Dienstag, 28. Januar 2025

Das könnte echt das Worst-Case-Szenario sein

Auch wenn es trotzdem lustig werden wird. Aber es könnte gleichzeitig auch furchtbar werden.

Denn Stuttgart und Paris kommen beide beinah sicher weiter, wenn sie sich auf ein 0:0 einigen. Es sei denn, Zagreb gewinnt 7:0. Das könnte also zu einem Nichtangriffspakt führen.

Hier muss man aber auch sofort festhalten: Das hätte uns auch im alten System passieren können. Zumindest in den Schlussphasen ist es durchaus auch schon vorgekommen, dass beide Mannschaften das Fußball spielen eingestellt haben. Und genau so werden auch die letzten Minuten ablaufen, falls es in dem "Endspiel" lange unentschieden steht: Keiner wird das Weiterkommen durch eine mutige Offensive aufs Spiel setzen.

Der Vorteil am neuen Modus: Beide Vereine sollten gewinnen, um sich hoffentlich ein einfacheres Los in der Zwischenrunde zu sichern. Also klar, es wartet theoretisch Aston Villa auf den "Tabellenletzten". Aber dieses Aston Villa hat halt auch die Bayern geschlagen. Die Optimisten reden sich also ein, dass eine Mannschaft aus der Premiere League der Wunschgegner ist.

Das liegt nebenbei auch an der Sondersituation, dass Club Brügge und Manchester City aufeinandertreffen. Also wenn beide theoretisch gewinnen könnten, würde in Stuttgart kein Unentschieden reichen.

Club Brügge zeigt nebenbei die Absurdität des Spieltags: Bei einer Niederlage droht ihnen das komplette Ausscheiden. Bei einem Sieg wäre theoretisch sogar noch Platz 8 drin. THEORETISCH muss hier extrem großgeschrieben werden, denn dafür müssten die 8:0 gewinnen und alle anderen Ergebnisse in ihre Richtung ausgehen. Ich wage mal zu behaupten: Da kann man nicht mal in China drauf wetten...

Die Bayern könnten im Worst-Case-Szenario 21. werden. Also dafür müssen sie erstmal gegen Slovan Bratislava verlieren... aber wir hielten es auch letzte Woche für absurd, dass die Bayern in Rotterdam 3:0 verlieren. Auf der optimistischen Seite ist Platz 5 noch drin. Also um mal demonstrativ zu verdeutlichen, wie viel theoretische Bewegung in dieser Tabelle noch drin ist.

Wobei man jetzt auch fragen muss, ob Platz 21 wirklich "so schlecht" wäre. Denn es könnte bedeuten, dass man Real Madrid, Paris und Manchester City aus dem Weg geht. Dass diese 3 Mannschaften so abkacken würden, hat wohl niemand kommen sehen. Bei einer sachlichen Betrachtung muss man aber zugeben: dank der extremen Dauerbelastung von Real und City war ein zwischenzeitlicher Einbruch eigentlich absehbar. 

Aber das könnte eine zusätzliche Würze ins Spiel bringen: Wenn man als Tabellen-Elfter vor einem Date mit City in der Zwischenrunde steht, könnte das der ultimative Zeitpunkt für ein taktisches Eigentor sein.

Gerade von Platz 18 bis 5 ist die Lage aber so eng, dass ein einzelnes Tor alles komplett auf den Kopf stellen würde. Warum sollte man also aufs Eigentor gehen, wenn man mit einem Sieg auf Platz 5 springen könnte? Und wie soll man vorhersagen, was auf den anderen Plätzen passiert? Am Ende haben all diese Mannschaften nur die Option, selbst auf Sieg zu spielen.

Und mittendrin gibt es dann Graz - Leipzig und Bern - Belgrad. 2 Spiele, die wirklich nur für die Statistik ausgetragen werden. Und für die Fernsehgelder. Dass 4 bereits ausgeschiedene Mannschaften am letzten Spieltag aufeinandertreffen, sollte eine ähnlich große Ausnahme sein, wie der mögliche Nichtangriffspakt in Stuttgart.

Freitag, 24. Januar 2025

Und das war nur die Vorspeise

Die Hauptspeise kommt erst nächste Woche.

Also ganz ehrlich: Es muss Jahrzehnte her gewesen sein, dass ich für eine zweite Halbzeit eines Gruppenspiels in der Champions League vor dem Bildschirm gehangen habe. Mit einem "Scheiß drauf, dass ich morgen zur Schule muss". Das war in diesem ominösen Früher, wo man halt ein ganzes Jahr drauf warten musste, um einen Rivaldo im Fernsehen zu sehen: auch wenn man damals wenig gesehen hat, hat man eingeschaltet. Da ist uns wenigstens gar nicht aufgefallen, dass Rivaldo gar nicht gespielt hat...

Mittlerweile ist der Markt ja so übersättigt, dass man zumindest jede Woche die Highlights sehen kann. Und man hat ja die technischen Möglichkeiten, einfach alle Spiele zu sehen, wenn man das unbedingt will.

Aber egal: Paris St. Germain gegen Manchester City war das beste Gruppenspiel aller Zeiten. Das hätte die Uefa nicht besser skripten oder der chinesische Wettmarkt nicht besser manipulieren können. Wer auch immer das zu verantworten hat, hat sich ein dickes Lob verdient.

Also rein technisch gesehen hätte dieses Spiel im alten Modus ja gar nicht ausgetragen werden können, weil beide Mannschaften in Lostopf 1 gelandet wären. Damit war ausgeschlossen, dass sie aufeinander treffen. Und eigentlich fand ich es ja absurd, dass die neue Gruppenphase jetzt dazu führt, dass wir die Duelle, die es ab dem Viertelfinale eh jährlich gibt, noch häufiger stattfinden.

Aber da ging ich auch davon aus, dass es für beide um relativ wenig bis nichts geht. Also nur um die Frage, ob man Vierter oder Fünfter wird.

Jetzt haben beide die Gruppenphase so verkackt, dass beide das Spiel gewinnen mussten, um sich wenigstens die Playoffs zu sichern. Also halbwegs zu sichern. Und wenn 2 individuell großartig besetzte Mannschaften auf Sieg spielen müssen, kommt da meistens ein großartiges Spiel bei raus. Dass dann ausgerechnet Paris, die ja bisher immer am geringsten Widerstand zerbrochen sind, den Rückstand drehten, ist eine absurde Pointe.

Aber das müssen sie jetzt nächste Woche nochmal beweisen. Denn wenn sie gegen Stuttgart verlieren, wären sie trotzdem raus. Auch Stuttgart muss aber zwingend gewinnen, wenn sie im Wettbewerb bleiben wollen. Und klar, wenn Bologna gegen Sporting verliert, könnte Stuttgart auch mit einem Unentschieden weiterkommen. Aber wer verliert schon gegen Bologna?

Oh, ja, die Dortmunder. Natürlich. Es ist aber auch faszinierend, wie kaputt der BvB gerade ist. Und damit meine ich nicht nur das offensichtliche, dass Nuri Şahin als Trainer komplett überfordert war. Auch die Führungsetage ist offensichtlich komplett kaputt. Also die Frage, warum Lars Ricken befördert werden musste, obwohl die eigentliche Bilanz der Dortmunder Eigengewächse grausam ist, kann mir immer noch keiner beantworten. Was natürlich auch daran liegt, dass sich niemand mit der Frage, warum sich keine Dortmunder Eigengewächse durchsetzen, beschäftigt. Sebastian Kehl ist hauptsächlich Manager, weil er schon so lange da ist. Aber was macht eigentlich Matthias Sammer? Bei Amazon Prime die Mannschaft zerlegen? Also klar, mit seiner Einschätzung hat er vollkommen recht. Dass er die unangenehmen Wahrheiten ausspricht, ist wichtig. Aber bezahlen die den nicht als "Berater", damit er das intern so deutlich anspricht? Denn diese "Nicht-Verfassung" kommt ja nicht... aus dem Nichts. Diese Verfassung konnten wir 4 Spiele lang bestaunen. Aber Sammer fällt das erst jetzt auf? Oder er spricht das erst jetzt an? Oder er wurde intern ignoriert, weil er es vorher angesprochen hat?

Entweder die Dortmunder verschwenden das Gehalt für Sammer, weil sie ihnen eh nicht zuhören, oder sie verschwenden das Gehalt für Sammer, weil er seinen Job nur öffentlich macht... Egal, wie man es betrachtet, man kann da beiden Parteien kein gutes Zeugnis ausstellen.

Joachim Watzke sitzt daneben und guckt sich an, wie um ihn herum sein Lebenswerk zusammenbricht. Ganz großes Kino.

Und so, wie sich der Rest der Deutschen Mannschaften gerade anstellen, gibt es ja nicht wirklich die große Hoffnung, dass man über die Jahreswertung als 5. Mannschaft zur Champions League eingeladen wird. RB Leipzig ist schon sicher ausgeschieden. Der TSG 1899 Hoffenheim droht ebenfalls das Vorrundenaus. Heidenheim ist schon in der Zwischenrunde. Bayern und eben Dortmund müssen da wahrscheinlich auch antreten. Stuttgart hofft zumindest, dass sie diese erreichen. Aber vielleicht ist das ja der Dortmunder Plan: Dass die deutschen Mannschaften in dieser Zwischenrunde so viele Punkte holen, dass man am Ende wieder zu den besten Nationen gehört...

Ernsthaft: Wie werden diese Playoffs eigentlich für die 5-Jahres-Wertung verrechnet? Ist es am Ende gut, wenn da viele Mannschaften aus deiner Liga teilnehmen? 

Aber ja: Von der "halben Liga", die dieses Jahr international starten durften, überzeugen nur Bayer Leverkusen und natürlich Eintracht Frankfurt. Das ist kein gutes Zwischenzeugnis. Das ist jetzt vielleicht auch nicht DER Moment, um darauf hinzuweisen, dass die Bayern in der Liga nur einen Punkt mehr geholt haben, als in der angeblich so grausamen Vorsaison. Also falls noch irgendjemand glaubt, dass unter Vincent Kompany alle deutlich besser geworden ist: Ist es nicht, Bayer ist nur ein wenig schwächer geworden, deswegen fällt das nicht auf.

Mittwoch, 22. Januar 2025

Es ist einfach absurd, wie schnell das alles mittlerweile geht.

 Oder was ein halbes Jahr alles so ausmachen kann.

Wenn vor einem halben Jahr jemand darauf gewettet hätte, dass Omar Marmoush für 70+X Millionen zu Manchester City wechseln würde, hätte er wahrscheinlich auch eine Million gewonnen. Wenn er den Zeitrahmen auf "innerhalb der nächsten 6 Monate" gesetzt hätte, wäre der PayOut verdoppelt worden. Und in China kann man ja mittlerweile auf alles wetten.

Wobei man an der Stelle nochmal erwähnen muss, dass man auch in Europa auf verdammt viel manipulierbaren Bullshit wetten kann. Es ist nur einfacher, wenn man die Schuld am anderen Ende der Welt sucht.

Jedenfalls war Marmoush vor 12 Monaten angeblich 15 Millionen Euro wert. Wolfsburg hat so richtig nie eine passende Verwendung für ihn gefunden und ihn deswegen nach St. Pauli und Stuttgart verliehen. Für eine perfekte Marktmanipulation fehlt eigentlich nur ein kurzer Aufenthalt in Bielefeld... Er kam, bevor es nach Frankfurt ging, auf 9 Bundesligatore in 69 Spielen. Und ja, er ließ immer wieder sein technisches Potenzial aufblitzen, aber es mangelte immer an der nötigen Effizienz. Dazu steckte er mit Stuttgart im Abstiegskampf. Aber vor 12 Monaten wirkte es so, als würde Marmoush einer dieser Stürmer werden, die einfach nur durch die Bundesliga ziehen. Die technisch beschlagene Version von Sandro Wagner. Und nach seiner guten Durchbruchssaison geht es vielleicht sogar mal zu den Bayern, um da auf der Bank zu sitzen. Was nebenbei auch nichts Schlimmes ist. Marmoush würde damit immer noch ein Multimillionär werden und einigen Vereinen helfen. Vielleicht wäre sogar ein Wechsel zu einem Mittelklasse-Klub in England drin. Max Kruse ist ja zwischenzeitlich auch ins Ausland gewechselt

Dann hat Marmoush eine ordentliche Saison gespielt. 12 Tore und 6 Vorlagen in 29 Spielen muss man nicht verstecken. Aber es sorgt auch nicht dafür, dass die internationalen Scouts Flugtickets nach Frankfurt buchen. Er war der Topscorer in Frankfurt, aber er spielte international auch nur in der drittklassigen Conference League. Und der Abstand zwischen Frankfurt auf Platz 6 und den Champions League Mannschaften war schon beachtlich.

Nichts deutete darauf hin, dass Marmoush schon in diesem Winter ein Angebot eines internationalem Topklubs bekommen würde. Jetzt soll er plötzlich der teuersten Mannschaft der Welt helfen. Der individuell wohl am besten besetzten Mannschaft. Einem Team, das alles braucht, außer einen Stürmer. Wenn Man City Ellyes Skhiri als Ersatz für Rodri holen würden, ergäbe das mehr Sinn. Aber nachdem Erling Haaland einen 10-Jahres-Vertrag unterschrieben hat, holt man noch einen Stürmer? Einen Stürmer, der noch nicht mal nachgewiesen hat, dass er auf Champions League Niveau mithalten kann?

Und all das nur, weil Marmoush ein herausragendes Halbjahr gespielt hat. Das will ich auch gar nicht kleinreden. Es ist und bleibt seine beste Bundesliga-Saison mit 25 Scorerpunkten. Der hat in dem letzten halben Jahr mehr gemacht, als vorher in einer ganzen Saison. Aber er hat noch nicht mal im Ansatz nachgewiesen, dass er diese Leistung auch halbwegs konstant abrufen kann. Ein herausragendes Halbjahr hatten viele schon. Das bedeutet noch lange nicht, dass man in der absoluten Weltspitze mithalten kann. Ich verweise mal demonstrativ auf Randal Kolo Muani. Das ist genau genommen der erwartbare Weg des Ägypters: Er wird Bank- und Ergänzungsspieler und muss dann mit sich ausmachen, ob ihm das reicht.

Dass Marmoushs Marktwert sich innerhalb von 6 Monaten mehr als vervierfacht, beweist auch nur, wie absurd überhitzt dieser Markt immer noch ist. Da gibt es keinerlei Normalisierung der Preise. Also außer, dass wir es als normal empfinden, dass ein Stürmer mit 0 Champions League Toren und einem starken Halbjahr so viel Geld kostet.

Für die Frankfurter Eintracht ist das wunderbar. Die scheinen sich ja gerade darauf zu spezialisieren, dieses eine richtig gute Saison aus einem Stürmer zu pressen und den dann auf dem Höhepunkt seines Marktwertes über diesem zu verkaufen. Kolo Muani habe ich schon erwähnt. Jesper Lindström kam für 7 und ging für 30 Millionen Euro... Ohne wirklich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Er wartet immer noch auf sein erstes Tor in einem anderen Trikot, ist aber schon beim 2. Verein n.E.. Frankfurt hat 23 Millionen an ihm verdient.

An Andre Silva verdiente man etwa 20 Millionen. Auch der hatte seine beste Zeit im Frankfurt Trikot. Luka Jovic und Sebastien Haller waren die Innovatoren, die diese Idee in Frankfurt eingeführt haben. Beide kamen im Juli 2017 für günstiges Geld. Beide zogen 2019 für deutlich mehr Geld weiter. 

Faszinierender Weise haben all diese Spieler dieselbe Fieberkurve: Sie kommen mit einem überschaubaren Marktwert in Frankfurt an. Es folgt ein kurzer, leichter Anstieg in Jahr 1 und eine Eskalation innerhalb von 6 Monaten. Danach geht der Marktwert wieder nach unten. Meistens bricht er komplett ein. Nur bei Haller hat er nochmal eine Kurve nach oben gemacht, der wäre vor seinem Wechsel nach Dortmund fast wieder an die 40 Millionen aus der Frankfurter Zeit gekommen.

Das ist jetzt wirklich schlecht für Dortmund, denn es ist ja nicht davon auszugehen, dass Frankfurt jetzt einbrechen wird, weil ihr einmaliger Glücksgriff verkauft worden ist. Es wirkt eher so, als hätte man in Frankfurt ein sehr stabiles System aufgebaut, in dem überdurchschnittliche Stürmer überragend aussehen können. Und mit Hugo Ekitiké hat man den designierten Ersatz mit steigendem Marktwert schon im Kader.

Andererseits ist es schlecht für Manchester City, denn all die Angreifer, die Frankfurt abgegeben hat, mussten hinterher zugeben, dass sie in Frankfurt ihre beste Zeit hatten.

Die nächste Ebene, auf der all das völlig absurd ist: Diese Transferpolitik und das Auge für solche ausrastenden Spieler wirkt auf uns schon fast normal. Seit 2020 verkauft man quasi jährlich einen Offensivspieler für mindestens 5 Millionen. Man hat nur an Angreifern 282,4 Millionen Euro an Ablöse kassiert. Dazu kommen 40 Millionen für den Verteidiger Willian Pacho. Der war eine Saison lang Stammspieler, das reicht, um ihn mit einer Marge von 27 Millionen weiterzuverkaufen. Ich persönlich wusste nicht mal, dass die Frankfurter diesen Spieler verpflichtet haben...

Aber hauptsächlich funktioniert das mit den Stürmern, die kurzfristig eskalieren und dann gewinnbringend abgegeben werden. Mittlerweile wirkt es fast so, als wenn das ja schon immer so war. Aber die Vorgänger von Haller und Marmoush waren Olivier Occéan, Stefan Aigner und Mo Idrissou

Zwischen Anthony Yeboah und eben Aigner kassierte man für keinen einzigen Stürmer mehr als 3 Millionen Euro Ablöse. Wir reden hier von einer Zeitspanne von 20 Jahren. 

Die Eintracht hat sich in den letzten Jahren einen völlig neuen Ruf aufgebaut, der ihnen verdammt viel Geld einbringt. Sie lagen zuletzt so häufig richtig, dass man nicht mehr nur von "Glück" sprechen kann. Gleichzeitig schafft man es, die Abgänge so gut zu kompensieren, dass man sich konstant im oberen Drittel eingenistet hat.

Das ist ein wenig wie beim Football Manager: Sie haben die Spielmechanik durchschaut und verstehen, wie man sie ausnutzt, um seine eigene wirtschaftliche Lage zu stabilisieren, ohne dass man auf dem Platz einen Qualitätsverlust erleidet. Nur, dass die Eintracht diesen Cheatcode im realen Leben gefunden hat. Er lautet: Finde einfach superreiche Vereine, die für deine guten, aber nicht überragenden, Stürmer unfassbar viel Geld bezahlen...

Montag, 20. Januar 2025

Worst of des "Immerhin wurde es nicht schlechter" Wochenendes

 Die 2. Halbzeit war doch "in Ordnung". Wie schon gegen Bayer Leverkusen und Holstein Kiel. Das sind doch...

Ok, genau genommen gab es nur einen Fortschritt: dass man dieses Mal keine 3 Gegentore in der ersten Halbzeit kassiert hat. Was auch nur bedingt eine eigene Leistung ist, denn die erste Einladung zum Gegentreffer wurde in der ersten Minute von Gregor Kobel versendet. 

Und klar, in der 2. Halbzeit konnte man die Eintracht tief in ihre eigene Hälfte drängen. Oder Frankfurt überließ den Dortmundern das Feld. Das ist eine reine Frage der Betrachtung.  Wirklich viel kam dabei aber nicht rum... außer die Hoffnung, dass es für Kleinigkeiten Elfmeter gibt.

Gerade das "Foul" an Serhou Guirassy ist auch bezeichnend: Anstatt sich mit Wucht und Dynamik durchzusetzen, lässt er sich beim geringsten Kontakt fallen. Oder anders ausgedrückt: Anstatt selber eine Entscheidung zu erzwingen, hofft er darauf, dass der Schiedsrichter schon helfen wird. Und wenn selbst Nuri Şahin hinterher einsieht, dass das kein Elfer war, beweist das nur, dass Guirassy nicht wegen des Kontaktes, sondern wegen der Gelegenheit gefallen ist. Bei Gittens Dribbling in den Strafraum sieht die Dortmunder Brille das natürlich anders, aber auch da ist der Angreifer auf nichts außer ein Foul aus. Und wenn das deine beiden "besten" Offensivaktionen waren, war es auch in Halbzeit 2 nicht wirklich gut.

So langsam versteht man auch, warum Vorgänger Edin Terzić diesen Sicherheitsfußball spielen ließ. Denn aggressives Pressing ist mit dieser Dortmunder Mannschaft einfach nicht vernünftig. Es ist faszinierend, wie immer wieder alles zusammenbricht, sobald ein Mal eine Pressinglinie überspielt wird. Gegen Leverkusen kassierte man so das 2. Tor. Gegen Frankfurt greift man vor dem 1:0 auf Höhe der Mittellinie nicht aggressiv genug zu und steht dann de facto blank. 

Und das war nicht der einzige Moment, wo plötzlich viel zu viele Frankfurter auf die Dortmunder Kette zuliefen. Da muss man als Trainer doch irgendwann mal merken, dass die Mannschaft in der derzeitigen Verfassung und Formation nicht vernünftig pressen kann.

Ein paar Fortschritte gab es aber schon. Emre Can und Guirassy sahen Gelbe Karten. Für aggressive Zweikämpfe? Natürlich nicht, sondern für übertriebenes Meckern. Oh und Julian Brandt wurde schon nach 70 Minuten ausgewechselt...
Also klar, ich schieße mich gerade voll auf Brandt ein. Aber er ist gerade auch das Gesicht des Fehlstarts. Allein schon, weil er im Gegensatz zu vielen anderen an allen 3 Spielen teilnehmen konnte. Oder musste. Was absurd ist, denn Sahin hat ja nach der "beschämenden" Nicht-Leistung "Konsequenzen" angedroht hat. Das offensichtliche wäre ja den Torschützen zum 1:2, Gio Reyna, anstelle der bisher größten Enttäuschung der Rückrunde zu bringen. Man ersetzt den Mann, der mit seinem Ballverlust das Elend gegen Kiel eingeleitet hat, durch den Mann, der fast noch das Comeback ermöglicht hätte. Das drängt sich geradezu auf. Reyna saß stattdessen zur Belohnung 88 Minuten lang auf der Bank...

Reyna hat nebenbei in 159 Minuten genauso viele Tore erzielt, wie Brandt in 1237... Ohne dass Brandt jetzt absurd viele Torvorlagen gesammelt hat. Und hey, vielleicht trainiert Brandt überragend, während Reyna da deutlich macht, dass er eigentlich keinen Bock hat. Aber bei dem, was wir bisher gesehen haben, ist es nicht nachvollziehbar, warum Brandt anscheinend einen Freifahrtschein hat...

Aber gut, immerhin hat man keine 3-Tore-Führung verspielt... gegen den Tabellenletzten. RB Leipzig hält also den Traum von der Champions League Qualifikation für Dortmund am Leben...
Bei Marco Rose kam an diesem Wochenende plötzlich der ehemalige Dortmund Trainer durch. "Das ist eine Frage der Haltung, da muss keiner mit Mentalität kommen"... Ja, er hat den "Wir nutzen haufenweise Synonyme, aber verweigern es von Mentalität zu reden" Joker genommen, den sonst nur Dortmund nutzt.
Noch geiler ist echt nur seine "Als Trainer sitzt du manchmal nur auf dem Beifahrersitz." Also ein guter Beifahrer hat den Überblick über die Fahrt, reicht dem Fahrer Getränke... und wenn der Fahrer sich verfährt, greift man halt ein und zeigt ihm den richtigen Weg. 

Am besten wird das an den Wechseln deutlich: Dieter Hecking bringt mit Holtmann den entscheidenden Impuls, damit der Bochumer Wagen in die richtig abbiegt. Rose wartet auf das 3:3, bis er seine 2 guten Optionen von der Bank bringt. Auch wenn die Leipziger Bank erschreckend dünn aussieht, so wäre doch gerade Yussuf Poulsen ein Spieler, der genau für die nötige Mentaliähh Haltung steht, die man braucht, um das Spiel nicht aus der Hand zu geben.

Wobei man das "erschreckend dünn" auch relativieren muss. Mit El Chadaille Bitshiabu und Lutshaerl Geertruida saßen zwei Spieler auf der Bank, die allein jeweils mehr Ablöse gekostet haben, als der gesamte Bochumer Kader... Wenn Rose für diese Spieler keinerlei Verwendung hat, ist er vielleicht nicht der perfekte Beifahrer.

Zu guter Letzt noch aus der neuen, beliebten Serie "In China kann man ja auf alles wetten": der 1. FC St. Pauli ist offizielle Baden-Württemberg Meister. Denn sie haben alle 4 Spiele in diesem Bundesland gewonnen. Sie haben in Freiburg, Hoffenheim, Stuttgart und Heidenheim gewonnen. Und ja, ich habe auch dieses Wochenende erfahren, dass Heidenheim in diesem Bundesland liegt. Fußball gucken bildet! 

Wer das als Kombiwette auf seinem Schein hatte, ist jetzt jedenfalls reich. Ich wollte es nur erwähnt haben. Wirklich absurd wird es ja, wenn man sich die Bilanz im "restlichen Deutschland" anguckt: Da ist St. Pauli bei einem Sieg, 2 Unentschieden und 11 Niederlagen... unter anderen gegen Heidenheim. Können die eigentlich für den Rest der Saison spontan umziehen?

Donnerstag, 16. Januar 2025

In der Bundesliga gibt es wenig Neues.

 Also ja, die Dortmunder Abwehrspieler sind zurück... Julian Brandt leistet sich trotzdem einen leichtfertigen Ballverlust, der direkt zum 1:0 führt. Und danach kassiert man bis zur Pause noch 2 weitere Tore. Läuft bei denen. 

Der wievielte komplette Systemabsturz des Jahres war das eigentlich? Und viel wichtiger: Saß Edin Terzić nicht im Block und konnte sofort helfen? Wobei man ja fairerweise erwähnen muss, dass auch der die strukturellen Probleme nicht dauerhaft lösen kann. Aber mittlerweile steht man auf Platz 10. Am Freitag kommt Eintracht Frankfurt...
Vielleicht sollte Dortmund in den Omar Marmoush Poker einsteigen. Also als Hilfe für Manchester City: Wie, das scheitert an 10 Millionen? Hier habt ihr die für irgendeinen U17 Spieler, Hauptsache Marmoush ist vor Freitag schon weg und verbringt die Rückrunde nicht komplett in Frankfurt.

Denn eine andere Sache wurde in dieser Woche auch deutlich: Die Top 3 der Bundesliga sind schon verdammt gut. Also für Bundesligaverhältnisse. Leverkusen gewinnt auch die hässlichen Spiele. Bayern schenkt Baumann seine 4+x Tore ein, damit alle Angreifer sich besser in den Vertragsverhandlungen positionieren können. Und Frankfurt macht in der Konstellation schon Laune. Der größte Hoffnungsträger für den BvB ist und bleibt RB Leipzig

Wo ich mich langsam frage, wie die reagieren, wenn Platz 4 ernsthaft in Gefahr gerät... und viel Spielraum haben sie ja nicht mehr. Wobei man an der Stelle auch anmerken muss: Die Leipziger können sich quasi komplett auf die Liga konzentrieren. Sie haben noch 2 "Pflichttermine" in der Champions League, aber ihr Ausscheiden ist schon perfekt. Ab Ende Januar haben sie maximal 2 weitere englische Wochen im Kalender. Auch wenn Marco Rose seine grundlegenden Probleme in Leipzig nicht in den Griff bekommt, kann man immer noch davon ausgehen, dass die im Frühjahr eine Siegesserie hinlegen. Einfach nur, weil sie deutlich frischer sein werden, als man das vor der Saison erwartet hat. Und gerade wenn man viel mit jungen, emotionalen Spielern arbeitet, macht sich so was oftmals bemerkbar.

Da muss sich die Borussia gut überlegen, ob sie auch gegen St. Pauli aus Solidarität 3 Punkte verschenken. Wenn sie es jetzt aber nicht machen, ist es auch irgendwie Wettbewerbsverzerrrung...
Was den Dortmundern wirklich zu denken geben sollte: Die spielen praktisch dieselbe Saison, wie letztes Jahr. Sie sind nur noch ein bisschen schlechter. Also international stehen die ja verdammt gut da. Minimal besser als die Bayern. Wenn man gegen Bologna und Donezk die erwartbaren 6 Punkte holt, könnte man der Zwischenrunde aus dem Weg gehen. Aber diese hat man schon sicher erreicht. Aber in der Liga reihen sich die unentschuldbaren Fehltritte aneinander. Was auch nur bedeutet: Nuri Şahin hat für keines der Probleme, die Terzić geplagt haben, eine Lösung gefunden. Dass diese strukturellen Probleme im Kader selbst ein Jürgen Klopp nicht lösen könnte, habe ich ja schon oft genug ausgeführt. Aber unter einem guten Trainer würden sich diese Probleme wenigstens nicht verschlimmern. Und unter Terzić hat man wenigstens ordentlich verteidigt.

Auch beim anderen Dauergast ändern sich die Aussagen nicht wirklich. Sie werden nur dramatischer. Vielleicht ist ihnen selbst aufgefallen, wie unwahrscheinlich es ist, dass die eigenen Fans einen Spielabbruch provozieren wollen, weil sie damit ja ihrem Verein schaden würden. Also bringt Horst Heldt die chinesische Wettmafia ins Spiel. Ernsthaft, Heldt hat tatsächlich Angst davor, dass ein Chinese seine Fans kauft, damit der dann im Stadion einen Spielabbruch provoziert und wahrscheinlich verhaftet wird, weil man da in einem versifften Lokal in Wuhan drauf wetten kann. Das sind die Strohmänner, an die sich Union aufhängt, weil sie keine anständigen Argumente haben, um das Verhalten ihrer Fans zu rechtfertigen. Wir sind von "Es kann nicht sein, dass Fans Gegenstände auf die Köpfe von Spielern werfen" zum "Es kann aber sein, dass die von den Chinesen bezahlt werden und deswegen können wir jetzt nicht dagegen vorgehen" gekommen. Stark.

Vielleicht sollte sich Union mal eher dem eigentlichen Problem zuwenden: Dem Fakt, dass man seit dem 7. Spieltag sieglos ist. Dass man im Januar 2025 plötzlich die schlechteste Mannschaft der Liga stellt. Denn die anderen zeigen ja gerade überraschende Lebenszeichen. Und klar, gegen Dortmund hat Union Berlin auch gewonnen, so gesehen hat Kiel gar nichts Besonderes geschafft. Aber seit dem hat man aber eben nur diese Kieler geschlagen.
Oder ganz direkt gesagt: wenn man gegen 10 Bochumer spielerische Lösungen gefunden hätte, müssten wir diese ganze Diskussion nicht führen. Und die ersten Anzeichen lassen nicht darauf schließen, dass der "Dead Coach Bounce" die Probleme lösen wird.

Vielleicht, ganz verrückter Gedanke, sollte man selber mal damit abschließen und sich auf die eigene Leistung konzentrieren. Denn die sind gerade so schlecht, dass man selbst noch von Bochum eingeholt werden kann. Und da werden Nebenschauplätze, die die Konzentration auf das Wesentliche behindern, nicht helfen

Montag, 13. Januar 2025

Worst of des "Und die legen auch noch nach" Wochenendes

Also nicht auf dem Platz. Da zeigt sich Union dann doch solidarisch: Wenn unsere Fans den Bochumern 3 Punkte schenkt, müssen wir auch den Heidenheimern 3 Punkte schenken. Wenn die jetzt noch gegen St. Pauli und Kiel verlieren, ist doch alles fair abgelaufen.

Aber wie sich die Offiziellen gerade präsentieren. Heute in der beliebten Serie: Wie verspiele ich meine Sympathien bei neutralen Zuschauern? Indem ich weiter absurden Scheiß rede.

Also am meisten stört mich die Relativierung der Vorfälle. Dirk Zingerle hat schon "ganz viele Spiele erlebt hat, wo Spieler getroffen worden sind". Das sei ja nichts Außergewöhnliches, das passiert doch ständig. Dann ist es ja auch nicht so schlimm.

Wenn das so normal ist, dann muss sich da dringend etwas ändern. Dann schafft dieses Urteil einen dringend nötigen Präzedenzfall, an dem sich alle jetzt orientieren können: Wenn ein Spieler mit einem Gegenstand am Kopf getroffen wird, bedeutet dies, dass die Mannschaft des den Gegenstand werfenden Fans das Spiel verliert. 

Und Punktabzüge, was dies de facto wäre, ist halt die einzige Sprache, die Fans verstehen. Denn finanzielle Strafen für ihren Verein nehmen die Ultras ja seit Jahren in Kauf. Und dann wundern die sich plötzlich, dass kein Geld für die neue Flutlichtanlage da ist... Erst wenn ein Verein absteigt, weil die Fans sich nicht benehmen können, wird sich vielleicht was ändern.

Ist das dann Wettbewerbsverzerrung? Ja. Und ich kann gerade Oke Göttlich auch verstehen, denn dem 1. FC St. Pauli könnte dieses Urteil mehr schaden, als Union Berlin. Dass sie als völlig Unbeteiligte davon betroffen sind, ist richtig Scheiße. Aber muss man sich dann in völlig absurden Verschwörungstheorien verlieren? Also Göttlich befürchtet ja "Wiederholungen". Dass andere Fans sich denken: Ich kann in den Wettbewerb eingreifen! Wie geil.

Aber wie soll das denn funktionieren? Solange man sich nicht in die ganz absurden "Vereine schleusen Fans in die gegnerischen Kurven, damit die dann einen Spielabbruch provozieren" Abgründe bewegt, sehen die Szenarien ungefähr so aus:
Dortmund Fans werfen Gegenstände auf den Heidenheimer Torwart, damit die 3 Punkte bekommen und Hoffenheim absteigt. Im Bekennerschreiben wird genau das als Motiv angegeben. Der Fan wird zu Dortmunds Luigi Mangione und alle wollen sein lebenslanges Stadionverbot aufheben.
Die Eintracht Frankfurt Ultras werfen trotz Führung Wurfgeschosse auf den Bayern Torwart Alexander Nübel, weil dies die einzige Variante ist, wie sie die erste Meisterschaft von RB Leipzig, die zeitgleich an den Bayern vorbeiziehen würden, zu verhindern. GEMEINSAM GEGEN RB steht auf dem Feuerzeug. Die waren richtig gut vorbereitet und wussten, was sie zu tun hatten.

Das sind die absurden Szenarien, in denen die Fans es gut finden würden, wenn ihr eigener Verein verliert. Und das muss hier nochmal explizit festgehalten werden: Die Aktion, die zum Spielabbruch führt, wird immer in der ersten Instanz dem eigenen Verein schaden. Wer das seinen eigenen Fans zutraut, sollte mal dringend darüber nachdenken, in was für einem Verein er aktiv ist.

Und ja, Fans fantasieren jetzt über eingeschleuste V-Männer gegnerischer Vereine, die einen Spielabbruch provozieren wollen. Fans dürfen aber auch rein emotional und völlig realitätsfern reagieren. Aber dass Göttlich entweder Angst vor richtig absurden Szenarien hat, oder eben genau dies auch befürchtet, ist ein riesiges Problem. Denn die Führung jedes Vereins sollte in diesen Momenten Ruhe, Sachlichkeit und Weitsicht ausstrahlen. Stattdessen kippt der Mann weiteres Öl ins Feuer. Richtig gut.

Einen völlig absurden Beitrag zu diesem Diskurs brachten dann Mainz 05 und der VfL Bochum ein. Denn die Highlights bestanden fast ausschließlich aus Kopftreffern in verschiedener Intensität. Tim Oermann und Ivan Ordets mussten aufgrund von Kopfverletzungen ausgewechselt werden. Dass Ordets mit einer blutenden Wunde am Kopf 60 Minuten lang weiterspielen durfte, verdeutlicht irgendwie, dass wir Gehirnerschütterungen auch im Jahr 2025 nicht wirklich ernst nehmen. Oermann hat es wenigstens nur kurz versucht, nachdem er wie ein vom Lucky Punch getroffener Boxer zu Boden gegangen war. Da muss man schon festhalten: Kopfverletzungen, die von anderen Spielern verursacht werden, sind harmloser, als Kopfverletzungen, die durch Feuerzeuge verursacht werden...

Und bevor jetzt jemand mit "Guckt mal, jetzt wirft er Drewes doch Schauspielerei vor!" kommt: Tue ich nicht. Ich werfe den Teamärzten vor, dass sie oftmals nicht die Gesundheit ihrer Spieler im Kopf haben. Die wollen nur sicherstellen, dass der Verteidiger weiterspielen kann und das taktische Konzept nicht umgeworfen werden muss. Das ist gerade bei Kopfverletzungen verdammt gefährlich. Aber über CTE im Fußball wird halt nie geredet werden. Also zumindest nicht ernsthaft. Deswegen muss sich der Drewes ja auch die Vorwürfe der Schauspielerei anhören: Wir sehen jedes Wochenende heftigere Kopftreffer, da kann das ja gar nicht so schlimm gewesen sein. Aber gerade bei Kopftreffern sollte man sich solche Kommentare immer verkneifen, denn das Gehirn ist ein verdammt sensibles Instrument. Mittlerweile wissen wir, dass das Schlimmste eine 2. kleinere Erschütterung nach der 1. heftigen ist.
Ich bin da ja seit Jahren für neutrale Ärzte, die gerade bei Kopfverletzungen nur auf die Gesundheit der Spieler achten und diesen das Weiterspielen erlauben oder eine Auswechslung anordnen. Die muss dann auch nicht gegen das Wechselkontingent gezählt werden. Aber Fans werden sofort wieder vermuten, dass dieser "neutrale Arzt" heimlich Fan des größten Konkurrenten ist und deswegen die Spieler ihres Vereins nicht zurück auf den Platz lässt.

Und sonst so? Muss man nochmal festhalten, dass Julian Brandt mal wieder eine hervorragende Gelegenheit hatte, sich als Führungsspieler zu profilieren: Die komplette Abwehr fiel wegen einer Grippewelle aus. Dortmund war extrem ersatzgeschwächt. Das soll jetzt keine Ausrede sein, aber...
Also das wäre jetzt genau der Moment gewesen, in dem Brandt vorne wegmarschiert und seinen Mitspielern halt gibt. Stattdessen war von ihm mal wieder nichts zu sehen. Darauf kann man sich echt verlassen.

Dabei verlange ich nicht mal, dass der demonstrativ in jeden Ball reingrätscht. Aber nehmen wir mal das riesige Loch, dass Tapsoba vor dem 3:0 freispielt. Muss ich von einem Führungsspieler nicht erwarten, dass er seiner neu formierten Defensive hilft, indem er derartige Löcher zumacht? Wenn er das nicht macht, muss er wenigstens so viel Druck aufbauen, dass der Pass nicht sauber gespielt werden kann. Brandt greift aber lieber gar nicht ein, sondern guckt, was wird. Er sieht einen starken Spielzug des Meisters. Genauso wie Brandt bei der Spieleröffnung vorm 0:1 das Spiel nicht an sich reißt, sondern die neu formierte Abwehr mal machen lässt und guckt, was wird.

Das wäre genau das Spiel gewesen, um eine deutliche Weiterentwicklung als Führungsspieler zu zeigen und seine Position in den Vertragsgesprächen zu stärken. Stattdessen wird der Vertrag am Ende nur verlängert werden, weil beide Parteien sonst keine Optionen haben. Und dann gucken sich auch 2026 und 2027 alle verwundert an, wenn Brandt in wichtigen und engen Spielen mal wieder abtaucht....

 

Freitag, 10. Januar 2025

Vollidiot des Jahres: Dirk Zingler

 Hey, bei Union Berlin dürfte ich eh unten durch sein.

Was für ein Schmierentheater! Da werden die armen Unioner für die Tat eines verwirrten Einzelnen bestraft. Und nicht nur die, auch Holstein Kiel, die jetzt vielleicht doch als Letzter und nicht als Vorletzter absteigen...

Ich sage jetzt mal was ganz Fieses: Hoffentlich fehlt Union am Ende 1 Punkt. Also damit Fans lernen, dass ihre absolut dämlichen Aktionen drastische Konsequenzen haben können. Absurde Geldstrafen, die zumindest in den tieferen Ligen richtig weh tun, scheinen da ja nicht zu helfen. 

Und hoffentlich führt der DFB die grundlegende Regel ein, dass Spiele immer und bedingungslos abgebrochen werden, wenn ein Spieler von einem Gegenstand am Kopf getroffen wird. Dann braucht man vielleicht auch nicht mehr die Schirme bei Eckbällen des Gegners aufzuspannen... was nebenbei auch ein viel zu normales Bild ist.

Was mich an Zinglers Argumentation am meisten stört, ist diese Relativierung. Das ist ja leider völlig normal, da kann man nichts machen. Also passiert ja auch bei Konzerten und anderen Indoor Events...

Ähm... Ich darf mich, was Konzerte betrifft, als Experte bezeichnen... weil ich auf 180 im Jahr bin. Teilweise als Gast, teilweise auf der anderen Seite der Bar. Ich habe vom spießigen Orchester im Gewandhaus bis zur Punkband in einer versifften Kaschemme alles gesehen. Und ja, vor 10 Jahren gab es noch den Kult, BHs auf die Bühne zu werfen. Aber diesem Trend sind wir in Zeit fortschreitender Aufklärung irgendwie entwachsen. Also zumindest bei Die Ärzte passiert das nicht mehr. Und ja, hin und wieder werfen junge, meist weibliche Fans Liebesbriefe auf die Bühne. Wobei die meistens eher mit der Security reden, ob sie die ins Backstage legen können.

Aber dass Wurfgeschosse auf die Bühne geworfen werden... in Richtung Künstler*innen? Auf einem so schlechten Konzert war ich noch nicht. Also da muss die Band schon richtig verkacken und sehr schnell von der Bühne gehen, sonst sind Musikfans meistens nicht so unzufrieden, dass sie auf ihre Idole zielen.

Und ja, hin und wieder eskaliert so ein Moshpit und es wird ein Plastikbecher durch den Raum geworfen. Aber.. also das habe ich bisher wirklich nur mit Plastikbechern erlebt, die in der Euphorie hochgeschleudert wurden und leer wieder runterkamen. Oder idealerweise schon leer waren. Da kriegt man dann hin und wieder ein wenig Bier ab, das ist aber alles.
Gerade bei Moshpits gibt es in den letzten Jahren echt faszinierende Entwicklungen: Die nennen das mittlerweile verdammt häufig "Wall of Love", statt "Wall of Death". Und die Leute passen da echt aufeinander auf. Wenn da einer irgendwie zu Boden geht, hilft man den auf. Man baut eine Schutzwand um Menschen, die gerade ihre Schnürsenkel neu justieren müssen... oder eventuell irgendwas verloren haben. Sobald jemand seine Brille verloren haben könnte, wird der ganze Pit angehalten. Und am Ende halten verschiedene Leute Portemonnaies und Schuhe hoch, damit die zurück zu ihrem Besitzer kommen können. Das war im Jahr 2024 der ganz normale Umgang miteinander auf Konzerten.

Und da wird es dann für mich persönlich: Vergleiche uns zivilisierte, feiernde Menschen nicht mit deinem Scheiß-Pöbel. Wir haben ganz andere Probleme als ihr. Also hauptsächlich sexistische Übergriffe, die sich nie ganz eindämmen lassen. Aber dass jemand gefährliche Gegenstände absichtlich auf Menschen wirft, habe ich noch nie...
Ok, noch nie ist übertrieben. Ich war vor ungefähr 20 Jahren auf einem Anti-Nazi Konzert im Sonnenblumenhaus in Rostock. Also dem Sonnenblumenhaus. Ferris MC und DJ Stylewarz haben gespielt. Und irgendwann hat ein sich Neo-Nazi eine Stinkbombe in die Menge geworfen, um das Konzert zu sabotieren. Das war aber echt das einzige Mal, dass bewusst irgendetwas Ekliges oder Gefährliches in meine Richtung oder in Richtung der Künstler*innen geworfen wurde.

Dass gefährliche Gegenstände in Richtung der Protagonisten oder gegnerische Fans geworfen werden, ist ein reines Sportproblem. Das ist ja auch logisch: Kaum jemand geht auf ein Konzert, weil er die Künstler*innen hasst. Aber den gegnerischen Torwart, der es aus deiner Perspektive mit dem Zeitspiel übertreibt, weil er genau dasselbe macht, was du bei deinem Torwart feiern würdest? Den hasst man dann irgendwie schon. Den Angreifer, der sich schon wieder so leicht fallen lässt, auch. Den technisch hochbegabte, aber viel zu lässigen Flügelflitzer, den man in den eigenen Reihen vergöttern würde. Den Scheiß-Neger.

Sobald diese Personen ein gegnerisches Trikot trägt, entwickelt man einen gewissen Hass auf sie, auch wenn man sie für dieselben Aktionen im eigenen Trikot feiern würde. Und diese negativen Emotionen, die es auf Konzerten nur ganz selten, im Stadion aber jede Woche gibt, führen dann dazu, dass Leute Gegenstände auf Spieler werfen.

Nebenbei würde ich sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, dass das ein reines Fußballproblem ist. So asozial sind nur wir. Beim Eishockey gibt es die Plastikscheibe ja, damit die Fans nicht vom Puck getroffen werden, und nicht, damit die nichts auf die Eisfläche werfen. Ich habe gerade mal "Spielabbruch und Basketball" gegoogled... und medizinische Notfälle oder technische Probleme gefunden.
Und ja, es gab den "Malice in the Palace" in der NBA. Aber das war vor 20 Jahren. Und das hat zu extremen Verschärfungen der Regeln geführt. Aber es mussten keine Fangnetze eingeführt werden, um Ähnliches zu verhindern.
Nebenbei ist es auch nicht so, dass sich Fangruppen nicht auch in anderen Sportarten hassen und prügeln würden. Hier habt ihr einen Artikel zu einer Massenschlägerei vor dem Final Four Turnier im Basketball. Aber... also achtet mal bei den Highlights aus der Basketball-Bundesliga auf die Plätze hinter dem Korb. Und dann vergleicht das mal mit diesem Bild von der an sich völlig harmlosen Spielvereinigung Elversberg. Oder... dieses "Positivbeispiel" für einen Gästeblock aus Frankfurt. Was seht ihr da demonstrativ zwischen den Fans und dem Tor? Riesige Fangnetze... die es bei Union noch nicht gab, aber jetzt als erste Reaktion wohl geben wird.

Es ist so absurd normal, dass Fans aus den Gästeblock Gegenstände auf das Feld werfen, dass das "Positivbeispiel" mit einem Schutznetz für die Spieler kommt. Wenn es diese Probleme auch beim Basketball oder beim Konzerten geben würde, wären auch da einzelne Bereiche mit solchen Netzen abgesperrt.

Random Sad Fact: Ich saß bei meinem ersten Konzert von Die Ärzte in Dresden direkt neben dem Gästeblock im Stadion. Der ist komplett mit Plexiglas abgeschirmt... weil... die mit Toten Hosen Fans gerechnet haben? Nein, weil man als Gästefan bei Dynamo sonst mit Gegenständen beworfen wird. Das ist da so normal, dass die einzige Chance dies zu verhindern, ein gläserner Käfig war.

Und jetzt, das macht es ja so schlimm, will der Zingerle so tun, als wenn das überall normal wäre. Ein ganz klares NEIN! Es ist zumindest in Deutschland ein Fußball-Fan-Problem. 

Natürlich ist es Scheiße, dass jetzt die Tabelle durch diese Idioten beeinflusst wird. Aber die Schuld dafür ist immer noch und ausschließlich bei diesen Idioten zu suchen und nicht beim DFB Sportgericht. Das jetzt noch zu verharmlosen und seinem Verein in die Opferrolle zu drängen, ist das Dümmste, was man als Verantwortlicher machen kann.
Und man kann ja auch sagen, dass man es Scheiße findet, dass die Tabelle dadurch jetzt beeinflusst wird. Man kann aber auch Verantwortung für seine Fans übernehmen, indem man diese Strafe akzeptiert, obwohl man sie Scheiße findet. Nur um sich eindeutig auf "So was darf einfach nicht mehr passieren" Seite zu stehen.