Donnerstag, 26. August 2021

Eine individuelle Saisonvorschau: Thomas Müller

 Wer hätte das gedacht? Aber ja, Thomas Müller entscheidet im Zusammenspiel mit Julian Nagelsmann, wer Meister wird. Er kann ganz alleine das Meisterschaftsrennen spannend machen, wenn er sich quer stellt.

Denn hier muss man, was niemanden überraschen wird, nochmal darauf hinweisen, dass Thomas Müller ein großes Problem hat: Er ist gegen durchschnittliche Gegner (und Borussia Dortmund, die vor ihm in Ehrfurcht erstarren) Weltklasse. Aber gegen überragende Gegner eher Durchschnitt. Also mit viel gutem Willen Durchschnitt.

Praktisch kann man an dem 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach gut ablesen, was er gegen Gegner, die sich wirklich wehren, leisten kann. Denn da war er doch wieder unsichtbar. 

Wie auch in beinah jedem relevanten Champions League Spiel seit 2016. Also außer dem 8:2 gegen Barcelona natürlich. Also nur um das mal festzuhalten: Selbst der Kicker, der ja Müller sonst immer sehr wohlgesonnen ist und noch nie auf die Idee kam, dass der vielleicht die die Lösung aller Probleme sein könnte, hat ihm trotz eigenem Tor gegen Paris St.Germain nur eine 3 gegeben. Im Rückspiel, als es um alles ging, war er wieder nur Mitläufer. Wie immer halt.

Also nur um das mal zu verdeutlichen sind hier Müllers Champions League Einsätze mit selbst erzielten Toren seit 2016 aufgelistet. Ich weiß, klingt spezifisch, aber aus irgendwelchen Gründen setzt Fussballdaten.de bei 2016 einen Cut, den habe ich mir nicht ausgesucht. Aber euch wird auffallen, dass Müller seit 2016 im Viertelfinale... 2 Tore gegen ein völlig überfordertes Barca und eines gegen Paris erzielt hat. Das war's. Dazu kommt noch ein Tor im Achtelfinale gegen Arsenal London. Ich würde hier jetzt schreiben, dass Arsenal halt seit Jahren nicht mehr zur europäischen Elite gehört, aber 2 meiner Stammleser sind Arsenal Fans und ich habe nicht sooo viele Stammleser, dass ich mir das leisten kann... von daher ist das Tor gegen Arsenal eine überragende Leistung. Wenn Müller damals nicht getroffen hätte, wäre Arsenal zum Titel durchmarschiert... Ja, die hätten das Spiel noch gedreht, wenn Müller nicht das 5:1 erzielt hätte.

Und nur um mal zu erwähnen, dass diese Champion Leauge Spiele keine Ausnahme sind: Thomas Müller hat 9 Anläufe gebraucht, um ein mal gegen RB Leipzig zu treffen. Nun muss man an der Stelle zugeben, dass seine 3 Scorerpunkte aus der letzten Saison tatsächlich beeindruckend wirken. Aber er hat diese Tore auch dringend gebraucht damit überhaupt etwas auf der Habenseite steht.

Und wo ich schon dabei bin: Selbst gegen die in Ehrfurcht erstarrenden Dortmunder hat er zuletzt 2017/18 getroffen. Bei einem 6:0. Nur um das mal zu relativieren: In den letzten 3 Jahren haben die Bayern 19 Tore erzielt. Was nur mal dieses "In Ehrfurcht erstarren" verdeutlichen soll. Für die Dortmunder wäre es schon ein Fortschritt, wenn sie weniger als 6 Tore in einer Saison gegen die Bayern kassieren... Müller war an 3 dieser 19 Tore beteiligt. Aber im Supercup und im DFB Achtelfinale ist auf ihn verlass, da trifft er auch gegen Dortmund konstant.

Die Bayern haben seit Jahren das Problem, dass Müller in der richtig heißen Phase nur ein Mitläufer ist. Und sie haben ja letztes Jahr festgestellt, dass niemand so richtig zufrieden ist, wenn man "schon" im Viertelfinale der Champions League ausscheidet. Das ist aber in einem normalen, nicht durch Corona-Unterbrechungen geprägtem, Jahr der erwartbare Saisonverlauf. Das ist auch die realistische Prognose für diese Saison, auch wenn das keiner hören will.

Für die Bundesliga ist das in erster Instanz natürlich völlig egal. Denn selbst wenn Müller gegen Gladbach und RB Leipzig insgesamt nur einen Scorerpunkt sammeln wird, so kommt er gegen den überforderten Rest der Liga doch wieder auf 30 Torbeteiligungen. Das würde mich zumindest nicht überraschen. Und dann werden alle wieder darauf verweisen, wie gut der Müller ist, weil er gegen Augsburg und Mainz 6 Vorlagen gesammelt hat. Das hätte sonst ja keiner gekonnt.

Wo ich schon dabei bin: Ich gehe auch davon aus, dass Müller gegen Nordmazedonien 3 Tore erzielt und dann von allen zum Heiland auserkoren wird. Nur um dann im WM Viertelfinale wieder komplett unterzutauchen.

Da sind wir auch bei einem richtig wichtigen Einschub: Ich finde es erbärmlich, dass all die "Fans", die Toni Kroos als "Querpasstoni" verhöhnen und froh darüber sind, dass der Alte Sack endlich aufhörte, den Müller weiterhin hofieren. Obwohl Müllers letztes wirklich gutes Länderspiel nach wie vor aus dem Jahr 2014 stammt. Das wird von allen immer noch komplett ignoriert. 

Wenn ich die "alten Säcke", die seit Jahren keine Leistungen im Nationalteam bringen, aussortieren will, dann muss ich an der Stelle auch die Eier in der Hose haben und Müllers Rücktritt einfordern. Aber das lag ja nur daran, dass er zwischenzeitlich nicht eingeladen worden ist und deswegen nicht eingespielt war. Also die schlechten Leistungen 2016 und 2018 lagen nur daran, dass er 2020 aussortiert worden ist...

Aber zurück zu den Bayern. Die haben ein Problem: Die müssen den nächsten Angriff auf den Champions League Titel praktisch ohne Müller planen. Also zumindest ohne Müller als Stammkraft. Als Ergänzungsspieler, der seine Erfahrungen von der Bank aus an die nächste Generation weitergibt, könnte Müller durchaus helfen. Aber das ist eine Rolle, die er noch nie angenommen hat. Denn schon Carlo Ancelotti wollte ihn ja auf die Bank setzen und hat danach dann zeitnah die Kabine verloren.

Und hier ist das Problem: Ich halte Nagelsmann für intelligent und ehrgeizig genug, dass er erkennt, dass er Jamal Musiala als Herzstück der nächsten Offensive aufbauen muss. Umgeben von Serge Gnabry und (für die Bayern hoffentlich) Leroy Sané. Und weil Robert Lewandowski auch schon 33 Jahre alt ist, hat er auch nicht allzu viel Zeit... Im Idealfall macht Lewy das noch 3 Jahre auf höchstem Niveau mit. Das ist wirklich der Idealfall, denn das bittere Geheimnis von Cirstiano Ronaldo und Lionel Messi, die ja angeblich so wunderbar altern, ist halt, dass auch sie im Viertelfinale an ihre Grenzen stoßen. Klar, bei Messi ist das nicht mehr so relevant, weil er jetzt in Paris mit durch geschleppt werden kann. Aber er ist halt auch nicht mehr der Spieler, der auf diesem Niveau vorne wegmarschiert.

Zu erwarten, dass Lewandowski das mit 36 noch kann, ist auch extrem naiv. Dadurch hat Nagelsmann auch nicht mehr die Zeit um zu sagen: Na gut, dieses Jahr sichere ich erstmal die Meisterschaft und gucke mir Müller nochmal in der K.O. Phase an. Aber spätestens 2022 plane ich dann mit Musiala als Stammspieler. 

Sachlich gesehen ist es das vernünftigste Musiala mehr und mehr von Müllers Spielzeit zuzuweisen. Denn Meister wird man auch mit dem 18-jährigen Talent in wichtigerer Rolle. Aber Champions League Sieger wird man nur, wenn Musiala, Gnabry und Sané wichtige Schritte nach vorne machen. Diese Schritte können sie nur machen, wenn man ihnen wichtigere Rollen zuteilt. 

Dies bedeutet aber auch, dass Müllers eine kleinere Rolle akzeptieren muss. Wenn er dies tut, werden die Bayern auch in den nächsten 10 Jahren durchgehend Meister. Wenn er für Unruhe in der Kabine sorgt, hat die Konkurrenz eine Chance.

Mittwoch, 25. August 2021

Eine Individuelle Saisonvorschau: Erling Haaland

Schnell noch abarbeiten, bevor die Nebenwirkungen der 2. Impfung einsetzen...

Und ja: Sensation: Erling Haaland wird am Ende darüber entscheiden, wie spannend die Saison wird. Und wie weit Borussia Dortmund am Ende in allen Wettbewerben kommt. Aber nicht aus dem Grund, an den ihr jetzt als Erstes denkt.

Denn ob Haaland 20 oder 35 Tore erzielt, ist relativ egal. Wenn es für Dortmund läuft, läuft es auch bei ihm. Und ob er dann doppelt oder dreifach trifft, ist fast egal. Und das faszinierende ist: Wenn er trifft, trifft er meistens doppelt. Also letzte Saison stand er bei 10 Doppel- und einem Vierfachpack. Verglichen mit 3 Spielen mit einem Treffer. Und ja, ich weiß, ich wollte aufhören Kicker.de zu verlinken und mich auf deren Noten zu beziehen, aber sie sind die einzige, die das anbieten, deswegen mach ich das jetzt mit nem Disclaimer, dass gerade die Bewertungen mit Vorsicht zu genießen sind. Trotzdem: Haaland Statistik ist extrem interessant.

Also klar, die 13 Spiele, in denen er einen Treffer erzielte, sehen brillant aus. Das ist ein absoluter Weltklassespieler. Ganz bestimmt.

Aber die 14 Spiele, in denen er selber nicht trifft... sind überraschend finster. Da kommt er alleine 6 Mal auf die Note 5,0. Das sind doch eher Lukas Podolski in einem Halbfinale Statistiken, als wirkliche Weltklasse. Lasst uns mal fix nachrechnen: In den 14 Spielen kommt er auf einen Notenschnitt von 3,9. Das reicht gerade so fürs Abitur, damit kann man aber ausschließlich NC freie Fächer studieren... Dazu kommt er demonstrativ auf 6 (seiner insgesamt 8) Torvorlagen. Und 2 verschossene Elfmeter. Lustigerweise hat er gegen Union Berlin eine Torvorlage zugeschrieben bekommen, weil er einen Elfmeter verschossen hat und Marco Reus dann im Gestocher danach den Treffer erzielte.... Wenn Haaland noch mehr Elfmeter verschossen hätte, hätte er auch mehr Assists...

Aber wenn Haaland selber nicht trifft, ist er eine riesige Last, die von den Dortmundern mit durch geschleppt werden muss. Die Statistiken sprechen da eine eindeutige Sprache. Und das muss sich halt dringend ändern. Haaland muss auch dann ins Spiel kommen, wenn er selber nicht zum Abschluss kommt. Das ist DAS elementare Problem der Dortmunder.

Und der Auftakt war ja echt vielversprechend. Also 3 Vorlagen in einem Spiel gab es von ihm vorher noch nie. Dass er da nebenbei noch 2 Mal getroffen hat, kann man fast vernachlässigen. Er hatte Dortmund schon auf die Siegerstraße gebracht, bevor er selber ein Tor erzielte. Genau das brauchen die Dortmunder. Aber das Spiel gegen den SC Freiburg war halt doch ein bitterer Rückfall in die letzte Saison. Da war mal wieder komplett nichts von ihm zu sehen und sein Gegenspieler Nico Schlotterbeck durfte sich dafür feiern lassen, dass er Haaland aus dem Spiel genommen hat. Also er als Spieler des Tages und in die Elf des Spieltages nominiert. Obwohl wir wissen, dass es gar keine so große Leistung ist, Haaland aus dem Spiel zu nehmen, dass passiert 6 Mal pro Saison.

Wenn Dortmund wirklich Meister werden, oder wenigstens das Rennen spannend gestalten, will, dann muss Haaland Wege finden das Spiel positiv zu beeinflussen, wenn es bei ihm persönlich nicht läuft. Der offensichtlichste Weg dahin ist es, andere Spieler in Abschlusssituationen zu bringen, wenn man selber nicht in diese kommt. Das kann man an Torvorlagen immer gut festhalten.

Sprich: Wenn Haaland auf 15 Vorlagen kommt, wird Dortmund mindestens Vizemeister. Wenn nicht, wird das RB Leipzig.

Montag, 23. August 2021

Worst of des "Hat die neue Saison schon begonnen, oder ist das noch die alte?" Wochenendes

 Also wenn keine Fans im Stadion wären, könnte man fast meinen, es hat sich nicht s geändert... gut, außer dass Werder und Schalke mittlerweile in Liga 2 verkacken. Aber sonst.

Es hat ganze 2 Spieltage gedauert, bis wir das erste Mal übers Handspiel diskutieren. Immerhin bei einem unwichtigen Elfmeter zum 4:0, aber lange hat es trotzdem nicht gedauert. Es ist nebenbei totaler Blödsinn, die Absicht in den Vordergrund zu stellen. Denn erstens kann dann kein Schalker mehr ein Handspiel begehen, denn das, was die auf dem Fußballfeld anbieten, hat irgendwas mit "Absicht" zu tun. Sonst wäre es ja Wettbewerbsverzerrung.
Aber ganz ehrlich, wie soll ein Schiedsrichter denn entscheiden, ob ein Spieler absichtlich oder leichtsinnig die Körperfläche vergrößert hat? Der kann ja nicht in die übermäßig Kopfball geschädigten Gehirne der Spieler gucken. (Btw: bereits am 2. Spieltag hieß es auch, dass Kopfverletzungen immer noch in vielen Fällen nicht ernst genommen werden. Man konnte dieses "Viele" sogar beziffern, weil nur einer der beiden ausgewechselt wurde, der andere weiter gespielt hat...)

Vor allem ist es auch ein absoluter Paradigmenwechsel. Also bei allen anderen Entscheidungen ist für die Frage "Foul oder nicht" egal, ob das nun gewollt, oder ein Unfall, war. Wenn ich im Strafraum zur Grätsche ansetze, um den Ball zu klären, dabei aber auf eine Finte des Angreifers reinfalle und das Bein treffe, dann gibt es Elfmeter... es sei denn ich bin Matts Hummels, dann feiern mich alle für die Weltklasse Grätsche. Zumindest alle Deutschen.

Aber ob es jetzt meine Absicht war die Beine des Gegners zu zerfetzen... spielt doch nur beim Strafmaß eine Rolle, nicht bei der Frage, ob es Freistoß geben soll. So sollte es halt auch beim Handspiel gehandhabt werden. Also wenn ich in Luiz Suarez im WM-Halbfinale Manier den Ball von der Linie kratze, gibt es wegen der Absicht Rot. Sonst gibt es nur Foul.

Und ja, die Frage, ob das jetzt Absicht war und wie man das entscheiden kann, wird uns das ganze Jahr begleiten.

Ansonsten haben die Dortmunder auch nur 2 Spieltage gebraucht, um sich in den "Das kann nicht sein" Modus zu spielen. Und völlig unmotiviert Punkte bei klar unterlegenen Gegnern liegenzulassen. Mittlerweile ist es Manuel Akanjis Aufgabe so etwas anzuprangern. Das nennt man dann "Führungsspieler"... Akanji gehört dann jetzt dazu. Und die Dortmunder haben uns zumindest einen Spieltag lang glauben lassen, dass es dieses Jahr anders laufen wird.

Dazu kommt halt auch noch diese chronische Schockstarre gegen die Bayern, bei der sie sogar Thomas Müller immer wieder gut aussehen lassen, obwohl der sonst gegen Champions League Anwärter eher wenig zeigt. Das konnte man am Dienstag beim Super Cup mal wieder bestaunen. Dortmund ist echt die einzige Spitzenmannschaft der Welt, gegen die Müller immer noch konstant gute Leistungen bringt. Aber ja, die werden das Titelrennen bestimmt spannend halten...

Dazu spielt Hertha immer noch wie die Hertha... und Fürth feiert weiterhin Heimspiele, als hätten wir das Jahr 2013. Nur um mal nachzuweisen, dass sich auch langfristig so gar nichts ändert. Aber warum sollte man auch was verändern, wenn man doch so erfolgreich ist...

Bo Svensson, Zitat der Woche. Der so als erste Analyse nach der 0:2 Niederlage gegen Bochum: "Die Gegentore, die wir bekommen, waren schon entscheidend." Das haben Gegentore so an sich.

Donnerstag, 19. August 2021

Eine individuelle Saisonvorschau: Florian Wirtz und Moussa Diaby

 Ja, ich weiß, ich breche die Regeln, die ich selber aufgestellt habe... Aber wen interessiert's. Und bei Bayer Leverkusen sind es halt 2 Spieler, die über den Saisonverlauf entscheiden werden.  

Bei Florian Wirtz ist die Lage einfach. Der Junge ist schon so lange dabei, dass schon mal vergessen kann, dass er erst 18 Jahre alt ist. Und Wirtz Einfluss auf das Spiel der Werkself lässt sich ja praktisch ablesen: Nach der Hinrunde lag man auf Kurs Champions League. In der Rückrunde wurde man souverän Tabellenzwöflter... Was halt auch daran lag, dass Wirtz mehr oder weniger auf Tauchstation ging. 2 Tore und eine Vorlage fügte er seinen Siegtreffer gegen Dortmund (und den 8 Scorerpunkten der Hinrunde) noch hinzu.

Das soll keineswegs ein Vorwurf an Wirtz sein. Junge Spieler erleben halt Leistungsdellen. Das ist völlig normal. Aber damit man zurück in die Champions League kommen kann, muss Wirtz halt den nächsten Entwicklungsschritt in Richtung Konstanz gehen.

Wirtz wird ja gerne mit dem anderen Übertalent, welches Leverkusen als Sprungbrett genutzt hat, verglichen: Kai Havertz. Und ja, an die Wettbewerbs-übergreifend 25+X Scorerpunkte, die Havertz in den letzten 2 Jahren sammelte, muss Wirtz halt auch herankommen, wenn er sich auf der ganz großen Bühne präsentieren will. Vereinfacht gesagt: Entscheidend wird sein, ob Wirtz wirklich der nächste Havertz wird... oder doch nur der nächste Julian Brandt. Was auch kein Vorwurf an Brandt sein soll, der ist ja auch gut. Und nebenbei auch erst 25 Jahre, da könnte also noch ein Entwicklungsschritt kommen.  Bei dem, was ich von Wirtz bisher gesehen habe, halt ich Brandt's Entwicklungstempo für das Worst-Case-Szenario. Aber Leverkusen braucht halt mehr.


Aber alleine kann er halt Leverkusen auch nicht retten. Was er wirklich brauchen könnte, wäre ein überragender Außenspieler. Also ganz praktisch setzt man in Leverkusen immer noch auf Karim Bellarabi, obwohl einen eigentlich bewusst sein sollte, dass es bei dem nicht für die ganz großen Aufgaben reicht. Genauso wenig, wie bei Nadiem Amiri. Das sind halt alles Spieler aus der "Patrick Herrmann" Kategorie. Paulinho braucht nach seinem Kreuzbandriss noch mindestens ein halbes Jahr um wirklich wieder in Schwung zu kommen. Mehr zu erwarten wäre übertrieben. Leon Bailey galt jahrelang als das große Versprechen auf gehobene internationale Klasse, aber er konnte diesen Weg zumindest in Leverkusen nicht gehen. Am Ende mussten sich beide voneinander trennen, damit es vorangehen kann. 

Bleibt also Moussa Diaby als einziger wirklicher Hoffnungsträger. Also derjenige, bei dem ich am ehesten darauf setzen würde, dass dieser Entwicklungsschritt kommt. Und ja, eine Bayer Offensive mit Diaby, Wirtz, Patrick Schick (falls der seine EM-Form hält), Lucas Alario als Topjoker und einem weiteren Rollenspieler (ob das jetzt Demirbay zentral ist, oder Amiri auf den Außen, ist fast egal), klingt schon bedrohlich. Also, wenn Diaby und Wirtz diesen entscheidenden Schritt vorwärtsmachen. Wenn nicht, landet man am Ende auf Platz 6.

Mittwoch, 18. August 2021

Eine individuelle Saisonvorschau: Patrick Herrmann

 Nebenbei habe ich echt nicht durchgeplant, wie viele Spieler auf diese "Die dürften die Saison prägen" Liste kommen. Ich weiß nur, wo ich am Ende aufhören werde... und das wird dann auch niemanden überraschen.

Kommen wir aber... nun ja... zum ersten Negativbeispiel.

Und da muss eines vorweggesagt werden: Patrick Herrmann ist ein wunderbarer Fußballer. Bei 2/3 aller Bundesligisten wäre er unumstrittener Stammspieler. Und auch charakterlich muss er ein einwandfreier Bursche sein, schließlich hat er jahrelang die Rolle als Ergänzungsspieler angenommen, anstatt sich einem anderen Verein anzuschließen, bei dem er Stammspieler sein kann. Er hat verstanden, dass er in dieser Rolle auch mal Champions League spielen kann und darf und gleichzeitig Borussia Mönchengladbach helfen kann.

Aber genau da beginnt halt auch das Problem: In diese Champions League will Gladbach wieder einziehen. Oder es sollte zumindest ihr Anspruch sein. Schalke hat sich verabschiedet, damit sind Leverkusen, Wolfsburg und Gladbach die 3 realistischen Kandidaten auf Platz 4. Und ich bezweifle, dass dies mit Herrmann als Stammspieler auch erreichbar ist.

Herrmann hat nebenbei in seinen 378 Bundesligaspielen nur 54 mal durchgespielt. Er wurde für mich überraschender Weise noch öfters aus- als eingewechselt. 

Nur um das mal zu verdeutlichen: Das letzte Mal war Herrmann 2013/14 unumstrittener Startelfspieler. Damals wurde Gladbach Sechster.

Aber nach allem, was man so hört, ist er DER Gewinner der Gladbacher Vorbereitung und soll in genau dieser Rolle in die Saison gehen. 

Und Herrmann ist halt auch schon 30. Also wenn ausgerechnet er derjenige ist, der in diesem Sommer einen entscheidenden Entwicklungsschritt vorwärtsgemacht hat, ist auch das ein schlechtes Zeichen für die Fohlen. Denn es bedeutet auch nur, dass Embolo, Plea und Hofmann diesen Schritt doch verpasst haben. Und das Hannes Wolf nicht die erhoffte Verstärkung ist.

Natürlich kann es sein, dass Herrmann eine der wenigen Ausnahmen ist und mit 30 nochmal einen entscheidenden Schritt nach vorne macht. Wahrscheinlicher ist aber irgendwie, dass Gladbach einfach in diesem Sommer schwächer geworden ist und deswegen auf Herrmann setzen muss. Zumindest derzeit, man hat ja genügend Optionen, die noch ins Laufen kommen können, sodass Herrmann wieder seine an sich beste Rolle übernehmen kann: Die des Edeljokers, der reinkommt und für Bewegung sorgt.

Montag, 16. August 2021

Worst of des "Hat ja lange gedauert" Wochenendes

 Also ganze 81 Minuten. Nach 81 Minuten kapitulierten die Kommentatoren bei Sat1 das erste Mal vor dem Video Assistent Referee. Weil niemand nachvollziehen konnte, warum Marco Fritz sich die Szene nicht selber anguckt. Dabei funktioniert der VAR doch sehr konstant... im Zweifelsfall für die Bayern.

Nebenbei... ist dieses Spiel doch das Paradebeispiel dafür, dass wir gar keinen Keller in Köln brauchen, sondern ein Challenge System. Dann hätte Gladbach Fritz dazu zwingen können, sich die Szenen nochmal selber anzugucken. Und es sind dann halt doch recht wenige Szenen, bei denen man unbedingt eine Überprüfung haben will. Gebt den Schiedsrichtern die Autorität auf dem Platz zurück und den Trainern die Gelegenheit eine Challenge auszulösen, wenn sie es für angemessen halten... wie in allen anderen Sportarten auch. Und ich garantiere euch: 90 % der VAR Probleme lösen sich mit diesem System auf. Denn meistens wird ja genau diese "Warum guckt sich der Schiedsrichter das nicht mal an?" Frage gestellt.

Und an der Stelle muss man auch zugeben: Wenn Marcus Thuram in der 77. Minute nicht über die eigenen Füße stolpert und einen auf "Gomez der Woche" macht, dann brauchen die auch den Elfmeter nicht. Aber, dass Schiedsrichter heftiger kritisiert werden, obwohl sie tatsächlich weniger Fehler begehen als die Spieler, ist ja auch eine schöne Tradition.

Ansonsten wollte ich mal erwähnen, dass es mittlerweile zumindest teilweise die ordentlichen und ausführlichen Zusammenfassungen der Sportschau und vom Sportstudion auf Youtube gibt. Auch, wenn die Teilweise noch seltsam umstrukturiert werden... aber die sind bestimmt noch in der Findungsphase.

Kommen wir zum eigentlichen: Mainz 05.

Natürlich klingt das erstmal super, dass diese Mentalitätsmonster trotz der widrigen Bedingungen eine großartige Leistung abgeliefert haben. Aber, dass die sich dann über Wettbewerbsverzerrung aufregen... wo es doch ausschließlich ihre eigene Schuld ist...

Also nennt mich jetzt nen Schlafschaaf, welches treudoof die Regierungsaussagen wiederkäut, aber... also... 8 namentlich nicht genannte Mainzer mussten in Quarantäne, weil sie noch nicht geimpft sind, obwohl sie doch sicherlich ein Impfangebot bekommen haben. Also der Mainzer Mannschaftsarzt wird doch diese Möglichkeiten gehabt haben. Und selbst, wenn nicht, gibt es mittlerweile genügend freie Termine.

Die einzige Entschuldigung, die ich durchgehen lassen würde, ist: "Die 8 Spieler haben nach der Aufhebung der Priorisierung so schnell wie möglich ihre Impfung bekommen, warten aber noch auf die 2. Dosis/ die 14 Tage nach der 2. Dosis und sind deswegen noch nicht immunisiert." Und ja, bei einigen der 8 ist anscheinend genau das der Fall. Aber es gibt halt im Mainzer Kader auch Spieler, die als "gar nicht geimpfte Kontaktpersonen in die Isolation" mussten.

Da muss ich auch mal sagen: Wer sich noch nicht mal die erste Dosis geholt hat, ist selber Schuld. Und so wie es aussieht, ist ein Drittel des Kaders noch nicht geimpft. Wenn man dem ZDF Glauben schenken will, gibt es unter den Fußballprofis vergleichsweise viele Impfverweigerer, Impfskeptiker und Impftrödler. Und jetzt regt sich Christian Heidel darüber auf, dass die DFL für diese Idioten keine Spielverlegungen eingeplant hat? Wirklich? Eigentlich sollte Heidel den Arsch in der Hose haben und zugeben: Wir als Verein haben es nicht geschafft große Teile unseres Kaders davon zu überzeugen, dass eine Impfung notwendig, sicher und hilfreich ist. Dafür müssen wir jetzt die Konsequenzen tragen. Stattdessen versuchen sie sich in die Opferrolle zu retten.

Ernsthaft, die DFL sollte ein Statement veröffentlichen, dass Covid-Ausbrüche bei Ungeimpften kein Grund für eine Spielabsage sind. Und wer deswegen keine Mannschaft auf den Platz stellen kann, der muss halt damit leben, dass das Spiel mit 0:3 verloren wird. Ende der Ansage. Kümmert euch um eine Impfung. Gerade, wo ihr doch im letzten Jahr die Privilegiertesten waren.

Nebenbei ist es bereits der dritte Covid-Ausbruch in den ersten 3 Ligen. Also Duisburg und Darmstadt hatten auch schon ihre Probleme. Wirklich absurd wird es dann, wenn nur noch Geimpfte ins Stadion dürfen, da dann aber Ungeimpfte auf dem Rasen stehen. DAS ist doch genau die Vorbildfunktion, die der Fußball übernehmen will... und sein Beitrag zur Versöhnung der Gesellschaft. 

Aber, anstatt dass man die amtlich abschießt und auf Platz 18 verbannt... zeigt sich Nordi Mukiele solidarisch und legt den Mainzern das 1:0 direkt auf... als erste Gegentorvorlage der Saison.

Im Tabellenkeller steht stattdessen... der FC Augsburg. Die haben sich nämlich si richtig auf die Rückkehr der Fans gefreut. 9.124 durften miterleben, wie ihre Mannschaft die einzige Heimniederlage des Auftaktspieltags erreichte. Und gleichzeitig bekam ihre Mannschaft auch noch die deutlichste Packung. An diesem Wochenende konnte man auch mal wirklich sehen, wie sich die Fans auf so einen Spieltag auswirken können. Was richtig schön ist. Oder eine gnadenlose Überreaktion. 

Und als kleiner Blick über den Tellerrand: Hansa Rostock agiert auf Augenhöhe mit Schalke, Hamburg und Werder Bremen! Das erste Mal seit 1998... Verdammt lang her. Die größte Überraschung ist es ja, dass Frank Baumann, der die ganze Scheiße in Bremen zu verantworten hat, jetzt nicht derjenige ist, der alles wieder gerade biegt. Wer hätte das gedacht? 

Ansonsten wär es wirklich schön mal eine Sensation im Hamburger Stadtderby zu sehen... aber wie immer gewinnt der FC St.Pauli das souverän. Also nur um mal festzuhalten, wie absurd die Blockade der Hamburger ist: In diesem Jahrtausend haben sie 3 von 11 Derbys gewonnen. Wenn man dann noch bedenkt, dass es mit 2 Siegen losging... In derselben Zeit hat St.Pauli:
- Den letzten Bundesligasieg ihrer Vereinsgeschichte in Hamburg geholt.
- 3 Mal unentschieden gespielt.
- Logischerweise 5 Siege errungen.

Wie kann man sich in seiner eigenen Stadt so den Schneid abkaufen lassen?

Freitag, 13. August 2021

Eine Individuelle Saisonvorschau: Mark Uth

 Genau genommen gibt es in Köln genau 3 Pläne für die neue Saison:

1.: Hoffen, dass Fürth, Bochum und Bielefeld sich dieses Jahr noch dümmer anstellen als Werder und Schalke im letzten Jahr. Das ist, dank der eingeschränkte Möglichkeiten durchaus im Rahmen des Vorstellbaren. 

2.: Dass Steffen Baumgart wirklich ein Trainergenie ist und in Paderborn nur an den begrenzten Mitteln gescheitert ist. Auch dies ist durchaus möglich. Andererseits gibt es genügend Trainer von Kaspar Hjumland bis Stale Solbakken, deren Spielideen nur in schwächeren Ligen funktionierten und die in der Bundesliga an ihre Grenzen kamen. Ein ausführlicheres Beispiel für dieses Phänomen ist die Karriere von Jos Luhukay. Und wenn die Kölner ganz großes Pech haben, stellen sie fest, dass sie auch Florian Kohfeldt hätten verpflichten können.

Baumgart ist ja selber so ehrlich, dass er 3 Mannschaften hinter sich lassen muss, um seinen Platz zu behalten. 

3.: Dass Mark Uth in seine Heimat seine alte Form wieder findet. Wobei dieses "Alte Form" auch relativ ist. Uth hat eine richtig gute Saison unter Julian Nagelsmann gespielt. Und Nagelsmann hat schon ganz andere Stürmer gut aussehen lassen. Danach beging er den sichersten Karriere-Seppuku und wechselte nach Schalke. Damit reihte er sich in die Liste legendärer Schalke-Angreifer ein. Am Ende erzielte er in 48 Spielen in Gelsenkirchen 5 Tore. Und muss sich langsam mit der Frage beschäftigen, ob er nicht doch in die Liste der Marius Ebbers Angreifer gehört... Was, Ehre wem Ehre gebührt, mein Stammleser seit der ersten Stunde Phil gleich gesagt hat. Bisher konnten die 5 Tore im letzten Halbjahr auf Köln diese Kategorisierung verhindern.

Da Köln sich von Horst Heldt getrennt hat und keinen wirklichen Experten auf der Managerposition hat, wird es schwierig weitere externe Verstärkungen zu finden. Abgesehen davon hat Köln auch einfach nicht das Geld, um solche Spieler mal eben zu verpflichten. Und ja, auch wenn sich Heldts Bilanz nicht immer absolut brillant aussieht, so ging es doch bei jedem Verein nach seinem Abgang deutlich weiter bergab. Jetzt hat er, ohne große Möglichkeiten zu haben, einen Kader zusammengestellt, der sich zumindest in die Relegation retten konnte... Das einzige, was man ihm wirklich vorwerfen konnte, ist ja das Festhalten an Markus Gisdol, der vielleicht ein guter Verwalter, aber kein guter Bundesliga-Trainer ist. Diesen Fehler hat Heldt aber korrigiert und das faszinierende Talent Baumgart für den Verein begeistern können. Und genau dieser Baumgart ist jetzt auch richtig begeistert, dass Heldt schon wieder weg ist

Realistisch gesehen muss Baumgart jetzt 20 Scorerpunkte aus Mark Uth herauskitzeln, wenn er auch 2023 noch Trainer bei diesem Verein sein möchte. 

Und auch die eingangs erwähnte Konkurrenz wird gespannt auf Uth gucken. Wenn der weiterhin als technisch netter Spieler, dem es aber leider an jeglichem Durchsetzungsvermögen fehlt, auftritt, wird das ihren Weg zum Klassenerhalt wesentlich erleichtern. Damit könnte Uth den gesamten Abstiegskampf mitprägen.

Wobei das natürlich auch keine Neuigkeit ist. Also jeder der offensichtlichen Abstiegskandidaten muss seinen einen Angreifer finden, der ihnen 10 Tore verspricht. Der Unterschied zu den Bochumern, Bielefeldern und Fürther ist allerdings, dass dieser Stürmer vorher benannt werden kann... während die anderen... öhm... auf Havard Nielsen, Simon Zoller und Florian Krüger hoffen müssen. Wovon Krüger immerhin behaupten kann, dass er U21 Nationalspieler ist... Uff... Vielleicht reichen doch 5 Uth Tore zum Klassenerhalt... Auf einmal sieht Plan 1 doch verdammt gut aus...