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Dienstag, 16. September 2025

Borussia Mönchengladbach ist das Anti-Leverkusen

 Nun ist es also doch passiert: Die offensichtlichste Trainerentlassung der Saison wurde am 3. Spieltag vollzogen. Georado Seoane ist nicht länger Trainer von Borussia Mönchengladbach. Wenn Schlagzeilen wie "schlechtester Punkteschnitt seit Michael Frontzeck" die Runde machen, ist das die logische Konsequenz. Alternativlos... hätte eine Merkel gesagt.

Und hier muss man festhalten, dass es wirklich überfällig war. Saisonübergreifend 10 Bundesliga-Spiele ohne Sieg und 5 Spiele ohne Tore. Über den misratenen Schlussspurt der letzten Saison wurde von allen Seiten schon ausführlich geschrieben. Was dabei aber viele ignorieren: Schon die vorletzte Saison endete eher dürftig. Nicht ganz so katastrophal wie die letzte, aber das war auch schon weit weg von gut.

Kurzer Einschub: Ich fahre gerade Bahn durch ein digitales Entwicklungsland. Deswegen habe ich die Daten gerade nur auf einem Handy... Trust be, Bro: Schon 2024 endete mit 6 sieglosen Spielen. 1 Sieg aus den letzten 12 Spielen... inklusive eines Ausscheiden im DFB-Pokal gegen den 1.FC Saarbrücken. Man  spielte damals relativ viel Unentschieden, deswegen viel das nicht ganz so auf. Aber am Ende wurde man auch nur 14..

Man hatte also Daten aus 2 Jahren gemeinsamer Arbeit, die nahelegen, dass Seoane die Mannschaft nicht wirklich besser machen kann. Oder das er die Kabine im Laufe der Saison verliert. Oder beides. Ein Mal kann das passieren, aber doch nicht 2 Jahre infolge.  Da muss man sich als Manager schon fragen, das der Trainer unter der Woche eigentlich so macht.

Eine Trennung im Sommer wäre schon ein konsequenter und nachvollziehbarer Schritt gewesen. Vor dieser Entscheidung wollte man sich aber anscheinend drücken. Stattdessen schob man diese bis zum schlimmstmöglichen Zeitpunkt auf.

Denn jetzt hat man ja nochmal einen ganzen Sommer mit Seoane gearbeitet und geplant. Man wird den schon gefragt haben, ob er einen Giovanni Reyna gebrauchen könnte.  Und dann hat man ihm nochmal die Länderspielpause gegeben, damit er das Ruder nochmal rumreißen kann... Obwohl er bereits in diesem Verein nachgewiesen hat, dass das nicht seine Spezialdisziplin ist. Dass man gegen Bremen verliert, war da eher erwartbar. Nur das man sich so abschlachten lässt, war vielleicht überraschend. Wobei sich das auch in Grenzen hält, denn die Mannschaft versucht ja seit Monaten dem Management zu vermitteln, dass das mit diesem Trainer nicht funktioniert.

Wenn man wenigstens vor der Länderspielpause reagiert hätte, hätte man zumindest ein größeres Zeitfenster gehabt, um einen Nachfolger zu finden. Stattdessen setzte man auf das Prinzip Hoffnung. Daumen drücken, dass das schon irgendwie wird. Und mit diesem Prinzip ist man krachend gescheitert. Das ist für mich das offensichtlichste Merkmal für schlechtes Management.

Da frage ich mich als nächstes, warum die Luft für Roland Virkus jetzt auch dünner wird. Der hat noch Luft? Hat der, abgesehen vom Tim Kleindienst Transfer irgendwas in der Vita stehen, dass dies rechtfertigt? Das epische Zaudern und Zögern im Fall Seoane spricht eher dagegen.

Der hat ja, um den Datensatz etwas zu erweitern, auch bei Bayer Leverkusen nachgewiesen, dass er nicht langfristig erfolgreich arbeitet. Falls das irgendjemand vergessen hat: Seoane war der direkte Vorgänger von Xabi Alonso. Der hat die Mannschaft auf Platz 16 übernommen. Wer sehen will, wie sich ein besserer Trainer auf eine Mannschaft auswirkt, sollte sich den Übergang mal angucken. 

Virkus hat sich das angesehen und gedacht: Geil, dem Seonae gebe ich einen langfristigen Vertrag mit Millionengehalt. Das Gehalt ist so fett, dass man eine Entlassung im 2. Sommer schwer rechtfertigen kann. Dadurch hat er sich jetzt in diese bescheidene Situation manövriert.

Wenn man dagegen guckt, wie ein ordentlich geführter Verein auf einen derartigen Fehler reagiert. Also ja, dass Simon Rolfes einen Erik ten Haag nach 2 Spieltagen entlassen hat, sieht sehr schlecht aus. Die Verpflichtung dieses Trainers war halt eine Fehlentscheidung. Aber sie führte dazu, dass Rolfes und Virkus sich im selben Szenario befanden. 
Nur kam Rolfes halt zu dem Schluss, dass er den Trainer lieber gleich entlässt, während Virkus lieber noch 3 Monate wartet. 

Und natürlich kann man jetzt schreien, dass die Trainer ja viel zu schnell geopfert werden. Man kann ja nicht ständig den Coach austauschen, man muss die Mannschaft in die Verantwortung nehmen. Das hätte ich auch genau so geschrieben... Wenn man Seonae nach dem ersten verkackten Schlussspurt entlassen hätte. Wenn man dem Trainer danach aber noch eine ganze Saison gibt, um allen zu beweisen, dass es nicht an ihm lag, hat man ihm definitiv genügend Zeit gegeben. 

Freitag, 7. Oktober 2022

Bayer Leverkusen Einbruch verwirrt mich.

 Also klar, es kommen immer die einfachen und scheinbar offensichtlichen Antworten: Es fehlt ein Arbeiter-Kern. Weil Jonathan Tah, Robert Andrich udn Charles Aranguiz nicht mehr im Kader stehen. Oh warte...

Also ganz ehrlich: Ich gehe schon davon aus, dass Bayer unter Xabi Alonso einen Dead Coach Bounce erleben wird und dass sich relativ viele Probleme vorerst in Luft auflösen werden und Bayer zumindest in die Conference League einzieht. Denn aus meiner natürlich auf reinen Spekulationen beruhenden Perspektive hat Gerardo Seonae einen Bruno Labbadia gebaut und nach etwas über einem Jahr seine Kabine verloren. Und dann entsprechend kurz darauf seinen Job. So was passiert. Die einzige Überraschung ist ja, dass es sowohl dieser Mannschaft als auch diesem Trainer passiert ist.

Zunächst mal die Mannschaft: Es war ja nicht so, dass ich irgendwie große Unruhe im Kader angedeutet hat. Man hat quasi nur Ergänzungsspieler abgegeben. So schlimm kann der Abgang von Lucas Alario nicht wirken. Gut, der Kicker schreibt eher von Julian Baumgartner, aber der spielt noch nicht mal in Augsburg eine relevante Rolle. Zu glauben, dass eine Mannschaft derart einbricht, weil ein Spieler geht, der im letzten Jahr 85 Minuten gespielt hat, halte ich für übertrieben. Man wäre auch mit dem Mann auf der Tribüne in derselben Scheiß Position.

Weil Bayer seine Stammspieler halten konnte, habe ich aus vollster Überzeugung geschrieben, dass die Moussa Diaby Personalie die wichtigste des Sommers sein wird. Zusammen mit Christopher Nkunku. Diese beiden Spieler sollten die Meisterschaft offen und spannend halten. #PassivesAbseitsLeserwissenesexklusiv. Also beide Prognosen sehen gerade richtig Scheiße aus. 

Dass Diabys Transfersommer relativ geräuschlos verlief, hat mir halt echt Hoffnungen gemacht. Er gab "bereits" Mitte Juni sein Bekenntnis zur Werkself ab, anstatt bis in den August hinein auf einen Wechsel zu spekulieren. Er verhandelte, soweit wir wissen, auch nicht groß mit anderen Vereinen. Es musste kein Machtwort von Simon Rolfes geben, dass der Spieler nicht abgegeben wird. Er blieb schon aus eigener Überzeugung. Wenn er jetzt auch noch mit dieser Überzeugung spielen würde... Stattdessen steht er bei 0 Toren und 1 Vorlage nach 8 Spielen. Wenn er seine eigentlich erwartbaren 4 Scorerpunkte gesammelt hätte...

Dabei ist es ja nicht mal so, dass Diaby wirklich schlecht spielen würde. Also sein Kicker-Notenschnitt ist 1,2 Punkte besser als alles, was seine Offensivkollegen im Zeugnis stehen haben. Er ist quasi der einzige, der nicht akut versetzungsgefährdet ist. Wobei es ja korrekt heißen müsste, dass er als einziger versetzungsgefährdet ist, die anderen müssen die Klasse wiederholen. Also um das festzuhalten: Diaby ist nicht das Problem, er leidet halt unter den Umständen. Aber es hat halt vorher nichts darauf hingewiesen, dass dieser Kader so einbrechen würde.

Und auch beim Trainer Seoane ist das ähnlich. Also klar, der ist noch ein junger Trainer und auf seiner ersten Station in einer großen Liga. Aber er ist halt vorher auch noch nie entlassen worden. Und er hat ja auch schon nachgewiesen, dass er über 3 Jahre in einem Verein arbeiten kann, ohne dass es Abnutzungserscheinungen gab. 

Nehmen wir einfach mal das Saisonfinish der Vorsaison als Indikator. Die Mannschaft spielte eine deutlich bessere Rückrunde, was eigentlich ein gutes Zeichen für die Arbeit eines Trainers ist. Man beendete die Saison mit 4 Siegen in Folge. Also selbst als die Champions League praktisch eingetütet war, es aber keinen "Anreiz" mehr nach oben gab, ließ diese Mannschaft nicht nach. Das ist zum Beispiel etwas, was Julian Nagelsmann nicht hinbekommen hat, "seine" Bayern spielten eine deutlich schwächere Rückrunde. Das ist ein Nachweis für gute Trainerarbeit und ein funktionierendes Betriebsklima.

Jetzt muss man sich plötzlich fragen, ob ein größerer Umbruch im Sommer doch besser gewesen wäre. Ob man es sich einfach zu bequem gemacht hat, weil ja jeder schon in der Vorbereitung grob wusste, wie die Saison ablaufen würde. Denn, und das muss auch dringend festgehalten werden, ich behaupte nicht, dass die Mannschaft bewusst gegen den Trainer entschieden hat, wenn ich so lapidar sage, dass "er die Kabine verloren hat". Es kann durchaus sein, dass sich unbewusst ein Schlendrian eingeschlichen hat, gegen den Seoane dann nicht erfolgreich vorgehen konnte. Genau so kann es sein, dass Patrick Schick und eben Diaby nur geblieben sind, weil sie niemand wirklich haben wollte. Und dann schalten die beiden in den "Ich AG" Modus, um einen ähnlichen Verlauf im nächsten Sommer zu verhindern. Das sind aber, wie schon erwähnt, alles nur Spekulationen.

Das ist halt das faszinierende an der Bundesliga: Abgesehen von dem Fakt, dass Bayern Meister wird, kann quasi alles passieren. Niemand hat diesen Einbruch von Bayer kommen sehen. Genau genommen hat noch nicht mal jemand ein Einbrüchchen kommen sehen, wir gingen alle davon aus, dass Bayer die Saison in der Top 4 beenden würde. Selbst ein 9. Platz mit 3 Punkten Rückstand aufs Saisonziel wäre eine Enttäuschung. Stattdessen ist man 17. mit 5 Punkten. Und hat sich in der ersten Runde im Pokal blamiert. Aber, um das Chaos komplett zu machen, Atletico Madrid hat man geschlagen. Wenn irgendjemand darauf gewettet hätte, dass Bayer bis Oktober nur Mainz 05 und Atletico besiegt und sonst keinerlei Pflichtspiele gewinnt...