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Dienstag, 4. Februar 2025

Das Niko Kovac Experiment wird interessant.

 Auch wenn der Fußball eher nicht schmecken wird.

Zunächst mal müssen wir dafür nochmal einen letzten Blick auf die Azubi-Ära Nuri Şahins werfen. Denn der kommt mir tatsächlich gerade etwas zu gut weg. Das Narrativ fokussiert sich ja doch schon stark darauf, dass die Führungsebene in Dortmund gerade kaputt ist. Bei den ständigen Streitigkeiten mit verwirrenden Fronten kann man gar nicht gut arbeiten. Die ganzen Konfliktherde zwischen Joachim Watzke, Matthias Sammer, Sebastian Kehl, Lars Ricken und Sven Mislintat sind schuld an der ganzen Misere. Şahin ist da nur das Opfer.

Und die haben ihren Anteil. Gerade im Dreieck Kehl - Ricken - Mislintat scheint ja jeder gegen den anderen zu arbeiten, damit er dessen Platz übernehmen kann. Ein gutes Dreieck funktioniert halt anders: "Zwei Punkte bilden die Basis, der in der Mitte die Spitze. Welcher das ist, hängt davon ab, wo sich der Betrachter befindet." Gute Gruppen funktionieren so. Und ja, für einen Trainerneuling sind das keine optimalen Bedingungen.

Trotzdem kann das keine Ausrede für die tägliche Arbeit mit der Mannschaft sein. Und da wirkt das Zeugnis für Sahin eben richtig beschissen. Lasst uns das mal an einem scheinbar unwichtigen Detail festmachen, der es aber trotzdem in die Sportschau Zusammenfassung geschafft hat: Waldemar Anton blieb gegen Heidenheim am Ende mit einem Krampf am Boden liegen. Der Optimist sieht da einen aufopferungsvollen Kampf. Die Mannschaft hat alles gegeben und alles reingeworfen. Großartig. Und das stimmt auch irgendwie. Aber das dieses "alles" so verdammt wenig ist, ist ein verdammtes Problem.

Überlegt einfach mal, wie oft ihr Krämpfe in einem "normalen Bundesligaspiel" seht. Das passiert sowieso nur sehr selten. Denn das sind ja Profis, die bereiten sich monatelang darauf vor, diese Belastung zu überstehen.
Und wenn es doch mal einen Krampf gibt, dann kommt der meist auf der Außenseiter-Seite. Bei der Mannschaft, die sich aufopferungsvoll in jeden Zweikampf geworfen hat. Die den ganzen Tag lang dem Ball hinterherjagen mussten. Und eben nicht bei der Mannschaft, die in der ersten Halbzeit 80 % Ballbesitz hatte. 

Dortmund hatte das Spiel komplett im Griff. Sie beherrschten Ball und Gegner. Trotzdem ging ihnen nach 60 Minuten die Luft aus und Heidenheim konnte die individuellen Nachteile immer besser kaschieren. Am Ende hätte Anton fast noch den Ausgleich erzielt.

Und Anton ist halt auch "nur" 11 Kilometer gelaufen. Das spricht nicht für die körperliche Verfassung dieser Mannschaft. Şahin hatte ja am Ende Glück, dass seine Vorgesetzten so zerstritten war, denn wenn die sich früher mit der Verfassung dieser Mannschaft beschäftigt hätten, wäre ihnen vielleicht aufgefallen, dass der Trainer mit einer seiner Grundaufgaben "Fitness" überfordert ist. Dann hätten sie vielleicht rechtzeitig reagiert. Denn der körperliche Zustand dieser Mannschaft ist einfach inakzeptabel.

Das ist ja nicht nur der Krampf von Anton. Wenn man sieht, wie die versuchen, den sprintenden Gegnern zu folgen. Es sei da nochmal demonstrativ auf das 1:0 der Frankfurter verwiesen. Ich habe da nicht den Eindruck, dass Ramy Bensebaini da nicht hinterher sprinten will, weil er gegen den Trainer agiert. Ich habe eher den Eindruck, dass der einfach nicht schneller kann, was ein vernichtendes Urteil für die Arbeit des Trainers ist. Und dass die Dortmunder in ungefähr dem Tempo nachsetzen, wenn die Pressinglinie überspielt worden ist, war ja kein bedauerlicher Einzelfall.

Die Mannschaft in dieser Verfassung gegen spielstarke Gegner wie Bayer Leverkusen hoch pressen zu lassen, ist taktischer Wahnsinn. Das die Mannschaft physisch nicht in der Lage ist, dieses Pressing zu spielen, ist ein ganz anderes Problem.

Da muss man dann ja auch noch all die Muskelverletzungen erwähnen, die irgendwie pro Şahin ausgelegt wurden. Der kann ja nichts dafür, dass seine Mannschaft nicht fit ist. Ist ein Software-Problem, da kann man nichts machen. Aber es ist selbst Sport1 aufgefallen, dass es kein Zufall sein kann, wenn 10 Spieler gleichzeitig mit leichten Verletzungen ausfallen. Die stehen jetzt nicht für tiefgründige Analysen und gründliche Recherche.

An der Stelle muss man festhalten, dass bereits Nuri Şahins Spielerkarriere durch viele kleine Verletzungen ausgebremst worden ist. Man musste irgendwie einplanen, dass der zwischen 2 und 5 Spielen wegen Kleinigkeiten verpassen wird. Nur 2017/18 war er offiziell immer einsatzbereit. Also als er in Dortmund meistens auf der Bank saß, hat er sich beinah nicht verletzt. Immerhin. Und oftmals standen irgendwelche, nicht näher definierten "Probleme" in der Krankenakte. Genau diese Kleinigkeiten hat der von ihm trainierte Kader jetzt auch ständig. Aber da gibt es bestimmt keine Zusammenhänge.

Die Dortmunder Mannschaft ist offensichtlich nicht fit genug, um die für sie ganz normale Belastung zu überstehen. Überrascht es da jemanden, dass in der einen Verlängerung, die sie spielen mussten, nichts mehr von ihnen kam? Und all diese Probleme waren schon im November offensichtlich, da ist es eher Wahnsinn, dass der überforderte Şahin so lange weiterwursteln durfte. Die Streitereien in der Vereinsspitze haben ihm also eher geholfen.

Und da kommt jetzt Niko Kovač. Das ist schon eher der Typ Schleifer. Jemand, der eine Büffelherde auf die Gegner loslässt. Bei ihm war die körperliche Fitness immer die nicht verhandelbare Grundlage. Mit einem Laissez Faire Profi wie Max Kruse konnte er noch nie was anfangen. Und langfristig ist das gut für die Dortmunder. Aber die spannende Frage: kann ein Dead Coach Bounce die Fitness einer Mannschaft reparieren? Kann ein Kovač während der Saison die vernachlässigte Grundlagenarbeit nachholen, ohne dass es weitere Verletzte gibt? Wenn er planmäßig in den ersten 6 Wochen 4-mal in der Champions League antreten "darf"? Also davon ausgehend, dass man sich zumindest gegen Sporting Lissabon durchsetzt, hat Kovač erstmal nur 2 komplette Trainingswochen zur Verfügung, um die grundlegenden Probleme zu lösen. 

Dabei halte ich Kovač, tatsächlich für die beste Option, um Stabilität, Disziplin und Zug in diese Mannschaft zu bringen. Mir würde aus dem Stegreif keine andere Option einfallen, der ich das zutrauen würde und die verfügbar ist. Außer dem, der nicht genannt werden darf, weil sich selbst das unheilige Dreieck einig ist, dass man jetzt nicht über Edin Terzić nachdenken darf. 

Dortmund MUSS jetzt ja irgendwie Vierter werden. Vielleicht kann man dank der Klub-WM eine Saison ohne Champions League finanzieren. Das wäre aber eher ein Notfallplan. Und eine erfolgreiche Klub-WM bedeutet dann wiederum eine komplizierte Vorbereitung auf 2026. In diesem Sommer die fehlenden Grundlagen aufzuarbeiten wird auch nicht leicht. Wenn man dann erstmal raus ist aus der Champions League, könnte die Rückkehr plötzlich schwierig werden. Denn die Offensivdiamanten werden im Zweifelsfall, Stand jetzt, lieber nach Frankfurt gehen, als in Dortmund Europa League zu spielen. Denn die kommen ja alle nicht nach Dortmund, weil die Landschaft so schön restauriert wurde, sondern weil sie sich in der Champions League präsentieren wollen. Das ist, nüchtern betrachtet, das einzige, was Haaland und Bellingham ins Ruhrgebiet gezogen hat.

Das klingt alles nach übertriebener Panik, aber Dortmund wäre nicht der erste Verein, der durch das Verpassen der Königsklasse in eine Negativspirale gerät. Genaugenommen ist es Dortmund selbst schonmal passiert.

Ob Kovač der diese total kaputte Mannschaft reparieren kann, ist plötzlich die spannendste Frage der Rückrunde. Oder ob er wenigstens einen brutal pragmatischen Fußball präsentieren kann, mit dem man dann irgendwie die nötigen Punkte für Platz 4 holt. Und wenn diese Mission scheitert, wird die 2025-26er Saison die wichtigste der letzten 20 Jahre. Denn in der Saison muss man sich zwingend wieder für die Champions League qualifizieren, sonst ist man faktisch in der Abwärtsspirale.

Aber warum Kovač da der richtige Mann sein dürfte, kläre ich morgen. Man kann ja nicht nur negatives über Dortmund schreiben.

Mittwoch, 30. Oktober 2024

Suri Sahin zu entlassen, wird nicht wirklich helfen.

 Die Dortmunder Probleme sitzen tiefer. Was auch keine Neuigkeit ist.

Ich kam ja gestern pünktlich zum doch vermiedenen Elfmeterschießen nach Hause. Das Tor habe ich dann direkt gesehen. Was auch der erste Schuss aufs Tor war. Anscheinend haben die auf mich gewartet, wie nett von denen. Bei den Highlights fällt mir vor allem eines auf: Keiner der beiden Torhüter musste eine Parade zeigen, um bis die 117. Minute die 9 zu halten. Klar, Maximilan Beier traf den Pfosten, da hatte Kamil Grabara ein Mal Glück. Aber alle anderen Versuche gingen am Kasten vorbei. Das ist der ganz große Sport, der uns im frei empfangbaren Fernsehen geboten wurde.

Wirklich geil ist auch, dass das einzige Highlight des Spiels, also das Tor, mit dem Gewusel im Strafraum anfängt. Wer die Flanke zum Tor geschlagen hat, werden wir nie erfahren. 

Oder wie es Tom Bartels so schön ausdrückte: Dieses Spiel hätte ein Elfmeterschießen verdient gehabt. Das ist nur ein Kompliment, wenn ein großartiges Fußballfest mit 7 Toren gegeben hat. Wenn beide Mannschaften konsequent am Tor vorbeigeschossen haben, ist es eher eine 1 mit Stern im Armutszeugnis.

Die geilste Analyse kam dann zum Führungsspieler Emre Can: Der hat immerhin... nicht so viel falsch gemacht. Julian Brandt hat in der für ihn ungewohnten, tieferen Rolle ordentlich gespielt. Das war alles nicht schlimm. Also verglichen mit Marcel Sabitzer, der vor dem 1:0 eben nicht in den Zweikampf kommt.

Aber wenn im Arbeitsnachweis deiner Führungsspieler "hat immerhin nichts falsch gemacht" steht, ist das kein gutes Zeichen. Das ist genau eines dieser Spiele, in denen Can und Brandt vorne weg marschieren müssen. Also zwingend, denn das sollen ja deine Führungsspieler sein. Wenn man gemeinsam Titel holen will, müssen sie in solchen Momenten gute bis überragende Leistungen zeigen. Nicht einfach nur Mitlaufen. Aber in Dortmund laufen die Führungsspieler einfach nur mit.

Das zeigt aber auch das strukturelle Problem dieses Kaders. Man scoutet und kauft immer wieder hochtalantierte Spieler, die aber zu schnell weiterziehen. Übrig bleiben nur die ordentlichen Talente, die nicht gut genug sind, für den Sprung zu den Bayern. Oder es kommen die Spieler, die es bei Juventus Turin langfristig nur zum Ergänzungsspieler schaffen. Julian Brandt und Emre Can halt. Und weil diese Spieler dann nach dem plötzlichen und überraschenden Abgang von Marco Reus am längsten im Verein sind... werden sie zu Führungsspielern gemacht. Und das, obwohl sie auf dem Niveau, auf den Dortmund mitspielen will und die überragenden Talente mitspielen müssen, nur Mitläufer sind.

Wenig überraschend kamen Can und Brandt bei den Niederlagen gegen Union Berlin und dem FC Augsburg auf einen gemeinsamen Notenschnitt von 4,875. Beim 5:1 gegen den VfB Stuttgart geht Brandt mit einer 5,0 mit unter. Es ist also keine große Überraschung, dass von den beiden in den wichtigen Momenten viel zu wenig kommt. Es ist deren Modus Operandi.

Und zumindest bei Brandt hätte man das ja erahnen können. Also ja, der lässt seine unfassbar guten technischen Fähigkeiten immer wieder aufblitzen. Aber er taucht auch in aufeinanderfolgenden Spielen gegen Bayern und Stuttgart komplett ab und bekommt 2 mal infolge eine 5,0. In genau den Spielen, in denen es am wichtigsten wäre, vorne weg zu marschieren. Gegen den VfB Stuttgart, also einem der plötzlichen Hauptkonkurenten kommt er auf 3 unsichtbare Spiele inklusive Pokal. Und der BvB verliert alle 3 Duelle. Gegen RB Leipzig kam er bei 2 Niederlagen immerhin auf 2 Assist. Aber wirklich gut war er bei der 2:3 Hinspielniederlage laut Kicker trotz der 2 Vorlagen nicht. Das muss man erstmal schaffen, normalerweise bekommen alle Spieler mit 2 Vorlagen mindestens eine 2,5. Bei den beiden Unentschieden gegen Bayer Leverkusen war seine Leistung in Ordnung, aber nicht überragend. Und so gewinnt man, auch wenn man als einzige Mannschaft nicht gegen Leverkusen verloren hat, nur eines der 9 Spiele gegen die Top 4 in der Tabelle. Und Brandt liefer, laut Kicker Noten, in diesen 9 Spielen nicht ein Mal eine gute Leistung ab. 

Und als Belohnung wird er Vize-Kapitän und Führungsspieler. Das ist dann der Mann, an dem sich all die Talente aufrichten sollen, wenn es mal nicht funktioniert... Großartige Idee. Und ja, es gab den absurden Lauf durch in Champions League Finale, in dem sich die Dortmunder in einen Rausch steigerten und auch Brandt auf internationaler Bühne wirklich gute Spiele hatte. Aber sollte man die 3 Spiele gegen Paris St. Germain und Atletico Madrid höher einschätzen, als die jahrelange Erfahrung, die man in der Liga gemacht hat? Und das Brandt in wichtigen Ligaspielen immer wieder abtaucht, ist keine neue Erkenntnis. 

In seiner gesamten Karriere hat er insgesamt 2 gute Spieler gegen die Bayern (also Kickernote 2,5 oder besser) im Zeugnis stehen: am 4.12.21 war er wirklich gut, auch wenn es am Ende eine Niederlage gibt. Bester Dortmunder. Und beim 3:1 Sieg von Bayer Leverkusen bekam er eine 2,0. Richtig gelesen: Sein 2. gutes Spiel war noch nicht mal im Dortmunder Trikot, sondern stammt aus der Saison 2018/19. Im Gegensatz bekam er 8 mal die Note 5,0 oder schlechter. Inklusive einer 6,0 bei einem 4:0 in München.

Das ist ja die nächste wichtige Erkenntnis: Brandt ist kein junger Spieler mehr. Der kann dem Tod gelassen ins Auge sehen. Und er hat schon in verdammt jungen Jahren verdammt viel Erfahrung gesammelt. Er hatte viele verschiedene Trainer... und keiner von denen schaffte es, dieses ständige Abtauchen abzustellen. 

Damit will ich nicht sagen, dass Brandt per se ein schlechter Spieler ist. Für 14 Bundesligisten wäre er eine ganz klare Verstärkung. Und wenn er, umgegeben von Führungsspielern, ein stabiles System vorfinden würde, könnte er auch auf gehobenem Niveau mitlaufen. Er ist aber ganz offensichtlich nicht der Spieler, der für dieses stabile System sorgen kann.

Dass er zum Führungsspieler hochgestolpert ist, war aber auch alternativlos. Irgendjemand musste es ja machen. Marcel Sabitzer ist so ein wenig das Gegenteil von Brandt, weil er an den Feiertagen groß aufspielen kann... aber ihm fehlt auch definitiv die Konstanz. Pascal Groß hat mit 32 den Schritt vom englischen Mittelklasseverein in die Königsklasse geschafft. Der muss primär erstmal froh sein, dass er überhaupt in der Champions mitspielen darf. Emre Can ist der lebende Beweis, dass dieses Mentalitätsding ja ganz nett ist, dass man aber ab einem gewissen Niveau auch ordentlich kicken können muss. Nilas Süle musste sich erstmal selbst aus seinem persönlichen Motivationsloch herausarbeiten. Ramy Bensebaini ist nur ein Ergänzungsspieler. Serhou Guirassy spielt ebenfalls seine erste Champions League Saison und ist halt mehr der Vollstrecker, als ein Vorneweg Marschierer. Alle anderen Feldspieler sind jünger als Brandt. Teilweise deutlich jünger. 

Die kurzfristigste Lösung wäre ja ein Nico Schlotterbeck, dem ich den Sprung zum Führungsspieler mit seinen noch 24 Jahren am ehesten zutrauen würde. Aber wenn der Junge wirklich den Sprung zum Innenverteidiger auf gehobenen internationalem Niveau macht, macht er als nächstes auch den Absprung zu einem besseren Verein. Die einzige Hoffnung ist und bleibt, dass sich Schlotterbeck so in diesen Verein verliebt, dass er bleibt, obwohl er zu einem besseren Verein gehen kann. Was halt relativ unwahrscheinlich ist, weil er seine Wurzeln halt in Freiburg und nicht in Dortmund hat.

Bleibt also die langfristige Hoffnung, dass Dortmund das Problem löst, indem sie selber einen Jungen aus dem Ruhrpott ausbilden, der die BvB DNA mit der Muttermilch aufgenommen hat und deswegen, wie ein Marco Reus, die Angebote der größeren Konkurrenz ausschlägt. Man muss dann nur noch darauf hoffen, dass der Körper dieses Spielers der Belastung auch standhält, was ja bei Reus auch immer ein Problem war. Also realistisch bedeutet dies, dass sie Tom Rothe und Felix Passlack so entwickeln, dass man die in 2 Jahren für jeweils 30 Minuten zurückkaufen muss... Geiler Plan.

Denn da sind wir aber schon wieder an dem Punkt, dass seit 15 Jahren kein Dortmunder Junge den Durchbruch bei den Profis geschafft hat. Und ja, dass Rothe jetzt bei Union so durchstartet, ist ein ganz schlechtes Zeichen für die "Wir haben denen doch eine Perspektive aufgezeigt" Fraktion im Verein. Denn anscheinend ist der Junge schon gut genug, um die Außenbahn in der Bundesliga zu beackern. Aber im eigenen Verein wurde er halt nicht geschätzt und man setzt weiter auf andere, eingekaufte Spieler wie Julian Ryerson. Und Ryerson ist auch einer der Spieler aus der Kategorie "Nett, aber nicht gut genug für die Bayern". Rothe könnte das vielleicht noch werden, man entschied sich aber dafür, ihn zu verkaufen. 

Dortmund wird es also nie schaffen, die Führungsspieler, die sie zwingend brauchen, einzukaufen, weil sich diese Spieler immer für einen größeren Verein entscheiden werden. Sie werden es aber auch nie schaffen, diese Spieler selbst auszubilden, weil ihre eigene Jugendarbeit beschissen ist und sie lieber auf ausländische als auf eigene Talente setzen. 

Damit wird man sich auch in den nächsten 5 Jahren in genau dieser Endlosschleife befinden: Man hat eine hochtalentierte Mannschaft, die an guten Tagen fast jeden Gegner an die Wand spielen kann, der es aber an Stabilität mangelt, um auch an nicht so guten Tagen die Spiele konstant zu gewinnen. So wird der Vorstand immer denken, dass da eigentlich mehr gehen müsste, aber nie begreifen, dass es dafür ein grundlegendes Umdenken an der Akademie geben muss.

Dass Nuri Sahin anscheinend kein wirklich guter Trainer ist, hilft in diesem Moment nicht wirklich weiter. Einen Azubi mit dieser beinah unlösbaren Aufgabe zu beauftragen, ist aber auch naiv. Zu glauben, dass ein anderer Trainer dieses Problem lösen kann, ist aber ebenfalls naiv.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Nuri Sahin wechselt zu Real Madrid


Und die spannende Frage ist: Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?
Jahrelang wurde gerätselt, ob die Bundesliga wieder zu den besten Ligen der Welt gehört, oder nicht. Mit Argumenten für beide Seiten. Einen Allgemeinen Fortschritt konnten aber definitiv alle erkennen, schließlich ist die Zeit, in der man sowohl auf Klub- als auch auf Nationalmannschaftsebene vor den Rumänen Angst hatte, erst mal vorbei…
Auf der einen Seite steht die Rückeroberung des 4. Champions League Platzes, auf der anderen die 10 Jahre ohne Internationalen Titel. Die einen behaupten, es kommen wieder vermehrt Stars in die Bundesliga, die andern sagen: Ja, aber nur, wenn sie alt sind oder andere Macken haben. 
Aber nehmen wir mal einen anderen Maßstab:
Wie viele Stars hat die Bundesliga in letzter Zeit ausgebildet? Und ich lege mal eine sehr enge Definition von Star fest: Es geht um Spieler, die aus der Bundesliga direkt zu einem dieser großen Vereine, die jedes Jahr um die Champions League mitspielen (wollen), wechseln und dort dann auch spielen. In den letzten 10 Jahren gab es da 2 Spieler: Michael Ballack (logisch) Markus Babbel (Ok, wie konnte das passieren?). Beide Spieler kamen von Bayern München also dem Verein, der Deutschland auch regelmäßig International darstellt.
Jetzt wechseln innerhalb eines Jahres 3 Spieler zu Real Madrid und keiner von denen kommt von den Bayern. Das liegt natürlich auch an der Nationalmannschaft, in der sich Mesut Özil und Sami Kehdira präsentieren konnten. Dennoch hat der VfB Stuttgart und Werder Bremen zwei Spieler ausgebildet, die sich bei Real Madrid erst mal durchgesetzt haben. Und das Nuri Sahin das schaffen kann, stellt glaub ich niemand in Frage.
Nuri Sahin wagt diesen Sprung nun ohne vorher Champions League oder eine brauchbare WM gespielt zu haben. Und das spricht wiederum für das Niveau der Bundesliga: Die besten Spieler dieser Liga waren früher eigentlich nur für die Bayern interessant, jetzt können sie auch zu großen Vereinen ins Ausland wechseln. Und wenn man sich anschaut, was alles so nachkommt, könnte es wieder mehr Spieler geben, die an den Bayern vorbei ins Ausland gehen. 
Die Scouts der großen Mannschaften sind wieder auf die Bundesliga aufmerksam geworden, weil Özil und Kehdira bewiesen haben, dass man dort brauchbare Spieler finden kann. Und das spricht auf jeden Fall für ein gewisses Niveau in der Bundesliga.
Und so gerne ich Nuri Sahin noch jedes Wochenende spielen sehen würde, der Fakt, dass die Bundesliga wieder solche Spieler ausbildet, ist ein positiver.