Posts mit dem Label Anthony Modeste werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Anthony Modeste werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 20. September 2022

Vielleicht wird es beim Anthony Modeste Transfer doch einen Verlierer geben.

 Also kurz für den Kontext: ich habe hier ausführlich geschrieben, dass es albern ist, den Charakter des Stürmers infrage zu stellen, wenn von dem Transfer wirklich ALLE Parteien profitieren. Also sowohl der Spieler, als auch der abgebende Verein.

Das Problem ist halt: Es könnte doch jemanden schaden. Und zwar so richtig heftig. Da reden wir nicht von, sondern über Youssoufa Moukoko. Denn der Junge hat an diesem Wochenende nachgewiesen, dass er genau das sein könnte, was dem BvB immer gefehlt hat: Ein Jungstar, der das Derby fast mit der Muttermilch aufgesogen hat. Ein Spieler, der wirklich weiß, was es bedeutet, gegen Schalke zu treffen.

Der ist halt doch schon mit 15 zur Jugendabteilung gekommen und nicht erst mit 17. Er hat jetzt schon mehr Zeit im Verein verbracht, als Erling Haaland. Er könnte also genau der Spieler sein, der erst mit 25 den Verein verlässt, weil er dann immer noch zu jedem Verein der Welt wechseln kann. Und ja, es ist davon auszugehen, dass Moukoko so gut wird, dass er sich seinen Arbeitgeber frei aussuchen kann.

Und ich habe ja in diesen beiden Artikeln dargelegt, dass Dortmund verdammt wenige Talente hat, die wirklich aus der eigenen Jugend kommen und dann auch noch den Durchbruch schaffen. Moukoko muss jetzt der erste seit langem sein, dem dies gelingt. Wenn das nicht passiert, kann Dortmund seine eigene Jugend auch einfach abschaffen, denn dann ist es sinnlos als junger Deutscher nach Dortmund zu gehen.

Aber dann hört man immer wieder dieses leise Rascheln, dass Moukoko nach eigener Meinung (oder der seines Vaters) zu wenig Spielzeit bekommt. Und das liegt auch daran, dass ihm ein eher unglücklich agierender Modeste vor die Nase gesetzt wurde.

Und natürlich kann man an der Stelle darauf hinweisen, dass der Junge erst 17 ist. Aber ganz ehrlich: Wenn die Dortmunder für den 5 Millionen Ablöse bezahlt und ihn aus Paris geholt hätten, würden sie  mehr Vertrauen in ihn setzen. Das kann man ja ganz praktisch belegen, denn Jude Bellingham hat halt als 17-jähriger 29 Bundesligapartien absolviert... 

Das ganz große Problem dabei ist: Moukokos Vertrag läuft 2023 aus. Sprich: Wenn er sich hinter einen mittelmäßigen Bundesligastürmer auf die Bank setzen will, kann er dann auch zu Aston Villa wechseln, das 3fache verdienen und sich in einer wesentlich besseren Liga weiterbilden. Und wenn Moukoko zu diesem Schluss kommt, weil die Dortmunder lieber auf einen alternden Star, der ihnen im besten Fall 10 Tor gibt, gesetzt haben, dann ist der Modeste Transfer eine absolute Katastrophe.

Moukoko muss halt jetzt entscheiden, ob beim BvB bleiben das Beste für seine Entwicklung ist. Und ganz persönlich würde ich das nicht vor März entscheiden, wenn dann (hoffentlich) Sebastien Haller wieder im Kader steht. Und wie Modeste reagiert, wenn er dann nur noch Stürmer Nummer 3 ist, dürfte auch spannend werden. 

All das hätte man verhindern können, wenn man auf Steffen Tigges und eben Moukoko gesetzt hätte. Nebenbei muss man auch festhalten, dass der Wechsel bereits am 8.8. durchgezogen wurde. Also man muss nüchtern feststellen, dass die Dortmunder es nicht mal versucht haben, ob das vielleicht funktionieren könnte. Er hatte einen ordentlichen Startelfeinsatz gegen Bayer Leverkusen und wurde danach direkt wieder auf Kurzarbeit gesetzt. Wenn man nach 2-3 Wochen gemerkt hätte, dass die Zeit halt noch nicht reif ist, hätte man Modeste immer noch holen können und wäre trotzdem 4. in der Abschlusstabelle geworden. Und auf der anderen Seite ist Modeste definitiv nicht so gut, dass er im Meisterrennen den Unterschied ausmachen könnte.

Es bleibt für alle Beteiligten (und uns als Zuschauer) zu hoffen, dass Moukoko einen neuen Vertrag unterschreibt, denn es würde wirklich weh tun, wenn der jetzt schon ins Ausland geht. Aber wenn er dies tut, wird das ganz eindeutig an diesem einen Transfer liegen.

Donnerstag, 18. August 2022

Da ist man mal eine Woche komplett Offline

 Und kauft sich dann tatsächlich mal den Kicker, nur um herauszufinden, dass Hansa mit 0:4 verloren hat, weil Kolke sich unbedingt für das Kacktor des Monats beworben hat... Und ja, so als Random Information: Erst am Montag nach 8 km Radfahren herauszufinden, wie die Bundesligaergebnisse waren, weil man wirklich gar kein Internet hat, ist sehr erholsam.

Anyhow. Der Kicker hat mich dann wirklich verwirrt. Also zunächst schreiben sie einen wunderschönen Artikel darüber, wie toll es doch ist, dass Anthony Modeste endlich Champions League spielen darf. Mit 34 wird er die Gelegenheit nicht mehr allzu oft bekommen. Und ja, der Anlass (also Sébastien Hallers Krebsdiagnose) ist wirklich ein tragischer, aber Modeste hat sich das mit seiner herausragenden Arbeit und der Weiterentwicklung im hohen Alter halt auch wirklich verdient.

Und dann lese ich in den Leserbriefen, dass Modeste die Woche vorher vom Kicker als geldgeiler Egoist beschimpft worden ist. Das ist doch mal investigativer Journalismus. Also ernsthaft, das hat ihnen bestimmt der CIA verraten, die kriegen ja alles raus.

Ganz ehrlich: Dass Anthony Modeste ein "geldgeiler Egoist" ist, wissen wir doch alle seit dem Sommer 2018. Also als Modeste sich in der Blüte seiner Jahre einfach von jeglichem Leistungsdenken und dem Streben nach höherem verabschiedet hat und das Millionengehalt aus China akzeptierte. Davon haben die Kölner, die in der Summe 34 Millionen für den Angreifer bekamen, ja auch gut profitiert. Aber seit dem steht doch fest, dass Modeste hauptsächlich auf seinen Kontostand achtet und alles andere eher sekundär ist.

Jetzt kann man ja eigentlich einen Fortschritt sehen. Also immerhin hat er dieses Mal die Angebote aus den Golfstaaten laut eigenen Aussagen abgelehnt. Er wechselt wirklich hauptsächlich, weil er ein Mal auf dem allerhöchstem Niveau auflaufen will. Diese ominöse Hymne einmal hören will. Und klar, er wird dabei auch gut verdienen, aber das ist definitiv nicht der primäre Antrieb seines Handelns.

Nm zu verdeutlichen, wie sich die "Zeiten" in der Berichtserstattung geändert haben, krame ich mal ganz tief in meinem Gedächtnis. Also damals, als Mathias Schober, seines Zeichens unumstrittener Stammtorhüter in der Bundesliga und auf dem Weg zur Legende bei Hansa, unbedingt zu Schalke auf der Bank sitzen wollte, hat niemand geschrien, dass das ja nur wegen des Geldes passiert. Sondern, weil Schober die Champions League wenigstens mal von der Bank aus erleben wollte. Und weil er zu seinem Jugendverein zurückkehren wollte, die er mal zum Meister der Herzen gekürt hat. Ok, er hat damals als Leihspieler für den Hamburger SV gespielt, aber ja, genau der Mann hat damals den Rückpass mit der Hand aufgenommen hat, der zu Andersons Freistoßtor führte wollte hinterher unbedingt zurück nach Gelsenkirchen. Geschichten aus den ominösen "damals", als noch nicht im März feststand, dass die Schale nach München gehen wird.

Jedenfalls hat Schober, mit dem "zurück zum Ausbildungsverein, dafür aber auf die Bank" Sternchen dieselbe Entscheidung getroffen, wie Modeste. Aber einem wird das dann vorgeworfen. Das zeigt auch einfach, wie sich die Berichterstattung und Wertung verändert hat.

Nebenbei wurde im Kicker anscheinend auch Filip Kostic kritisiert, weil er anscheinend lieber zu Verhandlungen nach Turin gereist ist, anstatt einen völlig irrelevanten Titel, für den sich keine Sau interessiert und der nur den Rahmenterminkalender voll macht, zu jagen. Also ja, es geht Fußballern um Titel, aber eben nicht um den belanglosen Supercup.

Zurück zu Modeste: Das ist doch eigentlich eine Situation, von der alle profitieren. Also nicht nur Modeste. Dortmund bekommt mit ihm seine kurzfristige Lösung, die aber auch keine Ansprüche stellen wird, wenn (dreimal aufs Holz klopfen) Haller gesund zurückkehrt.

Köln muss nicht mehr auf die naive Hoffnung setzen, dass Modeste Wahnsinnssaison wiederholt. Und sein wir kurz ehrlich: Dass der dieses Niveau hält und nochmal 20 Tore erzielt, war zumindest in Köln eher unwahrscheinlich. Dazu bekommt man eine (für einen so alten Spieler) stattliche Ablöse und mit Steffen Tigges einen jüngeren Angreifer, an dem Steffen Baumgart seine Magie wirken darf.

Und ja, man kann sich praktisch darauf verlassen, dass Baumgart Tigges besser machen wird. Man ist halt in der glücklichen Position, dass man einen dieser Trainer in seinem Verein hat, der einem das praktisch garantiert. Aber auch für die Kölner ist es besser, wenn Baumgart diese Magie bei einem jüngeren, entwicklungsfähigen Spieler anwendet, anstatt sie zu verschwenden, um einen alternden Star vielleicht noch ein weiteres Jahr auf angemessenem Niveau zu halten.

Denn eines steht doch definitiv fest: Spätestens 2024 wird Tigges einen besseren Bundesligastürmer abgeben, als Modeste, der dann halt im wohlverdienten Ruhestand sein wird. 

Natürlich bleibt Modestes Wechselwunsch dann immer noch "egoistisch". Aber ist das wirklich ein Problem, wenn alle beteiligten Partein von diesem egoistischen Wunsch profitieren dürften?