Freitag, 30. Dezember 2016

Meine persönliche Album Jahrescharts 2016

Warum? Nun ja... ich könnte jetzt einen Fußball-Jahresrückblick, in dem ich nur darüber jammere, wie Scheiße dieses Jahr doch war, anfangen... würde dabei aber nur wie ein verbitterter alter Mann klingen... nur damit ich hinterher feststelle, dass, verglichen mit der richtig relevanten Scheiße, die 2016 so abging, der Fußball halt lächerlich unwichtig ist...

Also fokussiere ich mich lieber auf das Positive, was 2016 so passiert ist... Fußball technisch ist das halt sehr schnell zusammengefasst: Hansa Rostock hat dieses Jahr (noch, man soll sich ja 2016 nicht so weit aus dem Fenster lehnen) keinen Trainer entlassen. Das dürfte ihnen zum ersten Mal in diesem Jahrzehnt passiert sein...

Nachdem das abgearbeitet ist... fällt mir auf, dass 2016 unfassbar viel gute Alben rausgekommen sind... Und das kann man ja mal feiern...
Oh und weil ich es kann.

Platz 13:
Skye Ross: Hat das Ding überhaupt nen Albumtitel? Eher nicht. Mein größtes Problem an dem Album: Ich habe bis heute nicht verstanden, warum es nicht einfach das nächste Morcheeba Album geworden ist. Und ja, es klingt anders als ältere Morcheeba Sachen, aber das erwarte ich doch auch von einem neuen Album.

Platz 12:
Prince Hitnrun Phase II: Ok, technisch gesehen war dies das letzte Album 2015. Und es ist garantiert auch nicht das beste Prince Album Ever. Aber es ist halt das letzte offizielle Prince Album Ever. Fuck 2016.
Und ja, ich habe Prince schon vorher gehört. Und nicht nur Purple Rain. Das ist halt für mich persönlich der entscheidende Unterschied zwischen all den anderen gestorbenen Legenden und ihm: Von Prince habe ich noch auf weitere gute Alben gewartet. Ich kann aber deswegen auch mit Leuten mitfühlen, die von anderen Musikern noch gute Alben erwartet haben, die sie nie bekommen werden... Oh und Fuck 2016.
Schlüsselstück: Screwdriver
 
 Hier in einer 2013er Live Version...

Platz 11:
Bob Dylan - Fallen Angel: Hey, kann man bei einem Literaturnobelpreis-Träger daneben liegen? Auch wenn das Album verglichen mit Modern Times oder Together Through Life erstaunlich belanglos klingt, so ist es immer noch Dylan. Und ja, ich habe den Mann live gesehen, lange bevor die Spießer aus Stockholm ihn für sich entdeckt haben. Der Mann ist halt weit mehr als die Klassiker, die jeder kennt.

Platz 10:
Cloe X Halle - Sugar Symphony EP: Bevor ich sie das erste Mal gesehen habe, habe ich mich schon über sie lustig gemacht. Als ich sie dann gesehen habe, dachte ich mir: Hmm, checkst du mal aus. Als ich dann gemerkt habe, dass die beiden viel zu jung sind um so gute Musik zu machen... fing ich an auf das erste Album zu warten. Wer mit 16 und 18 Jahren so eine Debüt EP hinlegt, von dem darf man noch einiges erwarten.

Platz 9:
Dendemann - Eins Zwo: Wie jetzt, dass ist noch gar nicht raus? Aber dran gearbeitet wird doch? Dann muss es ja fast 2017 kommen... Mach endlich Album, du Penner!

Platz 8:
Kapelle Petra - The Underforgotten Table: Kommen wir zum Promotional Teil dieser Serie: Also den Bands, denen es gut tun wird, wenn die paar Hanseln die diesen Blog lesen hinterher mal den Namen gehört haben. Ich habe Kapelle Petra wirklich rein zufällig auf einem Konzert in meinem eigenen Klub gesehen. Also nur, weil ich keinen Eintritt zahlen musste. Und dieses Konzert hat verdammt viel Spaß gemacht. Das aller faszinierende: Diesen Spaß findet man sogar auf der Vinyl wieder. Was überraschend wenigen kleinen Bands, die großartige Konzerte spielen, gelingt.


Platz 7:
Tetrete - 757: Jetzt wird es endgültig kritisch. Also gefühlt zahle ich gerade Miete für meinen eigenen Proberaum. Das gebe ich auch ehrlich zu. Tetrete ist eigentlich "nur" eine 11 Mann Liveband mit 4er Bläser Section. Und Ska mit 4 Livebläsern ist einfach unfassbar fett. Jetzt gibt es endlich auch das offizielle Album. Was man sich natürlich am besten nach nem Livekonzert kauft...


Platz 6:
Beginner - Advanced Chemistry: Endlich wieder richtige Musik. Und, das muss an der Stelle erwähnt werden, das schlechteste Beginner Album aller Zeiten. Das stand aber vorher fest. Flashnizm/Stylopath war eines der kreativsten Alben ever. Es ist pures Chaos und reine Energie. Und dieser Energie ist einzigartig. Bambule hat dann den großen Deutschen Raphype der späten 90er losgetreten. Und Blast Action Hero hat den klinisch toten Deutschrap, den niemand mehr anfassen wollte, wiederbelebt und resozialisiert. Advanced Chemistry ist da einfach nur ein gutes Hip Hop Album. Mit einigen genialen Momenten. Und den Beweis, dass eine Gruppe mehr ist als die Summe ihrer Einzelteile, kriegt man mit jedem Video. Mehr muss man ja auch nicht immer liefern...


Platz 5:
Fiva x JRBB - Keine Angst vor Legenden: Ok, eigentlich ist das unfair. Den technisch gesehen ist dies ein Best Of mit 3 neuen Songs. Fiva bearbeitet teilweise 15 Jahre alte Songs mit der JazzRauschBigBand neu. Und erinnert mich damit daran, dass ich seit 15 Jahren an einem Blaue Flecken Remix arbeiten wollte. Dieses Album beweist eindrucksvoll, das Rap und Kunst wunderbar Hand in Hand gehen. Und Fiva hat das seit 15 Jahren und selbst in den dunkelsten Phasen immer bewiesen.

Platz 4:
Alicia Keys - Here: Dieses Jahr war voll mit unfassbar vielen faszinierendsten Entwicklungen. Die größte war, dass die R´n´B Diven zum Sprachrohr der neuen Afroamerikanischen Bewegungen wurden... (For the Record: Eine gewisse Janelle Monae hat damit schon 2015 angefangen...) während die Männer aus dem Rapgenre immer noch mit beschissenen Reimen Party machen... Das wäre uns zu Public Enemys Zeiten nicht passiert. Und Alicia Keys ist dabei die ganz große Überraschung: Sie hat das ultimative Bob Dylan Album des Jahres abgeliefert. Also ja, Here ist eher ein Singer-Songwriter als ein R'n'B Album. Und es passt eher in die 60er Jahre als ins Amerika des 21. Jahrtausends. Und es ist trotzdem verdammt gut. Was gerade bei Alicia keine Selbstverständlichkeit ist. Also ja, die Frau konnte schon immer unfassbar gut singen und Klavier spielen. Aber ihre Songtexte... sagen wir das mal so: Die wirklich guten waren von Prince. Jetzt liefert sie "In Common" und "Holy War" ab. Holy Shit.

Platz 3:
Solange - A Seat at the Table: Hab ich schon "Black Lives Matter" erwähnt? Und ja, auch wenn dieser Begriff nicht fällt, so prägt er doch das Album. Der entscheidende Unterschied zwischen diesem Album und dem ihrer großen Schwester: Solange schreibt jede Zeile selbst. Dies ist einfach nur die persönliche Geschichte einer jungen Afroamerikanerin. All ihre Leiden und Sorgen. Wer glaubt, dass dieses Problem seit den 60ern gelöst ist und die doch alle nur übertreiben, wird mit diesem Album nichts anfangen können. Wer wirklich mal nachvollziehen will, wie sich das dort so lebt, sollte sich das Album gönnen...

Jeder Song dieses Album ist die Antwort auf ein "Das kannst du doch so nicht bringen!", die man so nur als gebürtige Knowles so geben kann.

Platz 2:
Atmosphere - Fishing Blues: Atmosphere ist Religion. Denn ich hab halt in den letzten Jahren zu viel Scheiß mit den Atmosphere Alben erlebt. Und das beste an dieser Band: Obwohl die Erwartungen an sie von meiner Seite aus unfassbar hoch sind, enttäuschen sie nie, sondern überraschen immer wieder. Weil sich die beiden auch als 40 Jährige noch weiter entwickeln. Und weil ich diese Entwicklungen auch noch persönlich mitgehen kann. Dabei ziehen einfach nur gegen jede Vernunft und ohne Kompromisse ihren Scheiß durch. Wir reden hier von einer echten Indipendent Rap Band die auch 2016 immer noch erfolgreich ist. Und sie schaffen halt wirkliche Alben, was gerade bei Rapmusik, wo ein Album gerne mehr Gastbeiträge als Songs hat, keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Werke, die man sich vom Intro bis zum Outro anhören muss um sie halbwegs zu verstehen.

Platz 1:
Beyonce Knowles - Lemonade: Holy Shit. Lemonade. Dieses Album. Wo soll man anfangen. Am besten so: Selbst wenn man sich von der Vorstellung, dass dieses Album wirklich Autobiographisch ist (Jay-Z sie also wirklich betrogen hat) verabschiedet... ist es immer noch ein unfassbar gutes Album. Weil es halt die Geschichte einer betrogenen Frau erzählt. Extrem glaubwürdig erzählt. Jeden einzelnen Schritt. Angefangen beim "Das kann doch nicht sein!" hin zum "Du Arschloch!" Und selbst dass sie hinterher als stärkere Person in die Arme einer stärkeren Beziehung zurückkehrt...
Und dann gibt es noch den Kunstfilm zum Album, in dem das alles Visuell umgesetzt wird... Weil das immer noch nicht genug ist, gibt es gratis oben drauf Freedom. Und dem Fakt, dass ich für den Rest meines Lebens Flashbacks zu der Aktion mit dem Planschbecken schieben werde, wann immer dieser Song spielt.
Lemonade wird auch bei der "Die besten Alben des Jahrzehnts" Charts mindestens in der Top 3 auftauchen.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Best of des "Wenn der Ball rollt, ist gleich bessere Stimmung"

Ganz ehrlich, liebes Sportschau Team: Wie kann man so einen Satz von Pal Dardai geliefert bekommen und sich dann auf den anderen stürzen?

Denn wenn diese englische Woche eines bewiesen hat, dann das in diesem Land alles besser ist, solange in Ball rollt... und das wir uns da auch nicht aufhalten oder ablenken lassen. Und sich, wie die Berliner es gerade tun, nicht vom Terror beeindrucken zu lassen ist ja der effektivste Schutz vor Terroranschlägen. Nur so kann man den Terror effektiv bekämpfen. Wenn wir jetzt noch die Bild und Horst Seehofer irgendwie loswerden könnten...

Aber ja... in unserem Land wird 48 Stunden nach einem Terroranschlag einfach Fußball gespielt... Und das ohne das Trauern um die Opfer zu vergessen. Und selbst der direkt betroffene Weihnachtsmarkt hat heute schon wieder geöffnet. Und Trainer werden ebenfalls trotzdem entlassen...

Was mich ja immer fasziniert... ist ja dieses grenzenlose Loben der Interimstrainer... nehmen wir heute mal den "klaren Matchplan" von Manuel Braun... Der bestand doch im wesentlichen aus "lasst uns mal hoffen, dass Dortmund kollektiv in den "Gomez der Woche" Modus schaltet. Das ist natürlich nicht die schlechteste Strategie... aber will irgendjemand behaupten, dass Dirk Schuster einen anderen Plan gehabt hätte?
Dass Braun jetzt bei 4 Punkten steht liegt wirklich mehr an den Leistungen seiner Gegner als an seinem eigenen Matchplan. Gladbach war am Ende so schwach, dass der Trainerwechsel quasi schon zu diesem Zeitpunkt beschlossen war und man nur noch aus formalen Gründen warten wollte, bis Darmstadt auf dem Spielplan steht... Und Dortmund hätte halt locker 3:1 gewinnen können... Anders ausgedrückt: Aus demselben Ergebnissen hätte man Schuster einen Strick gedreht... jetzt feiert man Braun dafür...

Oder nehmen wir Valerien Ismael... ganz Deutschland weiß, dass Wolfsburg mit besseren Kandidaten verhandelt... und dass man im wesentlichen in den Hamburger SV Modus gewechselt ist: Wir hoffen einfach darauf, dass es schon zum Klassenerhalt reicht und holen uns danach dann wieder einen richtigen Trainer"... Trotzdem loben alle Ismael, weil er die Mannschaft so schön erreicht und den Teamgeist fördert. Auch wenn davon auf dem Platz relativ wenig zu sehen ist...

Da ist mir die Rhetorik aus Leverkusen wesentlich sympathischer... auch wenn sie völlig absurd ist. Also überall liest man, wie es zwischen Mannschaft und Trainerteam nicht mehr stimmen kann... nur die Führung in Leverkusen interessiert das nicht. An der Stelle finde ich es ja lustig, dass der Bayer-Boss Schade heißt... So kann man seine Vereins-DNA auch zum Ausdruck bringen...
Anscheinend müssen die Bayer Profis sich jetzt damit arrangieren, dass sie unter einem Trainer arbeiten, den sie nicht mögen..
Das faszinierendste ist aber, dass Bayer Leverkusen unter Schmidt immer noch den Ruf einer grandiosen Offensivmannschaft genießt. Klar, phasenweise war sie das. Aber die Offensivbemühungen in Leverkusen haben nicht ohne Grund den Begriff "ein Chicharito Abschluss" hervorgebracht... Für mich ist diese Leverkusener Mannschaft am Besten, wenn sie sich irgendwie zu knappen Siegen mogelt. Und ja, das können die extrem gut. Aber das lasse ich mir doch nicht als Offensivspektakel verkaufen...
Ich habe mich ja ein wenig gefragt, wie sehr die Personalie Dieter Hecking die Entscheidungen in Gladbach und Leverkusen beeinflusst hat... also ob Gladbach auch deswegen so schnell und konsequent gehandelt hat, weil sie befürchtet hatten, dass Hecking sonst mit Leverkusen verhandeln könnte... und das Leverkusen Roger Schmidt nur das Vertrauen ausspricht, weil ihre einzige Alternativlösung jetzt schon vergeben ist...
Das Gegenargument lautet an der Stelle natürlich... Andre Breitenreiter... wobei der sowieso das größte Phänomen im derzeitigen Trainer-Kurassel ist... Also eigentlich sollte Breitenreiter nach seiner mehr als ordentlichen Saison auf Schalke jetzt doch nach jeder Trainerentlassung nördlich von Darmstadt im Gespräch sein... dennoch fällt sein Name irgendwie nie... Und das, obwohl Breitenreiter, dessen Entlassung ja die Rotation im Sommer in Gang gesetzt hat, am Ende der ganz große Gewinner der großen Rochade werden könnte...
Nur um das mal zu relativieren: Wolfsburg setzt sich lieber der Abstiegsgefahr aus und spekuliert auf Lucien Favre, als die naheliegende Lösung Breitenreiter ins Gespräch zu bringen... Ich frage mich halt wirklich, woran das liegen könnte...

In anderen wichtigen Nachrichten:
Der Hamburger SV ist so gemein  zu mir. Also klar, eigentlich ist es bigott, sich über seinen besten Lieferanten zu beschweren... aber jetzt machen die mir eine Woche lang Hoffnung auf die absurdeste Entscheidung diesseits von 1860 München... und dann sagt der Beiersdorfer einfach ab und zwingt seinen Verein quasi dazu eine richtige Entscheidung zu treffen... Auch wenn diese Entscheidung "wir gehen ohne Sportchef in die nächste, wichtige Transferphase" lautet...

Sandro Wagner: Kriegt der eigentlich ständig Schläge auf den Hinterkopf oder warum liefert der seit 3 Spielen ständig Zitate, die es in jeden Jahresrückblick schaffen könnten? Gesund kann das jedenfalls nicht sein... oh und wo ich schon dabei bin: Warum ist der noch kein Nationalspieler? Also was mich noch viel mehr verwirrt: Warum schreibt Michael Pfeifer ihn nicht wenigstens in diesen Kreis? Ich meine, Wagner ist der erste Hoffenheimer seit Jahren, der diese Debatte auch wirklich mit Leistungen untermauert... und der auf einer Position spielt, auf der es kaum Konkurrenz gibt...

Pascal Groß: Ein ganz großen Highlight produzierte die Ingolstädter Offensive um ihren 10er, den Innenverteidiger Martin Hinteregger und einem im Ticker nicht näher genannten dritten Angreifer in der 72. Minute: Groß tunnelte 2 Mitspieler im gegnerischen Strafraum. Das muss man auch erst Mal hinkriegen... gibt es da eigentlich auch eine Statistik für?

Wo wir schon bei absurden Statistiken sind: Wie viele Verteidiger hat Christian Streich eigentlich "gepackt", als er das Spiel beim Einwurf der zum Elfmeter führte unfassbar schnell gemacht hat? Nur um zu beweisen, dass Steich wirklich alles kann... sogar Verteidiger packen...

Und das aller Beste zum Schluss: Bayer München: Ehre, wem Ehre gebührt: Der Rekordmeister hat dieses Wochenende nachgewiesen, dass sie immer noch in diesen Extra-Gang schalten können, den kein anderer Bundesligist erreicht... und Carlo "Ich mach eigentlich nichts" Ancelotti ist einer der faszinierendsten Trainer... Also während bei Pep Guardiola immer klar erkennbar war, was der Trainer macht und vor hat... Ist Ancelotti am besten darin seine Mannschaft auf diese "da muss ich sie eigentlich gar nicht motivieren, dass machen die von alleine" Spiele einzustellen... Den Rest des Jahres tritt er eher als Verwalter als als Gestalter auf... aber hey, es funktioniert ja...

Dienstag, 20. Dezember 2016

Vorschau auf den 16. Spieltag

Eine Englische Woche zum Jahresabschluss...

Der Dienstag Abend:
Borussia Dortmund - FC Augsburg: Guckt mal, Thomas Tuchel liest (wie nebenbei auch Markus Weinzierl) meinen Blog!!! Auch wenn er natürlich sachliche Beispiele bringt... Aber wer will das schon...
Das lustigste Detail: Gelbe Karten können in Deutschland nur zurück genommen werden, wenn eine offensichtliche Verwechslung vorliegt... aber man könnte doch argumentieren, dass genau das hier der Fall ist... schließlich hätte eigentlich Amiri die Verwarnung sehen müssen... Und schon kann man Marco Reus doch noch frei sprechen...
Oh und nach der Logik kann man auch Ralf Fährmanns Verwarnung streichen, auch hier lag ja eine "Verwechslung" vor...

Borussia Mönchengladbach - VfL Wolfsburg: Wenn man sich die letzten Reaktionen der Verantwortlichen so anguckt... wird auch Andre Schubert Opfer des "Darmstadt Bounce Effekts"... Was noch viel absurder ist: Dies ist eines dieser Bundesligaspiele, nach dem beide Trainer entlassen werden... Wie oft passiert so was wohl?

Hamburger SV - Schalke 04: Nur weil es kein klassisches Worst of gibt, dürfen Hamburger Fehltritte nicht unter den Tisch fallen: Warum ist es so leicht, gegen Hamburg einen Dreierpack zu erzielen? Nun ja, weil 2 von 3 Toren durch Hamburger (also Douglas Sanots und Emir Spahic) vorbereitet werden... Und ganz ehrlich: Die Hamburger Vorlagen sahen "gewollter" aus als die von Yunus Malli zum 3:1...

Eintracht Frankfurt - 1.FSV Mainz 05: Eine der größten Frechheiten des modernen Sprachgebrauchs ist ja dieses "Dann können wir ja auch in die Basketball Halle gehen", was Niko Kovac gerade wieder rausgeholt hat... Ich bin ja persönlich dafür, dass jeder, der so was leichtsinnig behauptet, sich ein Mal mit einem 2Meter11 Koloss aus 110 Kilo reiner Muskelmasse um einen Ball zu kämpfen... Oder sich diesen Leuten in den Weg zu stellen, wenn sie im Vollen Tempo auf einem zu kommen... Viel Spaß dabei...
Mein Hauptproblem mit solchen Aussagen: Es wertet halt die Arbeit anderer Profisportler, die mindestens genau so hart arbeiten wie die Fußballer, ab... und dazu hat Kovac, wenn er offensichtlich keine Ahnung von der Materie hat, kein Recht...

Der Mittwoch Abend:
Bayern München - RB Leipzig: Das Kontrastprogramm nach den ganzen "Tabellenführer gegen Tabellenletzten" der letzten Wochen. Und ganz Fußballdeutschland ist verwirrt... denn all die Bayern Hasser fragen sich "Muss ich jetzt wirklich für RB sein"... Während die ganzen Traditionsfans vor dem Dilemma stehen die Mannschaft anzufeuern, die ihnen im Meisterschaftsfinale so oft das Herz gebrochen hat...

1.FC Köln - Bayer 04 Leverkusen: Und Roger Schmidt so: Alter muss ich echt schon wieder auf die Tribüne verbannt werden, damit ihr wieder so eine Gurkensieg-Serie startet? Können wir das dieses Mal vielleicht auch ohne eine Eskalation meinerseits hinkriegen?

FC Ingolstadt - SC Freiburg: Wenn ihr euch Donnerstag Morgen fragt, welches Spiel ihr eigentlich verpasst habt, als ihr um 11 während der Sportschau eingeschlafen seid: Dieses Überklassiker der gut geführten Vereine.

TSG 1899 Hoffenheim - Werder Bremen: Was ist der entscheidende Unterschied zwischen den ständig miteinander verglichenen Königlichen von Real Madrid und dem Dorfverein aus Hoffenheim? Nun ja... der eine ist als wahrscheinlich erste Mannschaft Weltweit nach 15 Spieltagen ungeschlagen und trotzdem nicht Tabellenführer... ich frage mich ja, ob Leipzig und München sich in dieser Woche heimlich absprechen und darauf einigen, dass sie auch im Rückspiel gegen die Hoppenheimer Unentschieden spielen, damit Hoffenheim der erste ungeschlagene Nicht-Meister der Fußballgeschichte wird.

Hertha BSC Berlin - SV Darmstadt 98: Was soll man schon groß sagen... außer: Mein Berlin.
Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass ich an dem 11. September in Amerika am Abend Fußball spielen durfte... und ja, ich würde mir das auch nicht glauben, wenn ich es mir erzählen würde. Die wichtigste Erkenntnis dieses Abends: Das Dümmste, was man in solchen Situationen machen kann, ist: Das soziale Leben zum Stillstand kommen zu lassen. Denn das ist ja genau das, was die Terroristen wollen: Das wir aus Angst unser Leben aufgeben.

Montag, 19. Dezember 2016

Worst of der Tatsachenentscheidungen

Ganz ehrlich... wie bescheuert ist es eigentlich, auf der Unantastbarkeit und Unfehlbarkeit der Tatsachenentscheidungen zu beharren? Kurz gefasst: Extrem... Aber wer steht schon auf kurze Antworten...

Also ausführlich: Eine Woche nach der großen "Sollten Fußballer nicht bessere Vorbilder sein und nicht ständig theatralisch umfallen?" Debatte kriegt Marco Reus den größtmöglichen Stinkefinger vom DFB. Denn sein wir ehrlich: Wenn Reus sich nach dem Halten von Nadiem Amiri fallen lässt, kriegt er nicht den Platzverweis, sondern wahrscheinlich einen Freistoß zugesprochen. Er wird also dafür bestraft, dass er das macht, was wir immer fordern: Fußball wie ein Mann spielen...

Was aber noch viel absurder ist: Die Sperre bleibt jetzt auch noch bestehen. Also alle, die die Szene gesehen haben, sind sich einig, dass das eine Fehlentscheidung war... trotzdem muss sie in aller Konsequenz bestehen bleiben... WHAT THE FUCK?

Übertragen wir das mal ins Reale Leben: Ich gehe mit meinem Philosophenbart den Augustusplatz in Leipzig entlang und Grüße freundlich auf arabisch die Salafisten... nur um die zu verwirren. Ein über-motivierter Polizeibeamter kriegt das mit, denkt sich "Das ist doch nen Schläfer", verfolgt mich und nimmt mich, nachdem ich bei Ararat ebenfalls auf arabisch meinen Döner bestelle, endgültig als Terrorverdächtigen wahr und setzt mich fest.
Darauf hin werde ich dann einem Richter vorgeführt und der stellt natürlich fest, dass dieser Vorwurf völlig absurd ist... Nach geltendem Fußballrecht allerdings... Versaut mir nicht nur der Polizeibeamte meinen Tag, der Richter muss mich dann auch noch pro forma nach Guantanamo Bay schicken... Weil er ja die Tatsachenentscheidung des Polizisten schützen muss... er wünscht mir aber viel Glück und wird zumindest alles in seiner Macht stehende auf die Wege leiten, dass ich da möglichst schnell wieder raus komme...
Natürlich klingt dieses Beispiel völlig übertrieben und absurd... Bis man sich damit auseinandersetzt, was all die "Illegal Combatants" dieser Welt so erlebt haben...
Der viel wichtigere Punkt ist aber: Wenn ein Polizist mich zu unrecht verhaftet, werde ich dafür nicht zwangsweise hinterher auch in den Knast gesteckt. Nur in Unrechtsregimen passiert einem so was. Nur dort kann man gegen seine Exekutive nicht vorgehen. Und bei der Fifa halt...

Ich meine, das ist eine Haltung, die ich aus den Geschichten über die Stasi kenne. In Deutschland bin ich in der Lage, gehen unrechtmäßige Verhaftungen und Verurteilungen vorzugehen. Ob mit Erfolg ist eine andere Frage, aber es ist möglich.

Dortmund hat aber keine Chance, das Spielrecht für Marco Reus, das ihnen eigentlich zustehen sollte, zugesprochen zu bekommen. Man muss nicht nur das Spiel gegen die Hoffenheimer zu 10. beenden, was definitiv schon Strafe genug ist, sondern auch noch das nächste Spiel ohne seinen besten Angreifer absolvieren...

Und selbst wenn der Schiedsrichter hinterher zugibt, eine Fehlentscheidung getroffen zu haben... gibt es keine Chance die Auswirkungen dieser Fehlentscheidungen zumindest so gut wie möglich zu revidieren... das ist doch absoluter Bullshit.

Um da mal direkt das nächste Beispiel zu bringen: Ja, die Gelbe Karte für Marco Höger war laut Regelwerk "zwingend". Aber warum kriegt er die? Nun ja, weil er von der Exekutive nicht geschützt wird. Also der Schiedsrichter hat das Foul an ihm von Robert Bauer nicht gesehen. Er hat diese Situation allerdings auch nicht als Schwalbe gewertet, denn die Gelbe gab es ja nicht dafür. Was macht Bauer? Er wirft Höger solange vor, ein Schauspieler zu sein, bis Höger ihm mit erhobenen Zeigefinger sagt "So nicht, lass das!" Und dafür soll es dann zwingend Gelb geben? Also wenn das zwingend eine Verwarnung nach sich ziehen muss... dann muss doch auch Bauers Aktion, die exakt dieselbe ist, dieselbe Konsequenzen nach sich ziehen. Und ganz ehrlich: Das in der Schiedsrichterbewertung vom Kicker der Satz "Aber auch Bauer muss dann verwarnt werden" fehlt, stört mich echt...)
Am Ende wird Höger nur deswegen bestraft, weil der Schiedsrichter seiner Aufgabe 2 Mal nacheinander (erst Elfmeter pfeifen, dann den beleidigten Spieler schützen) nicht nachkommt, sie dann danach aber auf ein Mal überkorrekt ausführt...
Aber auch diese Karte ist natürlich nicht revidierbar. Beziehungsweise, was die eigentlich richtige Entscheidung wäre, Bauer bekommt für sein unsportliches Verhalten nicht im nach hinein eine Verwarnung ausgesprochen.

Und aktuelles Beispiel Nummer 3: Takashi Usami tritt gegen Gladbach Christoph Kramer ins Lazarett. Also wir reden von mindestens Dunkelgelb und einem Außenband- und Kapselriss... Usami kriegt aber noch nicht mal Gelb dafür. Und diese "Da hätte es zwingend Gelb für geben müssen" Aktion gibt es jedes Wochenende mindestens 2 Mal. Kombiniert mit den "Das war niemals Gelb" am anderen Spektrum führt es dazu, dass die Gelbsperren vollkommen willkürlich verteilt werden. Was spätestens dann relevant wird, wenn Ralf Fährmann diese Saison noch eine Gelbsperre aufgebrummt bekommen sollte...

Die Lösung für dieses "Problem" wäre natürlich relativ einfach: Man bezahlt die guten, aber wegen dem Alter ausgeschiedenen, Schiedsrichter selbst und lässt sie, mit einem aktuellen Regelwerk in der Hand, alle Spiele sehen. Und dann geben sie hinterher bekannt, in welchen Situationen welche Strafen angemessen gewesen wären. Dafür braucht man wahrscheinlich 5 gute, alte Schiedsrichter. Die kriegen das dann bis Montag hin. Wenn man es übertreiben will, nimmt man 10 und lässt immer 2 Gemeinsam das Spiel gucken.
Und anhand der Bewertungen dieser Experten werden dann am Montag die Sperren und Strafen aktualisiert. Heißt in diesem konkreten Fall: Höger bleibt gesperrt, aber Bauer kriegt ebenfalls seine Gelbe "gut geschrieben".
Marco Reus darf trotz seiner eigentlichen Sperre Auflaufen, Sven Bender kommt dafür aber nicht ohne seine Verwarnung davon.

Die Tatsachenentscheidung würde über die 90 Minuten hinweg immer noch (also bis der Videoschiedsrichter dann kommt) gewahrt werden, aber die Ungerechtigkeiten bei Sperren könnte endlich eingedämmt werden. Das Ergebnis wäre eine fairerer Fußball... Weil die Spieler wirklich dann gesperrt werden, wenn sie eine Sperre verdient haben.... aber auch nur dann. Aber das ist ja nicht gewollt... Es ist natürlich viel wichtiger die Tatsachenentscheidungen über alles zu stellen.

Und wenn jetzt einer mit dem "aber dann wird doch die Autorität der Schiedsrichter untergraben!" Wirklich? Also mehr als jetzt schon? Denn das wie hier von Fehlentscheidungen sprechen ist für jeden offensichtlich. Diese Entscheidungen werden doch eh schon vorgeführt und auseinander genommen. Aber die ganze Debatte könnte wesentlich entspannter laufen, wenn diese Debatten an den Konsequenzen etwas ändern würden.

Freitag, 16. Dezember 2016

Vorschau auf den 15. Spieltag

Der Freitag Abend:
TSG 1899 Hoffenheim - Borussia Dortmund: Ab und zu passiert es wirklich, dass die DFL auf den Freitag Abend einfach nur ein gutes Fußballspiel ansetzt. Dies ist einer dieser raren Fälle, wo man wirklich drüber nachdenken sollte, seine Freitag Planung über den Haufen zu werfen... denn wenn Nagelsmann gegen Tuchel antritt, wird sogar ein 0:0 spannend...

Der Samstag Nachmittag:
FC Schalke 04 - SC Freiburg: Nachdem die Schalker gegen RB Leipzig, RB Salzburg und Bayer Leverkusen antreten durfte... werden sie froh darüber sein einfach mal bei einen traditionellen Bundesligisten antreten zu dürfen... ernsthaft: Dass ein Verein 3 Spiele in Folge gegen eine Konzernmannschaft im Kalender hat, dürfte ein bisher einmaliges Ereignis in Europa sein...

1.FSV Mainz 05 - Hamburger SV: Was in dem allgemeinen Chaos fast untergegangen wäre: Der HSV stellt sich immer noch unfassbar dumm an... Also Dietmar "Ich werde ihn vermissen" Beiersdorfer ist zwar abgesetzt, soll aber trotzdem noch die Wintertransfers mit 25 Millionen von Kühne zumindest auf den Weg bringen... ich sehe nicht, wie das schief gehen könnte...

FC Augburg - Borussia Mönchengladbach: WTF? Also wirklich What the Fuck Augsburg? Das einzige, was mir dazu wirklich einfällt, ist ja: Immerhin kann man sich nicht darüber beschweren, dass es nicht genügend Geschichten gibt, die einen bei Laune halten... die spannendste Frage ist ja: Wird jemals ein ominöses "Elevator Tape" auf TMZ erscheinen, dass uns zeigt, was wirklich passiert ist? Hoffentlich nicht, diese Tapes enden immer grausam...
Aber das wirklich faszinierende an Augschburg ist ja: Die sind definitiv eher wie Mainz, die werden auch bei ihren absurden Aktionen wissen, was sie da tun...

Werder Bremen - 1.FC Köln: Werder belegt gerade mal wieder eindrucksvoll, dass eine brauchbare Offensive im Überlebenskampf wichtiger ist, als eine sichere Defensive: Die sind auf dem Weg zu über 60 Gegentoren und haben irgendwie trotzdem 4 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Weil die Mannschaft zwar hinten kaum zu 0 spielt, dafür aber vorne auch immer für 2 Tore gut ist.

RB Leipzig - Herha BSC Berlin: Jetzt kann sich RB endlich wieder seine Außenseiterrolle einreden... schließlich geht es gegen den direkten Tabellennachbarn... Und als Spitzenspiel wird es schließlich auch nicht wahrgenommen... das ist schließlich

Das Spitzenspiel am Abend
VfL Wolfsburg - Eintracht Frankfurt: Oder aber das Duell "Will gar nicht" gegen "Will nicht wirklich". Auch wenn sich dieses Will nicht auf ganz unterschiedliche "Fußball spielen" beziehen: Frankfurt übernimmt gerade die Rolle des unangenehmsten Gegners der Liga, gegen den man nicht antreten will... während ganz Wolfsburg nur auf die Winterpause wartet und darauf hofft, dass man verkauft wird...

Der Sonntag:
SV Darmstadt 98 - Bayern München: Zum ersten Mal in der Bundesligageschichte gibt es 2 Mal hintereinander das Duell Letzter gegen Erster... Das fasst das extrem absurde Fußballjahr doch perfekt zusammen: So viel Scheiß wie dieses Jahr ist echt noch nie passiert...

Bayer Leverkusen - FC Ingolstadt 04: Leverkusen will sich also neu erfinden... wie jedes Jahr zu dieser Jahreszeit? Also weg vom "Wir wollen aggressives, chaotisches Pressing spielen" hin zu "Wir holen uns einfach dreckige 1:0 Siege"? Das ist kein neu erfinden, diesen Wandel macht die Werkself gerade jede Saison durch...
Aber dieses Mal soll sich wirklich was ändern: Man will sich einen neuen Koordinator holen, damit dieser Übergang dieses Jahr smoother abläuft...

Dienstag, 13. Dezember 2016

Gibt es eigentlich einen Wolfsburger, der diese Saison nicht total enttäuscht hat?

Ganz ehrlich: Diese Saison der Wolfsburger ist doch dieses "Schlag den Star" Unterschichtenfernsehen, bei dem man nicht weg gucken kann, obwohl man eigentlich sollte... und ja, genau genommen ist die Saison bisher noch schlimmer als die des Hamburger SV. Der einzige Grund, warum das niemanden aufgefallen ist... liegt halt daran, dass sich allgemein niemand für Wolfsburg interessiert.

Aber es ist halt auch "der perfekte Sturm". Ein Gemälde. Ein echtes Meisterwerk. Eine dieser Hall of Shame Saisons. Zumindest bisher.

Im Zentrum aller Schlagzeilen steht natürlich Julian Draxler. Ein Spieler, bei dem man sich nicht sicher sein kann, ob er eine buchstäbliche Verbannung auf die Tribüne überleben würde. Und ja, Tribune heißt nicht Ultrablock... und wahrscheinlich gibt es in Wolfsburg gar keine Ultras... aber sind wir uns sicher, dass nicht auch die Manager auf der VIP Tribüne den Jungen lieber lynchen als verkaufen würden?

Aber Julian Draxler ist noch nicht mal das eigentliche Problem. Also eine ordentlich strukturierte Mannschaft hätte einen Spieler wie Draxler auffangen und einnorden können. Ihn zumindest vermitteln können, dass es ihm mehr bringt, wenn er sich jetzt richtig rein hängt und den Verein auf Platz 3 führt. Auch wenn er dieses Jahr nicht international spielt, hätte er sich so für die großen Topklubs bewerben können. Schließlich spielt er nicht in irgendeiner Gurkenliga.

Und ja, auch Dieter Hecking und Klaus Allofs hätten diese Aufgabe übernehmen können... aber wie einer der Besten Trainer des Landes eine vom ehemals 2.besten Manager des Landes zusammengestellte Mannschaft so schnell verlieren konnte, bleibt eines der ganz großen Mysterien...

Die sich am ehesten durch das Grundproblem, welches die Wolfsburger in Kauf nehmen mussten, erklären lässt:
Ihr einziger Führungsspieler mit absoluter Identifikation heißt Marcell Schäfer. Und wenn du den neben der eigentlich hervorragenden Offensivabteilung aufstellen musst, hast du ein Problem. Denn die Zeiten, wo Schäfer mehr als ein durchschnittlicher Bundesligaprofi war, sind lange vorbei. Falls es die jemals gab. Genau genommen lebt der bis heute von der einen perfekten Saison unter Felix Magath. Und heute ist er der einzige, der wirklich alles versucht um den Negativtrend aufzuhalten.

Das Problem ist aber: Du kannst dir auch keine Führungsspieler kaufen. Also die eine Ausnahme ist wohl Naldo. All die Abgänge der hochtalentierten Offensivspieler konnte man halbwegs verkraften. Seit dem Naldo weg ist, bricht halt alles zusammen.
Denn normaler Weise kauft man sich halt für die "Führungspositionen" einen Luiz Gustavo. Und es ist nichts verkehrt mit Gustavo. Also das ist echt ein wunderbarer Mitläufer. Ein Rollen- oder Ergänzungsspieler für Champions League Teilnehmer. Genau die Rolle hat er bei den Bayern übernommen und genau die Rolle kann er bis heute ausfüllen. Solche Spieler sind ja auch wichtig, es kommt halt nur immer wieder vor, dass solche Spieler dann nach größeren Rollen streben und daran scheitern. Wenn es aber darum geht, eine Mannschaft aus einer kritischen Situation herauszuführen... geht er eher mit unter. Genau so wie sein kongenialer (in dieser Hinsicht) Partner Dante. Beide hatten nicht zufällig eine Schlüsselrolle beim „sete – um“.

Bisher wurde dieses Problem allerdings immer durch die heute wohl entscheidende Diskrepanz im Kader überdeckt: Die Offensive war einfach überragend besetzt. Also Spieler wie Ivan Perisic, Julian Draxler, Andre Schürrle, Mario Gomez und vor allem Kevin de Bruyne sind halt für Wolfsburg völlig überqualifiziert. Abgesehen von Gomez haben sie halt alle eine Gemeinsamkeit: Sie haben Wolfsburg nur als Durchgangsstation betrachtet. Was ja erst im Fall von Draxler zum Problem wurde, weil Wolfsburg hier zum ersten Mal als Durchgangsstation nicht profitiert.
Die Offensive war halt immer so gut, dass sie Probleme in der Hierarchie überdecken konnte. So was kommt halt nur zum Vorschein, wenn es nicht läuft.
Dieses Jahr... nun ja... Mario Gomez hat erst Mal allen bewiesen, warum der Titel "Gomez der Woche" nach ihm benannt worden ist. Und Julian Draxler hat halt keinen Bock. Oder ist durch das aus seiner nicht gebrochene Versprechen blockiert. Wenn diese beiden im halbwegs erwartbaren Rahmen geliefert hätten, wäre Wolfsburg zumindest Zehnter.

Und zwischen diesem völlig absurden Chaos soll es jetzt einen Spieler geben, der nicht total enttäuscht hat? Noch viel schlimmer: Es gibt diesen einen Spieler, der richtig gut war:
Koen Casteels.
Das klingt natürlich völlig absurd, weil Casteels halt eher wie ein Charakter aus Scooby Doo als wie ein Bundesligaprofi aussieht. Aber Casteels hat einen richtig starken Saisonauftakt hingelegt. Bis diese Woche tauchte er jedes Mal in der Statistikabteilung der Kickers auf. Weil 4 Weiße Westen in 8 Spielen halt ein überragender Wert war. Was sich auch in dem Notenschnitt von 2,88 widerspiegelt.
Natürlich ist auch Casteels ein Mal von Dortmund mit 1:5 abgeschossen worden. Aber was will man da als Torhüter machen, wenn der Rest so gar nicht verteidigt?
Aber nachdem man in Unterzahl auch gegen Darmstadt verloren hatte, musste der Trainer halt etwas umstellen... und er traf zielsicher den einzigen guten Spieler, den er im Kader hatte: Seinen Torwart.
Während all die anderen, die Krise eigentlich zu verantwortenden Experten wie Gomez, Gustavo und Draxler weiter wurschteln durften. Gute Entscheidung.

Ich meine, das einzige, was man Casteels vorwerfen kann, ist ja, dass er nicht selber mal nen Tor erzielt hat.
Besser geworden ist dadurch natürlich nichts. Denn auch sein "Ersatz" Diego Benalgio ist halt einer dieser "Der wird auch nur in Wolfsburg Führungsspieler" Kapitäne. Klar, ein Grundsolider Torwart, aber niemand, der einen Unterschied ausmacht. Grundsolide Torhüter haben halt auch 14 von 18 Bundesligisten im Kader...
Aber nachdem man dann Casteels trotz guter Leistungen so verbrannt hat, gibt es natürlich auch kein zurück mehr. Einen derart demontierten Torwart kannst du halt kaum einfach wieder ins Tor stellen und sagen "Tut mir leid, war ne Fehlentscheidung"... also gut, Valerien Ismael hätte das gekonnt... ich habe aber nicht das Gefühl, dass wir Ismael langfristig als Bundesligatrainer erleben werden...
Was mich an dieser Situation am meisten schockiert: Wolfsburg hat echt den einen Spieler im Kader, der mir einfach nur leid tut. Denn der muss jetzt im nächsten Sommer als Torwart nach Bremen wechseln um wieder halbwegs auf die Beine zu kommen... und wenn du als Torwart zur chronischsten Schießbude der Liga wechseln musst, obwohl du richtig starke Leistungen gezeigt hast...

Und so... wird Wolfsburg seinen einzigen gut spielenden Stammspieler am Saisonende ablösefrei und völlig unnötig an einen direkten Konkurrenten verlieren. Besser kann man die Wolfsburger Saison nicht zusammenfassen.

Montag, 12. Dezember 2016

Worst of des "Fußball ist so ein schnelllebiges Geschäft" Wochenendes

Wer hätte gedacht, dass das so schnell gehen kann? Vor 12 Monaten war Dieter Hecking einer der Besten Trainer des Landes und Klaus Allofs der Baumeister des amtierenden DFB Pokal Siegers... jetzt sind beide entlassen...

Aber... das ist noch nicht mal die Extremste Entwicklung. Könnt ihr euch noch an Ingolstadt erinnern? Diesen Drecksverein? Mit seiner asozialen Spielweise? Ohne jegliche Fans? Und mit dem Großkonzern im Rücken?
12 Monate Später schicken die Bayern Weißwürste und das Internet Dankeskarten an die Ingolstädter... Und Ingolstadt so "Gern geschehen, liebe Bundesliga"...
Lustiger Weise wird dieses Foto bei Socialmediafeed unter dem #TraditionschlägtjedenTrend verbreitet... Man muss schon extrem verzweifelt sein, um Ingolstadt für einen Traditionsverein zu halten... oder vom Glühweinstand kommen, an dem man sich bis zur Besinnungslosigkeit besoffen hat, weil RB Leipzig verloren hat...

Aber ja... Ingolstadt gehören jetzt offiziell zu den Guten. Herzlichen Glückwunsch. Es gibt endlich echte Fußballfans, die euch jetzt sympathisch finden... zumindest für 6 Tage...

Ich meine ganz ehrlich... stellt euch mal vor, DAS wäre Borussia Dortmund passiert. Also mit DAS meine ich natürlich die Alluhut Interpretation: VW I verliert wie immer Standesgemäß mit 5 Gegentoren gegen Martin Winterkorns Lieblingsmannschaft und VW erfolgreichstem Investitionsfond aus München. Zeitgleich schlägt VW II im Audigewand den großen bösen Konkurrenten...
Aber da es ja nur gegen RB ging, ist ja alles gut...

Alexander Meier, Vollidiot der Woche: Warte was? Hat er gerade wirklich seine gesamte Mannschaft öffentlich zu Freiwild (nicht die Band... sondern Vollidioten, die zum Abschuss freigegeben sind...) erklärt?
Hier ist Meiers Erklärung im Wortlaut: "Er spielt am Rande der Legalität, dann hat, glaube ich, auch jeder Verteidiger dazu das Recht."  Das ist zum einen schon rein moralisch im Jahr 2016 eine sehr fragwürdige Haltung... Also Selbstjustiz haben wir doch eigentlich überwunden... vor allem... darf sich nach Meiers Logik niemand beschweren, wenn demnächst in Minute 15 jemand David Abraham bei einem Zweikampf aufs Knie springt und dieses komplett zertrümmert... mit der Begründung: Ich musste es tun um meine eigene Gesundheit zu schützen, ich hatte Angst davor, später eine Gehirnerschütterung zu erleiden... Und ja... das war der 2. unangebrachte Ellenbogenschlag...
Wenn das größte Fachmagazin des Landes deinen letzten geschlossenen Auftritt als Anlass nutzt um allen zu erklären, dass man die unfairste Mannschaft der Liga mit den meisten Verwarnungen ist... sollte man als Führungsspieler dieser Mannschaft keine "Dann musst du auch damit rechnen, dass andere dich verletzten wollen" Aussagen um die Ecke kommen... Ich sag's ja nur. Wenn man in der Fairplay Tabelle hinter dem Hamburger SV steht, sollte man sich nicht über Spieler beschweren, die am Rande der Legalität arbeiten...

A propos HSV: Dieser Verein... ist so absurd Großartig. Jetzt haben sie also doch Dietmar Beiersdorfer entlassen. Oder werden, da ist man sich noch nicht so ganz sicher. Also im Gegensatz zu Klaus Allofs, dessen Entlassung feststeht, hat man sich beim HSV "nur" auf einen Nachfolger geeinigt. Das völlig absurde daran: Er wird nach der erfolgreichsten Phase seiner 2. Amtszeit entlassen. So was kann nur der HSV... also als erstes haben sie Bruno Labbadia nach der bis heute besten Saisonleistung entlassen. Und dann feuern sie Beiersdorfer ausgerechnet dann, wenn seine "Arbeit" anfängt "Früchte" zu tragen...
Und natürlich auch wieder zum dümmstmöglichen Zeitpunkt. Und ja, Heribert Bruchhagen ist für 3/4 aller Bundesligavereine ein Upgrade auf der Funktionärsposition. Aber jetzt muss der erst Mal einen Sportdirektor suchen... und dann muss er sich nen Plan über die Finanzen machen (oder anders ausgedrückt mit Klaus Michael Kühne quatschen). Danach muss er sich der Kader mal genauer angucken um persönlich festzustellen, wo die Mannschaft wirklich am dringendsten Verstärkungen braucht. Und dann kann er die Scouts, denen er blind vertrauen muss, losschicken um diese Verstärkungen zu finden... all das 20 Tage, bevor das Transferfenster geöffnet wird. Ich sehe nicht, wie das schief gehen könnte...

Wenn man schon seinen quasi Manager entlassen will... der über den Kader und die gescouteten Spieler einen Überblick haben muss... dann sollte man das spätestens im Oktober machen. Und dass Beiersdorfer die HSV Saison gegen den Baum gefahren hat und ersetzt werden sollte, war ja auch schon im Oktober zu sehen... dann hat der Nachfolger nämlich 2 Monate Zeit, um die Weichen zu stellen. Und zum Weichen Stellen wird Bruchhagen ja geholt...
Aber hey... es ist ja der HSV und es geht ja nur darum, Ingolstadt und Darmstadt hinter sich zu lassen. Dafür wird es ja schon reichen.

Chicharito: Was haben wir aus der Timo Werner Nummer gelernt? Nun ja... man muss sich halt gleich fallen lassen, dann gibt es keine Probleme. Ich meine ernsthaft: Wir haben den Exakt Gleichen Zweikampf wie vor einer Woche. Und es passiert immer Naldo. Obwohl auch hier gilt: Chicharito muss sich da nicht fallen lassen, er kann aber...
Timo Werner wird jetzt deutschlandweit dafür ausgepfiffen, dass er es nicht gleich gemacht hat, bei Chicharito heißt es "Die richtige Entscheidung, keine Frage"...
Am lustigsten finde ich jetzt ja all die Kandidaten, die uns (und ihm) einreden wollen, dass die Pfiffe bei Werner eine spürbare Wirkung hinterlassen... Der Junge hat letztes Jahr für den VfB Stuttgart gespielt, der ist an permanent Pfeifkonzerte gewöhnt...
Aber... gerade Ralf Rangnick sollte sich bei solchen Interpretationen zurück halten... schließlich... glaubt sein Team ihm alles, was er sagt.
Nur mal so zum nachrechnen: Am Montag gibt er bekannt, dass seine Mannschaft ja quasi immer Außenseiter ist. Bis Samstag, 15:30 hat seine Mannschaft das so weit verinnerlicht, dass sie mit der klaren, aber für sie halt ungewohnten, Favoritenrolle gegen den Tabellenletzten nicht klar kommt... und verliert dort dann souverän...

Niklas Stark: Ab und zu kommt es ja wirklich vor, dass die Gegentorvorlagen so offensichtlich sind, dass sie sogar im Kicker und vom eigenen Trainer Anerkennung finden. So wie bei Niklas Stark, der nach seinem beherzten Solo am eigenen 16er den Ball Max Kruse überließ, damit dieser zum Siegtreffer einnetzen konnte. Dass ein Gegentorvorlagengeber vorer 5 Sekunden lang den Ball am eigenen Fuß hatte, ist definitiv eher ungewöhnlich, normaler Weise kommen solche Aktionen ja durch hektisches Gestocher zustande...
Die Hertha führt damit nebenbei in dieser exklusiven Statistik mit 3 Gegentorvorlagen in 14 Spielen... anders ausgedrückt: Wenn die nicht ständig solche dämlichen Gegentore kassieren würden, könnten die echt Bayern Jäger spielen...