Dienstag, 24. März 2026

Dortmund trifft eine richtige Entscheidung

 Das ist ja mal eine Überraschung. Die schaffen es echt mal jemand Externes in eine Führungsposition zu bringen und sich dort wirklich neu aufzustellen. Das könnte richtig spannend werden.

Ich habe Dortmund ja oft genug kritisiert, dass sie zum Beispiel einen Lars Ricken fleißig weiter befördert haben, obwohl des ja eigentlich wenig geleistet hat. Also ja, die Jugendarbeit ist auf den ersten Blick gut, weil man viele Meisterschaften holt. Und man kauft sich verdammt viele Talente, was einem den Ruf als großartiger Weiterbildungsverein eingebracht hat. Aber die eigentliche Aufgabe erfüllt die Jugendabteilung halt nicht: Eigengewächse an die Profimannschaft heranführen. Egal ob das jetzt Paris Brunner, Felix Passlack, Tom Rothe oder Marco Reus ist... alle mussten ihr Glück woanders suchen.

Aber Lars Ricken wurde trotzdem zu einem der höchsten Verantwortlichen im Verein befördert, weil er als Leiter des Jugendzentrums die großartigen Talente, die aus dem Ausland verpflichtet wurden, für jeweils ein halbes Jahr betreut hat... oder so.

Bei Sebastian Kehl war die Lage halt ähnlich: Man brauchte einen Nachfolger für Michael Zorc, also guckte man sich um, welcher ehemaliger Spieler einen dieser Pseudo-Studiengänge der UEFA absolviert hat und wurde beim Kapitän der letzten Meistermannschaft fündig. Wie praktisch, denn mehr Vereins-DNA geht ja nicht.

Aber irgendwelche praktischen Arbeitsnachweise, dass er für diese Aufgabe geeignet ist, wurden nicht verlangt. Warum auch? Es ist ja nur der wichtigste Posten im Verein.
Es ist nebenbei wirklich faszinierend, wie viele Vereine einfach auf unerfahrene Ex-Spieler mit UEFA-Management Studium (oder einem Äquivalent) setzten. Also selbst die an sich so großen und mächtigen Bayern sind mit Hasan Salihamidžić, Oliver Kahn und Christian Nerlinger in diese Falle getappt. Erinnert sich noch irgendwer an Nerlinger? Den wollten sie zum Hoeneß Nachfolger machen, nachdem er ein Studium der internationalen BWL an der Munich Business School absolviert hat. Er hat das so erfolgreich gemacht, dass er direkt in den Ruhestand gehen konnte.
Mittlerweile hat man dann doch einen Max Eberl verpflichtet, der sich durch hervorragende Arbeit für die Konkurrenz in Gladbach und Leipzig empfohlen hat.

Nebenbei zeigt die TSG 1899 Hoffenheim gerade, wie krass sich das auf einen Verein auswirken kann, wenn man sich externe Expertise für den Posten des Managers holt. Also nur um zu verdeutlichen, wie krass sich das auf die Ergebnisse und Spielweise auswirken kann, wenn man sich einen fähigen, externen Manager holt.

Jetzt muss man auch festhalten, dass Sebastian Kehl's Bilanz nicht wirklich gut ist. Also gemessen an den berechtigten Ansprüchen "Die Nummer 2 in Deutschland" zu sein. Da gab es ganz praktisch den einen "Miracle Run" ins Champions League Finale 2024. Das war beeindruckend. Und hätten sie da den Titel geholt, hätten sie Kehl auch für die nächsten 10 Jahre behalten. Aber der Konjunktiv ist der beste Freund des Verlierers.

Und gewonnen hat man in den 8 Jahren mit Kehl am Ende nur einen Titel. Man wurde 2021 DFB-Pokal Sieger. Also um das mal in Relationen zu setzen: RB Leipzig hat in demselben Zeitrahmen 2 Pokalsiege errungenBayer Leverkusen holte 2023/24 das Double. Und Eintracht Frankfurt gewann den DFB-Pokal und die Europa League 2022. Wenn es nur nach Titeln geht, ist man nur die Nummer 5 im Land. Auf Augenhöhe mit dem VfB Stuttgart.

Man vergisst ja bei der erdrückenden Dominanz der Bayern in der Liga gerne, dass die seit 5 Jahren nicht mehr im Pokalfinale in Berlin standen. Es hätte dort durchaus die Möglichkeit gegeben, mehr als diesen einen Titel zu holen. 
Und nebenbei wurde man auch "nur" 4-mal Vizemeister. Es gibt also durchaus berechtigte Einwände gegen den "Nummer 2" Status.

Da dann einen neuen Impuls zu setzen, ist plötzlich sehr nachvollziehbar. Also abgesehen davon, dass Dortmund genau das bisher immer nicht gemacht hat. Und mit Nils-Ole Book holt man eine der interessantesten Personalien des Landes. Er hat in Elversberg nachgewiesen, dass er einen Verein weit nach oben führen kann. Und er hat auch bewiesen, dass er den Abgang vom Startrainer Horst Steffen kompensieren kann. Nur um da nochmal festzuhalten, dass der Sportdirektor oftmals wichtiger ist, als der Trainer.

In Dortmund wurde dieser Posten über 20 Jahre lang exklusiv an verdiente Ex-Spieler gegeben. Erstmals seit 2005 sucht man sich zum ersten Mal jemand Fremdes für diesen Posten. Vorher gab es den einfach nicht. Es ist also wirklich ein historischer Moment.

Natürlich kann es sein, dass Book noch nicht bereit für die ganz großen Verhandlungstische des Fußballs ist. Anstatt Spieler für 8 Millionen zu verkaufen, soll er jetzt 80 Millionen rausholen. Aber im Gegensatz zu Sebastian Kehl saß er immerhin schon mal an so einem Verhandlungstisch und hat praktische Erfahrungen. Vor allem ist es aber eine große Chance für den Verein die KoGA.

Lustig finde ich nebenbei, dass man aus den Dortmunder Kommentarspalten hört, dass mit Kehl der Falsche geht. Dass es eher Lars Ricken sein sollte, den man weglobt. Da gehe ich offensichtlich sogar mit. Angeblich sollen Ricken, Watzke, Kovac und Sammer der unbequemen Stimme von Kehl entsorgt haben und sich einen Ja-Sager an ihre Seite holen. Das finde ich faszinierend.

Also vor allem einen Matthias Sammer so etwas vorzuwerfen, ist schon absurd. Das war doch immer jemand, der keiner unangenehmen Debatte aus dem Weg geht. Aber er war auch einer, der konstruktiv mit diesen kritischen Stimmen umgeht und diese fördert.

Wenn das wirklich der Plan wäre, hätte Dortmund sich doch nicht eine der heißesten Aktien im Managermarkt geholt, sondern einfach Mats Hummels diesen Posten angeboten.
Oder... nope, kein "oder", Hummels ist die einzige Option. Marco Reus und Lukas Piszczek spielen noch und Emre Can ist ja nicht invalide, sondern nur verletzt. Vielleicht hat man sich ja doch in den eigenen Reihen umgeguckt und festgestellt, dass man einfach keine internen Kandidaten hat, weil alle Spieler den Verein viel zu früh verlassen.

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