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Montag, 20. Juni 2022

Die wichtigsten Personalien dieses Sommer für die Bundesliga

 Sind nicht Sadio Mané und Sebastien Haller. Obwohl es schon cool wäre, wenn beide in die Bundesliga wechseln.

Gerade das, was Hasan Salihamidžić nach der monatelangen Kritik bisher in dieser Transferperiode leistet, ist schon beeindruckend. Und ich gebe auch ehrlich zu: Als der Zyniker in mir gelesen hat, dass der selber nach Liverpool reist, um vor Ort zu verhandeln, dachte ich nur: Ok, das war's dann mit dem Transfer... aber er hat es hinbekommen. Und ganz ehrlich: Bei Ryan Gravenbach und Noussair Mazraoui dachte ich mir: Hoffentlich gehen die woanders hin...

Ich würde sogar so weit gehen, dass der Mané Transfer auf die Champions League Saison 2023 Einfluss nehmen könnte. Also wenn der Thomas Müller auf die Bank verdrängen würde... lustigerweise wird direkt eher über Gnabry und Sané spekuliert, weil Müller, trotz relativ grausamer Rückrunde und dem Fakt, dass der viel zu oft komplett abgetaucht ist, immer noch unantastbar ist.

Aber für die Meisterschaft sollte es unabhängig von der Person Mané oder Lewandowski reichen. Und klar, sobald der Pole endgültig weg ist, braucht man weiterhin einen Mittelstürmer, dieses Problem dürfte Mané nicht lösen. Aber man wird dann jemanden finden, der zumindest gut genug ist, um in der Liga die nötigen 20 Tore zu erzielen.

Die aktuellen Entwicklungen in Dortmund sind wirklich interessant... andererseits hat Nico Schlotterbeck gerade im Nationalmannschaftstrikot nachgewiesen, dass ihm für das höchste Niveau noch ein bisschen was fehlt. Was kein Problem ist, der ist ja noch jung. Wenn man die Innenverteidigung Schlotterbeck und Süle wirklich über Jahre halten kann, kann das eine wirklich gutes Fundament werden. Aber die anderen Grundprobleme werden bleiben. Also erstens wird man keinen adäquaten Ersatz für Erling Haaland finden. Also einfach, weil es praktisch unmöglich ist so einen Spieler zu verpflichten. Und anderseits bleibt das Grundproblem, dass die ewig dableibenden Führungsspieler eigentlich nicht gut genug für die Ansprüche des BvBs sind. Das wird in der Summe reichen, um souverän unter den Top 4 zu landen... aber es wird ihnen nicht gelingen, die Bayern nächstes Jahr anzugreifen und den Meisterschaftskampf wirklich spannend zu gestalten. Vielleicht 2024.

Die Frage, ob die Meisterschaft 2023 spannend wird, entscheiden 2 andere Spieler. Der erste ist offensichtlich Christopher Nkunku. RB hat ja tatsächlich seit Jahren das Problem, dass Spieler, sobald sie dieses Niveau erreichen, auf dem Nkunku angekommen ist, weggehen. Das war bei Timo Werner so. Oder auch bei Naiby Keita und Dayot Upamecano. Wenn man es jetzt wirklich schaffen würde, den besten Spieler für ein weiteres Jahr zu halten... Dann hat man halt endlich mal einen Stürmer, der 30 Tore erzielen könnte. Der eine wirkliche Attraktion für die Bundesliga ist. Und der eher noch besser werden dürfte. Hoffentlich sagt der sich: Ich bin jetzt im Kader der Franzosen angekommen und mache vor der WM im Winter nichts Riskantes, was mir diesen Status wieder wegnehmen könnte.

Der andere ist ebenfalls ein ehemaliger Jungprofi von Paris St. Germain: Moussa Diaby würde bei Bayer Leverkusen ebenfalls eine essenzielle Rolle übernehmen. Ich habe ja bereits vor 3 Monaten die pessimistische Prognose in den Raum geworfen, dass die Florian Wirtz Verletzung den gesamten Kern ruinieren könnte. Aber wenn Wirtz wirklich im Oktober zurückkommt und Diaby dann noch da ist. Und Diaby seine Rückrundenform noch weiter steigert? 

Nebenbei will ich an der Stelle nochmal festhalten, dass ich keinen Meistertitel für Bayer oder RB prognostiziere, sondern nur, dass die Bayern wirklich gefordert werden und nicht schon im März nen Harken hinter dem Ligatitel machen können. Was ja ein wirklich faszinierender Fortschritt wäre. Denn das eigentliche Problem der Bundesliga sind gar nicht so sehr die 10 Titel in Folge... sondern der Fakt, dass nur ein Mal in den 10 Jahren ein bis zum Ende spannendes Meisterschaftsfinale gab: 2018/19 trennten Dortmund und die Bayern am Ende echt nur 2 Punkte. Gut, die gingen dann in Minute 4 in Führung und konterten den überraschenden Ausgleich innerhalb von 3 Minuten... aber theoretisch hätte Dortmund die abfangen können.

Nur um mal festzuhalten, wie absurd langweilig die Bundesliga geworden ist: Dieses Jahr waren es "nur" 8 Punkte Vorsprung. Das bedeutet: Dieses Jahr war das 2. Spannendste Saisonfinale der letzten 10 Jahre... obwohl niemand jemals wirklich das Gefühl hatte, dass da irgendwas anbrennen könnte. 

Wenn Nkunku und Diaby gehalten werden, könnte sich das tatsächlich mal ändern. Und allein das wäre schon ein extremer Fortschritt. Abgesehen von der Metaebene, dass dann auch endlich mal andere Bundesligisten ihre Leistungsträger halten können und die Liga dadurch allgemein attraktiver wird.

Aber ganz ehrlich: Dass die beiden wirklich bleiben, glaube ich erst 2 Tage nachdem das Transferfenster geschlossen ist. Gerade zum Ende werden einige der neureichen Vereine nochmal richtig Panik schieben, wenn sie bis dahin leer ausgegangen sind. Und dann werden sie alles, was sie bieten können, auf diese beiden Spieler richten... hoffentlich vergeblich.

Denn das Worst-Case-Szenario ist halt, dass der eine nach Newcastle und der andere zu West Ham geht... Und dann können wir am 1.9. einen Harken hinter diese Bundesligasaison machen...

Dienstag, 15. März 2022

Der Welleneffekt der Floran Wirtz Verletzung

Verdammt, das ist deprimierend. Einfach nur traurig. Also in allererster Instanz für den jungen Mann selber. Aber die Zeiten, in denen ein Kreuzbandriss das Karriereende bedeuten konnte, sind ja zum Glück vorbei. Normalerweise kehrt er in 9 Monaten zurück auf den Platz. Hoffen wir das Beste.

Die Folgen könnten trotzdem erschütternd sein. Also für Bayer Leverkusen und die Liga als Ganzes. Ich will ganz ehrlich sein: Florian Wirtz erinnert mich ganz stark an einen jungen Mario Götze. Und daran wird sich kaum noch jemand erinnern können, aber der junge Götze war verdammt gut. Er hat halt seine großen Verheißungen nie erfüllen können, aber er erinnerte mich halt an einen jungen Lionel Messi. Und ja, mir ist bewusst, was ich da schreibe.

Das war schon bei Götze kein Lob, welches mir leicht über die Finger ging. Und gerade dass Götze die Erwartungen am Ende nie erfüllen konnte, sorgt dafür, dass ich Wirtz lieber nur mit ihm vergleiche. Aber die Dinge, die Wirtz regelmäßig und mit Leichtigkeit auf den Rasen zaubert, kann man einfach nicht lernen. Man stelle sich vor, der würde mit einem Kai Havertz das offensive Herz bei der WM bilden. Aber das wird ja Thomas Müller verhindern, der gesetzt bleiben muss...

Der Götze Vergleich ist aber auch aus einem anderen Aspekt spannend. Denn als Götze grandios war, wurden die Bayern zum letzten Mal nicht Meister. 

Aber guckt euch mal die beiden Meisteroffensiven der Borussen an: 2011 war Lucas Barrios der 20 Tore Stürmer. 2012 übernahm dann dieser Robert Lewandowski diesen Part. In Szene gesetzt wurden sie von eben Götze und einem Shinji Kagawa

Der aktuelle Bayer-Kader hat mit Patrik Schick und Lucas Alario ebenfalls ein Sturmduo, dem man 30 Tore locker zutrauen kann. Und sie haben Wirtz und Moussa Diaby

Dazu kommt mit Jeremie Frimpong, Piero Hincapie und Edmond Tapsoba ein "Kinderriegel", der sich nicht vor Hummels, Subotic und Schmelzer verstecken muss. Jonathan Tah übernimmt die "Mit 26 bin ich schon der Veteran" Rolle von Lukasz Piszcek. Lukas Hradecky übernimmt die Rolle des chronisch unterschätzen, aber beruhigend wirkenden, alten Sack zwischen den Pfosten von Roman Weidenfeller. Das einzige, was ihnen wirklich fehlt, ist ein Nuri Sahin oder İlkay Gündoğan. Ansonsten ist man echt gar nicht soo weit weg von genau dem Setup, welches damals gereicht hat.

Aber dem ganzen fehlt natürlich die Breite. Und mit Wirtz jetzt auch das Herzstück für mindestens 6 Monate.

Also ja, mein Best Case Szenario war folgendes: Bayer qualifiziert sich souverän für die Champions League. Sie können ihren Kader zusammenhalten, weil all die jungen Stars diese größere Bühne für sich nutzen und als Stammspieler in ihre erste Gruppenphase gehen wollen. Man scheidet im Achtelfinale aus, spielt dann eine fantastische Rückrunde und wird am Ende ganz knapp nur Vizemeister... Ja, es ist immer noch Leverkusen, dass die den Titel holen, glaube ich nicht wirklich. Aber dass sie die Saison 2022/23 spannend gestalten und die Bayern fordern, würde ich ihnen zutrauen. Und auf ein wirklich spannendes Meisterrennen warten wir doch seit Jahren.
Danach verteilt sich die Mannschaft dann auf die europäischen Spitzenvereine. 

Jetzt droht das Verpassen der Champions League, denn die Abstände zwischen Platz 3 und 6 sind erschreckend gering. Und ohne die wird man Schick und Diaby auf keinen Fall halten. Dann darf man direkt mit dem "Neuaufbau" anfangen, und bis dann "die nächste Generation Talente" so weit ist, wie Schick und Diaby es jetzt sind, spielt Wirtz in einem anderen Trikot.

Nebenbei spielt Bayer noch gegen RB Leipzig, TSG 1899 Hoffenheim und den SC Freiburg. Wenn es nur gegen Hertha und Fürth gehen würde, würde ich mir weniger Sorgen machen.

Vor allem wird einem bewusst, wie eng die Zeitfenster halt mittlerweile sind. Diese Leverkusener Mannschaft hat das Potenzial, etwas wirklich Besonderes zu werden. Sie hat dafür aber realistisch gesehen auch nur 2 Jahre Zeit. Wenn in den 2 Jahren nicht alles glattläuft, verschwindet diese Truppe im Grau des Fußballalltages. Wenn Diaby und Wirtz dann in einem WM-Halbfinale aufeinandertreffen, ist der Fakt, dass sie mal gemeinsam angefangen haben, nur noch eine Randnotiz.

Und ja, ich habe mehr Zutrauen in Leverkusen als in Borussia Dortmund. Ich gehe halt ganz realistisch davon aus, dass Erling Haaland ab Sommer nicht mehr im Ruhrpott spielen wird. Ohne den wird es halt nicht reichen, um die Bayern wirklich zu kitzeln.

Donnerstag, 19. August 2021

Eine individuelle Saisonvorschau: Florian Wirtz und Moussa Diaby

 Ja, ich weiß, ich breche die Regeln, die ich selber aufgestellt habe... Aber wen interessiert's. Und bei Bayer Leverkusen sind es halt 2 Spieler, die über den Saisonverlauf entscheiden werden.  

Bei Florian Wirtz ist die Lage einfach. Der Junge ist schon so lange dabei, dass schon mal vergessen kann, dass er erst 18 Jahre alt ist. Und Wirtz Einfluss auf das Spiel der Werkself lässt sich ja praktisch ablesen: Nach der Hinrunde lag man auf Kurs Champions League. In der Rückrunde wurde man souverän Tabellenzwöflter... Was halt auch daran lag, dass Wirtz mehr oder weniger auf Tauchstation ging. 2 Tore und eine Vorlage fügte er seinen Siegtreffer gegen Dortmund (und den 8 Scorerpunkten der Hinrunde) noch hinzu.

Das soll keineswegs ein Vorwurf an Wirtz sein. Junge Spieler erleben halt Leistungsdellen. Das ist völlig normal. Aber damit man zurück in die Champions League kommen kann, muss Wirtz halt den nächsten Entwicklungsschritt in Richtung Konstanz gehen.

Wirtz wird ja gerne mit dem anderen Übertalent, welches Leverkusen als Sprungbrett genutzt hat, verglichen: Kai Havertz. Und ja, an die Wettbewerbs-übergreifend 25+X Scorerpunkte, die Havertz in den letzten 2 Jahren sammelte, muss Wirtz halt auch herankommen, wenn er sich auf der ganz großen Bühne präsentieren will. Vereinfacht gesagt: Entscheidend wird sein, ob Wirtz wirklich der nächste Havertz wird... oder doch nur der nächste Julian Brandt. Was auch kein Vorwurf an Brandt sein soll, der ist ja auch gut. Und nebenbei auch erst 25 Jahre, da könnte also noch ein Entwicklungsschritt kommen.  Bei dem, was ich von Wirtz bisher gesehen habe, halt ich Brandt's Entwicklungstempo für das Worst-Case-Szenario. Aber Leverkusen braucht halt mehr.


Aber alleine kann er halt Leverkusen auch nicht retten. Was er wirklich brauchen könnte, wäre ein überragender Außenspieler. Also ganz praktisch setzt man in Leverkusen immer noch auf Karim Bellarabi, obwohl einen eigentlich bewusst sein sollte, dass es bei dem nicht für die ganz großen Aufgaben reicht. Genauso wenig, wie bei Nadiem Amiri. Das sind halt alles Spieler aus der "Patrick Herrmann" Kategorie. Paulinho braucht nach seinem Kreuzbandriss noch mindestens ein halbes Jahr um wirklich wieder in Schwung zu kommen. Mehr zu erwarten wäre übertrieben. Leon Bailey galt jahrelang als das große Versprechen auf gehobene internationale Klasse, aber er konnte diesen Weg zumindest in Leverkusen nicht gehen. Am Ende mussten sich beide voneinander trennen, damit es vorangehen kann. 

Bleibt also Moussa Diaby als einziger wirklicher Hoffnungsträger. Also derjenige, bei dem ich am ehesten darauf setzen würde, dass dieser Entwicklungsschritt kommt. Und ja, eine Bayer Offensive mit Diaby, Wirtz, Patrick Schick (falls der seine EM-Form hält), Lucas Alario als Topjoker und einem weiteren Rollenspieler (ob das jetzt Demirbay zentral ist, oder Amiri auf den Außen, ist fast egal), klingt schon bedrohlich. Also, wenn Diaby und Wirtz diesen entscheidenden Schritt vorwärtsmachen. Wenn nicht, landet man am Ende auf Platz 6.