Mittwoch, 19. August 2026

Im Westen nicht Neues, jetzt auch mit Osterweiterung: Teil 3: RB Leipzigs Jugendabteilung ist genau so Scheiße

 Eines meiner persönlichen Lieblingsargumente Pro RB Leipzig in den Anfangsjahren war ja: Das wird dem Fußball in der Stadt auch in der Breite guttun. Es wurde in den Anfangsjahren wirklich investiert. Und man hatte als junger und talentierter Spieler plötzlich die Möglichkeit, in der Heimat zu bleiben, anstatt in ein Internat im Westen zu ziehen. Heute muss ich zugeben: Da lag ich krass daneben.

Ich hab das immer an der Person Rene Adler festgemacht. Der musste mit 15 Jahren bei Rüdiger Vollborn im Dachboden einziehen. Das wurde als voll romantische Geschichte verkauft. Dabei war es auch der bitteren Wahrheit geschuldet, dass es im Umkreis von 200 km einfach kein einziges Nachwuchsleistungszentrum gab. Ok, die gab es damals allgemein noch nicht wirklich, deswegen musste Adler ja bei Familie Vollborn einziehen. Es gab aber auch einfach keine Mannschaft, die auf gehobenen Niveau gespielt hat. Also Dynamo Dresden ist damals bis in die Viertklassigkeit abgestürzt. Es sollte noch Jahre dauern, bis die sich zumindest im Profifußball stabilisierten. Das ist nicht der Verein, zu dem du deinen Sohn schickst, wenn der das Potenzial für die Bundesliga hat.

Aber dann kam ja RB und baute eines der modernsten NLZs des Landes. Und klar, es fehlen die ganz großen Erfolge, aber in den letzten beiden Jahren zog man ins Achtel- und Viertelfinale um die Deutsche Juniorenmeisterschaft ein.  

Und RB Leipzig ist jetzt ja kein ganz neues Konstrukt mehr. Die haben 10 Jahre Bundesliga auf dem Buckel. Da kann man ja so langsam mal auf die Vereinsgeschichte gucken und sich fragen, wie viele Eigengewächse den Sprung geschafft haben.

Die erschütternde Antwort lautet: kein einziger. Also ja, man hat mit Viggo Gebel und Benno Kaltefleiter tatsächlich 2 gebürtige Leipziger im Kader. Die kommen zusammen auf 350.000 Euro als Marktwert und 13 Bundesligaminuten. Das sind jetzt nicht unbedingt die Hypezig Leute...

Nebenbei ist Adler der letzte Leipziger Nationalspieler. Und Michael Ballack der letzte Sachse. Das liegt natürlich nicht nur an RB, aber sie machen die Sache nicht besser.

Also hier mal ein paar Beispiele für die sächsische Talentschmiede: Fabrice Hartmann wurde an verschiedenste Vereine verliehen und landete dann im letzten Sommer in Halle. Wir Leipziger würden da sagen "He went to Hell... and never came back." Der Junge hat nebenbei 25 U-Länderspiele absolviert... Und eine Minute in der Europa League. Für Europa reicht's... 
Lars Sidney Raebinger kam mit 10 Jahren zu RB. Mit 18 zog er für eine lächerlich kleine Ablöse zu Greuther Fürth weiter. Jetzt spielt er immerhin in der 2. Liga... was ihn zum besten Eigengewächs aus der Region werden lässt. Da reichen aber auch schon die 3 Minuten Bundesliga, die er im Lebenslauf hat.
Joshua Wosz hat Halle mittlerweile hinter sich gelassen und spielt dafür bei BFC Preussen... in Berlin. Der Leipziger in mir merkt an, dass das ein noch schlimmeres Schicksal ist, als nach Halle zu ziehen... Vor allem ist es auch nur Regionalliga. 
Ben Klefisch kommt zwar nicht aus Sachsen, sondern aus Leverkusen... aber ich erwähne ihn hier, weil er mit 23 in der Regionalliga West gelandet ist. . Erkennt ihr ein gewisses Muster?

Als ich vor 10 Jahren sagte, dass RB Leipzig dem Fußball in der Breite guttun würde, dachte ich nicht daran, dass sie primär Spieler für die Regionalliga Nordost ausbilden werden... aber so sieht es derzeit aus. 

Und falls ihr denkt, dass ich irgendwie übertreibe oder wichtige Namen weglasse... hier ist ein Artikel von RBLive, in dem die "Erfolge" der eigenen Talentschmiede vom Haus und Hof Magazin "gefeiert" werden. Die Highlights sind Ermedin Demirović und Jeff Chabot. Das war vor über 10 Jahren. Dafür erwähnt man, dass Sidney Raebiger als "Jahrhunderttalent" angekündigt wurde...

Auch nach 10 Jahren Bundesliga muss man jedem Leipziger Talent, dass Potenzial andeutet, nur einen gut gemeinten Hinweis geben: "Lauft, ihr Narren!" Sucht euch einen anderen Verein, der euch wirklich dabei hilft, das angedeutete Potenzial auszuschöpfen. Denn in Leipzig werden Talente halt nur gefördert, wenn sie mindestens 10 Millionen Euro Ablöse gekostet haben. 

Und damit steckt man natürlich in derselben Falle wie Borussia Dortmund. Denn diese Talente haben betrachten RB nur als Zwischenstation. So Yan Diomande nach nur einem Jahr schon wieder weg. 100 Millionen Euro Gewinn auf dem Transfermarkt sind nett, aber sie helfen dir halt nicht dabei, irgendwelche Titel zu holen... vor allem, wenn man das Geld dann in Said El Mala steckt. Und ja, zu dem komme ich morgen, versprochen.

RBs Kader ist voll mit Diomandes. Loïs Openda, Xavi Simons, Benjamin Sesko, Dani Olmo, Joško Gvardiol und Dominik Szoboslai waren schon geile Spieler, denen man gerne zugeschaut hat. Dani Olmo ist der einzige auf dieser Liste, der mehr als 2 Jahre oder 100 Bundesligaspiele bei RB verbracht hat. Der Rest brauchte eine Saison zum Ankommen. Dann startet der Spieler durch und ist sofort wieder weg.

Um wirklich den Bayern auf die Pelle zu rücken und um die Meisterschaft mitzuspielen, muss man es schaffen, diese Spieler für 3 oder 4 Jahre zu halten. Aber die Spieler haben ja gar kein Interesse daran, irgendwelche Titel mit RB zu holen, die wollen nur für die ganz großen Vereine empfehlen. Die Titel werden sie da schon holen. 

Ähnlich wie in Dortmund ist das natürlich jammern auf gehobenen Niveau. Diese Transferpolitik ermöglicht es ihnen, quasi jedes Jahr in der Champions League zu spielen. Und nebenbei erwirtschaftet man ein Transferplus von 125 Millionen Euro. Aber auch hier gilt: Diese Transferpolitik verdeutlicht, dass man sich mit Platz 2 zufriedengibt und die Bayern nie wirklich angreifen wird.

Die Gute Nachricht: RB scheint das auch bemerkt zu haben. Sie haben sich mit David Wagner einen neuen Leiter fürs NLZ gegönnt. Der hat einen Experten aus Wales verpflichtet und will weg von den täglichen Ergebissen... Eine gute Jugendarbeit macht man laut Wagner dann, wenn Leute aus dem NLZ über 100 Spiele für die erste Mannschaft absolvieren. Genau das sollte eigentlich der Ansatz sein.
Wagner hat nebenbei auch als Erstes den Vertrag des nur auf den ersten Blick erfolgreichen U-19 Trainer auslaufen lassen... zum Missfallen der eigenen Fanszene. Nur um zu verdeutlichen, dass man sich der Probleme bewusst annimmt. Aber bis das wirklich Früchte trägt, dürften die Bayern noch 5 Meisterschaften einfahren...

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