RB Leipzigs Reaktion auf Borussia Dortmunds "Said El Mala ist uns zu teuer" ist schon wirklich passend für diese Serie. Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist ja ein Angebot von Dortmund für Fisnik Asllani, nachdem ein Medizincheck dessen Wechsel nach Leipzig verhindert hat. Frei nach dem Motto: Wenn ihr den nicht wollt, wir nehmen den gerne.
Dabei ist es aus meiner Sicht wirklich eher Wahnsinn, dass die überhaupt wechsel wollen. Also lasst uns mal die beiden Personalien von außen betrachten:
Fisnik Asllani wurde 2023 und 2024 als "noch zu leicht für die Bundesliga" eingeschätzt. Und das nicht von irgendeiner Pseudo-Talentschmiede, sondern in Hoffenheim, wo ja doch regelmäßig Spieler aus der Jugend den Durchbruch bei den Profis schafften. Aber nach 10 Kurzeinsätzen in 2 Jahren entschied man sich, dass es besser wäre Spielpraxis in Wien und Elversberg zu sammeln. Das hat Asslani ja auch definitiv nicht geschadet. Er wurde als Stammspieler eingeplant und schwang sich zum Leistungsträger auf. Also im Kicker Sonderheft des letzten Jahres, welches ich jetzt als "guckt mal, es war doch richtig, das nicht in den Papiermüll zu werfen" Moment zücke, steht der Satz, dass Asllani und Muhammed Damar "sich nach erfolgreichen Leihen nach Elversberg nun auch in der Bundesliga beweisen sollen." Damar ist dies nicht gelungen, weshalb er jetzt den Schritt zurück in die 2. Liga gegangen ist. Asllani hat diesen Sprung aber definitiv geschafft. 31 Einsätze in der Startelf sind für eine erste richtige Bundesligasaison schon eine Ansage. 19 Scorerpunkte sind schon richtig stark. Er ist jetzt bereit für den nächsten Entwicklungsschritt.
Said El Mala kam nebenbei im Fließtext des Sonderheftes gar nicht vor. Er wird nicht als der große Hoffnungsträger gehyped, sondern nur in der "So könnten sie spielen" Elf als Ersatz von Jakub Kaminski geführt. Das war seine geplante Rolle: Als Einwechselspieler für viel Wirbel sorgen. In dieser Rolle hat er herausragend funktioniert. So gut, dass einige ihn mit zur WM nehmen wollten.
Aber hier muss man auch mal eines festhalten: Vorletzte Saison hat El Mala noch in der dritten Liga gespielt. Er hat zwar für einen 19-Jährigen viel gespielt, aber er hat auch noch ganz klare Defizite. Auch wenn Lukas Kwasniok dafür von den Fans kritisiert wurde, so gab es ja doch Gründe, weshalb El Mala oft nur als Joker kam. Nur in 16 seiner 34 Einsätzen stand El Mala in der Startformation. Nur 3 Mal durfte er durchspielen. Nur 8 Mal spielte er mehr als 80 Minuten. Auf der anderen Seite stehen 7 unbenotete Kurzeinsätze.
Und ja, auch El Mala hat die Rolle als Joker durchgespielt und ist bereit für größere Aufgaben und den nächsten Entwicklungsschritt.
Aber hier kommt das für mich völlig absurde: Beide müssen nicht wechseln, sondern können diesen Schritt doch einfach bei ihren derzeitigen Vereinen gehen. Hoffenheim hat sich doch für die Europa League qualifiziert. Nachdem Asllani also gezeigt hat, dass er Stammspieler in der Bundesliga kann, kann er nachweisen, dass er auch in der Rolle als Stammspieler mit der Zusatzbelastung Europacup klarkommt. Und nach einer weiteren starken Bundesligasaison mit dem einen oder anderen internationalem Highlight werden auch andere Vereine vom Kaliber RB Leipzig bei ihm vorstellig werden. Nur dass er dann ein Jahr reifer und weiter ist.
El Mala kannt im bekannten Umfeld und mit garantierten Minuten zum Stammspieler reifen. Er kann dabei buchstäblich in seinem familiären Umfeld bleiben. Nur um mal festzuhalten, wie viel Mühe sich der 1. FC Köln bei dieser Personalie gibt: Die haben sogar seinen älteren Bruder verpflichtet, obwohl der nur 3 Drittligatore für Fortuna Köln erzielt hat. Der ist eher ein Ergänzungsspieler für die Regionalligamannschaft als eine ernsthafte Alternative für die Bundesliga. Und er ist älter als Said. Den hat mal hauptsächlich geholt, damit sein kleiner Bruder sich wohlfühlt. Dieser kleinere Bruder dann so: Ok, war nett, ich ziehe dann weiter... nach nur einer Saison.
Und dieses "Wir ziehen dann nach nur einer Saison weiter" vereint beide Spieler: Nach der ersten starken Saison wollen sie sofort mindestens einen Entwicklungsschritt überspringen und direkt die Champions League Hymne hören. Natürlich kann das gut gehen. Vielleicht sind beide gut genug, dass sie diesen Schritt gehen können, aber es gibt genügend Schlaudraffs die zu früh zu viele Entwicklungsschritte überspringen wollten und daran gescheitert sind.
Nebenbei muss man hier auch festhalten: Asllani und El Mala sind gemachte Leute. Solange nichts ganz Krasses passiert und sie ihre Karriere über Nacht beenden müssen, werden sie mehrere Millionen verdienen. Aber selbst ein realistisches Worst-Case-Szenario mit stockender Entwicklung und einigen Verletzungen endet dann als "Stammspieler in Gladbach oder Hamburg" und damit als Multi-Millionär. Und wenn sie nicht ganz schlecht beraten sind, werden sie von diesen Millionen den Rest ihres Lebens gut leben können... und ihren Kindern einen ordentlichen Vorschuss geben. Die Zeiten, wo man als Kicker die eine Chance ergreifen und zu den Dortmundern wechseln musste, um sich finanziell abzusichern, sind doch vorbei. Schon allein deswegen habe ich so gar kein Mitleid, wenn Köln El Mala jetzt die Freigabe verwehrt und er für angebliche 750.000 Euro Grundgehalt noch ein Jahr lang da bleiben muss.
Aber gucken wir uns mal die Perspektive der Dortmunder und Leipziger an. Hilft denen denn so ein Wechsel irgendwie weiter? Also ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster: Ob diese beiden Mannschaften die Champions League erreichen, wird nicht an einem El Mala Transfer hängen. RB Leipzig hat 5 Außenspieler in seiner Reihen, die höchstens 23 Jahre alt sind. Ob jetzt El Mala oder einer von denen den nächsten Entwicklungsschritt nimmt, ist egal. Und Dortmund hat auch schon genügend hoch spannende Talente in ihren Reihen. Die entscheidende Frage bei beiden ist eher, ob die Veteranen für genügend Stabilität sorgen können, damit sich diese Talente entfalten können.
Vor allem würde El Mala quasi zwangsweise die Entwicklung eines dieser Talente behindern. Es gibt halt nur begrenzte Minuten, die man den Talenten zuschieben kann. Was dann auch nur bedeutet, dass Mathis Albert oder Viggo Gebel irgendwann abgegeben wird... denn wer braucht schon echte Eigengewächse, wenn er El Mala verpflichten kann.
Jetzt gehen wir aber mal vom Best-Case-Szenario aus: El Mala gelingt der Durchbruch und er liefert 25 Scorerpunkte in einer Saison in der Bundesliga. Dazu kommen noch so 4 Tore und 3 Vorlagen in der Champions League. Ob das nun 2026 oder 2028 passiert ist dabei dann relativ egal. Effektiv führen diese 25 Scorerpunkte doch nur, dass der eine der beiden Buhlern vor dem anderen landet. Und vielleicht nur 8 und nicht 20 Punkte hinter den Bayern liegt. Einen wirklichen Unterschied im Rennen um die Meisterschaft wird das nicht machen... aber hey, im Jahr danach dann vielleicht.
Nur klopft dann halt Newcastle United an. Oder Paris St. Germain. Oder Barca. Oder irgendein anderer der wirklich Reichen. Glaubt irgendjemand in Leipzig ernsthaft daran, dass El Mala denen dann absagen würde? Der 1. FC Köln hat frühzeitig auf ihn gesetzt. Sie haben ihn bereits als 17-Jährigen verpflichtet und noch ein Jahr in der 3. Liga bei Viktoria Köln geparkt. Die hatten den also lange vor der Konkurrenz auf dem Schirm. Und wie bereits erwähnt, haben sie sogar in seinen Bruder investiert. Auch wenn El Mala kein gebürtiger Kölner ist, so ist er doch in der Stadt groß geworden. Trotzdem sagt er nach nur einem Jahr und bei der erst besten Gelegenheit "Oh, guckt mal, da drüben gibt es 5 Millionen mehr zu verdienen." Ich meine natürlich "da kann ich jetzt schon Champions League spielen." Und der soll dann den Lockrufen der Überreichen widerstehen? Das wird ganz bestimmt passieren.
Das soll jetzt keine über romantische "Die Spieler müssen bei ihren Heimatvereinen bleiben" Verklärung sein. Dass El Mala und Asllani irgendwann wechseln werden, ist ja ein logische und für sie auch notwendige Konsequenz. Ich sage ja nur, dass sie dies nicht überstürzt machen sollten.
Gleichzeitig gibt es ja durchaus auch Mannschaften, die von kurzfristigen Liasionen als "Zwischenstation" profitieren. So absurd das klingen mag: Es wäre was anderes, wenn Eintracht Frankfurt sich um El Mala bemühen würde. Die haben bewiesen, dass sie ihre Ziele mit "quasi Leihstürmern" wie Randal Kolo Muani, Omar Marmoush und Hugo Ekitiké erreichen können. Und dass sowohl Spieler als auch Verein von diesen kurzfristigen Verbindungen profitieren können. Aber Frankfurt will halt auch nur die Teilnahme am internationalen Geschäft sichern. Sie wollen im Idealfall in die Champions League. Auf diesem Level kann ein El Mala oder ein Asllani dann auch den Unterschied ausmachen. Asllani hat es ja gerade quasi bewiesen.
Dortmund und Leipzig wollen aber die Bayern angreifen. Sie wollen irgendwann mal (wieder) Meister werden. Oder sie wollen wenigstens dafür sorgen, dass die Meisterschaft nicht schon vorm Ende des Merz entschieden ist... Dafür brauchen sie aber Spieler, die gewillt sind, nicht ein oder 2 Jahre, sondern 3 bis 4 Jahre im Verein zu bleiben. Wenn sie aber Spieler, die nach nur einem Jahr zu ihnen wechseln wollen, dann auch holen, ist quasi ausgeschlossen, dass sie solche Spieler finden.
Ich verwende hier mal ein mittlerweile historisches Beispiel, welches die Problematik wunderbar offenbart. In Dortmund waren sie damals alle geschockt, als Ousmane Dembélé seinen Abgang nach Barcelona mit einem Streik erzwang. Es war ja nicht abzusehen, dass der zu solchen drastischen Mittel greifen würde. Dabei forcierte Dembélé nur 12 Monate vorher seinen Wechsel nach Dortmund auch schon auf genau diesem Weg. Aber seit 2017 glaubt Dortmund jedes Jahr fest daran, dass sie dieses Mal das eine Talent gefunden haben, welches sie nicht sofort verlassen wird... Und die Medien stimmen auch noch fröhlich in diesen Chor mit ein.
Für mich wären sowohl Asllani als auch El Mala interessante Spieler für Dortmund oder Leipzig, wenn sie diese Saison mit voller Überzeugung bei ihren Vereinen bleiben würden. Wenn sie jegliche Avancen mit einem "Ich halte es für das Beste, jetzt noch mindestens eine Saison in meinem derzeitigen Umfeld zu bleiben und hier ein besserer Spieler zu werden." abblocken. Damit würden sie nämlich auch den interessierten Vereinen verdeutlichen, dass sie nicht vor haben, bei erstbester Gelegenheit sofort weiterzuziehen.
Natürlich kann man für das eine oder andere Ausnahmetalent eine... nun ja... Ausnahme machen. Wenn man einen Erling Haaland verpflichten kann, sollte man dies definitiv tun. Aber seine gesamte Strategie daran auszurichten, hauptsächlich solche Spieler zu verpflichten, kann dich nicht zum Meister machen. Nebenbei ruiniert es deine eigene, echte Jugendarbeit, wenn du deinen Talenten ständig solche Diamanten vor die Nase setzt. Das führt dann dazu, dass du kaum Spieler hast, die sich wirklich mit deinem Verein und deinen Zielen identifizieren. Stattdessen hast du nur Spieler, die den Durchbrich gerade schaffen, auf den Durchbruch warten... oder den wirklichen Durchbruch verpasst haben und deswegen dann deine Führungsspieler sein müssen. Der Rest des Kaders wird mit Spielern aufgefüllt, die nicht gut genug für die Bayern waren und die sie deswegen zu dir ziehen ließen...
Dann wundern die sich, dass sie den Abstand zu den Bayern nicht verkleinern können. Dabei trägt ihre eigene Transferpolitik mindestens genauso dazu bei, wie die wirtschaftliche Schere zu den Bayern.
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