Einer der erfahrensten Spieler fliegt ohne Angabe von Gründen einfach so aus der Mannschaft. Kommt zugegeben nicht all zu häufig vor, aber wenn, dann trifft es immer... Hanno Balitsch. Faszinierend, oder?
Balitsch ist ein grundsolider Defensiver Mittelfeldspieler. Bei den Vereinen aus dem unteren Mittelfeld kann er durchaus eine wichtige Rolle spielen. Bei den größeren Vereinen wie Bayer Leverkusen reicht es halt nur für die Rolle des Ergänzungsspielers. So kam er mit 20 Jahren in die Liga und so verlässt er sie nach 12 Jahren wieder. Dazwischen gab es nie irgendwelche Skandale oder Probleme...
Aber: Halt auch nur eine einzige Vertragsverlängerung. Bezeichnender Weise in Hannover. Wo er (aber dazu später mehr) sich wie alle anderen Spieler auch nicht weiter entwickelt hat... Was sein 2. Versuch als Ergänzungsspieler in Leverkusen beweisen würde.
Und dort wurde er dann zum ersten Mal ohne Angabe von Gründen entlassen. Dasselbe passiert ihm jetzt in Nürnberg. Anscheinend verbreitet Hanno Balitsch eine negative Grundstimmung. Zumindest wenn ihm die (Aus)-Richtung der Mannschaft nicht passt. Und wieder ein Mal ist Balitsch "völlig überrascht" von der Entwicklung.
Immerhin (und das muss man ihm hoch anrechnen) macht er jetzt keinen Stress sondern spielt für die 2. Mannschaft (um auch selbst in Form zu bleiben). Und ein ablösefreier Balitsch wird schon genügend Interessenten in Erster und Zweiter Liga finden. Nur: dieser Verein sollte sich vorher genau klar machen, was für einen Spieler er sich da holt. Und er sollte ihn zum Stammspieler in einem defensiv ausgerichteten System machen. Den ein Spieler, der dir von der Bank aus helfen kann, ist Balitsch anscheinend nicht. Oder ein Spieler, der die Entwicklung eines jungen Trainers und einer progressiven Spielidee unterstützt... eher auch nicht.
Aber hey, die gute Nachricht: Der Hamburger SV hat weder noch... Bezeichnend ist aber, dass die Ausbootung von Balitsch anscheinend einen ähnlich guten Effekt auf die Mannschaft gehabt hat, wie sonst nur ein spontaner Trainerwechsel... Denn sein wir kurz ehrlich: Die Mannschaft mit Balitsch hätte gegen Braunschweig verlieren können... und so eine Mannschaft bricht dann meistens nach einem 0:1 gegen einen Champions League Teilnehmer auseinander. Nürnberg kam am Wochenende zurück... hey, vielleicht sollten die Vereine öfters ihre Führungsspieler und seltener die Trainer rausschmeißen... andererseits... verdient Michael Wiesinger wahrscheinlich weniger Geld...
Um noch mal eine provokanten Gedanken in den Raum zu schmeißen: Ist Michael Ballack nicht am Ende genau dasselbe passiert. Auch bei ihm stellte man (und sein Comeback in Leverkusen gab Jogi Löw im Endeffekt ja Recht, auch wenn das "wie" dadurch nicht richtiger wird) fest, dass man mit ihm in einer kleineren Rolle kaum arbeiten kann. Weil er halt seinem Selbstverständnis nach immer ein Führungsspieler sein muss. Seine Karriere baute sich ja auch auf diesem Selbstverständis auf. Und er war es bei selbst den Bayern und bei Chelsea... Was er aber am Ende nicht mehr konnte, war: Erkennen, dass es für diese Rolle nicht mehr reicht... aber dass er einer Mannschaft in einer anderen Rolle trotzdem helfen könnte. Und genau dasselbe passierte jetzt Hanno Balitsch im Kleinen, also in Nürnberg.
Und noch was Interessantes: Selbst die jungen Trainer können so eine Ausbootung inzwischen bringen. Und werden, zumindest bei ordentlich geführten Bundesligisten (also nicht dem HSV) dabei unterstützt. Nicht das erste Mal, dass mir dieser Gedanke in diesem Jahr kommt...
Natürlich ist diese Machtverschiebung in Richtung Trainer noch nicht bei allen angekommen. Was natürlich auch daran liegt, dass die Trainer nicht immer Recht haben... Bruno Labbadia ist doch daran gescheitert, dass er unbedingt William Kvist aus der ersten Elf nehmen wollte. Damit er schön eren Fußball spielen lassen kann. Frei nach Uli Hoeneß: Damit fing die ganze Scheiße doch an. Und die wesentliche Veränderung unter Thomas Schneider... Kvist spielt wieder und der VfB dadurch klarer und strukturierter... Aber selbst ein Bruno Labbadia durfte das mit Kvist erst mal eine ganze Weile versuchen.
Aber eigentlich sollte es hier ja um Balitsch und Nürnberg gehen und nicht um Ballack und die Trainer an sich... naja, so ein Artikel muss einem auch selbst mal entgleiten dürfen...
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Dienstag, 24. September 2013
Donnerstag, 12. Juli 2012
Weil doch irgendwie Sommerpause ist
hier jetzt der Original Leserbrief, den ich letztens zerrissen habe:
Das wirklich erstaunliche: mit dem ausführlicheren Stament im Kommentarbereich stimme ich auf einmal fast überein... Vielleicht sollte man dem Kicker keine Leserbriefe schreiben, weil eine wirkliche Debatte in diesem logischer Weise stark gekürztem Forum kaum möglich ist...
Aber vielleicht fehlte es der Deutschen Nationalmannschaft wirklich an "Charakter"... oder (völlig überraschender Weise) an dem Bayern-Gen... obwohl die halbe Mannschaft bei den Bayern ausgebildet wurde... Nehmen wir einfach das Fallbeispiel Bastian Schweinsteiger: Der ließ sich selbst vor dem Spiel gegen Italien in Frage stellen... und wusste selbst nicht genau, ob man ihm eigentlich aufstellen sollte. Könnt ihr euch vorstellen, dass ein Effenberg sich überhaupt fragen lassen würde, ob es richtig wäre, ihn aufzustellen. Diese Idee wäre für eine Mannschaft um Effe völlig unvorstellbar gewesen. Selbst bei einem gebrochenen Fuß wäre er davon ausgegangen, dass er spielen und der Mannschaft helfen kann. Und das gesamte Team hätte ihm das geglaubt.
Und da wären wir dann auch schon bei den Spaniern... die einzige Frage, auf die ein Xavi nicht mit einem freundlichen "Ja, sicher" und "Der Erfolg der Mannschaft ist am wichtigsten" antworten würde... wäre ein "Sollten sie nicht vielleicht eher auf der Bank Platz nehmen?" Die gehen bei aller Freundlichkeit selbstverständlich davon aus, dass sie der Mannschaft eher helfen können als alle anderen Spieler im Kader...
Der Deutschen Mannschaft fehlte bei diesen Turnier halt wirklich jemand, der in den schwierigen Situationen voranging. Allein schon, dass sich Sami Khedira am Ende für diese Rolle opfern musste. Bei allem Respekt (gerade vor seiner Entwicklung bei Real Madrid): Der ist halt eher das Wasserträger und Zuarbeiter für die Führungsspieler wie Schweinsteiger oder Xabi Alonso... Also eher der Jeremies als der Effenberg um bei den angebrachten Beispielen zu bleiben...
Und Basti steht auf einmal am Scheideweg seiner Karriere. Denn Matthias Sammer ist bekannter Weise kein Freund von flachen Hierachien... Und er hat auch schon angedeutet, dass er im Zweifelsfall (also wenn Schweinsteiger nicht schnell nachweist, dass er es selber kann) einfach einen Führungsspieler kaufen wird... also der neuen großen Bayern-Generation in der Blüte ihrer Jahre auf einmal einen Chef vor die Nase setzt... und dann gibt es auf einmal keine "Chefchen" Debatte mehr, sondern die wurde dann einfach zu einem Endgülitgen Ende geführt.
Recht so das deutsche Ausscheiden im Halbfinale. Eine Ansammlung von hochtalentierten aber in allen Lebenslagen demütigen Spielern kann nicht zum Gewinnen von Titeln reichen. So ist es ein exzentrischer Balotelli der Deutschland das Ende beschert. Vielleicht sollte Herr Löw oder ein anderer Bundestrainer in Zukunft neben der fussballerischen Qualifikation auch auf das Vertreten der eigenen Meinungen der Spieler beharren. Ein Jeremies oder ein Effenberg (keine begnadeten Techniker) mögen als Charaktere nicht einfach gewesen sein, aber sie bescherten Deutschland den letzten europäischen Titel einer deutschen Mannschaft. So scheint es also wichtig zu sein, auf dem Platz ein Alphatier laut Selbstverständnis und nicht nach Definition von außen (Medien/Trainer) auflaufen zu lassen. Die junge Generation an Nationalspielern täte gut daran eigene Meinungen und Befindlichkeiten z.B. bei Nichtberücksichtigung in Zukunft offensiv auch gegenüber dem Bundestrainer zu vertreten.Und auf einmal stellt sich die Frage, ob der Kicker nicht wusste, dass Effenberg und Jeremies 96 nicht im Kader standen, oder ob sie dort schlicht vergessen haben, dass Bayern München 2001 Champions League Sieger wurde. (Nur so nebenbei. Ich wüsste nicht, ob ich einem Freizeit-Polemiker ohne Bachelorabschluss, der meine Doktorarbeit in Frage stellt, das "du" anbieten würde... von daher... Danke, Daniel.)
Dr. D. Eckardt
Das wirklich erstaunliche: mit dem ausführlicheren Stament im Kommentarbereich stimme ich auf einmal fast überein... Vielleicht sollte man dem Kicker keine Leserbriefe schreiben, weil eine wirkliche Debatte in diesem logischer Weise stark gekürztem Forum kaum möglich ist...
Aber vielleicht fehlte es der Deutschen Nationalmannschaft wirklich an "Charakter"... oder (völlig überraschender Weise) an dem Bayern-Gen... obwohl die halbe Mannschaft bei den Bayern ausgebildet wurde... Nehmen wir einfach das Fallbeispiel Bastian Schweinsteiger: Der ließ sich selbst vor dem Spiel gegen Italien in Frage stellen... und wusste selbst nicht genau, ob man ihm eigentlich aufstellen sollte. Könnt ihr euch vorstellen, dass ein Effenberg sich überhaupt fragen lassen würde, ob es richtig wäre, ihn aufzustellen. Diese Idee wäre für eine Mannschaft um Effe völlig unvorstellbar gewesen. Selbst bei einem gebrochenen Fuß wäre er davon ausgegangen, dass er spielen und der Mannschaft helfen kann. Und das gesamte Team hätte ihm das geglaubt.
Und da wären wir dann auch schon bei den Spaniern... die einzige Frage, auf die ein Xavi nicht mit einem freundlichen "Ja, sicher" und "Der Erfolg der Mannschaft ist am wichtigsten" antworten würde... wäre ein "Sollten sie nicht vielleicht eher auf der Bank Platz nehmen?" Die gehen bei aller Freundlichkeit selbstverständlich davon aus, dass sie der Mannschaft eher helfen können als alle anderen Spieler im Kader...
Der Deutschen Mannschaft fehlte bei diesen Turnier halt wirklich jemand, der in den schwierigen Situationen voranging. Allein schon, dass sich Sami Khedira am Ende für diese Rolle opfern musste. Bei allem Respekt (gerade vor seiner Entwicklung bei Real Madrid): Der ist halt eher das Wasserträger und Zuarbeiter für die Führungsspieler wie Schweinsteiger oder Xabi Alonso... Also eher der Jeremies als der Effenberg um bei den angebrachten Beispielen zu bleiben...
Und Basti steht auf einmal am Scheideweg seiner Karriere. Denn Matthias Sammer ist bekannter Weise kein Freund von flachen Hierachien... Und er hat auch schon angedeutet, dass er im Zweifelsfall (also wenn Schweinsteiger nicht schnell nachweist, dass er es selber kann) einfach einen Führungsspieler kaufen wird... also der neuen großen Bayern-Generation in der Blüte ihrer Jahre auf einmal einen Chef vor die Nase setzt... und dann gibt es auf einmal keine "Chefchen" Debatte mehr, sondern die wurde dann einfach zu einem Endgülitgen Ende geführt.
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