Dienstag, 20. Oktober 2026

Julian Schuster, Vollidiot der Woche

 Doch nicht der? Der ist doch einer von den Guten. Also auf jeden Fall ein richtig guter Trainer. Aber jetzt hat er seinen inneren Christian Streich rausgelassen und sich zu Themen jenseits des Platzes geäußert.

Also ganz konkret zu den Protesten Wochenende in Leverkusen. Das Grundproblem der Freiburger Fans: "Fankultur eingeschränkt = Spielbetrieb unterbrochen - gegen Materialverbote." Man brachte den Klassiker zurück. Den einzigen Fanprotest, der bisher wirklich was gebracht hat: Die Tennisbälle. 

Julian Schuster ist auch "maximal offen" für Protestaktion... die dürfen halt nur den Spielfluss nicht beeinflussen. Dann ist das doof. Aber sonst könnt ihr gerne. Oder so. Fehlt nur noch ein "hört doch lieber auf die Wissenschaftler!" um voll im CDU Modus anzukommen.

Hier ist das Grundlegende Problem: Proteste, die keinen Einfluss aufs Spiel nehmen, bringen wenig bis nichts. Ganz praktisches Beispiel: Nur durch die massiven Spielunterbrechungen damals bei den Montagsspielen wurden diese wieder abgeschafft. Wenn die sich damals auf Plakataktionen beschränkt hätten, würden wir diese Plakate heute noch am Montagabend zu sehen bekommen, weil da immer noch gespielt werden würde.

Proteste müssen per Definition Einfluss auf ihr Umfeld nehmen und dieses Einschränken. Alles andere sind am Ende "nur" Demonstrationen. Also ganz praktisch ist das der Unterschied zwischen Fridays for Future und den Klimaklebern: Auch wenn es da einige Überschneidungen gab, haben die einen in angemeldeten Demos friedlich demonstriert, während die anderen ganz konkret die Straße blockiert haben. Das ist natürlich am Ende ein blödes Beispiel, weil beides wenig bis nichts gebracht hat. Aber es ist schon faszinierend, wie anders Wissenschaftler wie Mojib Latif auf Letztere reagieren. Denn als bei den FFF Demonstrationen von der Politik auf die Wissenschaftler verwiesen wurde, haben die ja verlauten lassen, dass sie hinter den Demonstranten standen. Wenn die dann aber, weil es auf die Demonstrationen keine wirkliche Reaktion gab, zu krassenen Protesten entschlossen, sagten die Wissenschaflter doch "Macht mal langsam."

Beim Fußball kann man, wie schon erwähnt, die Aufstückelung des Spieltages als Beispiel nehmen. Die Aktion "Pro 15:30" hat 20 Jahre lang für einheitliche Anstosszeiten demonstriert. Da wurden immer wieder Banner in den Stadien aufgehangen, die es dann vielleicht sogar mal ins Fernsehen geschafft haben. In ganz großen Momenten wurde sogar explizit erwähnt, dass es eine Aktion gab. Das galt dann schon als Protest. Der Spieltag wurder aber weiter in kleinere Häppchen verteilt. Also der verlinkte Artikel ist aus dem Jahr 2002. 2009 kamen dann als "Dank" das Spitzenspiel um 18:30. Die Bayern haben seitdem über 100 Mal zu dieser Zeit gespielt. Also im Jahr 2023 waren es 97... Auch Borussia Dortmund wird bei über 100 sein. Irgendwo hat einer der "Pro 15:30" Aktivisten eine "Ich war bei 100 Spitzenspielen und habe da einen Banner hochgehalten" Auszeichnung bei sich im Schrank stehen.

Aber als dann auch noch die Montagsspiele eingeführt wurden, kam es zum Breaking Point. Da wurden dann wirkliche und koordinierte Protestaktionen gestartet. Da wurde der Spielfluss unterbrochen und damit Einfluss aufs Geschehen genommen. Und die Reaktion des Establisments war "Wir verstehen das ja, aber könnt ihr bitte leise demonstrieren?" Aber nach 3 Jahren wurde der Scheiß wieder abgeschafft.

Und nur so werden die Fans es schaffen, irgendwelche Veränderungen zu bewirken. Ein weiteres praktisches Beispiel sind die regelmäßigen Beschwerden der Bayern-Fans über die eskalierenden Preise bei Auswärtsspielen in der Champions League. Die haben sich regelmäßig beschwert, dass sie auswärts 70 € bezahlen sollen. 2019 in Liverpool zu einem Achtelfinale. 2022 in Pilsen zu einem Vorrundenspiel. Aber erst als die Anfragne storniert worden sind, gab es dann plötzlich eine Reaktion von Donezk. Das war dann in dem Moment kein Protest, sondern ein gut organisierter Boykott. Aber das reine Demonstrieren hat auch da nichts gebracht. 

Ein richtiger Protest wäre es natürlich gewesen, einfach einer Horde Hansa Fans die Tickets zu schenken, damit die dann im Block das machen, was sie am Besten können. Mit einem "Wenn ihr so schreckliche Preise aufruft, schicken wir euch die schlimmsten Fans" Bekennerschreiben. 

Um jetzt den Bogen zu Julian Schuster zu schlagen: Wenn ihr als Verein oder Verantwortliche wirklich Verständnis und Unterstützung für Proteste zeigt, dann beschwert ihr euch nicht, wenn diese das Spiel unterbrechen. Im Gegenteil, ihr gebt öffentlich bekannt, dass das halt die einzige Möglichkeit ist, die die Fans haben, um Veränderungen herbeizuführen. Also ein "Es ist natürlich ärgerlich, dass die Fans das Spiel unterbechen müssen, damit sich Dinge verändern, aber die jüngere Geschichte hat halt gezeigt, dass dies die einzige Möglichkeit ist, die sie haben." Das wäre mal eine Ansage, mit der man was verändern könnte.

Wer aber leere Phrasen drischt und sich über die Unterbrechungen beschwert, unterstützt damit nicht die Proteste, sondern schützt das Establisment. Dann wäre es schon besser, einfach nichts zu sagen.

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