Platz 8: Teluxe - Der Wind ist mit uns: Teluxe ist das Nebenprojekt von Lars Uecker und Tex Brasket. Das ist die eine Hälfte von Liedfett und der neue Säner von der Punkband Slime. Zusammen haben sie ein Singer/Songwriter Album gemacht, dass durch Braskets Buch "Dreck und Glitzer" für mich nochmal auf ein völlig neues Level gehoben wird. Denn durch das Buch wird deutlich, dass das alles keine Übertreibungen und Metaphern sind, sondern das alles ungefilterte und ehrliche Texte sind. Wenn Lars Uecker auf dem Opener "Hart" zugibt, dass er sich vor ein paar Jahren fast erhängt hätte, meint der das genau so. "Der Junge", der "ein neurologisches Schlachtfeld" ist, sind die beidend Sänger.
Am heftigsten wirkt das bei "Dorothy", in dem beschrieben wird, wie junge Frauen in Berlin erst in der Obdachlosigkeit und dann in der Prostitution landen. Ted kennt Frauen, die genau diese Erfahrung gemacht haben und teilt deren Schicksal mit uns. "irgendwann sagt jeder ja". "Siehst du den Regenbogen? Das sind nur die Drogen." Das ist ein wirklich heftiges Album. Und ich muss jetzt die ganzen Slime Alben nachholen...
Das Album endet aber mit "Eigentor" auf einer positiven Note. Denn es ist ne ganze Weile her, seit dem die das letzte Mal in Handschellen waren. Auf "Polaroid" wird dann deutlich, dass beide mittlerweile die Frau gefunden haben, die ihnen die dringend benötigte Stabilität gibt.  

Platz 7: Brother Ali & Ant: Satisfied Soul: Ist es wirklich 8 Jahre her, dass die beiden zusammen gearbeitet haben? Verdammt. Also nicht, dass die letzten beiden Ali Alben schlecht waren, aber Ant hebt den Mann für mich auf ein anderes Level. Die helleren und epischen Beats passen einfach besser zu Ali's Stimme, als die eher dumpfen und düsteren Sounds der letzten beiden Alben. Das wird gerade zum Anfang des Albums deutlich, wenn die beiden praktisch eine Messe feiern. Der Übergang von Strope zu Bridge zum Chorus bei "D.R.U.M." ist einfach unfassbar tight. Besser kann man den Schlagzeuger und die Musik nicht abfeiern. Danach nimmt Ant aber ein bisschen das Tempo raus, um Ali Platz für seine Geschichten und persönlichen Reflexionen zu geben. Und Ali baut mit einer absurden Leichtigkeit die Details ein, für die andere sich definitiv verrenken müssten. So erzählt er zum Beispiel die Geschichte, wie er Justin Timberlake von der Bühne geworfen hat, weil er als offiziell blinder Mensch den einfach nicht erkannt hat. Um in der 2. Strophe eine eher unangenehme Begegnung mit KRS One zu beschreiben. In "Mystirious Things" beschreibt er, wie er sich von einem nicht genannten Mentor entfernen musste, um sich persönlich weiterzuentwickeln. Persönlich glaube ich, dass es dabei um Slug geht, der seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr mit oder bei Ali aufgetaucht ist.
In "Better but us" beschreibt Ali eine Beziehung, die zumindest oberflächlich besser war, als man sich keine Beyoncé-Tickets leisten, sondern nur bei befreundeten Bands auf die Gästeliste kam. Was mir die Möglichkeit gibt, die Göttin in diese Albumcharts zu pressen. In Strophe 2 kommt dann aber raus, dass die Beziehung auch durch mehr Geld nicht wirklich gut wurde...
Das ganze endete dann in "Sing Myself Whole", wo Ali beschreibt, wie er die Musik nutzt um sich zu selbst zu heilen und um Probleme zu verarbeiten. Das endet im "Wenn ich irgendwann sterbe, lasst einfach meine Musik laufen." Ich bin jetzt erstmal beruhigt, dass das nicht nach einem endgültigen Ende klingt, sondern Ali direkt das nächste Album rausgehauen hat...

Platz 6: Atmosphere - Jestures: Wahrscheinlich hat die irgendjemand drauf hingewiesen, dass sie in ihre 30 Jahren noch nie einen Song mit X veröffentlicht haben. Darauf hin gehen sie dann einfach das gesamte Alphabet durch, damit sie Q wie "Quicksand" auch gleich abgearbeitet haben und ihnen niemand jemals wieder diesen Vorwurf machen kann. Slug sagte selbst vor Jahrzehnten "All Albums are concept albums, just most of yall work with stupid concepts". Aber Atmosphere ziehen so ein Konzept natürlich komplett durch: Auf die Featuregäste passen alphabetisch zum entsprechenden Song. So holt man sich R.A. the Rugged Man, nur damit der auf "Really" ein "Really ya'll ain't got nothing better to do" adlip bringt. 
Als erstes muss man hier natürlich wieder Ant loben, der es schafft, dass die 26 songs immer frisch und abwechslungsreich klingen. Und Slug macht halt Slug Dinge: persönliche Lyriks mit einer absurden Metapher- und Referenz-Dichte. Er ist und bleibt der beste Lyriker, den Rap je hervorgebracht hat. Praktisches Beispiel "I used to chase after the party And then the party chased after me The after party was the proof of a heartbeat The afterlife of the party was just the last to leave." So wird sich aufs eigene Werk, auf Eyedea, auf Nas, auf die Bibel und auf Ikarus bezogen. "Jestures" selber als Albumtitel ist ja schon ein Querverweis auf die gute alte "Sad Clown, Bad Dub" serie. 
Aber mein persönliches "Problem" lässt sich am ehesten an meinem Lieblingstrack "Neptune" erklären. Der ist mit 5 Minuten auch der längste Song des Albums und damit eine der wirklichen Stellen, an der sich eine Idee wirklich entwickeln kann. Von "This old man, he played one" bis "This old man, he played ten". Persönlich hätte ich mir mehr Songs gewünscht, die genau diesen Platz bekommen, aber dann wäre das Album wahrscheinlich 3 Stunden lang... Und das ist dann doch zu heftig.
Ähnlich stark ist die Erkenntnis "The future is not your Past". Es ist nebenbei allgemein überraschend, wie oft sich Slug mit der Frage, wie lange man das noch machen kann und ob man auch noch Musik machen würde, wenn niemand zu hört, beschäftigt. 
Das ist nebenbei im Weitwinkel der Karriere dieser Band faszinierend. Denn "früher" (also "God Loves Ugly und Seven's Travel" hat man ja regelmäßig 3-Fach Vinyl gepresst. 70 Minuten Playtime war der Standart. Dann hat man, was sie irgendwo auch zugegeben haben, die Alben bewusst etwas gekürzt und kompakter gemacht. Und "When Life gives you Lemons" und "The Family Sign" sind genau deswegen meine absoluten Lieblingsalben. Jetzt ist man wieder auf dem "Wir packen verdammt viel auf ein Album, die Leute werden das schon vertragen" Modus. Das ist aber auch ein absolutes Luxusproblem. Am Ende können sie voller Selbstvertrauen behaupten: "Another Masterpiece"

Platz 5: Spilif - Elouise: Spilif macht schon auf dem Opener "Das letzte Gefecht" klar: "Sie wählen die Waffe, ich wähle das Mic." Sie setzt jetzt voll und ganz auf die Musik. Gut so, denn Spilif ist ein brillianter MC. Auf die Leichtigkeit ihres Flows bin ich einfach nur neidisch. Dazu kommt die mittlerweile perfekt eingespielte Band, die dem Album auch musikalisch einen ganz eigenen, geschlossenen Vibe gibt. Auch wenn Spilif nur Musik "for the sake of it" machen würde, wäre das ein geiles Ding. "Get rich or die trying, still alive aber broke." 
Aber Spilif hat verdammt viel zu erzählen. "Schnee auf der Nordkette" ist der schönste und optimistschte Trennungssong des Jahres: "Ich glaub, ich würd dich wieder lieben, müsste ich nochmal." "Ozeanblau" verbreitet einen absurden Optimismus, ohne naiv zu klingen. In "halt den Moment an" besucht man die alten WGs und Wohnungen und fragt sich, wer da mittlerweile so wohnt. Und an der Stelle muss man über das Fiva Feature reden. Denn Fiva macht das, was Spilif hier liefert, seit 20 Jahren. Ich kann behaupten, dass ich bei beidem Fan der ersten Stunde bin. Und dann werfen die sich gegenseitig die Querreferenzen hin und her. Ein perfektes Feature, auf das ich seit 20 Jahren warte. "Regenbogen" erinnert uns an die Schönheit im Leben, für die wir "im Regelfall blind" sind. "Elouise" ist ein Loblied auf all die Frauen, die das Leben von Spilif geprägt haben. "Und immer wenn du lächelst, heilt ein kleiner Teil von mir, den du nie verwundet hast, aber repariert." Und auf dem Closer "ich hab's ja gesagt", feiert man den Fakt, dass das mit der Musik mittlerweile funktioniert, was dem Album einen perfekten Rahmen gibt. 

Platz 4: Blond - Ich träum doch nur von Liebe: Ein hoch auf die sexistische... ähm ich meine sächsische Prominenz. Schön dass es euch gibt. Und vor allem: Verdammt wichtig, dass es die gibt. Blond erfinden auf diesem Album ihr persönliches Rad nicht neu. Die Produktionen klingen etwas fetter, als vorher, aber im wesentlichen macht man rockige Popmusik. Und weiterhin versteckt sich hinter diesem Gewand eine militant feministische Haltung. Das Schlüsselstück ist dabei "16 Jahr, blondes Haar". Dem alten, weißen CIS Mann ist es echt unangenehm, wie Blond die Manipulation junger Mädchen durch wesentlich ältere Männer beschreibt. Genau dieser Aspekt hat bei der Rammstein-Debatte immer gefehlt. Dass die deutlich älteren Männer am Ende immer ihre Machtposition ausnutzen und das einfach Scheiße ist, wurde komplett ignoriert. Aber Rammstein Fans werden diesen Song halt nie hören.
"Gelenkiger" ist die feminisitsche Umsetzung eines 20 Jahre alten Michael Mittermeier Witzes... wie wäre es, wenn man sich selbst oral befriedigen könnte? Vor allem schaffen sie es, Sigmund Freud und Bernd das Brot in einen Text zu packen... "Girl Boss" kritisiert die kapitalistische Ausbeutung des Feminismus.  In"Bare Minimum" wird Johann dafür gefeiert, dass er ja immerhin ein bisschen was macht. Lotta und Nina skiziert übertrieben die "dreier Schieben mit Blond" Fantasie, mit der die beiden garantiert zu häufig konfrontiert wird. Wie gesagt: Militanten Feminismus gibt es zu genüge.
Und sonst so? SB-Kassen Lover ist einfach ein Banger, der in jedem Supermarkt laufen sollte. "Nichts ballert so wie du" ist, zur allgemeinen Überraschung, ein einfaches Liebeslied. Das "Liebe ist die härteste Droge" Bild ist wahrscheinlich so alt, wie die Musik an sich, aber das Blond ein Liebeslied schreibt, ist neu. "Fliederbusch" beschreibt gebrochene Versprechen der Jugend.
Blond besetzen weiterhin eine Nische, die leider unbedingt besetzt werden muss.

Platz 3: Joy Crookes - Juniper: Da ist es endlich: Das 2. Album von Joy Crookes. Und ja, irgendwie ist es schon ein "Southmore Slump" Album, aber auch nur, weil "Skin" eines meiner All Time Lieblingsalben ist. Da kommt Juniper nicht ran. 5 Jahre hat Joy gebraucht, bevor sie endlich wieder Musik veröffentlichen konnte. Gerade wenn man bedenkt, dass die ersten Demos schon 2022 in den sozialen Medien geteilt wurden, ist das eine verdammt lange Zeit. Aber sie musste den überraschenden und extremen Erfolg erstmal verarbeiten und sich etwas abschotten.
Dieses Album ist zurückhaltender als der Vorgänger. Aber es ist alles noch da, was die Künstlerin so großartig macht: Die eher raue Stimme, die treibenden Bässe, die hervorragenden Texte. Sie sind nur nicht mehr ganz so direkt, wie früher. Praktisches Beispiel: Eigentlich wollte Joy einen Song übers Kotzen als Sympthom phyischer Angst schreiben. Ein Problem, mit dem sie halt in den letzten Jahren zu kämpfen hat. Stattdessen kam "First Last Dance" heraus. Ein "Abschiedsbrief" an derartige Ängste.
Dabei kann Joy diese Ehrlichkeit noch auspacken, wenn es auf "Mathematics" heißt: "I'm pretty, but I'm miserable". In "House with a Pool" wird ebenfalls das Ende einer eher toxischen Beziehung verarbeitet. In "Perfect Crime" geht es damm darum, sich erneut zu verlieben, nachdem einem das Herz gebrochen wurde. Man kann dort schon nachvollziehen, was Joy in den letzten Jahren so durchlebt hat.
"Mother" ist der tiefgründigste Song des Albums. Hier geht es darum, wie einem die familiären und kulturellen Wurzeln prägen... und das muss nicht zwingend etwas positives sein. Dieses Auseinandersetzen mit den Wurzeln ist ja nach wie vor eines der Grundthemen in Joys Musik. In "Carmen" setzt sie sich mit den Schönheitsidealen auseinander, die sie selber nie erreichen wird, obwohl sie gerne würde. Joy Crookes zementiert mit diesem Album ihren Status als Ausnahmekünstlerin.

Platz 2: Waving the Guns - Zwischen Wand und Tapete: Eigentlich macht Milli Dance auf diesem Album nichts neues. Und sein wir kurz ehrlich: WTG ist mittlerweile das Solo-Projekt von Milli. Klar, Dub Dylan liefert noch den einen oder anderen Beat, aber er ist längst nicht mehr der Haus und Hof Produzent. Dafür geht es mit DJ Joaf und einem Schlagzeuger auf Tour. Joaf hat sachlich gesehen mehr Anteil an dem Album als Dub Dylan.
Das ist für mich aber etwas Gutes, denn auch wenn Milli wenig neues macht, so macht er doch einfach alles besser und kompakter, als auf dem letzten Album. "Tausend Autofahrer, die keine Rettungsgasse bilden, ereifern sich ungestüm über ein paar Festgeklebte." legt da das Grundniveau auf "Bigotterie" fest. Es geht inhaltlich richtig konkret zur Sache. "Munitionsbestand unauffindbar, gemeinsam mit sozialdemokratischen Rückrat" und "wirklich asozial ist es, dass Leute Milliarden besitzen." Nebenbei beweist Milli hier auch, dass er technisch auf einem neuen Level ist denn "Wir agitieren gegen dich, bis das Jugendwort des Jahres Arbeiterverräter ist" ist eine unfassbar gute Zeile, die aber eigentlich viel zu sperrig ist, um auf einen Beat zu passen... Aber Milli kriegt das hin. Er schafft es immer wieder komplexe Themen buchstäblich auf den Takt zu bringen. Wo Milli die Luft hernimmt, um all diese Sätze auch Live tight rüberzubringen ist einfach nicht nachvollziehbar.
Man könnte jetzt jeden Song durchgehen und krasse politische Statements aufzählen. Aber eigentlich muss man sich die ganzen Songs anhören, da diese Statements halt auch wirklich tief gehen können. Letztes Beispiel: "Milli, wieso hast du dazu geschwiegen? Hab ich nicht, ich hab nur nichts auf Insta dazu geschrieben" auf "Gesinngungschat".
Aber dann kommt kurz vorm Ende noch ein absoluter Überbänger: "In diesen Zeiten tanzen" stellt die elementare Frage: Wie kann eigentlich "Feste feiern, auch wenn das Land brennt"? Aber Milli kommt zum Schluss, dass das Böse dann gewinnt, wenn wir das nicht mehr machen. Eine brutal einfache Idee, die aber verdammt gut umgesetzt wurde.
WTG steht weiterhin für Linken Zeckenrap mit verdamm viel Substanz.

Platz 1: Storry - Chapter 2: Run: Da ist es endlich: Der 2. Teil von Storrys Triologie, auf die ich seit 2 Jahre gewartet habe. Und ich habe schon ein paar Mal überlegt, ob ich eigentlich eine Triggerwarnung in die Review packen muss... hier könnte es wirklich angemessen sein. Denn in diesem Album beschreibt Storry, wie sie für ihren Ex-Freund als Stripperin anschaffen musste. Und wie sie sich von ihrem Abuser befreit. Das ganze beginnt mit der letzten Zigarette, die man gemeinsam an einem Tisch raucht und bewegt sich von dort Stück für Stück in Richtung Freiheit. Dabei geht es um einiges expliziter zur Sache als beim Vorgängerwerk "The Come Up", wo Storry die Prostitution in der Musikbranche beschrieben hat. "Run" beginnt mit einem "I hope he loves you", aber wird verdammt schnell zu einer Warnung an die nächste Freundin. Denn es ist nicht davon auszugehen, dass der "Trafficker" seine Verhaltensweisen ändern wird. "Twisted Love" beschreibt, wie abgefuckt diese "Liebe" wirklich war und wie sie sich selbst runtergemacht hat, um in dieser Beziehung zu bleiben: "I'm commited to to this sick shit, I am twisted, I'm a misfit." "Who loves you know" beschreibt dann die Manipulation, die Storry erlebt hat. "You won't make it out this dream alive" klingt da nach einer verdammten Drohung. In "Turn me back on" geht es darum, wie schwer es ist, nach all diesen Erfahrungen wieder eine normale Beziehung zu führen. "Call Cain" ist dann die traurige Konsequenz aus dieser Beziehung: Man flieht in den Kokain- und Alkohol-Rausch. Hauptsache man muss nicht darüber nachdenken, was einem so passiert. Erst auf dem epischen "Monster" kann man sich dann wirklich befreien und landet schließlich wieder bei dem Bild von den "Cigarettes". Nur dass das jetzt die buchstäbliche Zigarette danach ist und man mittlerweile "nur" noch am Verarbeiten der Erfahrungen ist, sich aber von diesen gelöst hat.
Nebenbei bleibt festzuhalten, dass dieses Werk wirklich seit Jahren bei Storry rumlag. Also ich habe schon auf dem Reeperbahnfestival 2023 eine Piano Version von "Bum Bum" gehört. Wie schwer es war, dieses Werk wirklich zu vollenden und rauszubringen, will ich mir gar nicht vorstellen. Es ist aber auch musikalisch am Ende richtig, dass man sich die Zeit genommen habe. Denn der Vorgänger klang noch nach relativ straighter Popmusik, die halt von ernsteren Themen erzählt. Hier wird aber das ganz große Orchester ausgepackt, damit das Album dann auch richtig reinknallt. "Monster" als der beste Track wäre vor 5 Jahren bestimmt nicht so episch geworden. 
Chapter 2: Run ist ein Album, dass man definitiv am Stück hören muss. Und das man, auch wenn es teilweise richtig unangenehm ist, gehört haben sollte.