Hätte ich das ankündigen sollen? Oder war das offensichtlich?
Also ja, abgesehen von dem ewigen Thema "Handspiel oder nicht?" haben sich während dieser WM alle mehr oder weniger über das Zeitspiel aufgeregt... auch ein seit Jahrzehnten präsentes Problem, dass aber langsam so penetrant wird, dass es nicht mehr wirklich zu ertragen ist. Und dafür gibt es auch ganz sachliche Gründe.
Der erste ist halt, dass Schiedsrichter viel zu spät durchgreifen. Ähnlich wie bei den taktischen Fouls, wo auch nur jedes 5. entsprechend geahndet wird... was dann immer wieder dazu führt, dass das Spiel genau dann unterbrochen wird, wenn es interessant werden könnte...
Aber selbst wenn jedes mal, wenn der auszuwechselnde Spieler erst die Anweisungen des Stadionsprechers braucht um zu merken, dass er jetzt vom Platz muss, eine Verwarnung ausgesprochen wird... wird dadurch das Problem nicht gelöst. Denn als in Führung liegende Mannschaft guckst du dir die Leute, die sich da eine Verwarnung abholen, genau an... Wenn dein Torwart bereits Gelb belastet ist oder ihm eine Sperre droht... tut ihn auf ein Mal das Schussbein so sehr weh, dass ein Innen- oder Außenverteidiger den Abstoß ausführen muss. Also genau derjenige aus der Viererkette, der sich die Verwarnung am ehesten Leisten kann ohne gesperrt zu werden.
An der Stelle sei mal wieder auf die "taktische Glanzleistung" der Frankfurter in der Relegation 2016 hinzuweisen... wo sich David Abraham erst die Verwarnung für das Verzögern eines Abstoßes abholte und dann den Abstoß doch durch den Torwart Lukas Hradecky ausführen ließ.
Und auf einer sachlichen Ebene kann ich das den Frankfurtern gar nicht vorwerfen. Genau so muss man die Regeln halt ausnutzen, wenn die Regeln das hergeben. Und nur weil, was hier auch keine Neuigkeit ist, Fußball ein derart schlecht gecoachter Sport ist, ist es wenigstens halbwegs erträglich... Aber um das ein Mal festzuhalten: Nach derzeitiger Regelauslegung könntest du dir 11 Gelbe Karten fürs Zeitspiel abholen ohne den Ball ein Mal ins Spiel zu bringen. Was natürlich absurd wäre, weil es nur zu 10 Minuten Nachspielzeit nach dem Ende der Aktion führen würde. Aber technisch gesehen würde es gehen... vielleicht sollte das mal jemand durchziehen, damit der Fifa auffällt, wie bescheiden die Regeln da sind.
Das Problem ist halt: Selbst wenn ein Spieler sich dafür Verwarnen lässt, funktioniert Zeitspiel immer. Es ist immer das richtige taktische Mittel um einen knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen. Die einzigen Vorwürfe, die man der Mannschaft machen kann, sind moralische. Und bei einem Millionengeschäft wie der Bundesliga oder der Champions League mit Moralischen Ansprüchen zu kommen, ist schon dreist: Als Trainer muss man alles ausnutzen, was einem zu Verfügung steht. Die zur Verfügung stehenden Mittel zu beschränken ist nicht deren selbst auferlegte Aufgabe. Das ist die Aufgabe der Fifa, und die muss halt die Regeln ändern, wenn will, dass sich das Spiel ändert.
Das allergrößte Problem ist halt, dass selbst von der Verwarnung nur die auf Zeit spielende Mannschaft profitiert. Es ist meines Wissens nach noch nie passiert, dass ein wegen Zeitspiels verwarnter Spieler ungeplant im nächsten Spiel gesperrt wurde. Es gab die Phase, wo Barcelona bewusst solche Karten in den Hinspielen gesammelt hat, weil man sich dachte "Das 4:0 aus dem Hinspiel kriegen wir auch ohne dich verteidigt, sitze mal seine Strafe ab, damit du unbelastet in die nächste Runde gehen kannst"... Darmstadts legendäre "Wir sitzen unsere 5. Gelbe gegen die Bayern ab" Aktion ist da auf einem ähnliche "Level". Und dass ein derartiger Spieler noch mit Gelb-Rot vom Platz fliegt, dürfte in der Geschichte des Fußballs noch nie passiert sein. Also nicht mal angesprochener Abraham, der erst für das Zeitspiel Gelb und dann für die Unsportlichkeit zwingend Gelb-Rot hätte sehen müssen, wurde damals vom Platz gestellt... Und ja, das Regelwerk hätte genau das hergegeben... Aber es ist halt genau dasselbe Regelwerk, welches vorsieht, dass Neymar für seine Schauspieleinlagen verwarnt wird... Schade, dass sich niemand für dieses Buch interessiert...
Aber das ist ja auch das Dilemma des Schiedsrichters: Wenn er den Spieler verwarnt, spielt er seiner Mannschaft auch nur in die Karten. Denn die Ordnungsgemäße Aufnahme der Verwarnung dauert ja auch wieder seine 10 Sekunden, die runter von der Uhr sind.
Wenn selbst von den "Strafen" nur die auf Zeit spielende Mannschaft profitiert... und diese viel zu spät ausgesprochen werden... dann wird auf ein Mal klar, dass der Fußball vor einem riesigen Problem steht... Also zumindest sobald alle Beteiligten dies endgültig verstanden haben. Und dann dauert es nochmal 15 Jahre, bis die Regeln angepasst werden... wenn überhaupt.
Da könnte man natürlich jetzt schon ansetzen. Hier kommen also die nächsten Änderungsvorschläge, die wie alles andere sinnvolle natürlich definitiv ignoriert werden:
1.) Ein Spieler muss nicht dem 4. Referee die Hand geben, sondern hat das Feld auf dem direktesten Weg zu verlassen. Feiern lassen kann er sich dann, wenn er außen rum eine Ehrenrunde dreht... Faszinierender Weise geht dies ja, wenn ein Spieler Verletzungsbedingt schon neben dem Feld liegt. Und diese Regeländerung wäre so simple wie pragmatisch.
2.)Führt Kollektivstrafen ein. Klar, der DFB hat diese gerade erst für seine Fans abgeschafft. Was aber nicht bedeuten muss, dass sie auf dem Platz sinnlos sein müssen.
Anstatt einzelne Spieler fürs Zeitspiel zu verwarnen, kann man doch die gesamte Mannschaft verwarnen. Und dann mit steigenden Strafen belegen. Um das kurz an einem praktischen Beispiel deutlich zu machen: In der NBA gibt es so genannte "Delay of Game" Warnungen. Und das ist eine Sportart mit Nettospielzeit. Trotzdem darf man da ALS MANNSCHAFT ein Mal das Spiel verzögern. Beim 2. Mal gibt es dann einen Freiwurf für den Gegner. Man schenkt also seinem Gegner aktiv Punkte, wenn man das Spiel immer wieder verzögert.
Klar, in einer Sportart, in der beide Mannschaften regelmäßig über 100 Punkte in einem Spiel erzielen, hat das eine andere Bedeutung als im Fußball, wo ein Tor oftmals reicht. Trotzdem hat die Vorstellung etwas spannendes: Deine erste Auswechslung dauert länger als 10 Sekunden von dem Moment der Anzeige der Nummern bis der Spieler auf direkten Weg den Platz verlassen hat? 1. Warnung für die Verzögernde Mannschaft. Der Torwart lässt sich beim Abstoß ebenfalls mehr als 10 Sekunden Zeit, nachdem der Ball liegt? 2. Verwarnung, die zu einer entsprechenden Strafe führt. Sagen wir einen Eckball.
Sobald der Ball freigegeben wurde, was man sich als Schiedsrichter dann einfach angewöhnt, hat man 10 Sekunden Zeit den Ball auch zu spielen. Was meint ihr, wie schnell die dann das Spiel fortsetzen, wenn der Gegner im Zweifelsfall eine gute Torgelegenheit bekommt. Optional kann man ja mit jeder weiteren Verwarnung das Strafmaß steigern, bis es dann beim 5. Mal Elfmeter gibt.
3.) Macht aus dem derzeitigen "Zeitspiel" kein "Vergehen", sondern ein "Foulspiel"... welches mit direktem Freistoß geahndet wird. Wenn ein Torwart dann die "Spiel endlich den Ball" Ansage des Schiedsrichters ignoriert, gibt es halt Elfmeter für den Gegner. Allein schon die Drohkulisse einen Elfmeter abzugeben wird jegliches Zeitspiel der Torhüter konsequent unterbinden. Und auch einen direkten Freistoß tief in der eigenen Hälfte wird niemand abgeben wollen. Einzig wenn man in der Gegnerischen Hälfte unterwegs ist, wird die Idee auf Zeit zu spielen dann überhaupt relevant. Da fragt man sich dann als Schwede im Achtelfinale, ob man den Freistoß ausführen sollte, oder doch einfach die Verwarnung in Kauf nimmt und den Ball abgibt.
Ganz ehrlich... dass Zeitspiel nicht in irgendeiner Form zum direkten Ballverlust führt, ist ein riesiges Rätsel für mich. Die Mannschaft, die sich dieses Mittels bedient, hat offensichtlich keinerlei Interesse an Ballbesitz. Oder an Fußballspielen im Allgemeinen. Da muss man doch als Fifa eine Möglichkeit finden, ihnen das Spielgerät, welches sie nicht nutzen wollen, abzunehmen.
Es muss ja nicht direkt einen Elfmeter dafür geben. Von mir aus gebt ihnen einen Freistoß am Anstoßpunkt. Um einen wirklich vernünftigen 4. Vorschlag zu machen. Aber nehmt der Mannschaft, die sich aktiv weigert am Spiel teilzunehmen, den verdammten Ball weg... Das ist das mindeste, was die Opfer des Zeitspiels verdient hätten.
Aber hey, das wird ausgehen wie immer: Da jetzt alle mal hingesehen haben (und wirklich Livespiele und nicht nur Zusammenfassungen gesehen haben), regt man sich kurz auf, kommt mit der Moralkeule, dass sich das nicht gehört, aber niemand macht mal wirklich konstruktive Vorschläge, wie man das Regelwerk ändern könnte. Bis wir in 2 Jahren vor denselben Problemen stehen.
Donnerstag, 19. Juli 2018
Mittwoch, 18. Juli 2018
2 Grundprobleme hat auch diese WM nicht gelöst
Obwohl sie als Großes und Ganzes echt gut war. Vor allem natürlich, dass sie bewiesen hat, dass nicht der Videoassistent, sondern die Arroganz des DFBs bei der Umsetzung das Problem war... und hinterher denkt man sich: Warum wurde das nicht in der 2. Liga getestet? Und warum hat man sich dabei so dumm angestellt, wobei es doch so einfach gewesen wäre... Wenn man die Regeln vorher ordentlich festgelegt und sich dann dran gehalten hätte...
Das faszinierendste war ja: Das "Es gibt einen unberechtigten Freistoß-Pfiff der zu einem Tor führt, müssen wir den jetzt zurück nehmen" Phänomen ist ja wirklich aufgetreten. Im Finale... wie oft habe ich darauf hingewiesen, dass es Bullshit ist, bei einem Foulspiel in der Torentstehung (wie in der Bundesliga oftmals getan, siehe Pokal-Finale) den Videobeweis anzuwenden, aber bei einer Fehlentscheidung, die zu einem Standard-Tor führt, nicht?
Aber bei der WM war klar geklärt: Nur bei der direkten Torerzielung und nicht bei einem Zweikampf vorher wird eingegriffen. So wurde es bei Diego Costas Tor gegen Portugal durchgezogen. Und so wurde es auch im Finale angewendet. Deswegen wurde über den falschen Freistoßpfiff auch quasi gar nicht diskutiert: Solche Fehlentscheidungen passieren halt mal...
Oh und man eine Lösung für das "eine Falsche Abseitsentscheidung ist schwer zurückzunehmen" Problem gelöst, in dem die Schiedsrichter im Zweifelsfall später die Fahne gehoben haben. Da muss man sich zwar dran gewöhnen, aber der Ansatz ist der einzig mögliche...
Nebenbei hat die WM mit dem Mythos aufgeräumt, dass der Videobeweis die Emotionen auf dem Spielfeld töten würde. Denn seit ganz ehrlich: Ihr wisst alle genau wo ihr am 27.06.2018 um 17:51 gewesen seid und wer neben euch saß... wahrscheinlich genau so gut wie ihr euch daran erinnert, wo ihr am 13.07.2014 um 23:24 gewesen seid. Ok, ich muss ja zugeben, dass es bei mir einfach ist, weil ich an exakt demselben Ort saß... aber Details.
Ganz Deutschland starrte wie gebannt auf eine Leinwand und wartete auf die Entscheidung des Schiedsrichters: Wir der Traum des späten Glückstores weiterleben oder das Ausscheiden endgültig besiegelt? Und da es sich um einen der großen Titelfavoriten hielt, hing man nicht nur in Deutschland zitternd vor den Geräten...
Ich habe mir das Vergnügen gegönnt, nicht so sehr auf die Fernsehbilder zu achten (Dass es ein Tor geben muss, war mir eigentlich in Originalgeschwindigkeit klar), sondern auf die Reaktionen der Zuschauer in der Bar meines Vertrauens. Das Knistern war förmlich greifbar. Das Fluchen hinterher auch nicht leiser als sonst, wenn Deutschland ausscheidet. Die Emotionen waren also voll in Takt, nur ein wenig anders, als man es gewohnt war...
Aber kommen wir zum ersten der 2 Grundprobleme, die auch der Videobeweis nicht lösen kann: Was ist eigentlich ein Handspiel. In Kroatien werden sie in 100 Jahren noch behaupten, dass der Videobeweis beim Elfmeter unangebracht war, weil es keine klare Fehlentscheidung war. In Frankreich werden sie dagegen ein eindeutiges Handspiel gesehen haben, das definitiv geahndet werden muss. Und das lustige daran ist: Beide haben recht.
Das Problem ist halt: Es war definitiv ein Handspiel. Und es kann keiner abschätzen, ob ohne das Handspiel der Verteidiger hinter dem Kroaten überrascht den Ball reinstochert... oder ob er ihn verpasst und der Französische Angreifer das 2:1 macht.
Das Handspiel mit vergrößerter Körperfläche unterbindet auf jeden Fall ein größeres Chaos im Strafraum. Was immer etwas gutes für die Verteidigende Mannschaft ist.
Auf der anderen Seite kommt der Ball aus einer derart kurzen Distanz... Wie soll der Verteidiger da reagieren. Da kann ihm doch keiner Absicht unterstellen...
Das ist halt das grundlegende Dilemma des Fußballs: Man kann, wenn man die Vereinsbrille absetzt, immer wieder die beiden aus der Vereinssicht argumentierenden Teilnehmer verstehen.
Aber das eigentliche Problem ist ja nicht das Handspiel an und für sich. Wenn Ivan Perisic den Ball außerhalb des Strafraums so abblockt, wird über ein Handspiel nicht diskutiert werden. Also mir fällt spontan eine einzige Situation ein, in der dies passierte: in der Relegation Karlsruhe - Hamburg. Aber ich sag das mal so: Das ist Relegation, da hat man als Karlsruhe immer recht, wenn man sich aufregt...
Bei einem sind sich doch sicher alle einig: Ein Elfmeter für ein derart unglückliches Handspiel ist eine extrem harte Strafe. Das würde sogar ein Franzose gegenüber einem Kroaten zugeben. Und genau das ist das ganz große Problem.
Den Lösungsvorschlag werden die paar Hanseln, die diesen Blog seit längerem verfolgen, auch schon kennen. Man kann halt nicht immer das Rad neu erfinden. Aber in dem Fall wäre es extrem einfach, jegliche Diskussion ums Handspiel im Strafraum zumindest zu entspannen: Wenn es eine eindeutige, aktive Bewegung zum Ball gibt (siehe Luiz Suarez 2010 gegen Ghana) gibt es Elfmeter. Das wird niemand wirklich ernsthaft in Frage stellen wollen. Aber wenn die Hand nicht aktiv zum Ball geht, gibt es einfach indirekten Freistoß. Also ungefähr so, als würde der Torhüter einen Rückpass aufnehmen. Oder ein Verteidiger mit dem Fuß auf Kopfhöhe zum Ball gehen, das Gesicht des Gegners allerdings nicht treffen.
Dann kriegt man als Franzose genau das Getümmel vorm Strafraum, welches durchs Handspiel unterbunden wurde. Und als Kroate bekommt man eine faire Chance aus dem Getümmel glücklich hervor zugehen.
Indirekte Freistöße im Strafraum sind sowieso ein viel zu selten genutztes Mittel. Man sollte als Fifa immer Regeln einführen, die derartiges fördern. Weil es einerseits einen absurden Unterhaltungswert hat... endlich mal eine Szene, die sich deutlich vom sonstigen Ballgeschiebe abhebt... Und weil sie andererseits zeigt, welche Trainer seine Mannschaften wirklich gut vorbereitet. Denn die schlechten Trainer werden ihre Mannschaften den Ball blind in die 10 Mann Mauer hämmern lassen und hoffen, dass der durchrutscht... Die guten Trainer werden sich überlegen, wie man aus dieser Situation eine bessere Abschlussgelegenheit für seine Angreifer kreiert. Was zu mehr kreativen Standartsituationen führen sollte... ich sage bewusst sollte, weil es halt so wenige gute Trainer gibt...
Und wenn jetzt einer mit dem "Dann fangen die Stürmer ja an bewusst die Verteidiger anzuschießen" kommt... glaubt ihr, das machen die jetzt nicht? Wie oft wird den pro Spiel ein Verteidiger im Strafraum angeschossen und es gehen sofort die Reklamationen los?
Dadurch, dass die Regeln einheitlich und eindeutig werden, löst man das ganz große Dilemma für den Schiedsrichter: Die ewige Frage "Reicht das für einen Strafstoß"... die nebenbei eigentlich völlig absurd ist. Denn das Regelwerk macht, abgesehen vom Torwart, keinen Unterschied ob etwas im oder außerhalb des Strafraums passiert. Theoretisch muss man jeden Zweikampf, jedes Halten, jede Kleinigkeit, die man im Mittelkreis abpfeift, auch im Strafraum ahnden... das macht aber natürlich keiner...
Zumindest beim Handspiel könnte man es den Schiedsrichtern erleichtern, in dem man ihnen die Möglichkeit gibt das offensichtliche Vergehen (der Sport heißt nicht ohne Grund "Fußball", das Foul steckt an der Stelle buchstäblich im Namen) in einem angemessenen Rahmen zu bestrafen...
Aber das werden wir nicht mehr erleben... Schade eigentlich. Es wäre so einfach...
Das faszinierendste war ja: Das "Es gibt einen unberechtigten Freistoß-Pfiff der zu einem Tor führt, müssen wir den jetzt zurück nehmen" Phänomen ist ja wirklich aufgetreten. Im Finale... wie oft habe ich darauf hingewiesen, dass es Bullshit ist, bei einem Foulspiel in der Torentstehung (wie in der Bundesliga oftmals getan, siehe Pokal-Finale) den Videobeweis anzuwenden, aber bei einer Fehlentscheidung, die zu einem Standard-Tor führt, nicht?
Aber bei der WM war klar geklärt: Nur bei der direkten Torerzielung und nicht bei einem Zweikampf vorher wird eingegriffen. So wurde es bei Diego Costas Tor gegen Portugal durchgezogen. Und so wurde es auch im Finale angewendet. Deswegen wurde über den falschen Freistoßpfiff auch quasi gar nicht diskutiert: Solche Fehlentscheidungen passieren halt mal...
Oh und man eine Lösung für das "eine Falsche Abseitsentscheidung ist schwer zurückzunehmen" Problem gelöst, in dem die Schiedsrichter im Zweifelsfall später die Fahne gehoben haben. Da muss man sich zwar dran gewöhnen, aber der Ansatz ist der einzig mögliche...
Nebenbei hat die WM mit dem Mythos aufgeräumt, dass der Videobeweis die Emotionen auf dem Spielfeld töten würde. Denn seit ganz ehrlich: Ihr wisst alle genau wo ihr am 27.06.2018 um 17:51 gewesen seid und wer neben euch saß... wahrscheinlich genau so gut wie ihr euch daran erinnert, wo ihr am 13.07.2014 um 23:24 gewesen seid. Ok, ich muss ja zugeben, dass es bei mir einfach ist, weil ich an exakt demselben Ort saß... aber Details.
Ganz Deutschland starrte wie gebannt auf eine Leinwand und wartete auf die Entscheidung des Schiedsrichters: Wir der Traum des späten Glückstores weiterleben oder das Ausscheiden endgültig besiegelt? Und da es sich um einen der großen Titelfavoriten hielt, hing man nicht nur in Deutschland zitternd vor den Geräten...
Ich habe mir das Vergnügen gegönnt, nicht so sehr auf die Fernsehbilder zu achten (Dass es ein Tor geben muss, war mir eigentlich in Originalgeschwindigkeit klar), sondern auf die Reaktionen der Zuschauer in der Bar meines Vertrauens. Das Knistern war förmlich greifbar. Das Fluchen hinterher auch nicht leiser als sonst, wenn Deutschland ausscheidet. Die Emotionen waren also voll in Takt, nur ein wenig anders, als man es gewohnt war...
Aber kommen wir zum ersten der 2 Grundprobleme, die auch der Videobeweis nicht lösen kann: Was ist eigentlich ein Handspiel. In Kroatien werden sie in 100 Jahren noch behaupten, dass der Videobeweis beim Elfmeter unangebracht war, weil es keine klare Fehlentscheidung war. In Frankreich werden sie dagegen ein eindeutiges Handspiel gesehen haben, das definitiv geahndet werden muss. Und das lustige daran ist: Beide haben recht.
Das Problem ist halt: Es war definitiv ein Handspiel. Und es kann keiner abschätzen, ob ohne das Handspiel der Verteidiger hinter dem Kroaten überrascht den Ball reinstochert... oder ob er ihn verpasst und der Französische Angreifer das 2:1 macht.
Das Handspiel mit vergrößerter Körperfläche unterbindet auf jeden Fall ein größeres Chaos im Strafraum. Was immer etwas gutes für die Verteidigende Mannschaft ist.
Auf der anderen Seite kommt der Ball aus einer derart kurzen Distanz... Wie soll der Verteidiger da reagieren. Da kann ihm doch keiner Absicht unterstellen...
Das ist halt das grundlegende Dilemma des Fußballs: Man kann, wenn man die Vereinsbrille absetzt, immer wieder die beiden aus der Vereinssicht argumentierenden Teilnehmer verstehen.
Aber das eigentliche Problem ist ja nicht das Handspiel an und für sich. Wenn Ivan Perisic den Ball außerhalb des Strafraums so abblockt, wird über ein Handspiel nicht diskutiert werden. Also mir fällt spontan eine einzige Situation ein, in der dies passierte: in der Relegation Karlsruhe - Hamburg. Aber ich sag das mal so: Das ist Relegation, da hat man als Karlsruhe immer recht, wenn man sich aufregt...
Bei einem sind sich doch sicher alle einig: Ein Elfmeter für ein derart unglückliches Handspiel ist eine extrem harte Strafe. Das würde sogar ein Franzose gegenüber einem Kroaten zugeben. Und genau das ist das ganz große Problem.
Den Lösungsvorschlag werden die paar Hanseln, die diesen Blog seit längerem verfolgen, auch schon kennen. Man kann halt nicht immer das Rad neu erfinden. Aber in dem Fall wäre es extrem einfach, jegliche Diskussion ums Handspiel im Strafraum zumindest zu entspannen: Wenn es eine eindeutige, aktive Bewegung zum Ball gibt (siehe Luiz Suarez 2010 gegen Ghana) gibt es Elfmeter. Das wird niemand wirklich ernsthaft in Frage stellen wollen. Aber wenn die Hand nicht aktiv zum Ball geht, gibt es einfach indirekten Freistoß. Also ungefähr so, als würde der Torhüter einen Rückpass aufnehmen. Oder ein Verteidiger mit dem Fuß auf Kopfhöhe zum Ball gehen, das Gesicht des Gegners allerdings nicht treffen.
Dann kriegt man als Franzose genau das Getümmel vorm Strafraum, welches durchs Handspiel unterbunden wurde. Und als Kroate bekommt man eine faire Chance aus dem Getümmel glücklich hervor zugehen.
Indirekte Freistöße im Strafraum sind sowieso ein viel zu selten genutztes Mittel. Man sollte als Fifa immer Regeln einführen, die derartiges fördern. Weil es einerseits einen absurden Unterhaltungswert hat... endlich mal eine Szene, die sich deutlich vom sonstigen Ballgeschiebe abhebt... Und weil sie andererseits zeigt, welche Trainer seine Mannschaften wirklich gut vorbereitet. Denn die schlechten Trainer werden ihre Mannschaften den Ball blind in die 10 Mann Mauer hämmern lassen und hoffen, dass der durchrutscht... Die guten Trainer werden sich überlegen, wie man aus dieser Situation eine bessere Abschlussgelegenheit für seine Angreifer kreiert. Was zu mehr kreativen Standartsituationen führen sollte... ich sage bewusst sollte, weil es halt so wenige gute Trainer gibt...
Und wenn jetzt einer mit dem "Dann fangen die Stürmer ja an bewusst die Verteidiger anzuschießen" kommt... glaubt ihr, das machen die jetzt nicht? Wie oft wird den pro Spiel ein Verteidiger im Strafraum angeschossen und es gehen sofort die Reklamationen los?
Dadurch, dass die Regeln einheitlich und eindeutig werden, löst man das ganz große Dilemma für den Schiedsrichter: Die ewige Frage "Reicht das für einen Strafstoß"... die nebenbei eigentlich völlig absurd ist. Denn das Regelwerk macht, abgesehen vom Torwart, keinen Unterschied ob etwas im oder außerhalb des Strafraums passiert. Theoretisch muss man jeden Zweikampf, jedes Halten, jede Kleinigkeit, die man im Mittelkreis abpfeift, auch im Strafraum ahnden... das macht aber natürlich keiner...
Zumindest beim Handspiel könnte man es den Schiedsrichtern erleichtern, in dem man ihnen die Möglichkeit gibt das offensichtliche Vergehen (der Sport heißt nicht ohne Grund "Fußball", das Foul steckt an der Stelle buchstäblich im Namen) in einem angemessenen Rahmen zu bestrafen...
Aber das werden wir nicht mehr erleben... Schade eigentlich. Es wäre so einfach...
Montag, 16. Juli 2018
Der Weltmeister der Herzen ist...
Dänemark. Ganz klar: Dänemark. Warum? Nun ja, sie waren die einzige Mannschaft, die gegen Frankreich und Kroatien spielte und beide Duelle nicht verloren hat. Damit sind sie eindeutig die beste Mannschaft des Turniers.
Ganz ehrlich... ich kann den ganzen "Weltmeister der Herzen" Hype, der zumindest durch meine Sozialen Medien geht, nicht nachvollziehen... Warum soll mir diese Mannschaft, die die meisten Gelben Karten gesammelt hat, sympathisch sein? Und an der Stelle muss nochmal zwingend erwähnt werden: Lucas und Kanté sahen für ihre ersten taktischen Fouls direkt Gelb... Dass die Kroaten einen schnellen Gegenangriff von Mbappé noch tief in der französischen Hälfte unterbanden, ohne dafür Gelb zu sehen, ging dagegen komplett unter... Bei den einen gab's für das unterbinden von Angriffsgelegenheiten sofort Gelb, bei den anderen nicht... ich erwähn's ja nur, bevor alle über den falschen Freistoßpfiff heulen...
Oder diese Nation, die zuletzt 1998 ein K.O. Spiel nach 90 Minuten gewonnen hat... oh... ja... natürlich sind die sympathisch, die haben damals Deutschland geschlagen... hätte ich fast vergessen... Ich wusste nur nicht, dass der "Wer Deutschland schlägt, ist mir auf ewig sympathisch" Ansatz fürs ganze Land gilt...
Oder diese Nation, die gegen die schon erwähnten Dänen und Russland ein Elfmeterschießen benötigten um das Weiterkommen zu sichern... Und dann beeindruckender Weise im Halbfinale die Mannschaft war, die nach der 60 Minute noch Benzin im Tank hatte... Die zulegen konnte, während England abgebaut hat...
Man stelle sich vor, die Russen hätten das gemacht... Also die Engländer trotz zusätzlicher Verlängerung am Ende in Grund und Boden gerannt... da hätten alle sofort einen Dopingverdacht gerochen... aber bei den Kroaten... also ehrlich... das würden die doch nie...
Dass immer genau vor den Russland-Spielen ein großer Bericht übers Doping in unsere Wohnzimmer gesendet wurde, aber der Sport sonst immer sauber war, war ein sehr subtiles Mittel der Beweisführung, wer denn hier die Bösen sind...
Oder die Nation, die auf dem Weg ins Finale auf eine einzige "gute Nation" traf. Mit Argentinien warf man einen Titelfavoriten raus. Bezeichnender Weise auch in ihrem einzigen wirklich guten Spiel des Turniers... An sonsten gab es Mannschaften als Gegner, die mit dem Erreichen eines Achtelfinales zufrieden gewesen wären... und ja, auch England fällt in diese Kategorie: Die hatten starke Standards... und das war's.
Ich meine ganz ehrlich... stellt euch mal vor eine andere, traditionellere Nation hätte sich so durchs Turnier gemogelt... und immer wieder mit geschickten taktischen Fouls den Spielfluss unterbrochen, ohne dass jemals ein Spieler gesperrt wird... Und hätte dann trotzdem immer wieder unfassbar viel Glück gebraucht... anders ausgedrückt: Stellt euch vor, wir würden über Deutschland aus dem Jahr 2002 reden... Nur mit Michael Ballack im Finale... Da würde niemand behaupten, dass die irgendwie sympathisch waren... das ist einem selbst als Deutscher irgendwie bewusst...
Aber weil die Kroaten so schön klein sind... setzen wir da andere Maßstäbe an...
Und versteht mich nicht falsch: Ich habe allerhöchsten Respekt vor der Leistung der Kroaten. Die haben es nicht nur geschafft, eine herausragende Generation an Fußballern auszubilden... sie haben es auch geschafft aus dieser Mannschaft eine Einheit zu bilden... also abgesehen von dem einen, den sie Heim geschickt haben... aber Details.
Dass die Starspieler und Champions League Sieger Luka Modric und Ivan Rakitic sich so ins Kollektiv dieser Mannschaft eingebracht haben, ist keine Selbstverständlichkeit. Dass sie ihre Fähigkeiten genutzt haben um andere (schlechtere) Spieler ins Laufen zu kriegen... und ja, die Kroaten hatten nur diese 2 Weltklasse Leute. Dazu Mandzukic, Brozovic und Perisic, denen man internationale Klasse attestieren kann... Der Rest waren eher Mitläufer.
Und es ist ja nicht so, dass diese Generation der Kroaten nicht vorher oft genug gescheitert wäre... Eher im Gegenteil: Bevor Zlatko Dalic das Team übernahm, war man auf dem Besten Weg in der Qualifikation zu scheitern... Mit diesem Trainer ging es dann plötzlich erstaunlich weit. Da kann man mal sehen, was ein wirklich guter Trainer für Auswirkungen haben kann... Nicht, dass wir das zeitnah erfahren werden, wir verlassen uns weiterhin auf das Talent in der Truppe... reicht ja meistens auch...
Aber überlegt einfach mal, wie viele Starspieler bei dieser WM entweder mit der Gesamtsituation überforder waren wie Sadio Mané... oder eher die Diva raushingen ließen wie Robert Lewandowski... oder eine Mischung aus beidem wie Mohamed Salah und Lionel Messi... Oder die sich gesagt haben: 94 gute Minuten müssen reichen, ich muss ja noch nen Umzug planen wie Cristiano Ronaldo... Es gab erstaunlich viele Starspieler, die ihre persönlichen Interessen in den Vordergrund gestellt haben... die haben dann weder ihre Leistung gebracht noch ihre Mitspieler besser gemacht.
Die beiden Kroaten haben da wirklich herausragendes geleistet... aber auch verdammt viel Glück gehabt.
Und sie waren als Kollektiv verdammt weit davon entfernt wirklich ansehnlichen Fußball zu spielen. Genau so wie die Franzosen. Auch Didier Deschamps hat es geschafft, seine Individualisten hervorragend ins Kollektiv einzuordnen, ohne ihnen ihre Stärken zu nehmen... und all die Stars haben da mitgezogen... Man könnte behaupten, diese WM war eine reine Kollektivstrafe für den neutralen Zuschauer.
Vor beiden Mannschaften habe ich höchsten Respekt. Aber unter dem Titel "Weltmeister der Herzen" verstehe ich was anderes...
Und das ist irgendwie auch das eigentliche Problem: Genau der fehlt dieses Jahr extrem. Diese Mannschaft, wo man hinterher als neutraler Fußballer sagen kann: Boah, die haben geilen Fußball gespielt, die hätten mehr verdient gehabt. Die haben mich mit erfrischenden Angriffsfußball überzeugt... es war halt die WM des eiskalten Pragmatismus...
Am Ende standen die beiden Mannschaften, die diesen Pragmatismus perfektioniert hatten, verdient im Finale. Und die pragmatischere der beiden gewann den Titel.
Ganz ehrlich... ich kann den ganzen "Weltmeister der Herzen" Hype, der zumindest durch meine Sozialen Medien geht, nicht nachvollziehen... Warum soll mir diese Mannschaft, die die meisten Gelben Karten gesammelt hat, sympathisch sein? Und an der Stelle muss nochmal zwingend erwähnt werden: Lucas und Kanté sahen für ihre ersten taktischen Fouls direkt Gelb... Dass die Kroaten einen schnellen Gegenangriff von Mbappé noch tief in der französischen Hälfte unterbanden, ohne dafür Gelb zu sehen, ging dagegen komplett unter... Bei den einen gab's für das unterbinden von Angriffsgelegenheiten sofort Gelb, bei den anderen nicht... ich erwähn's ja nur, bevor alle über den falschen Freistoßpfiff heulen...
Oder diese Nation, die zuletzt 1998 ein K.O. Spiel nach 90 Minuten gewonnen hat... oh... ja... natürlich sind die sympathisch, die haben damals Deutschland geschlagen... hätte ich fast vergessen... Ich wusste nur nicht, dass der "Wer Deutschland schlägt, ist mir auf ewig sympathisch" Ansatz fürs ganze Land gilt...
Oder diese Nation, die gegen die schon erwähnten Dänen und Russland ein Elfmeterschießen benötigten um das Weiterkommen zu sichern... Und dann beeindruckender Weise im Halbfinale die Mannschaft war, die nach der 60 Minute noch Benzin im Tank hatte... Die zulegen konnte, während England abgebaut hat...
Man stelle sich vor, die Russen hätten das gemacht... Also die Engländer trotz zusätzlicher Verlängerung am Ende in Grund und Boden gerannt... da hätten alle sofort einen Dopingverdacht gerochen... aber bei den Kroaten... also ehrlich... das würden die doch nie...
Dass immer genau vor den Russland-Spielen ein großer Bericht übers Doping in unsere Wohnzimmer gesendet wurde, aber der Sport sonst immer sauber war, war ein sehr subtiles Mittel der Beweisführung, wer denn hier die Bösen sind...
Oder die Nation, die auf dem Weg ins Finale auf eine einzige "gute Nation" traf. Mit Argentinien warf man einen Titelfavoriten raus. Bezeichnender Weise auch in ihrem einzigen wirklich guten Spiel des Turniers... An sonsten gab es Mannschaften als Gegner, die mit dem Erreichen eines Achtelfinales zufrieden gewesen wären... und ja, auch England fällt in diese Kategorie: Die hatten starke Standards... und das war's.
Ich meine ganz ehrlich... stellt euch mal vor eine andere, traditionellere Nation hätte sich so durchs Turnier gemogelt... und immer wieder mit geschickten taktischen Fouls den Spielfluss unterbrochen, ohne dass jemals ein Spieler gesperrt wird... Und hätte dann trotzdem immer wieder unfassbar viel Glück gebraucht... anders ausgedrückt: Stellt euch vor, wir würden über Deutschland aus dem Jahr 2002 reden... Nur mit Michael Ballack im Finale... Da würde niemand behaupten, dass die irgendwie sympathisch waren... das ist einem selbst als Deutscher irgendwie bewusst...
Aber weil die Kroaten so schön klein sind... setzen wir da andere Maßstäbe an...
Und versteht mich nicht falsch: Ich habe allerhöchsten Respekt vor der Leistung der Kroaten. Die haben es nicht nur geschafft, eine herausragende Generation an Fußballern auszubilden... sie haben es auch geschafft aus dieser Mannschaft eine Einheit zu bilden... also abgesehen von dem einen, den sie Heim geschickt haben... aber Details.
Dass die Starspieler und Champions League Sieger Luka Modric und Ivan Rakitic sich so ins Kollektiv dieser Mannschaft eingebracht haben, ist keine Selbstverständlichkeit. Dass sie ihre Fähigkeiten genutzt haben um andere (schlechtere) Spieler ins Laufen zu kriegen... und ja, die Kroaten hatten nur diese 2 Weltklasse Leute. Dazu Mandzukic, Brozovic und Perisic, denen man internationale Klasse attestieren kann... Der Rest waren eher Mitläufer.
Und es ist ja nicht so, dass diese Generation der Kroaten nicht vorher oft genug gescheitert wäre... Eher im Gegenteil: Bevor Zlatko Dalic das Team übernahm, war man auf dem Besten Weg in der Qualifikation zu scheitern... Mit diesem Trainer ging es dann plötzlich erstaunlich weit. Da kann man mal sehen, was ein wirklich guter Trainer für Auswirkungen haben kann... Nicht, dass wir das zeitnah erfahren werden, wir verlassen uns weiterhin auf das Talent in der Truppe... reicht ja meistens auch...
Aber überlegt einfach mal, wie viele Starspieler bei dieser WM entweder mit der Gesamtsituation überforder waren wie Sadio Mané... oder eher die Diva raushingen ließen wie Robert Lewandowski... oder eine Mischung aus beidem wie Mohamed Salah und Lionel Messi... Oder die sich gesagt haben: 94 gute Minuten müssen reichen, ich muss ja noch nen Umzug planen wie Cristiano Ronaldo... Es gab erstaunlich viele Starspieler, die ihre persönlichen Interessen in den Vordergrund gestellt haben... die haben dann weder ihre Leistung gebracht noch ihre Mitspieler besser gemacht.
Die beiden Kroaten haben da wirklich herausragendes geleistet... aber auch verdammt viel Glück gehabt.
Und sie waren als Kollektiv verdammt weit davon entfernt wirklich ansehnlichen Fußball zu spielen. Genau so wie die Franzosen. Auch Didier Deschamps hat es geschafft, seine Individualisten hervorragend ins Kollektiv einzuordnen, ohne ihnen ihre Stärken zu nehmen... und all die Stars haben da mitgezogen... Man könnte behaupten, diese WM war eine reine Kollektivstrafe für den neutralen Zuschauer.
Vor beiden Mannschaften habe ich höchsten Respekt. Aber unter dem Titel "Weltmeister der Herzen" verstehe ich was anderes...
Und das ist irgendwie auch das eigentliche Problem: Genau der fehlt dieses Jahr extrem. Diese Mannschaft, wo man hinterher als neutraler Fußballer sagen kann: Boah, die haben geilen Fußball gespielt, die hätten mehr verdient gehabt. Die haben mich mit erfrischenden Angriffsfußball überzeugt... es war halt die WM des eiskalten Pragmatismus...
Am Ende standen die beiden Mannschaften, die diesen Pragmatismus perfektioniert hatten, verdient im Finale. Und die pragmatischere der beiden gewann den Titel.
Mittwoch, 11. Juli 2018
Um die ganze Sache ad absurdum zu führen
Und nur dafür ist diese WM ja da:
Wir erleben heute Abend das Duell zweier grundlegend unterschiedlicher Mannschaften. Also einfach nur, was eine ganz einfache Statistik anbelangt.
Die eine der beiden Teilnehmer hat sich bisher vorbildlich verhalten. Sie hat in 5 Spielen ganze 5 Gelbe Karten gesammelt. Um diese Zahl zu relaivieren: 15 Mannschaften kommen in weniger Spielen auf mehr...
Auf der anderen Seite der Fair Play Wertung... Haben wir das Team mit den meisten Gelben Karten des Turniers... nämlich 12...
Jetzt ratet mal, wer mit einem Vorteil für sein Vorbildliches Verhalten ins Halbfinale geht? Natürlich niemand, das wäre ja... unfair? Also das wollen wir ja nicht...
Vielleicht hilft ja der Kicker-Ticker aus der 38. Minute vom Spiel Russland - Kroatien um zu verdeutlichen, was ich meine: Nächste Gelbe, wieder nach taktischem Foul. Strinic hatte bei Samedov einen Textiltest vorgenommen.
Yapp... abgesehen von dem Torjubel von Domagoj Vida bekam Kroatien im Viertelfinale 3 Gelbe Karten, weil sie gute Angriffsgelegenheiten der Gegner durch taktische Foulspiele oder ein Handspiel in Strafraumnähe unterbanden... Zwischenzeitlich im Minutentakt.
Und jetzt können sie sich nachher wieder 4 taktische Fouls leisten und dafür Verwarnungen sammeln... denn wen interessiert's? Und ja, wenn Lovren oder Strinic nachher wieder einen schnellen Gegenangriff mit einem taktische Foul unterbinden... oder sich in der Schlussphase dreistes Zeitspiel erlauben... dann wird die hier oft angesprochene "Michael Ballack Regel" endgültig ins Lächerliche gezogen. Denn er so was 2 Spiele hintereinander macht, der gehört verdammt nochmal gesperrt. Das ist doch Alternativlos...
Und ja, die Engländer haben es bisher echt im Vergleich zu den Kroaten vermieden solche Aktionen zu bringen. Die haben sich lieber noch nen unmotiviertes Gegentor in der Schlussminute gefangen als den Gegner im Mittelfeld umzulegen. Obwohl sie ein emotional herausforderndes Spiel gegen die Kolumbiern in den Knochen haben... Ganz ehrlich... dafür muss man denen doch irgendwie belohnen...
Und sei es nur, dass sich die 4er-Kette der Kroaten am Ende, falls sie denn führen, kein Zeitspiel erlauben kann... das wäre doch das mindeste...
Damit liefere ich auch meine letzte Prognose für dieses Spiel: Die Kroaten werden das Turnier mit 16 Gelben Karten beenden, ohne dass auch nur ein einzelner Spieler von denen jemals gesperrt wird. Was ein unfassbar hoher Wert ist... Also allein schon dass man nach 5 Spielen bei 12 angekommen ist, ohne dass es einen Spieler mit einer Sperre erwischt hat, ist schon extrem unwahrscheinlich. Aber jetzt ist ja ausgeschlossen, dass es einen von ihnen erwischen wird.
Vor allem ist es so extrem random. Also... Thomas Meunier kriegt im ersten Spiel gegen Panama eine laut Kicker-Ticker "harte" Gelbe Karte. Und gegen Brasilien 4 Spiele später die nächste... weswegen er im Halbfinale gesperrt fehlte... 3/4 der Kroatischen Verteidigung darf sich dagegen 2 taktische Fouls, die auch noch als solche geahndet werden, in Folge leisten und gegebenenfalls im Finale antreten... Und das soll jetzt fairer sein?
Die Lösung... wäre wie immer Flexibel sein: Streicht nicht alle Gelben Karten vor den Halbfinalen... streicht einzelne Gelbe Karten nach sagen wir 3 Spielen. Über die genau Zahl müssen sich echte Experten streiten. Aber wer 3 Spieltage ohne weitere Verwarnung auskommt, sollte dann keine Sperre im Halbfinale befürchten... Denn natürlich sollte im Finale niemand gesperrt werden, weil er am ersten Spieltag random von dem unfähigen und inzwischen nach Hause geschickten Schiedsrichter eines Referee-Entwicklungslandes (nennen wir es Deutschland) verwarnt worden ist... Wer dagegen ständig das Mittel des Taktischen Fouls in der K.O. Phase nutzt, dem sollten auch langfristige Folgen drohen.
An sonsten sorgen wir nur dafür, dass jeder schnelle Angriff immer eiskalt unterbunden wird. Immer und immer wieder... Weil das ja genau der Fußball ist, den wir alle sehen wollen: Wann immer jemand aufs Gas drückt, hat direkt daneben jemand die Bremse parat...
Ballack selber... hat damals absurder Weise in 6 Spielen 3 Gelbe Karten gesehen... trotzdem haben wir es uns irgendwie einreden lassen, dass es total unfair wäre, jemanden zu sperren, der in jedem 2. Spiel verwarnt wurde... Sind wir eigentlich bescheuert? Ich frag das mal so direkt.
Wir erleben heute Abend das Duell zweier grundlegend unterschiedlicher Mannschaften. Also einfach nur, was eine ganz einfache Statistik anbelangt.
Die eine der beiden Teilnehmer hat sich bisher vorbildlich verhalten. Sie hat in 5 Spielen ganze 5 Gelbe Karten gesammelt. Um diese Zahl zu relaivieren: 15 Mannschaften kommen in weniger Spielen auf mehr...
Auf der anderen Seite der Fair Play Wertung... Haben wir das Team mit den meisten Gelben Karten des Turniers... nämlich 12...
Jetzt ratet mal, wer mit einem Vorteil für sein Vorbildliches Verhalten ins Halbfinale geht? Natürlich niemand, das wäre ja... unfair? Also das wollen wir ja nicht...
Vielleicht hilft ja der Kicker-Ticker aus der 38. Minute vom Spiel Russland - Kroatien um zu verdeutlichen, was ich meine: Nächste Gelbe, wieder nach taktischem Foul. Strinic hatte bei Samedov einen Textiltest vorgenommen.
Yapp... abgesehen von dem Torjubel von Domagoj Vida bekam Kroatien im Viertelfinale 3 Gelbe Karten, weil sie gute Angriffsgelegenheiten der Gegner durch taktische Foulspiele oder ein Handspiel in Strafraumnähe unterbanden... Zwischenzeitlich im Minutentakt.
Und jetzt können sie sich nachher wieder 4 taktische Fouls leisten und dafür Verwarnungen sammeln... denn wen interessiert's? Und ja, wenn Lovren oder Strinic nachher wieder einen schnellen Gegenangriff mit einem taktische Foul unterbinden... oder sich in der Schlussphase dreistes Zeitspiel erlauben... dann wird die hier oft angesprochene "Michael Ballack Regel" endgültig ins Lächerliche gezogen. Denn er so was 2 Spiele hintereinander macht, der gehört verdammt nochmal gesperrt. Das ist doch Alternativlos...
Und ja, die Engländer haben es bisher echt im Vergleich zu den Kroaten vermieden solche Aktionen zu bringen. Die haben sich lieber noch nen unmotiviertes Gegentor in der Schlussminute gefangen als den Gegner im Mittelfeld umzulegen. Obwohl sie ein emotional herausforderndes Spiel gegen die Kolumbiern in den Knochen haben... Ganz ehrlich... dafür muss man denen doch irgendwie belohnen...
Und sei es nur, dass sich die 4er-Kette der Kroaten am Ende, falls sie denn führen, kein Zeitspiel erlauben kann... das wäre doch das mindeste...
Damit liefere ich auch meine letzte Prognose für dieses Spiel: Die Kroaten werden das Turnier mit 16 Gelben Karten beenden, ohne dass auch nur ein einzelner Spieler von denen jemals gesperrt wird. Was ein unfassbar hoher Wert ist... Also allein schon dass man nach 5 Spielen bei 12 angekommen ist, ohne dass es einen Spieler mit einer Sperre erwischt hat, ist schon extrem unwahrscheinlich. Aber jetzt ist ja ausgeschlossen, dass es einen von ihnen erwischen wird.
Vor allem ist es so extrem random. Also... Thomas Meunier kriegt im ersten Spiel gegen Panama eine laut Kicker-Ticker "harte" Gelbe Karte. Und gegen Brasilien 4 Spiele später die nächste... weswegen er im Halbfinale gesperrt fehlte... 3/4 der Kroatischen Verteidigung darf sich dagegen 2 taktische Fouls, die auch noch als solche geahndet werden, in Folge leisten und gegebenenfalls im Finale antreten... Und das soll jetzt fairer sein?
Die Lösung... wäre wie immer Flexibel sein: Streicht nicht alle Gelben Karten vor den Halbfinalen... streicht einzelne Gelbe Karten nach sagen wir 3 Spielen. Über die genau Zahl müssen sich echte Experten streiten. Aber wer 3 Spieltage ohne weitere Verwarnung auskommt, sollte dann keine Sperre im Halbfinale befürchten... Denn natürlich sollte im Finale niemand gesperrt werden, weil er am ersten Spieltag random von dem unfähigen und inzwischen nach Hause geschickten Schiedsrichter eines Referee-Entwicklungslandes (nennen wir es Deutschland) verwarnt worden ist... Wer dagegen ständig das Mittel des Taktischen Fouls in der K.O. Phase nutzt, dem sollten auch langfristige Folgen drohen.
An sonsten sorgen wir nur dafür, dass jeder schnelle Angriff immer eiskalt unterbunden wird. Immer und immer wieder... Weil das ja genau der Fußball ist, den wir alle sehen wollen: Wann immer jemand aufs Gas drückt, hat direkt daneben jemand die Bremse parat...
Ballack selber... hat damals absurder Weise in 6 Spielen 3 Gelbe Karten gesehen... trotzdem haben wir es uns irgendwie einreden lassen, dass es total unfair wäre, jemanden zu sperren, der in jedem 2. Spiel verwarnt wurde... Sind wir eigentlich bescheuert? Ich frag das mal so direkt.
Montag, 9. Juli 2018
Neymar vs Berg
Oder: Die Michael Ballack Regel re-revisited...
Aber alles zu seiner Zeit, wir kommen da noch hin.
Es gibt ja die eine Sache, bei der sich alle einig sind: Die Schauspieleinheiten und das Zeitspiel auf dem Rasen ist kaum noch zu ertragen... Da weist der Schiedsrichter den Spieler darauf hin, dass der Stadionsprecher gerade seine Auswechslung durchgesagt hat und der Spieler tut dann so, als hätte er das erst in diesem Moment erfahren. Und ja, der Auszuwechselnde ist immer der einzige, der es nicht mitbekommt... Der wird sich wahrscheinlich fragen, worüber die Spieler um ihn herum gerade tuscheln... Die Antwort: Wie sie das Spiel taktisch ohne dich beenden, jetzt beweg dich du Vollpfosten.
Und ja, Zeitspiel war immer ein Problem im Fußball. Das wird man aus den Spielern auch nicht mehr rausbekommen... es sei denn, man ahndet es konsequent und vernünftig: Wenn du als Schiri überzeugt bist, dass der Junge nur so tut, als hätte er das als einziger nicht mitbekommen... dann gib ihm Gelb... Und wenn er sich dann genüsslich die Schienbeinschoner auszieht, zeigst du ihm Gelb-Rot. An solchen Stellen muss man halt einfach viel schneller mit Verwarnungen reagieren, wenn man das wirklich ändern will...
Dasselbe gilt ja grundlegend bei den Schauspieleinlagen. Hier hatte man ja eigentlich gehofft, dass der Videobeweis zumindest im Strafraum zu einem Umdenken führt. Denn ein unmotiviertes Fallen sollte jetzt ja nicht mehr belohnt werden...
Dass dieser Videobeweis da aber noch nicht so funktioniert, wie erhofft, kann man am Besten an 3 Szenen festmachen:
Zunächst haben wir den Zweikampf zweier ehemaliger HSV-Stars: Marcus Berg wird von Antonio Rüdiger auf die Reise Richtung Manuel Neuer geschickt. Jerome Boateng geht mit vollem Risiko in den Zweikampf und trifft definitiv nicht den Ball. Berg... sucht allerdings trotzdem den Abschluss und scheitert am Leistungsprinzipsaussetzer. Und kriegt deswegen den Elfmeter nicht.
Diese Szene wird aber bei all den Schauspielleistungen immer außen vor gelassen. Dabei symbolisiert sie das Grundproblem: Wer nicht schreit und theatralisch fällt, kriegt halt auch keinen Elfmeter. Obwohl der definitiv berechtigt wäre und der Videobeweis eingreifen müsste... Also ja, es gibt die Vollidioten, die durch die Deutschland-Brille schauen und sagen: Wieso, der kam doch zum Abschluss, dann ist es doch kein Foul... dass sind aber dieselbe Idioten, die vor dem 1:0 von Mexiko ein Foul an Khedria gesehen haben... Solche Meinungen kann man ignorieren...
Auf der anderen Seite... haben wir den Oscar-Gewinner Neymar. Der gegen Costa Rica ebenfalls in eine gute Abschlussposition kommt, aber anstatt den Torschuss zu suchen eine Schwalbe produziert... und dafür zumindest in erster Instanz einen Elfmeter bekommt. Immerhin nur in erste Instanz. Als Fakhreddine Ben Youssef für Tunesien gegen England einen lächerlichen Kontakt übertrieben verkauft (und sich direkt hinterher offensichtlich darüber freut, dass es funktioniert hat), bleibt der Elfmeter bestehen...
Und wenn man sich diese 3 Szenen am Stück anguckt... kann man den Spielern auf ein Mal keinen Vorwurf mehr machen, dass sie sich theatralisch fallen lassen. Es ist offensichtlich der richtige Spielzug. Und das hätte der Videoschiedsrichter zumindest im Fall Berg zwingend ändern müssen: Wenn wir es in die Köpfe der Spieler bekommen, dass die Strafstöße wegen der Foulspiele und nicht wegen des dramatischen Umfallens gegeben werden. Wenn die Stürmer irgendwann begreifen, dass sie ihrer Mannschaft nicht schaden, wenn sie den Abschluss suchen, sondern die fälligen Elfmeter auch dann bekommen, wenn sie sich sportlich vorbildlich verhalten... DANN wird die sich dieses Problem zumindest im Strafraum bessern. Denn dann kann man als Stürmer den Abschluss und das Foul gleichzeitig suchen... Derzeit muss er sich quasi immer für eines entscheiden... und man kann dann dem Stürmer schlecht vorwerfen, dass er sich fürs Elfmeter schinden entscheidet...
Und die andere wichtige Instanz... fordert halt keiner. Also es gab in den letzten Tagen haufenweise Beschwerden über Neymars Verhalten auf den Platz. Keine Seite im Kicker, in der es im weitesten Sinne um Brasilien geht, kommt ohne einen Seitenhieb auf dessen Hang zum Schauspiel aus... und alle jammern, dass der ja so ein schlechtes Vorbild für die Kinder ist... Als nächstes wird gefordert, dass Trainer Tite den erziehen muss... Ein Mensch, der zum absoluten Erfolg verdammt ist, wenn er wieder in die Heimat einreisen will, soll seinem besten Spieler Verhaltensweisen austreiben, von denen seine Mannschaft nur profitiert? Spinnt ihr eigentlich?
Es gibt die Leute, die das Neymar austreiben könnten. Und es gäbe eine sehr einfache Forderung, die man diesen Leuten an die Hand geben könnte: Verwarnt die Schauspieler einfach für ihre Unsportlichkeiten. Als Schiedsrichter kann man das... ja man müsste es sogar...
Nehmen wir halt den Elfmeter, den Neymar mit einer Schwalbe provozieren will: Praktisch gesehen muss Björn Kuipers ihn dafür, nachdem er das via Videobeweis erkannt hat, auch Gelb geben.
Dazu hätte Kuipers ihm viel früher als in der 81. Minute dafür verwarnen müssen, dass er jeden Pfiff und jeden Zweikampf kommentierte... Kuipers hat mit dieser Verwarnung viel zu lange gewartet...
Aber das faszinierende: Die Gelbe Karte hat ja zumindest in Ansätzen gewirkt. Im 3. Gruppenspiel wurde dem Jungen anscheinend vorher vermittelt, dass er gesperrt werden wird, wenn er sich wieder so aufführt wie gegen Costa Rica. Und dann hielt er sich zurück...
Bis zur jetzt schon legendären 71. Minute gegen Mexiko... wo er wieder mit einer übertrieben Schauspieleinlage ein Strafe für den Gegner provozieren wollte. Und auch hier gibt es für den Schiedsrichter genau 2 Möglichkeiten: Entweder er nimmt Neymar das Drama ab, geht zum Videobeweis und zeigt demjenigen, der den Superstar so übelst böse getreten hat, Rot... Was offensichtlich nicht der Fall war.
Oder ich gehe als Schiedsrichter davon aus, dass uns Neymar gerade kollektiv verarscht und gebe ihn für die Unsportlichkeit Gelb... Und da er schon im Aus liegt, kann es danach direkt mit Einwurf weitergehen.
Wenn man dann noch die relativ harmlose Schwalbe in der 91. Minute gegen Belgien hinzuzieht... hätte Neymar während diese WM 4 Gelbe Karten für sein unsportliches Verhalten bekommen können oder müssen...
Oder anders ausgedrückt: 2 mal gesperrt zuschauen. Und das wäre genau der Moment, wo er dann vielleicht was merkt. Wo dann auch der Trainer auf ihn einwirkt und ihm sagt: "Du schadest uns und dir mit deinem Verhalten." Und wo es vielleicht mal "Klick" macht... Also es ist die einzige Möglichkeit, wie es jemals bei dem "Klick" machen könnte...
Aber fragt euch mal selber, wie viele Analysten und Experten Verwarnungen für Neymar gefordert haben... in wie vielen Spielberichten ein "hätte dafür verwarnt werden müssen" auftaucht... Natürlich lest ihr das nicht. Weil das keiner fordert. Wir wollen zwar einerseits, dass der Fußball nicht durch so einen Scheiß geprägt wird... wir haben aber andererseits so viel Angst davor, dass unsere Superstars gesperrt fehlen, dass wir ihnen diese Extravaganzen immer wieder durchgehen lassen. Und da sind wir dann wieder bei der legendären "Michael Ballack Regel": Wir arrangieren uns eher damit, dass taktische Fouls und Zeitspiel die Halbfinal-Spiele kaputt machen, weil keinem eine Sperre droht, als uns mit dem Gedanken, dass ein Superstar ein Finale gesperrt verpassen könnte, zu beschäftigen... obwohl diese Regel praktisch dazu führt, dass die Halbfinale wesentlich schlechter aussehen werden... weil man theoretisch 8 taktische Fouls begehen kann, ohne dass irgendjemanden eine Sperre droht... Und ja, auch dieses Mal wird immer irgendjemand die Bremse ziehen, wenn Tempo ins Spiel kommt...
Und genau so sieht es bei den Schauspieleinlagen aus. Es wäre für die Fifa vor dem Turnier überhaupt kein Problem gewesen, ein Dossier für die Schiedsrichter und die Öffentlichkeit auszugeben, in dem darauf hingewiesen wird, dass Schauspieleinlagen konsequent mit Gelb geahndet werden sollen. (Wie man es beim Fordern des Videobeweises getan hat... wäre natürlich schön gewesen, wenn das auch ein Schiedsrichter angewendet hätte, aber theoretisch soll es dafür Gelb geben...) Sowohl die großen von Neymar, als auch die kleinen von Gabriel Jesus, der im Viertelfinale ebenfalls ein mal um fiel, als hätte ihm jemand das Bein gebrochen... und dann aber, weil man ja zurück lag, sofort wieder aufspringt, als er merkte, er kriegt den Pfiff nicht... Auch dieser Stürmer wollte ein Foul und eine Strafe für den Gegner provozieren.
Ob das bei all den Versteckten Fouls, die ein Sergio Ramos austeilt, wirklich das wichtigste ist, sei mal dahin gestellt. Aber wenn man sich darüber aufregt, muss man auch einfach die logischen Konsequenzen fordern... und damit leben, dass ein Neymar dann 2 Mal pro Turnier gesperrt fehlt. Oder ihr lasst es. Dazwischen gibt es wenig Spielraum.
Da aber keiner will, das Neymar (oder Spieler von seiner Klasse) gesperrt auf der Tribüne sitzen, werden wir auch in Zukunft deren divenhaftes Verhalten ertragen müssen.
Aber alles zu seiner Zeit, wir kommen da noch hin.
Es gibt ja die eine Sache, bei der sich alle einig sind: Die Schauspieleinheiten und das Zeitspiel auf dem Rasen ist kaum noch zu ertragen... Da weist der Schiedsrichter den Spieler darauf hin, dass der Stadionsprecher gerade seine Auswechslung durchgesagt hat und der Spieler tut dann so, als hätte er das erst in diesem Moment erfahren. Und ja, der Auszuwechselnde ist immer der einzige, der es nicht mitbekommt... Der wird sich wahrscheinlich fragen, worüber die Spieler um ihn herum gerade tuscheln... Die Antwort: Wie sie das Spiel taktisch ohne dich beenden, jetzt beweg dich du Vollpfosten.
Und ja, Zeitspiel war immer ein Problem im Fußball. Das wird man aus den Spielern auch nicht mehr rausbekommen... es sei denn, man ahndet es konsequent und vernünftig: Wenn du als Schiri überzeugt bist, dass der Junge nur so tut, als hätte er das als einziger nicht mitbekommen... dann gib ihm Gelb... Und wenn er sich dann genüsslich die Schienbeinschoner auszieht, zeigst du ihm Gelb-Rot. An solchen Stellen muss man halt einfach viel schneller mit Verwarnungen reagieren, wenn man das wirklich ändern will...
Dasselbe gilt ja grundlegend bei den Schauspieleinlagen. Hier hatte man ja eigentlich gehofft, dass der Videobeweis zumindest im Strafraum zu einem Umdenken führt. Denn ein unmotiviertes Fallen sollte jetzt ja nicht mehr belohnt werden...
Dass dieser Videobeweis da aber noch nicht so funktioniert, wie erhofft, kann man am Besten an 3 Szenen festmachen:
Zunächst haben wir den Zweikampf zweier ehemaliger HSV-Stars: Marcus Berg wird von Antonio Rüdiger auf die Reise Richtung Manuel Neuer geschickt. Jerome Boateng geht mit vollem Risiko in den Zweikampf und trifft definitiv nicht den Ball. Berg... sucht allerdings trotzdem den Abschluss und scheitert am Leistungsprinzipsaussetzer. Und kriegt deswegen den Elfmeter nicht.
Diese Szene wird aber bei all den Schauspielleistungen immer außen vor gelassen. Dabei symbolisiert sie das Grundproblem: Wer nicht schreit und theatralisch fällt, kriegt halt auch keinen Elfmeter. Obwohl der definitiv berechtigt wäre und der Videobeweis eingreifen müsste... Also ja, es gibt die Vollidioten, die durch die Deutschland-Brille schauen und sagen: Wieso, der kam doch zum Abschluss, dann ist es doch kein Foul... dass sind aber dieselbe Idioten, die vor dem 1:0 von Mexiko ein Foul an Khedria gesehen haben... Solche Meinungen kann man ignorieren...
Auf der anderen Seite... haben wir den Oscar-Gewinner Neymar. Der gegen Costa Rica ebenfalls in eine gute Abschlussposition kommt, aber anstatt den Torschuss zu suchen eine Schwalbe produziert... und dafür zumindest in erster Instanz einen Elfmeter bekommt. Immerhin nur in erste Instanz. Als Fakhreddine Ben Youssef für Tunesien gegen England einen lächerlichen Kontakt übertrieben verkauft (und sich direkt hinterher offensichtlich darüber freut, dass es funktioniert hat), bleibt der Elfmeter bestehen...
Und wenn man sich diese 3 Szenen am Stück anguckt... kann man den Spielern auf ein Mal keinen Vorwurf mehr machen, dass sie sich theatralisch fallen lassen. Es ist offensichtlich der richtige Spielzug. Und das hätte der Videoschiedsrichter zumindest im Fall Berg zwingend ändern müssen: Wenn wir es in die Köpfe der Spieler bekommen, dass die Strafstöße wegen der Foulspiele und nicht wegen des dramatischen Umfallens gegeben werden. Wenn die Stürmer irgendwann begreifen, dass sie ihrer Mannschaft nicht schaden, wenn sie den Abschluss suchen, sondern die fälligen Elfmeter auch dann bekommen, wenn sie sich sportlich vorbildlich verhalten... DANN wird die sich dieses Problem zumindest im Strafraum bessern. Denn dann kann man als Stürmer den Abschluss und das Foul gleichzeitig suchen... Derzeit muss er sich quasi immer für eines entscheiden... und man kann dann dem Stürmer schlecht vorwerfen, dass er sich fürs Elfmeter schinden entscheidet...
Und die andere wichtige Instanz... fordert halt keiner. Also es gab in den letzten Tagen haufenweise Beschwerden über Neymars Verhalten auf den Platz. Keine Seite im Kicker, in der es im weitesten Sinne um Brasilien geht, kommt ohne einen Seitenhieb auf dessen Hang zum Schauspiel aus... und alle jammern, dass der ja so ein schlechtes Vorbild für die Kinder ist... Als nächstes wird gefordert, dass Trainer Tite den erziehen muss... Ein Mensch, der zum absoluten Erfolg verdammt ist, wenn er wieder in die Heimat einreisen will, soll seinem besten Spieler Verhaltensweisen austreiben, von denen seine Mannschaft nur profitiert? Spinnt ihr eigentlich?
Es gibt die Leute, die das Neymar austreiben könnten. Und es gäbe eine sehr einfache Forderung, die man diesen Leuten an die Hand geben könnte: Verwarnt die Schauspieler einfach für ihre Unsportlichkeiten. Als Schiedsrichter kann man das... ja man müsste es sogar...
Nehmen wir halt den Elfmeter, den Neymar mit einer Schwalbe provozieren will: Praktisch gesehen muss Björn Kuipers ihn dafür, nachdem er das via Videobeweis erkannt hat, auch Gelb geben.
Dazu hätte Kuipers ihm viel früher als in der 81. Minute dafür verwarnen müssen, dass er jeden Pfiff und jeden Zweikampf kommentierte... Kuipers hat mit dieser Verwarnung viel zu lange gewartet...
Aber das faszinierende: Die Gelbe Karte hat ja zumindest in Ansätzen gewirkt. Im 3. Gruppenspiel wurde dem Jungen anscheinend vorher vermittelt, dass er gesperrt werden wird, wenn er sich wieder so aufführt wie gegen Costa Rica. Und dann hielt er sich zurück...
Bis zur jetzt schon legendären 71. Minute gegen Mexiko... wo er wieder mit einer übertrieben Schauspieleinlage ein Strafe für den Gegner provozieren wollte. Und auch hier gibt es für den Schiedsrichter genau 2 Möglichkeiten: Entweder er nimmt Neymar das Drama ab, geht zum Videobeweis und zeigt demjenigen, der den Superstar so übelst böse getreten hat, Rot... Was offensichtlich nicht der Fall war.
Oder ich gehe als Schiedsrichter davon aus, dass uns Neymar gerade kollektiv verarscht und gebe ihn für die Unsportlichkeit Gelb... Und da er schon im Aus liegt, kann es danach direkt mit Einwurf weitergehen.
Wenn man dann noch die relativ harmlose Schwalbe in der 91. Minute gegen Belgien hinzuzieht... hätte Neymar während diese WM 4 Gelbe Karten für sein unsportliches Verhalten bekommen können oder müssen...
Oder anders ausgedrückt: 2 mal gesperrt zuschauen. Und das wäre genau der Moment, wo er dann vielleicht was merkt. Wo dann auch der Trainer auf ihn einwirkt und ihm sagt: "Du schadest uns und dir mit deinem Verhalten." Und wo es vielleicht mal "Klick" macht... Also es ist die einzige Möglichkeit, wie es jemals bei dem "Klick" machen könnte...
Aber fragt euch mal selber, wie viele Analysten und Experten Verwarnungen für Neymar gefordert haben... in wie vielen Spielberichten ein "hätte dafür verwarnt werden müssen" auftaucht... Natürlich lest ihr das nicht. Weil das keiner fordert. Wir wollen zwar einerseits, dass der Fußball nicht durch so einen Scheiß geprägt wird... wir haben aber andererseits so viel Angst davor, dass unsere Superstars gesperrt fehlen, dass wir ihnen diese Extravaganzen immer wieder durchgehen lassen. Und da sind wir dann wieder bei der legendären "Michael Ballack Regel": Wir arrangieren uns eher damit, dass taktische Fouls und Zeitspiel die Halbfinal-Spiele kaputt machen, weil keinem eine Sperre droht, als uns mit dem Gedanken, dass ein Superstar ein Finale gesperrt verpassen könnte, zu beschäftigen... obwohl diese Regel praktisch dazu führt, dass die Halbfinale wesentlich schlechter aussehen werden... weil man theoretisch 8 taktische Fouls begehen kann, ohne dass irgendjemanden eine Sperre droht... Und ja, auch dieses Mal wird immer irgendjemand die Bremse ziehen, wenn Tempo ins Spiel kommt...
Und genau so sieht es bei den Schauspieleinlagen aus. Es wäre für die Fifa vor dem Turnier überhaupt kein Problem gewesen, ein Dossier für die Schiedsrichter und die Öffentlichkeit auszugeben, in dem darauf hingewiesen wird, dass Schauspieleinlagen konsequent mit Gelb geahndet werden sollen. (Wie man es beim Fordern des Videobeweises getan hat... wäre natürlich schön gewesen, wenn das auch ein Schiedsrichter angewendet hätte, aber theoretisch soll es dafür Gelb geben...) Sowohl die großen von Neymar, als auch die kleinen von Gabriel Jesus, der im Viertelfinale ebenfalls ein mal um fiel, als hätte ihm jemand das Bein gebrochen... und dann aber, weil man ja zurück lag, sofort wieder aufspringt, als er merkte, er kriegt den Pfiff nicht... Auch dieser Stürmer wollte ein Foul und eine Strafe für den Gegner provozieren.
Ob das bei all den Versteckten Fouls, die ein Sergio Ramos austeilt, wirklich das wichtigste ist, sei mal dahin gestellt. Aber wenn man sich darüber aufregt, muss man auch einfach die logischen Konsequenzen fordern... und damit leben, dass ein Neymar dann 2 Mal pro Turnier gesperrt fehlt. Oder ihr lasst es. Dazwischen gibt es wenig Spielraum.
Da aber keiner will, das Neymar (oder Spieler von seiner Klasse) gesperrt auf der Tribüne sitzen, werden wir auch in Zukunft deren divenhaftes Verhalten ertragen müssen.
Samstag, 7. Juli 2018
Unsere Analysten arbeiten zu Ergebnisorientiert
Oder zu "Narrativ-getrieben"... eines von beidem, ich bin mir noch nicht ganz sicher...
Aber es ist echt faszinierend: Im Wesentlichen gucken unsere Experten immer aufs Ergebnis und sagen dann: Der Mann hat alles richtig gemacht.
Und dann kommt ein anderer Trainer, trifft dieselben Entscheidungen, kassiert aber kurz vor Schluss den Ausgleich... und hat deswegen seiner Mannschaft die falschen Signale gesendet... warte was?
Um das ganze konkret zu machen: Garteh Southgate hat im Achtelfinale genau so agiert wie Roberto Martinez gestern im Viertelfinale. Aber der eine hat halt das Glück, dass die Brasilianer ihre Chancen auslassen und es deswegen nicht zur Verlängerung kommt.
Sein eigener Beitrag war dazu... minimal. Zur Halbzeit hieß es noch: Das kommt den Belgiern entgegen, die haben eine der besten Kontermannschaften des Turniers und jetzt werden sich die Räume bieten, die sie brauchen... und dann fahren die in der gesamten 2. Halbzeit keinen wirklich gefährlichen Konter...
Und der Trainer reagiert darauf bis zur 83. Minute gar nicht... und bringt dann 2 Defensivleute um den Vorsprung über die Zeit zu retten... Natürlich hat das funktioniert, aber eine gut aufgestellte Mannschaft reagiert trotzdem anders.
Und wenn die Brasilianer den durchaus möglichen Ausgleich machen, fragen alle, warum Dries Merten 90 Minuten auf der Bank blieb... hätte man den nicht nach 60 oder 70 Minuten für Nacer Chadli einwechseln müssen? Aber bei unseren Experten gilt die Regel: Wer gewinnt hat alles richtig gemacht. Ich würde mich freuen, wenn wir das mal überwinden könnten...
Faszinierender Weise haben die Engländer ja ihre Lektion gelernt... und sind erst aufs 2:0 gegangen, bevor sie in den Verwaltungsmodus geschaltet haben. Da sieht man die Fortschritte, die Mannschaft und Trainer gemacht haben..
Um das mal an einem weiteren, praktisch grausamen, Beispiel festmachen: Dem meiner Meinung nach bisher am besten gecoachten Spiel der WM: Russland - Spanien. Beide Trainer hatten einen klaren, mehrstufigen Matchplan, den sie umgesetzt sehen wollten. Beide ließen deswegen erst Mal ihre Helden auf der Bank. Und ja, ich gehe davon aus, dass sich Stanislav Cherchesow bewusst für den 1,96m Brocken Artyom Dzubala entschieden hat... weil das halt auch der Typ Stürmer ist, an dem du dir als Verteidiger weh tust, wenn du in einen Zweikampf gehst... und dann hat er nach einer Stunde die fähigeren Fußballer mit Cherychev und Smolov um doch noch einen Konter zu fahren, in dem sie die Abnutzungserscheinungen bei Sergio Ramos und Pique ausnutzen. Das hat natürlich am Ende nicht mehr geklappt, aber der Plan war trotzdem klar erkennbar.
Genau so wie Fernando Hierros Plan Andres Iniesta nach einer Stunde zu bringen und dann gegen einen Müde werdenden Gegner zielstrebiger in den Strafraum zu spielen. Hat auch nicht funktioniert, was aber nicht heißt, dass der Plan schlecht war... er wird nur hinterher als "schlecht" bewertet, weil man die vorhandenen Chancen nicht genutzt hat.
Aber so sollte ein gut gecoachtes Fußballspiel aussehen. Und als Experte sollte man dann nicht überrascht sein, wenn ein alter Sack wie Iniesta auf der Bank startet, sondern so einen Plan erkennen und erklären. Das könnte dem gemeinen Zuschauer dabei helfen das Spiel besser zu verstehen...
Völlig absurd wird das ganze natürlich bei Jogi Löw. Der muss sich auf ein Mal von allen Seiten vorwerfen lassen, dass er an Manuel Neuer festgehalten hat und damit jegliches Leistungschprinzschip ausgesetzt hat. Was in seiner Mannschaft schlecht angekommen sein soll...
Dabei dürfte selbst ein Marc Andre ter Stegen in ehrlichen Momenten sagen, dass es richtig war auf den herausragenden Torhüter unserer Generation zu setzen. Wir reden halt von Manuel Neuer...
Vor allem aber ist der "Leischtungschprinzschip" Witz so alt wie dieser Blog. Den bringe ich seit Jahren. Denn es gab den einen Spieler, für den Jogi Löw dieses Prinzip immer außer Kraft gesetzt hat. Und ja, es gibt keinen sachlichen Grund, warum ein durchschnittlicher Bundesligaspieler wie Lukas Podolski 6 große Turniere gespielt hat. Aber da Löw ja immer ins Halbfinale kommt, hat da kaum jemand drauf hingewiesen (außer natürlich meine Wenigkeit)... Obwohl er sachlich gesehen damals dieselben Fehler gemacht hat wie jetzt...
Auch all die Bilder, die Löw jetzt vorgeworfen werden... wären als ein "Da strahlt er Souveränität und Sicherheit aus" interpretiert worden, wenn Mats Hummels den Ball ins Tor köpft. Jetzt muss er, der ja immer auch auf Bilder bedacht war, sich das plötzlich vorwerfen lassen.
Jogi Löw hat denselben Mist gebaut wie immer. Es ist dieses Mal nur aufgefallen, wie viel Mist das war. Und ja, als Experte sollte man in der Lage sein das auch anzusprechen, wenn es zufällig gut geht...
Ein weiteres spannendes Beispiel ist ja (und jetzt sind wir beim "narrativ-getrieben") die Erdogan-Affäre: Wie sich jetzt alle darauf versteifen, dass Mesut Özil und Ilkay Gündogan wegen dieses Fotos so scheiße gespielt haben... dass man das ganze auch ganz unpolitisch erklären kann, wenn man sich einfach nur die Vorleistungen auf dem Platz anguckt...
Also Mesut Özil hat sich halt in den letzten 2 Jahren von einem Fixpunkt der Offensive eines Champions League Teilnehmers zum Fixpunkt der Offensive eines Europa League Teilnehmers "weiter" entwickelt. Der ist halt nicht mehr derselbe Spieler, der er vor 2 oder 4 Jahren war... für den Arsenal London 47 Millionen Euro Ablöse an Real Madrid überwiesen hat. Der kommt halt mittlerweile nur noch auf 18 und 13 Scorerpunkte, während er vorher gerne mal 19 Vorlagen in einer Saison gesammelt hat. Und natürlich ist Özil nicht alleine dafür verantwortlich, dass Arsenal international nur noch zweitklassig spielt. Aber er ist definitiv ein prägender Teil dieser Mannschaft und damit dieser Entwicklung.
Dass ein Özil, der einfach nicht mehr so gut ist wie vor 4 Jahren, dann auch nicht mehr so gut spielt... erscheint erstaunlich logisch...
Und Ilkay Gündogan? Hat halt seine erste Saison als Stammspieler in der Premiere League gespielt. Also ohne Winterpause fast 50 Spiele auf Vereinsebene abgeliefert. 2.800 Minuten für Manchester City... Hier ist eine spannende Erkenntnis: Die meisten Spieler sind, wenn sie dies das erste Mal durchmachen, am Ende auch einfach durch. Es ist ja nicht so, das Gündogan der erste Premiere League Profi ist, der danach dann ein enttäuschendes Turnier spielt. Genau genommen war das Jahrelang eher die Regel als die Ausnahme... und ja, dass jetzt die Premiere League Spieler die WM prägen ist die eigentliche große Überraschung... Vielleicht haben die Vereine da auch einfach was in der Belastungssteuerung gelernt. Aber führt jetzt so weit. Das wichtige ist: Man kann Gündogan Leistung auch erklären, ohne ein politisches Drama herbeizureden.
Und dann kann man auch Löws Arbeit wieder sachlich kritisieren und ihn fragen, warum er es dieses Mal (im Gegensatz zu sonst immer) nicht geschafft hat, seine Mannschaft frisch und fit zukriegen... Da wird die Kritik spannend.
Das wirklich Problem an all dem relativ leeren Mediengebrüll über "den Zusammenbruch" ist ja: Die eigentliche Ursache spricht kaum jemand an: Es fehlt Deutschland an guten und sicheren 6ern. Wir haben es nicht geschafft, Bastian Schweinsteiger zu ersetzen. Es fehlt der Sicherheitsspieler, der einfach nur für Stabilität sorgt. Weil Gündogan überspielt war und Sebastian Rudy als einzige ernste Alternative verletzt ausschied.
Und das ganz große strukturelle Problem dabei ist: Es gibt auch kaum Alternativen. Also man muss halt hoffen, dass Julian Weigl wieder mit Dortmund in die Spur kommt. Oder (und auch da wird es wieder spannend, denn da kann man jetzt wieder sachlich über Löw reden) dass der Nationaltrainer seine Ablehnung gegen die Bender-Zwillinge überwindet...
Faszinierender Weise... hat der Kicker darauf hingewiesen, dass es für Brasilien ein Problem ist, wenn Casemiro gesperrt fehlt... also genau der Spieler, der bei Real Madrid die Drecksarbeit für Toni Kroos macht und für die nötige Stabilität sorgt... Dass wir Deutschen so einen Spieler auch dringend brauchen... und dass weder Kroos noch Khedira (so gut die beiden sein können) dieser Spielertyp sind...
Aber es würde ja niemand auf die Idee kommen, Löw dafür zu kritisieren, dass er nur einen Stabilitäts-Sechser in seinem Kader hatte. Und dass dieser 6er bei den Bayern nur Ergänzungsspieler ist... was aber auch nur darauf hinweist, wie schlecht wir diesen Spielertyp ausbilden... Aber das fällt halt einerseits niemand auf... und es passt anderseits nicht ins emotionale Geschrei, welches wir "tiefgehene Aufarbeitung" nennen...
Aber es ist echt faszinierend: Im Wesentlichen gucken unsere Experten immer aufs Ergebnis und sagen dann: Der Mann hat alles richtig gemacht.
Und dann kommt ein anderer Trainer, trifft dieselben Entscheidungen, kassiert aber kurz vor Schluss den Ausgleich... und hat deswegen seiner Mannschaft die falschen Signale gesendet... warte was?
Um das ganze konkret zu machen: Garteh Southgate hat im Achtelfinale genau so agiert wie Roberto Martinez gestern im Viertelfinale. Aber der eine hat halt das Glück, dass die Brasilianer ihre Chancen auslassen und es deswegen nicht zur Verlängerung kommt.
Sein eigener Beitrag war dazu... minimal. Zur Halbzeit hieß es noch: Das kommt den Belgiern entgegen, die haben eine der besten Kontermannschaften des Turniers und jetzt werden sich die Räume bieten, die sie brauchen... und dann fahren die in der gesamten 2. Halbzeit keinen wirklich gefährlichen Konter...
Und der Trainer reagiert darauf bis zur 83. Minute gar nicht... und bringt dann 2 Defensivleute um den Vorsprung über die Zeit zu retten... Natürlich hat das funktioniert, aber eine gut aufgestellte Mannschaft reagiert trotzdem anders.
Und wenn die Brasilianer den durchaus möglichen Ausgleich machen, fragen alle, warum Dries Merten 90 Minuten auf der Bank blieb... hätte man den nicht nach 60 oder 70 Minuten für Nacer Chadli einwechseln müssen? Aber bei unseren Experten gilt die Regel: Wer gewinnt hat alles richtig gemacht. Ich würde mich freuen, wenn wir das mal überwinden könnten...
Faszinierender Weise haben die Engländer ja ihre Lektion gelernt... und sind erst aufs 2:0 gegangen, bevor sie in den Verwaltungsmodus geschaltet haben. Da sieht man die Fortschritte, die Mannschaft und Trainer gemacht haben..
Um das mal an einem weiteren, praktisch grausamen, Beispiel festmachen: Dem meiner Meinung nach bisher am besten gecoachten Spiel der WM: Russland - Spanien. Beide Trainer hatten einen klaren, mehrstufigen Matchplan, den sie umgesetzt sehen wollten. Beide ließen deswegen erst Mal ihre Helden auf der Bank. Und ja, ich gehe davon aus, dass sich Stanislav Cherchesow bewusst für den 1,96m Brocken Artyom Dzubala entschieden hat... weil das halt auch der Typ Stürmer ist, an dem du dir als Verteidiger weh tust, wenn du in einen Zweikampf gehst... und dann hat er nach einer Stunde die fähigeren Fußballer mit Cherychev und Smolov um doch noch einen Konter zu fahren, in dem sie die Abnutzungserscheinungen bei Sergio Ramos und Pique ausnutzen. Das hat natürlich am Ende nicht mehr geklappt, aber der Plan war trotzdem klar erkennbar.
Genau so wie Fernando Hierros Plan Andres Iniesta nach einer Stunde zu bringen und dann gegen einen Müde werdenden Gegner zielstrebiger in den Strafraum zu spielen. Hat auch nicht funktioniert, was aber nicht heißt, dass der Plan schlecht war... er wird nur hinterher als "schlecht" bewertet, weil man die vorhandenen Chancen nicht genutzt hat.
Aber so sollte ein gut gecoachtes Fußballspiel aussehen. Und als Experte sollte man dann nicht überrascht sein, wenn ein alter Sack wie Iniesta auf der Bank startet, sondern so einen Plan erkennen und erklären. Das könnte dem gemeinen Zuschauer dabei helfen das Spiel besser zu verstehen...
Völlig absurd wird das ganze natürlich bei Jogi Löw. Der muss sich auf ein Mal von allen Seiten vorwerfen lassen, dass er an Manuel Neuer festgehalten hat und damit jegliches Leistungschprinzschip ausgesetzt hat. Was in seiner Mannschaft schlecht angekommen sein soll...
Dabei dürfte selbst ein Marc Andre ter Stegen in ehrlichen Momenten sagen, dass es richtig war auf den herausragenden Torhüter unserer Generation zu setzen. Wir reden halt von Manuel Neuer...
Vor allem aber ist der "Leischtungschprinzschip" Witz so alt wie dieser Blog. Den bringe ich seit Jahren. Denn es gab den einen Spieler, für den Jogi Löw dieses Prinzip immer außer Kraft gesetzt hat. Und ja, es gibt keinen sachlichen Grund, warum ein durchschnittlicher Bundesligaspieler wie Lukas Podolski 6 große Turniere gespielt hat. Aber da Löw ja immer ins Halbfinale kommt, hat da kaum jemand drauf hingewiesen (außer natürlich meine Wenigkeit)... Obwohl er sachlich gesehen damals dieselben Fehler gemacht hat wie jetzt...
Auch all die Bilder, die Löw jetzt vorgeworfen werden... wären als ein "Da strahlt er Souveränität und Sicherheit aus" interpretiert worden, wenn Mats Hummels den Ball ins Tor köpft. Jetzt muss er, der ja immer auch auf Bilder bedacht war, sich das plötzlich vorwerfen lassen.
Jogi Löw hat denselben Mist gebaut wie immer. Es ist dieses Mal nur aufgefallen, wie viel Mist das war. Und ja, als Experte sollte man in der Lage sein das auch anzusprechen, wenn es zufällig gut geht...
Ein weiteres spannendes Beispiel ist ja (und jetzt sind wir beim "narrativ-getrieben") die Erdogan-Affäre: Wie sich jetzt alle darauf versteifen, dass Mesut Özil und Ilkay Gündogan wegen dieses Fotos so scheiße gespielt haben... dass man das ganze auch ganz unpolitisch erklären kann, wenn man sich einfach nur die Vorleistungen auf dem Platz anguckt...
Also Mesut Özil hat sich halt in den letzten 2 Jahren von einem Fixpunkt der Offensive eines Champions League Teilnehmers zum Fixpunkt der Offensive eines Europa League Teilnehmers "weiter" entwickelt. Der ist halt nicht mehr derselbe Spieler, der er vor 2 oder 4 Jahren war... für den Arsenal London 47 Millionen Euro Ablöse an Real Madrid überwiesen hat. Der kommt halt mittlerweile nur noch auf 18 und 13 Scorerpunkte, während er vorher gerne mal 19 Vorlagen in einer Saison gesammelt hat. Und natürlich ist Özil nicht alleine dafür verantwortlich, dass Arsenal international nur noch zweitklassig spielt. Aber er ist definitiv ein prägender Teil dieser Mannschaft und damit dieser Entwicklung.
Dass ein Özil, der einfach nicht mehr so gut ist wie vor 4 Jahren, dann auch nicht mehr so gut spielt... erscheint erstaunlich logisch...
Und Ilkay Gündogan? Hat halt seine erste Saison als Stammspieler in der Premiere League gespielt. Also ohne Winterpause fast 50 Spiele auf Vereinsebene abgeliefert. 2.800 Minuten für Manchester City... Hier ist eine spannende Erkenntnis: Die meisten Spieler sind, wenn sie dies das erste Mal durchmachen, am Ende auch einfach durch. Es ist ja nicht so, das Gündogan der erste Premiere League Profi ist, der danach dann ein enttäuschendes Turnier spielt. Genau genommen war das Jahrelang eher die Regel als die Ausnahme... und ja, dass jetzt die Premiere League Spieler die WM prägen ist die eigentliche große Überraschung... Vielleicht haben die Vereine da auch einfach was in der Belastungssteuerung gelernt. Aber führt jetzt so weit. Das wichtige ist: Man kann Gündogan Leistung auch erklären, ohne ein politisches Drama herbeizureden.
Und dann kann man auch Löws Arbeit wieder sachlich kritisieren und ihn fragen, warum er es dieses Mal (im Gegensatz zu sonst immer) nicht geschafft hat, seine Mannschaft frisch und fit zukriegen... Da wird die Kritik spannend.
Das wirklich Problem an all dem relativ leeren Mediengebrüll über "den Zusammenbruch" ist ja: Die eigentliche Ursache spricht kaum jemand an: Es fehlt Deutschland an guten und sicheren 6ern. Wir haben es nicht geschafft, Bastian Schweinsteiger zu ersetzen. Es fehlt der Sicherheitsspieler, der einfach nur für Stabilität sorgt. Weil Gündogan überspielt war und Sebastian Rudy als einzige ernste Alternative verletzt ausschied.
Und das ganz große strukturelle Problem dabei ist: Es gibt auch kaum Alternativen. Also man muss halt hoffen, dass Julian Weigl wieder mit Dortmund in die Spur kommt. Oder (und auch da wird es wieder spannend, denn da kann man jetzt wieder sachlich über Löw reden) dass der Nationaltrainer seine Ablehnung gegen die Bender-Zwillinge überwindet...
Faszinierender Weise... hat der Kicker darauf hingewiesen, dass es für Brasilien ein Problem ist, wenn Casemiro gesperrt fehlt... also genau der Spieler, der bei Real Madrid die Drecksarbeit für Toni Kroos macht und für die nötige Stabilität sorgt... Dass wir Deutschen so einen Spieler auch dringend brauchen... und dass weder Kroos noch Khedira (so gut die beiden sein können) dieser Spielertyp sind...
Aber es würde ja niemand auf die Idee kommen, Löw dafür zu kritisieren, dass er nur einen Stabilitäts-Sechser in seinem Kader hatte. Und dass dieser 6er bei den Bayern nur Ergänzungsspieler ist... was aber auch nur darauf hinweist, wie schlecht wir diesen Spielertyp ausbilden... Aber das fällt halt einerseits niemand auf... und es passt anderseits nicht ins emotionale Geschrei, welches wir "tiefgehene Aufarbeitung" nennen...
Donnerstag, 5. Juli 2018
Randomness vs Predictions
Wie mir in den letzten Tagen mehr als ein Mal aufgefallen ist, besteht Fußball überraschend häufig aus
Aneinanderreihung von Zufälligkeiten. Die sich bei einer WM, also
einer K.O. Phase bestehend aus einem Spiel, nochmal potenzieren sollten.
Wenn die eine dumme Aktion deines Spielers zum 0:1 führst, hast du
relativ wenig Zeit diesen Fehler noch zu korrigieren. Also je nach Zeitpunkt 90 Minuten bis 35 Sekunden... Du kannst das ganze Spiel überlegen gestalten und wegen einer dummen Aktion trotzdem ausscheiden... Das ist eine Konstellation, die zu jeder Menge Sensationen führen sollte.
Trotzdem ist gerade die Fifa Weltmeisterschaft der Wettbewerb, in dem Außenseiter die schlechtesten Siegchancen haben. Hier sei nochmal auf die 7 unterschiedlichen Weltmeister verwiesen... und dem Fakt, dass sich (auch wenn das Revisionist History sein könnte) immer einer der 4 Turnierfavoriten durchsetzt. Also vor 4 Jahren gab es einfach keinen Weg mehr, den einen Titel für Deutschland zu verhindern... nicht mal Jogi Löw schaffte dies, obwohl er es echt versucht hat... Der große Favorit wurde Weltmeister...
2010 gingen alle vorher davon aus, dass niemand die spanische Passmaschine aufhalten kann... und auch wenn es knapper war als erwartet... und Andres Iniesta eines seiner 13 (In Worten DREIZEHN, bei 133 Spielen...) Tore im Nationalmannschaftstrikot erzielte, hat es am Ende doch funktioniert.
Faszinierender Weise konnten sich beide Weltmeister auf das Pass- und Positionsspiel, welches der von Pep Guardiola trainiert Vereinsblock in die Mannschaft einbrachte, verlassen. Das mag wie eine absurde Statistik aussehen, ergibt aber verdammt viel Sinn, wenn man bedenkt, dass Deutschland 5 Bayern-Profis und Spanien 6 Barca-Profis in der Startelf stehen hatte...
Davor kam die größte Überraschung der Neuzeit: Italien wurde Weltmeister 2006. Damit haben wenige gerechnet, weil Italien eigentlich mitten in einem Manipulationsskandal steckte... Der im Zwangsabstieg des Rekordmeisters endete... Aber wenn Italien als größte Überraschung ankündigen muss... eine Fußballnation mit epischer Tradition und einer Mannschaft mit hervorragender Organisation... Dann weiß man, dass es eigentlich keine Überraschungen gibt...
2002 war Brasilien um das geniale Offensivtrio Rivaldo, Ronaldinho und Ronaldo dran. Und klar, die WM verlief (ähnlich wie diese bisher) völlig bekloppt... Trotzdem gewann am Ende die beste Mannschaft gegen Deutschland in einem Standartfinale...
4 Jahre zuvor scheiterten die noch an Zidanes Frankreich. Das war halt die WM dieses Superstars.
Und darauf bin ich ja beim Quick Recap noch gar nicht eingegangen: Nicht nur die Titelträger waren immer die üblichen Verdächtigen... auch die Finalgegner... die WM 2002 war eigentlich völlig absurd. Ein extremes Favoritensterben... auch weil Spanien gegen den Gastgeber verpfiffen wurde... Trotzdem gab es am Ende eines der Standartfinale Deutschland - Brasilien...
Das ist ja das nächste faszinierende: Nicht nur die 7 Titelträger sind eine extrem geringe Anzahl... Aber wenn man sich jetzt fragt, wer denn alles in einem WM Finale stand... kommen zu den 7 Titelträgern nur Ungarn 1938 und 50, Schweden 1958, die Tschechoslowakai 1934 und 62 und die Niederlande 74, 78 und 2010 dazu... das sind 11 unterschiedliche Finalteilnehmer...
Wenn man dann völlig random 1970 als Stichtag ansetzt (Warum den? Na um England auszugrenzen, ist doch logisch)... Gab es im wesentlichen nur noch Brasilien, Italien, Deutschland, Holland, Argentinien, Frankreich und Spanien als Finalteilnehmer... Dass sind 7 unterschiedliche Finalteilnehmer bei 12 Turnieren... über einen Zeitraum von 48 Jahren... In diesen 12 Turnieren hieß das Finale 3 Mal Argentinien - Deutschland... oder anders herum... Details...
Diese Serie, so viel steht jetzt schon fest, wird durchbrochen werden... weil nur noch Brasilien und Frankreich in der Verlosung sind... und die würden im Halbfinale aufeinander treffen... Aber rein statistisch wissen wir jetzt schon, dass das Finale aus England gegen Frankreich oder Brasilien heißt. Das ist historisch die einzige Möglichkeit, die übrig bleibt... Und Spoiler an der Stelle: Raheem Sterling wird am Ende mit seinem 3. Länderspiel-Tor das Ding entscheiden. Einfach nur, weil es am passendsten ist: Der Spieler, der ständig dafür kritisiert wird, dass er nicht trifft, macht die Nation, die ständig enttäuscht zum Titelträger...
Denn natürlich gibt es bei einer WM immer wieder Sensationen und Außenseiter, die weiter kommen als erwartet... vor 4 Jahren stand Costa Rica im Viertelfinale... In Südafrika war Ghana ein Elfmeterschießen vom ersten Halbfinale für eine afrikanische Mannschaft entfernt. 2006 war die Ukraine im Viertelfinale... und niemand (Besonders keine Schweizer, die das Elfmeterschießen mit 0:3 verloren) kann im Nachhinein erklären warum... 2002 schmiss Südkorea erst Italien und dann Spanien raus um ins Halbfinale zu kommen... und Senegal gegen die Türkei hieß ein weiteres Viertelfinale... 1998 legte Dänemark gegen Brasilien einen Klassiker der Fußballgeschichte auf den Rasen... um doch knapp auszuscheiden...
Es gibt sie, die "Cinderella Storys", wie man sie im NCAA Basketball Turnier kennt. In jedem Turnier. Aber sie enden immer im Viertel oder Halbfinale.
Der Turniermodus fördert diese Geschichten ja auch ein Stück weit. Denn 3 Spiele sind verdammt wenig um festzustellen, wer wirklich die beste Mannschaft einer Gruppe ist. Trotzdem darf diese so genannte beste Mannschaft dann gegen die theoretisch schwächere aus der anderen Gruppe antreten. Und so kommt dann ein Achtelfinale Schweden - Schweiz zustande... Ein Spiel, welches garantiert einen Überraschungsviertelfinalisten produzieren muss...
Wenn man bedenkt, dass die Schweden vorher Holland, Deutschland und Mexiko hinter sich gelassen haben... waren die Schweizer bisher echt das leichteste "Los"... Und mit England sinkt das Gegnerniveau ja nur noch weiter...
Dass diese Geschichten noch nie ins Finale geführt haben... während es alle 12 Jahre einen absolut zufälligen Europameister gibt, was jegliche Theorie sofort über den Haufen wirft... ist halt das, was den Sport so faszinierend macht: Man kann ihn einfach nicht erklären.
Denn einerseits ist das Spiel unvorhersehbar, andererseits kann man das Endergebnis eines Turniers bisher (Ich arbeite ja hart am Vorführeffekt) immer sehr gut vorhersagen. Zumindest das Teilnehmerfeld von 32 Mannschaften auf 4 bis 5 Titelfavoriten runter kürzen, die sich dann immer durchsetzen. Diese Kombination ergibt einfach keinen Sinn. Aber das macht den Sport ja so schön.
Trotzdem ist gerade die Fifa Weltmeisterschaft der Wettbewerb, in dem Außenseiter die schlechtesten Siegchancen haben. Hier sei nochmal auf die 7 unterschiedlichen Weltmeister verwiesen... und dem Fakt, dass sich (auch wenn das Revisionist History sein könnte) immer einer der 4 Turnierfavoriten durchsetzt. Also vor 4 Jahren gab es einfach keinen Weg mehr, den einen Titel für Deutschland zu verhindern... nicht mal Jogi Löw schaffte dies, obwohl er es echt versucht hat... Der große Favorit wurde Weltmeister...
2010 gingen alle vorher davon aus, dass niemand die spanische Passmaschine aufhalten kann... und auch wenn es knapper war als erwartet... und Andres Iniesta eines seiner 13 (In Worten DREIZEHN, bei 133 Spielen...) Tore im Nationalmannschaftstrikot erzielte, hat es am Ende doch funktioniert.
Faszinierender Weise konnten sich beide Weltmeister auf das Pass- und Positionsspiel, welches der von Pep Guardiola trainiert Vereinsblock in die Mannschaft einbrachte, verlassen. Das mag wie eine absurde Statistik aussehen, ergibt aber verdammt viel Sinn, wenn man bedenkt, dass Deutschland 5 Bayern-Profis und Spanien 6 Barca-Profis in der Startelf stehen hatte...
Davor kam die größte Überraschung der Neuzeit: Italien wurde Weltmeister 2006. Damit haben wenige gerechnet, weil Italien eigentlich mitten in einem Manipulationsskandal steckte... Der im Zwangsabstieg des Rekordmeisters endete... Aber wenn Italien als größte Überraschung ankündigen muss... eine Fußballnation mit epischer Tradition und einer Mannschaft mit hervorragender Organisation... Dann weiß man, dass es eigentlich keine Überraschungen gibt...
2002 war Brasilien um das geniale Offensivtrio Rivaldo, Ronaldinho und Ronaldo dran. Und klar, die WM verlief (ähnlich wie diese bisher) völlig bekloppt... Trotzdem gewann am Ende die beste Mannschaft gegen Deutschland in einem Standartfinale...
4 Jahre zuvor scheiterten die noch an Zidanes Frankreich. Das war halt die WM dieses Superstars.
Und darauf bin ich ja beim Quick Recap noch gar nicht eingegangen: Nicht nur die Titelträger waren immer die üblichen Verdächtigen... auch die Finalgegner... die WM 2002 war eigentlich völlig absurd. Ein extremes Favoritensterben... auch weil Spanien gegen den Gastgeber verpfiffen wurde... Trotzdem gab es am Ende eines der Standartfinale Deutschland - Brasilien...
Das ist ja das nächste faszinierende: Nicht nur die 7 Titelträger sind eine extrem geringe Anzahl... Aber wenn man sich jetzt fragt, wer denn alles in einem WM Finale stand... kommen zu den 7 Titelträgern nur Ungarn 1938 und 50, Schweden 1958, die Tschechoslowakai 1934 und 62 und die Niederlande 74, 78 und 2010 dazu... das sind 11 unterschiedliche Finalteilnehmer...
Wenn man dann völlig random 1970 als Stichtag ansetzt (Warum den? Na um England auszugrenzen, ist doch logisch)... Gab es im wesentlichen nur noch Brasilien, Italien, Deutschland, Holland, Argentinien, Frankreich und Spanien als Finalteilnehmer... Dass sind 7 unterschiedliche Finalteilnehmer bei 12 Turnieren... über einen Zeitraum von 48 Jahren... In diesen 12 Turnieren hieß das Finale 3 Mal Argentinien - Deutschland... oder anders herum... Details...
Diese Serie, so viel steht jetzt schon fest, wird durchbrochen werden... weil nur noch Brasilien und Frankreich in der Verlosung sind... und die würden im Halbfinale aufeinander treffen... Aber rein statistisch wissen wir jetzt schon, dass das Finale aus England gegen Frankreich oder Brasilien heißt. Das ist historisch die einzige Möglichkeit, die übrig bleibt... Und Spoiler an der Stelle: Raheem Sterling wird am Ende mit seinem 3. Länderspiel-Tor das Ding entscheiden. Einfach nur, weil es am passendsten ist: Der Spieler, der ständig dafür kritisiert wird, dass er nicht trifft, macht die Nation, die ständig enttäuscht zum Titelträger...
Denn natürlich gibt es bei einer WM immer wieder Sensationen und Außenseiter, die weiter kommen als erwartet... vor 4 Jahren stand Costa Rica im Viertelfinale... In Südafrika war Ghana ein Elfmeterschießen vom ersten Halbfinale für eine afrikanische Mannschaft entfernt. 2006 war die Ukraine im Viertelfinale... und niemand (Besonders keine Schweizer, die das Elfmeterschießen mit 0:3 verloren) kann im Nachhinein erklären warum... 2002 schmiss Südkorea erst Italien und dann Spanien raus um ins Halbfinale zu kommen... und Senegal gegen die Türkei hieß ein weiteres Viertelfinale... 1998 legte Dänemark gegen Brasilien einen Klassiker der Fußballgeschichte auf den Rasen... um doch knapp auszuscheiden...
Es gibt sie, die "Cinderella Storys", wie man sie im NCAA Basketball Turnier kennt. In jedem Turnier. Aber sie enden immer im Viertel oder Halbfinale.
Der Turniermodus fördert diese Geschichten ja auch ein Stück weit. Denn 3 Spiele sind verdammt wenig um festzustellen, wer wirklich die beste Mannschaft einer Gruppe ist. Trotzdem darf diese so genannte beste Mannschaft dann gegen die theoretisch schwächere aus der anderen Gruppe antreten. Und so kommt dann ein Achtelfinale Schweden - Schweiz zustande... Ein Spiel, welches garantiert einen Überraschungsviertelfinalisten produzieren muss...
Wenn man bedenkt, dass die Schweden vorher Holland, Deutschland und Mexiko hinter sich gelassen haben... waren die Schweizer bisher echt das leichteste "Los"... Und mit England sinkt das Gegnerniveau ja nur noch weiter...
Dass diese Geschichten noch nie ins Finale geführt haben... während es alle 12 Jahre einen absolut zufälligen Europameister gibt, was jegliche Theorie sofort über den Haufen wirft... ist halt das, was den Sport so faszinierend macht: Man kann ihn einfach nicht erklären.
Denn einerseits ist das Spiel unvorhersehbar, andererseits kann man das Endergebnis eines Turniers bisher (Ich arbeite ja hart am Vorführeffekt) immer sehr gut vorhersagen. Zumindest das Teilnehmerfeld von 32 Mannschaften auf 4 bis 5 Titelfavoriten runter kürzen, die sich dann immer durchsetzen. Diese Kombination ergibt einfach keinen Sinn. Aber das macht den Sport ja so schön.
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